Chia Samen für Ratten?

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Nisi90

09.10.2014
3
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Liebe Forenmitglieder,

Ich habe vor kurzem einen Artikel über Chia Samen für ein Magazin geschrieben. Da ich mich selbst auch für Gesundheit und gute Ernährung interessiere, habe ich mich ein bisschen ins Thema Chia eingelesen. Das proteinreiche Powerfood soll lange
satt halten, viele Nährstoffe aufweisen und wurde schon von den Azteken auf ihren Tagesmärschen gegessen. Nun habe ich "Ratten Chia" gegoogelt und bin auf ein paar interessante Artikel und Studien gestoßen: z.B sollen die Samen gerade bei Ratten die für Versuche benutzt wurden dem Cholesterinspiegel gesenkt und andere Risikofaktoren für Herzerkrankungen reduziert haben. Außerdem sollen ratten damit abgenommen haben. Nun meine Frage: darf ich meinem Männerrudel die Samen geben? Normal werden sie in Wasser gegeben wo sie aufquellen und Gel-artig werden. Man kann sie auch roh essen, allerdings weiß ich nicht ob sie dann im Bauch aufquellen und für meine Bobbels gefährlich werden könnten?!

Würde mich über eine Antwort freuen :)
lg, Nisi und die Krümelmonster 🐭
 
09.01.2015
#1
A

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Guest

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Choupette

Choupette

03.08.2014
1.084
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Off-Topic
Halb-OT, da nur meine Erfahrung:

Die Samen quellen im Bauch auf, wenn man sie trocken nimmt.

Ich hab mir die eine zeitlang zum Abenhmen als Gel zubereitet (die waren bei uns in der Firma Anfang bis Mitte 2014 total in) und mit etwas Saft getrunken. Die schmecken nach nichts und haben auch keine Wirkung gezeigt, ich war genauso normal hungrig wie vorher auch. Was Cholesterinspiegel und Co. angeht weiß ich nichts, das kann man selbst ja nicht prüfen. Ich hab sogar noch welche hier, fällt mir grad ein... Aber wie gesagt, eine Wirkung zum Abnehmen oder Völlegefühl haben sie bei mir nicht gezeigt.
 
Lydina

Lydina

11.12.2011
360
0
Hallo,

ich kann mir gut vorstellen, dass die Samen, wenn sie roh gegeben werden, durchaus im Bauch aufquellen und der anderen Nahrung und dem Körper somit unnötig Wasser entziehen, was durchaus im schlimmsten Falle zu gefährlichen Dehydrationen oder Verstopfungen führen kann.

Ich wüsste auch nicht, wieso Ratten irgendwas fressen müssen, dass sie künstlich satt macht, damit sie abnehmen.
Dadurch fressen die Tiere andere, wichtige Nährstoffe vermindert oder garnicht und geraten in einen Mangelzustand - ebenso im schlimmsten Gefalle Lebensgefährlich auf längere Sicht.

Wenn deine Tiere zu dick sind, sorge dafür, dass sie in ihren täglichen 2-3h Auslauf richtig ausgelastet werden, dass sie sich im Käfig viel bewegen müssen (ich bin zum Beispiel grad dabei, sämtliche Leitern durch Äste zu ersetzen, die sie hinauf klettern müssen und nicht nur hinauf laufen können ohne sich groß bewegen zu müssen, mein Frischfutter hängt an Spiesen, da müssen sie sich strecken und recken, zerren und festhalten und so weiter) und das Futter artgerecht und gesund ist, zur Not die Leckerlies komplett streichen (bei mir gibt es nur Haferecken als Leckerlies, vielleicht 1-2 Stück am Tag, andere Füttern die SSSR Pellets als Leckerlies) oder kurzfristig Pellets geben, damit die dicken Ratten sich nicht immer die leckeren Dickmacherbomben aus dem Futter fischen können.
Und das allerwichtigste: Zum Tierarzt gehen, die Tiere wiegen lassen und im Endeffekt mit ihm zusammen(!) beurteilen, ob das Tier zu dick ist, die Ernährung analysieren und eventuelle Auslöser von Übergewichtigkeit herausfinden. Durchaus können da auch andere Krankheiten dahinter stecken.

Herzerkrankungen und Cholesterin sind für Ratten eigentlich relativ irrelevant, bei gesunder Ernährung, richtiger körperlicher und auch geistiger(!!!) Auslastung ist das Risiko für solche Krankheiten ziemlich gering. Ich hatte in 10 Jahren noch keine Ratte mit Herz- oder Cholesterinproblemen und hatte nicht gerade wenige Ratten. :shock: Von Herzproblemen liest man generell sehr selten, von Cholesterinproblemen habe ich noch nie etwas gehört oder gelesen, wenn es um Ratten ging.


Also warum möchtest du das nun genau verfüttern, was genau erhoffst du dir davon, wie hast du dir das gedacht?

Liebe Grüße :)
 
Nienor

Nienor

04.11.2008
17.433
6
Hey,

Herzerkrankungen sind bei Ratten nicht so selten, wie es einem vorkommt. Jedoch werden sie selten wirklich diagnostiziert. So manche Lungenentzündung, die sich mit AB nicht behandeln liess, könnte eine Herzinsuffiziens mit Lungenödem gewesen sein. Häufig leiden chronische Schnupfer später an einem Herzproblem, dass durch die Vorgeschichte auch häufig noch verkannt wird :(

Aber dem Grundtenor schliess ich mich an: die beste Diät ist Bewegung und artgerechte, notfalls durch Weglassen von dickmachenden Leckerli kalorienreduzierte Ernährung. Notfalls eben auch das Frischfutter mit Gurke strecken, die lieben viele Ratten eh und besteht zu einem Grossteil aus Wasser.
Bekannt aufquellende Dinge würde ich Ratten mit ihrem Stoffwechsel nicht geben. Sie brauchen schon die regelmässig Energiezufuhr, da ist mir persönlich ein anhaltendes Sättigungsgefühl nicht geheuer.
 
N

Nisi90

09.10.2014
3
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Hallo,
und danke für eure Antworten!

Also gleich mal vorweg, meine Frage habe ich aus reinem Interesse gestellt. Meine Ratten sind überhaupt nicht dick, sie bekommen seeeehr viel Auslauf, sind beim Clickertraining wahre Meister (nun ja, einer liegt dabei lieber faul in der Ecke) und werden auch im Käfig mit Suchspielen etc. ausgelastet. Ich füttere abwechselnd SSSR und Rattenschmaus und natürlich viel Gemüse.
Ich dachte nur, was wenn es stimmt was man über Chia Samen sagt? Wäre das nicht revolutionär? Ich hatte selbst schon viele Ratten und zwei von ihnen starben wegen Herzproblemen. Diagnose hat meine Tierärztin, gleichzeitig Patentante, gestellt. Also was, wenn sich dies verhindern ließe?!

Bevor jetzt also aufgewühlte Zungen laut werden, ich werde meine Ratten nicht mit den Samen füttern, finde das Thema nur spannend aufgrund genannter Artikel. Aus den Artikeln geht aber leider nicht hervor, wie die Samen verfüttert wurden. Weil bereits aufgequollen können die Samen doch nicht weiterquellen?! Wenn es jemand noch besser weiß dann bitte schreiben, an jene die bereits geantwortet haben: vielen Dank! :)
 
M

Murx Pickwick

15.12.2006
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Ich verstehe euch nicht ... ihr verfüttert so etwas Ungesundes wie SSSR und Rattenschmaus und macht euch Gedanken darüber, ob Chiasamen im Magen quellen können und deshalb ungesund sein könnten?

Chia ist sehr nährstoffreich; vor allem, was Mineralstoffe, Eiweiß und ungesättigte Fettsäuren angeht, ist Chia ungeschlagen! Chia ist ballaststoffreich und enthält etliche Wirkstoffe, welche den Darm pflegen und dafür sorgen, daß sich dort nicht die falschen Mikroorganismen ausbreiten können. Und - Chia wird im Gegensatz zu manch anderer Ölsaat nicht zu viel gefuttert, da die Samen sehr klein sind und schwer aus dem Futternapf rauszupuhlen und mühsam zu kauen sind. Ratten fressen sehr energieoptimiert, heißt also, sie futtern nur wenig Chia.

Ratten sind körnerbetonte Allesfresser, das heißt, daß sie an die Aufnahme größerer Menge Samen angepaßt sind. Nun sind Samen nunmal natürliche trockene Nährstoffkonzentrate, das heißt, daß alle Samen quellen ... Grassamen quellen dabei deutlich mehr aufgrund ihrer Stärke, wie Ölsaaten. Weizen (Hauptzutat im SSSR) quillt um ein Vielfaches mehr auf wie Chia ... dazu kommt, daß Chia sehr schnell aufquillt, Weizen dazu jedoch recht lange braucht.
Daß Chia beim Menschen im Magen quellen kann, liegt einzig daran, daß viele Menschen gar nicht mehr richtig kauen - erst recht nicht so winzige Samen. Ich selbst ernähre mich viel aus der Natur und esse viel roh - Grundvorraussetzung ist, tüchtig zu kauen, sonst kann man die Pflanzen als Mensch gar nicht richtig roh verdauen. Und dementsprechend kaue ich Chia auch immer gut durch - dadurch quillt Chia im Mund und nicht erst im Magen.
Ratten machen das ganz genauso - nur daß ihnen das Kauen von Samen angeboren ist, im Gegensatz zu mir ... ich mußte das erst lernen, Ratten wissen das auch so, einfach weil Samen nunmal zur normalen Nahrung von Ratten gehören.

SSSR und Rattenschmaus enthalten viel Weizen ... Weizen quillt deutlich stärker wie Chia und nicht nur das, SSSR ist pelletiertes Futter, Rattenschmaus enthält gefärbte Extrudate. Pellets und Extrudate sind nix weiter wie Futtermehle mit feinster Körnung, die durch Düsen unter hohem Druck und hohen Temperaturen durchgepreßt werden und dadurch schlagartig trocknen und hart werden. Das quillt nochmal so stark, wie Weizen.
Es geht noch weiter ... Extrudate und Pellets regen nicht zum Kauen an, da sie relativ schnell im Maul zerfallen ... sie werden also gar nicht richtig eingespeichelt und viel zu trocken runtergeschluckt. Im Magen quillt das Zeug auf - und kann zu Völlegefühl, Magendrücken etc führen.
Aber selbst wenn dieses Fertigfutter richtig gekaut werden würde, würde es der Ratte nicht viel nutzen - denn Weizen braucht seine Zeit zum Aufquellen. Erst nach einer halben Stunde bis Stunde ist Weizen voll aufgequollen - so lange kaut die kauwütigste Ratte nicht auf ihrem Futter rum!
Sowohl SSSR, als auch Rattenschmaus quellen also IMMER im Magen auf!
Wenn ihr SSSR und Rattenschmaus aufgrund der Quellgefahr nicht verfüttern würdet, würde ich das gut verstehen - das ist, was die Quellvorgänge angeht, wirklich echtes Teufelszeug.

Im Rattenfertigfutter fehlen zudem ungesättigte Fettsäuren, die Nährstoffzusammensetzung entspricht nicht mal im Ansatz dem, was Ratten in freier Natur finden (beispielsweise ist der Zusatz an Vitamin A in Form von Retinolpalmitat höher wie in einem durchschnittlichen Katzenfutter, trotzdem Ratten Allesfresser und keine Fleischfresser sind, dabei ist bekannt, daß eine Überdosis Vitamin A zu Organschäden führt). Das enthaltene Soja und die unnatürliche Zubereitung extrudierten Futters fördern Tumore, insbesondere Gesäugetumore, Bumblefeet und ähnliche Krankheiten. Wenn Ratten über fünf Jahre alt werden würden, würden auch Organschäden, wie Leberschäden, Nierenschäden etc häufig sein - aber dazu leben Ratten nunmal zu kurz, bevor sich da was auswirken kann.

Meine persönlichen Erfahrungen mit Fertigfutter war immer, meine Ratten hatten es nicht gefressen, sie waren von mir Bio, Wildsammlung und Rohkost gewöhnt und hier so ziemlich alles, was mir an Kräutern, Gemüse, Obst, Sämereien, Insekten etc vor die Finger geriet. Tumore kannte ich bei meinen Ratten so gut wie gar nicht.
Chia wurde im Gegensatz zu Fertigfutter gefressen - nicht viel, weil es ist nunmal sehr nährstoffreich und es ist nunmal eine sehr kleine Saat, wo die Ratz schwer puhlen und kauen muß, aber genug um einen sichtbaren Effekt zu bekommen. Chia machte bei meinen Ratten genau wie Leinsaat ein glänzendes, gesundes und sehr dichtes, weiches Fell. Anders wie Leinsaat gabs jedoch keine Ratte, die zuviel Chia gefressen hatte und deshalb zu dick wurde.
Hatten die Ratten zuviel Leinsaat bekommen, hatte ich durchaus manchmal das Gefühl, daß da sich einige nen Wanst anfraßen - zwar nicht schlimm, sie fühlten sich immer noch fest an, waren also nicht schwabbelig fett geworden, aber sie erschienen mir doch dicker wie sonst.
 
Lydina

Lydina

11.12.2011
360
0
Hallo,

zum Thema Samen quellen im Mund...
Ich ernähre mich größtenteils rohvegan, ich kaue mein Essen bis es matsch ist, aber weder meine Chiasamen noch meine Weizenkörner noch sonst was "quellen" im Mund auf, dafür müsste ich jeden "Löffel" voll Samen oder Körner bestimmt 10-15 Minuten durchkauen, was bei Weitem viel zu viel ist und die Kaumuskulatur und die Zähne sehr stark beansprucht.
Den Effekt des "Aufquellens" merke ich erst im Magen, wenn ich, nachdem ich satt bin und fertig bin mit essen, mich kontinuierlich immer "voller" fühle, bis das Zeug endlich mal in den Darm gewandert ist, und ich spreche hier nicht von der Entstehung von Gasen durch Verdauungsprozesse, das Zeug quillt einfach auf.
Seither esse ich das Zeug übrigens recht selten.

Zudem würde ich von meiner Ernährung niemals auf die Ernährung eines anderen Säugetieres schließen, das mit meiner Anatomie und Physiologie in den Funktionsweisen so viel gemein hat wie ein Fahrrad und ein Boot.
Generell kann man die Verdauung der Ratten nicht mit der des Menschen vergleichen.

Ratten schlagen sich alle 1-3 Stunden den Magen voll und setzen in der Regel in dieser Zeitspanne auch genau so häufig Kot ab, Menschen essen im Regelfall 3 mal am Tag eine größere oder große Mahlzeit, dazwischen vielleicht ein paar kleine Snacks.
Somit verdauen und verwerten Ratten ihre Nahrung viel schneller, dementsprechend sind auch Chiasamen nach kurzer Zeit vom Magen in den Darm gewandert und quellen dort im dümmsten Falle auch noch nach und ziehen das Wasser aus der anderen Nahrung oder von Körpersekreten die produziert werden, um die Nahrung feucht zu halten und zu zersetzen.

Übrigens habe ich noch nie beobachten können, dass meine Ratten sonderlich lange irgendwelche Körner oder Samen kauen.
Da kauen sie auf den Pellets wesentlich länger rum, die werden schon in feinsten Krümelchen abgenagt, bevor sie überhaupt erst zerkaut werden.
Kleine Weizenkörner etc. werden direkt in den Mund gestopft und sofort mit den Backenzähnen bearbeitet, bevor sie erst mit den Nagezähnen vorzerkleinert werden.
Und es dauert nur wenige Sekunden bis die Ratte das Zeug dann schluckt.

Wo bitte soll da ein Korn dann im Mund aufquellen? Da quellen Extrudate wesentlich schneller und sofort auf. Den Effekt sieht man auch, wenn man Körner und Pellets in eine Schale Wasser wirft. Nach wenigen Minuten sind die Extrudate vollgesogen mit Wasser, manche zerfallen, während Körner und Sämereien nach wie vor steinhart sind, gerade wenn die Temperatur vom Wasser um die 20 Grad hat. Hat die Temperatur vom Wasser aber 40 Grad, geht der Prozess natürlich wesentlich schneller.

Allgemein ging es hier nicht nur um das Aufquellen getrockneter Chiasamen, sondern allgemein um das Füttern von Chiasamen zur Gewichtsreduktion und zu gesundheitsrelevanten Fragen bezüglich Herz und Cholesterin.
Um noch mal kurz auf den Menschen zurück zu kommen: ich habe im näheren Umfeld zwei Personen, die damit versuchten, ihr Gewicht zu reduzieren.
Das Ergebnis war, dass garnichts passiert ist. Warum, wundert mich allerdings nicht sonderlich. Um das mal näher zu erläutern:


Chiasamen können durchaus gegeben werden, wenn das Futter selbst gemischt ist und man sich eine Nährstoffanalyse von eben jenem Futter anfertigen lässt.
Chiasamen haben außer Vitamin K (ca. 700µg pro 100g Chia), B6 (1.4mg pro 100g Chia) und Niacin (6.1mg pro 100g) keine gesteigert hohen Mengen an Vitaminen, um nicht zu sagen recht wenig. Es ist recht mineralstoff- und Proteinreich, ja.
Dafür hat es dann aber auch 30g Fett auf 100g, das wäre mir bei Weitem zu viel, um es in gesteigerter Menge dem Futter beizumischen. Somit kommen alleine schon knapp 280 Kalorien von den gesamten 480 Kalorien bei 100g Chiasamen nur von reinem Fett.
Da haben 100g Pizza Margherita knapp ein drittel (10g) an Fett.
Pflanzenfett hin oder her, Fett macht fett, in zu hoher Dosis über zu lange Zeit erst recht. Das, was für Stoffwechselvorgänge nicht gebraucht wird, wandert schnurstracks in Fettdepots, während Kohlenhydrate, umgewandelt zu Zucker, gebraucht werden für Hirn, Muskeln und Heizung. Der Rest wandert in Glucosespeicher oder wird als überschüssige Wärme abgegeben - Kohlenhydrate kann der Körper nunmal kaum bis garnicht in Fett umwandeln, um es danach in die Depots einzulagern.


Sind Chiasamen nun sinnvoll gegen irgendwelche Erkrankungen? Nein. Bei ausgewogener und gesunder Ernährung bekommt die Ratte alles, was sie braucht, in der Menge, die sie braucht. Sie bekommt weder über- noch unterdosierte Inhaltsstoffe. Wer Chiasamen in die Nahrung mischen will, muss den kompletten Rest des Futter dementsprechend anpassen.

Das, was wir unseren Ratten geben, hat größtenteils garnichts mit "Natur" und natürlicher Auslese zu tun. Oftmals sind es Daten und Infos von Labortieren, bei denen man durch Untersuchungen herausgefunden hat, wie viel eine Ratte ungefähr von den verschiedenen Nährstoffen braucht, um keine Überdosierungs- oder Unterdosierungserscheinungen zu zeigen. Daraufhin werden Futtermischungen erstellt.

Klar kann ich nun meiner Ratte auch 10 frische Ähren von reifem Getreide in den Käfig legen, ihr 20 Insekten im Feld selbst fangen und auch die zwei Kilo an Gemüse, was mir so zwischen die Hände rutscht, in den Käfig legen.
Die Ratte frisst es dann, weil sie keine Wahl hat, an etwas anderes ran zu kommen, genau so wie bei vorgemischtem Futter. In freier Wildbahn würde sie eventuell aber 20 Ähren vernichten, nur ein Insekt essen und vielleicht nur ein Kilo Gemüse.
Wer versichert mir dann, dass ich meine Ratte nicht über- oder unterversorge, dass sie alle Vitamine und Mineralstoffe hat, die den gesamten Organismus im Einklang und bei Gesundheit halten? Dazu braucht es eben Nährstoffanalysen, die mit Daten verglichen werden müssen, die durch eben jene Forscher herausgefunden wurden.

Da greife ich lieber auf ein bereits gemischtes Futter zurück und ergänze es zusätzlich mit Ähren, Gemüse, Obst, Nüssen, Insekten, und so weiter, die ich zusätzlich in den Käfig lege. Dann kann sich die Ratte aussuchen, was sie wovon und wie viel sie frisst.
Dann hat die Ratte die Wahl, ob sie lieber Ähren frisst, oder eben Pellets, oder das Mischfutter. Sie kann sich aussuchen, ob sie die Gurke frisst, oder doch lieber die Tomate und sie kann sich aussuchen, ob sie jetzt eine Nuss will, oder doch lieber ein Insekt.

Krankheiten, vorallem genbasiert, lassen sich nicht mit Ernährung verhindern. Die Tumore wachsen trotzdem, das Herz wird auch versagen. Man kann lediglich bei gewissen Dingen mit der Ernährung unterstützen. Vorbeugen kann man bei nicht genbasierten Erkrankungen nur, indem man eben ausgewogen ernährt, nicht aber von Zutat X Unmengen füttert, weil EIN Inhaltsstoff EVENTUELL ja die Herzgesundheit fördert (in wie weit überhaupt? Was wird verbessert? Wie wird es verbessert? Wird es durch die ausgewogene und gesunde Ernährung verschlechtert oder wird das Tier von ausgewogener und gesünder Ernährung eventuell krank, weil es Zutat X eben nicht in der Menge bekommt? Wie sieht es im Vergleich aus? Was ändert sich bei Fütterung X gegenüber Y im Dauerversuch über mehrere Jahre hinweg?).

Wer nun aber Versuche startet, mit Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten selbst zu experimentieren um dann zu sehen, ob die nächsten Ratten von Wurf A, F und M dann keine Tumore oder Herzerkrankungen haben und bekommen, so wie die Ratten von Wurf B und X darunter gelitten haben, der hat entweder einen an der Waffel, oder ist hoffentlich doch Forscher und testet dafür an seit Jahren genetisch nahezu identischen Tieren, um aussagekräftige Ergebnisse zu bekommen.
Wie schon gesagt wurde leben Ratten viel zu kurz, als dass man gesteigerte Untersuchungen anstreben könnte, die den Einfluss von Ernährung auf Organe darlegen.

Immer wieder liest man von "im Versuch mit Ratten zeigte sich eine Senkung des Cholesterinspiegels nach ausschließlicher Fütterung von Chiasamen" (frei geschriebenes Zitat). Das ist ja auch logisch, Chiasamen haben eben garkein Cholesterin, so wie es fast alle anderen Pflanzen auch nicht haben. Cholesterin produziert der Organismus selbst oder nimmt es über den Verzehr durch cholesterinselbstproduzierende Lebewesen auf, in den meisten Fällen eben andere Säugetiere. Wird diese Cholesterinquelle weggelassen und ist der komplette Rest der Nahrung auch cholesterinfrei, pendelt sich der Cholesterinspiegel auf dem Level ein, der vom Körper selbst herbeigeführt wird. Besonders effektvoll ist dies, wenn die Ratte vorher nur mit Mist gefüttert wurde und die Nahrungszusammenstellung komplett andres aufgebaut war.

Chiasamen sind nicht schlecht, aber für die Ernährung und Gesunderhaltung von Ratten schlicht nicht notwendig oder gar "förderlich" in dem Sinne. Man kann sie geben, muss das aber nicht.
Gewicht damit reduzieren ist meiner Meinung nach bedingt durch die hohe Fettmenge kaum bis garnicht möglich, außer sie werden in Wasser quellen gelassen, wodurch das Tier statt seiner 30g Trockenfutter am Tag eben 10g Chiasamen mit 20g Wasser vermischt/aufgequollen zu sich nimmt. Ergebnis wäre, dass das Tier langsam bei vollem Magen immer weiter Gewicht verliert durch Hungern, um es mal so krass zu sagen.
Und ja, sie bestehen zu knapp einem drittel (ca. 34g pro 100g Chia) aus unverdaulichen Ballaststoffen. Wenn ein Drittel der Nahrung absolut unverdaulich ist und das zweite Drittel aus reinem Fett besteht, ist das dann wirklich so toll?


Wie jemand seine Tiere füttert und welcher Meinung er ist, ist jedem selbst überlassen und muss jeder für sich selbst herausfinden. Man sollte die Ernährung aber ganzheitlich betrachten, Informationen sammeln und mit allen positiven und negativen Aspekten darüber nachdenken und nicht etwas in den Himmel loben, weil es von Inhaltsstoff X mehr hat als eine andere Pflanze, die dafür aber im Gegenzug mit drei anderen Inhaltsstoffen ernährungstechnisch besser zusammengesetzt ist.
Und nur weil Ratte A tolles Fell, tolle Krallen, super Haut, keine Tumore und ein perfektes Herz hat, ist das bei Ratte B noch lange nicht so. Da müssen die Tiere nicht mal ewig weit Generationstechnisch entfernt sein, selbst Geschwistertiere können solche Unterschiede in der Gesundheit aufweisen.


Liebe Grüße.
 
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