Kalifornien verbietet per Gesetz Orca Shows und Zucht in Gefangenschaft



  1. #1
    Foss

    Daumen hoch Kalifornien verbietet per Gesetz Orca Shows und Zucht in Gefangenschaft

    Ein großer Erfolg für Tierfreunde, denn am Freitag dem 26.August 2016 wurde die Haltung und Zucht von Schwertwalen in Gefangenschaft verboten! Auch dem Export dieser wunderschönen Tiere wurde Einhalt geboten, Verstöße gegen das Gesetz werden mit einer Strafe von 100.000 USD belegt.

    Hier der originale Beitrag:

    Friday August
    26th, The California State Legislature made a huge step by approving a historic bill that would ban the breeding of captive killer whales and orca performances in the state of California. The bill would also prohibit exporting captive orcas out of the country. If violated, there would be a hefty fine of up to $100k.“Today is a victory of many years in the making,” Bloom said in a statement. “The Orca Protection Act is a product of scientific consensus, immense public support, and a concerted legislative effort to protect this intelligent and majestic animal.”

    “I’m elated,” said Samantha Berg, a cosponsor and a former SeaWorld orca trainer who was featured in the 2013 documentary Blackfish, which inspired Bloom to author the legislation. “It’s historic and sets a precedent for the rest of the country.
    Quelle und ganzer Artikel ist hier zu finden: http://worldanimalnews.com/victory-o...ed-california/

    LG Foss



  2. #2
    Der Grasfrosch
    Noch ist das Gesetz nicht durch, wenn ich richtig lese (und wenn ich ehrlich sein darf, ich fände es nicht gut, wenn es tatsächlich zu einer Billigung käme).

  3. #3
    ShiGi
    ich fände es nicht gut, wenn es tatsächlich zu einer Billigung käme
    Darf ich fragen, warum? Ich will keine Diskussion vom Zaun brechen, aber mich würden die Gründe gegen ein Zucht- und Exportverbot interessieren.

  4. #4
    Der Grasfrosch
    Ein Zuchtstopp bringt Probleme mit sich:
    Er ist nur durch zwei Varianten durchsetzbar. Entweder man trennt Weibchen und Männchen dauerhaft voneinander oder man setzt auf durchgängige Verhütung. Man muss bedenken, dass wir hier von Tieren sprechen, die im Durchschnitt 50 Jahre alt werden. Die chemische Variante (ich gebe zu bei Cetaceen gibt es bzgl einer Langzeitanwendung bisher keine Erfahrungen, dafür aber bei Feliden und Caniden) dürfte auf Dauer eine schädigende Wirkung haben und ist somit abzulehnen. Die zweite Variante, also die Trennung der Geschlechter ist aufgrund der Sozialstruktur der Orcas ebenfalls nicht zu unterstützen.
    Was den Export angeht verhält es sich wie mit anderen Zootieren. Der Genpool ist begrenzt und es kann kein genetischer Austausch zwischen den einzelnen Populationen stattfinden. Daher ist es im Rahmen des Populationsmanagements sinnvoll ggf. Tiere unter den Einzelpopulationen auszutauschen, d.h. Tiere unter Umständen zu exportieren.
    Zusätzlich kommen wir zu einem Langzeitproblem: Irgendwann (also so in 45 Jahren) wird ein letzter Orca übrig sein. Was dann mit dem Tier? Soll es alleine bleiben?

    Ich weiß, dass das Thema Orca-Haltung ein sehr emotionales ist. Ich muss sagen, dass ich von der aktuellen Haltungssituation und der Art der Tierpräsentationen bei SeaWorld (!) auch nicht überzeugt bin (Interessanterweise war noch Anfang dieses Jahres davon die Rede, dass alle Habitate um das Doppelte vergrößert werden sollten. Seit nun ein anderer Herr an der Konzerspitze sitzt wurden diese Pläne über den Haufen geworfen und Konzernintern ein Zuchtstopp verordnet.).
    Insgesamt ist aber gegen eine Haltung von Walen in wissenschaftlich geführten Einrichtungen (und da hätte SeaWorld sich mal besser hinentwickeln sollen) nichts einzuwenden, sofern die Haltungsumstände (Habitatgröße, Enrichment, etc.) stimmen. Was das angeht sind Orcas oder Delfine im Allgemeinen nicht anders einzuschätzen als Robben, Großkatzen, Elefanten oder Ziervögel.

  5. #5
    Midoriyuki
    Ganz persönlich bin ich der Meinung, dass die Haltung von Schwertwalen rigoros zu beenden ist.
    Wenn das dauerhafte Verhütung und entsprechend das Aussterben der in Gefangenschaft lebenden Population bedeutet:
    Bitte.

    Ich sehe keinerlei Sinn darin diese Tiere in Gefangenschaft zu halten und Wale in Gefangenschaft haben auch keinen wissenschaftlichen Nutzen, da das Sozialverhalten in keiner Weise mit dem der wild lebenden Artgenossen zu vergleichen ist.

    Dies ist schon bei Wölfen usw. usf. hinlänglich bekannt.

    An dieser Stelle sei gerne auch nochmal auf die Doku Blackfish hingewiesen.
    Mir persönlich war danach einfach nur schlecht.

    Allein die Anpassung der Beckengrößen an Maßstäbe, die für so große Tiere reell und ansatzweise artgerecht sind...joa.
    Sind mMn nicht zu verwirklichen.

    Dazu, dass Schwertwale mit Robben usw. usf. gleich zu setzen sind:
    Sehe ich ähnlich.

    Es gibt sicherlich Arten, die entsprechend zur Arterhaltung zwingend notwendigerweise irgendwie in geschützten Habitaten usw. nachgezogen werden müssen, aber mit Sicherheit nicht grundsätzlich alle und vor allen Dingen werden viele "Arterhaltungs-Tiere" gar nicht ausgewildert bzw. tragen nichts zum Erhalt wilder Populationen bei.

    Ist generell ein großes und umstrittenesThema, aber gerade bei Schwertwalen (oder auch Delfinen) fällt mir wirklich absolut kein sinnvoller Grund ein sie in Gefangenschaft zu halten.

  6. #6
    McLeodsDaughters
    Ich finde das Gesetz gut und hoffe, dass das dort und dann auch überall umgesetzt wird.

    Hat jemand von euch "Black Fish" gesehen? Ich hab den Film 2x geschaut, einmal allein, einmal mit meiner Familie.

    Ich war bisher in 2 Zoos mit Delfinen, Münster (da gibt es, glaube ich, inzwischen keins mehr?!) und Duisburg. Duisburg war Idee von meinem Vater, ich wollte eig. nach Gelsenkirchen, aber Duisburg war ja näher -.-

    Es mag Tierarten geben, die man im Zoo oder Tierpark einigermaßen artgerecht halten kann. Meeressäuger und andere größere Meeresbewohner (also Haie, Schildkröten usw.) gehören m.M.n. nicht dazu.

    Habe letztens einen Roman gelesen, in dem es z.T. auch im Orcas geht. "Tochter des Meeres" heißt der. Die meisten Fakten darin über Orcas stimmen laut Autorin, ist halt ein Roman (und sehr spannend ) und kein Fachbuch über Orcas.

  7. #7
    Midoriyuki
    Offtopic:

    "Blackfish" war seit Langem wieder eine der Dokus bei denen ich noch tagelang echt Bauchschmerzen davon hatte.
    Sehr, sehr gut gemacht, wenn auch echt nicht schön.

  8. #8
    Kiwi
    Man muss bedenken, dass wir hier von Tieren sprechen, die im Durchschnitt 50 Jahre alt werden. Die chemische Variante (ich gebe zu bei Cetaceen gibt es bzgl einer Langzeitanwendung bisher keine Erfahrungen, dafür aber bei Feliden und Caniden) dürfte auf Dauer eine schädigende Wirkung haben und ist somit abzulehnen.
    Die Tiere haben so oder so ein miserables Leben, ich wüsste nicht, wo da das Problem an chemischer Verhütung ist... Schlimmstenfalls müssen sie ein paar Jahre weniger leiden.

  9. #9
    Der Grasfrosch
    Zitat Zitat von Midoriyuki Beitrag anzeigen
    Wale in Gefangenschaft haben auch keinen wissenschaftlichen Nutzen, da das Sozialverhalten in keiner Weise mit dem der wild lebenden Artgenossen zu vergleichen ist.

    Dies ist schon bei Wölfen usw. usf. hinlänglich bekannt.

    An dieser Stelle sei gerne auch nochmal auf die Doku Blackfish hingewiesen.

    Allein die Anpassung der Beckengrößen an Maßstäbe, die für so große Tiere reell und ansatzweise artgerecht sind...joa.
    Sind mMn nicht zu verwirklichen.

    Dazu, dass Schwertwale mit Robben usw. usf. gleich zu setzen sind:
    Sehe ich ähnlich.

    Es gibt sicherlich Arten, die entsprechend zur Arterhaltung zwingend notwendigerweise irgendwie in geschützten Habitaten usw. nachgezogen werden müssen, aber mit Sicherheit nicht grundsätzlich alle und vor allen Dingen werden viele "Arterhaltungs-Tiere" gar nicht ausgewildert bzw. tragen nichts zum Erhalt wilder Populationen bei.
    1. Wenn man nur kurz Google Scholar bemüht findet man dutzende Paper zu wissenschaftlichen Arbeiten über Cetaceen, die alle in Delfinarien (teilweise auch bei SeaWorld, im Loro Parque oder in Duisburg) durchgeführt wurden. Aktuell findet zudem im Loro Parque an den dort lebenden Orcas die Erprobung einer neuen nichtinvasiven Markierungsmethode für Wale statt. Diese soll bald in der Wildnis an Buckelwalen Verwendung finden.
    Ebenso gibt es Einschätzungen von Biologen, die sich auch im Freiland intensiv mit Delfinen beschäftigt haben, dass sich das Verhalten von Walen in menschlicher Haltung im Wesentlichen nicht von dem ihrer wildlebenden Artgenossen unterscheidet. (Dass im Übrigen Zoowölfe (es geht hierbei vor allem um die europäische Unterart) anderes Verhalten zeigen als wildlebende, liegt vor allem daran, dass sie häufig in Gruppen gehalten werden (alte Haltungsform) und nicht in Familienverbänden mit einem Elternpaar und dem Nachwuchs aus dem letzten und aktuellen Jahr)

    2. Die "Dokumentation" Blackfish enthält leider viele Falschinformationen und viel Vermenschlichung. Sie baut mehr auf emotionale Reaktionen des Publikums denn auf stichhaltige Argumente (da wird anthropomorphisierend vom friedliebenden, moralischen Orca gesprochen, den es aber nicht gibt (oder haben die Transients Bedenken, wenn sie in Grauwalkalb ertränken und danach nur dessen Zunge fressen?)).

    3. Zum Thema Habitatgröße: es ist die uralte Frage bei der Haltung von Tieren - wie groß muss ein Habitat sein, damit sich die Tiere wohl fühlen? Dazu muss man wissen, warum Wildtiere derart große Reviere etc. haben. Die Antwort darauf ist simpel: Futter. Ein sibrischer Tiger benötigt in der Natur ein Revier von bis zu 400 km2 Größe, da die Taiga kein nahrungsreicher Ort ist. Für 10 Begaltiger braucht es teilweise "nur" 100km2 (Dschungel und Feuchtsteppe sind Gebiete mit deutlich mehr Biomasse). Die Tendenz ist also erkennbar: je weniger Aufwand zur Nahrungssuche benötigt wird desto kleiner kann das Revier sein. Im Zoo nun muss ein Tier nicht auf Nahrungssuche gehen - im Übrigen muss auch ein Pferd nicht dem frischen Gras hinterherziehen, wie seine wilde Verwandtschaft es in der Mongolei tun würde - daher kann sein Revier um ein Vielfaches kleiner sein als in der Natur. Das Problem, das dadurch entsteht, ist Langeweile und führte früher zu den berühmtberüchtigten Stereotypien, die man noch heute bei einigen "alten Hasen" beobachten kann. In modernen Zoos werden Tiere beschäftigt. Sie müssen sich ihr Futter erarbeiten, erhalten verschiedene Reize und profitieren von Vergesellschaftungen mit anderen Arten.
    Und genau da sind Wale eben nicht von anderen Tieren, also nicht vom Tiger, vom Seelöwen oder vom Wellensittich zu unterscheiden. Man kann plakativ sagen: Wenn die Schweizer bereit wären, den Genfer See abzutreten und mit Salzwasser zu füllen, so könnte man vermutlich sogar Blauwale halten.

    4. Zum Thema Zucht und Auswilderung von Zootieren. Zoos haben mehrere Grundaufgaben: Arten- und Naturschutz, Forschung, Bildung und Erholung (ja, auch das gehört dazu). Zum Thema Forschung habe ich oben ja bereits etwas geschrieben. Kommen wir also zum Natur- und Artenschutz. Offensichtlich bemühen sich Zoos um die Erhaltung vieler bedrohter Arten (hier seien etwa Wisent, Löwenäffchen, Bartgeier, Schmutzgeier (aktuell sind wieder Tiere aus Deutschland auf dem Weg zurück nach Kroatien), Säbelantilope, Przewalskipferd (vor einigen Wochen gingen wieder Tiere aus Leipzig und Tschechien in die Mongolei), Krokodilhöckerechse, Kanadakranich, Kalifornienkondor, Socorrotaube und Baumhummer (eine Gespenstschrecke) genannt). Einige dieser Arten können inzwischen wieder in die Wildbahn rückgeführt werden. Bei anderen Arten kann dies noch nicht passieren, da entweder die Habitate nicht mehr für sie geeignet sind oder die Gefahr der Wilderei zu groß ist. Ich erkläre das mal am Beispiel des Baumhummers: der Baumhummer oder Lord Howe Island Stabschrecke lebte nur auf ein paar kleinen Inseln bei Australien. Irgendwann kamen Fischer auf die Insel und brachten mit ihren Schiffen Ratten mit. Diese rotteten nach und nach alle Baumhummer aus bis die Art schließlich als ausgestorben galt. Es begab sich aber, dass man 2001 glücklicherweise tote Tiere fand und genauer suchte. Man fand tatsächlich zwei Dutzend Tiere auf einem Teebaum. Einige Tiere wurden mitgenommen und aus diesen entstand eine ex-situ Population in Menschenobhut, genauer gesagt im Zoo von Melbourne. Inzwischen sind einige Tiere wieder auf ihre Insel zurückgekehrt (allerdings in einem geschützen Bereich wegen der Ratten). Anfang 2017 soll mit der Ausrottung der Ratten begonnen werden, damit die Insekten wieder ihre Heimat in Beschlag nehmen können.
    Soviel also zu Nachzuchtprojekten.
    Nun ist es so, dass in Zoos auch Arten gehalten werden, die (noch) nicht gefährdet sind. Viele dieser Arten sind sogenannte Schirmarten. Auch wenn sie nicht bedroht sind, so sind es viele andere Arten (und die sind leider meist weniger attraktiv, weil Insekt, Amphib oder Reptil) aus ihrem angestammten Lebensraum. Kann der Zoo nun also über die Schirmart Schutzprojekte initiieren, so hilft er nicht nur der Schirmart sondern dem gesamten Ökosystem. Also bespielsweise: rette den Resident-Orca - rette den Lachs - rette darüber den Bär, der ebenso Lachs frisst - rette den Raben, der später die Lachsreste frisst usw. Ein Beispiel aus einem deutschen Zoo wäre beispielsweise das Naturschutzprojekt des Kölner Zoos in Vietnam, in dem vor Ort Forschung und Naturschutz im Regenwald betrieben wird - Schirmart ist hier die Krokodilhöckerechse.

  10. #10
    Elkecita
    Finde ich sehr interessant, was Grasfrosch schreibt. Ist doch wie bei Vielem: nicht immer ist alles entweder schwarz oder weiss. Zoos und Delphinarien zu verteufeln, steht im Moment auf der Tagesordnung. Aber man sollte auch hier differenzieren und die Hintergründe, Vor- und Nachteile etwas deutlicher untersuchen.

  11. #11
    ShiGi
    Ich denke die unterschiedlichen Einstellungen begründen sich schon an der Grundsatzfrage: Was wiegt mehr - das Wohl des einzelnen Tieres oder das Überleben der Art?

    Ich kann Grasfroschs Argumentation nachvollziehen, aber für mich persönlich steht der Schutz des Einzelnen höher als der Arterhalt oder die Wissenschaft.
    Denn was nutzt Wissen über die Art, wenn die Tiere in der Wildnis nicht vernünftig geschützt werden? Und was nutzt ein Tigerbaby in Gefangenschaft, wenn es niemals ausgewildert werden kann, weil sein Lebensraum nicht mehr exisitiert? Die Menschen profitieren davon, die Tiere nicht. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass der durchschnittliche Sea World Besucher, der Orcas beim Tricks aufführen zuschaut, dadurch motiviert wird, viel Geld (oder sogar persönlichen Einsatz) in den Schutz der Meere zu investieren.
    Daher bin ich auch gegen die Haltung von Tieren, bei denen eine artgerechte Haltung quasi nicht möglich ist - und dazu gehören in meinen Augen unter anderem auch Orcas - und finde, dass das Gesetz einen Schritt in die richtige Richtung ist.

  12. #12
    Der Grasfrosch
    Was unterscheidet denn Orcas von anderen Tieren? Und was ist für dich artgerechte Haltung?

  13. #13
    Kiwi
    Was unterscheidet denn Orcas von anderen Tieren? Und was ist für dich artgerechte Haltung?
    Orcas sind riesig und ihre Bedürfnisse zu erfüllen ist so gut wie unmöglich. Außerdem sind einige der jetzt in Gefangenschaft lebenden Orcas aus der Wildnis entnommen. Sie werden zu Shows und Unterhaltung eingesetzt, was ich bei keinem Tier gutheiße und bei Wildtieren abscheulich finde.
    "Artgerecht halten" kann man Wildtiere m.E. nach eigentlich nicht. Die einzige akzeptable Lösung zur Arterhaltung finde ich Reservate und da sollten Tiere in ihrem natürlichen Habitat gehalten werden. Also keine Löwen und Elefanten mitten in Europa etc.

    In unserer heutigen Welt sind die sogenannten "Nutzen" von Zoos nur noch eine Farce. Jede Form von Bildung kann man sich viel besser aus Videomaterial udn wissenschaftlichen Blogs beschaffen. Wer immer noch unbedingt Löwen in echt sehen will, spart auf einen Urlaub in Afrika.
    Artenschutz? Zu welchem Preis? Wenn man eine Art nur schützen kann, indem man sie unter unwürdigen Bedingungen hält und vorführt, sollte man das vielleicht noch mal im Ansatz überdenken. Forschung an Tieren, die kaum arttypisches Verhalten zeigen können, macht sicher auch total viel Sinn.

    2. Die "Dokumentation" Blackfish enthält leider viele Falschinformationen und viel Vermenschlichung. .
    Klar, du als promovierter Meeresbiologe musst es ja wissen.

    Sie baut mehr auf emotionale Reaktionen des Publikums denn auf stichhaltige Argumente (da wird anthropomorphisierend vom friedliebenden, moralischen Orca gesprochen, den es aber nicht gibt (oder haben die Transients Bedenken, wenn sie in Grauwalkalb ertränken und danach nur dessen Zunge fressen?))
    Und damit willst du uns was sagen? Dass Orcas diese Behandlung verdient haben, weil sie unmoralisch sind? Wer vermenschlicht denn jetzt?

  14. #14
    ShiGi
    Artgerechte Haltung bedeutet für mich vor allem, dass das Tier weder körperlich noch geistig unter der Gefangenschaft leidet. Dazu gehören dann eben Dinge wie genug Bewegungsfreiheit, ausreichende Quantität und Qualität der Sozialkontakte usw.

    Ich bin kein Profi für die Haltung von Wildtieren, deshalb sind bei mir viele Dinge subjektive Eindrücke.
    Orcas unterscheiden sich so gesehen nicht grundsätzlich von anderen Tieren. Ich bin z.B. auch der Meinung, dass große Vögel nicht artgerecht gehalten werden können, da das Gehege wahnsinnig groß sein müsste, um diesen Tieren Freiflug zu ermöglichen.
    Bei intelligenten Tieren wie Orcas, Definen und Menschenaffen kommt noch hinzu, dass wir nicht abschätzen können, inwiefern die Tiere sich der Gefangenschaft bewusst sind. Und da die Wahrscheinlichkeit dieses Bewusstseins nicht allzu gering ist, finde ich die Haltung solcher Tiere grundsätzlich verwerflich.
    Das sind zumindest meine persönlichen Eindrücke und Empfindungen zu dem Thema. Ich werde jetzt nicht alle Gründe hier aufschreiben, die Tierschutzorganisationen gegen die Haltung von Orcas und Delfinen aufführen, da diese allgemein bekannt sein dürften.

  15. #15
    Der Grasfrosch
    Zitat Zitat von Kiwi Beitrag anzeigen
    Orcas sind riesig und ihre Bedürfnisse zu erfüllen ist so gut wie unmöglich. Außerdem sind einige der jetzt in Gefangenschaft lebenden Orcas aus der Wildnis entnommen. Sie werden zu Shows und Unterhaltung eingesetzt, was ich bei keinem Tier gutheiße und bei Wildtieren abscheulich finde.
    "Artgerecht halten" kann man Wildtiere m.E. nach eigentlich nicht. Die einzige akzeptable Lösung zur Arterhaltung finde ich Reservate und da sollten Tiere in ihrem natürlichen Habitat gehalten werden. Also keine Löwen und Elefanten mitten in Europa etc.
    Zunächst möchte ich anmerken, dass ich mich bei allem, was ich sage immer auf wissenschaftlich geführte Zoos und Delfinarien beziehe (das heißt nicht auf Freizeitparks oder ähnliches).
    In einem Punkt gebe ich dir zunächst Recht: artgerechte Haltung ist unmöglich, denn dafür müsste man Raubtieren lebendige Beute vorwerfen und andersherum etwa Gazellen mit Geparden vergesellschaften. Man spricht daher lieber von verhaltensgerechter Haltung. Das heißt, dass alle grundlegenden Bedürfnisse der Tiere erfüllt werden (Bewegung, Sozialkontakt, Gesundheit, tlw. geistige Auslastung). Dies wird z.B. bei Walen und Robben über das Training realisiert. Ein Teil sind die bekannten Tricks ein anderer ist das Medical Training. Die Mitarbeit funktioniert immer auf freiwilliger Basis. Die Arbeit mit den Tieren wird dann auch dem Besucher präsentiert. Im Optimalfall kombiniert man dann Entertainment mit Information (so z.B. in Duisburg). Daran ist nichts verwerflich (ansonsten wäre auch die Haltung von Hunden, die ja nur zum Vergnügen des Menschen da ist, unmoralisch).
    Das Habitat ist für die meisten Tiere tatsächlich zweitrangig. Schon Carl Hagenbeck fand heraus, dass die meisten Tiere sehr gut mit unserem mitteleuropäischen Klima zurechtkommen.


    Zitat Zitat von Kiwi Beitrag anzeigen
    In unserer heutigen Welt sind die sogenannten "Nutzen" von Zoos nur noch eine Farce. Jede Form von Bildung kann man sich viel besser aus Videomaterial udn wissenschaftlichen Blogs beschaffen. Wer immer noch unbedingt Löwen in echt sehen will, spart auf einen Urlaub in Afrika.
    Videomaterial kommt leider nicht an das reale Erlebnis heran (um einen blöden Vergleich zu bemühen: selbst Sport zu treiben ist auch erfüllender als Sportfernsehen gucken). Man kann nicht beobachten, man nimmt die Tiere nicht mit allen Sinnen wahr. Das bietet keine Doku.
    Gut dann alle nach Afrika? Mal ab davon, dass man so fast allen Menschen den Kontakt mit Wildtieren versperren würde, der Tourismus bringt leider jetzt schon Probleme mit sich. Zum einen ist es doch ökologischer Unsinn, wenn Millionen Menschen nach Afrika fliegen anstatt in den regionalen Zoo zu gehen, zum anderen brauchen wir Zoos nicht nur in Europa oder Amerika, nein, wir brauchen sie auch in Afrika. Viele glauben, dass die Kinder in Afrika die Megafauna kennen, aber das stimmt nicht mehr. Auch die Staaten Afrikas entwickeln sich in Richtung der ersten Welt (ich hasse diesen Begriff). Auch dort haben wir es mit einer Naturentfremdung zu tun und umso wichtiger ist es für den Schutz der Habitate dort, dass in Zoos Bildung betrieben wird.


    Zitat Zitat von Kiwi Beitrag anzeigen
    Artenschutz? Zu welchem Preis? Wenn man eine Art nur schützen kann, indem man sie unter unwürdigen Bedingungen hält und vorführt, sollte man das vielleicht noch mal im Ansatz überdenken. Forschung an Tieren, die kaum arttypisches Verhalten zeigen können, macht sicher auch total viel Sinn.
    Wie gesagt, das Verhalten von Zootieren ist mit dem ihrer wilden Pendants zu vergleichen (tatsächlich stammt vieles der Forschung über die Physiologie und das Verhalten von Delfinen aus Zoos). Weiter ist die Haltung in modernen Zoos bei weitem nicht als unwürdig zu bezeichnen.


    Zitat Zitat von Kiwi Beitrag anzeigen
    Und damit willst du uns was sagen? Dass Orcas diese Behandlung verdient haben, weil sie unmoralisch sind? Wer vermenschlicht denn jetzt?
    Tiere haben kein Verständnis von Moral (das ist eine Eigenschaft des Menschen). Sie sind daher weder moralisch noch unmoralisch. Tiere werden häufig mit Attributen oder Eigenschaften belegt, die sie nicht besitzen. Bei kaum einer Tiergruppe kommt das so häufig vor wie bei Walen.


    Zitat Zitat von Kiwi Beitrag anzeigen
    Klar, du als promovierter Meeresbiologe musst es ja wissen.
    Tatsächlich besitze ich einen Master in Biologie und habe im Rahmen meines Studiums mehrere Veranstaltungen aus dem Bereich der Meeresbiologie besucht. Des Weiteren habe ich mich in meiner Freizeit viel mit der Thematik beschäftigt (unter anderem Lektüre von Papern etc.), ich habe Delfinarien und Zoos besucht und ich habe Einblick hinter die Kulissen gehabt.

    EDIT (automatische Beitragszusammenführung)

    Zitat Zitat von ShiGi Beitrag anzeigen
    Bei intelligenten Tieren wie Orcas, Definen und Menschenaffen kommt noch hinzu, dass wir nicht abschätzen können, inwiefern die Tiere sich der Gefangenschaft bewusst sind. Und da die Wahrscheinlichkeit dieses Bewusstseins nicht allzu gering ist, finde ich die Haltung solcher Tiere grundsätzlich verwerflich.
    Die viel romantisierte Freiheit gibt es leider in der Natur auch nicht und dazu kommt, dass sie ein Begriff ist, der vom Menschen konstruiert wurde. Daher haben Tiere, den Menschen ausgenommen, kein Gefühl für Freiheit.

  16. #16
    Tova
    Hallo,

    artgerecht heißt nicht wahllos Bedingungen aus der Natur zu kopieren sondern bedeutet den biologischen Bedürfnissen einer Tierart gerecht zu werden. Eine Gazelle braucht hierfür keinen Geparden im Gehege, im Gegenteil, das würde ihr Bedürfnis nach Sicherheit erheblich beeinträchtigen .
    Problematisch ist er Begriff „artgerecht“ da es die individuellen Bedürfnisse außer Acht lässt. Es haben nicht alle Tiere einer Art die gleichen Ansprüche an ihre Umwelt. Daher werden zusätzlich Begriffe wie verhaltensgerecht (bezogen auf die Ansprüche die sich aus artspezifischen Verhaltensweisen ergeben), altersgerecht und tiergerecht (bezogen auf das Individuum) verwendet. Teilweise wird der Begriff tiergerecht als Zusammenfassung einer artgerechten, verhaltensgerechten und altersgerechten Haltung genutzt.
    Kriterien zu Beurteilung sind Erkenntnisse aus der Forschung zur Festlegung von Bedürfnissen, Reaktionen der Tiere (Erkrankungen, Lebensdauer, Physiologische Reaktionen, Ethogramm…), Vergleiche zwischen verschiedenen Haltungssystemen, Wahlversuche etc.

    Eine tier- und artgerechte Haltung ist durchaus möglich. Aber abhängig von den Bedürfnissen der jeweiligen Tiere schwierig und teilweise praktisch kaum umzusetzen. Oft besteht gerade bei Wildtieren die Problematik dass entsprechende Kenntnisse zu oben genannten Kriterien nicht ausreichend vorhanden sind, was eine Beurteilung und damit eine Verbesserung der Haltung natürlich schwierig gestaltet.

    Die Bedürfnisse sind teilweise sehr komplex und simpel ist hier (leider) selten irgendetwas. So sind Habitatgrößen bei weitem nicht nur von Futter abhängig, sondern von verschiedenen Ressourcen, äußeren Faktoren, eventuell auch von angeborenen individuellen Bedürfnissen. Auch ist nicht nur Langeweile ein Problem, falsche Belastung kann zu erheblichen gesundheitlichen Problemen führen und ist mit eines der Hauptprobleme bei vielen Tierarten/Haltungsformen.
    Auch spielen Klimafaktoren eine wichtige Rolle in der Tierhaltung und können je nach Tierart erheblich zum Wohlbefinden und zur Gesunderhaltung beitragen (im positiven wie im negativen). Zweitrangig oder nicht, bezogen auf die Tierhaltung sind viele Faktoren zu beachten.

    Es gibt Tierarten die flexibler auf ihre Umwelt reagieren können als andere, Bedürfnisse die sich leichter füllen lassen und solche, die in Gefangenschaft kaum umzusetzen sind oder sich durch Alternativen mal besser mal schlechter ersetzen lassen. Insofern gibt es Tierarten die sich einfacher tiergerecht halten lassen als andere und es besteht durchaus die Möglichkeit dass es einzelne Tierarten gibt deren Bedürfnisse sich in Gefangenschaft praktisch nicht ausreichend erfüllen lassen.

    Kritisiert wird bei der Haltung von Orcas sowohl deren Gesundheitszustand als auch die Lebenserwartung. Sollten diese Faktoren tatsächlich gehäuft negativ auffallen spricht dies für ein erhebliches Haltungsproblem das ungelöst so nicht bleiben darf. Allerdings stellt sich natürlich die Frage ob und wie die Haltungsbedingungen angepasst werden können (bevor man über ein gänzliches Verbot der Haltung nachdenkt). Da kenne ich mich bei dieser Tierart zu wenig aus um das zu beurteilen.

  17. #17
    Nienor
    Das habe ich gerade gelesen und musste direkt an das Thema denken:

    Die Delfine im Nürnberger Zoo erhielten fast täglich, oft in immensen Dosen das Beruhigungsmittel Diazepam. Dazu Antibiotika, Antimykotika, Hormone, Immunstimulantia, Präparate gegen Magen-/Darmgeschwüre, Schmerzmittel. Bewiesen hat das alles die Internationale Whale and Dolphin Conversation Society, die auf die Herausgabe von Dokumenten geklagt hatte. "Hier wird klar, dass die Tiere leiden. Dass sie unter Bedingungen leben, die nicht ihren biologischen Bedürfnissen entsprechen", heißt es beim Tierschutzbund.
    http://www.welt.de/print/wams/wissen...Affenhaus.html

Diskussion zum Thema Kalifornien verbietet per Gesetz Orca Shows und Zucht in Gefangenschaft im Forum Sonstige Haustier & Tiere Forum bzw. Hauptforum Tiere Allgemein:
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