Problempferd- springt beim Aufsteigen seitlich weg!

Diskutiere Problempferd- springt beim Aufsteigen seitlich weg! im Pferde Ausbildung und Reiten Forum im Bereich Pferde Forum; Hallo Zusammen! Vor kurzem habe ich einen 13 jährigen Quaterwallch namens Joker erworben. Der Haken an der Sache: Er wurde um 250€ verkauft...
SilverRaven

SilverRaven

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Hallo Zusammen!

Vor kurzem habe ich einen 13 jährigen Quaterwallch namens Joker erworben.
Der Haken an der Sache:
Er wurde um 250€ verkauft, da er beim Aufsteigen angeblich buckelt und steigt und nach dem Reiter tritt.
Da ich schon einige Jährchen mit Pferden arbeite, hab ich mir den Kerl angesehen und festgestellt dass
es bei Weitem nicht so schlimm ist, wie vom Vorbesitzer behauptet.

Ich weiß dass Joker als Schulpferd eingesetzt wurde und ihm wohl ein oder mehrere Schüler in ihrem Unwissen die Sporen beim Aufsitzen in die Seiten gehaut haben. Desweiteren stand er geschlagene 4 Monate nur in einer Box, bevor ich ihn zu mir geholt habe. Aufsatteln, longieren alles vollkommen problemlos und entspannt.

Nun ist es so dass er bei jedem Aufsteigen wohl Angst vor dem Schmerz hat. Dadurch springt er zwei Schritte auf die Seite, ist jedoch weder nervös oder hibbelig, lässt sich sofort wieder beruhigen und steht dann vollkommen ruhig und entspannt da.

Da er sehr lernwillig und vom Charakter wirklich top ist, dachte ich persönlich an Clickertraining und langsames Heranführen beim Aufsteigen.
Ich will ihn nicht an eine Wand stellen und so aufsteigen, ich möchte dieses Problem gerne lösen.

Nun meine Frage: Clickertraining oder andere Möglichkeiten?
Irgendjemand eine Idee oder ein paar Tipps?

Liebe Grüße
 
28.12.2013
#1
A

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Guest

Ich kann dir empfehlen, mal einen Blick in den Ratgeber von Susanne zu werfen. Vielleicht hilft dir das ja weiter?
Missymannmensch

Missymannmensch

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Ich schwöre bei solchen Pferden auf Aufsteigen von oben mittels Mauer, Hindernis oder sogar auch Leiter.

Oftmals wird z.B. der Schmerz über die bestimmte Position verbunden, so dass man das jeweilige Schema durchbrechen muß.
 
Seeley

Seeley

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Klickern klingt gut. Ist ne sehr vielseitig einsetzbare sache. Halt kleinschrittig vorgehen und vorher das training durchdenken.
So wie deine Beschreibung klingt, würde ich persönlich auf zeit und vertrauen setzen. D hast ihn ja noch nicht lange wenn ich das richtig verstanden habe. Wenn er merkt, dass er bei dir vor nichts angst haben muss und ihm nix schlimmes passiert legt sich das sicher. Einfach ruhig und selbstverständlich damit umgehen und umgehend loben wenn er etwas gut macht.

Macht er das auch wenn du von der anderen Seite aus aufsteigst?
 
SilverRaven

SilverRaven

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Hey!
Ja er macht das von beiden Seiten, einfach weil ich glaube dass er den Schmerz erwartet. Aber den Tipp mit Hilfsmittel beim Aufsteigen werd ich ausprobieren. Vielleicht verbindet er mit dem Aufsteigen so eine negative Erinnerung.
Danke vielmals!
 
M

Machtnix

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Als Schulpferd wird das Pferd wohl auch mal eine nicht so passenden Sattel getragen haben. Wenn sich dann noch ein Reitschüler mehr oder weniger elegant in den Sattel hievt, ist der Druck auf die Schulter enorm und schmerzhaft für das Pferd. Verständlich, dass ein Pferd dann irgendwann die Nase davon voll hat.
Das ein Reiter beim Aufsteigen mit dem Sporen das Pferd traktiert, halte ich für unwahrscheinlich. Es war wohl eher die Fußspitze. Wenn man versucht so aufzusteigen wie ein Englischreiter -also direkt am Sattel steht- und nicht wie beim Westernreiten -hinter dem Sattel stehten und sich vorwärts in den Sattel ziehen- dreht man die Fußspitze in den Pferdelaib. Bei Westernsätteln mit den recht starren Fändern, echt schwierig. Wenn in dem Schulbetrieb nicht auf korrektes Aufsteigen wert gelegt wurde, ist das schon schlimm (daher steigen unsere Schüler grundsätzlich mit einer Aufstiegshilfe auf).
Gleichzeitig gibt es viele Pferde, die durch das Reitergewicht an der Seite aus dem Gleichgewicht gebracht werden, sie wollen laufen um nicht umzufallen. Wird das Pferd dann einfach festgehalten, hat es einfach nur Angst umzufallen und kämpft mit seinem Gleichgewicht (Zug im Maul, was das unangenehme Gefühl noch verstärkt aber was bleibt dem Pferd denn anderes übrig), ein nicht passender Sattel tut dann das Seine dazu.

Ein Pferd mit so neg. Erfahrungen wird leider kaum an einer Aufsteigshilfe ruhig stehen bleiben, obwohl das die wirkungsvollste und sanfteste Methode ist. Selbst auf mein erfahrenes Turnierpferd steige ich zu 80% mit Aufstiegshilfe auf obwohl sie klein ist. Es ist einfach angenehmer.

Klickertraining mache ich nicht, da ich nicht lebenslang damit arbeiten will und ein Pferd gar nicht darauf konditionieren will. Wenn man so etwas anfängt, sollte man das auch weitermachen. Außerdem erscheint mir Klickertraining in diesem Fall nicht wirklich sinnvoll und zu langwierig (das Pferd muss erst auf den Klicker konditioniert werden und dann darf man den Klicker ja erst anwenden, wenn man schon oben ist. Das Pferd wieß aber nicht, dass der Klicker dann kommt also wird es erstmal die gewohnte Abwehrhaltung einnehmen).

Ich beginne bei meinen Jungpferden und Korrekturpferden damit, dass ich den Sattelgurt am Anfang gleich voll anziehe. Das klingt anfangs hart aber so kann sich das Pad, wenn das Pferd mit lockerem Gurt Luft ablässt nicht nach unten arbeiten und spannt später nicht auf dem Widerrhist. Wenn ich den Gurt anziehe gebe ich ein Leckerchen bzw eine Möhre, das Pferd ist so entspannt und hat eine pos. Erwartungshaltung, das Kauen verhindert das 'Aufblasen'. Ein passender Sattel tut nicht weh. Die Möhre wird in Schulterhöhe seitlich gegeben, da das Pferd in dieser Halshaltung entspannt ist.

Für das Auufsteigen gibt es dann zwei Varrianten.
Die erste ist, den äußeren Zügel kurz zu nehmen. So lernt das Pferd den Kopf auf die andere Seite zu nehmen und sein Gleichgewicht unter dem aufsteigenden Reiter zu finden. Diese Methode eignet sich für Pferde, die aufgrund von Gleichgewichtsproblemen schwanken, laufen oder bocken.
Ich selber bevorzuge jedoch die Leckerchenmethode, denn sie bringt sehr freundliche Pferde hervor.
Ich bitte anfangs einen Helfer vor dem Pferd zu stehen und das Pferd zu halten. Wir stehen in der Ecke, ca. 3-5m von jeder Wand entfernt, damit das Pferd zwar die Begrenzung sieht, aber nicht wirklich begrenzt ist und das Gefühl hat zur Not flüchten zu können. Mit Blick in eine Ecke ist das Pferd einfach weniger abgelenkt.
Der Helfer soll den Kopf des Pferdes in die andere Richtung (also von mir weg) stellen und eine kleine Möhre bereithalten. Das Pferd interessiert sich natürlich erstmal für die Möhre. Das Pferd muss am Boden gelernt haben, dass es Menschen niemals umrennen darf, ich denke, dass ich dir mit deiner Erfahrung nicht erst sagen muss, wie man das macht. Außerdem sollte das Pferd in der Bodenarbeit schon gelernt haben, sich vom Menschen weg zu ihm hin zu drehen und dabei Druck freundlich zu folgen. Auch hier gehe ich davon aus, dass du die Übungen kennst - wenn nicht kann ich sie gern beschreiben, wenn du möchtest.

Sobald ich ich Sattel sitze bekommt das Pferd die Möhre von der anderen Seite.
So lernt ein Pferd beim Aufsteigen in die entgegengesetzte Richtung zu schauen und so sein Gleichgewicht zu finden. Es wird die Belohnung erwarten und den Hals tief halten. Es wird keinen Schmerz mehr erfahren.
Nach und nach kann die Möhre durch Loben ersetzt werden.
Nach dem aufsteigen sitzte ich einige Zeit still und lasse das Pferd erstmal mein Gewicht spüren.

Das System ist ähnlich dem Klickertraining, nur ohne Klicker. So hat das Pferd nicht das Gefühl etwas nicht gut erledigt zu haben, weil der Klicker fehlt.
 
M

MissDeathMetal

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Ich hab ein Praktikum bei einer Problempferdereiterin gemacht und die kann wirklich jedes Pferd reiten. ICh hab das schon miterlebt, sie hat das so gemacht: ERstmal am Rope trainiert bis sich das PFerd untergeordnet hat (Echt krass wenn man sieht dass das PFerd vorher beim Besi rumgesponnen hat wie sonstwas und wenn sie den Strick hat gleich den Kopf runternimmt und kaut Oo :D) und dann ist sie mit einem Fuß in den Steigbügel rein und dann wieder raus. Loben und weiter am ROpe. DAs dann halt so lange bis das PFerd ruhig steht. Dann hat sie das Bein etws belastet (ist hat so "hochgesprungn" wie beim aufsitzen, ist aber nicht hoch sondern wieder runter, loben. Dann das selbe SPiel wie vorher. und das ging so lange bis sie sich draufsetzen konnte. Loben und wieder absteigen. Ist vllt nicht das optimalste für den RÜcken, aber wenn das Pferd erstml wieder dran gewohnt ist, dann kann man ja beidseitig aufsteigen und einen Hocker benutzen. Nur mit dem Hocker/Mauer/Leiter würde ich es nicht machen, damit ist das Problem ja nicht gelöst :D Und waas machst du im Gelände wenn du z.B. deine gErte verlierst und aufheben musst? Ich würde üben, üben, üben! :) viel glück!
 
SilverRaven

SilverRaven

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Hey!

Erstmal mal vielen Dank für die zahlreichen Antworten!
Joker wurde und wird western geritten.
Er kann alle Kommandos vom Boden aus. Er ist lernwillig und langsam beginnt er auch zu vertrauen.
ich hab jetzt zwei Trainingseinheiten mit ihm gemacht.
Beim ersten Mal sprang er natürlich auf die Seite, jedoch hab ich weitergemacht und bei der zweiten Trainingseinheit
stand er jedes Mal vollkommen ruhig da als ich mein Gewicht in den Steigbügel gestellt habe und Gewicht drauf
war. Ich mach das jetzt mit Leckerlies, einfach weils super klappt. Ich denke wenn er das Positive damit verbindet
was natürlich Zeit braucht.
Mein nächstes Problem das ich hab ist dass Joker sowas von gar nicht sozialisiert ist.
Der lernte die Stute einer Freundin kennen und wusste nicht was er tun sollte.
Jetzt werd ich ihn langs an die Herde gewöhnen in ihn dann in die Herde stellen damit er sich ein bisschen sozialisiert.

Liebe Grüße

EDIT (automatische Beitragszusammenführung)

Und zu der Frage bezüglich der Gerte im Gelände:

Soweit ich vom Vorbesitzer informiert wurde, kam der arme Kerl gar nie ins Gelände, sondern war ein reines Turnierpferd (ich nenne es dann immer böse Sportgerät, weil manche Menschen vergessen dass da ein Herz schlägt!)
Gerte benutze ich keine, Sporen auch keine.
Und ins Gelände werd ich mit ihm erst gehen, wenn er mir wirklich vertraut, meinen alten Wallach kennen gelernt hat und ich mir sicher bin dass er keinen Herzschlag vor lauter Angst bekommt.
ZUr Zeit erstmal aufsteigen, absteigen, Vertrauen schaffen und dann weitersehen. :)
 
M

Machtnix

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Zur Sozialisierung:
Ein nicht sozialisiertes Pferd in eine Herde zu integrieren ist nicht ganz einfach. Einige Pferde sind von Anfang an total glücklich und lernen die Regeln der Herde schnell. Andere tun sich unenelich schwer.
Erst einmal sollte man feststellen, ob das Pferd ranghoch oder rangnieder ist. Wie benimmt er sich, wenn andere Pferde dicht kommen, wenn andere Pferde ihm während er geritten wird mit angelegten Ohren entgegen kommen. Entsprechend sucht man dann ein sehr soziales Pferd aus der Herde - wenn vorhanden ein fröhliches Jungpferd so um die 4 Jahre.
Man sollte auf jeden Fall mit Longierpeitsche, lauter Stimme und Streck bewaffnet sein, wenn die Pferde zusammenkommen. Es sollte auch auf jeden Fall Futter da sein (mind. 3 Heufressplätze, die weit genug auseinanderliegen, dass sich die Pferde erstmal ignorieren können). Idealerweise sind beide Pferde unbeschlagen.

Tja, dann lässt man beide aufeinander los. Im Normalfall gibt das überhaupt keine Probleme, denn das Jungpferd ist neugierig und freut sich über einen Freund, das unsichere ältere Pferd ist neugierig was jetzt kommt und ahmt eher nach.

Ein Pferd erstmal neben die Herde zu stellen bringt zwar für die Gewöhnung etwas, zur Sozialisierung ist das aber nicht geeignet. Das bringt nur etwas bei Pferden, die schon sozialisiert sind, denn sie schauen sich die Herde gut an und begreifen wer wo steht, wer stark ist, wer schwach ist und wie die Regeln der Herde sind.
Nicht sozialisierte Pferde hingegen checken das nicht ab.
Es ist wie in einem Restaurant. Wenn du dich in ein Restaurant setzt und neben dir sitzt eine Gruppe die eine andere Sprache spricht, die du nicht verstehst aber aktiv ist, schaust du erst interessiert hin. Dann verlierst du aber schnell das Interesse, denn du begreifst gar nicht worum es geht. Wenn du die Sprache verstehst, ist dein Interesse schon höher, denn du begreifst schnell, was da los ist. Vielleicht sagst du dann auch zu deiner Begleitung 'schau mal, die überlegen gerade, was wie sie ihren Freund zum Geburtstag überraschen können'. Du hörst ja unfreiwillig irgendwie mit.
Spricht die Gruppe eine andere Sprache, verlierst du sehr schnell das Interesse, hörst aktiv weg und beschäftigst dich sehr viel schneller mit deinem eigenen Kram.
Das ist bei Pferden auch so. Ein nicht sozialisiertes Pferd versteht die Sprache nicht und kann mit den Gebärden der anderen Pferde nichts anfangen. Es ist eher verunsichert, wenn dort ein Pferd von einem anderen mal weggejagd wird. Es wird die Gruppe daher nach kurzer Zeit aktiv ignorieren (wegdrehen) und sich um seinen Kram kümmern (fressen, schlafen, sonnen...) und einfach nur froh sein, nicht in der Gruppe zu sein.


Zum Ausreiten:
Wurde der Wallach denn zuvor mit Sporen geritten? Falls ja, würde ich das auch weiterhin machen und ihm zeigen, dass Sporen nicht zum Vorwärtsreiten da sind, sondern zur Aktivierung der HH, dem Anheben des Rückens und zur präzisen Hilfengebung.
Sporen bringen im Gelände den Vorteil, dass man das Pferd im Fall des Falles daran hindern kann seitwärts in einen Graben auszuweichen, einen Satz seitwärts stabilisieren kann und das Pferd auch draußen mal ein Stück konzentriert arbeiten kann. Es erspart eben zuviel Ziehen am Zügel.
Die Ausreitsporen (egal welche man sonst trägt) sollten kurz und weich sein (Blümchensporen oder dicke, stumpfe Räder). Sie sollte am Stiefel ganz unten am Absatz liegen, damit man bei tiefer Absatzhaltung nicht zufällig ans Pferd kommt und sie gezielt einsetzen kann (ist natürlich bei der Bahnarbeit auch wichtig).

Wenn das Pferd sonst bei der Arbeit nicht bockt, artig ist und sich rittig zeigt, würde ich recht früh einen kleinen Ausritt wagen. Erst einmal nach der Bahnarbeit ein Schrittründchen um die Wiesen, wenn so etwas möglich ist. Ein nettes Beigleitpferd wird deinem Pferd Sicherheit geben. Ein Begleitpferd kann - je nach Wesen des Pferdes- aber auch störend sein, da sich dein Pferd dann sehr auf das Begleitpferd konzentriert.
Dein Pferd wird schnell die verschiedenen Bodenbeschaffenheiten untersuchen, sich auf dem ein oder anderen Boden wohler oder unsicher fühlen und neugierig sein.
Gerade Turnierpferde sind ja Unruhe gewohnt und halten sich in fremden Umgebungen eher an den Reiter - sind also eher leichter im Gelände zu reiten. Bei Jungpferden sieht das schon ganz anders aus, die toben eher mal los. Turnierpferde kennen Abreiteplätze und die Wege vom Hängerparkplatz zum Turniergelände, Musik, Unruhe...
Die Pferde kennen aber keine Bäume und sind im Wald meist recht unsicher, daher würde ich anfangs den Wald meiden oder nur ein kurzes Stück mal durch den Wald gehen. Bis ich mir eben sicher bin, dass das Pferd mir vertraut.
Sprechen oder Singen beruhigt Pferde und belustigt Fußgänger, die einem entgegenkommen (kann ich dir aus Erfahrung sagen, da kommen lustige Situationen, wenn man laut singend auf dem Pferd sitzt und dann freundlich grüßt).
Was aber immer du machst, pass dich dem Pferd an. Sei sicher und locker, sei gut gelaunt. Wenn dein Pferd neugierig ist, sprich mit ihm über das was es gerade anschaut. Klar versteht das Pferd dich nicht aber es versteht deine Stimmlage und deine Hilfe.

Z.B. Das Pferd schaut einen liegenden Baumstamm an und weiß damit nichts anzufangen (ist der gefährlich?) Deine Reaktion: 'Uiii, schau mal, da hat sich ein Baum hingelegt. Das war aber mal ein schöner, großer Baum, der hat hier sicher mal gestanden. Nun sieh mal, die Rinde ist auch noch dran. Die darfst du aber jetzt nicht abknabbern. Jaa, ich weiß, das macht Spaß, aber wir müssen doch weiter.....'
Du schaust also auch den Baum an (Gewichtshilfe), deine Stimme ist neugierig und fröhlich, nicht beruhigend und ängstlich (huuu, da könnte ja doch was sein, die beruhigt mich schon).
Genauso wird die Tüte beäugt, die jemand weggeworfen hat. 'Schau mal, so eine Sauerei. Da hat Jemand eine Tüte weggeschmissen. So was gehört sich doch nicht. Ob die wohl hochfliegt, wenn wir vorbei gehen? Ach nein, schau mal, die ist ganz nass, die kann gar nicht fliegen.'
Ein Stapel Silageballen mit fröhlich winkenden und raschelnden Plastikenden im Wind: 'Weißt du was da drin ist? Hmmmm, lecker, da ist Heulage drin. Die schmeckt. Du bekommst ja Heu aber der XY im Stall, den kennst du doch, der bekommt von Heu Husten und kriegt daher Heulage. Na wenn der wüsste, was hier so rumliegt. Ach sei nicht so, die Plastikteile können dir nix tun, die sind fest, wir nicht!'

System verstangen?
Gerade bei so armen Tieren, die immer nur Halle, Platz und Turnier gesehen haben, habe ich nur pos. Erfahrungen mit dem System gemacht.



Tja, das sind meine Tipps. Vielleicht hat ja noch Jemand andere Erfahrungen. Ich bin gespannt.
Wer sich bis hierhin durch den Riesentext geackert hat: GLÜCKWUNSCH :clap:
 
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SilverRaven

SilverRaven

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Hey!

Ja, ich hab den Text bis zum Ende gelesen.

Es bestätigt das was ich mir denke und auch mache.
Momentan steht Joker mit einem unbeschlagenen, sehr ruhigen Wallach zusammen, neben der Herde in der er später integriert werden soll. Es funtkioniert ganz gut.

Ausreiten: Erstmal so absolut kein Thema, weil ich kann ja nicht auf ihn aufsteigen ;)

Zumindest hab ich das Kerlchen jetzt so weit dass er ruhig stehen bleibt wenn ich meinen Fuß in den Steigbügel stelle und Gewicht drauf gebe. Aber kommt der andre Fuß hoch, zack, is er weg.

Ich hab auch die Tipps hier genutzt, seinen Kopf von mir weggedreht, bringt leider nicht viel, weil er trotzdem wegspringt.
Dann hab ich eine Aufsteighilfe benutzt und siehe da, ich kann mich auf ihn drauflehnen/legen. Kein Problem, er steht ganz ruhig da. Ich fahr zuerst mit der Hand über den Sattel, Krupp, kein Problem. Kommt mein zweiter Fuß- zack er is wieder weg.
Meine letzte Möglichkeit ihn an ne Wand zu stellen und somit die Flucht zu nehmen. Aber das is wieder so ein Zwingen und Müssen und jetzt is er grade mal 2 1/2 Wochen bei mir. Ich möcht es zuerst noch langsam weiterversuchen damit da mehr Vertrauen hoch kommt, ehe ich ihn zwinge mich aufsteigen zu lassen.

LG
 
Herr Jefferson

Herr Jefferson

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Nun meine Frage: Clickertraining oder andere Möglichkeiten?
Irgendjemand eine Idee oder ein paar Tipps?

Liebe Grüße
ich hab ein ex rennpferd, das nicht gelernt hat, an der Aufsteighilfe zu stehen.
Wir haben ihn mit "Bestechung" (Leckerlie und Widerrist kraulen) trainiert.

Erst nur an den Aufsteigeblock hingeführt und wenn er da mal gestanden ist, Leckerlie und Loben (kraulen).
Dann mit Reiter geht die Treppe rauf und runter und immer nur Belohnung, wenn er wirklich gestanden ist.
Dann mit Gewicht auf den Steigbügel usw.

war nach zwei Tagen je 15 Minuten Training kein Thema mehr.
 
S

Schweinemama

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ist aber eine blöd Situation. Was du probieren kannst ist gegenhalten - sprich eine ihm bekannte Person steht rechts und haltet mal gegen mit etwas wucht... so kriegt er vielleicht die Dosierung des Gewichts nicht so mit

Sonst wirklich an der Bande aufsteigen, du hilfst ihm ja nicht indem du seine Ängste verstärkst - man ist das schrecklich das Aufsteigen, sondern eine Bewegung unter dem sattel ist ja auch etwas was spass macht.

Mit dem Rücken alles in Ordnung????

Gerade solche Pferde neigen dazu den Kopf hochzureissen wenn der Reiter aufsteigt - das kann natürlich dem Pferd nur aufs Kreuz gehen, mein ex Reitlehrer gab mir mal den Tipp das Pferd beim Aufsteigen ein bisschen Heu auf den Boden zu streuen - die Körperspannun Senkrücken und hals unten funkt nicht (Senkrückenbildung)
 
M

Machtnix

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Das Aufsteigen in der Ecke ist kein Zwang, wenn man weit genug von der Ecke wegbleibt. Das Pferd sieht ja einen Ausweg. Es ist nur sehr viel Ruhiger, da die ganze Ablenkung fehlt und die Ecke eine Begrenzung darstellt. Du solltest erstmal schnellstmöglich in den Sattel kommen. Dann kommt ja sofort die Positiverfahrung durch die Möhre. Am Anfang ist ein wenig Zwang leider notwendig, damit das Pferd eine Chance hat, die Positiverfahrung auch als solche kennenzulernen. Anfangs halte ich Zwang nicht für falsch, nur muss der durch Positiverfahrungen dann auch schnell abgebaut werden. Ich halte es für falsch, zu lange zu warten und ewig am Sattel rumzuhampeln (immer wieder Fuss in den Bügel, bis er Abwehrverhalten zeigt). Damit lernt das Pferd nur, dass es sich mit Abwehrverhalten dem Aufsteigen dauerhaft entziehen kann. Ich hatte mal eine Stute, die absolut nicht aufsteigen ließ. Sie war sehr jung und das erste Aufsteigen war für sie schmerzhaft, sie bockte dann auch den Reiter dermaßen wild ab, dass sogar das Sidepul fliegen ging. Anfangs benötigte ich einen Helfer, der den Kopf den Pferdes niederdrückte, trotzdem brauchte ich 3-5 Aufstiegsversuche um nicht gleich Lampenputzen zu gehen. Nach 5 Tagen war das Problem erledigt. Die Stute stand still und wartete mit auf der gegenüberliegenden Seite geneigtem Hals (fürs Gleichgewicht) auf ihr Leckerchen, wenn ich sie zum Aufsteigen neben eine beliebige Person stellte. Nach weiteren 2 Wochen war auch eine weitere Person in der Halle nicht mehr notwendig. Danach ging alles sehr schnell. Heute ist sie ein Verlasspferd, das zuverlässig frei und an der Aufstiegshilfe steht, egal wer aufsteigt. Sie akzeptiert sogar von Anfängern erklettert zu werden. Manchmal - und nur manchmal - in wirklich schweren Fällen, muss man dem Pferd die Chance geben neu anzufangen und den Teufelskreis zu durchbrechen. Wenn das Pferd in der Ecke jedoch rückwärts weicht (auch wenn der Abstand zu den Banden 3m beträgt), steigt oder sich hinsetzt, ist ein anderer Trick nötig. Das Pferd sollte keine Panik haben, denn wer panisch ist, lernt nicht.
 
SilverRaven

SilverRaven

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Hm.....gut, von der Warte aus hab ich es noch nicht gesehen. Ich dachte immer wenn ich ihn zu etwas zwinge dann wird das negative nur noch mehr verstärkt und ich komm dann gar nicht mehr weiter. Aber gut, morgen haben wir sowieso wieder Training angesetzt, dann werden wir ihn mal in ne Ecke stellen und zu zweit versuchen dass ich mal drauf komm. Leckerlies haben wir natürlich ausreichend.
Leute, vielen lieben Dak für die Tipps, die helfen mir wirklich weiter.

EDIT (automatische Beitragszusammenführung)

Ach und ja! Mit dem Rücken ist alles in Ordnung! Der Chiropraktiker war da, der Zahnarzt war da, der Tierarzt war da, Hufschmied war da. Pferd ist in einem topzustand. Körperlich fehlt ihm gar nix.
 
Herr Jefferson

Herr Jefferson

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also mit meinem "Spezialisten" (der aber auch reichlich verfressen ist) ging das total ohne Begrenzung nur mit Aussicht auf Futter...
Der hat auch innert 10 Minuten geschnallt, dass er nen Gymnastikball über den Platz rollen soll, weils eben nur Leckerlie gab, wenn er ihn angestubbst und gerollt hat... und er hatte bei der ersten Sichtung von dem großen bunten Ding schiere Panik vor dem Ball.

Wir haben das wirklich komplett nur mit kraulen und Leckerchen und halt eben wachsam sein, ob er wirklich steht und das Leckerchen auch erst, wenn er einigermaßen entspannt gestanden ist, hinbekommen...

Was Machtnix beschrieben hat, halte ich allerdings ebenfalls für korrekt, muss man halt von Pferd zu Pferd abwägen, was für das Pferd schlussendlich die bessere Lernoption bietet.
 
S

Schweinemama

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Betreffend Sozialisierung - je nachdem wie er drauf ist - entweder mit einem rangniedrigeren - oder einem Leittier zusammenspannen. Sobald sie sich ein wenig vertragen - kann er langsam aber sicher in die Gruppe integriert werden - nur nicht überfordern - mal ein PFerd kennenlernen - mal zu dritt raus auf die Koppel und sehen wie er sich tut...

Wir haben eine uralte Leitstute -eine Isländerin -sie kann mit allen Pferden sehr gut und weisst sie gezielt in die Schranken - und auch ein 4 jähriger Shire der beim ersten Kennenlernen sie übersprungen hat (er war zu schnell und konnte nicht bremsen meinte er doch Anfangs sie wäre ein Fohlen) -hat enormen Respekt vor dieser Grand Dame, die auch schon zu schreien beginnt-wenn sich Minipony - weil einfach zu klein unter den Zaun durchwurschtelt und versucht auf Präriepferd zu machen.... sie ist trotz ihres Alters eine Alarmanlage
 
Trullas

Trullas

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Ich kann mich Machtnix anschließen.

Wenn körperlich alles in Ordnung ist, muss an der Psyche gearbeitet werden.


Natürlich wird in solchen Situationen Druck auf das Pferd aufgebaut und das ist zunächst mit Stress verbunden. Da Du das Pferd jedoch Reiten möchtest, werdet ihr nicht drum rum kommen diese negative Verknüpfung aufzulösen.
Eine Zweitperson, welche Dir vom Boden aus das Pferd hält ist zunächst unerlässlich. Loben, beruhigen und in den richtigen Momenten gegenhalten.

Mit der nötigen Konsequenz wird sich das Problem schnell einstellen.
 
M

Machtnix

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Ich halte das Pferd auch für ein psychisch gestörtes Pferd. Das Aufsteigen ist vermutlich gar nicht das Grundproblem. Dieses sehe ich an anderer Stelle.
Das Pferd hat einfach das System für sich erkannt, dass das eigentliche Problem gar nicht auftritt, wenn es nicht aufsteigen lässt.
Daher ist auch beim Reiten absolute Vorsicht geboten. Auch wenn das Pferd beim Reiten selber brav sein sollte, es kann auch brav sein, weil es schlimme Strafen fürchtet. Ich kenne viele Pferde die z.B. wenn man eine schnellere Gangart fordert ganz fix durchdrehen und dem Reiter nicht mehr zuhören. Der Reiter lässt dann das Pferd in die Hand springen, das ist nunmal die einzige Lösung. Selbst wenn man dieses noch so vorsichtig macht, werfen sich viele Pferde dann gleich zur Seite. Sie habe gelernt: Grober Zug im Maul, Kopf zur Seite bis auf den Fuss und spornieren.

Man muss diesen Teufelskreis aus Angst, Widersetzlichkeit, Verspannung, Panik mit nicht mehr zuhören ... durchbrechen.
Dein Pferd würde ich ablongieren und mit etwas Bodenarbeit die ganze Sache auffrischen. Die Bodenarbeit sollte so gestaltet sein, dass das Pferd erstens grundsätzlich an seinem Körper arbeiten lassen muss und zweitens die Hilfen dort gegeben werden, wo sie auch beim Reiten gegeben werden. Außerdem ist bei der Bodenarbeit auf Nachgiebigkeit und Gehorsam zu achten.
Druck und Zug muss unbedingt nachgegeben werden, und das Pferd muss Druck an allen möglichen Stellen -auch im Zusammenspiel mit Zug und Arbeit am Körper- als angenehm empfinden.
Hierfür gibt es Übungen.

Wenn das Pferd direkt am Anfang schon beim Aufsteigen schwer problematisch ist, hat man es eigentlich leichter. Man zwingt das Pferd (soviel Zwang wie nötig, sowenig wie möglich, aber erzkonsequent) den Reiter in den Sattel zu lassen. Dann nach dem Ablongieren ein paar Runden Schritt am langen Zügel. Anhalten, Rückwärts und einfach absteigen. Ohne großes Theater. Zum Absteigen springe ich vom Pferd. Traumatisierte Pferde sind anfangs geschockt und wollen flüchten. Ich steh dann ganz ruhig da mit meinem Leckerchen in der Hand und mache nix.
Das Pferd kommt vorsichtig näher und ist froh über Leckerchen und Streicheleinheit. Sobald das funktioniert und ich kann schon im Schritt vom Pferd springen und es schaut mich neugierig an, steige ich öfter mal auf und ab. Das Pferd soll einfach ruhig stehen und meine Nähe suchen. Im Gelände ein echter Vorteil.
Das Zeichen, dass ich nicht mehr aufsteige ist für meine Pferde, dass ich den Sattelgurt löse. Ansonsten müssen sie immer damit rechnen, dass ich nach etwas Führen wieder aufsteige. Das hält die Pferde im Kopf wach.
Anfangs muss man etwas Zwang einsetzen um den Teufelskreis von schlechter Erfahrung ersetzen zu können. Sonst wird das Pferd in Kriesensituationen (man muss im Gelände mal runter) nie save.

Sobald das Pferd beim Aufsteigen in der Ecke allein ohne Helfer stehen bleibt, versuche ich das auch an der Bande. Ich arbeite bei solchen Pferden so kurz wie möglich mit einem Helfer.
Sobald das Pferd beim Aufsteigen save ist, lasse ich Irgendjemanden aus dem Stall aufsteigen, führe das Pferd im Schritt und lasse die Person wieder absteigen, die Arbeit des Tages ist damit beendet.
Das Pferd soll so lernen, dass nicht nur du ein netter Mensch bist. Bei Jungpferden mache ich das sehr früh.
Nach und nach entferne ich mich von dem Pferd, wenn ein anderer Reiter draufsitzt. die Distanz richtet sich dann nach dem Pferd. Das Pferd soll dann nach und nach lernen, dass es mehr nette Menschen auf der Welt gibt als solche, die ihm Probleme bereiten.

Pferde, die am Anfang enorm Widersetzlich sind, sind eigentlich die einfachsten Pferde. Den Teufelskreis an der richtigen Stelle zu durchbrechen ist recht einfach, da man ihn gut erkennt. Pferde, die nur latent 'austicken' sind da schon sehr viel schwieriger und die Korrektur dauert enorm länger.

Ich vermute mal, dass dein Pferd innerhalb von 6 Monaten absolut save, leistungsbereit und ein wirklicher Partner sein sollte. Das ist aber eine vorsichtige Schätzung, da ich das Pferd nicht kenne.
 
SilverRaven

SilverRaven

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Hey!

Ich habe große Neuigkeiten!

Vorneweg möchte ich unbedingt widersprechen: Das Pferd sollte nicht für psychisch gestört gehalten werden.

Joker lässt sich seit 3 Tagen völlig unprobelamtisch reiten.
Ich steige auf, gib ihm Leckerli auf der rechten Seite und es geht.
Ich gebe ehrlich zu, ich habe keine Ahnung warum das plötzlich klappt.

Wie gesagt die letzten 3 Wochen hab ich mich intesiv um ihm gekümmert. Longieren, schmusen, einfach bei ihm in der Box gesessen, auf der Koppel.
Zahnarzt war ich mit dabei, Hufschmied war ich mit dabei.
Dann geübt das Gewicht in den Steigbügel zu legen und mit viel Leckerchen gearbeitet.
Beim ersten Aufsteigversuch stand eine Freundin mit etwas Abstand zu ihm, sodass er ggf. flüchten konnte wenn er wollte.
Aufgestiegen, Leckerchen gegeben.
Die ersten Runden an der Longe im Schritt. Abgestiegen, Leckerchen, nächster Versuch.
Mittlerweile reite ich ihn nicht mehr an der Longe und das in allen Gangarten.
Und mittlerweile steige ich auf, er legt den Kopf nach rechts und wartet aufs Leckerchen.
Natürlich bin ich immer noch vorsichtig und außer mir lässt er auch niemanden aufsteigen.
Vorsichtig aus dem Grund weil das jetzt 3 Tage so ging, aber ich insgeheim auf einen Rückschlag warte.

Das mit einem anderen Reiter verschiebe ich jetzt erstmal auf später.
Grund: Joker war jahrelang Schulpferd auf dem unzählige Menschen drauf saßen und rumgehampelt sind, der soll sich dran gewöhnen dass ihm nix passiert und danach kann ich Leute drauf setzen.

Das was ich jetzt mit ihm mache, ist mit ihm in der Bahn ganz langsam Kondition aufzubauen. An der Longe und mit meinem Reitergewicht drauf.
Vertrauen weiter festigen und negative Verküpfungen zu lösen.
 
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Machtnix

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Hey!

Ich habe große Neuigkeiten!
Klasse


Vorneweg möchte ich unbedingt widersprechen: Das Pferd sollte nicht für psychisch gestört gehalten werden.
Sorry, dass ich ihn so genannt habe. Sicher ist er kein gestörtes Pferd, nur ein verstörtes. Die Arbeit ist aber ähnlich, wie mit einem gestörten Pferd - nur schneller und einfacher, wenn man es richtig macht.

Joker lässt sich seit 3 Tagen völlig unprobelamtisch reiten.
Ich steige auf, gib ihm Leckerli auf der rechten Seite und es geht.
Ich gebe ehrlich zu, ich habe keine Ahnung warum das plötzlich klappt.

Wie gesagt die letzten 3 Wochen hab ich mich intesiv um ihm gekümmert. Longieren, schmusen, einfach bei ihm in der Box gesessen, auf der Koppel.
Zahnarzt war ich mit dabei, Hufschmied war ich mit dabei.
Dann geübt das Gewicht in den Steigbügel zu legen und mit viel Leckerchen gearbeitet.
Beim ersten Aufsteigversuch stand eine Freundin mit etwas Abstand zu ihm, sodass er ggf. flüchten konnte wenn er wollte.
Aufgestiegen, Leckerchen gegeben.
Die ersten Runden an der Longe im Schritt. Abgestiegen, Leckerchen, nächster Versuch.
Mittlerweile reite ich ihn nicht mehr an der Longe und das in allen Gangarten.
Und mittlerweile steige ich auf, er legt den Kopf nach rechts und wartet aufs Leckerchen.
Natürlich bin ich immer noch vorsichtig und außer mir lässt er auch niemanden aufsteigen.
Vorsichtig aus dem Grund weil das jetzt 3 Tage so ging, aber ich insgeheim auf einen Rückschlag warte.
Weißt du, was du gemacht hast?
Du hast Joker so langsam aber sicher auf dich fixiert. Gerade Pferde, die lange keine Bezugsperson hatten, vom Grundsatz her aber menschenfreundlich sind, schließen sich schnell einem Menschen an, den sie verstehen. Oft reichen 2-3 Übungseinheiten in 'Pferdesprache'.
Du hast ihm die Schmerzen genommen und warst die ganze Zeit trotzdem freundlich für ihn da. Die meisten Schulpferde leiden unter schlecht sitzenden Sätteln, unterbemuskelung, schlechten und damit zu schweren Reitern. Eine schlechte Kombination!
Du hast ihm all diese Probleme genommen und er beginnt dir zu vertrauen. Wie schnell das geht, hängt von der Prägungsphase und dem Charakter eines Pferdes ab.
Jetzt wird er nach und nach sein wahres Gesicht zeigen. Vielleicht auch mal buckeln oder rennen, oder sich als total cooler Kater erweisen.
Wenn er sich also jetzt zu dem Pferd entwickelt, das er eigentlich ist, ist das DIE Chance für dich, ihn so zu formen, wie du ihn dir vorstellst.
Es ist die Zeit, in der du ihn schocken solltest. (Haaalt, nicht so schlimm, wie es sich anhört).
Es ist die Zeit, in der man beginnt, einem Pferd z.B. die Schreckhaftigkeit zu nehmen, sein Vertrauen in kritischen Situationen zu gewinnen (Schock eben).
Konfrontiere ihn also mit gruseligen Dingen. Ich hänge zu diesem Zweck gern ein altes weißes Bettlaken an die Bande. Er kommt mit dir rein und sieht natürlich sofort das Laken. Er macht Riesenaugen und fixiert das Laken. Du ignorierst dieses Verhalten und befestigst ganz normal die Longe zum Ablongieren. Dann gehst du ganz locker auf das Laken zu. Er wird irgendwann total spannig stehen bleiben. Du gehst weiter und lässt einfach die Longe länger, er darf stehen bleiben. Wenn du vor dem Laken stehst drehst du dich einfach um und lehnst dich gaaaanz locker mit dem Rücken dagegen. Sei vollkommen entspannt und lass dich von ihm nicht irritieren. Vertraut er dir, wird er sofort zu dir kommen (du hast ja gezeigt, das Ding ist nicht gefährlich) und das Laken mit der Nase anfassen wollen. Gestatte ihm das. Lobe ihn dafür nicht, sondern nimm das einfach als Normal hin.
Wichtig ist dann, wie du dich von dem Laken wieder entfernst. Geh auf keinen Fall einen Schritt vorwärts, sonder wende dich seitwärts, sprich ihn an dir zu folgen (als wär da nix gewesen und ihr habt nur eine Pause gemacht) und geht dicht am Laken entlang ganz locker mit leicht gesenktem Kopf auf dem Hufschlag weiter. Er wird dir folgen, ohne wegzuspringen, beachte seine Reaktion nicht und lobe ihn auch nicht, sprich aber ruhig mit ihm - du kannst ihm ja eine Geschichte erzählten, texte ihn einfach voll.
So zeige ich Pferden die Welt. Sei es Pylonen, die ich einsammel 'Schau mal XY ich kann zaubern, eine Pylone über die andere, jetzt sind es nur noch 3...'
Wenn du die Befürchtung hast, dass es für einen Schock mit einem Laken noch zu früh ist, fang damit an z.B. Stangen oder andere Dinge die in der Reitbahn liegen, wegzuräumen.
Er soll merken, dass die Welt und die Menschen zwar komisch sind, aber eben nicht gefährlich. Er soll Neugierig werden und neuen Dingen gegenüber aufgeschlossen reagieren - du weißt ja nicht, ob er bisher an solche Dinge mit Gewalt herangeführt wurde und sein Vertrauen dadurch geschädigt ist.
Später im Gelände oder auch auf Turnieren wird es ungeheuer hilfrech sein, wenn ein Pferd neugierig ist und 'gruselige Dinge' mit Neugierde betrachtet. So nach und nach lässt sich dein Verhalten auch auf den Sattel übertragen. So bekommst du ein Pferd, das dir beim Reiten vertraut. Eben ein Pferd, das annimmt, wenn du sagst 'es ist OK' und das sich daran gewöhnt, dass du entscheidest und nicht das Pferd und dass deine Entscheidungen richtig sind.

Dein Pferd sollte jetzt auch lernen entspannt unter dir zu stehen - egal was kommt. Dieses Training ist absolut wichtig! Es ist äußerst hilfreich, wenn ein Pferd ruhig und entspannt stehen kann. Im Gelände (Straßenüberquerung wenn mal ein Bus oder ein Müllwagen kommt), in der Reitbahn (wenn ein anderes Pferd gerade mal einen Ausraster hat) oder auf dem Turnier (voller Abreiteplatz oder Prübungsbeginn).
Dieses Training braucht vor allen Dingen Zeit! Longiere ihn ab und setzt dich dann drauf. Reite ein paar Runden und dann lass ihn stehen. Er soll im Stehen den Hals gesenkt halten. Unterhalte dich, hör Musik oder sonst etwas. Du solltest ihn überall mithinschleppen, wenn du am Stall bist - egal was du machst. Er ist dabei und soll sich daran gewöhnen, dass sich die Welt nicht um ihn dreht. Er darf nur überall dabei sein. Wenn er bescheiden ist, wird er auch mal gekrault. Rüffelt er und verlangt deine Aufmerksamkeit ignoriere ihn, im schlimmsten Fall binde ihn in der Nähe einfach an, so dass er dich zwar sehen kann aber ignoriert wird.


Das mit einem anderen Reiter verschiebe ich jetzt erstmal auf später.
Grund: Joker war jahrelang Schulpferd auf dem unzählige Menschen drauf saßen und rumgehampelt sind, der soll sich dran gewöhnen dass ihm nix passiert und danach kann ich Leute drauf setzen.

Das was ich jetzt mit ihm mache, ist mit ihm in der Bahn ganz langsam Kondition aufzubauen. An der Longe und mit meinem Reitergewicht drauf.
Vertrauen weiter festigen und negative Verküpfungen zu lösen.
Hier bin ich wieder anderer Meinung als du. Da das Pferd augenscheinlich merkt, dass du OK bist, sollte er dieses nicht nur an dir festmachen. Das er schon jetzt Niemanden außer dir aufsteigen lässt, wäre für mich ein Indiz, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Er sollte sich zu einem Pferd mit pos. Grundeinstellung dem Menschen gegenüber entwickeln. Da Pferde durch Erfahrung lernen, muss er eben mehr Erfahrungen mit netten Menschen machen als mit Menschen, die ihm weh tun.
Anfangs solltest du natürlich unbedingt dabei sein! Ganz dich bei ihm, dem anderen Reiter beim Aufsteigen helfen und ihm dadurch Sicherheit geben. Er wird schnell merken, dass auch andere Menschen OK sind, da sie von ihm ja auch nichts Unmögliches verlangen und der Sattel nach wie vor nicht drückt. Du kannst den anderen Reiter dann einfach führen und fertig.
So nach und nach kannst du dich dann bis auf Sichtweite entfernen, das reicht erstmal für die ersten Monate.
Er wird dann die Negativerfahrung auf das Sattelgefühl von damals und den Ort oder eine Stimme projezieren.
 
SilverRaven

SilverRaven

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Hey!

Ich musste gerade lachen, als ich deinen Beitrag gelesen habe. (Letzter)
Heute standen wir nur in der Bahn rum, haben mit anderen gequatscht, Pferd ging durch, Joker war eine coole Socke. Nur mit den Ohren gezuckt und das wars.

Das mit dem Laken werd ich auf jeden Fall machen.
Ich mach das mit meinem anderen Wallach im Gelände auch so, wie du beschrieben hast.


Zu dem Thema "Andre Reiter auf Joker"

Ich erkenne zwar den Antrieb und verstehe was du mir begreiflich machst, allerdings mein Einwand:

Wenn ich weiß dass Joker als Schulpferd ging und dadurch "sauer" "abgestumpft" "unreitbar" wurde und ich ihn gerade mal 3 Wochen bei mir hab, und er ja mein Pferd ist, welchen Zweck hat es dann dass er nach so kurzer Zeit wieder andre Reiter drauf hat auch wenn ich dabei bin?
Und gerade jetzt, wo du sagst dass er jetzt langsam sein wahres Gesicht zu zeigen beginnt.
Ich hab eigentlich nicht im Sinn Joker von anderen Reitern reiten zu lassen, weil er ja mein Partner ist und ich auch nicht vorhabe dieses Pferd je wieder herzugeben.
Vielleicht bin ich auch einfach etwas zu dämlich um den Sinn zu verstehen. :shock:
 
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