EIgenschaft: Eigenwillig? Was heißt das genau?

Diskutiere EIgenschaft: Eigenwillig? Was heißt das genau? im Hunde Verhalten und Erziehung Forum im Bereich Hunde Forum; Hallo, Die Frage steht praktisch schon oben. Was bedeutet das genau, wenn ein Hund eigenwillig ist? Vom offensichtlichem abgesehen. Ich meine...
Oswin

Oswin

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Hallo,

Die Frage steht praktisch schon oben.
Was bedeutet das genau, wenn ein Hund eigenwillig ist? Vom offensichtlichem abgesehen.
Ich meine: Ist die Erziehung schwerer? Entstehen irgendwelche "Nachteile" im Gegensatz zu einem anghänglichen Hund oder kann ein eigenwilliger Hund ebenfalls
anhänglich etc. sein?
Speziell auf die Rasse Chow Chow bezogen habe ich mich versucht darüber schlau zu machen, aber bei meinen Recherschen stoße ich ständig auf Wiedersprüche(wahrscheinlich nur in meinen Augen) oder ich verstehe da was falsch.
Was also versteht man genau unter "Diese Hunderasse ist eigenwillig!"

Es gab ja auch den berühmte Akita "Hatchiko" und so weit ich das verstanden habe zählen Akitas ja auch zu den Eigenwilligen, der war aber sehr treu! (ich weis, dass ich hier ständig treu und eigenwillig vergleiche und genau das ist, aus unersichtlichen Gründen, gerade mein Problem...)

Sagen wir einfach ich bin gerade sehr verwirrt was das Thema angeht und würde mich über Rat freuen :)

Liebe Grüße,
Oswin :)
 
19.05.2015
#1
A

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Ich kann dir empfehlen, mal einen Blick in den Ratgeber von Heike zu werfen.
Midoriyuki

Midoriyuki

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Hey,

"Eigenwilligkeit" heißt nicht mehr und nicht weniger als dass diese Hunde schlicht autonom entscheiden wie sie Situationen bewerten.

Das heißt nicht, dass sie nicht erziehbar wären, aber man kann kein Border-Verhalten erwarten und muss dem was man vom Hund verlangt einen Sinn geben.
256 x Sitz hintereinander werden diese Hunde dir nicht liefern, der Border, Schäferhund o.ä. würde es tun ;)

Anhänglichkeit schließt sich dabei auch nicht aus. Dabei ist aber eben auch eingeschlossen, dass gerade diese Hunde selbst entscheiden wer ihre Bezugsperson ist.

Es passiert leider Gottes relativ häufig, dass gerade Akita angeschafft werden mit der Erwartung, dass man einen absolut auf einen selbst bezogenen Hund bekommt- da passiert es aber gern mal, dass der Hund sich ein anderes Familienmitglied aussucht.
Da guckt man dann im Zweifelsfalle etwas in die Röhre und muss enorm viel Bindungsarbeit betreiben- wie man generell sollte.

Der "Nachteil" ist, dass diese Hunde nicht "nachfragen", sondern, wenn sie es nicht anders lernen, selbstständig entscheiden wie sie handeln wollen/werden.

Wer also einen Hund möchte, der sich auch unabhängig vom Menschen sehr souverän gibt und damit umgehen kann, dass er dem Hund nicht das Händchen halten muss- der wird damit durchaus glücklich.

Wer einen Hund will, der sich ganz stark in jeder Situation an ihm orientiert und einen quasi allzeit sozialverträglichen (also grundsätzlich erstmal die Tendenz- gerade Akita-Rüden sind froh, wenn sie sich nicht ständig mit anderen Rüden arrangieren müssen)Hund will, der wäre mit so einem Hund mehr als schlecht beraten.
 
Oswin

Oswin

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Danke dir für deine Antwort :)
Heißt das auch Eigenwillige Hunde sollte man allgemein lieber einzelnd halten? Also nicht als Zweit oder Dritthund?
Und was meinst du mit, "wenn sie es nicht anders lernen" genau?
Kennst du dich mit Chow Chows auch aus? Könnte man die mit Akitas vergleichen?


LG,
Oswin
 
Midoriyuki

Midoriyuki

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Nö, die laufen durchaus als "Mehrhund", aber fremde Artgenossen brauchen sie kaum bis gar nicht.
Sie haben einfach eine recht große Individualdistanz.

Akita wurden zur Jagd eingesetzt, sollten nebenbei aber auch noch Haus und Hof bewachen.
Chow Chow wurden ziemlich lange als "Schmucktiere" gehalten und haben ein ziemliches Luxusleben (vergleichsweise) geführt.

Da sind die Jagd/Schutztendenzen nicht so ausgeprägt und ich kenne auch durchaus welche, die mit einigen, wenigen und ausgewählten Hunden spielen.

Lies´dir einfach mal die Erfahrungsberichte in Foren zu den beiden Rassen durch;)
Da bekommt man durchaus schon einen guten Einblick.

Im Moment ist hier soweit ich weiß auch ein Akita-Halter unterwegs- mir fällt nur dummerweise der Name nicht ein^^"
 
Oswin

Oswin

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Nochmals Danke, Akitas sprechen mich eh nicht wirklich an (außer der liebe Hatchiko natürlich)
Bei den Chow Chow habe ich nochmals nach gelesen, dass es wohl Ein-Mann-Hunde sind, besteht bei denen auch das Risiko, dass sie sich beispielsweise jemand anderes aus der Familie "aussuchen", anstatt der der Bezugsperson?

Das mit den Erfahrungsberichten werde ich gleich mal tun und mich auf die Suche begeben, zu Not nochmals auf Chows bezogen Fragen

LG,
Oswin :)
 
Midoriyuki

Midoriyuki

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Die "Gefahr" besteht grundsätzlich bei jedem Hund;)

Aber ja, das kann durchaus vorkommen:)
Im Normalfall binden sich Hunde an denjenigen, der ihnen die größte Sicherheit, Kontinuität und Souveränität vermittelt.

"Eigenwillige" Hunde allen hier nur so stark auf, weil sie sich dann eben sehr fokussiert an ihre Menschen binden und den Rest mehr oder minder auflaufen lassen und auf Distanz bleiben:)

Wenn man aber normal mit seinem Hund arbeitet, setzt man sowieso Grenzen, steckt Handlungsbereiche ab usw. und bietet seinem Hund damit ja eine Orientierung:)
 
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exe

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Ich habe ein kleines Problem damit, wie du diese Eigenschaften den unterschiedlichen Hunderassen zuordnest. Kann aber auch sein, dass ich das falsch auffasse.

Ein typischer Chow ist sicher eigenwilliger als ein typischer Border Collie. Aber man kann Hunderassen nicht in zwei Kategorien einteilen, nach dem Motto "ist eigenwillig/ist nicht eigenwillig". Stell dir mal eine Skala mit Punkten vor, wo ALLE Eigenschaften enthalten sind, die ein Hund haben kann. Dann gibt es kein 'Ultimatum', dann hat der Border Collie im Punkt "Eigenwilligkeit" vielleicht 200/1000 Punkten und der Chow 800/1000.
Versteht man was ich sagen will? :mrgreen:

Auch ein Border Collie hat seinen eigenen Kopf und auch ein Chow lässt sich überzeugen, wenn man will. Zumal das ja nur eine Eigenschaft ist, den Hund machen noch viele weitere aus. ;)
 
*Mischling*

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Huhu,

interessantes Thema. Allerdings finde ich, dass ein wenig zu sehr verallgemeinert wird. Manchmal hab ich den Eindruck, dass alles als eigenwillig bezeichnet wird, was hier nicht so stark oder noch nicht so lang verbreitet ist. Das betrifft meinem Empfinden nach vor allem nordische Rassen, asiatische und auch die Herdenschutzhunde (und sicher noch mehr, die mir gerade nicht einfallen). Wenn ein Hund bestimmte Eigenschaften wie Selbstständigkeit zeigt wird er gleich als besonders schwierig gehandelt. Einige Rassehundbesitzer fördern das noch, indem sie ihre Hunde als besonders schwierig oder eben ganz anders als andere Hunde darstellen. Kommt sicherlich auch daher, dass man den eigenen Hund immer als einen ganz besonderen empfindet.

Und dann kommen eben noch solche Klischees hoch, dass Rasse A keine Artgenossen (meist besonders Rüden untereinander) duldet, Rasse B will keine oder unbedingt mehrere Hunde im Haushalt, Rasse C wird sich nie richtig auf den Menschen fixieren usw.. Ich finde das inzwischen reichlich übertrieben und fast schon lästig.

Sicherlich hat jede Rasse Gemeinsamkeiten, sonst wäre es keine Rasse. Und sicherlich ist auch jede irgendwo individuell, so wie es jeder einzelne Hund ist. Trotzdem sind es immer noch Hunde. Wenn man einen findet, mit dem man klar kommt, ist es egal, was in einer Beschreibung steht. Wenn du also eine bestimmte Rasse kennenlernen willst, erlebe sie live. Such dir einen Züchter und frag ihn, ob du einfach mal vorbeikommen kannst. Dann kannst du dir selbst ein Bild machen, ob die Rasse nun "eigenwillig" ist oder nicht bzw. ob es diese eine Zuchtlinie ist.

Und nie zu vergessen: Ein großes Stück machen auch immer Sozialisation und Erziehung aus. Ein Hund kommt nunmal nicht von der Stange ;).
 
Midoriyuki

Midoriyuki

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Ich bin die Letzte, die sagen würde, dass "eigenwillige" Hunde nicht erziehbar sind.
Und ja, Hunde bieten eine große Bandbreite an Verhaltensmerkmalen auch innerhalb einer Rasse, aber man muss auch einfach mal die Kirche im Dorf lassen und beachten was die gewünschten (!) Verhaltenstendenzen sind.

Ich mache mit Sozialisation und Erziehung aus einem Kangal keinen Yorkie.

Was nicht heißt, dass sie nicht erziehbar/motivierbar sind, aber man sollte die Grundtendenzen nicht so lapidar abtun mit "Ach, das erzieh´ich weg!"- es muss eben passen.

Nichts Anderes habe ich auch übrigens genau so gesagt- wer mit genau so einem Hund zurecht kommt (und auch mit einem, der vllt. etwas aus der Art schlägt) wird damit durchaus glücklich, aber eben nicht, wenn man eine WTP-Schleuder "bräuchte".

Es braucht ein gesundes Mittelmaß aus "So SOLL der Hund sein" und "So BRAUCHE ich meinen Hund" und "So IST der Hund".

Um mich mal selbst zu zitieren:

"Eigenwilligkeit" heißt nicht mehr und nicht weniger als dass diese Hunde schlicht autonom entscheiden wie sie Situationen bewerten.

Das heißt nicht, dass sie nicht erziehbar wären, aber man kann kein Border-Verhalten erwarten und muss dem was man vom Hund verlangt einen Sinn geben.
256 x Sitz hintereinander werden diese Hunde dir nicht liefern, der Border, Schäferhund o.ä. würde es tun ;)
Wer regelmäßig mit "eigenwilligen" (die Anführungszeichen stehen da übrigens nicht zur Dekoration) Hunden arbeitet sieht da doch recht schnell den Unterschied zu eben besagtem Border- die auch eigenwillig sein können/sollen, aber einfach eine andere Grundtendenz mitbringen.

In dem Moment wo man anfängt über Rassen zu sprechen KANN man übrigens nur verallgemeinern und sich an dem orientieren wie das Gro dieser Rasse sich darstellt- über jedes einzelne Individuum zu urteilen ist da herzlich uninteressant.

Interessant wird es erst, wenn ich mich konkret mit bestimmten Linien usw. befasse und/oder einem einzelnen Individuum, das ich vllt. übernehmen will.
 
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exe

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Es müsste hier einen Danke-Button geben, Mido. ;-)
 
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Mir geht es insbesondere um diese Eigenwilligkeit. Welche Rassen werden denn mit diesem Begriff bedacht? Und werden sie das bspw. auch in Beschreibungen aus ihrem Ursprungsland? Zumal der Begriff m.E. nicht nur schlecht greifbar und ungenau, sondern auch negativ belegt und oft unterschiedlich verwendet ist.

Mir sind da noch sehr genau Sätze im Kopf wie "diese Rasse wird nur im Zwinger glücklich", "solche Hunde können nie ohne Schlepp laufen" und "so einen Hund vermitteln wir nicht zu zweitem Rüden, das geht bei der Rasse nicht". Das schießt m.E. einfach übers Ziel hinaus und wird aus diesem tollen Begriff heraus abgeleitet.

Sicherlich wird bei Rassen grundsätzlich verallgemeinert, aber man lässt sich auch gerne mal zu falschen Schlüssen hinreißen, wenn man nur noch aufgrund der (angeblich so oft so typischen) Rasseeigenschaften vorschnell urteilt oder sich vll auch abschrecken lässt. Und das fällt mir eben in letzter Zeit generell wieder häufiger auf. Die meisten Probleme resultieren aus Rasseeigenschaften (ich rede jetzt nicht von Jagdtriebthemen o.ä.), von bestimmten Rassen wird pauschal abgeraten usw.. Dabei gibt es für mich einfach Dinge, die nicht pauschal auf eine Rasse zurückzuführen sind. Und da gehört ein gewisser Grad an Sozialverträglichkeit für mich dazu. Zumal du dazu 5 Züchter befragen kannst und 5 verschiedene Antworten erhalten wirst. Auch die Sache mit der Bezugsperson finde ich recht weit gegriffen. Jeder Hund wird sich in gewisser Weise selbst die Bezugsperson suchen, abhängig davon, wie diese sich ihm gegenüber verhält.
 
Oswin

Oswin

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@exe:
Ein typischer Chow ist sicher eigenwilliger als ein typischer Border Collie.
Auf eben das war die Frage bezogen, ich hab´s wohl unglücklich ausgedrückt, bin auch deiner Meinung : )
Ich meinte das nicht verallgemeinert, sondern eben auf die Charakterbeschreibung die Mann in Büchern findet bezogen.
Weil die ja auch irgendwo auf Erfahrungen basieren, aber Danke, dass du das nochmal klar gestellt hast und auch für die Antwort ;)

@Mischling: (bezogen auf deinen ersten Beitrag) Genau deswegen bin ich verwirrt GEWESEN bzw. hatte etwas Angst, das wird ja überall immer so übermäßig verallgemeinert. Viele Leute die diese Art Hunde tatsächlich besitzen sagen aber meist das Gegenteil und wiedersprechen den ganzen Einträgen in Büchern etc. weswegen ich auch der Meinung bin, dass es eben stark vom Charakter abhgängt, nicht von der Rasse, und wie du sagtest von der Eziehung. Da war ich mir nur eben noch nichts sicher : ) Vielen lieben Dank ;)

und @MIro: Dir sowieso Danke für die guten Tipps


Ich fasse mal kurz zusammen wie ich das sehe, ich habt ja doch recht unterschiedliche Meinungen.
Also ich bin der Meinung, dass es stark vom jeweiligen Hund abhängt und vom Charakter, dann unter welchen Umständen er aufwächst und wie er erzogen wird. Die Rassenabhängigen Eigenschaften fließen, dann da noch mit ein. Was dann wohl nur so viel heißt wie: "Treten bei dieser Rasse häufiger auf." Es kann durchaus sein, dass ein Hund vollkomen das Gegegenteil der (Buch-)beschreibungen sein kann.
Passt das so ungefähr?


Oswin : )
 
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exe

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. Und das fällt mir eben in letzter Zeit generell wieder häufiger auf. Die meisten Probleme resultieren aus Rasseeigenschaften (ich rede jetzt nicht von Jagdtriebthemen o.ä.), von bestimmten Rassen wird pauschal abgeraten usw.. Dabei gibt es für mich einfach Dinge, die nicht pauschal auf eine Rasse zurückzuführen sind. Und da gehört ein gewisser Grad an Sozialverträglichkeit für mich dazu.
Das stimmt, es ist langsam wieder angekommen und akzeptiert, dass man nicht alles an- und wegerziehen und sozialisieren kann und man traut sich auch wieder, einer Rasse 'negative' Eigenschaften (z. B. ein höheres Aggressionspotential) zuzuschreiben.
Das ist für mich ein großer Schritt in die richtige Richtung. Denn nur wenn das ankommt, schauen sich die Leute genau an, welchen Hund sie sich anschaffen und lassen sich nicht irgendwelchen Mist einreden, von wegen immer süßer Owtcharka oder so. Genauso wenig wie ein Hund von der Stange kommt, kommt er nämlich als unbeschriebenes Blatt ins neue Heim.

Und: welcher HSH, Asiate oder Nordlicht ist denn kein Querdenker? Das sind doch eher Ausnahmen. Gehorsam schenken tut einem da eigentlich keiner. per se schlecht ist das aber doch nicht. Ich schätze die Terrierfamilie sehr für ihren eigenen Willen und ihre Mittelkralle. :mrgreen:

Oswin, ich würde sagen, der Charakter wird durch die rassebedingten Eigenschaften geformt. Es gibt immer wieder Ausnahmen, aber einige Züge haben die Hunde ja gemein.
Das ist von Rasse zu Rasse aber auch unterschiedlich stark ausgeprägt (reine Gesellschaftshunde sind mMn im Charakter z. B. oft weniger uniform als Arbeitshunde, was ja auch logisch ist), man könnte da jetzt noch mit verschiedenen Zuchtlinien anfangen, etc.
 
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Das stimmt, es ist langsam wieder angekommen und akzeptiert, dass man nicht alles an- und wegerziehen und sozialisieren kann und man traut sich auch wieder, einer Rasse 'negative' Eigenschaften (z. B. ein höheres Aggressionspotential) zuzuschreiben.
Das ist für mich ein großer Schritt in die richtige Richtung. Denn nur wenn das ankommt, schauen sich die Leute genau an, welchen Hund sie sich anschaffen und lassen sich nicht irgendwelchen Mist einreden, von wegen immer süßer Owtcharka oder so. Genauso wenig wie ein Hund von der Stange kommt, kommt er nämlich als unbeschriebenes Blatt ins neue Heim.
Da gebe ich dir vollkommen Recht. Es ist durchaus positiv, wenn Rassen ehrlich beschrieben werden (gilt bei einzelnen Rassen ja ebenso wie bei der Vermittlung von Individuen).
Man kann und muss auch nicht alles wegerziehen, was der Hund von Haus aus mitbringt. Ich hole mir immerhin ein Tier und kein "Projekt", das ich ohne Einschränkungen formen kann, egal welchen Charakter es bereits hat. Man arbeitet ja eher mit dem, was der Hund mitbringt, als dagegen – sollte man zumindest.

Und: welcher HSH, Asiate oder Nordlicht ist denn kein Querdenker? Das sind doch eher Ausnahmen. Gehorsam schenken tut einem da eigentlich keiner. per se schlecht ist das aber doch nicht. Ich schätze die Terrierfamilie sehr für ihren eigenen Willen und ihre Mittelkralle. :mrgreen:
Auch da stimme ich dir zu. Gerade die Terrier sind da auch ein gutes Beispiel für eine gewisse Sturheit. Ich will auch nicht leugnen, dass mein Hund auch nicht gerade von der Kadavergehorsamsorte ist. Der ist auch bockig und selbstständig und manchmal auch ein wenig nervig. Und die erhobene Mittelkralle samt gehässigem Gesichtsausdruck kennt das kleine Monster auch :lol:.
[VERSTECK]Wie ich es liebe, wenn mein Hund mich anschaut und ich in seinen Augen sehe, dass er genau weiß, dass er gerade etwas verbotenes plant, und er es dennoch tut :mrgreen:.[/VERSTECK]

Im Grundsatz sind wir uns durchaus einig. Dennoch stören mich zwei Dinge: Das Wort eigenwillig bzw. sein Gebrauch in Rassebeschreibungen sowie zu genaue Prognosen über einen Hund nur aufgrund seiner Rasse.
Und eben solche Dinge wie Bezugspersonen rein aufgrund der Rasse vorherzusagen halte ich für sehr gewagt. Ein paar weitere Beispiele habe ich oben ja noch gebracht.

Sicher kann man einiges an Verhalten über die Rasse und ihre natürlichen Eigenschaften erklären, aber nunmal nicht alles. Nicht jedes Zucken, jedes Aufmucken oder jedes Erschrecken gehören zum Charakter von Rasse X oder Y und fertig. Ganz so einfach ist es ja auch wieder nicht. Es ist gut und schön, wenn sich jemand aufgrund einer ehrlichen Beschreibung besser auf einen Hund einstellen oder sich leichter für eine Rasse entscheiden kann. Legt man aber zu viel Wert darauf, fällt man u.U. auch ganz gewaltig auf die Schnauze. Ein gutes Beispiel sind Hunde bestimmter Rassen, die für einen bestimmten Sport angeschafft werden, sich dann aber nicht eignen, obwohl sie es laut Beschreibung ja sollten. Da ist dann oft die Enttäuschung groß, denn im Katalog stand ja, der Hund könne das.

Außerdem stört es mich, wenn mit allzu großer Bestimmtheit über eine Rasse hinweg verallgemeinert wird. Nachdem ich hierzu was geschrieben hatte wurde dann relativiert, aber in den ersten Posts klang es noch so, als seien gewisse Eigenschaften bei manchen Rassen schlicht Gesetz. Gut, wenn das nicht so gemeint war, aber es kam so rüber.

Und um noch einmal auf das Eigenwillig zurückzukommen: Ich störe mich schlicht an ungenauen Formulierungen, weil ich dann den Eindruck habe, man verwendet halt irgendein recht allgemeines Wort, um etwas zu beschreiben, das man anders nicht fassen konnte oder wollte. Man sieht ja hier schon, wie viele verschiedene Eigenschaften Midori dem Begriff zugeschrieben hat. Das mag für diese Rassen korrekt sein, für andere, die mit demselben Begriff bedacht werden, nur bedingt. Das heißt, der Begriff wird recht dehnbar verwendet, wenn einem nichts besseres einfällt. Das ist sicher auch mit der Grund, weswegen Oswin wie geschrieben etwas verwirrt war, als sie das Wort gelesen hat. Es lässt einfach zu viel offen, zu viel Interpretationsspielraum. Wer die Rasse kennt kann einem vielleicht erklären, was damit gemeint sein könnte, aber besonders spezifisch ist es nicht.
Und dazu kommt dann halt, dass zumindest ich das Wort oft negativ gelesen habe. Meist in Verbindung mit schlecht/schwer erziehbar, baut keine Bindung zum Menschen auf usw..
Deswegen bin ich der Meinung, auch im Sinne einer ehrlichen und ausführlichen Rassebeschreibung, dass dann schon konkretisiert werden sollte. Z.B. über Selbstständigkeit, Distanzverhalten, Dickschädel etc..
 
D

Daichi

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Also um diese "Eigenwilligkeit" mal aus meinem Erfahrungsbereich zu beurteilen:
Die Hunde sind nicht minder anhänglich als andere - zumindest ist mir bis dato noch kein Unterschied aufgefallen. Sie zeigen es nur anders. Mein Akita will immer bei mir sein am liebsten 24 Stunden am Tag. Aber eben nur Kontaktliegen. Der muss nich permanent bespaßt oder bekuschelt werden. Er zeigt seine Anhänglichkeit auf eine dezente Art. Wenn man nach Hause kommt rennt der einen nich Freudestrahlend um weil man ja ach soviele Minuten weg war, er liegt gechillt in der Ecke und hebt den Kopf mit nem leichten Schwänzchenzucken - Ach bist wieder da? Cool ich freu mich...
Auch kann man diese Hunde ableinen, sie gehorchen genauso in jeder situation wie jeder andere Hund - auch der Jagdtrieb ist kontrollierbar ohne professionelles Antijagdtraining). Ja sie haben keinen Kadavargehorsam aber desshalb kann man sich trotzdem auf sie verlassen. Ich persönlich finde ihre Eigenständigkeit als eine große Erleichterung in der Erziehung. Man muss jeden Hund erziehen egal welche Rasse aber das eigenwillige und sture Verhalten macht es, wenn man unvoreingenommen ist, wesentlich einfacher. Denn wenn sie einmal gelernt haben setzen sie das gelernt eben auch stur in die Tat um. Wird der Kontakt zu fremden hunden verboten, dann gehen die nicht hin, egal wie sehr der andere hund bettelt oder provoziert. Sie gehen nicht zu fremden hin auch nicht wenn mit leckerlie gewunken wird. Ich gehe neuerdings immer mit zwei 10 jährigen Mädels gassi die ab und an den großen an die Leine nehmen - lange wollen sie ihn nicht halten, da lieber die kleine. "Der große ist langweilig der läuft einfach nur mit". Die Hunde kommunizieren eben auch sehr stark mit ihren Haltern, sie achten auf das andere Ende der Leine - egal wer dran hängt.

Natürlich würden sie auch Situationen selbst entscheiden und gegebenfalls etwas anderes Versuchen als das Kommando zu befolgen - aber welcher Hund macht das nicht? Eriehung ist hier das Zauberwort. Hunde für die Spielwiese sind sie aber dennoch nicht unbedingt. Es kommt eben vorallem darauf an was sie als Welpe und Junghund gelernt haben und vorallem welche Erfahrungen sie dort gesammelt haben. Ich kann meinen Akita (unkastrierter Rüde) durchaus auf Hundeflächen mitnehmen, aber wohlfühlen tut er sich nicht. Es kommt nicht zu ner Rauferei aber er ist immer abseits, beobachtet aus der Ferne und wenn ander Hunde ihn dann zu sehr belästigen knallts eben auch - da is halt der Halter in der Pflicht darauf zu achten das man dem Hund nur Situationen im bestimmten Maße zumutet. Auffällig ist eben das ab ca dem 2ten oder 3ten Lebensjahr diese Verträglichkeit mit allen Hunden rapide auf 3 bis 4 Hundekumpels absinkt. Meiner hat 4 Hundefreunde mit denen er wirklich gern und ausgiebig spielt. Jedem anderen Hund geht er aus dem Weg und will mit denen nix zu tun haben.

Schwierig wirds nur bei einer Erziehung mit dieser Leckerliemethode -funzt bei solchen Hunden nicht. Und da kann mir jeder ankommen mit einem doch das funzt bei jeder Rasse das is wissenschaftlich belegt - die Wissenschaftler hätten dann mal mehr mit solchen Hunden und nicht mit Schäfi, Labby udn Co arbeiten sollen. Eigenständige Rassen lassen sich nicht bestechen (Ausnahmen bestätigen die Regel). Wenn du Pech hast erziehst du deinen Hund dazu Fehler zu machen damit du ihn korrigieren und als Belohnen ein Leckerlie geben kannst. Diese Hunde missbrauchen dich als Futterapparat. Und während der aktiven Arbeit bzw Erziehung wenn sie mitmachen wollen, führen sie die Komandos aus und nehmen das Leckerlie nichmal an oder spucken es wiederaus. Beisolchen Hunden kommst du nur weiter wenn du sturer undgeduldiger bist als sie und mehr Durchsetzungsvermögen hast. Mit "Bitte Bitte" kommst du bei solchen Hunden nicht weit. Wer schwache Nerven und wenig Zeit/Geduld hat sollte sich von solchen Hunden fern halten des es kann sein das du Anfangs auch mal 30 Minuten auf der Stelle stehen musst weil der Hund sich weigert hinzusetzten. Mit drill, also schreien und schlagen, verstärkst du das Sture Verhalten im Übrigen noch. Wenn du aber konsequent und stur bist geht die Erziehung fast von allein.
 
Midoriyuki

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Schwierig wirds nur bei einer Erziehung mit dieser Leckerliemethode -funzt bei solchen Hunden nicht. Und da kann mir jeder ankommen mit einem doch das funzt bei jeder Rasse das is wissenschaftlich belegt - die Wissenschaftler hätten dann mal mehr mit solchen Hunden und nicht mit Schäfi, Labby udn Co arbeiten sollen. Eigenständige Rassen lassen sich nicht bestechen (Ausnahmen bestätigen die Regel). Wenn du Pech hast erziehst du deinen Hund dazu Fehler zu machen damit du ihn korrigieren und als Belohnen ein Leckerlie geben kannst. Diese Hunde missbrauchen dich als Futterapparat. Und während der aktiven Arbeit bzw Erziehung wenn sie mitmachen wollen, führen sie die Komandos aus und nehmen das Leckerlie nichmal an oder spucken es wiederaus. Beisolchen Hunden kommst du nur weiter wenn du sturer undgeduldiger bist als sie und mehr Durchsetzungsvermögen hast. Mit "Bitte Bitte" kommst du bei solchen Hunden nicht weit. Wer schwache Nerven und wenig Zeit/Geduld hat sollte sich von solchen Hunden fern halten des es kann sein das du Anfangs auch mal 30 Minuten auf der Stelle stehen musst weil der Hund sich weigert hinzusetzten. Mit drill, also schreien und schlagen, verstärkst du das Sture Verhalten im Übrigen noch. Wenn du aber konsequent und stur bist geht die Erziehung fast von allein.
Mit reiner Leckerchenarbeit kommt man bei keinem Hund weit- nur so anbei.
Wer richtig mit primären Verstärkern arbeitet besticht auch nicht, sondern belohnt. Großer Unterschied.
Und auch "unbestechliche" Hunde werden, wenn man in diesem Schema denkt, bestochen, weil sie irgendeine Form der Belohnung erhalten und wenn es eben das Auflösen der unangenehmen Situation des 30-Minuten-auf-einer-Stelle-Stehens ist;)

Belohnung muss und sollte nie ausschließlich Futter sein, sondern angepasst an den Hund das, was für ihn die höchste Motivation darstellt.
Finde ich die Motivation kann ich jeden Hund erziehen- und da greifen auch die durch Studien belegten Lerntheorien wieder und die "Eigensinnigen" bilden keine Sondergruppe;)

Amen:mrgreen:
 
Syn

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Exakt. Es heißt ja auch nicht "Leckerli geben funktioniert bei jedem höheren Lebewesen", sondern das Grundprinzip positive/negative Verstärkung/Bestrafung (Etwas Positives geben, wenn der Hund etwas gut gemacht hat, etwas Negatives geben, wenn der Hund etwas falsch gemacht hat, etwas Negatives nehmen, weil der Hund etwas gut gemacht hat, oder etwas Positives nehmen, weil der Hund etwas falsch gemacht hat). Wichtig ist nur etwas zu finden, was der Hund als etwas Positives, sprich als Belohnung, ansieht. Ob eigensinnig oder nicht spielt da keine Rolle.


Ich habe bei mir zuhause ja auch eine Rasse, der viel WTP nachgesagt wird und eine, die als sehr eigenwillig gilt.
Für mich bedeutet Eigenwilligkeit schlicht und einfach, dass der Hund für den Halter spürbar seinen eigenen Willen hat und diesen auch auslebt.
Auch ein Golden Retriever hat einen eigenen Willen, aber vor allem hat er den deutlich spürbaren Willen mir zu gefallen. Wenn ich stundenlang "sitz" und "platz" sage, dann macht er stundenlang sitz und platz und hat auch noch Spaß daran. Wenn ich bei einem Wolfhund stundenlang sitz und platz sage (und nicht gerade einen passenden Motivator zur Hand habe), dann sieht man förmlich in seinem Kopf den Gedanken formen "Was mache ich hier? Das hat keinen Sinn, das möchte ich nicht machen" und schwubs ist er weg. Mit Bindung hat das absolut nichts zutun.
 
louiss

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meiner efahrung nach bieten eigenwillige hunde auch gerne eigene vorschläge oder einen "kompromiss" an. sie verstehen genau was du möchtest, tun es aber nicht, zumindest nicht so wie man es sich wünscht. zum bsp als ich louis ganz neu hatte und noch nicht wusste WIE kälteempfindlich er ist, wollte ich draußen dass er platz macht. erst hat er sich geweigert, als ich darauf bestand, hat er sich dann doch dzu bequemt, ist aber nicht ganz runter auf den boden, sondern blieb in der luft, es sah aus als würde er ne liegestütze machen.

ich finde auch, dass man eigenwilligkeit nicht mit sturheit verwechseln darf. sture hunde haben in meinen augen eher was mit hunden zu tun, die weniger intelligent sind (genauso wie bei menschen). zum bsp kannte ich nen collie-welpen und nen pudelwelpen, beide eigentlich intelligente rassen. beiden habe ich "erklärt", dass sie zum einen auf einer decke bleiben sollen bzw. nicht an ein leckerlie. der collie brauchte vier versuche bis er verstanden hatte was man von ihm wollte. beim nächsten mal nur noch zwei. der pudel brauchte etwas mehr als 30 versuche und beim nächsten mal wieder so viele bis er verstand was man von ihm wollte. es ist immer noch so mit ihm. möchte man ihm was neues beibringen braucht es immer noch "ewig". dafür kann man bei ihm ein erlerntes verhalten zuverlässig abrufen. und wenn man 50 mal von ihm verlangt die pfote zu heben, wird er es 50 mal machen und spass dabei haben. mein hund würde mir nach dem dritten mal den vogel zeigen oder nen neuen vorschlag machen.

das soll natürlich nicht heißen, dass eigenwillige hunde nicht auch hartnäckig sein können. ich finde eigenwillige hunde sind kreative hunde, die öfter mal für eineüberraschung gut sind und für den privatgebrauch macht ein gewisser grad an eigenwilligkeit sehr viel mehr spass als ein hund, der ein kommando jederzeit korrekt, schnell und sauber ausführt.

Off-Topic
leckeli geben funktioniert bei meinem hund auch nur bedingt. das ist immer sehr lustig wenn verkäuferinnen in tierbedarfshandlungen ihm was geben wollen, da denken sie, sie geben ihm was ganz tolles und er spuckts ihnen vor die füßeund geht :mrgreen:
 
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Sturheit hat doch wenig mit Intelligenz zu tun, sondern mit Hartnäckigkeit/Behaarlichkeit?
 
louiss

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vielleicht isses auch bloss haarspalterei, aber ich finde sturheit bedeutet, dass man nicht viele möglichkeiten für ein alternativverhalten hat, also quasi nur auf das zurück greifen kann was man kennt. sozusagen mit dem kopf durch die wand wie ein ochse, weil man die erfahrung gemacht hat, dass "gewalt" eine lösung ist. jemand der hartnäckig ist, möchte auch ans ziel kommen, probiert aber verschiedene wege aus. versucht erst mit dem kopf durch die wand zu kommen, wenn das aber nicht funktioniert, versucht ers mit der tür, oder dem fenster oder dem luftschacht. sich verschiedene lösungen auszudenken ist für mich intelligenter als immer das gleiche verhalten zu zeigen und ein anderes ergebnis zu erwarten .... was sehr häufig auch bei menschen zu beobachten ist. eigenwillige/selbständige hunde bringen verschiedene vorschläge um ein problem zu lösen. ein sturer hund wie zum bsp der pudel, kann nur ein verhalten zeigen und wenn das nix bringt dann gibt er auf. der pudel würde vierzig mal gegen die wand laufen und dann aufgeben. ein eigenwilliger hund wird ein paar mal gegen die wand laufen und dann nach einer anderen lösung suchen
 
Thema:

EIgenschaft: Eigenwillig? Was heißt das genau?