Beim Thema Wildvögel: Bitte nicht alles glauben!

Diskutiere Beim Thema Wildvögel: Bitte nicht alles glauben! im Wildvogel Forum Forum im Bereich Vogel Forum; Hallo! Aus aktuellem Anlass möchte ich euch darum bitten, nicht sofort das zu glauben, was Tierärzte und leider oftmals auch Tierheime...
Abbey

Abbey

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Hallo!

Aus aktuellem Anlass möchte ich euch darum bitten, nicht sofort das zu glauben, was Tierärzte und leider oftmals auch Tierheime, private Vogelpfleger und manchmal auch größere Stationen erzählen. Das hier soll keine Hetze sein und dazu anstiften, demnächst auf besagten Personen oder Einrichtungen herum zu hacken.
Sie haben es ohnehin schon schwer genug.
Ich bitte einfach um eine gesunde Portion Misstrauen und darum, Dinge zu hinterfragen.

Ich sage nicht umsonst aus aktuellem Anlass.
Ich kann mindestens zwei Themen der letzten Wochen nennen, in denen junge Wildvögel starben, weil falsch informierte Tierärzte ihr „Fachwissen“ weitergaben.
In einem Fall wurde der Vogel mit Rinderhack und Eigelb ernährt, und diese Fehlfütterung hatte tödliche Folgen. Im anderen Fall erkrankte der Vogel an einer Infektion, obwohl die Tierärzte der Meinung waren, ein Vogel könne wegen seiner
hohen Körpertemperatur nicht erkranken.
Der grausame Todeskampf bewies etwas anderes.

Erst heute sprach ich mit vielen verschiedenen Pflegestationen. Und eine anerkannte private Vogelpflegerin empfahl mir tatsächlich, den Vogel mit Hackfleisch zu füttern. Ich weise nur noch einmal auf das Zitat oben hin, und jeder dürfte sich vorstellen können, was das für Folgen gehabt hätte.

Genau so wenig kann man garantieren, dass Tierheime über die richtige Aufzucht von Jungvögeln Bescheid wissen. Das sind auch nur Menschen, und aus irgendeinem Grund glaubt jeder die weiter gesagten „Wahrheiten“ wie die Sache mit dem Hackfleisch.
Wer auch immer auf diesen Gedanken kam, er hat unglaublich viel Schaden angerichtet. Und es wird immer weiter erzählt, auch an Menschen, die einen verletzten Vogel gefunden haben und vor der Aufgabe stehen, ihn zu versorgen.
Und wenn eine anerkannte Vogelpflegerin euch sagt, dass ihr den Vogel mit Hackfleisch füttern sollte – dann würdet ihr das wohl glauben, oder?
Weil man damit rechnet, dass diese Menschen Bescheid wissen.

Aber das tun sie leider viel zu oft nicht!

Also möchte ich jedem ans Herz legen, sich selbst zu informieren und nicht gleich das zu glauben, was einem erzählt wird.
Im Notfall gibt es sehr schnelle Hilfe. Zum einen hier im Forum – viele User betreiben selbst Pflegestationen, oder helfen dort tatkräftig mit. Und selbst wenn niemand von ihnen online ist, um euch weiter zu helfen, gibt es dennoch eine wunderbare Website, auf der sich jeder schnell und einfach mit Informationen versorgen kann. Und zwar mit richtigen.

http://wildvogelhilfe.org/

Wie gesagt – es gibt sehr viele positive Beispiele für Pflegestationen und Ärzte, für informierte Tierheime und auch Privatpersonen. Diese informieren sich, setzen sich ein, klären auf.
Aber leider gibt es auch genug negative Beispiele!
Und wenn ihr wirklich wissen wollt, was denn nun Sache ist, bleibt keine andere Wahl, als das selbst zu recherchieren. Und das ist wirklich nicht viel Arbeit.

Denn hierbei geht es nicht um irgendwelche Plüschtiere. Sondern um wundervolle, faszinierende und absolut empfindliche Lebewesen. Wildvögel, die in Not geraten, sind auf die Hilfe von uns Menschen angewiesen.
Ihr Leben liegt dann in unseren Händen.
Und wir alle haben die Pflicht, es dann auch zu schützen, koste es, was es wolle.



Vielen Dank an jeden, der diesen Text gelesen hat. Und vor allem an jene, die ihn sich zu Herzen nehmen und im Hinterkopf behalten.
Denn wenn nicht wir etwas tun - wer denn dann?
 
04.07.2011
#1
A

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Guest

Hast du schon mal einen Blick in Wildvögel am Futterplatz geworfen? Vielleicht hilft dir das ja weiter?!
astrid.

astrid.

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Und wenn ihr wirklich wissen wollt, was denn nun Sache ist, bleibt keine andere Wahl, als das selbst zu recherchieren. Und das ist wirklich nicht viel Arbeit.
Ein wichtiger und toller Beitrag und Appell von Dir, Abbey. Leider scheint es für manche doch zu viel Arbeit zu sein, ein wenig zu recherchieren. Dabei ist es doch im Grunde so enfach. Vorbild ist die Natur. Man muss nur hinschauen. Eine Vogelmutter findet in der Natur kein Hackfleisch, keinen Quark, keine Katzenbrekkies und was sonst noch an schädlichem bis tötlichem in so ein Vogelküken gestopft wird. Wer das beherzigt und im Hinterkopf hat, kann solche unqualifizierten Ratschläge, selbst wenn sie von einem Tierarzt oder einer vermeintlichen Wildvogelstation gegeben werden, sehr schnell als falsch entlarven.

LG astrid
 
Mariama

Mariama

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Sehr guter Hinweis, Abbey! :clap:

Die Schwierigkeit liegt nur darin, dass die Tierärzte aus Unwissenheit handeln. Ich erlebe immer wieder, dass Tierärzte den Rat geben, Wildvögel mit Katzenfutter aufzuziehen. Und auch, wenn du sie davon überzeugst, dass ein von einer Katze verletzter Vogel ein Antibiotikum braucht, werden sie die Dosierung nicht wissen und dass es in diesem Fall intraschnabulös verabreicht werden muss.

Bei uns in Berlin habe ich schon im Winter die Aktion gestartet, Tierärzte persönlich aufzusuchen und ihnen unsere Fütterungsempfehlungen nicht nur zu überreichen, sondern auch zu erläutern. Und zwar diese hier: https://www.tierforum.de/t103768-fuetterungsempfehlungen-fuer-die-unterschiedlichen-jungvogelarten.html

Da sie von einer Tierärztin entwickelt wurde, die sich seit vielen Jahren ehrenamtlich der Aufzucht von Wildvögeln widmet (Name steht ganz unten in der Liste) und auch in diesem Jahr den Tierschutzpreis bekommen hat, kann ich mich auf eine anerkannt kompetente Person berufen, finde dadurch bei vielen Tierärzten gehör und hoffe sehr, dass sie in diesem Sommer richtige Ratschläge geben.

Vielleicht magst du in deiner Umgebung auch eine derartige Aktion starten?

In der Liste der Wildvogelhilfe stört mich nur, dass dort als Notfallfütterung immer noch Milchprodukte und Ei empfohlen werden (oder haben sie es inzwischen geändert?), was nachweislich gerade bei kleinen Singvögeln häufig zu tödlichen Darmverschlüssen führt.
 
Abbey

Abbey

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Hallo!
Danke für euren Zuspruch. Ich hatte schon Angst mich zu weit aus dem Fenster zu lehnen, aber mal ehrlich: zwei Vögel gefunden und ich habe so unglaublich viel Mist von allen möglichen Personen gehört ...
Und vielen Dank für deinen Hinweis, Mariama! So etwas werde ich machen! Das ist etwas, womit ich aktiv helfen kann und indirekt Vögel rette. Ich muss mich nur vorher informieren, damit ich für alle Argumente der anderen ein passendes Gegenargument habe.
Man kann doch etwas tun :) Das ist schön zu wissen!

Dass die Tierärzte aus Unwissenheit handeln weiß ich ja. Ich sage ja nicht, sie machen das mit Absicht. Nur habe sogar ich mittlerweile mehr Ahnung als die Tierärzte der Umgebung und ich habe nicht gerade fünfzehn Stunden recherchiert. Es braucht ja gar nicht viel.

Liebe Grüße,
Abbey
 
Mariama

Mariama

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Vielleicht findest du sogar einen Facharzt für Ziervögel in deiner Nähe, der bereit ist, sich mal mit dir über dieses Thema zu unterhalten und sich eventuell als Ansprechpartner für andere Tierärzte zur Verfügung stellen würde was Art und Dosierung des Antibiotikums angeht.

Und falls du mit dem Gedanken spielst, selbst mal hilfsbedürftige Jungvögel zur Aufzucht aufzunehmen, wirst du dort sicherlich das Medikament in kleinen Mengen bekommen um es den Kleinen bei Bedarf sofort verabreichen zu können.

Ich habe immer ein Fläschchen im Kühlschrank.
 
Abbey

Abbey

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Hallo!
Wenn es hier irgendwelche fähigen Vogelärzte in der Nähe geben würde - was hätte ich für Nerven gespart. Bei uns herrscht, was Ärzte und Pflegestationen angeht, absolutes Ödland.

Und auch wenn ich wirklich gerne Vögel aufnehmen würde, ist meine Mutter dagegen. Trotzdem habe ich ein kleines Notfallset und seit heute auch Antibiotika im Kühlschrank. Allerdings bezweifle ich, ob es ratsam wäre, es anzuwenden. Ich habe keine Ahnung, was es ist, wie die richtige Dosierung ist und wie lange es haltbar ist. Und darf man so etwas überhaupt einfach so verabreichen?

Liebe Grüße,
Abbey
 
Mariama

Mariama

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Nein, das darf man leider nicht. :(

Schade, dass es gar keine vogelkundigen Tierärzte in deiner Umgebung gibt. Ich muss gleich mal schauen, wo du herkommst. Vielleicht kann ich dir einen empfehlen.
 
kleiner Falke

kleiner Falke

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Abbey, ein guter Text, gratuliere!

Ich selber versuche nun noch, einige Gedanken hinzuzufügen und zwar AUS DER SICHT EINER PFLEGESTATION.

Schau, bei mir läuft das (momentan!) so ab: morgens um 5 gehts aus dem Bett. Schnell Hunde rauslassen, dann 21 Mauersegler füttern.
Dazu machen wir gleich eine kleine Mathematikaufgabe:

21 Mauersegler, davon habe ich 4 Stk, welche wirklich gut fressen, das heisst, ich halte ihnen das Futter (Dronenbrut, Fliegen, Wachsmaden und vorallem Heimchen) hin, entweder sie schnappen es sich gleich oder sie lutschen am Finger und ich kann es seitlich einschieben... Diese, alle 4 zusammen, habe ich in 2 Minuten gefüttert!
So, die restlichen 21, da heisst es, zuerst auf die Waage, Gewicht notieren, ins Handtuch einwickeln, Vogel fixieren, Schnabel öffnen (ganz fein und ja nicht hektisch), offener Schnabel fixieren, Futter einschieben (über die Zunge und recht weit nach hinten), Schnabel zumachen lassen, Kehlchen kraulen. Dann Variante a) Futterreste, die er ausgespuckt zusammensammeln und nochmals von vorne anfangen oder Variante b) wieder bei Schnabel aufmachen anfangen und neues Futter einschieben.

So, für so einen Vogel, EINEN Mauersegler benötige ich für eine Fütterung im Durschnitt um die 2 Minuten. Nochmals schnell zur Repetition: momentan sind es 17 Stk, die soviel Zeit brauchen. 17 x 2 = 34, plus noch die anderen 4, dazu noch Futter auftauen, Nester reinigen. Ich habe schon nur für einen "Durchgang" Segler Fütterung fast 45 Minuten.
So, und nun gibt es so Leute, die dann sagen, eine Fütterung alle 2 Stunden ist unabdingbar. Klar, ne?! Dann bin ich nur noch am Segler füttern.
(ürbigens bekommen die in freier Natur nicht täglich Futter. Wenn das Wetter besch... ist, dann fliegen die Eltern hunderte von Kilometern und können auch nicht öfter als höchstens 1x Tag Futter bringen... Ich gebe ihnen wenn immer möglich etwa 5-6 mal täglich, 5-6 mal täglich fast 45 Minuten... So, und dies mache ich ja nicht nur als 100% Job und arbeite so und verdiene auch mit dem Vogel Päppeln mein Geld....nööööö, weit gefehlt!
Ich arbeite an und für sich 100% in einer Firma, denn irgendwie muss ja mein Leben, meine Hunde und auch meine Station finanziert werden.

Der Kanton gibt da gar nichts! Der sagt ganz klar "diese Station sind überflüssig, weil die Natur das regelt und all die Vögel, die zu mir kommen, haben eh keine Überlebenschance. Ausserdem würde so eine Station, selbst wenn ich einige Vögel durchbringe, keinen Einfluss auf den allgemeinen Bestand haben.
Das einzige, was an und für sich noch entschädigt wird, sind seltene Vögel. Beispiel: eine Kornweihe, auf dem Herbstzug. Kollision mit einem Auto, den aufpäppeln, 2 Wochen später fliegen lassen. Ja, passt.
Aber was soll ich da Operationen machen für eine Meise oder einen Spatzen?!

Wir kommen vom Thema ab. Nachdem die Mauersegler gefüttert sind, gehts raus zu den Volieren. Da haben wir momentan 3 junge Rotschwänze in der Aussenvoliere, 3 Schwarzmilane, 2 Projektstörche und 3 junge Turmfalken. Die alle wollen Futter, teilweise noch aus der Hand. Auch da bin ich, mit Wasser wechseln, Futterbretter reinigen, gute 40 Minuten dran. Dann wollen die Hunde noch raus und um 8 Uhr sollte ich im Geschäft sein. Die Mauersegler natürlich dabei.
So und dann sollte ich mal noch was arbeiten, geht aber nicht, schon klingelt das Handy wieder... "meine Katze hat einen Vogel gebracht, er ist am Flügel verletzt, was soll ich machen?!"
So, der Kanton (und viele andere auch) würde jetzt sagen: schmeissen sie den Vogel wieder raus, ist gutes Sperberfutter, der hat auch Junge zu versorgen.

Ja, kann ich bis zu einem gewissen Grad sogar nachvollziehen, es ist nicht mal so unwahr! Dennoch, man will den Vögeln (und vorallem auch den Menschen) ja helfen. Also versuche ich eine Lösung zu finden. Verletzt, Katzenopfer = Tierarzt, Antibiotiukum fassen.

So, nun haben wir hier aber auch 95% der Tierärzte, die keine Ahung haben. Eben gerade einen Anruf erhalten: sie haben einen jungen Kuckuck bekommen. Ach ja... Katzenopfer. Was sie machen sollen? Antibiotikum geben und mir ein Bild schicken, ist nämlich kaum ein Kuckuck. haben sie brav gemacht. Ist eine junge Amsel und wird heute abend noch zu meiner Pflegestelle "geliefert".

Aber eigentlich sollte ich immer noch arbeiten in der Firma... Wieder klingelt das Telefon, mein Chef wird langsam sauer. Sitzt ein junger Rabe im Garten, was machen? Nichts, sitzen lassen, die Eltern schauen schon. "Meinen sie wirklich? Die sitzen auf dem Baum, kommen aber nicht runter"
"Gut, gehen sie mal 10 Schritte zur Seite..."
"ach, jetzt sind sie da... "

So, ich mache niemanden fertig aber so Sachen habe ich echt den ganzen Tag!

Ich habe absolut kein Problem damit, mache das gerne, finde ich toll! Aber ich mache das nur ehernamtlich, ikriege keinen Rappen dafür vom Kanton, lebe von Spenden. Mein Traum wäre es, nur noch für die Tiere dazusein, davon leben zu können! Aber wie... :eusa_think:

Und darum bitte ich, auch die Stationen zu verstehen! Urizen kann mir da sicher zustimmen und mache Anekdote erzählen..

Ich finde es toll, dass die Leute sich kümmern. Und schauen. Und helfen (wollen).
Aber wie Astrid schon schrieb: MENSCHENVERSTAND!

Aber das frustrierende ist halt: Hackfleisch bekomme ich ganz leicht und schnell im Coop oder Migros (Schweiz). So, klar kaufe ich als 0815 Otto-keine-Ahnung-von-Vögeln mal schnell Hackfleisch. Weil beim Vogelfutter gehts ja dann auch schon weiter. Der eine schwört auf Beoperlen, der andere findet sie doof. Dann soll man Heimchen geben aber ja die Beine abreissen, die kratzen sonst im Hals.
Dronenbrut hat sicher nicht jeder zu Hause, Maden kaufen ist auch nicht jedermanns Sache und Fliegen fangen.... Na hört doch auf, aber nicht die 80 jährige Oma in der 2-Zimmer Wohnung im 3. Stock eines Altbaues in Basel Stadt. Neeee, die nimmt doch lieber ihr Hackfleisch, was sie gestern angebraucht hat um ihre Enkel mit Spaghetti Bolognese zu verwöhnen.

Ich verstehe die Leute, auch wenn es doof ist, was sie fabrizieren. Aber wie sollen Normalersterbliche Ahnung haben, wenn die Tierärzte es nicht mal haben? Wie sollen Normalsterbliche, nicht Ornithologisch angehauchte irgendwas wissen, wenn sogar wir Ornis und schon über gewisse Dinge "streiten".

Und mit Hackfleisch kam bisher noch fast jeder Vogel durch. Die 85 jährige Dame, die seit 20 Jahren in Basel Mauersegler aufzieht, die macht das mit Hackfleisch. Seit eh und je! Und das Paradoxe: die Vögel entwickeln sich gut! Das denen nach kurzer Zeit die Federn ausfallen---woher soll die das wissen? Interessiert die nicht. Der Vogel hat sich prima gemacht, der kann nun gehen. Los, schmeissen wir den zum Fenster raus, machen wir seit 20 Jahren so, ging noch immer gut..

Heute weiss man, dass man a) kein Hackfleisch gibt und b) die Tiere nicht rumschmeissen muss... Interessiert die nicht!

Ich habe lange genug in einer Station gelernt und gearbeitet, ich weiss, wie es ist, "ältere" Herren von gewissen Dingen zu überzeugen! Anfangs wurden da Rotmilane mit offenem Flügelbruch in die Voliere gestellt. "Jo, Flügel blutet ein bisschen, das wird schon".
3 Tage später war ich da, der Vogel total entkräftet, keine Chance mehr! OFFENER Flügelbruch! Hallo... "ja, das wird schon wieder".
Das geht doch gar nicht... Ist aber normal, sorry.

Die haben 30 Jahre lang ohne Tierarzt gearbeitet. Ging 30 Jahre gut. Warum jetzt ein Tierarzt? Wir wissen doch selber, was zu tun ist... Ja klar, bei DEN Tierärzten vielleicht nicht mal sooo falsch....

Ich selbst habe dort gelernt und habe zum Glück einiges hinterfragt. So habe ich mir inzwischen recht viel Wissen angeignet. Dennoch, es ist verdammt schwer... Irgendwie kann man es nie recht machen. Der sagt, gib das zu fressen, der nächste sagte, das ist falsch, gib das. Dann kommt wieder einer und meint, neeeee, hättest das geben sollen! So werde ich auch nicht alt. Also muss ich MEINEN Weg gehen, MEINE Erfahrungen sammeln. Und gerne gebe ich die weiter...

Sorry, für den langen Text, aber das musste jetzt mal von der Seele... Es ist wirklich nicht einfach. Man arrangiert sich, macht sowas aus freien Stücken, baut eine Station auf, kämpft sich durch das ganze Behördenchaos (wen es interessiert, darf auch gerne meine Internetseite mal studieren, steht alles ziemlich im Detail!) und hat schlussendlich doch noch laufend mit anderen Vogelkennern zu "kämpfen", welche irgendwie keine Ahung haben, was für eine Arbeit dahinter steckt. Die arbeiten vielleicht in einer Station, füttern den ganzen Tag Vögel als Hauptberuf. Ist bei den ehrenamtlichen Stationen nicht so.

Ganz ehrlich, im Moment ist meine Lage so, dass ich schauen muss, meinen Job in der Bude nicht zu verlieren... Ja, so siehts aus! Seit Monaten schleppe ich Vögel mit, 80% davon hätte man draussen sitzen lassen können!

Und ich sage Euch, meine Station geht nicht zu! Nein, wird sie nicht... Und wenn ich einen neuen Job suchen muss aber die Station geht nicht zu!
 
Abbey

Abbey

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Dein Beitrag ist schockierend und genial zugleich.
Richtig so!
Ich dachte mir schon "Huch, so viel Stress, wie schafft sie das bloß?", aber jetzt, wo du mal aufgeschrieben hast, merke ich, dass ich keinerlei Vorstellungen davon hatte, was Stress bedeutet.
Und dass ich tatsächlich noch unterschätzt hatte, wie sehr du dich aufopferst.

Und es tut mir in der Seele weh, das zu lesen. Du arbeitest und arbeitest und arbeitest und keiner dankt es dir, keiner kommt auf den Gedanken, dass er dich unterstützen sollte. Meine Fresse, ist denn das so schwer?!
Wenigstens mal ein bisschen Kohle springen lassen, damit du das nicht zusätzlich verdienen musst, aber nein.
Warum müssen alle so verdammt engstirnig sein? Und kapieren nicht, dass du schützenswerte Leben rettest?

Es ist ja nur ein Vogel ... klar. Und obwohl man sich über so etwas stundenland, tagelang aufregen könnte, hat man keine andere Wahl als immer weiter zu machen und das Beste zu hoffen. Und irgendwie durchzukommen.

Ich glaub, ich muss jetzt mal kurz spazieren gehen, bevor ich platze.

Liebe Grüße,
Abbey
 
kleiner Falke

kleiner Falke

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danke, Abbey

Ich denke, es ist wichtig dass die Leute auch mal sehen, was dahinter steckt.

Aber sind wir ehrlich. Schlussendlich mache ich doch alles freiwillig! Und schau mal, wenn dann solche Bilder entstehen,






da geht mir einfach das Herz auf! Nichts und niemand und kein Geld der Welt kann dies entschädigen.
Wenn ich ein kleines Kücken erhalte, wo ich nicht mal genau weiss, was es denn überhaupt ist, 3 Wochen später ist daraus eine wunderschöne Meise geworden die 2 Monate drauf noch immer zu mir kommt und sich bei mir die Maden holt.



Da könnte ich einfach nur Heulen vor Freude. Wenn ich in einem Gehege sitze und die Vögel knipse, dann höre ich plötzlich ein ganz feines "siiisit" neben mir. Wirklich nur gaaaaanz fein. Ich drehe langsam den Kopf---sitzt die kleine Kohlmeise da, keine 10 cm von meinem Kopf entfernt.

Ja, ich weiss, ob die nun lebt oder nicht, hat keinen Einfluss auf den Bestand. Aber es hat einen Einfluss auf meine Arbeit.

Wenn ich einen Mauersegler habe (wie im Video in meinem Thread) und den fliegen lassen kann. Tagelang haben wir den gepäppelt, haben ihm Kohle gegeben um gegen die Infektion in seinem Körper anzukämpfen, haben ihm anfangs Ministücke an Futter gegeben weil alles andere wieder hochkam. Tagelang, Arbeit, Arbeit, Arbeit. Und dann, irgendwann wollen wir es probieren. Ein letztes Mal schaue ich ihm in seine wunderschönen schwarzen Augen,


über mir höre ich seine Artgenossen, "spiiiii, spiiii", sie kreisen über uns, so, als wollten sie ihn abholen... Er guckt sich um und ich weiss genau: er wird fliegen! Dann geht's blitschnell! Weg ist er... Er kreist mit den Artgenossen! Das sind die Momente, da könnte ich losheulen! Nicht weil ich traurig bin. Nein, vor Rührung, vor Freude!

Diese Momente, die sind unbezahlbar! Und genau darum mache ich diese Arbeit und investiere ich all diese Zeit! Und ja, es ist verdammt schade, dass dies so wenig geschätzt wird.
Ok, ich habe einige Leute, die zahlen immer wieder mal ein und freuen sich. Aber damit kann ich gerade mal das Futter bezahlen...
 
ice.age

ice.age

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Ich habe zum Glück auch erst hier nach gefragt.

Zuerst wurde gesagt an der Infektion stirbt die Amsel nicht und alle sagten zermatschtes Katzen Futter soll man füttern :silence:
 
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Beim Thema Wildvögel: Bitte nicht alles glauben!

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