Verdauung und Häutung - Ein Kreislauf des Lebens

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Tigerpython

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Verdauung und HäutungEin Kreislauf des Lebens




:arrow: Fressen und Verdauen – Wie funktioniert das eigentlich?


Eine effektive Ernährung ist für das Überleben und das Wachsen von Schlangen ebenso wichtig, wie für uns Menschen und doch bestehen enorme Unterschiede zwischen der Nahrungsaufnahme und Verdauung der Menschen im Gegensatz zu den, der Schlangen.

Immer wieder ließt man Artikel in denen berichtet wird, wie eine Schlange 2 oder mehr Jahre ohne jegliche Nahrungsaufnahme überleben konnte und plötzlich ein Beutetier verschlungen hat das mitunter einige male dicker ist, als die Schlange selbst.
Doch wie schafft es der Verdauungstrakt der Tiere diese verhältnismäßig riesigen Futtertiere, nach einer so langen Fastenzeit zu bewältigen?

Wissenschaftler haben bislang vermutet, dass die Organe einer Schlange sich während des Fressvorgangs vergrößern müssen, um somit diese enorme Leistungsfähigkeit erreichen zu können.
Wie sich heraus stellte, behielten sie damit Recht.

Schlangen fangen schon während des Fressvorgangs damit an ihre Organe auf das Verdauen vorzubereiten und verändern sie schließlich zu leistungsfähigen Verdauungsapparaten. Nach getaner Arbeit, verändern sie sich wieder zurück in den Ruhezustand :!:
Dies klingt zunächst relativ einfach, dahinter verbirgt sich jedoch eine enorme Meisterleistung die es den Tieren ermöglicht etliche Monate zu überleben, ohne Nahrung aufzunehmen, sofern sie über die nötigen Fettreserven verfügen.

Früher zahlten Tiere, an denen Experimente durchgeführt wurden immer mit ihrem Leben. Ultraschall und Kern-Spinn-Tomographie stellen diese Zeiten heute in den Schatten, auch wenn diese Vorgehensweise in der Zoologie noch nicht überall verbreitet ist. Mit Hilfe von diesen nichtinvasiven Methoden, also jene die nicht den Tot des Tieres erfordern, können wir heute den Verdauungsvorgang bei Schlangen besser nachvollziehen.

Schon wenn die Schlange ihr Beutetier wittert, intensiviert und vermehrt sie ihre Atmung auf ein Vielfaches. Sobald der Fressvorgang jedoch beginnt, erfolgt die eigentliche körperliche Arbeit.
Sie pumpt dabei Gewebeflüssigkeit in die blattartigen Erhebungen der Darmschleimhaut (Darmzotten), mit deren Hilfe sie die Nährstoffaufnehmende Oberfläche um das dreifache vergrößert. Das ermöglicht ihr, möglichst viele Nährstoffe der verdauten Beute aufnehmen- sowie verarbeiten zu können.
Währenddessen steigen auch die Durchblutung der Darmwand und die Produktion der Enzyme, die für den Nährstofftransport aus dem Darmlumen (Lumen = Innenraum eines Holorgans; in diesem Fall der Darm) in die einzelnen Zellen verantwortlich sind.
Bereits 24 Stunden nach dem Fressakt, sind Darm und Leber erheblich vergrößert.
Nach 3 Tagen ist der Durchmesser des Darms beispielsweise um 30 % größer- und die Darmschleimhaut dreimal so dick, als dieser im Ruhezustand. Darüber hinaus kann sich bei dem Verdauungsprozess der Dünndarm bis auf das dreifache seiner Größe im Ruhezustand vergrößern :!:
Die Leber hingegen erreicht ihr Größenmaximum rund 2 Tage später und hat dabei eine Größe erreich die zwei Drittel mal größer ist, als diese im Ruhezustand. Es wird vermutet dass dies durch Blut- und Lympfdruck überhaupt erst möglich ist.

In diesem Stadium ist die Verdauung bereits fortgeschritten und in den meisten Fällen ist das Beutetier nach einigen Tagen bereits vorverdaut.
Die nun in der Leber enthaltenen Fettkörper sammeln sich anschließend in einer Art Fettdepots die sich um das Darmohr befinden und auf die die Schlange in einer Fastenzeit zurückgreifen kann. Dies erklärt auch, wie eine Schlange eine lange Zeit ohne Nahrungsaufnahme überbrücken kann, ohne sonderlich an Substanz zu verlieren.

Restprodukte wie Fell u.ä. werden auf ihrem natürlichen Weg ausgeschieden.:!:

So unglaublich schnell sich die Organe für das Verdauen umstellen und sich vergrößern, so schnell bilden sie sich auch wieder zurück in den Ruhezustand…

…bis der Vorgang sich wiederholt und die Schlange erneut zu fressen beginnt.


:arrow: Die Häutung - Wozu ist sie überhaupt gut?



Während sich die Schlange unruhig durch ihr Terrarium bewegt und sich das Licht der Beleuchtung auf ihren schneeweißen Augen spiegelt, geraten viele Einsteiger der Terraristik in Panik, da sie vermuten ihrer Schlange würde etwas fehlen. Nach Absprache mit einem anderen Pfleger ist auch ihnen klar, dass sich die Schlange in der Häutungsphase befindet.

Doch was verbirgt sich hinter der „Häutung“ die die Schlangen regelmäßig durchleben?

Reptilien wachsen nicht durch Ausdehnung und Vergrößerung ihrer Haut und somit wächst ihre Haut nicht mit Zunahme des Körperumfangs, was zur Folge hat, dass die äußere Hautschicht mit dem Wachstum erneuert werden muss, da sie schlicht weg zu eng wird.
Daraus folgt, dass die Abstände zwischen den einzelnen Häutungen im Leben einer Schlange nicht immer konstant sind. Schlangen wachsen ihr ganzes Leben, jedoch legen die Tiere in den ersten Jahren verhältnismäßig viel Wachstum in Längenwachstum um und häuten sich somit relativ oft. Werden die Tiere jedoch älter, vergrößern sich auch die Abstände zwischen den Häutungen. So häuten sich Jungtiere meist ca. alle 4 Wochen, wogegen ältere Tiere, teilweise einige Monate vergehen lassen, bis sie erneut ihr Natternhemd erneuern.
Dies erkennt man bei Schlangen besonders deutlich, da sie ihre alte Haut im normal Fall nicht in kleinen Fetzen abstreift, sondern in einem Stück.

Im Laufe der Zeit bildet sich direkt unter der alten Haut eine weitere, neue Haut.
Die Schlange durchlebt während der Häutung mehrere Phasen. So beginnt sie meist mit einer Verblassung der Haut und das Tier wirkt in dieser Zeit meist blasser als gewohnt.
Zu dieser Zeit sollte der Pfleger bereits das Anbieten von Nahrung einstellen. Halbverdaute Beutetiere, die sich während der Häutung im Verdauungstrakt der Schlangen befinden, können zu einer Regurgitation (= Das Auswürgen von Beutetieren) führen :!:
Das wäre in im Falle einer Häutungsphase besonders schlecht, da die Tiere in dieser Zeit besonders viel Flüssigkeit verbrauchen, hingegen eine Regurgitation der Schlange ebenfalls viel Flüssigkeit abverlangt. Diese Kombination kann zu einer Fetzenhäutung führen.
Die Trübungs- und Verblassungsphase fällt dem Pfleger meist an den anfänglich leicht getrübten Augen auf und kann bis zu über einer Woche dauern. Diese Trübung intensiviert sich innerhalb dieser Zeit und ist auf die fetthaltige Flüssigkeit zwischen den einzelnen Häutschichten zurückzuführen.

Nach dieser meist einwöchigen Phase resorbiert der Körper der Schlange die Flüssigkeit und die Trübung nimmt wieder ab. Folglich sieht die Schlange wieder ganz „normal“ aus.
Dies bedeutet, dass sich das Tier nun unmittelbar vor der Häutung befindet. Durch diesen Flüssigkeitsentzug trocknet die alte Haut regelrecht aus und wird langsam fest.

Anschließend wird die Schlange sichtbar unruhig und kriecht durch ihr Terrarium. Sie reibt dabei ihren Kopf an Einrichtungsgegenständen und es scheint, als wolle sie ihre Haut einfach abstreifen. Schließlich platzt die Haut am Kopf der Schlange auf und durch das Reiben an den Einrichtungsgegenständen, schlüpft die Schlangen einfach aus ihrer alten Haut heraus. Dabei rollt sich die alte Haut regelrecht auf und stülpt sich somit auf „link“. Ist die alte Haut erstmal über den Kopf der Schlange abgestreift, wird der Rest des Körpers recht schnell mitgehäutet.

Die Häutung des Reptils, hat jedoch nicht immer ausschließlich was mit dem Wachstum zu tun. War die Schlange einige Zeit vorher erkrankt oder zogen Lebendfütterungen böse Verletzungen mit sich, so kann es vorkommen, dass sich das Tier schneller häutet als gewöhnlich :!:

Durch das Reiben, zerren und ziehen an der alten Haut, wird sie gedehnt und entsprich somit nicht mehr exakt der Länge der Schlange. Es gibt Pfleger, die an der alten Haut erkennen mögen wie lang ihre Schlangen tatsächlich ist. Dies ist jedoch eher auf irrtümliche Formeln zur Berechnung dieser tatsächlichen Länge zurückzuführen ist und alles andere als exakt. Da die Intensität der Zerrung und Streckung der alten Haut variiert kann man auch nicht exakt berechnen wie die tatsächliche Länge der Schlange wirklich ist. :!:

 
Zuletzt bearbeitet:
08.04.2007
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Hast du schon einen Blick in den Schlangenratgeber von Ludwig geworfen? Vielleicht hilft dir das ja weiter?
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