Der Kauf einer Kuh - Gesundes Frischfleisch?



  1. #1
    Foss

    Der Kauf einer Kuh - Gesundes Frischfleisch?

    Hallo ihr Lieben

    Da ich gerade etwas im Internet schmökere, bin ich auf eine Firma in unserer Nähe gestoßen bei denen man sich das ganze Tier kauft und es dann bei Erreichung des Schlachtalters geschlachtet wird.
    Je nach finanzieller Investition darf man sich dann von dem Tier ein entsprechendes Fleischpaket (Herz, Rippenbögen etc.)
    mitnehmen.
    Die Tiere werden in Herden gehalten (verfügbar sind Lamm, Schaf und Rind), im Sommer Weidehaltung, im Winter Offenstallhaltung.
    Gefüttert wird kein Kraftfutter und kein Getreide sondern ausschließlich Heu.

    Man kann dort natürlich auch einfach hinfahren, "seine" Tiere auf der Weide beobachten und deren Entwicklung mitverfolgen.

    Aktuell spielen wir mit dem Gedanken dazu, uns an so einem Tier zu beteiligen, denn es ist regional, kontrollierbar und auch die Schlachtung erfolgt streßarm ganz in der Nähe.

    Ich weiß, das es solche Möglichkeiten in der USA gibt (mein Vater hat sich dort an einem Kalb beteiligt) und bin richtig begeistert das es hierzulande solche Möglichkeiten auch gibt.
    Preislich würde es sich im Rahmen von 800 bis 1600 € abspielen, je nach Tierart und Anzahl von Interessenten.

    Wie steht ihr denn dazu?
    Habt ihr mit dieser Art von Fleisch-Lieferung schon einmal Erfahrungen gemacht?
    Würde mich interessieren, da dies für uns Neuland ist und es wirklich sehr gut klingt.


    LG Foss
    Geändert von Foss (07.07.2016 um 10:22 Uhr) Grund: Schreibfehler korrigiert

  2. Anzeige
    Hast du schon mal hier geschaut? Eventuell ist ja auch was für dich dabei?!



  3. #2
    Seraph
    In Norddeutschland gibt es einen Bauern, der das für Schweine anbietet, da kommt auf jedes Produkt ein Bild mit dem Namen drauf.
    ich persönlich könnte das nicht. Habe auch keine Erfahrung damit. Aber artgerechter ist das auf jeden Fall im Gegensatz zu massentierhaltung

  4. #3
    zitroneneistee
    Hallo,

    hättest du bitte einen Link (oder mehrere) die du mir per PN schicken könntest?
    Ich habe keine Erfahrung damit, finde die Idee allerdings sehr interessant.

    Seraph, was genau könntest du nicht?

  5. #4
    Foss
    Grüß dich

    Ich komme aus Österreich, weiß daher nicht, ob das Ganze für dich lohnenswert wäre.
    Habe jedoch von Para per PN einen Link bekommen, das es so etwas auch in Deutschland gibt.
    Auch unter dem Begriff "Crowdbutching" findet man dazu so einiges.
    Ich schicke dir eben die PN

    LG Foss

  6. #5
    Choupette
    Örgs, das wäre mir deutlich zu persönlich und ich müsste auch passen. Massentierhaltung jetzt mal außen vor gelassen - ich will das Stück Fleisch auf meinem Teller oder im Hundenapf nicht kennen. Wenn ich das richtig verstehe sucht man sich aber ein ganz bestimmtes Tier aus, zahlt dafür und kann es aufwachsen sehen? Nee, also das wäre mir deutlich zu persönlich. Ich würds dann vermutlich ganz kaufen und mir in den Garten stellen...

  7. #6
    Foss
    Hallo

    Da scheint es unterschiedliche Arten zu geben. Man weiß zumindest bei einem Anbieter den Namen, die Rasse und die Ohrnummer. Mehr scheint es da nicht zu geben.
    Wenn es genug Käufer gibt und das Tier geschlachtet wird, erhält man eine E-Mail.
    Der Anbieter sucht sich dafür in Bayern und BaWü entsprechend regionale Tiere und man sieht auf der Homepage dann den aktuellen Stand und die Daten (ohne Foto).
    Nach der Schlachtung wird das Paket dann zugeschickt oder man holt es sich ab.

    Nachteil: Man muss halt auf die Angaben vertrauen, da man das Tier wohl selbst nicht besichtigt.

    Bei meinem österr. Anbieter ist jedoch eine Besichtigung möglich - mich persönlich stört das Ganze nicht, da ich sowieso die 4 jährige Landwirtschaftsausbildung habe und wir das Ganze (und auch die unschönen Dinge etc.) gelernt haben.
    Aktuell beziehe ich von der Firma dort nur das Brennholz, werde mich aber wohl demnächst diesbezüglich mit ihnen in Verbindung setzen.

    LG Foss

  8. #7
    Keisuke
    Ich kenne teilweise meine Schnitzel persönlich und sehe sie täglich (kenne einen quasi Hobby-Bio-Halter). Es war schon seltsam, das erste Mal das Schnitzel auf dem Teller zu haben und sich zu fragen, welches der Schweine da nun liegt - aber da ich nicht genau weiß welches, geht das. Namen haben die Tiere für mich nicht, aber trotzdem ist da "das eine mit der süßen Nase" oder so.
    Ich weiß und sehe, wie glücklich die Viecher sind, wenn sie leben. Sie werden meist 1 oder 1,5 Jahre alt, wesentlich älter als anderes Schlachtvieh.

    Eier holen wir eh vom Nachbarn und bekommen da auch ab und zu ein Suppenhuhn, allerdings selbst geschlachtet und daher ungewohnt gerupft.
    Ich hab auch schon oft Hühner beim Schlüpfen zugesehen, beim Aufwachsen und dann auch erfahren, wenn sie geschlachtet werden.

    Irgendwie habe ich damit keine so großen Probleme. Selbst schlachten könnte ich wohl nicht, ich hab aber z.B. schon Fische ausgenommen oder beim Zerlegen von größeren Stücken, die wir vorher direkt beim Schlachter abgeholt haben, geholfen.

    Da scheint es unterschiedliche Arten zu geben. Man weiß zumindest bei einem Anbieter den Namen, die Rasse und die Ohrnummer. Mehr scheint es da nicht zu geben.
    Heißt also eigentlich kann ich auch zum Markt oder Hofladen gehen und dort nachfragen, wie und wo die Tiere gehalten werden und mich auch auf die Aussage verlassen, oder? Weil viele Hofläden hier versichern natürlich, dass die Rinder auf der Weide rumhüpfen - geprüft habe ich das bisher nicht und könnte es auch nicht bei dieser Form der Aktion, oder?

  9. #8
    Hundefreundin12
    Zitat Zitat von Choupette Beitrag anzeigen
    Örgs, das wäre mir deutlich zu persönlich und ich müsste auch passen. Massentierhaltung jetzt mal außen vor gelassen - ich will das Stück Fleisch auf meinem Teller oder im Hundenapf nicht kennen. Wenn ich das richtig verstehe sucht man sich aber ein ganz bestimmtes Tier aus, zahlt dafür und kann es aufwachsen sehen? Nee, also das wäre mir deutlich zu persönlich. Ich würds dann vermutlich ganz kaufen und mir in den Garten stellen...
    Mir wuerde es wahrscheinlich genau so gehen.
    Fleisch essen, in maßen-ok.
    Es kennen? Fuer die weide perfekt, zum essen? Niemals!

  10. #9
    Seraph
    Ich kann kein Tier essen und erst recht keins, zu dem ich eine Bindung hätte. Sei es durch Fotos oder durch Besuche auf der Wiese oder nur weil ich weiß, das es genau DAS Tier ist, das da gerade auf meinem Teller liegt.

    ich hab ja sogar aufgehört Fisch zu essen, als wir uns ein Aquarium angeschafft hatten.

  11. #10
    Foss
    Heißt also eigentlich kann ich auch zum Markt oder Hofladen gehen und dort nachfragen, wie und wo die Tiere gehalten werden und mich auch auf die Aussage verlassen, oder?
    Richtig, bei dem einen deutschen Anbieter sieht man auf der Homepage die Ohr-Nr, den Namen, die Rasse und zu wieviel Prozent das Tier schon bestellt/gekauft ist.
    Richtige Fotos vom lebenden Tier findet man dort auf der Homepage nicht.
    Laut Angabe wird das Fleisch vakuumverpackt und dann nach der Reifezeit und Schlachtung an die Käufer geschickt.

    Da muss man sich halt auf die Angaben auf der Homepage verlassen, weil wirklich kontrollieren, so wie bei der österr. Firma kann man das wohl nicht.

    LG Foss

  12. #11
    zitroneneistee
    Ich komme nicht klar damit. Ob ich es vorher gestreichelt habe oder ein Foto gesehen habe oder gar nichts, das ändert doch nichts am Ergebnis.

    Die Möglichkeit einen Shop zu suchen, bei dem man kein Foto bekommt, ist gegeben. Es ist dann nur eine Nummer. Würdet ihr diesen Weg nutzen? Wenn nein, warum nicht?

  13. #12
    Keisuke
    Ob ich es vorher gestreichelt habe oder ein Foto gesehen habe oder gar nichts, das ändert doch nichts am Ergebnis.
    Es geht ja darum, dass ich weiß und mir anschauen kann, wie das Tier lebt. Nur, weil ich Fleisch beim Metzger kaufe, heißt das ja nicht, dass die Viehhaltung in Ordnung geht. Aber, wenn ich die Möglichkeit habe das Tier zu besuchen, sehe ich ja die Lebensumstände.
    Ob ich dann Schwein A oder B auf dem Teller hab, ist mir ehrlich gesagt auch relativ egal.

    Es ist dann nur eine Nummer. Würdet ihr diesen Weg nutzen? Wenn nein, warum nicht?
    Nein. Da kann ich genauso gut beim Hofladen, Metzger oder Marktstand erfragen, woher die Tiere stammen. Wir haben einen Stand auf dem Markt, der zeigt tolle Rinder auf der Wiese. Ob die wirklich so leben oder nicht, habe ich selbst nicht geprüft. Ebenso kann man mir im Shop gern sagen, wie toll die Tiere leben, aber wenn ich's nicht sehe ...

    Anders ist's, wenn der Shop verschiedene Bio-Siegel hat, aber auch da kann ich zum nächsten Laden hüpfen. Es geht ja nicht darum, dass ich genau das Schnitzel kenne, sondern die Lebensumstände. Jedenfalls ist das bei mir so. Gibt sicher auch Leute, die es cool finden "sein Rind" zu haben und das dann indirekt mit "aufziehen" und dann schlachten lassen.... keine Ahnung. Sicherlich auch interessant so den "Werdegang" mitzuverfolgen...

  14. #13
    Seraph
    Natürlich ist das Ergebnis das selbe, aber das Gefühl ein anderes. Aber wie gesagt, ich esse keine Tiere, egal ob bekannt oder unbekannt, ob Masse Tierhaltung oder wild geschossen...
    Grundsätzlich ne tolle Sache, aber eben nix für jeden.

  15. #14
    ShiGi
    Ich esse zwar kein Fleisch und werde solche Angebote dementsprechend nicht nutzen, aber unabhängig davon finde ich sowas echt super. Und zwar genau aus den Gründen, wegen denen viele es ablehnen, das Tier zu kennen, von dem das Fleisch stammt.
    Denn egal, welches Fleisch auf dem Teller landet, es gehörte ursprünglich mal zu einem individuellen Lebewesen. Und ich finde, wenn man Fleisch isst, sollte man der Tatsache auch ins Auge sehen können und sich nicht mit der Anonymität der Massentierhaltung schützen.

    Grundsätzlich verstehe ich aber auch jeden, der da Hemmungen hat. Wegen genau dieser Hemmungen esse ich ja auch kein Fleisch. Ich persönlich finde es nur etwas scheinheilig (sorry, das klingt etwas zu hart, mir fällt nur leider kein besseres Wort ein, um auszudrücken, was ich meine), nur Tiere zu essen, die man nicht kennt.

    Ich finde die österreichische Version, bei der man die Tiere besuchen kann, aber auch viel besser. Sonst geht ja der Effekt verloren, dass die gute Haltung der Tiere garantiert und nachprüfbar ist.

    Hier in der Gegend gibt es etwas ähnliches mit Hühnern und deren Eiern. Man zahlt einen einmaligen Betrag, um ein Huhn für ein Jahr zu "kaufen". Zusätzlich gibt es monatliche fixe Kosten. Dafür kann man das Huhn besuchen gehen und bekommt pro Woche 6 (?) Eier geliefert. Das kostet pro Ei auch nicht viel mehr als die Bioeier im Supermarkt.
    Wir essen nur nicht so viele Eier, sonst hätte ich so ein Huhn "gekauft"

  16. #15
    Choupette
    Uff, wegen solchen Anschuldigungen à la "Scheinheilig" halte ich mich normalerweise von solchen Threads fern.

    Nein, es ist nicht scheinheilig. Wir müssen in dieser Zeit weder jagen gehen noch kann jeder von uns Landwirt werden und jedes Schnitzel persönlich kennen. Oder ist es auch scheinheilig eine Anzeige bei der Polizei zu schalten, die Bremsen vom Automechaniker austauschen zu lassen oder eine Klage durch eine Anwalt einreichen zu lassen?

    Wenn jetzt noch ein Spruch kommt, dass es sowieso erstaunlich ist, wie wir die Leichenteile in unseren Mägen akzeptieren können, bin ich raus...

  17. #16
    andie
    Offtopic:

    Zitat Zitat von Choupette Beitrag anzeigen
    Uff, wegen solchen Anschuldigungen à la "Scheinheilig" halte ich mich normalerweise von solchen Threads fern.

    Nein, es ist nicht scheinheilig. Wir müssen in dieser Zeit weder jagen gehen noch kann jeder von uns Landwirt werden und jedes Schnitzel persönlich kennen. Oder ist es auch scheinheilig eine Anzeige bei der Polizei zu schalten, die Bremsen vom Automechaniker austauschen zu lassen oder eine Klage durch eine Anwalt einreichen zu lassen?
    Nein, und ich denke auch nicht, dass ShiGi das überhaupt gemeint hat. Es geht ja nicht um selbst schlachten oder schlachten lassen, sondern darum, bewusst darüber nachzudenken, dass das, was man da auf dem Teller hatte, nicht nur ein Stück Fleisch ist, sondern mal ein Tier war, das gelebt hat. Und genau das wird ja u.a. erreicht, wenn man das Tier, das man irgendwann mal essen wird, auch aufwachsen gesehen hat.

  18. #17
    ShiGi
    Das soll keine Anschuldigung sein, deshalb habe ich eigentlich dazu geschrieben, dass ich es eigentlich nicht so böse meine, wie es eventuell klingen könnte. Deshalb jetzt bitte nicht an diesem einen Wort aufhängen

    Genau so meine ich das, andie. Dadurch, dass man die Tiere nicht kennt, baut man eine Distanz zu ihnen auf, wodurch es mehr oder weniger egal ist, was mit ihnen passiert. Bei den einen ist es so, dass dadurch die Hemmungen wegfallen, überhaupt Fleisch zu essen, bei anderen geht das eben so weit, dass es auch egal ist, ob das Tier in Massentierhaltung gelebt hat. Ganz einfach weil man keinen Bezug dazu hat. Das finde ich etwas bedenklich und genau da sehe ich diese Kuh-/Schwein-/Schaf-Käufe mit Besuchsrecht usw. positiv.

  19. #18
    zitroneneistee
    Es geht ja darum, dass ich weiß und mir anschauen kann, wie das Tier lebt. Nur, weil ich Fleisch beim Metzger kaufe, heißt das ja nicht, dass die Viehhaltung in Ordnung geht. Aber, wenn ich die Möglichkeit habe das Tier zu besuchen, sehe ich ja die Lebensumstände.
    Ob ich dann Schwein A oder B auf dem Teller hab, ist mir ehrlich gesagt auch relativ egal.
    Das ist klar. Ich meinte damit, dass die Kuh, ich nenne sie einfach mal Amy, geschlachtet wird, damit ich es auf den Teller haben kann.
    Ich habe nun die Möglichkeit mir Amy anzusehen oder es zu lassen.
    Warum wollen so viele, die Amy essen wollen, sie vorher nicht sehen? Wie ist das gemeint, zu persönlich? Man sollte sich doch darüber freuen können, zu sehen, wie es Amy wirklich geht, sich selbst davon zu überzeugen. Amy wird für mich geschlachtet, so oder so. Das Ergebnis ist gleich. Aber ich kann mit eigenen Augen sehen (bzw. über Foto etc.) wie es ihr vorher erging. Warum lehnen einige das ab?
    Schlachten ist persönlich. Immer.

    Das Gefühl ist ein anderes, ja. Sollte es nicht ein besseres Gefühl sein?


    Ich möchte niemanden anfeinden. Ich möchte nur endlich verstehen. Bei mir hängt über diesen Thema seit Jahren ein riesiges Fragezeichen... das macht mir sehr zu schaffen.

    Danke ShiGi, gut geschrieben und auch danke an andie!
    Ich hätte/habe auch Hemmungen dem Tier in die Augen zu sehen, das für mein Essen sterben soll. Ich weiß, dass ich diese Hemmung bei jedem Individuum haben würde, sobald ich es sehe. Um das zu wissen, muss ich nicht jedem in die Augen sehen. Ich weiß, dass jedes Tier ein Individuum ist - darum kann ich keinen essen...

    Ich gehe davon aus, dass das Wissen, dass jedes Tier fühlt, jeden Menschen bekannt ist, der weiß, dass ein Tier dieser Tierart fühlen kann. Wo genau geht diese Verbindung verloren?
    Lässt sich diese Hemmung bei manchen Leuten tatsächlich unterdrücken oder gar ausschalten, wenn sie das Tier nicht mit eigenen Augen gesehen haben? Ist es dann schon ein "etwas" und kein "jemand"?

  20. #19
    Ina4482
    Zitat Zitat von zitroneneistee Beitrag anzeigen
    Ich gehe davon aus, dass das Wissen, dass jedes Tier fühlt, jeden Menschen bekannt ist, der weiß, dass ein Tier dieser Tierart fühlen kann. Wo genau geht diese Verbindung verloren?
    Lässt sich diese Hemmung bei manchen Leuten tatsächlich unterdrücken oder gar ausschalten, wenn sie das Tier nicht mit eigenen Augen gesehen haben? Ist es dann schon ein "etwas" und kein "jemand"?
    Ja, das geht irgendwie schon (bei mir allerdings auch nicht, weshalb ich weder Fleisch noch Fisch esse). Sobald ein Stück Fleisch "anonym" in der Fleischtheke liegt ist es deutlich einfacher, den ganzen Hintergrund zu verdrängen, als wenn man das ganze Tier vorab lebend gesehen, gestreichelt und eine Art Bindung zu ihm aufgebaut hat, egal wie kurz oder flüchtig sie dann auch sein mag.
    Es ist doch auch oft genug schon ein Skandal gewesen, wenn in einem abgepackten Fleischpaket plötzlich ein erkennbarer Teil des Tieres, zum Beispiel ein kompletter Hühnerfuß, zu finden war. Ich selbst finde das schon ein wenig albern, denn im Endeffekt hat man dann Fleisch im Fleisch gefunden. Aber für viele Leute geht genau dann die gewünschte Anonymität verloren und das, was man auf dem Teller hat, wird wieder ein Lebewesen.

    Ansonsten möchte ich mich ShiGi vollkommen anschließen: Ich finde dieses Konzept absolut positiv, weil man dadurch gezwungen wäre, sich wieder bewusster zu machen, was man da eigentlich isst.

  21. #20
    Foss
    Offtopic:

    wenn sie das Tier nicht mit eigenen Augen gesehen haben? Ist es dann schon ein "etwas" und kein "jemand"?
    Ich denke, das ist ein psycholog. sehr tiefgreifendes Thema, wenn man sich damit auseinander setzt. Ich kenne es aus dem Beruf so, das Opfer eine deutlich bessere Chance haben, lebend aus einer Situation zu entkommen, wenn sie eine Beziehung/Bindung zu einem Täter aufbauen (Stockholm etc.) eben weil diese Anonymisierung dann wegfällt und die Menschen dann irgendwie doch noch raffen, dass die zb. Geisel ein fühlendes, atmendes Lebewesen ist. Und dann steigt natürlich die Hemmschwelle.
    Gilt sicher nicht für alle - aber für viele.

    Denke, das läuft in diesem tierischen Bereich psycholog. wohl ganz ähnlich ab.


    Ina, das was du beschreibst, habe ich damals ganz deutlich in der USA gesehen. Da gibts zig Meter an Fleischtheke...alles fein säuberlich in Plastik verpackt...keine/kaum Knochen, keine Innereien...nur sauberes Muskelfleisch.
    Leider gibts in der USA ja auch das gesetz, das man verurteilt wird, wenn man die Fleisch/Lebensmittel-Industrie (auch wenns zurecht ist) anprangert.
    Vor nem Jahr war auch eine Zeitungsmeldung, das ein Elternteil einen Lehrer zur Sau gemacht hat, weil das Kind plötzlich erkannt hat, dass das Schnitzel ja doch mal ein Tier war...
    Ich persönlich finde das irgendwie bedenklich, das einem solche Werte über Fleisch, Herkunft etc. wohl heutzutage nicht sonderlich nahe gebracht wird.

    Wir haben uns jedenfalls heute mit den "Burschen" dort in Verbindung gesetzt und uns auf Lamm geeinigt. Im Herbst, wenn wir das Brennholz holen, schauen wir dort mal vorbei, sind ja nur ein paar Kilometer.

  22. #21
    Elkecita
    Bei uns ist es üblich, vor einem Grill- oder sonstigen Fest zum Bauern zu gehen und sich das Lamm oder das Zicklein selber auszusuchen. Das ist vielleicht vergleichbar.

    Was soll ich Euch sagen: ich könnte das nicht. Ein fröhlich rumspringendes süsses putziges Lämmchen an der Zitze der Mutter hängend sehen und es dann auf dem Teller haben. nee, da würde ich keinen einzigen Bissen runterkriegen. Wie vorher gesagt, ich würde es dann eher kaufen und mitnehmen und zu Hause auf den Rasen zu meinen beinden Herdenschutzhunden stellen.

    Meine Mutter hat mir schon oft erzählt, nach dem Krieg haben sie Kaninchen grossgezogen. Meine Mutter hat sie gehegt und gepflegt, und dann auf dem Arm zum Schlachter getragen. Unterwegs gestreichelt, liebkosend zu ihnen gesprochen, dabei geweint. Aber der Hunger war damals grösser, und man musste überleben. Von dem Fell bekam sie dann was warmes für den Winter. Ich habe mir diese Szene schon oft vorgestellt und mir bricht das Herz dabei. Wär ich dazu in der Lage gewesen???

    Mein Opa hatte Hühner. Wenn die nicht mehr viele Eier legten, kamen sie in die Suppe. Ich kannte jedes einzelne Huhn, aber komischerweise machte es mir da nichts aus, wenn ich es dann gerupft (das machte meine Oma) an der Wáscheleine hängen sah und hinterher in der Suppe. War lecker und hatte keinerlei Gewissensbisse.

    Ich finde die Idee gut, wenn man auf diese Weise tatsächlich erreicht, dass mehr und mehr Schlachtvieh ein würdiges Leben und einen würdigen Tod erfahren. Und ja, der Bezug dazu, dass das, was auf dem Teller liegt, tatsächlich mal ein fühlendes, lebenshungriges Lebewesen war, wird dadurch gewiss mehr hergesetellt, als wenn man ein anonymes Schnitzel im Supermarkt kauft.

    Mich hatte als Kind der Schlachtraum meines Onkels schwer beeindruckt. Er war Metzger und schlachtete selber. Er war auch Jäger, und oft hatte ich dort ein selbst geschossenes Reh hängen sehen. Es war gruslig und faszinierend in einem. Dort hingen natürlich regelmässig ganze Rinderhälften rum, ich konnte zusehen, wie diese zu mundgerechten Stücken zerteilt wurden. Also kann ich eigentlich nicht behaupten, dass für mich Fleisch etwas anonymes ist.

  23. #22
    Kompassqualle
    Ich denke da in unserer Gesellschaft das Sterben und der Tod solche Tabuthemen sind will man sich normalerweise auch nicht gerne mit der Tötung seines Mittagessens auseinandersetzen. Der Tod macht uns in aller Regel Angst und wir empfinden ihn als etwas schreckliches, selbst wenn die meisten Leute sehr gerne Fleisch essen wollen sie den Moment der Tötung des selbigen nicht erleben.
    Noch vor 120 Jahre gab es eine solche Entrückung nicht und so ziemlich jedes Kind wuchs wahrscheinlich mit dem Tod als Teil des Lebens auf. Familienangehörige starben zuhause und Hofschlachtungen waren normaler Alltag.

    Unsere heutige, "behütete" Lebensweise in der angst einflößende Themen wie der Tod tabuisiert und von uns fern gehalten werden, während uns auf der anderen Seite ständig praktische, ideale, "saubere" Konsumgüter zur Verfügung gestellt werden, führen aber doch erst zu den gängigen Problemen dass heute keiner mehr weiß wo sein Fleisch (seine Kleidung, seine Genussmittel) herkommen und man es auch oft nicht mehr hinterfragt.

    Vegane Lebensweisen (sowie der Verzicht auf Genussmittel, Südfrüchte und fragwürdige Textilien), sind doch im Grunde eine Prostet-Reaktion auf eben diese Gesellschaftsentwicklung aus Tabuisierung und gleichzeitigem Konsumdruck.
    Vor 120 Jahren wären wohl auch niemand auf diese Ideen gekommen, da wäre eine vegane Lebensweise wahrscheinlich als absolut aberwitzige angesehen worden, die auch allein aus pragmatischen Gründen niemand lange verfolgt hätte.

    Ein Modell wie das was Foss beschreibt ist aus meiner Sicht ein Versuch die Verschiebungen wieder gerade zu rücken und den Konsum wieder in ein natürliches und realistisches Licht zu rücken. Aus meiner Sicht kann sowas ein guter Beitrag zum ethischen Konsum sein, denn wer sein Fleisch kennt konsumiert es bewusster und wird sich gleichzeitig wesentlich energischer dafür einsetzen, dass es der eigenen Kuh gut geht (vielleicht quasi als eine Art Entschädigung für die letztendlich erfolgende Schlachtung). Wenn so ein Modell gut durchdacht ist können sicher sowohl die Tiere als auch der Mensch davon profitieren.
    Komplett aus dem Konsum aussteigen können wir alle nicht, also halte ich es für wichtig und richtig wenn wir uns darauf besinnen unseren Konsum überschaubar zu halten und nach Möglichkeit frei von völlig anonymisierter Großindustrie.

  24. #23
    Michse89
    Gut geschrieben kompassqualle,

    Ich finde die Idee auch sehr gut. Ja auch die anderen Schnitzel hatten süße Augen.
    Wir haben bei meinem ex auch nur eigene Tiere geschlachtet. Anfangs war es auch etwas befremdlich, aber schon nach kurzer Zeit konnte ich gut damit leben das die Tiere ein tolles leben hatten und auch ohne zig Kilometer weg direkt aufm Hof geschlachtet wurden sind.

    Wir hatten auch einige Schweine mehr die für andere Leute mit aufgezogen wurden sind. Die konnten sich dann auch ihr tier geschlachtet abholen. Die Nachfrage war groß auch wenn die Preise deutlich höher waren. Dafür hatten sie gutes Fleisch, was geschmacklich echt abweicht

  25. #24
    Elkecita
    Kompass, das unterschreib ich alles, voll und ganz.

  26. #25
    McLeodsDaughters
    Bei uns in einem Supermarkt (wo wir seit einiger Zeit auch fast alles einkaufen) kann man sich Bio-Hähnchen vorbestellen. Theoretisch könnte man die auch besuchen fahren (man bekommt dann zwar nicht genau Tier X, aber man weiß halt, wie sie leben).
    Als wir das das erste Mal hatten, haben wir bei dem Preis erstmal geschluckt. Da hatten wir 2 Hähnchen bestellt, 40 € waren das. Aber ein Hähnchen wiegt da so viel wie 2 Masthähnchen (das eine haben wir dann eingefroren, wir waren zu viert schon von einem satt und es blieb noch bisschen was über, was meine Schwester sich am nächsten Tag als Hühnerfrikassee gemacht hat) und es ist viel mehr gutes Fleisch dran wie an den Masthähnchen. Und mir schmeckt es auch besser (ich kann ein "normales" Hähnchen nicht wirklich mit Appetit essen...).

    Ich finde die Idee eigentlich gut. Das was Seraph geschrieben hat, also mit dem Bild vom Tier auf der Dose, könnte ich mir nicht vorstellen, aber bei der anderen Variante (von Foss) "kennt" man das Tier ja nicht.
    Ein Tier, dass ich kannte, will/kann ich auch nicht essen, zumindest nicht, wenn eine Bindung entstanden ist. Mein Opa, der Kaninchen zum Schlachten gezüchtet hat (die Kaninchen hatten es gut, keine Buchten), war genauso. Er konnte keine Kaninchen essen, er war generell eher emotional (zumindest für einen "Bauern").

    Wir kaufen seit einiger Zeit auch in dem Supermarkt Milch von einem Bauern hier aus Hessen, der auch schonmal "Führungen" anbietet. Der Bauer hat 300 Kühe und beliefert "nur" 70 Märkte, die Milch kostet halt mehr, aber man hat ein besseres Gefühl. Zumindest auf den Bildern der HP und in der Reportage, die dort für eine Fernsehsendung gemacht wurde, sieht man Kühe in einem großen Stall mit viel Platz.

  27. #26
    Seraph
    Ich bin mir nicht 100% sicher, da ich es nur im TV gesehen habe, aber ich glaube, das düs der Anbieter ist.
    http://www.meinekleinefarm.org

    und hier nochmal etwas über den Bauern
    http://www.morgenpost.de/berlin-aktu...sicht-hat.html

    EDIT (automatische Beitragszusammenführung)

    Wie gesagt, im Grunde finde ich die Sache gut. So wird Bewusstsein für das Individuum hergestellt. Aber da ich selber nicht entscheiden könnte, das dieses oder jenes Tier jetzt stirbt, habe ich mich entschieden es ganz mit dem Fleisch zu lassen. Wenn ich noch Fleisch essen würde, würde ich mir zwar wohl kein Tier kaufen können, aber ich würde solche Projekte wie die Wurst mit "Gesicht" unterstützen. Oder zumindest zu einem der vielen hofläden gehen, die es bei uns gibt und mir die Haltung angucken

  28. #27
    Laura
    Foss - eines ist mir noch nicht ganz klar. Sagen wir, ich kaufe etwas von einem Tier aus diesem Projekt und das ganze bewegt sich im preisniedrigsten Rahmen, weil ich nicht viel davon haben will, ein kleines Tier haben will, viele Käufer für das Tier vorhanden sind - zahle ich dann 800 € für ein Herz oder ein paar Rippenbögen?
    Das kann doch gar nicht sein. Klar, kostet die Haltung des Tieres viel, aber das steht ja in keinem Verhältnis? oO

  29. #28
    zitroneneistee
    Foss hat mir einen Link geschickt für deutsche Kühe. Da kauft man nicht die ganze Kuh, sondern nur ein Paket. Die Kuh, ist bereits aufgezogen und bereit zum Schlachten, sie wird erst geschlachtet wenn alle Pakete der Kuh (je nach Größe etwa 35) verkauft sind. Möglich sind 3,6 kg bzw. 7,2 kg. Der Kilopreis bewegt sich irgendwo zwischen 13 und 16€ - eigentlich ganz angebracht wie ich finde.
    Die Pakte sind so zusammengestellt, dass sie wunderbar ins Gefrierfach passen.
    Man erfährt die Nummer und den Betrieb mit angaben zur Haltungsform und den Ort wo die jeweilige Kuh herkommt. Kein Name, kein Foto, kein "Besuchsrecht".

    ---
    Meine Mutter wird ein solches Paket bestellen. Sie hat sich sehr über diese Möglichkeit gefreut danke für den Anstoß Foss

  30. #29
    Laura
    Na das ist ja dann eine ganz andere Nummer.
    Diese Angabe zwischen 800 und 1600 € hat mich irgendwie verwirrt, ich habe es so gelesen, dass man diesen Preis investieren muss und dann im Endeffekt nur einen Teil davon bekommt.

  31. #30
    Seraph
    Aber das ist ja dann genau so "unpersönlich" wie wenn ich es im Supermarkt oder beim Metzger um die Ecke kaufe. Zumindest hier in der ländlichen Gegend kann man da schnell erfahren, wo das Tier herkommt. Wenn ich im Hofladen kaufe, dann weiß ich sogar ganz sicher wo das Tier aufgewachsen ist. Da verstehe ich dann den Vorteil nicht. Mein Schwiegervater kauft ein Mal in der Woche seine Wurst im Nachbarort im Hofladen, der auch nur 2 oder 3 Tage in der Woche auf hat. Hier im Ort hab ich sogar morgens auf dem Weg zur Arbeit noch die Schweine gesehen oder die Kuh, bevor sie geschlachtet wurden. Und auf dem Anhänger auf dem sie stand, hatte sie es sicher nicht weit.

Diskussion zum Thema Der Kauf einer Kuh - Gesundes Frischfleisch? im Forum Sonstige Haustier & Tiere Forum bzw. Hauptforum Tiere Allgemein:
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