Wie reiten?

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Sweet Hamsti

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Huhu ihr Lieben,
ich habe noch ein ziemlich junges Pferd (4 Jahre alt,gerade eingeritten)
Also er wurde auf einem anderem Hof eingeritten und jetzt habe
ich ihn wieder:D
Ich reite ihn jetzt gerade mit einer normalen Trense. Aber ich habe ihn auch schon nur mit einem Knotenhalfter geritten also ein Strick an jede Seite drannbinden und ich finde er geht entspannter und lockerer.
Was habt ihr für Erfahrungen mit Knotenhalfter reiten und wenn das Pferd mal durchgeht oder so... hat man dann mehr oder weniger gewalt und ist das Knotenhalfter schärfer als eine normale Trense??
 
14.02.2011
#1
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Guest

Hast du schon mal einen Blick in Pferde verstehen geworfen? Mit Achtung und Respekt Vertrauen zu deinem Pferd herzustellen, kann dir vielleicht helfen.
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Machtnix

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Gleich zum Anfang muss ich sagen, dass ich nicht zu der Knotenhalfter-Fraktion gehöre.
Englisch habe ich die Pferde immer auf doppelt gebrochenem KK-Ausbildungsgebiss angeritten und auch möglichst lange mit diesem Gebiss weitergeritten, so es keine Probleme gab. Für Jungpferde stand allerdings auch das Merothische Ledergebiss auf dem Plan, denn so hatte ich ein Gebiss, das trotz Zahnwechsel (bei einigen Pferden merkt man das kaum, andere jedoch tun sich da schwer und sind mit normalem Gebiss kaum reitbar) gut verwendbar war.
Das ganze 'Spielprogramm' mit Halfter (habe ich mir selber nach einem von mir entwickelten System anfertigen lassen), Halsring etc. folgte erst später.
Wichtig war erstmal die Dehnung des Pferdes, das Überwinden der natürlichen Schiefe und die richtige Bemuskelung, damit dem Pferd die richtige Körperhaltung im 'Spielprogramm' leicht fällt und das Pferd langfristig richtig und gut bemuskelt ist und bleibt.

Beim Westernreiten ist das Anreitprogramm von mir schon wesentlich größer. Angeritten wird mit Sidepull, danach folgt die Ausbildung mit einfachem Snaffle (entweder doppelt gebrochen oder anatomisch geformt, je nachdem was dem Pferd angenehmer ist und womit es leichter trainierbar ist).
Sobald das Pferd die entsprechende Dehnung und Nachgiebigkeit zeigt, stelle ich das Pferd auf Bosal um und reite so lange mit Bosal, bis das Gleichgewicht soweit OK ist (das ist mit Bosal einfach leichter, da das Pferd mehr auf sich selber gestellt ist). Mit dem Bosal reite ich dann auch über den Zahnwechsel hinaus (es sei denn, ein Backenzähnchen macht argen Ärger und es gibt Schwellungen - was superselten ist aber bei einem meiner Schützlinge schon vorkam).

Das reine Anreiten ist normalerweise eine einfache Sache. Das kann -mit Anleitung- so gut wie Jeder. Die ersten Ausbildungsschritte dagegen sind sehr sensibel und bestimmen oft, ob man es später früh mit einem Korrekturpferd zu tun hat oder ob man später jahrelang ein motiviertes und leichtrittiges Pferd erhält.
In dieser Phase muss die richtige Muskulatur gedehnt und aufgebaut werden, das Pferd muss seinem Typ entsprechend motiviert werden (auch Dehnungsschmerz ist Schmerz) und die Erziehung unterm Sattel muss beginnen bzw. fortgeführt werden.
Hierfür halte ich das Knotenhalfter für ungeeignet, es sei denn, es reitet ein absoluter Knotenhalfterprofi, der schon mehr hinbekommen hat als ein gerademal reitbares Freizeitpferd.

An deiner Stelle würde ich so reiten, wie das Pferd während der Grundausbildung geritten wurde. Dieses Reiten sollte fortgeführt werden - wenn das Anreiten wirklich gut war - am Besten nimmt man auch den gleichen Trainer, der das Pferd auch angeritten hat als Hilfe dazu.
Ein Wechsel des Ausbildungsstils ist in dieser Phase eher neg.
Das Pferd sollte erstmal eine fundierte Grundausbildung erhalten. Dann kann man das Tier mit neuen Dingen konfrontieren und so die vernünftige Ausbildung trotzdem weiterführen und mit kleinen Spielen aufpeppen.
Erstmal braucht das Jungpferd Sicherheit, Gleichförmigkeit und einen fundierten Ausbildungsweg, damit es nicht verunsichert, widersetzlich oder gar falsch bemuskelt wird - egal wie entspannend das Pferd ein 'lülüreiten' anfangs findet. Das rächt sich oft später, sowohl in der Rittigkeit als auch körperlich (fehlende Stützmuskulatur, zu wenig Stabilität des Sehnenapparates).
 
Valkyrja

Valkyrja

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Auf dem Hof, auf dem ich hin und wieder reite wird nur mit Knotenhalfter geritten. Solange es nicht auf der Nase aufliegt und richtig sitzt ist es nicht "scharf". Wenn im Notfall ein Pferd mal gar nicht zu bremsen sein sollte, nimmt man dort einen Zügel zur Seite, damit das Pferd nicht mehr geradeauslaufen kann, sondern einen Kreis reiten muss, wodurch es langsamer wird.
 
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Machtnix

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Wie schon gesagt, zähle ich nicht zur Knotenhalfterfraktion.
Langsamer finde ich nicht Ausbildungskonform.

Richte dein Pferd gerade und reite es vorwärts.

Die Ausbildungsskala sagt auch:
Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichtung, Versammlung.
Alles zusammen bildet die Durchlässigkeit.

Die Westernreiter nehmen in einigen Punkten einfach die Deklaration:
Takt, Losgelassenheit, Dehnungsbereitschaft an die Hand, Geraderichtung, Engagement der Hinterhand, Durchlässigkeit.

Die ersten 3 Punkte der Ausbildungsskala bilden die Gewöhnungsphase.
Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichtung, bilden den Aufbau der Schubkraft.
Schwung, Geraderichtung und Verwammlung bilden den Aufbau der Tragkraft.

Z.B. gibt es im Trab 5 Tempi. Von leicht nach schwer sind diese:
Arbeitstrab, Tritte verlängern, Mitteltrab, versammelter Trab, starker Trab.

Arbeitstrab ist der natürliche fleißige Trab und den ersten 3 Punkten der Ausbildungsskala zuzuordnen. (Gewöhnungsphase)
Tritte verlängern ist eine Verstärkung in Takt und Raumgriff. Es ist den ersten 4 Punkten der Ausbildungsskala zuzuordnen.
..........
Immerhin besteht diese Ausbildungsskala schriftlich seit 1912 (HFV = Heeresdiensverordnung-) und wurde nie nachgebessert - warum nur?
Klar, weil es nichts zu verbessern gilt.
Ich kenne keinen Ausbilder oder 'Pferdeguru', der sich anmaßt daran zu zweifeln oder dagegen zu arbeiten.
Einige der Punkte der Ausbildungsskala sind austauschbar, jedoch sind die Punkte in ihrer Zusammenfassung (Gewöhungsphase, Aufbau der Schubkraft, Aufbau der Tragkraft) immer in ihrer Reihenfolge erhalten geblieben.

Demnach ist ein Langsamermachen des Jungpferdes kontraproduktiv.
Ein junges Pferd sollte entweder fleißig in seiner natürlichen Gangart geritten werden (Arbeitstempo) und aktiver (Tritte bzw. im Galopp Sprünge) verlängern. Das Langsamerwerden sollte immer mit einem gewissen Versammlungsgrad verbunden sein und benötigt daher eine entsprechende Muskulatur für die Tragkraft (aufgewölbter Rücken), ansonsten latscht das Pferd einfach langsam auf der VH und gerät aus dem Gleichgewicht - es kippt nach vorn.
Das Langsmermachen eines Pferdes ist nur bei allen Ausbildungswegen (egal welchen man da wählt oder welchem Stil man folgt) immer erst nach dem Aufbau der Schubkraft und im Aufbau der Tragkraft angesagt.

Egal ob man mit Knotenhalfter, Trense oder sonst irgendwelchen Gebissen reitet. Die Gesunderhaltung und vernünftige Bemuskelung des Pferdes als Reitpferd sollte immer das Ziel sein.
 
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