Hände weg von Jungtieren

Diskutiere Hände weg von Jungtieren im Wildtiere Forum Forum im Bereich Tiere Allgemein; Da dieses Thema im Frühling wieder aktuell wird und man es eigentlich gar nicht oft genug erwähnen kann, möchte ich nochmal eindringlichst für...
Urizen

Urizen

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Da dieses Thema im Frühling wieder aktuell wird und man es eigentlich gar nicht oft genug erwähnen kann, möchte ich nochmal eindringlichst für alle darauf hinweisen, keine scheinbar verwaisten Wildtiere mit nach Hause zu nehmen.

Fuchs und Hase sind bereits in der Paarungszeit.
Es wird nicht mehr sehr lange dauern, dann kann man kleine Häschen am Feldrand und Jungfüchse außerhalb des Baues vorfinden.
Gerade Junghasen werden von der Mutter häufig an augenscheinlich unsichere Plätze gesetzt.
So lange das Jungtier sich jedoch seinen Instinkten gemäß ruhig verhält und nicht verletzt ist, kann man es mit einem Ast vorsichtig in Richtung eines Busches schieben.
Jungfüchse, so tapsig und herzzerreißend einsam und zahm sie auch manchmal wirken, bitte ebenfalls in Ruhe lassen.
Sie erkunden gerade die Welt und sollten dabei nicht gestört werden.
Das Gleiche
gilt selbstverständlich auch für Eichhörnchen, Rehkitz und Co.



Es passiert manchmal, dass eine Eichhörnchenmutter beim Kobelwechsel (Wechseln von einem Nest in das andere) ein Jungtier verliert.
Das Kleine krabbelt dann völlig ungeschützt über die flache Wiese, für jeden Beutegreifer sichtbar.
Hier ist es ratsam noch nicht einzugreifen.
Man sollte sich kurz vergewissern, dass das Jungtier unverletzt ist, sich dann wieder entfernen und in größerer Entfernung positionieren.
Unauffällig und so, dass die Mutter keinen Verdacht schöpft, sollte das Kleine dann beobachtet werden- wenn sich eine Katze nähert, diese verscheuchen, aber noch nicht eingreifen.
Erst wenn nach einer Stunde keine Eichhörnchenmutter aufgetaucht ist, sollte man das Jungtier mitnehmen.
Bei einem offensichtlich verletzten Jungtier erübrigt sich die Wartezeit- Eichhörnchenjunge mit Beinbrüchen, offenen Wunden oder Fliegenmadenbefall werden in der Regel nicht mehr angenommen.

Als Faustregel sei gesagt:

Ein Jungtier egal welcher Art, das die Augen noch geschlossen oder gerade erst geöffnet hat, nicht in der Lage ist, sich selber schnell genug zu bewegen bzw. hilflos umher krabbelt oder das verletzt ist, benötigt mit großer Wahrscheinlichkeit menschliche Hilfe.

Alle anderen Jungtiere (argloser Fuchswelpe, duckender Feldhase oder Rehkitz) sind in der Natur zu belassen.



Ich muss hier jetzt leider noch was zur Rechtslage anhängen, sorry...:roll:

Rehkitz, Marder, Fuchs, Wildschwein, Feldhase, Wildkaninchen und Waschbär fallen unter das Jagdrecht.

Eine Entnahme aus der Natur ist grundsätzlich Wilderei und kann (wenn es ganz blöd läuft) mit hohen Geldstrafen geahndet werden.
Wer also eines dieser Jungtiere findet, der muss den zuständigen Jagdpächter verständigen.
Besteht eine akute Gefahr für das Jungtier beispielsweise durch eine Verletzung, so greift der Tierschutz vor dem Jagdrecht.
Hier darf also das Tier entnommen und aus dem Gefahrenbereich gebracht werden.
Trotzdem erübrigt sich hier dann nicht die Benachrichtigung des Jagdausübungsberechtigten.
Man sollte sich immer rechtlich absichern.
Wer's nicht macht, ist selbst Schuld, denn Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

Anders ist es bei den unter das BNatschG fallenden Arten.
Grob gesagt sind das alle Arten, die nicht unter's Jagdrecht fallen.
Eichhörnchen und Igel zum Beispiel.
Diese dürfen gar nicht aus der Natur entnommen werden.
Die Ausnahme:
Das Tier ist auf menschliche Hilfe angewiesen.
Dann darf es aber auch nur bis zur Wildbahntauglichkeit artgerecht gepflegt werden.
Streng geschützte Arten (alle Eulen, Fledermäuse z.B.) müssen an auf die Pflege spezialisierte Einrichtungen abgegeben werden.

So, das reicht jetzt aber auch von der rechtlichen Seite aus.


Noch ganz kurz zur ersten Hilfe:

Jetzt ist es soweit. Da hat man jetzt tatsächlich ein verletztes Eichhorn gefunden oder die Katze hat einen jungen Feldhasen mit nach Hause gebracht.
Was ist zu tun?

Ruhe bewahren, keine Milch- oder Futterexperimente durchführen (junge Säugetiere sind sehr empfindlich und können an falscher Milchzusammensetzung sterben), sondern lieber ein bisschen Wasser zuführen und sich dann in aller Ruhe informieren.
Maßnahmen für jede Tierart aufzuführen, würde hier jetzt den Rahmen sprengen.

Im Einzelfall kann die weitere Vorgehensweise hier im Forum erfragt werden.
Grundsätzlich ist es besser für einen kurzen Zeitraum erstmal gar nicht zu handeln, als falsch zu handeln.

So..ich hoffe, ich hab nix vergessen.

Gruß

Urizen
 
13.02.2012
#1
A

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Guest

Hast du schon mal einen Blick in den Ratgeber geworfen? Vielleicht hilft dir dieser ja weiter?
R

Rübezahl

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Ich hatte dieses Jahr schon den ersten Junghasen. Er wurde von einem Hund gebracht. Leider hat er es nicht überlebt.
 
S

Spunk&Safira

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Da ich im Tier/Wildtierbereich beruflich tätig bin und es jedes Jahr aufs neue erlebe:

BITTE Hände weg von Rehkitzen oder Hirschkälbern. Sie sind Ablieger, das heisst: auch wenn es verlassen aussieht, 'einsam' unter einem Busch, Baum, Strauch, in der Wiese oder sonstwo liegt: Die Mutter ist in der Nähe!! Auch wenn sie nicht gesichtet wird. Daneben stehenbleiben und warten ob sie kommt bringt nichts, sie kommt nicht solange der Mensch in Sicht/Riech/Hörweite ist. Das ist deren Strategie: Die Jungtiere werden abgelegt, die Mutter geht und kommt regelmäßig zum Säugen. Das Tierchen hat noch keinen eigenen Körpergeruch, also NICHT anfassen. Dadurch sind sie vor Raubtieren geschützt, die Mutter in der direkten Nähe würde nur die Aufmerksamkeit von Räubern auf das Jungtier lenken, deshalb geht sie.

Jedes Jahr gehen Anrufe bei uns ein: 'Ich hab da ein 'Bambi' gefunden, das lag ganz alleine und verlassen im Wald, weit und breit keine Mutter, also hab ichs mit nach hause genommen... und jetzt?' .....
Gleiches mit Jungen Vögeln: ja, die werden Flügge, gehen aus dem Nest und werden am Boden von den Altvögeln versorgt ( Auch die kommen nicht wenn der Mensch daneben steht )

Bitte bei Sichtung solcher Jungtiere leise und Kommentarlos zurückziehen, es hat alles seine Richtigkeit.

Danke
 
Urizen

Urizen

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Ähm...ich mag dir nur ungern zu nahe treten, aber das steht da doch bereits?
 
S

Schweinemama

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Sowieso - und wirklich finger weg und aus dem Staub machen... Mein Vater wurde vor 2 Jahren von einem REh angegriffen, der Hund hatte das Kitz aufgestöbert - eher unabsichtlich, nicht einmal ein paar Stunden alt, mein Vater ist Jäger - weiss also Bescheid - nicht anfassen- nicht auffällig hingehen... Die Rehgeiß war in der Nähe und Gnade dir Gott - wenn du der dazwischen funkst - die dann dich wirklich arg verletzen...
 
M

MopedFreak

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Da dieses Thema im Frühling wieder aktuell wird und man es eigentlich gar nicht oft genug erwähnen kann, möchte ich nochmal eindringlichst für alle darauf hinweisen, keine scheinbar verwaisten Wildtiere mit nach Hause zu nehmen.

Fuchs und Hase sind bereits in der Paarungszeit.
Es wird nicht mehr sehr lange dauern, dann kann man kleine Häschen am Feldrand und Jungfüchse außerhalb des Baues vorfinden.
Gerade Junghasen werden von der Mutter häufig an augenscheinlich unsichere Plätze gesetzt.
So lange das Jungtier sich jedoch seinen Instinkten gemäß ruhig verhält und nicht verletzt ist, kann man es mit einem Ast vorsichtig in Richtung eines Busches schieben.
Jungfüchse, so tapsig und herzzerreißend einsam und zahm sie auch manchmal wirken, bitte ebenfalls in Ruhe lassen.
Sie erkunden gerade die Welt und sollten dabei nicht gestört werden.
Das Gleiche gilt selbstverständlich auch für Eichhörnchen, Rehkitz und Co.



Es passiert manchmal, dass eine Eichhörnchenmutter beim Kobelwechsel (Wechseln von einem Nest in das andere) ein Jungtier verliert.
Das Kleine krabbelt dann völlig ungeschützt über die flache Wiese, für jeden Beutegreifer sichtbar.
Hier ist es ratsam noch nicht einzugreifen.
Man sollte sich kurz vergewissern, dass das Jungtier unverletzt ist, sich dann wieder entfernen und in größerer Entfernung positionieren.
Unauffällig und so, dass die Mutter keinen Verdacht schöpft, sollte das Kleine dann beobachtet werden- wenn sich eine Katze nähert, diese verscheuchen, aber noch nicht eingreifen.
Erst wenn nach einer Stunde keine Eichhörnchenmutter aufgetaucht ist, sollte man das Jungtier mitnehmen.
Bei einem offensichtlich verletzten Jungtier erübrigt sich die Wartezeit- Eichhörnchenjunge mit Beinbrüchen, offenen Wunden oder Fliegenmadenbefall werden in der Regel nicht mehr angenommen.

Als Faustregel sei gesagt:

Ein Jungtier egal welcher Art, das die Augen noch geschlossen oder gerade erst geöffnet hat, nicht in der Lage ist, sich selber schnell genug zu bewegen bzw. hilflos umher krabbelt oder das verletzt ist, benötigt mit großer Wahrscheinlichkeit menschliche Hilfe.

Alle anderen Jungtiere (argloser Fuchswelpe, duckender Feldhase oder Rehkitz) sind in der Natur zu belassen.



Ich muss hier jetzt leider noch was zur Rechtslage anhängen, sorry...:roll:

Rehkitz, Marder, Fuchs, Wildschwein, Feldhase, Wildkaninchen und Waschbär fallen unter das Jagdrecht.

Eine Entnahme aus der Natur ist grundsätzlich Wilderei und kann (wenn es ganz blöd läuft) mit hohen Geldstrafen geahndet werden.
Wer also eines dieser Jungtiere findet, der muss den zuständigen Jagdpächter verständigen.
Besteht eine akute Gefahr für das Jungtier beispielsweise durch eine Verletzung, so greift der Tierschutz vor dem Jagdrecht.
Hier darf also das Tier entnommen und aus dem Gefahrenbereich gebracht werden.
Trotzdem erübrigt sich hier dann nicht die Benachrichtigung des Jagdausübungsberechtigten.
Man sollte sich immer rechtlich absichern.
Wer's nicht macht, ist selbst Schuld, denn Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

Anders ist es bei den unter das BNatschG fallenden Arten.
Grob gesagt sind das alle Arten, die nicht unter's Jagdrecht fallen.
Eichhörnchen und Igel zum Beispiel.
Diese dürfen gar nicht aus der Natur entnommen werden.
Die Ausnahme:
Das Tier ist auf menschliche Hilfe angewiesen.
Dann darf es aber auch nur bis zur Wildbahntauglichkeit artgerecht gepflegt werden.
Streng geschützte Arten (alle Eulen, Fledermäuse z.B.) müssen an auf die Pflege spezialisierte Einrichtungen abgegeben werden.

So, das reicht jetzt aber auch von der rechtlichen Seite aus.


Noch ganz kurz zur ersten Hilfe:

Jetzt ist es soweit. Da hat man jetzt tatsächlich ein verletztes Eichhorn gefunden oder die Katze hat einen jungen Feldhasen mit nach Hause gebracht.
Was ist zu tun?

Ruhe bewahren, keine Milch- oder Futterexperimente durchführen (junge Säugetiere sind sehr empfindlich und können an falscher Milchzusammensetzung sterben), sondern lieber ein bisschen Wasser zuführen und sich dann in aller Ruhe informieren.
Maßnahmen für jede Tierart aufzuführen, würde hier jetzt den Rahmen sprengen.

Im Einzelfall kann die weitere Vorgehensweise hier im Forum erfragt werden.
Grundsätzlich ist es besser für einen kurzen Zeitraum erstmal gar nicht zu handeln, als falsch zu handeln.

So..ich hoffe, ich hab nix vergessen.

Gruß

Urizen
Richtig, den kann ich nur Zustimmen. Bin in der Fischerei und Jagdausicht.
 
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