Niederlanden verbieten Degus, zieht Deutschland nach?

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phyllotis

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Hi,

es ist mittlerweile einige Monate her, seit die Nachricht wie eine Bombe reinplatzte und niederländische Deguhalter eiskalt erwischte. Die Haltung der Degus soll mit Inkraftsetzung einer Postivliste, welche die Degus nicht aufführt, verboten werden. Zwar sollen bisherige Tiere noch weiter gehalten werden dürfen, sofern sie gechipt werden, doch die Anschaffung von Neutieren und die Vermehrung ist ab sofort verboten.

Die Folgen für die Deguhaltung sind zur Zeit noch nicht im Detail absehbar, auch scheint es nach wie vor so zu sein, dass die Liste noch nicht von Regierung und Parlament abgesegnet wurde, doch das ist nur eine Frage der Zeit, bis auch diese Formalitäten erledigt sind. Viel wichtiger ist die Frage, wie es überhaupt soweit kommen konnte. Die Antwort ist nicht so einfach, sie hat aber mit einem neuen Tiergesetz zu tun, das verabschiedet wurde und im Januar 2013 in Kraft trat. Dieses sieht vor, dass Listen für Tierarten augearbeitet werden, die in Zukunft gehalten werden und dass Tiere, die nicht auf dieser Liste stehen, in Zukunft verboten seien. Jede Art wird dabei geprüft, ob sie geeignet ist oder nicht, bei neuen Arten kann ein Antrag zur Prüfung gestellt werden. Die Abklärungen der Tierarten wurden von der Universität Wageningen erstellt und der Regierung in Form eines umfangreichen Dokuments mit Empfehlungen in Form einer umfangreichen Kriterienliste überreicht. Bereits dort wurde der Degu von keinem der 8 Experten als zur Haltung geeignet eingestuft, was offenbar wesentlich zum Verbot beitrug. Wieso das passieren konnte, ist mir noch nicht ersichtlich, da ich die Details nicht kenne, es stimmt
aber nachdenklich, da die Haltungspraxis eigentlich so gar nicht zu diesem Entscheid passen will.

Die Entwicklung in den Niederlanden ist keineswegs ein Einzelfall, in Belgien gibt es schon so eine Liste, welche jedoch den Degu erlaubt und auch in Deutschland gibt es auf Ebene der Länder Gesetze, welche bisher versuchten gewisse Tiere zu verbieten. Manche davon sind sehr kurios und fragwürdig, so die Gesetzgebung in Hessen, andere sind teilweise besser. Die Entwicklung ist also schon seit längerem in der Luft und wird vor allem von extremen Tierrechtlern vorangetrieben, bislang mit wenig Erfolg, was die Beachtung bei den Parteien angeht, da insbesondere die CDU bisher nicht auf Anträge und Forderungen einging. Seit einiger Zeit ist auf Seiten der links-grünen Parteien Unterstützung zu vernehmen und die Parteien haben sich Tierhaltungsverbote und strenge Reglementierungen von den extremen Tieraktivisten inspiriert, ins Parteiprogramm aufnehmen lassen. Mit dem Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD sind daher diese Forderungen wieder auf dem Tisch, obwohl die CDU die meisten Stimmen holte.

Was mir weiterhin unlogisch erscheint, dass gerade von linksgrüner Seite so stark auf Verbote und starke Einschränkungen gepocht wird, war doch die SPD in den Nachkriegsjahren die Stimme des kleinen Manns und des Volks und hätte damals wohl kaum die Absicht gehabt, die Ausübung von Hobbies unnötig zu erschweren, sofern sie nicht mit schwerwiegenden Nachteilen für die Gesellschaft daherkommt, im Gegenteil. Damals galten Hobbies als wichtig, da sie sinnvolle Aktivitäten bieten und gerade bei der Tierhaltung wird immer wieder auf den Nutzen hingewiesen, dass Kinder, die den Umgang mit Tieren lernen, damit auch lernen Verantwortung zu übernehmen und für andere Geschöpfe zu sorgen und nicht nur für sich zu denken... alles eigentlich sehr soziale Eigenschaften, die doch nur fördernswert sein sollten. Doch es passt natürlich auch zu unserer Zeit, in der Abzocke von grossen Vorbildern in Politik und Wirtschaft und den Banken uns vorgelebt werden, dass dies alles nichts mehr gilt. Auch beim Tierschutz zeichnet sich leider das traurige Bild ab, dass extreme Forderungen von Tierrechtlern weite Akzeptanz gefunden haben und die Stimmung zunehmend vergiften, was konstruktive Arbeit zugunsten der Tiere immer mehr verhindert. Leider ist längst nicht überall Tierschutz drin, wo Tierschutz drauf steht, was insbesondere auch für populistische Organisationen wie Peta und Co. gilt, die es zwar verstehen die Gesellschaft zu schocken, aber für die Tiere letztlich weit weniger erreichen als so manche im Stillen arbeitende, kleine Nothilfestelle.

Die Formulierung im Koalitionsvertrag welche unter dem harmlosen Titel "Naturschutz und biologische Vielfalt" daher kommt tönt zwar harmlos, sie wird aber - und das wird die zukünftige Entwicklung zeigen - folgenschwere Einflüsse auf die Tierhaltung haben:

"Wir verbessern den Wildtierschutz und gehen gegen Wilderei sowie den illegalen Wildtierhandel und deren Produkte vor; Handel mit und private Haltung von exotischen und Wildtieren regeln wir bundeseinheitlich. Import von Wildfängen soll grundsätzlich verboten und gewerbliche Tierbörsen für exotische Tiere untersagt werden."

Quelle: Koalitionsvertrag S. 119 http://www.tagesschau.de/inland/koalitionsvertrag136.pdf

Wie diese Regelung aussieht, da denken zur Zeit viele Tierhalter noch, dass es nur ein paar wenige Tierarten, insbesondere Riesenschlangen, Krokodile und andere wenig sympathische Tiere treffen dürfte und dass sie das nichts angehen werde. Doch die Realität zeigt leider ein anderes Bild: das Deguhaltungsverbot in den Niederlanden ist wohl das beste Beispiel, wie schädlich ein Nichtstun sein kann, wenn Tierhalter sich nicht wehren. Klar, man könnte vielleicht auch Glück haben, wie in Belgien (andere Tierhalter hatten aber auch dort weniger Glück). Aber sollte man sich auf das Glück verlassen, während die Politik über die Zukunft der Tierhaltung entscheidet? Tatsache ist nun mal, dass die SPD mit ihrem Programm und damit auch mit ihren Forderungen die Tierhaltung stark einzuschränken (was wahrscheinlich über Verbote und wenige erlaubte Arten funktionieren dürfte wie in den Niederlanden) nicht gewählt wurde und trotzdem versucht sie es nun über die Hintertür des Koalitionsvertrag ihre Forderungen dem Wähler und uns Tierhalter aufzubrummen. Da tut Aufklärung Not, unter den Tierhalter, denn viele wähnen sich nach wie vor in falscher Sicherheit, aber auch dass der Kontakt zur Politik, soziale Medien usw. genutzt werden, um unseren Positionen eine Stimme zu verleihen. Es darf nicht sein, dass den Wählern Verschlechterungen bei den Haltungsbedingungen von Tieren und bei der Aufklärung und Unterstützung über artgerechte Haltung als "Tierschutz" verkauft wird. Auch wenn wir jetzt noch nicht mit Sicherheit wissen, ob die SPD ein solch extremes Tierhaltungsverbot durchsetzen kann, so ist es doch sehr blauäugig, erst mal abwarten zu wollen, bis wir dann vor vollendete Tatsachen gestellt werden, denn im Nachhinein sich zu wehren ist gewiss deutlich mühsamer, wenn überhaupt sich dann in nützlicher Frist noch was ändern lassen sollte.

Informationen zu einem möglichen Haltungsverbot in Deutschland:
http://www.exotische-kleinsäuger.de/80.html
http://ratfrett.wordpress.com/category/haltungsverbot/

Links zum Tiergesetz und dem Haltungsverbot in den Niederlanden:
Elsevier.nl - Niederlanden verabschieden schwarze Liste mit zukünftig verbotenen Tierarten (in Niederländisch)
Brief an die zweite Kammer: Positivliste (in Niederländisch)
Tierhaltungslisten auf Deutsch

LG Phyll
 
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Hast du schon mal einen Blick in den Ratgeber geworfen? Vielleicht hilft dir dieser ja weiter?
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phyllotis

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Mögliches Tierhaltungsverbot in Deutschland

Hi,

das Thema liegt schon länger in der Luft und wird von extremen Tieraktivisten seit vielen Jahren gefordert. Ginge es nach Peta und Co. müsste die Tierhaltung gänzlich abgeschafft werden, da diese nur in Wildnis ein gutes Leben hätten - doch auch dort zersägt man ihre Lebensräume, baut Autobahnen durch ihre Territorien und unzähliges Leid wird täglich verursacht durch die vielen Strassen, den heftigen Motorverkehr, der so manches Tierleben auf dem Gewissen hat. Natürlich ist der Gedanke das Rad der Zeit zurückzudrehen in eine Zeit, als es noch keine Verbrennungsmotoren gab Unsinn und würde wohl niemand auch wirklich fordern wollen, daher ist es offensichtlich einfacher die Aufmerksamkeit auf andere Themen zu lenken, von denen man sich verspricht einfacher zu Erfolg zu kommen, zum Beispiel eben die Tierhaltung.

Der Druck von Peta, Pro Wildlife, Animal Public und Co. scheint mittlerweile so gross zu sein, dass Tierhaltungsverbote weite Akzeptanz finden, sowohl in der Politik, wie auch im Tierschutz tätige Organisationen. Prominentestes Beispiel, der Deutsche Tierschutzbund, der sich seit einiger Zeit auch für Haltungsverbote von Tieren stark macht. Gefordert wird immer wieder, dass man keine Wildtiere und Exoten halten dürfe. Das Problem dabei ist, dass die Begriffe "Wildtier" und "Exot" offenbar Schwierigkeiten beim Verständnis auslösen, denn viele Tierhalter glauben, dass ihre Tiere keine Wildtiere seien, doch wer nicht gerade ein Kaninchen oder Meerschweinchen, Frettchen, Hund oder Katze hält, der wird sehr wahrscheinlich ein Wildtier halten, denn die Zeichen der Domestikation sind selbst bei lange in Menschenobhut gehaltenen Tieren wie zum Beispiel beim Syrischen Goldhamster nach bald 100 Jahren Haltung in Menschenobhut sehr gering. Das Verhalten ist jenem der Wildtiere noch sehr ähnlich, auch wenn Farbmutationen auf den ersten Blick vielleicht über diese Tatsache hinwegtäuschen mögen. Ganz anders bei den Meerschweinchen. Diese werden seit mehreren Tausend Jahren von Menschen gehalten und wurden in den südamerikanischen Anden domestiziert. Man vermutet, dass dies vor 3000 bis 6000 Jahren passierte und ihr Verhalten unterscheidet sich denn auch klar von ihren wilden Vorfahren, denn sie sind sozialer und beispielsweise bei der Nutzung der Lautäusserungen, dass sie für Futter quietschen, zeigt klar, dass sich da über die Jahrtausende eine Anpassung an den Futtergeber Mensch entwickelte, denn für sie ist es ein Überlebensvorteil, wenn sie bei Hunger auf sich aufmerksam machen können, damit sie Futter bekommen, während ein Wildtier in einer solchen Situation keinen Vorteil hätte und sich selber um die Beschaffung der Nahrung kümmern muss. Nimmt man den Begriff Wildtier ernst, wären also Rennmäuse, diverse Mäuse, Hamster, Hörnchen, aber auch Degus, Wildmeerschweinchen, Chinchillas usw. von einem Wildtierverbot betroffen.
Der Begriff Exot ist noch weniger gut zu definieren, bedeutet er in erster Linie jede Tierart, die nicht bei uns, sprich in Deutschland heimisch ist. Man könnte vielleicht auch sagen, dass es alle Tiere betrifft, die nicht schon seit einer längeren Zeit bekannt und verbreitet sind, wobei man dann die Zeitdauer definieren und Kriterien zum Messen der Bekanntheit definieren müsste. Kommt noch dazu, dass ein Exot nach einer gewissen Zeit wohl von vielen Leuten den Exotenstatus verliert, denn man gewöhnt sich mit der Zeit daran, doch dies ist oft sehr individuell, weshalb ohne genauere Definition dieser Begriff sehr schwammig in der Auffassung bleibt. Es sind wohl diese Gründe, weshalb der Begriff der Wildtiere bisher geläufiger ist, gerade auch bei den Parteien.

Schon bei der letzten Wahl ging eine Welle durch die sozialen Medien, welche darauf hinwies, welche Konsequenzen auf uns zukommen könnten, wenn die Parteien, insbesondere aus dem links-grünen Lager ihre Forderungen wahr machen, welche sie im Wahlkampf preisgaben. Zwar kam jetzt eine linksgrüne Regierung nicht zustande, die CDU konnte trotzallem die meisten Stimmen für sich verbuchen, doch mit der Koalition mit der SPD standen plötzlich deren Forderungen wieder im Raum und was zuerst nur befürchtet wurde, ist mittlerweile Realität, die SPD hat ihre Forderungen im Koalitionsvertrag durchgebracht. Ich habe das Thema im Unterforum bei den Degus näher beleuchtet:
https://www.tierforum.de/t183009-niederlanden-verbieten-degus-zieht-deutschland-nach.html

Um es etwas abzukürzen, die Formulierung im Vertrag tönt harmlos, hat es aber in sich. Regulierungen in der Tierhaltung stehen zur Zeit bei europäischen Regierungen hoch im Kurs, Belgien hat vor einiger Zeit ein umfangreicheres Haltungsverbot zahlreicher Arten durchgesetzt und momentan ziehen die Niederlanden gerade nach. Insbesondere die Niederlanden konnten eine Reihe von Tierhalter mit ihrem Entscheid schocken, da sie in absehbarer Zeit die Haltung einiger Arten verbieten werden, darunter auch populäre Arten wie der Degu. Damit sind die Albträume, vor denen vor einigen Jahren frühe Kritiker der aktuellen Entwicklung in der Politik warnten, in greifbare Nähe gerückt und ein Haltungsverbot beliebter Nagetierarten scheint plötzlich auch in Deutschland sehr realistisch zu sein. Doch nach wie vor wähnen sich viele Tierhalter in falscher Sicherheit: sowas gab es hier noch nie und wer hätte denn ein Interesse beliebte Tierarten wie Degus, Rennmäuse oder Hamster zu verbieten? Das kann und darf nicht sein, das ist offenbar nach wie vor die vorherrschende Haltung, doch wiegen wir uns nicht gerade mit solchen Vorstellungen in falscher Sicherheit? Denn wenn ein Verbot einmal da ist, dann ist es zu spät sich zu wehren. Bis Gesetze wieder umgeschrieben werden, dauert es Jahre oder Jahrzehnte, falls man damit überhaupt dann Erfolg hat. Daher ist es umso wichtiger, dass das Thema jetzt auf den Tisch kommt und dass wir Tierhalter darüber reden. Natürlich ist es auch wichtig, dass unsere Meinung gehört wird. Grundsätzlich ist jeder frei Politiker zu kontaktieren, sich in der Öffentlichkeit zu engagieren und es formten sich in den letzten Monate auch einige Initiativen, Verbände, Facebookgruppen, Online-Peditionen usw. die sich dem Thema annehmen. Noch ist es nicht zu spät, etwas zu tun, die Zeit könnte aber knapp werden, wenn die Warnungen jetzt weiterhin ignoriert werden, denn das Thema wird uns früher oder später einholen.

Haltungsverbot: Initiativen und Aktivitäten:
http://www.stdth.de/
http://www.dvth.de/wir-ueber-uns.html
Öffentlichkeitsarbeit

Haltungsverbot: Hintergrundinfos:
http://jungle-world.com/artikel/2013/49/48939.html - auch bei der linken Jungle World gibt es kritische Stimmen, die genauer hinsehen bei der aktuellen Entwicklung um Haltungsverbote
http://ratfrett.wordpress.com/category/haltungsverbot/ - Haltungsverbote in den Niederlanden und in Belgien
http://www.tiertaverne.de/downloads/PositiveVogelhaltung_17-09-13.pdf - Blick über den Tellerrand: Vogelfreunde, Verbote und Umgang mit der Politik


LG Phyll
 
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Ronnie2002

Ronnie2002

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So schlimm ist doch ein Tierhalteverbot von "Exoten" nicht.. Zumal ich nicht glaube, dass es von heut auf morgen "plopp" macht und alle Hamster sind verboten ;-) Aber es wird ja zzt. immer mehr "Trend" sich ein exotisches Haustier zu kaufen (vor ein paar Jahren kannten wir den Degu oder den Afrikanischen Weissbauchigel noch gar nicht, heute sind Zoohandlungen voll solcher Tiere) falls in Deutschland in solches Verbot eingeführt wird wird sicher vorher nochmal definiert, welches Tier als Exot gelten wird und welches nicht..
 
zitroneneistee

zitroneneistee

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Hallo,

ich finde es immer wieder traurig wie man das so verzerren kann :(
ein kurzer Ausschnitt:
".... Wir verbessern den Wildtierschutz und gehen gegen Wilderei sowie den illegalen Wildtierhandel und deren Produkte vor; Handel mit und private Haltung von exotischen und Wildtieren wird bundeseinheitlich geregelt (NICHT verboten). Importe von Wildfängen in die EU sollen grundsätzlich verboten und gewerbliche Tierbörsen für exotische Tiere untersagt werden. Die Koalition sorgt gemeinsam mit anderen Staaten für einen besseren Vogelschutz entlang der Zugrouten...."
Quelle: http://www.spd.de/linkableblob/112790/data/20131127_koalitionsvertrag.pdf

Da dürfte man sich als tierlieber Mensch eigentlich freun. In Deutschland ist es bereits verboten unsere Wildtiere grundlos einzufangen und ihnen ein Leben in Gefangenschaft aufzuzwingen. Ein wunderbares Gesetz das unsere Fauna und viele einzelne Individuen schützt.
Nun soll auch die Einfuhr von WildFÄNGEN (nicht Wildtiere im Allgemeinen) anderer Länder verboten werden. Für mich ein Grund zum Feiern und weniger zum bangen ;) wie kann man das schlecht interpretieren?
Die reine Haltung von Exoten soll nicht verboten werden. Nachzuchten sind weiterhin erlaubt.
 
Oceanblue

Oceanblue

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Aber es gibt ja auch viele Exoten die gut und artgerecht gehalten werden.
 
Ivy-maire1

Ivy-maire1

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Hey,

naja, grundlegend nicht schlecht.. Aber die Listen muss man nicht logisch finden, oder? Die in den Niederlanden mein ich..

Erlaubt sind z.b diverse Arten von Mäusen, die Knirpsmaus ist aber genehmigungspflichtig? (wie das ausschaut kann man sich ja denken, die genehmigung bekommt man nie)

Und Gambia Riesenhamsterratten sind theoretisch erlaubt, Degus und Weißbauchigel aber nicht? Wallabys sind möglich, Dsungaren aber nicht?

Sorry, da fragt man sich ernsthaft was da für "Profis" am werk waren.. :eusa_eh:

Off-Topic
man sollte vielleicht nicht vergessen dass auch unsere Haustiere mal wilde Vorfahren hatten ;) grundsätzlich ist also die Domestikation nichts dass die Welt untergehen lässt. Und was noch wichtiger ist- es gibt viele Tierarten die, ohne menschliche Zucht und Haltung, aussterben würden.



@Zitroneneistee: man muss aber aufpassen was dann als "Exot" gilt. Und auch der handel mit Exoten ist per se nichts schlechtes, verhindert es doch einen einbruch des Genpools. Und zwischen "Wildtier", "Wildfang" und "Exot" sind dann doch einige Unterschiede. Ich finde es bedenklich wie mit diesen ausdrücken um sich geworfen wird.

Verbot des Wilderei, also "Wildfänge"- an sich super, sollte aber mit rücksicht auf den Genpool bestimmter Exotenarten durchgesetzt werden (sonst haben wir in einigen jahren das gejaule das unsere Haustiere so verzüchtet sind weil kein neues Blut reinkommt)
"Wildtier"- wie definiert man das? Theoretisch sind alle Tiere "wild", manche mehr, manche weniger. Wenn man vom Grad der Domestikation ausgeht müsste man z.b auch die Hamster- oder Katzenhaltung verbieten
"Exot"- wieder eine Frage der Definition. Als man in Peru schon jahrhunderte Meerschweine hielt warens hier Exoten. In Afrika sind GRHR (Gambia Riesenhamsterratten) nichts besonderes mehr, in Europa exotisch bis zum gehtnichtmehr. In manchen Ländern sind Hamster, Meerschwein und Kaninchen Exoten, dafür Äffchen und ähnliches "Alltag".

Wichtig wäre eher gewisse Auflagen zu haben um bestimmte Tierarten zu halten. Ob diese dann wirklich durchführbar sind (oder eben die Haltung dieser Tierarten nicht genehmigt wird) sei dahingestellt.
 
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phyllotis

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Hi,

"Wildtier"- wie definiert man das? Theoretisch sind alle Tiere "wild", manche mehr, manche weniger. Wenn man vom Grad der Domestikation ausgeht müsste man z.b auch die Hamster- oder Katzenhaltung verbieten
Nur aus eigener Interesse, gibt es Untersuchungen dass Katzen immer noch Wildtiere sind und nicht domestiziert sind? Mein Kenntnisstand ist, dass man sie in allgemeiner Domestikationsliteratur als domestiziert betrachtet, wenn ich mich richtig erinnere etwa um die Zeit der alten Ägypter, also ein paar Tausend Jahre, aber deutlich jünger als die Domestikation des Hundes. Goldhamster sind dagegen tatsächlich Wildtiere. Es gibt eine Untersuchung dazu von Rolf Gattermann, die meines Wissens sogar im Netz frei zu finden sein sollte.
Ich finde Wildtier daher relativ gut definiert, denn es gibt recht klare Kriterien, die man anwenden kann. Wer jetzt aber beliebte Heimtiere erlauben will und unbeliebte Arten, sogenannte "Ekeltiere" verbieten möchte, für den ist der Begriff jedoch nicht sehr geeignet. Von Seiten extremer Tierschützer wird bei den Wildtieren oft übrigens auch kritisiert, dass diese Tiere nicht an ein Zusammenleben an den Menschen gewöhnt wären. Es gibt da aber auch Beispiele, die Gegenteiliges zeigen, z.B. einige kulturfolgende Arten sind sehrwohl in der Nähe des Menschen anzutreffen, z.B. Mauergeckos in Südeuropa oder es gibt auch Berichte da leben wilde Ratten und Menschen nahe beisammen... die Frage ist halt leztlich, worauf man hinaus will. Ein Verbot von "Ekeltiere" wäre wahrscheinlich schwierig durchzubringen, obwohl es sehr transparent wäre. Dagegen kann man mit schwammigen Begriffen Kritik ausweichen und jeder kann es dann so interpretieren, dass es ihn nicht betrifft und sich sagen kann, das ist doch nicht schlimm, bis dann letztlich Nägel mit Köpfen geschaffen werden und die ersten Tiere verboten werden, so wie in den Niederlanden geschehen.

@Zitroneneistee
Nunja, ein Verbot ist eine Form von Regulierung, wenn ich es Regulierung nenne, dann ist es einfach weniger genau ausgedrückt, gerade wenn das Verbot über Positiv- und Negativlisten mit erlaubten und verbotenen Tieren geregelt wird, dann ist es nämlich kein reines Verbot, sondern etwas, das im Prinzip gewisse Freiheiten lässt, aber für viele Tierhalter sich halt sehr ähnlich wie ein Verbot anfühlt und die Wahrscheinlichkeit, dass Positivlisten auch in Deutschland kommen, ist zum jetztigen Zeitpunkt nicht schlecht, zumal solche Forderungen von Seiten Tierrechtsorganisationen schon länger bestehen und es im Vorfeld durchaus auch Äusserungen aus dem politischen Feld gab, die diesen Schritt als naheliegend vermuten lassen. Sicher muss das jetzt nicht zwingend kommen, aber ich denke, es ist besser man bringt das Thema auf den Tisch, so quasi das Worst-Case-Szenario und beschäftigt sich damit, um etwas zu tun, bevor entsprechende Regelungen verabschiedet werden. Sind die Gesetze erst da, dann wird es nämlich schwierig, wenn man dann plötzlich Änderungen will.

Und was die Wildfänge angeht, die verboten werden, glaub mir, das ist nicht meine grösste Sorge ;). Ivy-marie hat da auch schon ein paar gute Gedanken dazu geäussert, was es zu bedenken gilt. Ferner wäre vielleicht noch anzumerken, dass man das Thema im Zusammenhang mit wissenschaftlicher Arbeit, insbesondere Artenschutzprogramme und ex-situ Zucht noch berücksichtigen müsste, da gerade auch dort Bedarf bestehen dürfte für unkomplizierte gesetzliche Regelungen. Ich halte aber auch den Einfluss von einem Wildfangverbot für nicht so gross, sowohl was positive wie negative Auswirkungen angeht, dazu gibt es einfach zu viele andere Faktoren, deren Einfluss ich bedeutend wichtiger erachte, z.B. die starke Habitatszerstörung, die bei den meisten Arten das Problem Nummer eins ist. Ursache ist meist menschliche Gier (Raubbau an Wäldern, Vergiftung von Wasser und Boden, Raubbau bei Rohstoffgewinnung), teils auch Elend und schlechte Politik.

Aber es gibt ja auch viele Exoten die gut und artgerecht gehalten werden.
Richtig, das wird gerne auch ausser Acht gelassen. Gerade von extremen Tierrechtlern wird oft argumentiert, man könne diese Arten ohnehin nicht artgerecht in Menschenobhut halten. Dadurch wird leider ein sachlicher Dialog in der Öffentlichkeit auch erschwert.

Zumal ich nicht glaube, dass es von heut auf morgen "plopp" macht und alle Hamster sind verboten ;-)
Die politischen Mühlen mahlen langsam, sprich es wird schon seine Zeit dauern (und wir sind da schon mitten drin), aber wenn die Gesetze da sind, dann wird es schwierig daran was zu rütteln. Für so manchen Halter kann es trotzdem den Eindruck erwecken, dass es von heut auf morgen "plopp" macht, gerade wenn wir das Thema nicht von uns aus aktiv beobachten. Denn es wird niemand auf die Idee kommen, in die Foren zu gehen und uns mitzuteilen, wir arbeiten an einem neuen Gesetz, das eure Tiere vielleicht verbieten will. Ich schreibe vielleicht, weil Gesetze immer eine Mehrheit finden müssen und es sein kann, dass jemand sich daran stört und man die Gesetze dann abschwächt oder verschärft haben will. Bei Themen, die nicht so von grossem politischem Interesse sind, wie zum Beispiel die Tierhaltung, da kann es aber auch gut möglich sein, dass es keine grösseren Einwände gibt oder diese nur von einer Minderheit kommt. Zudem ist es ein beliebter Trick, dass man eben ein relativ ungenaues Gesetz ausarbeitet, das wird dann zugestimmt und die eigentliche Arbeit macht dann wie in den Niederlanden eine externe Organisation und bis dahin weiss niemand, welche Tiere genau erlaubt und welche verboten werden sollen. Das kommt dann auf die Arbeitsweise der Organisation an, auf welche Experten sie hört und wie sie sich ihre Kriterien erarbeitet, nach der die Verbots- und Positivlisten entstehen sollen.

naja, grundlegend nicht schlecht.. Aber die Listen muss man nicht logisch finden, oder? Die in den Niederlanden mein ich..
Wenn ich mir ansehe, wie sie entstanden sind, kann ich es gut nachvollziehen, dass es so rauskam, sprich es ist mir so betrachtet durchaus logisch. Als Tierhalter aber, der damit konfrontiert würde, da gebe ich dir recht, da fehlt für mich jegliche Form von Logik und ich sage auch mal hier an dieser Stelle, die Methodik der Universität Wageningen macht mir da einen ziemlich unausgegorenen Eindruck. Ich will damit aber auch nicht sagen, dass ihre Aufgabe eine einfache war, letztlich haben sie auch nur die Arbeit gemacht, die von ihnen verlangt wurde.

Und was das Thema Auflagen angeht, ich glaube da hätten die wenigsten etwas dagegen, gerade wenn sie sinnvoll sind. Dass sie durchführbar sein sollen, wäre natürlich von grosser Bedeutung, denn unsinnige Regelungen helfen uns letztlich nichts, verschärfen im dümmsten Fall jedoch die Situation weiter. Ein Thema, das beispielsweise weite Verbreitung findet, ist die Forderung eines Sachkundenachweises gerade bei anspruchsvolleren Tierarten. Eine Haltungsbewilligung, die an erfüllbare und vernünftige Kriterien verknüpft ist, für schwierige Tierarten wäre zudem sicher auch nicht verkehrt.

LG Phyll
 
Firewire

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Verstehe ich nicht. Die Züchter, die das schon eine Weile machen, haben garantiert keine wilden Tiere, immerhin sind sie ja von nirgends zu ihnen gebracht worden, sondern von ihren eigenen Tieren geworfen. Klar, ist es schlimm, wenn sie massenweise für Zooläden etc. vermehrt oder aus der Wildnis gerissen werden, aber das ist doch auch mit anderen Tierarten so. Es würde mehr bringen, wenn man strenger mit der Tierhaltung wäre, gerade auch in den Läden und "Vermehrung" verbieten würde - und zwar für alle Tierarten! Natürlich sollte die Wilderei auch gestoppt werden. Aber schon vorhandene Zuchten zu verbieten, gerade wenn die Tiere wirklich gut gehalten werden?
Die Degus, um die ich mich vor einigen Jahren über lange Zeit gekümmert habe, waren alles andere als wild. Die kamen zu mir auf's Bett gesprungen und nur weil ihre Vorfahren vielleicht wild waren, hat das doch heute nichts mehr zu sagen, denn wie schon angesprochen wurde, waren die Vorfahren unserer Hamster und Meerschweinchen, aller Tiere auch mal wild. Egal ob exotisch oder nicht, jedes Tier sollte gleich gut behandelt werden.
 
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phyllotis

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Verstehe ich nicht. Die Züchter, die das schon eine Weile machen, haben garantiert keine wilden Tiere, immerhin sind sie ja von nirgends zu ihnen gebracht worden, sondern von ihren eigenen Tieren geworfen.
Es geht nicht darum, ob Tiere an Menschen gewöhnt sind, sondern ob sie merkliche Anpassungen an die Lebensweise in Menschenobhut vollzogen haben und diese genetisch weitervererben. Ob sich ein Tier jedoch wie ein Wildfang verhält oder wie ein zahmes Tier hat damit jedoch in der Regel nur wenig zu tun, denn das ist überwiegend durch die Sozialisierung geprägt, sprich durch die ersten Wochen der Jungtiere, in welchem Umfeld sie aufwachsen und woran sie gewöhnt werden. Natürlich kann dann durch gezielte Zucht Einfluss auf das Wesen und den Charakter genommen werden, sodass z.B. in der Wildnis recht aggressive und beisslustige Arten in Menschenobhut über mehrere Generationen hinweg nach und nach friedlicher werden und beissfaul.

Meine Degus waren übrigens auch sehr anhänglich und gut an Menschen gewöhnt, die ersten zumindest, spätere Tiere waren weniger gewöhnt, aber wurden mit der Zeit auch zutraulich.

Bei einem Gesetz geht es jedoch um messbare Kriterien, ob ein Tier jetzt zahm sich verhält oder nicht, ist dabei kein gutes Kriterium, weil je nach Tag oder Laune, kann ein Tier mal so oder so sein, es kann plötzlich ganz anders reagieren, gerade in einer neuen Situation oder in Anwesenheit fremder Leute usw.
Und da heute die Wissenschaft der Massstab der Dinge ist, muss man das halt irgendwie messen können, nach festgelegten Kriterien, zumindest dann wenn es darauf ankommen sollte. Die Hürde da ist relativ hoch und schliesst sehr viele Tiere, die wir heute in Menschenobhut erfolgreich pflegen, nicht mit ein, da viele dieser Tiere sich noch fast genau gleich verhalten wie die Wildtiere und bei Möglichkeit all ihr Verhalten auch ausleben (in Menschenobhut bei nicht so viel Platz wird oft viel des Verhaltens eingeschränkt oder teilweise gar verunmöglicht) und auch der Körperbau ist in der Regel sehr ähnlich und unterscheidet sich oft nur geringfügig. Vergleicht man dagegen beispielsweise Meerschweinchen und Wildmeerschweinchen oder Hund und Wolf, gibt es dagegen deutliche Unterschiede. Doch während so etwas wie das Aussehen oft relativ schnell sich noch ändern kann, sind zum Beispiel die Sprache der Tiere und wie sie sie einsetzen Merkmale, die relativ lange brauchen und daher recht gute Merkmale für Domestikation sind. Beim Hund ist beispielsweise interessant, dass er nicht mehr heulen kann, nur noch bellen, was meines Wissens bei Wölfen hauptsächlich die Jungtiere tun. Bei den Meerschweinchen sind es die Pfeifrufe, die sie einsetzen, wenn sie hungrig sind und Essen wollen, eine klare Anpassung an das Leben in Menschenobhut: Tiere die auf sich aufmerksam machen, wenn sie hungrig sind, haben bessere Chancen, dass sie nicht vergessen werden beim Füttern und daher besser ernährt sind und weniger die Gefahr laufen, dass sie verhungern, weil man sie vielleicht über längere Zeit vergisst. Gerade in Südamerika hausen die Meerschweine teilweise an den unmöglichsten Orten, in der Küche frei laufend, unter dem Bett im Schlafzimmer oder teilweise auch in Truhen usw.
 
Nienor

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insbesondere Artenschutzprogramme und ex-situ Zucht noch berücksichtigen müsste, da gerade auch dort Bedarf bestehen dürfte für unkomplizierte gesetzliche Regelungen.
private Haltung von exotischen und Wildtieren regeln wir bundeseinheitlich
Artenschutzprogramme und ex situ Populationen zum Artenerhalt gehören nicht in die Hände von einzelnen Privatpersonen, sondern gehören koordiniert und von einer wissenschaftlichen Institution organisiert.
Es bringt nichts, wenn da ein paar private Halter mal bedrohte Arten nachziehen und sich nicht vernetzen.
Wichtig ist, dass Metapopualtionen entstehen und vor allem genetisch schlau verpaart wird. Und das hat mit privater Haltung in meinen Augen dann auch wenig zu tun. Das ist ein Artenschutzprojekt und damit Teil eines wissenschaftlichen "Versuchs" (obliegt dann gewissen Auflagen, was auch gut ist, damit mit den Arten kein Mumpitz veranstaltet wird). Wissenschaftlich durchgeführt. Und für wissenschaftliche Zwecke bekommt man in Deutschland quasi immer ne Genehmigung. Vielleicht nicht mehr bei zu invasiver Primatenforschung, aber die Ethikkommissionen kann man so ziemlich vergessen.

Verbot des Wilderei, also "Wildfänge"- an sich super, sollte aber mit rücksicht auf den Genpool bestimmter Exotenarten durchgesetzt werden (sonst haben wir in einigen jahren das gejaule das unsere Haustiere so verzüchtet sind weil kein neues Blut reinkommt)
Für wissenschaftliche ex situ Populationen zur Erhaltungszucht dürften bisher nur in begründeten Fällen (eben zur Erhaltung der ex Situ Population) Tiere entnommen werden - so zumind. eine vereinbarung der Instituationen. Und es muss wirklich gut begründet werden.
Dieser Wildfand leidet bei vielen Arten enorm unter dem Fang und der Umstellung. Viele Wildfänge gehen auch einfach ein.
Allein aus Tierschutzgründen muss es wirklich wichtige Gründe geben, dass man so etwas überhaupt durchführt.

Und der Erhalt einer Haustierpopulation ohne Artenschutzhintergrund ist da schon sehr fragwürdig.
Zum Erhalt einer genetisch gesunden Art braucht es oft nur ein paar tausend Tiere. Bei wie vielen Arten wäre also ein Wildfang nötig ? Und wie begründet man speziell die Haltung dieser Art ? Insbesondere, da es keine Erhaltungszucht ist.

Die Erhaltung der Art mit dem Ziel, sie nach Schutz der Lebensräume wieder anzusiedeln und die Ökosysteme zu stabilisieren, wird von vielen als akzeptabler Grund angesehen. Aber die Haltung einfach .. ja .. aus Spass, Freude ?

Bei an den Menschen angepasste Arten macht es auch überhaupt keinen Sinn, da wildes Blut einzukreuzen. Damit macht man die Tiere wieder scheuer. Damit schadet man den "Hybriden" aus Tierschutzsicht.

Für mich macht das Verbot von Wildfängen vollkommen Sinn und ich sehen keinen Grund, warum die wissenschaftliche und gut durchdachte Haltungszucht keine Ausnahmen bekommen sollte, solang noch andere massiv grausame Tierversuche durchgeführt werden dürfen. In der Wissenschaft ist Tierschutz oft nur toter Buchstabe auf dem Papier - für den Artenschutz sicher gar nicht mal so schlecht in der Hinsicht, auch wenn es beschämend ist.

Was für mich keinen Sinn macht, sind die ausgewürfelten Artenlisten.

Tiere die auf sich aufmerksam machen, wenn sie hungrig sind, haben bessere Chancen, dass sie nicht vergessen werden beim Füttern und daher besser ernährt sind und weniger die Gefahr laufen, dass sie verhungern, weil man sie vielleicht über längere Zeit vergisst.
Das schaffen auch die Spatzen auf dem Balkon - nur rufen sie nicht :003:
Auch viele andere Wildtiere lernen sowas durch Trial and Error. Und es wird sogar als Mem weiter gegeben. Ist also "erblich".
Wurde nachgewiesen, dass Meerschweinchen das nicht "lernen" ? Interessiert mich grad sehr, denn das kann man wirklich leicht "antrainieren".
Beim Geheul vom Hund brauchen wir nicht gross drüber reden, der zeigt die typischen, pädomorphen Eigenschaften der Domestikation.

Aber wo wir bei der Lautgebung sind. Das ist sicher ein sehr schwieriger Unterscheidungsgrund für Nager, die von Natur aus eher Töne nutzen, die der Mensch gar nicht hört. Die für uns hörbare Kommunikation von Ratten und Mäusen ist quasi identisch bei wilden und bei domestizierten.
Für Hausmäuse, die massiv beforscht wurden, sieht man zwar je nach stamm den man vergleicht schon Unterschiede im Ultraschallbereich, aber da ist auch jeder Stamm sehr unterschiedlich. Die Variabilität ist enorm. Vermutlich würde kein Test einen signifikanten Unterschied aufzeigen.
Dennoch verhalten sich wilde und domestizierte Ratten und Mäuse in Menschenobhut komplett anders. Und bei Ratten wurden sogar Gene bestimmt, die die Zahmheit verursachen.

Ich würde ja grundsätzlich zu Studien zur tiergerechten Haltung plädieren. Das man herausfindet, was braucht die Art, um tiergerecht gehalten zu werden. Wie viel Platz, welche Einrichtung, welche Beschäftigung.
Und daran setzt man dann kontrollier- und durchsetzbare Mindestregelungen fest.
Die Schweiz hat sowas zwar in der TSchV, aber das ist oftmals auch ein Witz, was da in der Forschung durchgelassen wird. Da stereotypieren die Tiere trotzdem weiter vor sich hin. Tiergerecht ? Fehlanzeige. Auch Hamstern in Heimtierhaltung wird nicht der aus einer Studie bestimmte Mindestquadratmeter gewährt.
Ich würde ja zu gern wissen, welche Lobby (neben der Forschung), da ihre Finger mit im Spiel hatte.

Ich bin grundsätzlich ein Fan von Haltungskontrollen, Bewilligungen und vor allem auch Herkunfts"papieren" zu JEDEM Tier. Ob Hund, Katz oder Delfin.
Ich bin aber auch dafür, dass bestimmte Arten (insbesondere die zur ex situ Erhaltungspopulation gehören), nichts in Privathänden zu suchen haben, weil sie dort der ex situ Population entnommen wurden. Ex Situ Zucht ist keine Privathaltung.
Genauso befürworte ich ein komplettes Haltungsverbot für Arten, die nicht in Menschenhand gehalten werden können (Stichwort Wale und Delfine). Selbst ex situ Erhaltungszucht kann man hier kritisch ansehen. Damit die Tiere ausgewildert werden können, wenn der Lebensraum wieder passt, müssen sie auch verhaltensgerecht gehalten worden sein, damit das Verhalten nicht verkümmert. Es gibt Arten, die geben Traditionen weiter (Werkzeuggebrauch z.B.). Wenn das nicht möglich ist, weil die Haltung nicht verhaltensgerecht ist, dann geht das verloren und die Tiere sind womöglich gar nicht mehr auswilderbar. Dann hat man sinnlos in Menschenhand leidende Tiere. Und das Ökosystem rettet man mit solchen Schatten ihrerselbst durch Wiederansiedlung auch nicht mehr. Aber vielleicht sollte der Mensch mal aufwachen und endlich mal was für den Habitatschutz tun.
 
Barcelos

Barcelos

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Also soweit ich weiß ist dieses Gesetz in NL noch nicht raus, soll aber kommen.
Es wird dann aber wohl keine Liste geben, welche Tiere nicht gehalten werden dürfen sondern eine List welche Tiere gehalten werden dürfen.
 
Der Grasfrosch

Der Grasfrosch

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Ich wäre ja einfach für einen verpflichtenden Sachkundenachweis und fertig. Wer den erst machen muss, der wird es sich vorher zweimal überlegen, ob er Tierart xy anschaffen möchte. Wer dann auf seinen 10 ha Land Kängurushalten möchte, warum nicht.
 
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