Meine Kanaris brüten - was beachten?



  1. #1
    Cosili

    Meine Kanaris brüten - was beachten?

    Immer wieder tauchen hier Fragen zur Zucht auf.

    Oft ist es so, das jemand seinen Kanarienvögeln „einfach so“ ein Nest angeboten hat, und sich jetzt erst mal über grundlegende Dinge Informieren will, etwa wie lang die Brutzeit ist, ob man die Ernährung umstellen muss oder was denn sonst noch zu beachten ist.
    Oder es sind, auch infolge eines solchen „einfach so mal brüten lassen“ schon Probleme aufgetreten.

    Und genau so sollte es NICHT laufen!

    Es stimmt zwar das Kanarienvögel sehr vermehrungsfreudig sind, viele Hennen jedes Jahr ein Gelege produzieren, und es durchaus sinnvoll ist ihnen dafür auch ein geeignetes Nest anzubieten bevor sie ihre Eier in den Futternapf legen und dort bebrüten. Trotzdem sollte sich jeder Kanarienvogelhalter intensiv mit dem Thema auseinandersetzen, bevor er seine Tiere zur Brut treibt. Die Leidtragenden der vielen Probleme die beim „einfach so mal brüten lassen“ auftreten können, sind letztendlich leider die Tiere.

    Außerdem sollte man gründlich prüfen ob es wirklich verantwortungsvoll ist zuzulassen das Jungvögel schlüpfen. Dafür sollte man folgendes bedenken:

    Abnehmer vorhanden?
    Aus einer Brut können fünf bis sechs Jungvögel entstehen. Diese selber zu behalten ist bei Wohnungshaltung in den seltensten Fällen möglich, und gute Plätze für all diese Jungtiere zu finden ist nicht immer einfach. Auf jeden Fall sollte ihr Verbleib geklärt werden bevor man sich für die Zucht entscheidet.

    Alter der Kanarienvögel?
    Auch wenn Kanaris mit etwa 8 Monaten geschlechtsreif werden, sollte man sie nicht brüten lassen bevor sie mindestens 12 Monate alt sind. Genauso ist eine Brut für ältere Vögel (über 5 Jahre) schon ziemlich belastend.

    Letalfaktoren bei den Elterntieren?
    Es gibt bei Kanarienvögeln sogenannte Letalfaktoren, Gene die, wenn in zweifacher Ausführung vorhanden, zu toten oder behinderten Jungvögeln führen. Deshalb darf man zwei Kanarienvögel die beide diese Merkmale tragen nie verpaaren (außerdem ist es laut Tierschutzgesetz verboten)! Die beim
    Kanari bekannten Letalfaktoren sind:
    • Haubenkanarienvögel, mit „Beatles-Kopf“, wie zum Beispiel Gloster-Kanarienvögel.
    • „Dominant Weiß“: weiße Kanarienvögel die, im Gegensatz zu Kanaris des Farbschlages „rezessiv Weiß“, noch ein bisschen Farbe an den Flügeln zeigen.
    • Federlose oder schwach befiederte Stellen, typisch für manche Positurkanarienrassen.
    • „Intensiv“: kräftig und leuchtend gefärbte Kanarienvögel deren Federspitzen keinen helleren Rand aufweisen.
    Elterntiere verwandt?
    Inzucht sollte auf jeden Fall vermieden werden. Besonders Geschwisterverpaarungen sind problematisch. Wenn die Vögel aus dem gleichen Zoogeschäft/Züchter stammen und besonders wenn sie gleichzeitig gekauft wurden besteht die Möglichkeit das es sich um Geschwister handelt. In dem Fall sollte man zur Sicherheit nicht zulassen das Jungvögel schlüpfen.

    Wenn man sich aufgrund dieser Überlegungen gegen die Zucht entscheidet, die Vögel aber trotzdem in Brutstimmung sind, geht man folgendermaßen vor:
    • Sich über die Brutbiologie des Kanarienvogels und das Erkennen von Legenot informieren (siehe dazu Text weiter unten), und ein geeignetes Nest und Nistmaterial anbieten.
    • Die Eier auf keinen Fall einfach entfernen, da die Henne sofort Neue legen würde, so lange bis sie völlig geschwächt wäre.
    • Einfachste Möglichkeit: die Eier gegen Plastikeier austauschen. Die gibt es in der richtigen Größe in guten Zoofachgeschäften, oft bekommt man sie einfacher bei auf Heimtierzubehör spezialisierten Onlineshops.
    • Zweite Möglichkeit: die echten Eier sterilisieren. Dazu kann man sie kurz in kochendes Wasser legen (abkühlen lassen vor dem wieder unterlegen!) oder mit einer feinen Nadel tief anstechen. Dabei gehen sie allerdings leicht kaputt.
    • In jedem Fall lässt man danach die Henne auf den künstlichen bzw. sterilisierten Eiern drei Wochen lang brüten und entfernt sie dann zusammen mit dem Nest. Oft verlässt die Henne das Gelege auch schon vorher, in dem Fall entfernt man das Nest ab diesem Zeitpunkt.
    • Die meisten Hennen versuchen danach noch eine zweite Brut. Das ist auch noch ok, mehr sollte man aber nicht zulassen.
    • Dafür Grünfutter für ein paar Wochen streichen und auch kein Eifutter anbieten, um dem Bruttrieb entgegenzuwirken und zu verhindern das die Henne ein weiteres Gelege produziert.
    • Es kommt auch in der Natur sehr oft vor das Gelege zerstört werden oder unfruchtbar sind. Die Henne bekommt deswegen keine psychischen Probleme.
    Brutbiologie des Kanarienvogels

    Balz und Nestbau
    Die natürliche Brutzeit ist im Frühjahr bis Sommer. Allerdings brüten Kanarienvögel in Gefangenschaft auch manchmal außerhalb dieser Jahreszeiten.
    Während der Balz werden die Vögel unruhig, der Hahn singt mehr als sonst, füttert die Henne, die Henne schlägt vor dem Hahn mit den Flügeln, trägt Nistmaterial durch den Käfig und es kommt zur Paarung. Nestbau (der etwa eine Woche dauert) ist Aufgabe der Henne während der Hahn die ganze Brutzeit über singt und die Henne füttert.

    Geeignete Nester/Nistmaterialien
    Zum Nestbau sollte man den Vögeln eine geeignete Unterlage anbieten (es gibt Kanarienvogelnester in verschiedenen Ausführungen im Fachhandel, zum einem Nistkörbe, zum anderen so genannte Kaisernester die man wie ein Badehäuschen an die Käfigtür hängt, im Zweifelsfall beides anbieten und die Vögel entscheiden lassen). Dazu Nistmaterial, das am besten mit einer Wäscheklammer am Gitter befestigt wird. Geeignet sind: Scharpie (zerzupfte Baumwolle), Tierhaar (wird gereinigt und abgepackt im Fachhandel verkauft), Baumwollschoten oder Kokosfasern. Auf keinen Fall dünnes, fadenziehendes Material wie Watte anbieten, das birgt Verletzungsgefahr für Eltern und Jungvögel.

    Ernährung während der Brutzeit
    Schon vor der Brutzeit sollte man die Ernährung umstellen. Zum einem erhalten die Vögel jetzt häufiger Grünfutter (alle drei Tage, außerhalb der Brutzeit braucht ein Kanarienvogel als Körnerfresser nur etwa einmal pro Woche Grünfutter). Besonders gut geeignet ist hier Keimfutter (gekeimtes Körnerfutter).
    Außerdem sollte man die Vögel an das Eifutter gewöhnen, indem man alle paar Tage kleine Mengen davon anbietet. Noch nicht zu viel davon füttern, das macht dick.
    Wichtig ist das die Henne genug Mineralien erhält die sie für die Bildung der Eischale benötigt. Grit und Mineralstein sollte sowieso immer zur Verfügung stehen, zusätzlich kann ein Mineralienpräparat zum übers Futter streuen oder ins Trinkwasser mischen sinnvoll sein.

    Legeverhalten erkennen, Austauschen der Eier
    Etwa eine Woche nach Beginn des Nestbaus kann man mit Eiern rechnen. Die werden am frühen Morgen gelegt. Zum Legen stellt sich die Henne ins Nest und presst mit geöffneten Schnabel. Man sollte sie dabei keinesfalls stören.
    Die Eier werden im Abstand von einem Tag gelegt (ein Tag wird gelegt, ein Tag Pause, zwischendurch zwei Tage Pause kann auch vorkommen) bis das Gelege mit 3 bis 6 Eiern vollständig ist. Domestizierte Kanarienvogelhennen fangen meist schon gleich nach dem ersten Ei mit dem Brüten an. In jedem Fall sollten die gelegten Eier noch am selben Tag gegen Plastikeier ausgetauscht werden, um ungewünschten Nachwuchs zu verhindern.
    Das hat folgenden Grund: ein Küken schlüpft im Falle des Kanaris nach 14 Tagen Brut, da es sich erst anfängt zu entwickeln wenn das Ei bebrütet wird und nicht gleich nach dem Legen.

    Legenot erkennen
    Legenot, also Probleme bei der Eiablage, ist ein Notfall, die Henne kann durchaus daran sterben. Man sollte sie also sicher erkennen können und immer die Adresse eines vogelkundigen Tierarztes griffbereit haben, um schnell reagieren zu können. Symptome der Legenot:
    • Die Henne sitzt aufgeplustert, oft mit geschlossenen Augen, auf der Stange, im Nest oder auf dem Boden und presst ab und zu vergeblich
    • Manchmal sieht die Kloakenregion gerundet aus, man kann das Ei erahnen
    • Die Henne wird schnell schwächer und zeigt sich oft weniger ängstlich als sonst
    • Manchmal Schmerzenslaute

    Dieser Text hier ist keinesfalls als eine komplette Anleitung zur Kanarienvogelzucht zu verstehen. Wer seine Vögel brüten lässt sollte sich auf jeden Fall noch weitergehend informieren, und auch Kontakt zu erfahrenen Züchtern suchen.
    Geändert von Amber (23.07.2013 um 19:17 Uhr) Grund: Änderung der Forenregeln

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