Nachbarin - untragbarer Zustand

Diskutiere Nachbarin - untragbarer Zustand im Familie & Freunde Forum im Bereich Smalltalk; Gerade bei Demenzkranken ist das keine Seltenheit. Klar ich möchte hier keine Ferndiagnose stellen und ich kenne die Frau nicht. Aber wenn ich mir...
Dondon96

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Oder kennt ihr jemanden, der grundlos so ein Verhalten an den Tag legt?
Gerade bei Demenzkranken ist das keine Seltenheit. Klar ich möchte hier keine Ferndiagnose stellen und ich kenne die Frau nicht.
Aber wenn ich mir so durchlese, was seven hier so schreibt erscheint mir eins klar: die Frau kann offensichtlich nicht mehr adäquat für sich sorgen.
Aus diesem Grund, exe, ist hier auch die Rede von einem Betreuer.
Die Frau scheint ihre Lage nicht mehr im Griff zu haben und vor allem nicht zu sehen. Und mit ihrem Verhalten sich und andere wirklich zu gefährden. Ich halte sevens Sorge nicht für unbegründet. Nicht selten entstehen Wohnungsbrände durch Rauchen auf dem Sofa/im Bett, weil der Raucher einschläft und die Frau kann sich offensichtlich kaum mehr bewegen.

Was, wenn sie im Bett raucht, aufstehen möchte und dabei stürzt? Die Zigarette kann schnell einen Teppich entflammen und dann wars das.
Klar, ein Horroszenario. Aber anscheinend nicht abwägig wenn man sich so ansieht, was bereits vorgefallen ist.

Ich denke eine gute Betreung (nicht unbedingt durch einen gesetzlichen Betreuer) ist unabdingbar. Ob dies allerdings durch einen ambulanten Pflegedienst abgedeckt werden kann wage ich zu bezweifeln.
 
Cerridwen

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Ich weiß z.B. auch nicht was passiert, wenn eines Tages kein Pflegedienst mehr bereit ist, die Versorgung zu übernehmen. Und je kleiner der Ort, desto weniger Pflegedienste kommen überhaupt in Frage. Können Pflegedienste zwangsverpflichtet werden?
Nein, man kann Pflegedienste nicht zwingen, einen Patienten zu betreuen, nicht gegen dessen Willen.

Zu meiner Ausbildung gehörte meinerzeit ein Pflichteinsatz im ambulanten PD. Wir übernahmen einen Patienten, der am Tag zuvor aus dem Krankenhaus entlassen wurde, mit dem Auftrag, einzukaufen, Medikamente beim Arzt zu besorgen und diese zu richten und zu verabreichen. Der Patient war ein älterer netter Opi, allein in seinem viel zu großen Haus lebend.

Am nächsten Tag erhielten wir zu Dienstbeginn von unserer Chefin die Information, dass die Betreuung des Patienten sofort zu beenden sei: Man hatte uns bewusst verschwiegen, dass der Patient bereits 5 andere Pflegedienste verschlissen hatte, die alle von sich aus gekündigt haben, weil sie um ihr Leben fürchteten. Der Patient war suspendiertes Mitglied im örtlichen Schützenverein, besaß ein Arsenal an scharfen Waffen von Pistole über Jagdgewehr bis zu Präzisionsgewehren, und sei seit Jahren in der Nachbarschaft bekannt, seine Umgebung mit dem Tode zu bedrohen und auch gerne mal mit der Waffe im Anschlag auf dem Balkon zu stehen und umherlaufende Personen oder Autofahrer ins Visier zu nehmen. Eine Beschlagnahmung der Waffen durch die Polizei lehnte er selbstverständlich ab.
Die Information kam von der Tochter des Patienten selbst, die gemeinsam mit ihren 5 Geschwistern jeden Kontakt zum Vater abgebrochen hatte, weil auch sie von ihm bedroht wurden.

Unsere Chefin bestand auf einem persönlichen Gespräch, sah sich aber leider, leider nicht in der Lage, das selbst zu übernehmen. Meiner Kollegin und mir gebührte ergo die ehrenvolle Aufgabe, dem Patienten von Angesicht zu Angesicht diese Nachricht zu überbringen. Ich gebe ehrlich zu, dass ich noch nie in meinem Leben solche Angst verspürt habe wie an dem Tag, als wir vor seiner Haustür standen und warteten, dass sich die Türe öffnete. Am liebsten hätte ich ins Beet gekotzt, bevor mir die Beine den Dienst versagten.
Der Patient öffnete liebenswürdig wie am Vortag die Tür, bemerkte aber unsere blassen Gesichter. Drinnen konnte ich ihm nicht den Blutzucker messen, meine Hände zitterten derart, dass ich mit dem Teststreifen nicht mal sein Ohr traf. Die Botschaft, die wir ihm überbrachten, nahm er in gefährlicher Ruhe hin: Ob wir etwa den Gerüchten glaubten, dass er durch seine Waffen gefährlich sei? Wer habe ihn diffamiert? Ein Verhör begann, wir durften freilich nichts sagen.

Nachdem wir das Haus verlassen hatten, fuhren wir, unsere weiteren Patientenaufträge ignorierend, zurück in die Zentrale und meldeten uns beide für diesen Tag ab. Noch am Abend suchten mich Panikattacken heim. Am nächsten Tag landete ich erst beim Hausarzt, dann in der psychiatrischen Institutsambulanz.

...

Ein Jahr später hatte ich meinen Pflichteinsatz in einer Psychiatrie. Ratet mal, wer dort als Patient einsaß. Beim Lesen seiner ellenlangen Krankenakte jagte mir ein Schauer nach dem anderen über den Rücken. Das Sahnehäubchen von allem war laut Polizeibericht eine scharfe Handgranate, die man bei der gerichtlich angeordneten Beschlagnahmung seiner Waffen in der Schublade seines Nachttischchens gefunden hatte.

______________

Was möchte ich mit dieser viel zu lang geratenen Anekdote sagen? Kein Pflegedienst dieser Welt kann verpflichtet werden, einen Patienten zu betreuen, wenn dieser es ablehnt oder die Zustände unzumutbar sind. Hier ist nur eine gerichtliche Betreuung und/oder medizinisch-psychiatrische Begutachtung sinnvoll, damit der Patient sein Leben und seine Gesundheit wahren kann.
 
Elkecita

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Ich habe jetzt nur den Beitrag von Seven gelesen. Die Antworten lese ich jetzt noch.

Die arme Frau hat schwerste Demenz. Erinnert mich an meinen Vater. Das mit den Schimpfworten und der steigenden Aggressivität ist eine üble Begleiterscheinung der Demenz. Mein Vater hat in seinem ganzen Leben kein Schimpfwort in den Mund genommen. Das war in unserem Haus tabu. Und nun benutzt er nicht nur sämtliche bekannten deutschen Schimpfworte, sondern erfindet noch welche dazu. Und das von morgens früh bis abends. Jeder und alles wird damit bedacht. Dabei schlägt er um sich, tritt meiner Mutter und dem Pflegepersonal an Schienbeine und in die Rippen, flucht wie ein Hafenarbeiter in Marseille ............... Schlimm, und oft auch peinlich.

Um die Frau müssen sich ihre Angehörigen kümmern. Irgendjemanden muss sie doch haben. Den Schilderungen nach müsste sie schon Pflegestufe 2 oder 3 haben, d.h. der oder die Angehörigen können auf über 1000 Euro Hilfeleistungen von der Krankenkasse verfügen, wenn sie das beantragen. Bei Einlieferung in ein Heim übernimmt die Krankenkasse auch diesen Teil der Kosten. Aber klar, eine Einlieferung in ein Heim oder die Bestellung von Pflegepersonal muss von einem Angehörigen beantragt werden. Es muss doch jemand zu finden sein, Kinder, Geschwister, Cousins .......

So, ich lese mal den Rest der Einträge
 
pc.lieschen

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Das Rauchen im Bett ist kein Grund das ist persönliche Freiheit. Über mir wohnen ja Demenz Kranke in einer großen WG und die Pflege sagt das kann man nicht verbieten, sie dürfen ja nicht Mal eigenmächtig ein Gitter vor das Bett machen um die Leute vor stürzen zu schützen sondern brauchen auch da eine Genehmigung.
Ich streite mich hier seit Jahren wegen dem Rauchen meines Nachbarns, von Prinzip ist es mir egal ob er raucht aber nicht im Flur der nicht belüftet werden kann, bin schon 2x mit Asthma umgekippt.
Im Endeffekt kann jeder Raucher beim Rauchen einschlafen egal wo er raucht, damit werden wir Nichtraucher wohl leben müssen genauso mit der Gefahr.

Ansonsten denke ich Frage den Pflegedienst welche Schritte du wo einleiten kannst, die kennen sich da meist ziemlich gut aus wie man ja an cherry-lein sieht.

Schreien tut hier die eine Tag und Nacht um Hilfe und als Abwechslung singt sie mal, das zerrt, vor allem im Sommer an den Nerven.

Viel Glück
 
Luna & Artemis

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Schreien tut hier die eine Tag und Nacht um Hilfe und als Abwechslung singt sie mal, das zerrt, vor allem im Sommer an den Nerven.
Ich dachte auch immer "Och ja, dann singt da mal jemand, sowas kann man doch überhören" und dann war ich im Krankenhaus. Ich total am Ende meiner Kräfte nach der Geburt meines Sohnes und dann plötzlich von der Station über uns eine demente Frau die den ganzen Tag "Hallo" gepaart mit verschiedenen Namen und auch "Hilfe, Hilfe, holt mich hier raus" schrie. Das gefühlt 18h durchgängig und dann auch mal Nachts die Möbel umher schob... Ich bin fast wahnsinnig geworden, aber die Schwester meinte eben auch das sie nicht einfach "nur deswegen" fixieren dürfen und das sie auch nur die aufgeschriebenen Medikamente geben dürfen. Sie könne mich gut verstehen sie würden es ja auch hören...
 
Elkecita

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Es geht hier ja nicht nur darum, dass sie im Bett raucht, etc., Seven macht sich wirklich auch Gedanken darüber, dass die Frau ohne Pflegedienst hilflos ist, noch dazu, wo sie ohne die Insulinspritze wahrscheinlich demnächst in einen Zuckerschock fallen wird. So jemanden KANN man einfach nicht unbeaufsichtigt lassen.

Ich weiss selbst sehr gut, was Demenz bedeutet. meine Mutter pflegt meinen Vater nun schon fast 6 Jahre, und was anfänglich harmlos aussah, wird mit der Zeit immer schlimmer. Ständiges Rufen sämtlicher Namen, die er in seinem Leben kennengelernt hat, plötzliche und völlig unerwartete Wutanfälle mit Schreien, die einem das Herz stillstehen lassen können vor Schreck, Verweigerung von Essen und Trinken, Schlagen und Treten, Fluchen und Schimpfen ................ das alles hat sie bereits mit zig Mittelchen versucht zu bekämpfen. Aber dann liest man den Beipackzettel und Dir wirds schlecht. Auf viele reagiert mein Vater dann auch apathisch, was ihr auch nicht recht ist. Also kriegt er im Moment ausser ein paar Beruhigungstropfen vorm Schlafen nichts.

In ein Heim geben?????? Solange meine Mutter noch rüstig und fit ist, solange sie noch die Unterstützung von der Pflegestation erhält, solange wird mein Vater zu Hause bleiben. Selbst in Kurzzeitpflege gibt sie ihn nicht, um mal selbst in Urlaub fahren zu können. Grund: in den Heimen werden die Patienten stillgelegt, logisch, keiner hat so viel Zeit, sich um jeden der Patienten so ausgiebig zu kümmern. Da kriegen sie dann Medikamente, damit sie ruhig bleiben. Ein Dämmerdasein. Das will meine Mutter meinem Vater niemals antun. Grade letztens war er wieder 3 Tage im Krankenhaus, da kümmert sich kein Mensch, ob er isst oder nicht. Wenn das Tablett nicht angerührt wird, kommt es wieder weg. Pech gehabt. Aber dass jemand dabeisitzen muss und ihn mit viel guten Worten und Tricks zum Essen bringt, ja das kann man in einem KH oder Heim vergessen.

Demenz ist schlimm. Aber die Patienten wissen nicht, warum sie so sind. Sie brauchen viel Liebe und viel Zuwendung. Und diese Nachbarin von Seven tut mir schrecklich leid. Wenn man alt wird und niemand kümmert sich um einen. Ich stelle mir das soooo schlimm vor.

Ach übrigens, Gitter vorm Bett kann ein Angehöriger anordnen. Aber ohne die Erlaubnis eines Angehörigen dürfen die Ärzte oder das Pflegepersonal die Gitter nicht anbringen.
 
ShiGi

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Also nur aufgrund von dem was Seven hier schreibt, Demenz zu diagnostizieren, halte ich schon für sehr gewagt. Zu einer Demenz gehören schon noch ein paar Dinge mehr als beleidigend zu sein und trotz Handicaps keine Hilfe annehmen zu wollen. Gerade zu einer schweren Demenz :eusa_shhh: An sich ist es ja auch völlig egal, was die Frau hat, das ist ja nicht das Thema, aber solche Ferndiagnosen finde ich etwas, naja, fraglich...
 
seven

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Ob das jetzt Demenz ist, kann und will ich nicht beurteilen. Mir geht´s um die Gefahr, die von ihr für sich und eben auch für andere ausgeht.
Dass man niemandem das Rauchen im Bett verbieten kann, ist mir schon klar - und dass es jedem passieren kann, dass er einschläft oder ihm die Zigarette hinfällt, ist mir auch klar.
Aber die Wahrscheinlichkeit, dass es bei ihr passiert, ist doch um ein Vielfaches höher. Selbst wenn ihr nur die Zigarette aus der Hand fällt und sie das bemerkt - bis sie sich aus dem Bett gehievt hat, steht längst die ganze Bude in Brand, abgesehen davon, dass sie es überhaupt nicht schaffen würde, die Zigarette aufzuheben - Bücken ist nämlich nicht...
Und ich sag´s nochmal: Sie hat keine Angehörigen ;) Sie hat sich schon vor etlichen Jahren mit ihrer Mutter überworfen (das hat die uns damals noch selbst erzählt, als sie noch hier wohnte), sie hat keine Geschwister (hat uns auch die Mutter erzählt), verheiratet war sie auch nie... Ob sie Cousinen oder Cousins hat, weiß ich nicht - aber selbst wenn: Sie hat sich ja mit allen überworfen, zuletzt ja auch mit dem letzten ihr verbliebenen Bekannten. Und das verwundert mich kein bisschen, denn schon als sie noch nicht "dement" (oder was auch immer da bei ihr schiefläuft) war und noch nicht das Haus zusammengebrüllt hat, als sie noch selbst einkaufen fahren konnte etc., war sie ja schon ein absolutes Ekelpaket, das es geschafft hat, sich in Bruchteilen von Sekunden jegliche Sympathien zu verscherzen...

@Dondon: Dein Beitrag trifft den Nagel auf den Kopf! Genau so ist es!

Mir ist eingefallen, dass ich ja donnerstags eine Freistunde habe - die gerade noch so in die Sprechzeiten vom Betreuungsgericht fällt - da werde ich es morgen erstmal versuchen, vielleicht können die mir was sagen. Dazu werde ich dann Cerridwens Beitrag im Hinterkopf haben - wobei ich mir einen Ortstermin mit Richter noch nicht so wirklich vorstellen kann ;) Aber lassen wir uns überraschen...

LG und nochmal danke an alle, die sich hier Gedanken machen!
seven
 
cherry-lein

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Ach übrigens, Gitter vorm Bett kann ein Angehöriger anordnen. Aber ohne die Erlaubnis eines Angehörigen dürfen die Ärzte oder das Pflegepersonal die Gitter nicht anbringen.
Das stimmt nicht. Eine Fixierung (dazu zählt auch das Bettgitter) darf nur vom gesetzlichen Betreuer (was ja in der Regel ein Angehöriger übernimmt) oder einem Richter angeordnet werden. Nur weil man mit jemandem Verwandt ist darf man nicht über dessen Freiheitsentzug bestimmen. Das Pflegepersonal darf nach ärztlicher Anordnung eine Person für 24 Stunden fixieren wenn Eigengefährdung besteht, danach muss ein Eilantrag beim Gericht gestellt werden. Zumindest ist es hier in Deutschland so ;)
 
Cerridwen

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Ich bin fast wahnsinnig geworden, aber die Schwester meinte eben auch das sie nicht einfach "nur deswegen" fixieren dürfen und das sie auch nur die aufgeschriebenen Medikamente geben dürfen. Sie könne mich gut verstehen sie würden es ja auch hören...
Abgesehen davon, dass eine medikamentöse Sedierung denselben rechtlichen Grundlagen unterliegt wie eine mechanische Fixierung:
In jedem KH ist für jede Station 24h am Tag ein Dienstarzt zuständig, der im Bedarfsfall - auch telefonisch - Medikamente anordnen kann, wenn Not am Mann ist. Die Ausrede der Schwestern, man könne nichts geben, weil nichts angeordnet sei, ist entweder Unwissen, oder Faulheit.
 
seven

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So, es gibt interessante Neuigkeiten ;)

Ich habe heute meine Freistunde genutzt und mit einer sehr netten Dame vom Betreuungsgericht gesprochen - geschlagene 20 Minuten lang ;)

Ich hab´ ihr die ganze Sachlage geschildert, sie hat mir erklärt, dass ich einen Antrag auf einen Berufsbetreuer stellen könne, was 6-8 Wochen dauern würde und natürlich überprüft werden müsse, dazu würde dann ein nervenärztliches Gutachten erstellt und sie könnte auch gegen ihren Willen auf PsychKG eingewiesen werden.
Soweit so gut.
Dann wollte sie natürlich meine Adresse haben, um mir den Antrag zu schicken.
Und dann wollte sie noch den Namen meiner Nachbarin haben.
Und als ich ihr den genannt habe, ist sie hintenrüber vom Stuhl gekippt :mrgreen:.
Sie sagte nur: "Den Namen kenn´ ich, den kenn´ ich, Moment, ich such´ mal."
Und siehe da: Vor einiger Zeit muss wohl schon mal jemand einen ersten Antrag gestellt haben (und zwar war das ihr Freund aus Stuttgart - und ja, ich weiß, ich hab´ oben Frankfurt geschrieben, ich hab´ mich schlichtweg vertan, sorry ;) ) - jedenfalls wurde dieser Antrag abgelehnt, weil die Nachbarin zusicherte, sich auf eigene Faust einen Pfleger zu suchen - eben genau jenen Freund aus Stuttgart... der ja aber seit Ewigkeiten nicht mehr gesichtet wurde.
Dann berichtete mir die Dame vom Amt, dass inzwischen bereits das 2. Verfahren läuft, diesmal beantragt durch den Pflegedienst, der ja jetzt gekündigt hat.
Will also heißen: Es läuft bereits ein Verfahren, die Dame konnte meine Sorgen sehr gut verstehen und meinte, das wäre ja wirklich kein Zustand und eine Gefährdung sowohl des Wohles der Nachbarin als auch der übrigen Hausbewohner - und die Chancen stünden sehr gut, dass die Dame tatsächlich zwangseingewiesen wird nach all den Puzzleteilen, die jetzt zusammengekommen sind.
Ich hab´ ihr noch gesagt, dass meine Nachbarn parallel mit dem Ordnungsamt sprechen würden, und sie meinte, das wäre keine verkehrte Idee, je mehr Leute da involviert wären, desto offensichtlicher wäre die Dringlichkeit der Sache - wobei sie auch meinte, dass man auf Initiative des Ordnungsamtes oft ewig warten müsste...

Nuja... das ist der Stand heute. Wir warten ab... wir können uns zumindest nicht vorwerfen, dass wir im Falle eines Falles nichts unternommen hätten.

LG seven
 
L

Luna+Arthi

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Ich drück dir die Daumen, halt durch. Gerade sowas ist sehr schwer.
 
cherry-lein

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Abgesehen davon, dass eine medikamentöse Sedierung denselben rechtlichen Grundlagen unterliegt wie eine mechanische Fixierung:
In jedem KH ist für jede Station 24h am Tag ein Dienstarzt zuständig, der im Bedarfsfall - auch telefonisch - Medikamente anordnen kann, wenn Not am Mann ist. Die Ausrede der Schwestern, man könne nichts geben, weil nichts angeordnet sei, ist entweder Unwissen, oder Faulheit.
So einfach ist das nicht. Wer mal auf einer internistischen Station mit Demenzkranken gearbeitet hat weis das man die Leute nicht 24/7 "abschießen" darf. Natürlich bekommen solche Patienten schon Medikamente die beruhigen sollen aber nicht selten wird trotzdem gerufen oder geschrien. Wenn die gängigen Medis wie Tavor, Mirtazapin, Melperon und Co schon angeordnet sind kann der Dienstarzt da auch nicht mehr viel tun weil man die Leute ja nicht dauerhaft sedieren darf. Zu sagen man wäre faul weil man den AvD nicht wegen sowas ständig anruft finde ich da fast schon frech. Bei uns im Haus (wie in den meisten Krankenhäusern) gibt es auch nicht für jede Station einen Dienstarzt sondern ein Internist kümmert sich um 3 Stationen und die Notaufnahme, genauso sieht es bei den Chirurgen aus. Ist die Notaufnahme voll oder gibt es auf einer anderen Station einen Notfall kann der nun mal nicht eben so mal hochkommen weil ein Dementer schreit, das ist schlichtweg kein Notfall. Natürlich es sowas nervig für die Pflege und die anderen Patienten aber man kann da tatsächlich nicht viel tun.


Finde ich super das du dich da so bemühst seven, den meisten Leuten sind ihre Nachbarn ja mittlerweile egal. Wenn da schon was am laufen ist dürfte da ja hoffentlich bald was passieren vorallem wenn jetzt so viele Leute intervenieren. Ich hoffe das Beste für die Dame.
 
Dondon96

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Das sind ja mal positive Nachrichten, seven :)! Ich hoffe dass es nun auch schnell weiter voran geht und die Frau zu ihrer eigenen Sicherheit endlich eingewiesen wird. Und zwar hoffentlich bevor tatsächlich noch etwas passiert.
 
Elkecita

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Finde ich auch, toll, wie Du Dich um die Nachbarin sorgst und um die Gefahren, die sie für sich selbst und den Rest der Mitbewohner darstellt. Nicht jeder macht sowas, und die meisten Leute drücken einfach die Augen zu. Das sind ja gute Nachrichten. Ein Einweisung wäre nicht nur für Euch Mitbewohner eine Erleichterung, sondern auch das Beste für diese Frau, denn es ist klar, dass sie Betreuung benötigt und dass sie in der augenblicklichen Situation weder gesundheitlich noch sonst ausreichend betreut wird.

Drücke die Daumen.
 
Cerridwen

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So einfach ist das nicht. Wer mal auf einer internistischen Station mit Demenzkranken gearbeitet hat weis das man die Leute nicht 24/7 "abschießen" darf. Natürlich bekommen solche Patienten schon Medikamente die beruhigen sollen aber nicht selten wird trotzdem gerufen oder geschrien. Wenn die gängigen Medis wie Tavor, Mirtazapin, Melperon und Co schon angeordnet sind kann der Dienstarzt da auch nicht mehr viel tun weil man die Leute ja nicht dauerhaft sedieren darf. Zu sagen man wäre faul weil man den AvD nicht wegen sowas ständig anruft finde ich da fast schon frech. Bei uns im Haus (wie in den meisten Krankenhäusern) gibt es auch nicht für jede Station einen Dienstarzt sondern ein Internist kümmert sich um 3 Stationen und die Notaufnahme, genauso sieht es bei den Chirurgen aus. Ist die Notaufnahme voll oder gibt es auf einer anderen Station einen Notfall kann der nun mal nicht eben so mal hochkommen weil ein Dementer schreit, das ist schlichtweg kein Notfall. Natürlich es sowas nervig für die Pflege und die anderen Patienten aber man kann da tatsächlich nicht viel tun.
Ich weiß selbst wie der Stationsalltag auf einer Inneren (und auch auf Chirurgie, Neuro und Stroke Unit) mit Demenzerkrankten abläuft, das musst du mir nicht erklären. ;) Hab da lange genug gearbeitet um zu wissen wie der Hase läuft.
Freilich wird keiner grundlos 24h sediert. Wenns aber um die Nachtruhe geht, sind Dienstärzte am Telefon fast immer gern bereit, das Menschenmögliche möglich zu machen. Zumindest hat zu mir niemals einer gesagt "Kann man nix machen, Ohren zu und durch". Es geht da auch nicht darum, die Nachtschwester zu entlasten und sich das Leben bequem zu machen: Ein Dementer, der die ganze Nacht wach bleibt, ist tagsüber schwieriger zu händeln als wenn er schliefe und einen anständigen Tag-Nacht-Rhythmus hätte; die ATL "Wach sein und schlafen" wird nur allzu oft vernachlässigt. Oft auch, weil einfach keine Kapazität da ist, den dementen Patienten einen Rhythmus angedeihen zu lassen. In guten Pflegeheimen funktioniert das. Im Wohnbereich Demenz, wo ich einmal arbeitete, waren die Tagesabläufe so gut durchstrukturiert, dass nachts alles poofte und schnarchte; da war keiner wach, rief niemand um Hilfe, wurde niemand sediert.

Habe in den Jahren leider schon zu oft Kollegen gehabt, die aus reiner Bequemlichkeit nicht das taten, was sie hätten tun können. Das fing bei Lagerungsplänen an und hörte bei Bedarfsmed-Gabe auf. Gab zwar am nächsten Morgen nen Anranzer vom Dienstarzt ("Warum habense denn nicht mal angerufen?"), aber das hat dann auch niemanden mehr gejuckt. :roll:



Schön dass es jetzt bei dir, seven, in die Gänge kommt. Ich bin gespannt, wie es weitergeht und sich entwickelt.
 
seven

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Ich werde Euch auf dem Laufenden halten!
Ich danke auf jeden Fall für alle Unterstützung, da konnte ich mir ja einiges rauspicken und somit einen großen Schritt weiterkommen!
Interessanter- und erstaunlicherweise hab´ ich, seit ich beim Amt angerufen habe, kein Gebrüll mehr gehört... Ich könnte ja jetzt fast vermuten, dass die Nachbarin in einen Zuckerschock gefallen ist - aber das Amt hat mir ja versichert, dass der Pflegedienst erstmal noch weiterhin da ist (Ich Depp hab´ vergessen zu fragen, wie lange noch...)... und die Nachbarn haben ihn gestern auch noch gesehen...
Nuja... jedenfalls ist ja offenbar was im Rollen, und ohne Eure Tipps hätte ich echt nicht gewusst, wohin denn nun zuerst...
Danke!

seven
 
seven

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Ok, ich hab´ mich zu früh gefreut - gestern Nacht gegen 23 Uhr hat es wieder vom Feinsten gebrüllt ;) Aber nun gut, wir sind ja dran - und auch die Nachbarn sind froh, dass jetzt (hoffentlich bald) was passiert...
 
Maravilla

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Ok, ich hab´ mich zu früh gefreut - gestern Nacht gegen 23 Uhr hat es wieder vom Feinsten gebrüllt ;) Aber nun gut, wir sind ja dran - und auch die Nachbarn sind froh, dass jetzt (hoffentlich bald) was passiert...
Eventuell doch die Polizei rufen, wenn es so schlimm ist? Ich meine, bei Ruhestörung aufgrund von Party, Randalen und so weiter, reagiert man doch auch irgendwann. Wenn du die Ruhestörung meldest, hast du auch Nachweise über die Häufigkeit und die Zeiten in der Hand, mit denen weiter gearbeitet werden kann. So sind es erst einmal "nur" eure Aussagen, aber nichts Dokumentiertes.

viele Grüße
Maravilla
 
seven

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Nuja, ich hab´s mit´m Handy aufgenommen ;) Und man hört es ja wirklich meist nur im Hausflur (ich hab´ nicht so empfindliche Ohren wie meine Noch-Frau, die es ja auch im Schlafzimmer gehört hat) - da stört es nicht großartig, also mich zumindest nicht, die Nachbarn hören es auch nicht wirklich in ihrer Wohnung.
Also wegen Ruhestörung könnte man sie da wohl eher weniger drankriegen.
Ich hab´ inzwischen mehrere Handyaufnahmen mit ihrem Gebrüll, das kann man also schon belegen, aber das viel Wichtigere ist ja, dass jetzt hoffentlich bald was passiert und sie in ein Pflegeheim kommt, wo man sich adäquat um sie kümmern kann.
Wenn ich bei jedem Gebrüll die Polizei rufen würde - da hätte ich täglich zu tun - und das Problem ist ja auch: Man hört sie brüllen - man ruft die Polizei - und bis die Polizei da ist, ist plötzlich wieder Ruhe. Das ist einfach nicht berechenbar...
 
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