Über Hamsterhilfen



  1. #1
    Casimir

    Über Hamsterhilfen


    Hamsterhilfen


    Immer wieder stellen sich vor allem neue User die Frage: Woher soll ich den Hamster nehmen? Die erste Anlaufstelle ist dann meist die Zoohandlung oder auch ein Züchter.
    Es scheint bisher immer noch relativ unbekannt zu sein, dass es Hamsterhilfen gibt. Deshalb soll hier einmal kurz und knapp über Hamsterhilfen berichtet und mit einigen Vorurteilen aufgeräumt werden.


    Was sind Hamsterhilfen?
    Hamsterhilfen sind gemeinnützige Vereine, die Hamster aus schlechter Haltung aufnehmen, pflegen und dann in eine artgerechte Haltung vermitteln.

    In Deutschland gibt es vier Hamsterhilfen:
    www.hamsterhilfe-nord.de
    www.hamsterhilfe-nrw.de
    www.hamsterhilfe-suedwest.net
    www.hamsterhilfe-owl.de
    www.hamster-in-not.de

    Jede Hamsterhilfe betreut einen Teil von Deutschland, sodass eigentlich jeder in einem Gebiet einer Hamsterhilfe wohnt.

    In Österreich wurde vor nicht allzu langer Zeit auch eine Hamsterhilfe gegründet:
    www.hamsterhilfe.at

    Die Schweiz hat nun auch eine Hamsterhilfe:
    http://www.hamsterhilfe.ch/

    Die Hamsterhilfen sind ein Zusammenschluss von ehrenamtlichen, privaten Pflegestellen. Sie nehmen Hamster auf, die nicht mehr gewollt sind, weg müssen weil die Besitzer eine Allergie entwickelt haben oder weil ein vermeintliches Männchen aus der Zoohandlung doch ein trächtiges Weibchen war und die Besitzer mit dem Wurf schlichtweg überfordert sind. Leider ist es oftmals der Fall, dass die Besitzer denken sie hätten die Geschlechtertrennung im Griff und dann auf einmal auf 30, 40 oder sogar auch 100 Hamstern sitzen. In solchen Fällen arbeiten dann alle Hamsterhilfen zusammen und verteilen die Hamster auf alle freien Pflegestellen.
    Die Tiere werden regelmäßig einem Gesundheitscheck unterzogen, gewogen und im Fall der Fälle einem Tierarzt vorgestellt. Erst wenn die Tiere gesund sind, die Behandlungszeit vorbei ist und ausgeschlossen werden kann, dass ein Weibchen trächtig ist werden sie vermittelt.
    Das alles machen die Pflegestellen in ihrer Freizeit, neben dem eigenen Job, Haushalt und Familie.
    Spenden an den Verein (und auch die Schutzgebühr) kommen auch wirklich im Verein an und werden dann für Tierarztbesuche, wie z.B. teure Operationen genutzt.


    Wie läuft die Vermittlung ab?
    Eine sehr häufige Frage, die immer noch für Verwirrung sorgt. Deshalb hier einmal der Vermittlungsablauf in Stichpunkten.
    Man hat sich die Seiten der Hamsterhilfen angeschaut und sich in einen vermittelbaren Hamster verliebt- und nun?
    .
    1) Jeder Hamster sitzt bei einer Pflegestelle, die im Steckbrief des Tieres auch immer ihre Kontaktdaten angibt. Nun schreibt man dieser Pflegestelle, dass man diesen Hamster gern aufnehmen möchte. Damit es schneller geht, fügt man am besten gleich Fotos vom Gehege hinzu und erzählt etwas über sich und die Haltung. Unterm Strich wollen die Pflegestellen immer das gleiche wissen:
    • Wie groß ist das dein Gehege und welche Einrichtung ist dort drinnen?
    • Kannst du einen Auslauf anbieten?
    • Was verfütterst du für ein Trockenfutter und welches Frischfutter?
    • Sind alle Familienmitglieder mit dem Hamster einverstanden? Wird bei euch geraucht und wohnen noch andere Tiere dort?
    • Bist du schon über 18 Jahre? Wenn nicht, müssen deine Eltern den Schutzvertrag unterschreiben.
    2) Ist das geklärt und die Pflegestelle zufrieden, wird sie bei dem Hamster markieren dass er einen Interessenten hat. Dann schickt sie dir den Schutzvertrag zu, den du oder deine Eltern ausfüllen müssen und zur Pflegestelle zurückschicken sollten.
    Anschließend wird noch die Schutzgebühr (in der Regel zwischen 5€ und 7€) überwiesen und erst dann gilt der Hamster als fest reserviert.
    3) Wenn man etwas weiter von der Pflegestelle wohnt und den Hamster nicht persönlich abholen kann, wird nun eine Mitfahrgelegenheit gesucht.
    Mitfahrgelegenheiten sind Menschen, die eine bestimmte Strecke fahren und im Internet anbieten, auf dieser Strecke andere Personen mitzunehmen. Findet man eine für diese Strecke, ruft man bei dieser Person an und fragt einfach, ob sie auch einen Hamster mitnehmen würden. Viele machen das kostenlos, andere verlangen trotzdem einen kleinen Beitrag (erfahrungsgemäß nicht mehr als 10€).Nun übergibt die Pflegestelle den Hamster der Mitfahrgelegenheit und du holst ihn dann am vereinbarten Treffpunkt ab- und schon ist der Hamster bei dir!



    Vorurteile
    Das alles ist schön und gut und auf jeden Fall eine unterstützenswerte Sache, aber trotzdem stößt man bei der Aufklärung zu diesem Thema immer wieder auf Vorurteile, wenn es um Hamsterhilfen und auch Tierheime geht.
    .
    1) In Tierheimen und Pflegestellen sitzen nur alte Hamster. Ich will einen jungen, der noch eine Weile lebt.
    Das stimmt so nicht. Immer wieder kommen trächtige Weibchen in die Hamsterhilfe, die dann in den Pflegestellen ihre Babys zur Welt bringen. Diese müssen dann noch eine Weile bei der Mutter bleiben, bis sie groß und/oder schwer genug sind, um alleine leben zu können.
    Es ist leider gar nicht so selten, dass Würfe in den Hamsterhilfen sitzen- man bekommt hier auf jeden Fall auch sehr junge Tiere.
    2) Dort gibt es nur langweilige Farben. Ich will einen Pandahamster, einen Schlumpfhamster, keinen braunen Hamster!
    Diese Farbbezeichnungen wurden vom Zoofachhandel eingeführt, um die Tiere besonders speziell und interessant klingen zu lassen. Im Endeffekt sind das auch nur ganz normale Goldhamster mit einem ganz normalen Farbschlag, die auch nicht viel schneller zahm werden und anders zu halten sind.
    In den Hamsterhilfen sitzen Hamster in allen erdenklichen Farbschlägen. Von der normalen Färbung über komplett schwarze, komplett weiße, schwarz-weiß-gefleckte oder sogar dreifarbig- alles ist vertreten.

    Vor- und Nachteile
    Vielen Menschen ist diese ganze Prozedur leider viel zu aufwendig und langwierig- sie wollen ihren Hamster jetzt sofort in ihrem Käfig sitzen haben und nicht so lange warten und vor allem erst Recht nicht ihre Haltung zeigen und vielleicht auch einsehen müssen, dass diese absolut nicht artgerecht ist. Diese Menschen gehen dann beispielsweiße in die Zoohandlung um die Ecke und kaufen sich einen Hamster.
    Sehr oft ist dann wenige Tage später das Geschrei groß, wenn der Hamster auf einmal Babys bekommen hat, wenn er den ganzen Tag am Gitter knabbert oder das Laufrad solchen Lärm macht, dass man nicht schlafen kann.
    Daher hier mal ein paar Vorteile für den Besitzer und das Tier, wenn man es aus einer Hamsterhilfe holt.


    Hamsterhilfe
    Zoofachhandel
    Gesundheit
    Die Tiere sind tierärztlich untersucht, haben ihre Quarantänezeit abgesessen und werden kerngesund vermittelt.
    Einen Tierarzt/Behandlung können sich nicht alle Zoohandlungen leisten, sodass man oftmals sichtbar kranke Tiere in den Käfigen sitzen sieht.
    Geschlecht
    Die Geschlechter werden eindeutig bestimmt, im Falle von Unsicherheiten werden andere Pflegestellen oder der Tierarzt hinzugezogen.
    Die meisten Mitarbeiter sind nicht in der Lage, die Geschlechter zu unterscheiden. Man sieht immer wieder Böckchen im angeblichen Käfig der Weibchen- was das für Konsequenzen hat, kann sich jeder selbst ausmalen.
    Trächtigkeit
    Es werden keine trächtigen Weibchen vermittelt. Alle potentiell trächtigen Weibchen müssen ihre Trächtigkeitsquarantäne absitzen, damit hundert prozentig sicher ist, dass sie nicht trächtig sind. Die Weibchen sind dort in guten Händen und werden aufmerksam beobachtet, damit nichts schief geht.
    Ob ein Weibchen nun trächtig ist oder nicht, ist dem Zoofachhandel herzlich egal. Sollten die Weibchen zu Hause werfen, bieten sie oftmals sogar an den Nachwuchs kostenlos wieder zurückzunehmen. Somit hat der Zoohandel keine Arbeit mit der Aufzucht der Kleinen und hat kostenlos Nachschub zum Verkaufen bekommen. Bei unerfahrenen Besitzern kommt es auch oft vor, dass die Mutter die Babys auffrisst weil sie nicht die nötige Ruhe oder Eiweiß hat oder einfach nur unter Stress steht.
    Verhalten und artgerechte Haltung
    Die Tiere werden nur in ausreichend große Gehege vermittelt, sodass von vornherein versucht wird Verhaltensauffälligkeiten wie Gitterknabbern entgegen zu wirken. Jedes Tier hat individuelle Ansprüche, sodass ein Goldhamster z.B. ein größeres Gehege benötigt um glücklich zu sein als ein anderer Goldhamster.
    Hauptsache verkaufen. Oftmals sind es die wunderbar bunten Gitterknäste mit den Plastikröhren, die mit dem Hamster zusammen gekauft werden. Dass der Hamster dort nicht ansatzweiße seinem natürlichen Verhalten nachkommen kann, ist Nebensache. Er kann nicht buddeln, das Laufrad ist zu klein und schlecht verarbeitet. Es wird nicht lange dauern, bis der Hamster am Gitter hängt oder auch sehr schlechte Laune hat, da er keine Möglichkeit hat sich im hohen Streu von den Alltagsgeräuschen abzuschirmen.
    Diabetes
    Jeder diabetesgefärdete Hamster wird regelmäßig auf Diabetes getestet, sodass im Falle eines positiven Ergebnisses ein entsprechendes Futter verfüttert werden kann.
    Über Diabetes wird nicht aufgeklärt. Oftmals ist noch nicht einmal die Artenbestimmung richtig, sodass man einen Dsungaren kauft und einen Roborowski hat. Diabetesgefährdete Tiere brauchen bestimmtes Futter, damit die Krankheit vielleicht sogar eingedämmt werden kann.
    Und zum Schluss: die Pflegestellen kennen ihre Tiere. Sie wissen, ob sie scheu oder zahm sind, ob sie erst nach Mitternacht munter werden oder auch mal tagsüber zu sehen sind. Sie sind stets bemüht, den Tieren langsam die Angst vor der Hand und dem Menschen zu nehmen und ihnen die Chance zu geben, wieder ein ganz normaler Hamster zu sein, der sich im hohen Streu seine Gänge und Kammern anlegen kann. Oftmals legen sich durch eine artgerechte Haltung auch Aggressionen, die Tiere in kleinen Gitterkäfigen mit sehr wenig Ruhe und Schlaf entwickeln.
    Es ist für jeden Geschmack ein Hamster in der Hamsterhilfe. Scheue Tiere, handzahme Tiere, Phantomhamster oder Hamster, die ständig auf Achse sind.
    Es gibt hunderte Hamster, die auf eine zweite Chance warten. Tiere im Zoohandel werden extra nur dafür produziert, dass sie gekauft werden. In den Hamsterhilfen ist man bemüht, all den ungewollten Hamstern zu helfen und ihnen ein wunderbares, restliches Leben zu verschaffen. Sollte es irgendwann keine Notfellchen mehr geben, wäre das ein wunderbarer Tag aber bis dahin vergeht noch eine ganze Weile.
    Geändert von Casimir (15.02.2013 um 21:02 Uhr) Grund: HH ergänzt

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