Angaloppieren



  1. #1
    ShiGi

    Angaloppieren

    So, jetzt brauch ich auch mal euren Rat

    Ich reite zur Zeit einen 7-jährigen WB-Wallach. Ausbildungstechnisch ist er aber eher auf dem Stand eines (nicht besonders gut gerittenen) 4-Jährigen. Er
    macht aber super mit und lernt schnell. Das einzige Problem: Das Angaloppieren.
    Er kennt die Galopphilfe scheinbar nur als "gehe in einen spannigen Renntrab über, bis du irgendwann automatisch galoppieren musst". Sobald ich die Galopphilfe gebe, geht er direkt in diesen Renntrab über. Es nützt also auch nichts, die Hilfe in einem "passenden" Moment zu geben. Er scheint wirklich gelernt zu haben, dass er so in den Galopp hineinrennen soll.
    Ich bin gerade etwas ratlos, wie ich das aus ihm raus kriege, deshalb dachte ich, vielleicht habt ihr ja ein paar Ideen

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  3. #2
    SoylentGreen
    Hey ...

    Ich würde das Pferd einfach mal an die Longe nehmen und Galopp üben.
    Ganz deutlich mit der Stimme den Befehl geben und bestimmt antreiben. Du musst auf jeden Fall darauf achten, dass Galopp ist, wenn du Galopp befiehlst. Nicht Galopp ansagen und dann rennt das Pferd drei Runden lang wie ne besenkte Sau im Trab um dich herum. Wenn es wirklich einfach mal nicht klappt, dann das Pferd erstmal wieder in einen ruhigen Trab bringen und noch einmal versuchen - nur nicht zu oft, sonst setzt sich das fest.
    Es macht nichts, wenn es die ersten paar Male im Galopp etwas Übertempo hat. Das ist ok, achte nur darauf, dass du dem Pferd genug Raum gibst. Du kannst auch die ganze Bahnlänge nutzen, dass Pferd soll schließlich nicht aus der Balance bzw. aus dem Fluss gebracht werden.
    Wenn das Pferd erstmal das Stimmkommando "Galopp" mit "jetzt aber los und galoppieren" verknüpft hat, kann man das dann auch zu Pferd nutzen. Je nach dem wie schnell das Pferd lernt, kann man das dann recht bald weglassen.

    Sobald das sitzt, kann man an den Feinheiten arbeiten.

  4. #3
    ShiGi
    An der Longe galoppiert er auch nur, wenn man ihn quasi in den Galopp hineinscheucht. An der Longe finde ich das aber nicht so wahnsinnig ungewöhnlich und mir persönlich fällt es grundsätzlich leichter, ein Pferd unterm Sattel ordentlich anzugaloppieren, weil man eben mehr Hilfen hat, um ihm klar zu machen, was man will.

    Ich glaube, das Problem ist wirklich, dass er die Galopphilfe kennt, aber "falsch" verknüpft hat. Denn er trabt nach der Galopphilfe nicht einfach schneller wie er es beim normalen Treiben tun würde, sondern geht übergangslos in diesen Stechtrab über. Die Galopphilfe scheint ihm also zu signalisieren, dass er wie ein Irrer lostraben soll bis er über diesen Renntrab in den Galopp fällt.
    Ihn aus diesem Renntrab in den Galopp zu bringen geht sicherlich, aber ich denke mir eben, dass das eigentlich nicht das ist, was ich will. Denn je öfter ich auf diese Art und Weise angaloppiere, desto mehr festigt sich das Ganze ja (mal ganz abgesehen davon, dass der Galopp aus so einem Trab ziemlich unausbalanciert und hektisch sein dürfte).

    Also mein Problem ist nicht, dass er grundsätzlich nicht galoppiert, sondern dass ich eine andere Art des Angaloppierens etablieren will und mir nicht sicher bin, wie ich das angehen soll, weil die Galopphilfe schon so fest mit dem Angaloppieren über den Renntrab verknüpft ist.

  5. #4
    Meike1987
    Macht er das auch im Gelände auf gerader Strecke? Wenn er das nur in der Bahn macht, würde ich behaupten, dass er sein Gleichgewicht in Wendungen noch nicht halten kann. Ich hatte mal einen Hafi unterm Hintern, der auch nicht in der Bahn angaloppieren konnte. Ich meine wir haben damals viel mit Seitengängen und Volten gearbeitet. Auf gebogenen Linien Innen- und Außenstellung abfragen im Schritt und im Trab. Am besten einen Reitlehrer zu Rate ziehen, der mit solchen Pferden Erfahrung hat.
    Wenn er noch Probleme beim Hufe geben hat, würde das meine Theorie unterstützen.

  6. #5
    ShiGi
    Besonders gut ist sein Gleichgewicht natürlich nicht, weil er eben noch nicht so gut ausgebildet ist. Aber daran arbeiten wir schon
    Er kann aber definitiv trotzdem in der Bahn galoppieren. Er galoppiert ja auch an der Longe relativ problemlos.
    Im Gelände waren wir noch nicht, weil er sich schon öfter seiner Reiter entledigt hat und ich deshalb ein bisschen vorsichtig bin

    Ich gehe davon aus, dass er dieses in den Galopp hineinrennen angefangen hat, weil er noch nicht genug Kraft hatte, ordentlich anzugaloppieren. Und weil niemand darauf geachtet hat, bzw. es egal war, weil er ja eh "nur" Freizeitpferd ist, hat sich das so verfestigt, dass er nun automatisch in den Renntrab übergeht, wenn die Galopphilfe gegeben wird.

  7. #6
    SoylentGreen
    Zitat Zitat von ShiGi Beitrag anzeigen
    Also mein Problem ist nicht, dass er grundsätzlich nicht galoppiert, sondern dass ich eine andere Art des Angaloppierens etablieren will und mir nicht sicher bin, wie ich das angehen soll, weil die Galopphilfe schon so fest mit dem Angaloppieren über den Renntrab verknüpft ist.
    Genau deshalb würde ich dir eben raten einen Schritt zurück zu gehen und eben das Angaloppieren bzw. die Hilfe dafür neu zu konditionieren. Das Pferd erst auf die Stimme prägen und dann mit der Hilfe und Stimmkommando zu Pferd arbeiten. Man kann dann quasi ganz dezent die Hilfe geben und das Pferd lernt bereits darauf anzuspringen.

    Ich habe damit gute Erfahrungen bei einer Stute gemacht.

  8. #7
    ShiGi
    Hm, neu Konditionieren macht schon Sinn. Aber an der Longe springt er ja auch nur über den Renntrab in den Galopp

  9. #8
    Calimero
    Ist es eine Option, den Galopp erstmal direkt aus dem Schritt aufzubauen? Habe das von einer bei uns im Stall mitbekommen, der ihr Pferd ist beim angaloppieren aus dem Trab nie schon galoppiert und deshalb hat sie es mit ihm zuerst aus dem Schritt erarbeitet.
    Vielleicht wäre das bei euch eine neue Chance, ihm den Galopp zu vermitteln?

  10. #9
    ShiGi
    Ja das ist definitv eine Option. Das hatte ich mir auch schon überlegt.
    Ich habe nur noch keinen Weg gefunden, ihm zu vermitteln, dass er aus dem Schritt angaloppieren soll. Er gehört generell eher weniger zu der gehfreudigen Sorte
    Bei ihm kommt das Problem dazu, dass er mit zu viel Druck eingeritten wurde und daher wohl schnell explodiert, wenn zu viel Spannung da ist. Und eine gewisse Spannung muss ja ins Pferd, damit es aus einem langsamen Tempo angaloppieren kann.
    Ansonsten wäre mein aktueller Plan, einfach weiter mit ihm zu arbeiten, bis er "zufällig" den Galopp von selbst anbietet und darauf dann aufzubauen...

  11. #10
    Calimero
    Ja wie man einen Pferd Schritt-Galopp Wechsel vermittelt, frage ich mich bei meinem Fauli auch manchmal . Aber bei uns klappt das immer besser, wenn wir allgemein viele Wechsel üben. Da kommt dann ja automatisch schon mehr Spannung und Aufmerksamkeit ins Pferd. Und inzwischen hat sogar meine Pennsocke verstanden, dass man aus dem Schritt direkt angaloppieren kann (wenn auch noch nicht immer auf der richtigen Hand )

  12. #11
    SoylentGreen
    Hm wie ist er denn allgemein so an der Longe? Reagiert er sofort wenn du nur die Peitschen hebst oder ist er eher triebig? Wenn er gut reagiert, wäre es ja im Grunde genommen ein leichtes die Peitsche so zu dosieren, dass er so viel Vorwärtstrieb hat, dass er sofort startet.

    Wie lange wird er denn schon geritten? Theoretisch hat ein Pferd bereits nach wenigen Monaten genug Kraft um mit Reiter nahtlos in den Galopp überzugehen. Es ist ja eigentlich nur eine Änderung des Taktes bzw. der Fußfolge. Schneller muss ein Pferd dazu nicht werden. Nicht mal ein Fohlen brauch Anlauf um in den Galopp zu springen. Ich halte diesen Renntrab davor daher auch eher für eine antrainierte Marotte.

    Was du auch zu Pferd versuchen könntest, wäre über Schulterherein oder Tendenz Schenkelweichen in den Galopp zu treiben. Wenn er losrennt, Schritt, Schenkelweichen oder ne Volte oder Viertel Vorhandwendung, ein paar Schritte gerade aus, Viertelvorhandwendung, Hauptsache du machst ihm das Rennen möglichst madig und holst ihn schnell zurück, aber keine Regel kreieren, abwechslungsreich bleiben. Wenn er angaloppiert, würde ich ihm das so angenehm wie möglich machen, etwas Zügel hingeben, in den leichten Sitz gehen. Gar nichts abfordern, einfach nur loben und freuen.
    Oder du probierst mal was passiert, wenn du ihn aus dem Schritt angaloppieren willst.

    Andere Frage: Kann er schon kleine Sprünge mit Reiter nehmen, kennt er Trabstangen? Man könnte sie im Trab anreiten und darüber angaloppieren. Eventuell erleichtert ihm das den Ansprung.

    Sattelzeug kneift nicht? Das könnte auch ein Grund dafür sein, dass er nicht angaloppieren mag, sondern stattdessen verspannt und losrennt.
    Bist du denn selber bzw. andere Mitreiter grundsätzlich locker? Viele Reiter werden ja gerne selber fest in der Mittelpositur, wenn sie galoppieren sollen. Das könnte ebenfalls hinderlich sein.

    Tritt er denn bereits an den Zügel heran? Auch im Galopp - wenn er dann reingerast ist? Oder verspannt er sich da auch und/oder rennt?

    Wie gymnastiziert ihr denn bisher? Wie läuft das Training allgemein ab? Was muss er in einer "normalen" Woche denn so leisten?

  13. #12
    ShiGi
    An der Longe ist er leider auch eher triebig...

    Er wurde mit 3 oder 4 angeritten (so genau weiß ich das leider nicht) und seitdem nicht wirklich gefordert. Er hat z.B. vor kurzem erst gelernt, dass es absolut nichts schlimmes und kein Grund zum einrollen oder steif machen ist, wenn mit beiden Zügeln Kontakt zum Maul besteht.
    Ich reite ihn seit ein paar Wochen.

    Er kann noch nicht viel, macht aber wirklich gut mit. Er geht inzwischen am Zügel, auch wenn er sich manchmal noch raushebt oder versucht, sich einzuollen - was ja aber verständlich ist, es ist ja eine ungewohnte und daher anstrengende Haltung für ihn.

    Ich reite ihn ca. 3-4 Mal pro Woche (die Besitzerin ist seit 2 Wochen nicht da, also sind das seine einzigen Trainingseinheiten). Pro Einheit ca. 30-45 Minuten.
    Dabei machen wir viele Wendungen, 8er mit und ohne Schritt am Wendepunkt, Zirkel verkleinern/vergrößern usw.
    Das Schulterherein lernt er zur Zeit. Links klappts ganz gut, rechts hat er noch etwas Probleme.
    Ich habe ihn bis jetzt immer wieder durchpariert, wenn er bei der Galopphilfe in den Renntrab übergegangen ist, weil ich nicht will, dass sie die Angewohnheit noch mehr festsetzt. Deshalb bin ich ihn noch nie galoppiert

    Schulterherein und daraus energisch vorwärts treiben habe ich in der letzten Reiteinheit mal probiert. Galoppiert ist er nicht, aber es war der dynamischte und schönste Schritt-Trab-Übergang den ich bis jetzt bei ihm erlebt habe. Die Übung werden wir also beibehalten, vielleicht entwickelt sich da ja noch ein Galopp draus

    Ob er Sprünge kennt, keine Ahnung Trabstangen habe ich bis jetzt nur beim Longieren genutzt, die werden aber demnächst auch mal ins Reiten eingebaut, dann probiere ich das mal aus.

    Sattelzeug wurde angeblich vom Sattler kontrolliert, das sollte also hoffentlich passen.

    Ich denke schon, dass ich relativ locker auf dem Pferd sitze. Zumindest wurde das nie von einem Reitlehrer kritisiert und bei anderen Pferden habe ich keine derartigen Probleme Wie es bei der Besitzerin ist, weiß ich nicht, ich habe sie noch nie reiten sehen.

    Er ist allerdings körperlich etwas gehandicapt. Die rechte Kniescheibe verrutscht wohl etwas, wenn er blöd steht, rutscht aber von selbst wieder an die richtige Stelle. Soweit die Aussage der Besitzer. Es behindet ihn angeblich nicht, allerdings habe ich das Gefühl, dass er doch etwas Probleme hat, mit dem rechten Bein richtig unterzutreten und Last aufzunehmen.

    So ich hoffe mal, ich habe keine Frage übersehen

  14. #13
    SoylentGreen
    Seine Entwicklung klingt ja so grundsätzlich erstmal gar nicht schlecht. Es spricht ja nichts dagegen größere Pausen zu lassen.

    Man könnte an der Longe eventuell mit einer alternativen Peitsche arbeiten. Z.B. eine aus Flatterbändern basteln... Hauptsache er hat Respekt vor dem Teil. Damit könnte man die Grundgangarten und seine Sensibilität für Hilfen verbessern.

    Dass du ihn nicht angaloppieren, aber es versuchen sollst, halte ich für etwas problematisch: Wie soll das Pferd hierbei verstehen, was richtig oder falsch ist? Ich würde schon dazu raten ihn entweder gar nicht erst aufzufordern, zu galoppieren oder es auch durchzusetzen.

    Die Übungen, die ihr da so macht, finde ich prima. Klar, ist es für ihn noch anstrengend am Band zu gehen - aber mit genügend Pausen und vorwärts abwärts reiten kann man der Überanstrengung ja durchaus vorbeugen. Macht ihr ja sicher auch
    Das ist jedenfalls schon mal eine gute Basis um daraus den Galopp zu entwickeln.

    Was sein Knie anbelangt, denke ich da ähnlich wie du: Das wird ihn schon auf die ein oder andere Art beeinträchtigen. Wenn man es weiß, ist es ja aber durchaus möglich darauf Rücksicht zunehmen. Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass ihn das am Galopp hindert. Er galoppiert ja sicher auch mal auf der Weide...

  15. #14
    ShiGi
    Versucht anzugaloppieren habe ich nur 2-3 Mal, bis eben relativ eindeutig war, dass er auf die Galopphilfe grundsätzlich mit dem Renntrab galoppiert.
    Bei den anderen Übungen gebe ich einfach keine Galopphilfe bis ich mir nicht sicher bin, dass er darauf wirklich direkt angaloppiert.
    Ich kenne es nur von anderen Pferden, dass sie teilweise von sich aus den Galopp anbieten. Z.B. galoppieren viele beim 8er reiten mit Schritt am Wechselpunkt an, weil sie dabei so auf die Hinterhand kommen, dass ihnen der Galopp leicht fällt. Er macht das leider nicht

    Und ja, ich lasse ihm wirklich oft die Zügel lang, weil ich ziemlich darauf bedacht bin, ihn nicht zu überfordern. Gerade weil das für manch anderen mit einem unsanften Abstieg geendet hat. Aber bis jetzt scheint er sich mit mir recht wohl zu fühlen

    Die Longierpeitsche zu modifizieren ist auch eine gute Idee. Da muss ich mal ein bisschen rumprobieren, von was er sich beeindrucken lässt ohne gestresst zu sein.

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