Partner mit extremer Phobie helfen? (Alltag wird eingeschränkt , starke Angst,...)

Diskutiere Partner mit extremer Phobie helfen? (Alltag wird eingeschränkt , starke Angst,...) im Über 18 Forum im Bereich Smalltalk; Hallo ihr Lieben, vorweg möchte das ich hier über eine Nadelphobie schreibe, also wer damit Probleme hat bitte nicht weiter lesen. Ebenso geht es...
Hamster_Lover

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Hallo ihr Lieben,

vorweg möchte das ich hier über eine Nadelphobie schreibe, also wer damit Probleme hat bitte nicht weiter lesen. Ebenso geht es um Ärzte, Blut, Ohnmacht, ... etc :)
Ich bin im Moment einfach nurnoch Ratlos und weiß nichtmehr was ich tun soll, ich brauch wirklich Hilfe wegen meinem Freund und bin mit meinem Latein absolut am Ende. Das Internet ist ja zum Glück ein relativ anonymer Ort, also kann eventuell auch jemand anderes über seine Erfahrungen schreiben. Ich versuch mal die Situation zu schildern, bitte verzeiht mir wenn irgendwo Fehler sind, ich bin grad ziemlich durch den Wind.


Bereits bevor ich mit meinem Freund zusammen war (ca August 2014) und wir uns kennengelernt haben, hat er mir gesagt dass er eine starke Nadelphobie hat und ich hab ihm gesagt dass ich das verstehen kann, ich hab selbst große Probleme damit, weine jedes Mal beim Blutabnehmen und kann mir auch nur von einer Person Blut abnehmen lassen. Aber es soll ja nicht um mich gehen.
Ich wusste also von Anfang an dass er diese Ängste hat, aber ich wusste nicht welches Ausmaß das annehmen sollte.
Anfangs war bei uns alles schön. Wir waren ab und zu weg, aber eben viel daheim, da ja auch der Winter kam, es kuschelig wurde und wir beide Serien-Junkies sind war für mich alles normal. Er hat mir dann im Frühling auch gesagt dass er nie zum Arzt geht weil er so schrecklich Angst hat und auch muss er zwar ab und an zum Werksarzt (ich glaube alle 2 oder alle 4 Jahre) aber dort müsse er kein Blut abnehmen, da sein Stiefvater da mit den Ärzten gesprochen hat und das wegfällt, trotzdem macht er sich schon ein Jahr(!) bevor er zum Arzt muss mega Sorgen.
Mir wurde also bewusst dass er wirklich nicht nur bisschen Angst hat sondern da wirklich Panik bekommt. Ich hab ihm versprochen ich bin für ihn da und genau das versuche ich auch so gut ich kann.

So, also, der Kontakt zu Freunden von seiner Seite aus wurde einfach weniger. Er ist nie wirklich weg gegangen, besonders nicht in große Menschenmengen wie Disko, Bars etc, aber wenn ich mit unseren Freunden weggehen wollte hat er sich oft doch bereit erklärt oder ich bin alleine gegangen und er war so lieb mich zu holen. Ich hab mir garnicht soviel Gedanken gemacht, ich kannte ihn ja nur sehr aufgeschlossen.
Als er dann aber immer mehr Kontakte abbrach und wir ab Oktober 2015 kein einziges Mal(!) mehr weg
waren hat er mir gestanden dass er mega Angst davor hat das jemand etwas von Ärzten oder Spitzen/ Nadeln erzählt. Er hat im Endeffekt nicht nur Angst vor Nadeln sondern auch dass ihm dann schlecht wird. Wenn ihm schlecht werden würde, würde er evtl. umfallen und DAS könnte zur Folge haben dass er ins Krankenhaus kommt und dann würde er sehr sicher einen Panikanfall bekommen und aus dem nächsten Fenster springen, das wäre für ihn der absolute worst case. Er hat auch seine Krebserkrankte Mutter nicht im KH besucht und auch mich nach einem Autounfall nicht! Er würde lieber totkrank daheim eingehen als zum Arzt zu gehen und das meine ich ernst! Das nimmt Ausmaße an die sich ein Außenstehender nicht vorstellen kann und es ist schrecklich für ihn.
Er geht seit neuestem auch wieder mit zu Familienfeiern, nachdem aber das Thema Blutspenden aufkam halten sich unsere Besuche bei Festen sehr kurz, weshalb ich schon ziemlich Stress mit meinem geliebten Papa habe (man muss dazu sagen mein Papa ist für mich einer der wichtigsten Menschen, viel mehr noch als meine Mama....) und mich belastet das sehr meine Familie kaum zu sehen wegen ihm. Alleine hingehen tu ich meistens, aber das ist auch doof, ich steh immer total alleine da, manche Tanten haben ihn teilweise ein Jahr nicht gesehen und ich muss jedes Mal erklären dass ich nicht single bin und wir noch zusammen sind und uns gut verstehen.


Ich weiß dass er schon viele schlechte Erfahrungen gemacht hat. Das erste mal als er in Kontakt mit Nadeln war, war er noch im Bauch seiner Mama und hat davon auch eine Narbe am Kopf. Genauso schlimm ging es weiter. Er hatte als Kind Angst beim Impfen, anstatt dass ihn die Ärztin beruhigt packt sie seinen Arm und rammt(!) ihm die Spritze in den Arm. Er war total am Ende, abdrücke am Arm vom anpacken konnte man auch sehen. Seine Mama hat mit ihm dann natürlich den Arzt gewechselt. Dazu kommt dann dass seine Mutter mit ihm und seiner Schwester bei ihren eigenen Eltern wohnt, also bei Oma und Opa. Die sind auch nicht gerade förderlich. Sein Opa und seine Mama waren mal mit ihm im Schüler-Alter unterwegs zum Arzt. Er hatte so Angst dass er geweint hat und der Opa hat ihn zusammengeschrien, ihn mitten in der Pampa aussteigen lassen, gemeint er wird nie ein richtiger Mann werden und dass man sich als Mann nicht so dumm und weiblich verhält und ist weggefahren. Er musste also alles heim laufen (krank!) ich kenn die Strecke, ich denke das sind 45 Mins zu Fuß. Leider wohnt er aus finanziellen Gründen noch daheim, also stetig mit diesen Menschen unter einem Dach.
Genauso war er als Kind mit deiner Mutter in Kur, hatte so Angst dass er einen Angst- und Schock-Krampf hatte und umgekippt ist, gezittert hat (also ein richtiger Krampf, mit Schaum vorm Mund etc) und im Prinzip nur schlechte Erfahrungen hat. Seine Angst in Ohnmacht zu fallen ist also nichtmal ganz an den Haaren herbeigezogen, ihm haut bei Angst nämlich sofort der Kreislauf ab.


Also, jetzt saß ich da mit einem Häuflein Elend und hab beschlossen: so geht's natürlich nicht weiter! Ich musste ewig mit ihm sprechen um ihn zu überzeugen zu einem Therapeuten zu gehen. Zusammen mit seiner Heilpraktikerin ist es mir dann gelungen. Allerdings hat er im Internet gelesen dass manche Therapeuten wohl mit Konfrontations-Therapien arbeiten und dementsprechend hatte er Panik vor dem ersten Termin. Und nicht nur bisschen Angst, sondern mit Kaltschweiß, einem Blutdruck jenseits von gut und böse, zitter-Anfällen, etc. Also so richtig übel. Die Therapeutin war aber super lieb und meinte auch dass eine Konfrontationstherapie absolut nicht Zielführend wäre und er auch Abstand von solchen Therapeuten nehmen soll. Darauf hin ist er da regelmäßig hin, hat Übungen für daheim bekommen, etc und es hat absolut NULL gebracht, außer dass er immer mehr daran denkt.
Daraufhin haben wir viel geredet, da er ja täglich daran denkt, deswegen oft keinen Hunger hat, nicht schlafen kann, nicht weggeht, keine Freunde mehr hat, Streit mit der Familie hat, mich schlecht behandelt, .... eigentlich sein ganzes Leben ruiniert. Wir haben beschlossen dass er zu einer anderen Therapeutin geht und genau das hat er jetzt angefangen und müsste nun bald 3 Monate bei ihr sein. Allerdings sind die Fortschritte sehr minimal, fast gegen Null. Er kann inzwischen Panik etwas lindern bzw versuchen abzuhalten, aber wirklich klappt es noch nicht. Sich von den Gedanken ablenken kann er nicht.


Ich persönlich war selbst 3 Jahre in Behandlung, mitunter wegen Depressionen und Zwangsstörungen, aber ich hatte viel mehr Erfolgserlebnisse. Er hat davon kaum welche. Er hat keine Lust mehr zu leben, keine Freude mehr am leben und hasst sich selbst und die Welt. Mich persönlich macht das auch fertig, unsere Beziehung leidet wahnsinnig und ich versuch schon alles was ich nur kann. Nachdem er mehrfach geäußert hat er möchte nichtmehr leben, habe ich mir überlegt ob es nicht sinnvoll wäre wenn er sich einweisen lassen würde, aber ich weiß das wird er nicht tun, davor hat er zu sehr Angst. Er hat Angst das Dinge geschehen die gegen seinen Willen sind und dass er wieder so schlimme Erfahrungen machen muss und ich kann es ihm nicht verübeln.

Heute war es dann wieder ganz doof. Sein angeblicher Kumpel und Geschäftskollege (Nennen wir in einfach "Kollege") hat ihm auf Arbeit ein Bild von einer Frau beim Plasmaspenden gezeigt. Meinem Freund ging es daraufhin erstmal schlecht und meinte dass er sowas ekelig findet und nicht sehen mag und der Kollege hat ihn einfach nur ausgelacht... ich meine Hallo?! Ich kann ihn ja eh nicht leiden.... er schnorrt sich bei seiner Mutter durch und gibt sein ganzes Geld für Videospiele aus (mit 26/27... ahja...) ist ein Arsch zu seine Freundin, trinkt und ist einfach ein Arsch. Mein Freund nimmt sich leider voll das Beispiel an ihm. Einmal hatten wir sogar Streit deswegen. Er hat mich echt scheiße behandelt, ich sagte so gehts nicht und er fand es komisch und antwortete "Ja dem Kollege seine Freundin macht das und das auch, findet das okay,...." Und ich bin dann natürlich hochgegangen wie's HB-Männchen und hab ihm erstmal kräftig den Marsch geblasen und ihm gesagt dass er gern seinem Kollegen nacheifern kann wenn er als Versager ohne Freundin enden möchte (ja war evtl. nicht korrekt, aber einfach wahr) das fand er dann doch nicht so lustig und seitdem ist es auch besser. Er hat viele Freunde verloren weil er seinem Kollege ähnlicher wird und hat evtl. noch 1-2 Freunde+ den Kollegen der aber absolut kein wahrer Freund ist :evil:

Naja jedenfalls ist er dann heute noch vor Feierabend raus und hat mir geschrieben. Ich versuche ihn immer zu beruhigen, sage dass doch garnichts passiert ist, er seine Übungen machen soll, schicke ihm ruhige Sprachnachrichten wo ich ihm sage dass alles okay ist und ich ihn liebe. Das hat dann auch funktioniert, er hat beschlossen seinem Chef eine Mail zu schreiben (persönlich reden traut er sich nicht) und zu erkäutern dass er dieses Problem hat und man darauf ggf achten muss und seinem Kollegen hat er es auch gesagt, der hat sich zwar erstmal entschuldigt, aber ich bin relativ sicher morgen weiß es die halbe Firma und alle werden meinen Freund damit aufziehen- das fehlt uns gerade noch....


Ach liebe Leute, ich bin so am Ende mit meinem Latein und mir geht langsam die Kraft aus. Eventuell hat ja jemand außenstehendes einen Rat für mich, ich brauch ganz dringend Hilfe.


LG
 
07.06.2016
#1
A

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Kompassqualle

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Ich kann dich (und deinen Freund) sehr gut verstehen, zumal ich durchaus auch betroffen bin (Spritzen stören mich nicht, aber Behandlungszimmer können Panikattaken auslösen, dank Erlebnissen in meiner Kindheit).

Fakt ist gerade Spritzenphobien sind fast immer hausgemacht (wie ja auch bei deinem Freund durch fehlende Anteilnahme und Unsensibilität in der Kindheit), zu Spaßen ist damit ganz und gar nicht, denn wie du ja auch schon erkannt hast ist eine Spritzenphobie eine potenziell tödliche Krankheit wenn die Betroffenen jegliche medizinische Betreuung verweigern.

Die Angst selber hat übrigens in der Regel nichts mit dem Gefühl bzw den Schmerzen wenn man eine Spritze bekommt zu tun (wenn man sich den kleinen Zeh stößt tut es in der Regel mehr weh), sondern es geht um den Kontrollverlust vor dem man sich fürchtet. Eine Ohnmacht allein ist ein angsteinflößender Kontrollverlust, wenn man zusätzlich in der Vergangenheit auch noch dafür gedemütigt wurde kann das eigentlich kaum jemand wegstecken (und jemand der vielleicht nicht ganz so viel Selbstbewusstsein hat schon gar nicht).

Ist die Angst erst da hat man quasi eine selbsterfüllende Prophezeiung, man möchte sich unauffällig verhalten weil man Angst davor hat ins Visier von Abwertungen oder dummen Sprüchen zu geraden, kann sich aber nicht unauffällig verhalten weil man Angst vor der Spritze hat (also Kontrollverlust). Man ist also auf das Verständis des Arztes angewiesen, aber genau diese Abhängig führt einen ebenfalls in einen Kontrollverlust, da man ja nicht weiß ob der Arzt Verständniss haben wird.

Wichtigstes Therpaieziel ist das der Betroffene das Gefühl zurückgewinnt die Kontrolle zu behalten und nicht abhängig zu sein vom Verhalten des Arztes oder wer auch immer die Spritze verabreicht.
Schritt 1 der Therapie muss deswegen sein mit der Angst selbstbewusst umzugehen, auf sich selbst zu hören und auch zu lernen, dass es okay ist beim Arzt 'nein' zu sagen wenn dieser z.B. Blut abnehmen möchte, aber man selbst sich gerade nicht bereit fühlt dafür.
Dieses Selbstbewusstsein zu erlernen ist in der Regel bereits ein langer Weg, da das Selbstbewusstsein häufig schon seit Ewigkeiten unter der Phobie weggegesackt ist.
Exposition und Konfrontation dürfen bei einem echten Phobiker niemals am Anfang einer Therapie stehen, denn dabei verfestigen sich häufig die negativen Gedankenmuster noch (wahrscheinlich hat die erste Therapeutin in da schon überfordert wenn es danach noch schlimmer wurde). Exposition kommt sobald Selbstwertgefühl in Bezug auf das angstauslösende Objekt aufgebaut wurde und der Betroffene selbst bereit ist sich mit der Sache auseinanderzusetzen (ich würde jeden Therapeuten meiden der da anders rangeht, da es die Gefahr von einer Vertiefung der Traumatisierung beinhaltet und sich dein Freund die im Moment definitiv nicht leisten kann).

Was die Therapieform angeht, so würde ich in diesem Fall zu einer Hypnosetherapie raten. Damit habe ich selbst (auch in Bezug auf die Arztphobie) extrem gute Erfahrungen gemacht. Wichtig dabei ist nur, dass man jemanden dafür findet, der wirklich ganz genau weiß was er tut (und das sind leider in der Regel nicht die Kassentherapeuten die mal eben zusätzlich einen Lehrgang gemacht haben).

Gerne können wir auch ausführlicher darüber reden, mir liegt das Thema durchaus am Herzen, da ich ja quasi auch betroffen bin und weiß wie unglaublich schwer es ist passende Hilfe zu finden, allerdings möchte ich nicht alles hier erzählen, aber du kannst mir sonst auch gerne eine PN schreiben.
 
Hamster_Lover

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Huhu Kompassqualle,

vielen Dank für deinen Kommentar, ich werde dir später auf jeden Fall eine PN schreiben! Und du hast definitiv recht was sein Selbstbewusstsein angeht. Dass Hypnose nicht unbedingt durch eine Fortbildung zu erlernen ist denke ich, aber das in Betracht zu ziehen ist eventuell garnicht so schlecht. Er geht momentan auch nicht zu einer Therapeutin die von der Kasse gezahlt wird, sie ist sehr positiv auch auf alternative Methoden zu sprechen, ich denke das werde ich so weitergeben :)

Die Kontrolle zu verlieren ist seine größte Angst, das hast du wahnsinnig gut erfasst bzw ausgedrückt. Jetzt wo du es sagst fällt mir einiges dazu ein. Oft fahre auch ich Auto wenn es ihm schlecht geht, ich denke genau deswegen dass er dann evtl. denkt er könnte ohnmächtig werden was beim Fahren ja sehr wahrscheinlich zu einem Unfall führt.

Wie gesagt, ich werde dir später eine PN schreiben, danke dir.

LG
 
Julia_93

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Das hört sich echt heftig an.
Also meine Schwester hatte auch eine extreme Nadelphobie aber bei weitem nicht so heftig wie bei deinem Freund.
Ich kann dir ja mal ein bisschen davon erzählen wie es war und was sie dagegen gemacht hat.

Bei Ihr war das auch so, sobald man davon gesprochen hat, sei es Blutabnahme, übers nähen etc wurde sie kreidebleich und ihr wurde schlecht.
Man konnte mir ihr nicht über Nadeln sprechen.
Damals beim Kinderarzt weiß ich noch das sie sich regelmäßig, sobald sie die Spritze gesehen hat sich übergeben musste.
Was bei ihr aber auch war ist, dass sobald nur ein kleiner Tropfen Blut an ihrem Finger war sie weg gekippt ist.
Mein Freund ist Diabetiker und ihr war es auch zu viel, wenn sie wusste das er sich im Nebenraum spritzen musste und sobald sie das Spritzbesteck gesehen hat
ist sie aus dem Raum geflohen.

Was ihr geholfen hat war der aufenthalt in der Geschlossenen.
Sie war zwar wegen was anderem (Selbstverstümmelung und so) eingewiesen worden aber dort wurde auch diese massive Phobie behandelt.
Von selbst hätte sie nie ne Therapie gegen die Phobie angefangen aber in der Klinik, naja sie hatte einfach keine andere Wahl und hat sich dem gefügt, sie kontte da ja auch nicht weg.
Sie war 2 Monate in der Geschlossenen und musste später zur weiteren Behandlung.
Nach 2 Jahren siehe da hat sie jetzt Piercings ;)

Ich kann dir nicht sagen ob ein Aufenthalt in der Geschlossenen deinem Freund helfen würde aber ich denke, das es einen verusch Wert ist.
Er ist isoliert, kein Internet und kein gewohntes Umfeld, wo er sich verrückt machen könnte, also mit googeln ist da nicht viel. Und es kan ihn niemand aus dem Umfeld "manipulieren".
Vielleicht wenn er sich intensiv und alleine damit auseinander setzt könnte er die Angst dämmen oder mit ihr leben.

Wenn du noch Fragen hast frag einfach^^

Hoffe ich konnte dir etwas helfen.
Alles Gute.
 
Kompassqualle

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Was bei ihr aber auch war ist, dass sobald nur ein kleiner Tropfen Blut an ihrem Finger war sie weg gekippt ist.
Das nennt man manchmal auch Verletzungsangst und es ist eine gentisch fixierte Veranlagung unter der etwa 10% der Menschen leiden. Es hat sogar einen evolutionären Hintergrund, wer bei einer schlimmen Verletzung ohnmächtig wird hat bessere Überlebenschancen, da horizontales Liegen und verlangsamter Puls bei einer Ohnmacht es unwahrscheinlicher machen zu verbluten. Die Ohnmacht wird ausgelöst durch einen Abfall der Blutdrucks und es ist eine reine Schutzfunktion des Körpers bei Verletzungen, leider kann das Hirn dann aber da nicht immer richtig unterscheiden ob es nur ein Tropfen Blut ist, oder gleich eine gefährliche Wunde. Einige Betroffene werden auch ohnmächtig wenn sie das Blut von anderen sehen, einigen wird sogar schon schwindelig wenn sie nur daran denken.

Diese genetische Veranlagung kann man nicht ablegen, man kann allerdings durch eigene mentale Stärkung (z.B. gute Ablenkungsstrategien) verhindern bei kleinen Dingen wie z.B. Blutabnehmen ohnmächtig zu werden. Menschen mit Verletzungsangst sind dennoch gefährdeter eine Phobie auf dem Gebiet zu entwickeln da vom Umfeld (selbst von medizinischem Personal) oft unangemessen umgegangen wird mit ihrem Problem und sich so häufig auch noch ein psychisches Problem obendrauf entwickelt (z.B. wenn man Betroffenen das Gefühl vermittelt sie müssten sich für ihre Ohnmachtsreaktion schämen).
Was ihr geholfen hat war der aufenthalt in der Geschlossenen.
"Die Geschlossene" gibt es ja in dem Sinne nicht und ich denke auch in einer Einrichtung die vielleicht auch nur irgendwie auf 1000 Meilen Entfernung etwas von einem Krankenhaus hat ist Hamster_Lovers Freund erstmal falsch, da es für ihn wahrscheinlich bereits eine Konfrontation mit der Phobie bedeuten würde (sicher ist in so einer Einrichtung irgendwo eine Spritze im gleichen Gebäude und Angstvorstellungen von Zwangsbehandlungen tun dann ihr übrigens).
Menschen mit solchen Phobien müssen auch therapeutisch erstmal ein wenig in Watte gepackt werden, damit sie durchatmen können und überhaupt Vertrauen zum Therapeuten aufbauen (die meisten erwarten grundsätzlich ausgelacht und nicht ernst genommen zu werden), danach muss man dann sehen, dass man ihr Selbstbewusstsein stabilisiert und sie lernen, dass ihre Ängste (und damit sie selbst) nicht dumm und peinlich sind, sondern in ihrem Kern relativ normalen und verständlichen Mustern folgen. So baut man Selbstablehnung ab und wo die schwindet kann auch neuer Mut, neues Selbstvertrauen wachsen.

Vielleicht wenn er sich intensiv und alleine damit auseinander setzt könnte er die Angst dämmen oder mit ihr leben.
Ein Mensch mit einer starken Phobie setzt sich praktisch den ganzen Tag nur mit seiner Angst auseinander, bei Hamster_Lovers Freund so schlimm, dass er nichtmal mehr vor die Tür gehen kann und die Gedanken um nichts anderes mehr kreisen, daher sollte man therapeutisch eher von einer Beschäftigung mit dem angstauslösenden Objekt wegkommen.
Dass Hypnose nicht unbedingt durch eine Fortbildung zu erlernen ist denke ich, aber das in Betracht zu ziehen ist eventuell garnicht so schlecht.
Phobien sind eigentlich ein Behandlungsklassiker für Hypnose, allerdings ist auch nicht unbedingt jeder Hypnosetherapeut gut. Ich habe zwei schlechte erwischt bevor ich "meine" Hypnosetherapeutin gefunden habe. Leider gibt es keine gesetzlichen Standards und zur Zeit darf sich theoretisch jeder in Deutschland "Hypnosetherapeut" nennen und da sind natürlich auch viele Leute bei, die keine Ahnung haben was sie da tun und im schlimmsten Fall nur noch mehr Schaden anrichten.
Eine gewisse Sicherheit was Qualitätsstandards angeht bieten Therapeuten in Dachverbänden wie die z.B. dem DGH:
http://www.dgh-hypnose.de/patienteninfo.html


Wie gesagt, ich werde dir später eine PN schreiben, danke dir.
Jederzeit ;)
 
Midoriyuki

Midoriyuki

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Mal ganz davon abgesehen, dass dein Freund entsprechende professionelle Hilfe braucht, dazu hast du ja schon wirklich gute Hinweise und Tips bekommen:

Vergiss dich selbst nicht.

Man opfert sich bis zur völligen Selbstaufgabe für einen so stark im Alltag eingeschränkten Partner auf, macht und tut, verzweifelt konstant immer weiter, fühlt sich hilflos und irgendwann bricht man selbst zusammen, weil es einfach nicht mehr geht.

Es ist wirklich ganz wichtig, dass nicht nur dein Freund Hilfe bekommt, sondern du solltest dir auch entsprechende Anlaufstellen suchen.
Es gibt inzwischen ganz tolle Selbsthilfegruppen für Angehörige mit psychischen Beeinträchtigungen aller Art und auch entsprechende Therapeuten.

Um deinem Freund eine Stütze sein zu können musst du selbst stabil bleiben können und dich auch bis zu einem gewissen Grad abgrenzen können, gerade wenn du selbst kein ganz unbeschriebenes Blatt bist was Depressionen usw. betrifft.

Das heißt nicht, dass du ihn hängen lassen sollst o.ä., aber du solltest sehr sensibel dafür sein/werden was du selbst leisten kannst und was einfach über deine Kraft hinaus geht.
 
Kompassqualle

Kompassqualle

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Ein Like an Midos Beitrag :023:
 
Hamster_Lover

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Ich denke eine Klinik wäre für ihn absolut das falsche, genau vor sowas wie sich selbst "einweisen" hat er ja schrecklich Angst. Alles was mit Ärzten zu tun hat versucht er zu meiden und ich bin wahnsinnig stolz auf ihn dass er den Mut aufgebracht hat mit mir zusammen zu einer Therapeutin zu gehen. Das kostet viel Überwindung, schon bei jemand der keine Phobie vor Ärzten hat, bei ihm noch mehr. Ich sehe das schon als großen Erfolg.

Ich versuch auch immer ihm zu vermitteln wie stolz ich auf seine bzw unsere Erfolge bin. Auch dass es inzwischen wieder möglich ist zu Familienfesten zu gehen (ging echt ne Weile garnicht) und dass er sich so Mühe gibt. Er will ja an sich arbeiten und er gibt sich so viel Mühe er kann, aber ich sag ihm auch immer er soll mit den kleinen Erfolgen zufrieden sein und sich zu nichts zwingen.

Auch wenn es bei uns ab und an etwas krieselt kann ich ihn nicht hängen lassen, ich bin ja seine einzige Vertrauensperson, seine Familie läßt ihn da ja ziemlich hängen.

@Midori ich weiß was du meinst und ich geb mir auch Mühe, aber um ehrlich zu sein ist das Problem mit meinem Freund eher das kleinere Übel das auf mir lastet.
Ich versuche aber schon mich nicht selbst zu übernehmen.
Das mit den Selbsthilfegruppen wusste ich nicht, das finde ich eine ganz tolle Idee :) da mach ich mich mal schlau.


Off-Topic
Das wäre jetzt noch der Worst Case wenn ich "rückfällig" werden würde bzw es mir schlechter gehen würde, das kann ich mir gerade echt nicht leisten.


LG
 
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