Zweige und Blätter vom Mirabellenbaum?

Diskutiere Zweige und Blätter vom Mirabellenbaum? im Meerschweinchen Ernährung Forum im Bereich Meerschweinchen Forum; Hallo, ich wollte mal fragen ob Meeris denn auch die Zweige und Blätter von einem Mirabellenbaum essen firstdürfen? Meine Eltern haben nämlich...
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Meerimami89

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Hallo, ich wollte mal fragen ob Meeris denn auch die Zweige und Blätter von einem Mirabellenbaum essen
dürfen? Meine Eltern haben nämlich einen im Garten stehen und da könnte ich welche haben. Hab es bisher noch nirgends gelesen ob die das essen dürfen aber es ist ja auch ein Obstbaum wie Apfel oder so. Vielleicht weiß das ja jemand. Und meine Eltern spritzen den Baum auch nicht. ;)
 
04.07.2013
#1
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Guest

Hast du schon mal einen Blick auf den Ratgeber von Christine geworfen? Sie hat vieles über Ernährung, aber auch Verhaltung, Haltung und Beschäftigung geschrieben und leitet dies von in freier Wildbahn lebenden Meerschweinen ab und zieht dadurch Rückschlüsse auf die Heimtierhaltung.
Outdoor-Schwein

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Klar, kannst du geben.

Das Zeug das zu Blausäure im Körper wird ist in den Kernen der Früchte enthalten, aber nicht in Blätter und Bäumchen
 
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Meerimami89

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Ok, super vielen Dank! :angel:
 
Lisa&Lotta

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Mirabellen gehören zum Steinobst, es ist unbewiesen, doch sie enhalten auch Stoffe in den Zweigen, die vom Körper durch irgendwelche Enzyme zu Blausäure gespalten werden.
Wie gesagt nicht bewiesen, wäre da aber eher vorsichtig mit...

Meine lieben Zweige vom Apfelbäumen, vielleicht habt ihr da auch welche bei euch in der Nähe stehen - da bist du auf der sicheren Seite!
 
Outdoor-Schwein

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Der Mythos "Steinobstblätter sind giftig" entstand durch eine Fehldiagnose einer Tierärztin die die Vergiftungserscheinungen bei einem Chinchilla auf einen Steinobstast zurückführte.
War jedoch wie gesagt ein Irrtum, jedoch verbreitete es sich besser als die Entwarnung.

Auf Anfrage des ZZF teilte Frau Dr. Jacqueline Kupper von der Universität Zürich folgendes mit:
„Die Cyanide sind nur in den Samen der Obstkerne enthalten. D.h. die Äste der Steinobstarten dürfen den Chinchillas,
Meerschweinchen und Zwergkaninchen angeboten werden, sofern sie nicht gespritzt wurden.
Quelle: http://www.zza-online.de/artikel/030457.html

(hoffe hab´s richtig zitiert)
 
Lisa&Lotta

Lisa&Lotta

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Okay, hatte die Info von http://www.diebrain.de ,
Die Blätter von Steinobst wie Kirsche, Pflaume, Pfirsich etc. enthalten angeblich (unbewiesen!) Amygdalin, das durch enzymatische Aufspaltung zu Blausäure zerfällt, Blätter dieser Bäume sollten von daher nur selten auf dem Speiseplan stehen.
Glaube da muss jeder selber wissen, auf welche Information er vertraut... gehe da lieber auf Nummer sicher, gibt ja jede Menge anderer Zweige die man den Tieren zum Knabbern anbieten kann.
 
Outdoor-Schwein

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Nunja die Frau die die Aussage getroffen hat, dass Blätter und der Rest außer die Kerne unbedenklich sind, beschäftigt sich hauptberuflich eben mit diesem Thema.

Ich habe aber trotzdem noch einmal in 2 Foren nachgefragt ob ihre Tiere trotz der (häufigen) Fütterung dadurch irgendwelch eVergiftungen erlitten haben wie bei dem Chinchilla fälschlicherweise behauptet wurde.
Bisher jedoch nur Aussagen die eben die Aussage der Frau Dr. unterstützen und das hier: http://degupedia.de/chinchilla-scientia/doku.php/steinobst-_und_kernobstzweige

Wie bei diebrain erwähnt ist die Aussage dass sie es enthalten nicht belegt und etwas anderes als Posts mit dem Link zu diebrain hab ich auch nicht gefunden
 
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Meerimami89

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Ok Danke! Es wäre halt echt praktisch gewesen bei meinen Eltern denn da weiß ich von wem das kommt und ich weiß das meine Eltern es auch nicht spritzen.
 
Lisa&Lotta

Lisa&Lotta

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Smile, meine Eltern haben auch einen Mirabellenbaum im Garten, ebenso Kirsch-, Pflaumen- und Apfelbaum.

Ich habe aber trotzdem noch einmal in 2 Foren nachgefragt ob ihre Tiere trotz der (häufigen) Fütterung dadurch irgendwelch eVergiftungen erlitten haben wie bei dem Chinchilla fälschlicherweise behauptet wurde.
Bisher jedoch nur Aussagen die eben die Aussage der Frau Dr. unterstützen und das hier: http://degupedia.de/chinchilla-scien...kernobstzweige
Nach dem Link zufolge wird das deine Schweine wohl nicht umbringen. Gibt aber auch noch andere Bäume/Zweige die du evt. in Wäldern findest und gut verfüttern kannst... beim nächsten Spaziergang einfach mal die Augen aufhalten. Hier mal die Informationen von http://www.diebrain.de

Zweige Besonderheiten
Die Blätter und Blüten dürfen mitverfüttert werden. Wenn nicht anders angegeben, können Zweige und Blätter sowohl frisch als auch getrocknet angeboten werden.
AhornOhne Knospen und Blüten - nur kleine Mengen verfüttern.
ApfelbaumKann in großen Mengen gegeben werden
Birkedie Blätter wirken stark harntreibend, enthält viel Gerbsäure
BirnenbaumKann in großen Mengen gegeben werden
BucheBuchenblätter sind stark Oxalsäurehaltig, nur in kleinen Mengen geben
ErleNur kleine Mengen geben
EscheNicht alle Eschenarten sind geeignet, die Früche/Beeren und Knospen dürfen nicht verfüttert werden.
FichteWegen dem hohen Anteil an ätherischen Ölen nur wenig geben. Anderer Name: Rottanne.
HainbucheHoher Gerbsäureanteil, Pilzanfällig = vor dem Verfüttern auf Pilzbefall untersuchen und nicht zu häufig anbieten.
HaselnussstrauchKann in großen Mengen gegeben werden
HeidelbeerbuschKann in großen Mengen gegeben werden
JohannisbeerbuschKann in großen Mengen gegeben werden
KieferKleine Mengen - hoher Anteil an ätherischen Ölen
Kirsche-
LindeDie Blätter wirken stark harntreibend - kleine Mengen geben
PappelNur kleine Mengen geben
Pflaume-
QuitteRelativ hoher Gerbstoffanteil in den Ästen, die Früchte sind unverträglich
TanneNur echte Tannen wie z. B. Weißtanne, Edeltanne, Prachttanne Nordmanntanne sind verträglich. Wegen des hohen Anteils an ätherischen Ölen nur wenig geben. Weihnachtsbäume sind oft gespritzt und giftig! Giftig sind außerdem Thuja, Zypressen und Eibe.
UlmeDie Früchte können den Darmtrakt reizen, die Äste und Blätter sind gut verträglich.
WeidenEnhält sehr viel Gerbsäure - kleine Mengen geben
Eher unverträgliche ZweigeDie Blätter von Steinobst wie Kirsche, Pflaume, Pfirsich etc. enthalten angeblich (unbewiesen!) Amygdalin, das durch enzymatische Aufspaltung zu Blausäure zerfällt, Blätter dieser Bäume sollten von daher nur selten auf dem Speiseplan stehen. Thuja, Zypressen und Eibe sind giftig. Kastanie enthalten verschiedene darmreizende Wirstoffe. Eichen enthalten einen extrem hohen Anteil an Tanninen und sind somit giftig (Kastanien und Eicheln sind unverträglich).
 
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Meerimami89

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Super vielen Dank! :angel:
 
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phyllotis

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Hi,

ich bin ehrlich gesagt ein bisschen erstaunt, wie sehr der Blausäure-Mythos immer noch Tierhalter aufschrecken kann. Wir haben seit über 20 Jahren Meerschweine und Steinobste waren nie ein Problem, es gab hier allerlei verschiedenes und nie deswegen Probleme. Wenn man sich ein bisschen jedoch mit den Grundlagen beschäftigt, die es zum Thema Blausäure in Pflanzen in der Literatur nachzulesen gibt, würde sich viel der Aufregung legen, die immer wieder durch die Foren geht. Und natürlich würde es die Nerven vieler Tierhalter dazu noch schonen.

Fangen wir an, bei den Grundlagen, was ist da eigentlich so giftiges in diesen Steinobste drin? Eigentlich gar nichts, das direkt giftig wäre, schon gar nicht Blausäure. Aber diese entsteht tatsächlich im Körper der Tiere, wenn Pflanzen verdaut werden, welche cyanogene Glykoside enthalten. Deren Freisetzung führte daher auch zu der umgangssprachlichen bezeichnung als Blausäureglykoside Ich will letztere Bezeichnung hier verwenden, da ich denke, dass sie einfacher ist. Diese Blausäureglykoside sind ein sehr weit verbreiteter Stoff im Pflanzenreich und kommen vor allem bei den Rosengewächsen vor, auch im Apfel (Kerne), Birne usw. und eben auch bei Kirsche, Pflaume, Mirabelle, Mandel, Aprikose usw. auch hier nur jeweils in den Kernen in nennenswerten Mengen. Weitere Pflanzen, bei denen Blausäureglykoside vorkommen sind übrigens Gräser (u.a. Hirsen, Bambus usw.), Bohnen, Spiersträucher, Felsenbirnen, Maniok, Lein usw. Für ein besseres Verständnis dieser Blausäureglykoside müssen wir verstehen, wie diese Stoffe entstehen und wozu Pflanzen diese überhaupt produzieren. Wir machen also einen kleinen Exkurs in die Pflanzenwelt.

Exkurs: Pflanzenstoffe und Interaktion mit Tieren
Blausäureglykoside sind zuckerartige Substanzen, bei welchem der Zucker mit einem nicht zuckerartigen Bestandteil sich zusammentut. Man nennt das auch Glykosid. Die Glykoside sind dafür bekannt oder berüchtigt, dass sie bei vielen Heil- und Giftpflanzen mit verantwortlich sind für deren Heil- oder eben Giftwirkung. Die Pflanzen produzieren sie aber jetzt keineswegs, da sie ein Interesse daran haben, dass Tiere oder Menschen sich damit heilen können oder da sie sie damit umbringen wollen. Letzteres tun in den meisten Fällen die Tiere oder Menschen selbst, in der Regel verursacht durch eine ungünstige Situation (z.B. grosser Hunger, mangelnde Möglichkeit zu lernen damit umzugehen usw.). Tiere wie Menschen lernen also mit Giftpflanzen umzugehen, weil das für ihr Überleben wichtig ist. Doch das beantwortet den Zweck dieser Wirkstoffe natürlich noch nicht: diese Glykoside gehören zusammen mit einer Reihe anderer Substanzen, welche teils auch giftig und wirkungsstark oder auch harmloser bzw. wirkungsarm sein können, einige Substanzen färben zum Beispiel, andere riechen speziell und so weiter. Sie alle haben aber gemeinsam, dass sie für die Ernährung der Pflanzen nicht von zentraler Bedeutung sind und auch nicht der Energiespeicherung (wie zum Beispiel Eiweisse, Fette oder Kohlenhydrate) dienen. Man nennt sie daher sekundäre Pflanzenstoffe, da sie für den Pflanzenstoffwechsel sekundär seien. Obwohl diese Vorstellung heute als veraltet gilt, der Begriff ist geblieben - man weiss mittlerweile, dass viele von diesen Stoffen doch wichtig sind für die Pflanzen, einige wirken als Hormone, chemische Botenstoffe oder zur Interaktion mit ihrer Umwelt, sei es als Abwehr gegen konkurrierende Pflanzen (Allelopathie), gegen Pilze, Viren, Bakterien und Infektionen usw. Es kann dabei vorkommen, dass starke Wirkstoffe die zum Beispiel gegen Pilze oder Bakterien wirken, dass diese dann auch auf Wirbeltiere giftig wirken können, was aber in der Regel kaum der Hauptzweck der Pflanze sein dürfte, da diese in der Regel für die Pflanzen viel weniger ein Problem sind und diese eher mit der Bildung von Dornen oder schlecht schmeckenden Substanzen reagiert. Der Grund dazu ist einfach, da es viel Energie und Aufwand braucht, um diese wertvollen Substanzen herzustellen, dass die Pflanze sie nicht beliebig vergeuden kann. Dazu kommt, dass gerade Pflanzenfresser sich zusammen mit den Pflanzen angepasst haben und es vielfach dazu kam, dass mit dem Aufkommen der Giftstoffe die Pflanzenfresser nachzogen und ihre Toleranz gegenüber diesen Giftstoffen verbesserten, sie rüsteten also ebenfalls auf, entwickelten Symbiosen mit Mikroorganismen, die ihnen diese Gifte entgiften, sie lernten durch Verhalten die Giftwirkung zu minimieren, zum Beispiel indem sie sie mit anderen giftigen Pflanzen fressen, deren Wirkstoffe sich gegenseitig zumindest teilweise neutralisieren können, wodurch die Tiere wieder mehr von diesen Pflanzen fressen können... die ganzen Interaktionen, die durch die Evolution entstanden sind, die sind sehr beeindruckend. Diese gegenseitigen Anpassungen haben sogar soweit geführt, dass gewisse Pflanzen genau den umgekehrten Weg gegangen sind. Sie wollen gefressen werden, sprich wenn ein Tier sie frisst, produzieren sie, verursacht durch die Verletztung einen Botenstoff, der der Pflanze signalisiert, dass sie schnell nachwachsen soll. Sie muss dadurch keine Energien verschwenden in komplizierte, teure Giftstoffe, profitiert aber von der Düngung durch die Pflanzenfresser, welche ihre Blätter fressen.
Vergiftungen bei Wildtieren haben wir wiederum insbesondere dann, wenn eine Notsituation für Pflanzen und Tiere herrscht, oft ist es die Trockenheit gekopplet mit mangelnden Futteralternativen, wodurch die Pflanzenfresser gezwungen sind sich von wenigen Pflanzenarten zu ernähren. Bei denen wiederum steigt der Stress gleich doppelt, sie werden bedroht durch die Trockenheit und müssen Wasser sparen, dazu kommen Fressfeinde, welche sie noch physisch angreifen. Eine Reihe von Pflanzen bildet daher bei Stress Wirkstoffe von denen manche giftig sind und/oder sich in ihrer Wirkung und Konzentration verstärken, was dazu führt, dass sie giftiger werden. Einen spektakulären Fall gab es beispielsweise auch wieder in Afrika, da starben gleich reihenweise Grosstiere, ich glaube es waren Giraffen oder Elefanten. Das Rätselhafte an diesem Massensterben war, dass klassische Ursachen ausgeschlossen werden konnten und die Todesfälle immer bei grosser Trockenheit und wenig Pflanzenvielfalt auftauchten. Es stellte sich dann heraus, dass die Trockenheit die Tiere dazu trieb, sich hauptsächlich von Akazien zu ernähren, welche sie sonst eher wenig beachteten. Diese führten, soweit ich das richtig in Erinnerung habe, zu einer Mangelernährung, welche letztlich tödlich wirkte, da sie diesen nicht kompensieren konnten - die Giftwirkung kam da durch den Mangel an Alternativen zustande. Das ist wichtig, sich das mal zu überlegen, da nicht jede Pflanze, die als giftig beschuldigt wird, aktiv Tiere vergiftet und oftmals könnte es mit mehr Vielfalt bei der Nahrung verhindert werden.


Wirkung von Blausäureglykoside
Um aber jetzt zurück zu den Blausäureglykoside zu kommen, auch diese sind nicht einfach tödlich giftig oder führen zu einer schleichenden Vergiftung oder was immer Tierhalter sich dazu ausmalen. Vielleicht haben einige von euch auch schon welche konsumiert, ich habe es jedenfalls - und zwar kann man das mit Mandeln. Manchmal gibt es da solche, die schmecken besonders bitter und unangenehm, meist nur einzelne, das sind solche mit höherem Gehalt an Blausäureglykoside. Im Normalfall ist dessen Gehalt so gering, dass er für uns unbedeutend ist. Das gibt uns auch der Geschmack zu verstehen, denn sie schmecken für uns gut. Sind aber bittere darunter, dann werden die meisten von uns wohl instinktiv diese nicht essen wollen und spucken sie zurecht aus: Der Geschmack warnt uns und das tut er auch bei den Tieren. Doch was passiert, wenn wir doch davon essen, was ist mit den Leuten, die Kirschsteine schlucken oder Apfelkerne zerkauen? Erst mal sind die Glykoside gut im Kern geschützt, sie werden erst freigesetzt, wenn der Kern zerstört wird. Werden die Kerne oder Steine nicht beschädigt, bleiben die Glykoside dort unbeschädigt und kommen unverdaut unten wieder raus, also eine ziemlich langweilige Sache. Was passiert, wenn sie zerkaut werden? Erstens spielt es eine Rolle wie gründlich die Kerne gekaut werden, denn je gründlicher, desto mehr Glykoside werden freigesetzt. Die Blausäureglykoside sind aber, wie ich schon eingangs erwähnt habe, ungiftig, die Giftwirkung muss sich erst entfalten, indem die Glykoside im Magen verdaut werden und dabei während der Verdauung Blausäure freigesetzt wird. Das braucht aber Zeit, die Menge, die freigesetzt wird, kann dabei fortwährend entgiftet werden: Das Problem der Blausäure ist nämlich weniger dass es giftig ist, sondern, dass es in grossen Mengen dem Körper zu giftig wird, und er es nicht mehr genügend abbauen kann. Die Giftwirkung einer Menge Blausäure, die durch die Verdauung von Glykosiden freigesetzt wird, kann daher nicht mit der reinen Menge an Blausäure verglichen werden, welche den Körper aufs Mal konfrontiert, wärend letztere tödlich wirken kann, kann in ersteren Menge, die aufs Mal freigesetzte Menge klein genug sein, dass der Körper gut damit zurecht kommt, auch ist es naheliegend, dass nicht alle Blausäureglykoside umgewandelt werden, da die Tiere ihre Nahrung oftmals auch nicht so stark kauen und ein Teil so wieder unbehelligt im Kot ausgeschieden wird.
Mit anderen Worten, die Giftigkeit, welche gewissen Pflanzen nachgesagt wird, ist oftmals nicht so problematisch, wie gesagt wird, was auch daran liegt, dass Giftstoffe für Giftigkeitstests oft den Tieren direkt gespritzt werden oder dass Vergiftungsfälle durch extreme Situationen provoziert werden (z.B. Dürre oder Mangel an Futterpflanzenvielfalt usw.).

Was die Pflanzenliste von diebrain angeht, möchte ich noch ein paar kritische Gedanken hier anmerken. Grundsätzlich ist es begrüssenswert solch eine umfangreiche Liste für Tierhalter zur Verfügung stellen, was ich aber sehr bedenklich finde, dass bei vielen Pflanzen meines Erachtens zu unrecht gewarnt wird und die Halter womöglich ein schlechtes Gewissen bekommen, sie könnten ihren davon zuviel angeboten haben und sich nun sorgen. Beispiele:

Fichten und Tannen: die Ätherischen Öle sind meines Erachtens kein Problem, im Gegenteil, sie können positiv wirken, gerade wenn die Tiere auch Auswahl haben. Diese gehören hier bei den Meerschweinen zur klassischen Winterfütterung und Gehegegestaltung. Gefressen wird nach Bedarf, mal mehr, mal weniger. Auch die Degus bekamen es nach anfänglicher Skepsis (da eben überall davor gewarnt wurde) in grösserer Menge. Insbesondere die überaus vorsichtigen Chinchillahalter ermutigten mich damals dazu, welche zwar vor allerhand Grünzeug und Apfel usw. warnten, aber bei den Tannen und Fichten dann doch eine Ausnahme machten. Mir ist das nach wie vor noch unlogisch, aber die Grünzeug unerfahrenen Pellet-Chins schienen offenbar gut damit zurechtzukommen und wie ich nach anfänglicher vorsichtiger Anfütterung feststellen konnte, funktionierte das Ganze auch bei den Degus, anfangs gab es geringe Mengen, später schmückte ich üppig die Käfige damit und hatte nie Probleme deswegen, auch Kiefer bot ich an, ebenfalls ohne Probleme. Auch bei den Degus war es unterschiedlich mit dem Konsum, mal wurde mehr gefressen, dann wieder eher wenig.

Hainbuche ist ein gutes Futter. Was das mit dem Pilzbefall angeht, kann ich ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen. Was ich aber schon beobachten konnte, dass ältere Pflanzen Flechten ansetzen können, diese sind insofern wenn man es genau nimmt ein Geflecht aus Algen und Pilzen... ich würde das aber nicht alles über einen Kamm scheren, denn Pilz ist eben nicht gleich Pilz. Insbesondere bei den Degus habe ich gute Erfahrungen mit Hainbuche gemacht und auch sehr häufig angeboten.

Heidelbeerbusch, dass dieser interessanterweise in grossen Mengen angeboten werden kann, während bei anderen Gehölze von Gerbstoffe und Co. gewarnt wird so sind diese offensichtlich auch im Heidelbeerstrauch nicht zu knapp drin.

Und Johannisbeer ist zum Beispiel reich an ätherischen Ölen, von denen auch eher gewarnt wird, auch hier ist die Emfpehlung für mich nicht ganz nachvollziehbar. Ich biete es zwar auch an, aber wegen dem starken Geruch und dem Gehalt an ätherischen Ölen habe ich den Eindruck, wird es nicht allzu sehr gefressen, eher ergänzend in kleineren Mengen.

Kiefer, siehe Tannen und Fichten.

Weide - das ist eine der wichtigsten Futterbäume für unsere Schweinis, neben den Haselsträucher und gerade für den Winter werden sie wichtig. Es gibt Zeiten, da stellt die Weide das wichtigste Futter dar und ich konnte bisher keine negativen Auswirkungen davon feststellen. Hier davor zu warnen, es in grösseren Mengen anzubieten, halte ich für fragwürdig. Ich muss hier jedoch noch präzisieren, die Schweinis bekommen vorwiegend Silberweide (Salix alba), die Salweide, also die mit den Kätzchen, scheint deutlich weniger beliebt zu sein, auch bei den Degus, weshalb die hier kaum eine Bedeutung spielt. Dazu wächst sie hier am Rhein auch weniger häufig.

Linde - ob diese nun harntreibend wirkt, sollte für die Fütterungempfehlung nicht einen Einfluss haben, oder? Schliesslich bedeutet das bei genügend Grünzeug und Wasser, dass der Körper sich auch reinigen kann, wäre also eher positiv zu sehen. Die Tiere würden bei genügender Auswahl zudem auch selbst entscheiden können, ob sie die Linde nötig haben oder nicht. Ich hab sie bisher nie in grösseren Mengen verfüttert, da sie nicht sehr häufig in der Umgebung wuchs, so stand sie vor allem bei den Degus nur saisonal auf dem Speiseplan, aber auch dann in grösseren Mengen, jedoch zusammen mit anderen (häufigeren) Futterbäumen (z.B. Hainbuche, Hasel, Weissdorn usw.).

Esche - ich bin mir nicht sicher, was der Hinweis auf die Arten bedeuten soll, falls damit die nicht zu den Eschen gehörende Eberesche oder Vogelbeere (ein Rosengewächs also mit Apfel, Kirsche und Co. verwandt) gemeint ist, dann wäre es vielleicht auch hier sinnvoll, etwas genauer hinzusehen. Was sollte diese ungeeignet machen? Sind es vielleicht wieder cyanogene Glykoside? Ich glaube man tut diesem Strauch unrecht, auch die echten Eschen gelten zu unrecht als ungeeignet. Noch vor wenigen Jahrzehnten war die gute Eigenschaft der echten Eschen als Futter- und Schnaitelbaum bekannt und sie wurden für die Laubwirtschaft genutzt.

Eichen - da fand interessanterweise erst in den letzten Jahren ein tiefergreifendes Umdenken statt. Wohl stimmt es, dass es nicht unbedingt ein waschechter Futterbaum ist, dazu enthalten sie wahrscheinlich zu viele Gerbstoffe, aber die Eiche kann den Speiseplan bereichern und sie ist auch interessant als natürliche Bodenstreu, vor allem die Eigenschaft, dass die Blätter auch im Winter an den Bäumen bleiben, kann dazu genutzt werden, sie dann noch zu sammeln als Streu, wenn anderes Laub nicht mehr verfügbar ist. Wahrscheinlich wird es noch eine Weile dauern, bis auch die Eiche im Gehölzangebot der Tierhalter ihren Platz gefunden hat, aber gemäss der aktuellen Entwicklung sehe ich gute Chancen hier und bin da eigentlich auch zuversichtlich. Auch die Heilwirkungen der Gerbstoffe und die Anpassungsfähigkeit, welche unter anderem auch Meerschweine (aber auch Degus und viele andere Kleinsäuger) den Gerbstoffe oder Tanninen gegenüber und im Umgang damit zeigen, stimmen mich zuversichtlich. Apropos auch hier ist es der Geschmack, der sicher auch davor schützt, dass die Tiere nicht zu viel davon fressen. Das wurde letztlich auch in Experimenten nachgewiesen, während bei geringeren Konzentrationen einige Tiere mit Anpassungen auf die schlechte Verdaulichkeit durch die Gerbstoffe reagieren, verschmähen in diesen Versuchen ab einer gewissen Menge die betreffenden Arten die Nahrung oder fressen davon viel zu wenig, eben soviel wie sie vertragen mögen und nicht mehr.

Fassen wir also zusammen, wenn es um Giftpflanzen geht, ist bei vielen Tierhalter ein Mangel an Wissen gefährlicher als die vermeindliche Giftwirkung. Sicher gibt es stark giftige Arten, wie Eibe und Co. die sicher nichts auf dem Speiseplan der Meerschweinchen zu suchen hat, aber was viele Halter schon bei der Fütterung von "Wiese" festgestellt haben und unter dem Begriff "robuste Fütterung" zusammenfassen, dass da nämlich auch mal ein paar Giftpflanzen wie Hahnenfuss, Schöllkraut und Co. dabei ist, die da reingerutscht sind, und dass die offensichtlich den Tieren nicht schaden. Im Gegenteil, die Tiere lernen damit umzugehen und so manche Pflanze wird dann zum Erstaunen der Halter doch gefressen und trägt zur Gesundheit der Tiere bei: die Medizinalpflanzen, welche oft in kleinen Mengen und meist auch eher unregelmässig gefressen werden, bereichern den Speiseplan, auch wenn sie logischerweise gute Futterpflanzen nicht ersetzen können und dürfen.

LG Phyll
 
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Meerimami89

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Wow vielen Dank für deinen Beitrag! ;) Ich habe mir die Mühe gemacht es ganz durch zu lesen und bin jetzt doch etwas beruhigter was Obstbäume angeht. Vielen Dank!!! :angel:
 
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