Brauche dringend Hilfe!



  1. #1
    KleineAmsel

    Unglücklich Brauche dringend Hilfe!


    Hallo,

    meine Mutter und ich haben heute auf der Wiese gegenüber unseres Hauses, also auf freier Fläche und direkt an der Straße, einen Vogel gefunden. Er war seltsam dick und hockte dort nur. Selbst, als wir uns ihm bis auf wenige Meter näherten, flog er nicht davon und bewegte sich auch nicht. Ich kontaktierte dann zunächst einen Tierarzt. Dort fragte ich, was wir tun sollten. Die Frau am Apparat meinte, wir sollten ihn erstmal noch 15 min. beobachten und dann mit weichen Handschuhen einfangen und mit ihm in einem Karton zur Praxis kommen. Ich schätzte den Vogel als erwachsene weibliche Amsel ein (Ich habe von sowas ja keine Ahnung.). Ich sagte der Frau aber auch, dass wir Angst hätten etwas falsch zu machen, ähnlich wie bei Rehkitzen, die man bloß nicht anfassen sollte, damit sie keinen menschlichen Geruch an sich haben. Wir befolgten dann die Anweisungen und nahmen die Amsel in einem Karton mit Luftlöchern zum Tierarzt. Als meine Mutter sie jedoch versuchte sie mit den Handschuhen zu fangen, hopste sie davon. Aber sehr sehr langsam und wir vermuteten, dass sie krank sei und einfach etwas Angst vor uns hätte. Einmal, als meine Mutter vorsichtig nach ihr griff, hatte sie plötzlich einen Teil Federn in der Hand. Wie sich herausstellte, waren dies wohl die Schwanzfedern. Ich habe aber später im Web gelesen, dass es wohl die "Schockmauser" gibt, bei der Vögel ähnlich wie andere Tiere ihre Schwanzfedern abwerfen, um aus einem Griff freizukommen.

    Nun weiter in der Geschichte: Die Tierärztin begrüßte uns mit einer ziemlichen Fresse. Ich will damit nur sagen, dass sie zu diesem Zeitpunkt schon äußerst gereizt wirkte, zuvor hatte sie ca. 45 min eine Frau mit Katze behandelt, die ihr ständig ins Wort gefallen war. Bei unserem Vogel meinte sie nur, dass jemand ihm die Schwanzfedern ausgerissen habe (Meine Mutter hatte wirklich nicht gerissen und ihn nur vorsichtig angefasst!) und sie müsse ihn einschläfern. Als meine Mutter gestand, dass sie das wohl aus Versehen gewesen sei, nahm sie ihn aus dem Karton. Er piepse wie verrückt und flatterte mit den Flügeln. Sie packte ihn zurück in den Karton und packte den Deckel drauf. Plötzlich musste sie ihn nicht mehr einschläfern, meinte er sei total fit, ein Jungvogel, hätte nur einen Schock (vom gegen Scheibe fliegen oder so) und dass er wohl nur wegen der Schwanzfedern nicht überleben würde und dass wir vorher mindestens zwei Stunden hätten warten sollen. Ich sagte ihr daraufhin, dass wir nur exakt das gemacht hatten, was sie, oder ihre Bedienstete uns gesagt hatten, weil wir eben nichts falsch machen wollten. Sie meinte, sie könnte da ja so auch nicht gegen machen.

    Sie meinte dann, dass wir sie hinten auf dem Rasen im Busch aussetzen sollten. Wir fragten, ob es nicht besser sei ihn an der Stelle auszusetzen, wo wir ihn gefunden hätten, sie verlangte aber, ihn hier auszusetzen. Dann schickte sie uns weg. Der Vogel hatte währenddessen den Karton etwas zu...geschissen und hing ganz komisch dort herum. Als wir den Karton öffneten, wollte er gar nicht (wie vorher die ganze Zeit) hinaus. Wir setzten ihn dann vorsichtig aus, aber er hing ganz komisch mit ausgebreiteten Flügel und Kopf nach vorne im Gras und bewegte sich nicht mehr.

    Ich habe nun im Internet gelesen, dass auch bei Jungtieren die Schwanzfeder recht schnell nachwachsen, sie währenddessen nur eine Voliere oder auch eine andere sichere Behausung oder Unterschlupf braucht und etwas Futter, damit er von Fressfeinden während seiner Flugunfähigkeit nicht attackiert wird. Wir fühlen uns nun sehr schlecht, da wir denken, es war die falsche Entscheidung ihn da irgendwo im Nirgendwo auszusetzen und wollen morgen vllt nochmal hinfahren, um kurz nachzusehen, ob er da vllt noch rumsitzt, um ihn eventuell aufzupäppeln. Wir wissen aber nicht mehr weiter.

    Insgesamt fühlten wir uns von der Tierärztin aber ziemlich schlecht beraten und bedient. Nicht, weil sie uns Vorwürfe machte, sondern auch, weil sie sich den Vogel kaum ansah, sich kaum mit uns beschäftigte und ständig zwischen Diagnosen hin und her hüpfte.

    Deshalb suche ich hier Rat.

    Vielen Dank, für alle, die sich den Roman angetan haben. Falls ihr noch Fragen habt: Stellt sie bitte ruhig. Ich möchte nicht wieder scheiße beraten werden und dann die Schuld zugeschoben bekommen. Bitte helft mir!



  2. #2
    Sowi
    Hallo Kleine Amsel,

    das Verhalten der Tierärztin ist wirklich merkwürdig.

    Für einen Ästling ist es in der Tat zu spät im Jahr.

    Warum der Vogel krank wirkte, kann viele Ursachen haben - Du hast Recht, wenn Du schreibst, dass er auf jeden Fall nicht in Ordnung war - sonst hätte er sich nicht fangen lassen.

    Neben einer Kollision, z.B. mit einem Fenster, kann es auch eine Erkrankung sein.

    Z.B. grassiert zur Zeit unter Amseln wieder das Usutu-Virus.

    Zunächst bezügl. des Einfangens:

    wenn Ihr so etwas nochmal haben solltet, versucht nächstes Mal nicht, einen erwachsenen Vogel mit der Hand zu greifen.
    Besser ist es, ein großes Tuch zu nehmen und über den Vogel zu werfen.

    Wenn es "dunkel" wird, stressen sie sich weniger.

    Falls die AMsel überhaupt noch lebt, wäre es schon gut, sollte sie nach wie vor "behindert" sein, sie wieder einzufangen.

    Dann setzt Ihr sie erstmal in einen Karton mit einem Handtuch drin und deckt den Karton ab, damit er dunkel ist.

    Solltet Ihr so weit sein, kannst Du, wenn Du willst, mich noch mal direkt kontaktieren.

    Ich sende Dir meine Kontaktdaten per PN.

    Die abgeworfenen Schwanzfedern allein werden bei Amseln kein so gigantisches Problem darstellen.

    Amseln können, wenn sie sonst gesund sind, sich ganz gut eine Weile hüpfend im Gebüsch durchschlagen, da sie ohnehin überwiegend am Boden nach Nahrung suchen.

    LG
    Sowi

  3. #3
    Laura
    Hallo,

    toll erst mal, dass ihr der Amsel helfen wolltet und verständlich, dass ihr über die Tierärztin gefrustet seid. Das war definitiv keine vogelkundige TÄ, leider haben einige dann nicht den Anstand, an einen erfahrenen Kollegen zu verweisen.
    Den Vogel in diesem Zustand rauszulassen war auf jeden Fall der falsche Weg, denn offensichtlich ist er zu geschwächt, um vor Feinden zu fliehen. Selbst wenn er nicht krank ist, sondern eine Gehirnerschütterung durch eine Kollision hat, hätte er die Nacht geschützt und in Ruhe in einem Karton verbringen sollen, bis er wieder fit ist. Nun ist es aber nicht mehr zu ändern - macht euch keine Vorwürfe, hier ist vielmehr die Tierärztin in der Schuld zu sehen. Holt euch nächstes Mal noch eine zweite Meinung ein, wenn ihr unsicher seid, wie gesagt sind auch Tierärzte nicht allwissend.
    Falls ihr die Amsel wieder findet, stellt sie einem vogelkundigen Tierarzt vor, Adressen findet ihr hier und hier.

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