Familie zu verschenken...

Diskutiere Familie zu verschenken... im Familie & Freunde Forum im Bereich Smalltalk; Hallo Ihr Lieben, ich glaube, ich muss mich hier einfach mal nur kurz auskotzen... Wobei kurz durchaus lang werden könnte... Lange, lange... als...
seven

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Hallo Ihr Lieben,

ich glaube, ich muss mich hier einfach mal nur kurz auskotzen...
Wobei kurz durchaus lang werden könnte...

Lange, lange... als ich ca. 12/13 war... stellte ich fest, dass irgendwas anders ist... Krach mit meinen Eltern, v. a. mit meinem Vater, gab´s immer schon, das kannte ich nicht anders....
Mit 21 hab´ ich mich dann geoutet... weil ich mich unsterblich in eine Frau verliebt hatte.
Fazit: Mein Vater warf mir vor, diese Frau hätte seine Ehe zerstört (so´n Blödsinn, er kannte die Frau gar nicht, und es war von ihrer Seite auch rein gar nix... und es ist auch nie was gelaufen...)
Mit 29 hab´ ich dann meine Frau kennen gelernt... ich war zu meinem Geburtstag bei meinen Eltern eingeladen und hab´ gesagt, ich bringe meine Frau mit (damals natürlich noch Freundin, aber sie war spontan die 130km zu mir gefahren, da konnte ich sie doch nicht einfach wieder heimschicken).... Mein
Vater hat dann wortlos den Raum verlassen und als wir wieder gefahren sind gesagt: "Ich dulde keine Lesben in meinem Haus".
Joar. Super auch.
Irgendwie haben wir es geschafft, den Kontakt halbwegs zu halten.
Vor 2 Jahren dann die Taufe meiner Nichte - meine Frau und ich todesmutig hin - im Haushalt meiner Eltern... wir allerdings an den Katzentisch beordert... ich hatte den Satz mit den Lesben vergessen...
Mein Vater ganz freundlich. 2 Monate später rufe ich ihn zu seinem Geburtstag an (ich merke gerade, vieles klingt viel zu harmlos, weil noch einiges dazwischenlag...) - und bekomme zu hören, dass ich mir den Anruf hätte sparen können, ich hätte ihm ja die ganze Taufe versaut.
Ich daraufhin nur: "Es reicht, ich bin 40 Jahre zu Kreuze gekrochen, das war´s". Seither Funkstille...
So...
Dann die Geburt meiner 2. Nichte. Geburtstagspäckchen geschickt.
Weihnachtspäckchen geschickt - vorher Rückfrage bei meinem Bruder, was denn für die beiden Mädels genehm wäre - keine Antwort. Ich also Päckchen gepackt. Vorgestern Anruf von meinem Bruder: Geschenke für die Große wären ja toll, Geschenke für die Kleine wären doppelt, hätte ich doch mal rückfragen können. Ich: "Ähm, hallo, was hab´ ich wohl getan?" Legt der Kerl einfach auf... Joar... Ich liebe diese Familie, ehrlich! *kreisch*
Ich habe ihm gesagt, ich werde nicht zur Taufe meiner 2. Nichte erscheinen, und ich habe meiner Mutter gesagt, ich werde nicht zu ihrem 70. Geburtstag erscheinen - ich will meinen Vater nicht mehr sehen. Und wenn er unter der Erde ist, werde ich nicht hinter ihm herbuddeln. So hart das klingt, aber ich bin es leid. Ich beneide andere UserInnen, die so liebevoll von ihren Eltern schreiben können - ich kann es nicht...
Meine Schwiegereltern hingegen sind toll - insbesondere meine Schwiegermutter. Mit der war ich im Herbst eine Woche auf Kreuzfahrt - Minikabine geteilt, super vertragen, und sie kümmert sich auch jetzt total liebevoll um mich, die nächste Kreuzfahrt ist geplant (sie ist 75 und schwer herzkrank, wir hoffen, dass wir das noch schaffen...) Mit meinen eigenen Eltern konnte ich mich NIE so unterhalten, wie ich es mit meiner Schwiegermutter kann. Da fühle ich mich ernstgenommen, akzeptiert - da reagiert jemand auf mich und tut mich nicht als "ohje, was haben wir denn da in der Familie" oder "red du mal" ab....

Mein Bruder hat sich dann jetzt per E-Mail entschuldigt, dass er einfach aufgelegt hat - ich habe mich dann entschuldigt, dass ich nicht allzu freundlich war am Telefon - ich kann aber auch nix für ein Schreikind und seine schlaflosen Nächte, ich hab´ genug eigene schlaflose Nächte jobtechnisch derzeit...

Das musste einfach nur mal raus... und es sind viele Lücken drin... aber sonst würde es wohl das Forum sprengen ;)
Danke fürs Zulesen...
 
28.12.2015
#1
A

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Guest

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Hexe76

Hexe76

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Wie heisst es doch so schön, für die Eltern kannst du nichts, aber für die Schwiegereltern. Hast Dir ja zumindest ne tolle Schwiegermama ausgesucht. ;)
Ich hatte 2 Jahre lang keinen Kontakt zu meiner Mutter und meinem Vater hab ich knallhart gesagt, dass er mir meine Kindheit versaut hat mit seiner scheiss Sauferei und dass ich ihn dafür hasse, als er im Sterben lag.
Ich verstehe also durchaus, was es heisst, wenn man keine liebevollen Eltern hat.
Ich lebe weit weg von meiner Mutter, sehe sie manchmal Jahre nicht. Das ist gut so.
Zu meiner Schwester hatte ich jahrelang keinen Kontakt, weil sie eine dumme Gans ist. Mittlerweile habe ich Kontakt zu ihr und werde den auch halten, da ihr Kind, meine Nichte (7 Jahre alt) mir sehr wichtig ist und ich eine tolle Tante sein möchte und bisher auch bin. :D
Zu meiner Schwester bräuchte ich den Kontakt nicht so unbedingt... :roll:

Ich entscheide jeden Tag aufs Neue, ob ich den Kontakt zu meiner verbliebenen Familie haben möchte oder nicht.
Ich brauche sie nicht und sie brauchen mich nicht. Kontakt habe ich bisher trotzdem aus vielen kleinen Beweggründen.
Aber das mag sich wieder ändern eines Tages, wer weiss.

Du bist nicht alleine mit Deiner Situation - das ist eigentlich alles was ich sagen möchte. Du hast eine tolle Frau und tolle Schwiegereltern. Geniesse das und halte den Kontakt zu Deiner Familie auf einem erträglichen Minimum. Ist besser fürs Nervenkostüm.
 
seven

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Danke Hexe!
Jahrelange Funkstille mit meinem Papa hatte ich auch schon - aber wie gesagt, immer und immer und immer wieder bin ich dann doch hingegangen, hab mich entschuldigt für Dinge, die einfach nur lächerlich waren - meiner Mutter zuliebe.
Aber die hat es ja auch nicht für nötig gehalten mich mal im Krankenhaus zu besuchen, als ich kurz vorm Sterben lag mit Verbluten wegen geplatzter Eierstockzysten. Sie hat es selbst als ich 16 war nicht für nötig gehalten, die 10 Minuten mit dem Fahrrad (sie hat keinen Führerschein) ins Krankenhaus zu fahren, als ich nach der Blinddarm-OP wieder aufgewacht bin. Das war 1988. Aber wie gesagt...) Und dieses Jahr war meine Frau fast das komplette Jahr krankgeschrieben, doppelseitige Lungenembolie, Hysterektomie, diverse Komplikationen. Hat uns wer besucht? Nöööö.
Mein Schwiegervater ist eine ausgemachte Landplage, keine Frage (der rennt mit Zecken hinter mir her, weil er sie so toll findet und hält stundenlange Monologe über klassische Musik) - aber er liebt mich. Er rennt in den Keller und holt ´ne Flasche Rotwein für mich - für seine Frau rührt er keinen Finger....
Joar - und meine Schwiegermama ist die Beste... Wenn ich nicht meine Frau geheiratet hätte, würde ich sie heiraten ;)
 
Hexe76

Hexe76

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Meine Mutter hat sich auch nie dafür interessiert, wenn ich im KH lag. Weder angerufen, noch besucht. Man gewöhnt sich dran. :(
Ich hab meine beste Freundin in meiner Patientenverfügung stehen. Sie darf und muss alleine entscheiden. Meine Mutter habe ich explizit schriftlich ausgeklammert.

Deine Frau hat ja einiges mitgemacht... :shock:
Pass gut auf sie auf.
 
seven

seven

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Wir werden unser Testament jetzt auch ändern... Eigentlich sollte es Fifty-Fifty an unsere beiden Familien gehen, obwohl meine Frau 2 Geschwister hat und ich nur 1 - aber ihre verdienen deutlich mehr.
Das knicken wir jetzt... keiner kriegt was, und diejenige von uns, die überlebt, entscheidet individuell... Ich weiß, da gibt´s noch so´n Kram mit Pflichtteil etc... aber da können wir dann ja eh nix ändern...
Bin ja schon mal ein bisschen beruhigt, dass es anderen auch so geht.... Man liest so viel von "tolle Familie" und "alles tutti" und "heile Welt" - neee.... das hat man mir als Kind lange genug vorgegaukelt... oh, wie christlich... der Keks hat sich gegessen.... tut mir leid...
 
Hexe76

Hexe76

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Und setz ne Patientenverfügung auf. Für euch beide. Im Zweifelsfalle (also wenn keine Verfügung vorhanden ist) wird immer die Familie zu Rate gezogen und muss/darf entscheiden (wenn ich mich recht entsinne :eusa_think:)
Darauf achten, dass eine Kopie der Verfügung im jeweiligen KH in der Patientenakte ist. Ist die Verfügung nicht da, handeln die Ärzte so wie sie müssen - also wird die Familie informiert und involviert.
Ich hab oft die Frage an Patienten gestellt, ob sie eine Verfügung haben und wenn sie "ja" gesagt haben, war meine nächste Frage, wo die Verfügung ist und die Antwort war grundsätzlich "daheim im Schreibtisch/Safe/Ordner" Tja, da nützt sie nix.... :roll:

Ich war auch oftmals neidisch, wenn ich mitgekriegt habe, wie harmonisch es in anderen Familien läuft. Meine Nachbarin lebt mit ihrer Tochter zusammen im Haus. Die Tochter ist über 30. Die beiden kommen prima miteinander aus. Wäre für mich undenkbar. :shock:
 
JeLab

JeLab

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Versuche dich davon nicht fertig machen zu lassen, du hast lang genug gelitten.

Ich habe ein ähnliches Verhältnis zu meiner Mutter wie du zu deinem Vater. Sie macht mir aber etwas subtiler das Leben schwer. Ich halte es mit meiner Familie inzwischen so wie mit Freunden: Wen ich mir als Freund aussuchen würde, zu dem halte ich Kontakt. Der Rest ist zwar Familie, aber nichts worauf ich Wert lege, das macht einem das Leben nur unnötig schwer.

Ich bin oft auch neidisch auf meine Kommilitonen die ein tolles Verhältnis zu ihren Eltern haben, Unterstützung und Pakete bekommen, zu Weihnachten nach Hause fahren... aber das hab ich halt nicht. Dafür bin ich früh ausgezogen und war mit Anfang 20 schon sehr viel selbständiger als die meisten in dem Alter die ich kenne. Meine Kindheit und Jugend gehört nicht zu den schönen Geschichten, aber sie gehört zu mir. Wenn ich es so einfach gehabt hätte wie meine Schwester, dann wäre ich vielleicht auch so unbesorgt und (liebevoll) blauäugig. Aber ich hab mit 12 beschlossen die Welt zu verändern weil sie mir manchmal einfach kacke vorkommt. Fraglich ob das zu schaffen ist, aber ich habe zwei Kinder die liebevolle Eltern haben, auch wenn wir getrennt sind, 2 kleine Kater, die besten Freunde der Welt, ein tolles Studium, eine schöne Wohnung...

Du hast die Liebe gefunden, dein Leben scheint (zumindest von dem was man hier liest) recht harmonisch zu sein. Du kannst deine Eltern nicht ändern, auch wenn es weh tut das man nicht so geliebt wird wie man das verdient hätte. Wenn der Kontakt dir nur Kummer und Bauchschmerzen bereitet, brauchst du den dann wirklich?
 
Ina4482

Ina4482

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Ach, das macht einen richtig traurig, wenn man das hier liest :(.
Ich gehöre zu den Glücklichen mit der "Heile-Welt-Familie", zumindest sehen es die meisten wohl so. Ich liebe meine Mama über alles, sie ist meine beste Freundin. Ich habe ein gutes Verhältnis zu meinem Bruder und seiner Freundin, die leider etwas weiter weg wohnen und ich habe ganz tolle Schwiegereltern und eine sehr liebe Schwägerin inkl. Partner. Und natürlich den besten Ehemann der Welt :).

Das war´s aber auch, den Rest der Familie kann man in die Tonne kloppen und da habe ich auch fast jeglichen Kontakt abgebrochen. Mit meiner Cousine mütterlicherseits z.B. war ich als Kind und Teenager bis Anfang 20 sehr eng befreundet, aber da sind dann ein paar wirklich fiese Dinge ihrerseits gelaufen, so dass wir seit über 10 Jahren keinen Kontakt mehr haben, obwohl wir im gleichen Ort wohnen und ihr Bruder sogar der Trauzeuge meines Mannes war. So was brauche ich einfach nicht. Nie wieder. Ebenso wenig wie ihre Eltern.

Allerdings ist es auch im engen Kreis nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen gewesen, denn meine Mama und ich haben ein so enges Verhältnis, weil wir drei unserer liebsten Menschen gemeinsam bis zum Tod gepflegt haben. Erst Oma (ihre Mutter), dann Opa (ihren Vater) und schließlich meinen Papa im letzten Jahr. Zusammen ertragen zu müssen, wie geliebte Menschen Schmerzen leiden und langsam Abschied nehmen schweißt ganz schön zusammen und das spielt sicherlich auch eine große Rolle für die heutige Situation. Ich genieße jede Stunde mit meiner Mama und wir fahren auch zusammen in den Urlaub, aber ich würde das sofort eintauschen, wenn mein Papa dafür noch da wäre und an meiner Stelle mit ihr in den Urlaub fahren könnte :(.
Ich bin übrigens auch direkt nach dem Abitur mit gerade 20 Jahren ausgezogen, weil diese ewige Pflegesituation in den eigenen vier Wänden einfach extrem belastend war. Ich habe das gerne gemacht, keine Frage, aber mit 18,19, 20 möchte man eben auch mal was anderes machen als Oma zu füttern oder auf die Toilette zu bringen oder für einen 6-Personen-Haushalt zu kochen. Da war ein wenig Abstand einfach nötig.

Lange Rede, kurzer Sinn: Jeder hat da wahrscheinlich irgendwo Probleme auf seine Art und Weise und muss die auf die für ihn am besten passende Art und Weise lösen. Seven, ich denke auch, dass ein "zwanghaftes" Aufrechterhalten des Kontakts dir einfach nicht gut tut. Es zieht dich doch nur immer wieder runter. Es ist verdammt traurig, denn Eltern sollten ihre Kinder meiner Meinung nach so lieben wie sie sind. Da bin ich wirklich gut dran: Ich hätte alles und jeden mit nach Hause bringen können, meine Eltern haben sich immer nur gewünscht, dass ich glücklich bin. Meine Mama und mein Mann kommen wunderbar miteinander aus und auch mein Papa hat meinen Mann sehr gern gehabt. Aber wenn es eben nicht so ist, muss man vielleicht einfach einen harten Schnitt machen und an sich selbst und die Menschen, denen man wirklich was bedeutet, denken. Und davon hast du doch gar nicht so wenige, seven :). Fühl dich einfach mal feste gedrückt :058:!
 
lucian

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Tja, seine Familie kann man sich nicht aussuchen. Die hat man halt. Das bedeutet aber nicht, dass man sie auch behalten muss.

Ich kenne die Situation sehr gut. Ich habe schon als Jugendliche begonnen, gegen Windmühlen zu kämpfen und habe diesen Kampf, so sinnlos er auch war, bis Mitte 20 geführt. Ich wollte meine Mutter gern aus ihrer Ehe befreien. Mein Vater macht sie krank, nachweislich! In meiner Jugend wollte sie das auch. Zusammen haben wir uns ausgemalt, dass wenn ich Geld verdiene und eine eigene Wohnung habe, sie zu mir hole und wir die Scheidung einreichen. Doch je älter ich wurde und je realistischer diese Möglichkeit wurde, desto weniger ging meine Mutter darauf ein. Und das ist das Härteste. Zu sehen, dass es der eigenen Mutter beschissen geht und dass sie damit abfindet, obwohl es eine bessere Möglichkeit gäbe.

Auch nachdem ich ausgezogen war, hab ich weiter gekämpft. Aber es wurde zu viel. Irgendwann musste ich mir eingestehen, dass ich niemanden helfen kann, der keine Hilfe möchte. Natürlich schmerzt der Gedanke sehr, aber ich kann es nicht ändern.

Ich kann mir das Elend aber auch nicht stillschweigend mit ansehen. Also tat ich das einzige was ich tun konnte. Ich begann, an mich selbst zu denken und den Weg zu gehen, der für mich am Besten war.

Ich habe seit mittlerweile 2 Jahren keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern. Wenn ich meinen Vater irgendwo sehe, ignorieren wir uns konsequent. Das ist besser für mich.

Meine Mutter müsste nur einmal anrufen und sagen, dass sie bereit ist und ich würde innerhalb von 5 Minuten vor der Tür stehen. Das weiß sie. Aber ich glaube nicht, dass sie es noch mal tut.
Ich muss mich mit dem Gedanken abfinden, dass ich meine Mutter vor ihrem Tod nicht mehr sehen werde, denn ich bezweifel, dass mein Vater uns einen Gefallen tun würde und früher sterben wird.

Solche Gedanken sind hart und schmerzhaft. Es wird auch nicht weniger. Ich lerne nur besser damit umzugehen.

Doch am Ende weiß ich, dass der Kontaktabbruch die beste Entscheidung war, die ich für mich treffen konnte.

Ich glaube, ein Kontaktabbruch wäre vielleicht auch für dich, Seven, nicht verkehrt. Du müsstest dich mit diesen Dingen nicht mehr so auseinandersetzen, wie bisher. Und du hast das wunderbare Glück, eine tolle Schwiegerfamilie zu haben. Das gibt dir sicher noch mal Kraft. Dennoch ist es eine schwere Entscheidung, diesen Weg zu gehen. Eine Entscheidung, die dir niemand abnehmen kann.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft, egal wie du weiter mit deiner Familie verfahren möchtest.
 
JeLab

JeLab

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Und nur mal so als Beispiel:

Meine Schwägerin hat sich mit irgendwann um die 20 ihren Eltern gegenüber geoutet. Sie lebt jetzt seit 20-25 Jahren mit ihrer Partnerin zusammen. Mein Schwiegervater ist noch "alte Schule", er ist unwahrscheinlich lieb aber im Alter schon etwas schwierig. Nachdem mein Mann ein Spätzünder war und bis Ende 20 nur mit seinem besten Freund zusammen gehangen hat, haben sich meine Schwiegereltern gefragt ob evtl. beide Kinder homosexuell sind. :mrgreen: Für meinen Schwiegervater ist das immer noch schwer zu verstehen, ich bin mir sicher das er das für unnatürlich hält, auch wenn er das nicht so offen sagt. Aber er liebt seine Tochter und akzeptiert das sie so leben möchte. Ich finde das ist das Mindeste was Eltern tun können/müssen.

Du weißt sicher rational gesehen das du nichts falsch gemacht hast, auch wenn man sich oft selbst zerfleischt. Ich bin schon 3 Tage bevor ich meine Mutter sehe immer mega gereizt, putze wie eine Wilde ("wann hast du das letzte Mal eigentlich aufgeräumt?") und verbringe Stunden im Bad ("sag mal, was ist denn schon wieder mit deinen Haaren los? Mach dir doch mal eine anständige Frisur"). Zum Glück sehe ich sie nicht öfter als 2-3 mal im Jahr. Aber ich merke wie mir der Kontakt nicht gut tun, wie mich das in meinem ohnehin stressigen Alltag noch mehr emotional auslaugt. Du bist Grundschullehrerin, du wirst sicher auch gerne deine freie Zeit entspannt verbringen wollen. Warum tun wir uns das also an? Bei mir ist es der Wunsch akzeptiert zu werden und ihr vielleicht doch irgendwann mal was recht machen zu können. Was nicht passieren wird. Warum strenge ich mich also an um ihr zu gefallen und versuche nicht stattdessen MIR zu gefallen? Was sind für dich die Gründe das man es doch immer wider besseren Wissens versucht?
 
seven

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Ich danke Euch allen für Eure lieben Worte - ich bin grad zu fertig um Weiteres zu schreiben...
Traurig, dass es genug anderen ähnlich geht...
@Ina: Einen ganz besonders dicken Knuddler :056: Du weißt warum....
@JeLab: Dir auch ein dickes Danke - und einen lieben Gruß an meine Heimatstadt Düsseldorf, die ich wohl so schnell nicht wiedersehen werde, obwohl ich sie liebe..
Und allen anderen auch ein dickes Danke - ich melde mich später ausführlicher!
*alle mal knuddelt*
 
JeLab

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Ich trink ein Füchschen für dich mit ;)
 
violala

violala

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Oh, beim Füchschen bin ich dabei :D Seven gebe ich aber lieber ein Pils ;)
 
seven

seven

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Ich nehm´ das Pils ;) Gibt´s eigentlich das Schalander noch? Falls da jemand für mich hingehen möchte? Und wie heißt noch gleich das Heinrich-Heine-Geburtshaus-Dingens? In der Altstadt? Da war ich auch immer sehr gern... *Heimweh kriegt*

edit: Ok, ich sehe, das gibt es nicht mehr... boar, war ich lange nicht dort *seufz*
 
häschen-86

häschen-86

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Oh,je. :( Du tust mir echt leid. Fühl dich ganz lieb von mir gedrückt, wenn du magst. *knuddel*
Lass dich nicht so für deine sexuelle Orientierung fertig machen. Es geht doch absolut keinen was an, mit wem du zusammen bist.
Die Hauptsache ist dass du glücklich bist.
Schade, dass dein Vater so vollkommen intolerant ist. :(

So eine "heile Welt" wie die Werbung einem vormacht, gibt es nirgends.
Vielleicht kannst du auch erst mal den Kontakt reduzieren, bis du dir sicher bist was du willst.

Ich wünsche Dir und Deiner Frau auf jeden Fall ganz viel Kraft!

Liebe Grüße
 
seven

seven

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Ok - ich versuch´s jetzt. Danke nochmal an alle für ihren Zuspruch! Ihr seid toll!

Vorab: Es geht mir gar nicht darum, dass ich lesbisch bin. Gut, das mag v. a. für meinen Vater der ausschlaggebende Grund gewesen sein, mich so von sich wegzustoßen. Er wusste es ja aber nicht, bis ich mich mit 21 geoutet habe. Ich war für ihn schon immer... nuja... egal... Ich war halt "nur ein Mädchen" - hat er wörtlich nach meiner Geburt zu meinem Onkel gesagt (das hat mir meine Mutter irgendwann mal erzählt, es dann aber wieder geleugnet, aber das bleibt halt hängen...)... Irgendwas Herzliches kam von ihm nie, auch von meiner Mutter nicht. Ich konnte mit meinen Eltern nie reden. Insofern bin ich so froh über meine tollen Schwiegereltern - da fühle ich mich echt angenommen und akzeptiert, und auch wenn mein Schwiegervater ein Nervzwerg ist, kann er doch ein Goldstück sein. Der hat auf unserer Hochzeit gesagt: "Ich bin stolz, zu einer solch avantgardistischen Familie zu gehören"... Mein Vater dagegen (der logischerweise auf unserer Hochzeit gar nicht erst aufgetaucht ist...) : "Ich dulde keine Lesben in meinem Haushalt".... joar... aber wie gesagt, um das Thema geht´s eigentlich gerade gar nicht... sondern darum, dass ich mich von meiner eigenen Familie kein bisschen geliebt fühle, auch von meinem Bruder nicht mehr, der mich oft genug verteidigt hat und mich eigentlich immer verstanden hat... aber jetzt hat er halt seine Familie...
Zurückschweifend: Mit meiner Schwiegermutter bin ich gerade dabei, unseren nächsten gemeinsamen Urlaub zu planen. Das mit der Kreuzfahrt gestaltet sich schwieriger als erwartet, aber wir geben die Hoffnung nicht auf...
Dass ich keinerlei Kontakt zu meinem Vater mehr möchte, steht felsenfest, das hab´ ich meiner Mutter und meinem Bruder auch klipp und klar gesagt (ihm selbst das zu sagen, hat keinen Zweck, der hört mir eh nicht zu und dem sollte das mal langsam gedämmert sein, seit ich vor 2 Jahren den Hörer aufgeknallt habe, als er mich wieder nur mit Vorwürfen überschüttete....)
Meine Mutter wiederum kann auch nicht aus ihrer Haut - aber die ist sowas von dermaßen katholisch und das in Kombi mit einer ungeahnten Naivität, dass es echt wehtut... Die Weihnachtskarte von ihr triefte vor Christsein - aber wer noch gleich hat mich im KH - ach so, schrieb ich schon... joar...
Nuja... ich habe in den letzten Tagen viel mit sehr lieben Freundinnen telefoniert und mich auch persönlich getroffen - und das tat so unendlich gut, weil es zeigt, dass es doch noch liebe Menschen gibt, die mir zu verstehen geben, dass ich doch was wert bin - am besten und zum Heulen war die E-Mail von meiner Konrektorin, bei der ich mich für die tolle Gestaltung der Weihnachtsfeier bedankt habe und die mir dann schrieb: "Deine Worte waren das berührendste Weihnachtsgeschenk".
Geht doch.... Da war ich dann total gerührt....
Sorry für den Roman...

edit: Und dann rief meine Konrektorin vorhin an - wir haben fast ´ne Stunde sehr persönlich telefoniert... das tat gut. Nix mit "Du Chef, ich Zwerg" - neee... einfach nur menschlich... und das hat uns beiden gutgetan.... Es gibt doch noch tolle Menschen auf dieser Welt...
 
Lola_Kola

Lola_Kola

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Meiner Ansicht nach wird sich Familie NIE durch Blut definieren (egal wie dick dieses ist), denn selbst wenn es die eigene Familie ist, manchmal möchte man diese einfach in die Tonne kloppen und den Schlüssel wegschmeißen.

Seven, ich bin hier vllt. nicht so aktiv wie andere und es steht mir evtl. auch nicht zu mich zu deinem Privatleben zu äußern, nichts desto trotz möchte ich Dir auf diesem Wege mitteilen, es ist dein Leben, es ist deine Lebenszeit, dein eigener Rhythmus. Du allein bist der Dirigent und entscheidest wer mit Dir deinen Lebensrhythmus musizieren darf. Und wenn deine Familie bzw. diverse Familienmitglieder den Takt durcheinander bringen, tja - get this sh*t out of your way. Familie hin und her und manchmal können Eltern so tief verletzen, dass man fürs Leben einen Knacks weg hat und selbst wenn man in einer intakten Beziehung ist oder eine eigene Familie hat, man bekommt diesen Seitenhieb nie ganz weg. Dabei sind die Eltern das oberste Gericht, welche die Pflicht haben das Kind vor allem und jedem zu beschützen, auch manchmal vor den Eltern selbst und nur weil Eltern ihre Erfahrungen bei bestimmten Erlebnissen hatten, heißt das doch nicht dass die Kinder genau dasselbe erleben werden. Man soll freilich von den Erfahrungen der Eltern profitieren, aber es soll das eigene Selbst doch nicht einschränken. Und schon gar nicht soll man Angst davor haben das eigene Selbst vor den Eltern zu verstecken oder gar zu unterdrücken. Für mich die größte "Sünde"/Schande was Eltern einem Kind antun können. Ob nun klein, groß, dick, bi, lesbisch, 2 Köpfe, 4 Arme, whatever - who cares?

Ich kenne die Einsamkeit die sich über Jahre und Jahrzehnte hinweg zieht wie Gummi und du kriegst es einfach nicht ab, selbst wenn Du dieselbe Sprache wie alle anderen sprichst, es bringt nichts weil und hier kann man Gründe über Gründe aufzählen (die kennst du sicherlich alle schon ausm FF...) 1) andere Zeit 2) andere kulturelle Verhältnisse als heute etc. pp. Und mein "Lieblingszitat" -> also zu meiner Zeit war das nicht so... *kotz-würg-bla*Ich finde es fantatsisch, dass Du jemand an deiner Seite hast der Dich so nimmt wie du bist und Dich sicherlich genau so liebt wie Du es verdienst. Wenn man "anders" tickt und man sich vom Mainstream quasi "abhebt" dann sind Verurteilungen vorprogrammiert, leider. Dabei wird die bunte Vielfalt seit Urzeiten in der Natur vorgelebt... warum also auch nicht bei uns, den Menschen?Finde es cool, dass Du zu Dir und deinen Prinzipien stehst, das macht einen starken Charakter aus. Ich kenne die Sehnsucht nach Familienakzeptanz sehr gut, versuche diese nach wie vor zu "bekommen", wenn auch nur unbewusst. Und ich denke ich werde es auch nie wirklich ablegen, aber andererseits - wenn man andere Prioritäten hat wie eben z.B. einen Ehemann/Ehefrau/Kinder etc. dann verlagert sich das Denken etwas und man hat mehr Grund wie ein Fels in der Brandung zu fungieren, auch der Familie gegebenüber weil man Etwas gefunden hat was man beschützen will. Man weiß es mehr zu schätzen, eben weil einem bewusst wird wie kostbar und selten Akzeptanz von liebenden Menschen sein kann. Und da kann die Mutter/Vater/Schwester/Hund whatever noch so sehr rumzettern - am Ende muss man sich mit sich selber arrangieren und wenns für einen selber perfekt passt, warum zum Kuckuck sollte man das - egal für wen - aufgeben?

In diesem Sinne ein gutes und schmackhaftes Prösterchen zu so später Stunde!
 
JeLab

JeLab

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Seven, ich hoffe es macht dir nichts aus wenn ich dafür deinen Thread benutze!

Ich könnte meine Mutter ***. Meine Oma ist am 22.12. gestürzt und ins Krankenhaus gebracht worden. Da war schnell klar, dass sie da nicht mehr raus kommen wird. Am 01.01. schreibe ich kurz mit meiner Mutter über WhatsApp, da teilt sie mir dann mit das sie nicht reingefeiert hat weil ihr nicht danach war weil Oma im Sterben liegt.

Wer teilt denn sowas über WhatsApp im Nebensatz mit? Ich habe jetzt zu meiner Oma kein enges Verhältnis mehr, war aber in meiner Kindheit regelmäßig einmal die Woche dort! Das hätte ich gerne schon anders erfahren.

Ich bin dann am 01.01. noch gleich ins Krankenhaus und hätte sie nicht wiedererkannt wenn mein Onkel und meine Tante nicht am Bett gesessen hätten. :( Leider war das auch der erste Tag wo sie schon nicht mehr bei Bewusstsein war, dh ich konnte mich nicht mehr verabschieden. Vorgestern Abend ist sie gestorben.

Hätte meine Mutter mir das nicht zwischen Weihnachten und Neujahr irgendwann telefonisch mitteilen können? Dann hätte ich wenigstens die Chance gehabt noch mal mit meiner Oma zu sprechen! Ich bin so traurig darüber und so sauer auf meine Mutter. Wobei sie mir deswegen natürlich auch total leid tut und ich ihr momentan nicht sagen kann und will wie sehr mich das verletzt hat. Also mal wieder schön alles in sich reinfressen.
 
Thema:

Familie zu verschenken...