Kastration Rüde - Zeitpunkt

  • Ersteller des Themas Keisuke
  • Erstellungsdatum
Keisuke

Keisuke

22.08.2013
698
6
Hey,

ja schon wieder ein Thread über die Kastration bei Rüden - aber ich möchte ungern fremde Threads für meine Fragen missbrauchen und jeder Fall ist wieder anders ;)

Unser Hund wird im Juni 2 Jahre alt, kann aber auch ein halbes Jahr älter sein - Auslandshund mit geschätzem Alter.
Er ist unkastriert und sollte das eigentlich auch so bleiben, denn ich finde eine Kastration bei Hunden nicht sofort sinnvoll, eher ein unnötiger Eingriff.

Jetzt ist die Sache die, dass er einen Hodenhochstand hat - eines seiner Bällchen sitzt in der Leiste. Zwei Tierärzte rieten und schon zur Kastration
(so schnell als möglich), da dieses Bällchen früher oder später mal Probleme machen kann und sowieso "unnötig ist". Da wir sowieso nicht vorhatten, mit ihm zu vermehren überlegen wir dann direkt komplett kastrieren zu lassen, wenn er sowieso schon in Narkose ist.

Letztes Jahr wollte ich ihn nicht direkt kastrieren lassen, da er 1. erst kurz bei uns war und 2. ich es für zu früh hielt. Soweit ich weiß, sollten Hunde erst die Pubertät durchmachen, bevor sie kastriert werden sollen - oder?

Außerdem muss ich doch nochmal die Pro- und Kontra-Diskussion rausholen.

Viele raten mir dazu, weil dann angeblich
1. das Lecken von Hündinnen-Urin weniger wird bzw. weggeht
2. andere Rüden ihn nicht mehr doof finden
3. er sich nicht mehr so als "Macho" aufführt bei Hundebegegnungen (fixieren, groß machen, jammern etc.)
4. er ruhiger und händelbarer wird

Punkt 1-3 wären ja super - auch wenn ich das bezweifle. Wir arbeiten nämlich schon lange am Abruf, Gehorsam und Hundebegegnungen und können einen großen Lernerfolg im Vergleich zu letztem Jahr festellen. Trotzdem würde ich gern wissen, was dran ist an diesen Aussagen.

Punkt 4 macht mir Sorge. Unser Hund ist ein aktiver, lebendiger, fröhlicher kleiner Kerl. Es wäre für mich völlig in Ordnung, wenn er etwas ruhiger wird, ich habe aber Angst einen völlig veränderten Hund zu haben, der plötzlich kaum noch raus will, nicht mehr spielen mag und nur faul und fett wird :?

Ich bin echt hin- und hergerissen. Einerseits möchte ich nicht, dass der Hodenhochstand irgendwann Probleme macht - andererseits habe ich Angst, dem Hund mit der Kastration nur zu schaden.

Was sagt ihr? Kastrieren ja oder nein? Und wenn ja, wann ist der richtige Zeitpunkt? Dieses Jahr noch oder erst warten? :eusa_think:

Danke für's Durchlesen und schonmal danke für Antworten ^^
 
10.01.2018
#1
A

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Guest

Hast du schon mal im Unser Hund - fit und gesund nachgelesen? Velleicht hilft dir das ja weiter?
cherry-lein

cherry-lein

31.03.2012
1.284
1
Moin!
Wenn du dir wegen der Wesensveränderung so große Sorgen machst könntest du ja erstmal den Kastrationschip testen und schauen wie dein Hund reagiert. So könntest du sehen ob wenn ja wie dein Hund sich verändert und ob du damit zurecht kommst. Dieser Chip hält glaube ich 3-6 Monate, in der Zeit kann der Hund auch keine Hündin Decken. Meine Mutter nutzt diesen Chip für ihren Rüden auch und ist sehr zufrieden, der war immer sehr pöbelig, unruhig und konnte sich gar nicht mehr konzentrieren sobald der irgendwo eine Hündin gerochen hat, seitdem Chip ist es viel besser und er ist wieder deutlich entspannter.
 
Keisuke

Keisuke

22.08.2013
698
6
Hey cherry,

ja gut da hätte ich auch selbst drauf kommen können :eusa_doh: Werde ich mal mit meinem Freund drüber reden.

Allerdings stellt sich für mich die Frage nach dem Zeitpunkt. Ist er mit 1,5-2 Jahren noch zu jung? Oder ist es jetzt "höchste Eisenbahn"? :eusa_think:
 
fusselbuerste

fusselbuerste

04.03.2013
528
0
Wenn der Rüde einen Hoden im Bauchraum hat emfinde ich die Kastration als medizinisch Notwendig.
Wir haben damals bei unseren Einhoder einen Termin gemacht. Leider ist unser Hund vorher von uns gegangen.

Unser Schäfer wurde kastriert weil ich keinen Uppswurf wollte und er eh ein Angstagressiver Hund war.
Bei meinen jetzigen Rüden wird wenn nötig ein Chip eingesetzt, da meine Wolfshündin nur 1 mal im Jahr läufig wird soll er jedoch erst mal erwachsen werden.
 
S

Simpat

Moderator
06.03.2010
7.258
6
Soweit ich weiß, sollte man innenliegende Hoden immer entfernen, weil da große Gefahr besteht, dass die dann bösartig entarten.

Kastration bei einem Rüden halte ich dann angebracht, wenn sein Verhalten übermäßig sexuell orientiert ist, er also ständig markiert und Urin absetzt, extrem hinter Hündinnen her ist, unverträglich mit Rüden ist bzw. dort die Auseinandersetzung sucht, weil er immer wissen will wer der stärkere ist usw.
 
*Mischling*

*Mischling*

Moderator
21.01.2011
17.077
0
Huhu,

ich bin nicht sicher, ob ein Chip da noch gesetzt werden kann, von der Zeit her.
Ich persönlich würde den Hoden im Bauchraum zügig entfernen lassen, den anderen aber dranlassen.
Eine Kastration verändert das Verhalten, manchmal zum Guten, manchmal zum Schlechten. Wenn der Hund extrem leidet, sobald er eine Höndin riecht, wäre das für mich ok. Wenn dem aber nicht so ist, halte ich es für unnötig. Angeblich steigt dadurch das Risiko von Prostatakrebs und anderen Krebsarten, Bänderrissen und anderem.
 
Ivy-maire1

Ivy-maire1

04.09.2009
3.859
0
Medizinisch macht es aber einen unterschied ob der Hoden im Bauchraum oder in der Leiste sitzt.. Und zwar wegen der Umgebungstemperatur. Im Bauchraum ist die Wahrscheinlichkeit DAS er entartet höher (aber auch wenn Tierärzte das gern so darstellen, die Chancen dass er es tut liegen nicht bei knapp unter 100%...)

Ich finde 2 Jahre noch arg jung, gerade bei einem größeren Hund. Totale Kastration würde für mich frühestens ab 3, eher ab 4 Jahren in Frage kommen. Und zwar wegen der mentalen Entwicklung für die die Hormone wichtig sind.



Ich PERSÖNLICH würde den Hoden in der Leiste einfach mal im Ultraschall prüfen lassen. Ist der unauffällig würde ich warten. Wenn der Hund sowieso kastriert werden soll dann eben mit 3-4 jahren "Eier ab", ansonsten kann man den innenliegenden Hoden auch entfernen und den anderen in Ruhe lassen. Wobei es auch da wohl "Studien" gibt die besagen das der einzelne übergelassene Hoden sich dann "kreativ" verhalten KANN und ab und zu auch mal entartet. Wobei ich diese Studien noch nicht gefunden habe.

Was man nicht vergessen darf ist dass Hormone sich auch auf Bänder, Knochen und Muskulatur auswirken. Ein zu früh kastrierter Hund bekommt also wahrscheinlicher Probleme mit dem Bewegungsapparat. Das würde ich also auch vorher noch prüfen lassen, nicht dass da schon die Ansätze von HD, ED oder ähnlichem schlummern.

Davon würde ich abhängig machen ob es nun eine Totalkastration wird oder nur den einen Bömmel rausfischen.
 
Midoriyuki

Midoriyuki

13.12.2010
3.457
16
Off-Topic
Moin Ivy :cool:


Im Großen und Ganzen unterstreiche ich nochmal Ivys Beitrag, davon abgesehen wäre übrigens genau das hier
Unser Schäfer wurde kastriert weil ich keinen Uppswurf wollte und er eh ein Angstagressiver Hund war.
eine absolute Kontraindikation für eine Kastration.

Ups-Wurf verhindern- ok, sinnig, wenn nicht anders vermeidbar.

Angstaggression kann durch eine Aggression dummerweise noch verstärkt werden.
Das "Selbstbewusstseins-Hormon" Testosteron fällt dann nämlich auch noch weg und das ist nicht unbedingt das Beste was einem ängstlichen Hund passieren kann.

Das aber nur noch ergänzend :)
 
Kompassqualle

Kompassqualle

Moderator
27.11.2006
4.157
0
Den Hoden im Bauchraum würde ich auch entfernen lassen, mit 2 Jahren halte ich auch die Wahrscheinlichkeit für gering, dass der Hoden noch absteigt.

Was die komplette Kastration angeht, so schließe ich mich den kritischen Stimmen an und würde dies nur noch unter gründlicher Abwägung machen. Als Entscheidungshilfe kann ich nur das Buch "Kastration und Verhalten beim Hund" von Udo Gansloßer empfehlen, dort werden die Pro- und Kontrapunkte sehr ausführlich diskutiert.

Bei meinem alten Ringo damals war die Ausgangssituation übrigens ähnlich wie bei dir, er war ein Auslandshund und ca 1,5 Jahre alt als ich ihn damals kastrieren ließ. Gründe waren seine Aggression gegenüber anderen Rüden, die Pro-Kastrations-Empfehlung vieler Tierärzte und irgendwie auch die Tatsache, dass ich mich damals der Kastrationsvorschrift im Übernahmevertrag verpflichtet fühlte :roll:

Das sind meine Erfahrungen zu deinen aufgeführten Punkten:
1. das Lecken von Hündinnen-Urin weniger wird bzw. weggeht
Nö, das hat er bis ins hohe Alter mit sehr großer Ausdauer getan.
2. andere Rüden ihn nicht mehr doof finden
Er wurde danach eher mal von intakten Rüden besprungen, was er natürlich gar nicht witzig fand.
3. er sich nicht mehr so als "Macho" aufführt bei Hundebegegnungen (fixieren, groß machen, jammern etc.)
Oh doch, Ringo hasste (!) alle intakten Rüden, die Wahrscheinlichkeit dass er eine Prügelei anzettelte wenn wir einen unkastrierten Rüden trafen lag bis zu seinem Lebensende bei 100%. Er war ein Macho durch und durch und liebte das Prollen und Angeben aus vollem Herzen. Ich war trotz Kastration 14 Jahre lang bei jeder Hundebegegung eine von diesen "Ist das ein Rüde!!!???"- Personen :lol::roll:
4. er ruhiger und händelbarer wird
War ebenfalls nicht der Fall, Ringo war sehr aktiv und bewegungsfreudig bis ins hohe Alter, erst jenseits der 10 hat man gemerkt, dass er mal einen Gang runterschaltet. Dazu muss ich allerdings sagen, dass er die ersten Jahre aufgrund seiner enormen Energie relativ schwer zu händeln war und ich mir immer gewünscht hatte, dass er doch bitte mal etwas ruhiger werden sollte. Bei einem Hund der eh nur einen geringen oder mittleren Aktivitätslevel hat kann ich mir aber vorstellen, dass dieser dann eher dazu neigt nach der Kastration noch etwas gemütlicher zu werden, weil das vielleicht von vorne herein mehr seinem Naturell entspricht.

Rückblickend bereue ich die damalige Entscheidung zur Kastration eher. Es hat keinen Vorteil gebracht und später habe ich mich manchmal gefragt ob er einfach in der Reifephase in der er zum Zeitpunkt der Kastration war (also teeniehaftes Pöbeln und Angeben) stecken geblieben ist und ob sich ohne Kastration seine Aggressionen gegenüber anderen Rüden im Laufe der Jahre nicht vielleicht doch noch etwas gebessert hätten.

Bei meiner Greta jetzt habe ich mir bewusst eine Organisation rausgesucht, die weder Frühkastrationen an Welpen durchführt (bei vielen Orgas ist das jetzt groß im Kommen
:roll:) noch mich dazu zwingen will eine Kastrationsvereinbarung zu unterschreiben (nicht das jemand kontrollieren könnte ob ich es auch tue, aber allein schon aus Prinzip - ich halte nichts von pauschalen Kastrationen und wer trotz Vorgesprächen und Kennenlerntreffen noch glaubt ich würde wirklich mit einem Auslandsmischling Welpen produzieren wollen, in unserer 60qm kleinen Altbauwohnung mit fetter Straße vor der Tür, der sollte mir dann auch lieber keinen Hund geben, das Vertrauen ist ja offenbar nicht da). Ohne medizinische Indikation werde ich sie nicht kastrieren lassen.


 
Keisuke

Keisuke

22.08.2013
698
6
Hey,

Danke für die Antworten - ich werde mal versuchen alles abzuklappern.
Also, der Hoden liegt in der Leiste, nicht im Bauchraum. Diesen wollten wir auch früher oder später entfernen - der erste Tierarzt sprach nur von kompletter Kastration, erst der Zweite erwähnte, dass man auch nur den Hoden entfernen könnte...

Angstaggression kann durch eine Aggression dummerweise noch verstärkt werden.
Das hatte ich nämlich auch schon mal gehört/gelesen und war deshalb dagegen, den Hund direkt unters Messer zu legen. Als Auslandshund sind gewisse Ängste oder Angstaggression ja recht wahrscheinlich und ich wollte erst schauen, wie er sich entwickelt.

Kastration bei einem Rüden halte ich dann angebracht, wenn sein Verhalten übermäßig sexuell orientiert ist, er also ständig markiert und Urin absetzt, extrem hinter Hündinnen her ist, unverträglich mit Rüden ist bzw. dort die Auseinandersetzung sucht, weil er immer wissen will wer der stärkere ist usw.
Ist ziemlich schwierig für mich einzuschätzen, da er mein erster Hund ist. Was jetzt mangelnde Erziehung, Charakter oder übermäßig sexuell orientiert ist,...?
Die letzten 2 Wochen wirkt er für mich wieder etwas anders - mehr Markieren (auch 1x drinnen), er macht auch momentan immer einen Handstand beim Pinkeln (das ist neu:eusa_eh:), eher abgelenkt sein, er pendelt, sträubt sich weiter zu gehen usw.

Was man nicht vergessen darf ist dass Hormone sich auch auf Bänder, Knochen und Muskulatur auswirken.
Na jetzt mach mir noch mehr Sorgen :lol: Aber danke für den Hinweis, werde ich im Kopf behalten.

Er ist übrigens ein eher kleiner Hund, ca Parson Russell Größe - Mix aus Terrier X irgendwas - ich schätze was bulliges, wir sagen immer Mops-Terrier :lol:

dass ich mich damals der Kastrationsvorschrift im Übernahmevertrag verpflichtet fühlte :roll:
Wir haben auch so eine Klausel.
Wir haben die PS aber damals nicht angelogen, sondern frei gesagt: Der wird nicht innerhalb von X Wochen kastriert und nicht, wenn es nicht nötig ist (wir wussten nix vom Hodenhochstand). Die PS war damit einverstanden, weil wir erklärten, dass wir keinesfalls vermehren wollen - sondern einfach dem Tier eine unnötige OP ersparen möchten.

Danke für die Buchempfehlung, werde ich mal nach schauen!

Vielen Dank für eure Antworten :mrgreen:
 
Ivy-maire1

Ivy-maire1

04.09.2009
3.859
0
Ich finde es schwierig zu sagen "wenn das hormongesteuerte Verhalten überhand nimmt"...

Ich würde ja fast wetten dass gut 90% aller "hormongesteuerten Spinner" schlicht nicht erzogen sind bzw nie gelernt haben mit der Läufigkeit einer Hündin umzugehen. Ich mein, es gibt tausende Diensthunde die arbeiten auch wenn ihnen die Hündin in den Stehtagen den Hintern ins Gesicht drückt.. Da kann ich nicht so recht an die Theorie "Hypersexualität" glauben.

Und ja, Rüden sind die ersten 2-4 Jahre ÄTZEND. Urin lecken, sabbern, jammern, alles markieren dass bei 2 nicht auf dem Baum ist,.. da gehört dazu. Aber auch ein Rüde kann lernen dass "läufige Hündin" nicht gleichzusetzen ist mit "hirn aus". Ist aber auch arbeit und man muss da durchaus Konsequent sein. (und nicht vergessen, alles was dazugehört ist bei einem Rüden stark selbstbelohnend!)

Off-Topic
stellt euch mal vor jeder Rüde im Zuchteinsatz würde so hohldrehen... die lernen auch dass es momente gibt wo sie dürfen und welche wo sie sich schlicht zusammenreißen müssen


Das hat auch einiges mit Frusttoleranz zu tun. Ist die quasi nicht vorhanden wird man es mit dem Rüden nicht leicht haben.



Poco wurde übrigens ende letzten Jahres mit 9 Jahren entbömmelt. Nach 9 Jahren als Einhoder mit Murmel im Bauchraum (wurde im Zuge einer Blasenstein-OP gemacht weil er da ja sowieso schon "lag"). Geändert hat sich gar nichts bis auf die Tatsache dass er neuerdings Futterneidig ist und zunimmt. Aber am "typischen Rüdenverhalten" hat sich null geändert, wobei ich ihm das schon in den 9 Jahren zuvor nicht erlaubt habe.
 
Kompassqualle

Kompassqualle

Moderator
27.11.2006
4.157
0
Ich würde ja fast wetten dass gut 90% aller "hormongesteuerten Spinner" schlicht nicht erzogen sind bzw nie gelernt haben mit der Läufigkeit einer Hündin umzugehen.
Das glaube ich wiederum nicht, ich bin überzeugt es ist nicht immer 'alles nur Erziehungssache'. Auch Hunde sind Individuen mit unterschiedlichen Talenten, Ängsten und Vorlieben und man kann nicht jeden Hund in jede X-beliebige Form erziehen. Ein Vollblutjäger wird niemals unbeaufsichtigt friedlich mit den Hühnern im Stall schlafen, ein absolut unverträglicher Hund wird nicht irgendwann im freien Spiel jeden anderen Hund toll finden, ein ängstlicher Hund wird kein Agility-Draufgänger der sich in jeder überfüllten Arena mit viel Publikum wohl fühlt, ein Hund der nicht gerne gestreichelt wird und sich nicht viel aus Menschen macht wird kein passender Therapiehund für Kinder. Vielleicht kann man (spätestens mit Gewaltanwendung) von Hunden Dinge verlangen die absolut nicht ihrem Naturell entsprechen, aber glücklich werden sie dabei sicher nicht. Öfter denke ich, gerade als Hobbyhalter muss man seinen Hund auch ein stückweit nehmen können wie er ist und denke die geringe Frusttoleranz befindet sich hier leider nicht zu selten auf Seite des Halters, der gesteigerten Wert darauf legt, dass der Hund so-und-so funktioniert.

Aber auch ein Rüde kann lernen dass "läufige Hündin" nicht gleichzusetzen ist mit "hirn aus".
Hier reden wir davon, dass der Hund lernen soll, seine eigenen triebbasierten Bedürfnisse zu kontrollieren. Solche Dinge schaffen selbst wir Menschen kaum, wann immer es um Nahrung, Sexualität oder allgemeinen Lebenserhalt geht wird es schwierig einen klaren Kopf zu bewahren. Und dabei können wir vielleicht noch einen Sinn hinter dem Verzicht sehen, ein Hund kann das nicht. Ein intakter Rüde der dauerhaft in der Nähe einer läufigen Hündin gehalten wird, wird sehr wahrscheinlich Stress haben wenn er "verliebt" ist, selbst dann wenn er auf Kommando erstmal ruhig bleiben kann.
Ein Rüde der wiederholt dauerwinselt, die Nahrung verweigert, nicht mehr ohne Leine laufen kann, jede Hündin belästigt, allgemein viel aufreitet und ständig gestresst wirkt, dem tut man meiner Meinung nach einen Gefallen mit einer Kastration.
 
Midoriyuki

Midoriyuki

13.12.2010
3.457
16
Naja.

Es wird aber auch viel und gern interpretiert.
Der KANN ja gar nicht anders...ich habe nur mit geschlechtergemischten Gruppen gearbeitet und da liefen auch läufige Hündinnen mit und ja, das geht durchaus.
Dass man die nicht unbeaufsichtigt allein lässt sollte jedem klar sein, aber stinknormaler Grundgehorsam geht auch mit läufiger Hündin in der Nähe.
Das ist aber nicht zuletzt auch Übungssache, sprich Rüden müssen lernen können, dass Läufigkeiten und Hündinnen generell halt auch im Zweifelsfalle keinen Bock haben und Signale ihre Gültigkeit nicht verlieren.

Wenn man als Rüdenbesitzer jede läufige Hündin meidet wie der Teufel das Weihwasser KANN der Rüde nichts lernen.
Das heißt nicht, dass man die einfach mal prödeln lassen sollte (besonders ohne Leine), sondern, dass man einfach daran arbeiten sollte, dass der Hund ansprechbar bleibt.
Er muss das nicht total geil finden, erwartet auch keiner.

Wirklich "echte" hormonelle Totalausfälle habe ich persönlich relativ selten erlebt.
Unter anderem meinen eigenen Rüden, deswegen würde ich da auch niemals gegen Kastrationen wettern, wenn sie angebracht sind.

Wenn man aber schon bei Trieben ist- JEDES soziale Tier muss die von Zeit zu Zeit mal unterdrücken.
Würde jeder Rüde in Wildhunderudeln oder in Wolfsrudeln so völlig durchdrehen wie es viele Haushunde tun dürften sich die Populationen wohl recht fix selbst dezimieren.
Das Zurückstellen von Trieben gehört schlicht und ergreifend in jeder sozialen Struktur immer irgendwo dazu.

"Trieb" impliziert ja gerne mal zwingende und sofortige Befriedigungsnotwendigkeit, aber dem ist nicht so.
Frustration gehört genau so dazu und kein Lebewesen stirbt, wenn es kurzzeitig frustriert wird.
 
Ivy-maire1

Ivy-maire1

04.09.2009
3.859
0
Hier reden wir davon, dass der Hund lernen soll, seine eigenen triebbasierten Bedürfnisse zu kontrollieren. Solche Dinge schaffen selbst wir Menschen kaum, wann immer es um Nahrung, Sexualität oder allgemeinen Lebenserhalt geht wird es schwierig einen klaren Kopf zu bewahren. Und dabei können wir vielleicht noch einen Sinn hinter dem Verzicht sehen, ein Hund kann das nicht.
Und doch fallen 16 Jährige Teenager nicht wie blöd übereinander her sondern lernen dass es momente gibt wo es einfach nicht geht. Und frag die mal- die sehen den Sinn dahinter wahrscheinlich genausowenig.

Ein intakter Rüde der dauerhaft in der Nähe einer läufigen Hündin gehalten wird, wird sehr wahrscheinlich Stress haben wenn er "verliebt" ist, selbst dann wenn er auf Kommando erstmal ruhig bleiben kann.
Oder er hat schlicht gelernt dass ne läufige Hündin ihm sowieso erst mal nen Satz heiße ohren verpasst wenn er nervt und dass die schlichte Tatsache dass eine Hündin läufig wird nicht bedeutet dass er nun decken darf.


Ein Rüde der wiederholt dauerwinselt, die Nahrung verweigert, nicht mehr ohne Leine laufen kann, jede Hündin belästigt, allgemein viel aufreitet und ständig gestresst wirkt, dem tut man meiner Meinung nach einen Gefallen mit einer Kastration
Wenn es SO weit kommt dann ja. Aber den Rüden erst mal quasi panisch von jeder Hündin wegzerren, ihm beibringen dass der Geruch etwas ist worauf er besonders geiern MUSS (weil Frauchen/Herrchen ja gleich wieder abdreht wenn sie mitbekommen dass Hund nen guten Duft in der Nase hat) und sowieso nie daran arbeitet dass der Rüde ne heiße Hündin als gegeben hinnimmt.. Dann muss man sagen- das hat man halt verbockt.
Anders gelegen ist die Situation wenn man daran arbeitet und es einfach nicht und nicht besser wird... Aber seien wir ehrlich- der Anteil an Rüdenbesitzern die an SO was arbeiten ist minimal.
 
Keisuke

Keisuke

22.08.2013
698
6
Hey,

danke für die Antworten, dann werden wir noch ein bisschen abwarten und schauen, wie er sich so weiter entwickelt.

Wie arbeite ich denn daran, dass der Hund ansprechbar bleibt?
Bisher mache ich es so, dass - sobald er stehen bleibt und schnüffelt - ich ihn genau beobachte und wenn er nicht schnell zum Bein-heben kommt, rufe ich ihn. Manchmal klappt es, dass er dann kommt (dann war ich schnell genug und rufe ihn, bevor er sich "festschnüffelt") manchmal auch nicht - dann fängt er auch das Lecken an usw.
Er ist dann absolut nicht ansprechbar und will sich keinen Millimeter wegrühren... :?

Dank' euch :)
 
Midoriyuki

Midoriyuki

13.12.2010
3.457
16
Zunächst einmal- du MUSST ihn ja nicht jedes Mal rufen sobald er mal irgendwo schnüffelt ;)
Es ist absolut fatal den Hund absolut immer abzurufen, wenn er grad einfach mal 5 Minuten irgendwo herumschnüffeln will.

Den Fehler habe ich bei meinem Hund selbst gemacht, so ist das übrigens nicht.
Hatte zur Folge, dass er wie ein Irrer, dass er nur noch mehr und intensiver da hin wollte wo er nicht hin sollte und wir uns gegenseitig total gestresst haben.

Wichtig ist, dass, wenn du ihn rufst er wirklich extrem gut belohnt wird.
Kennst du Anker-Signale?
 
A

A-Fritz

11.07.2016
445
5
Hallo,
ich denke, jeder Hund ist natürlich anders und individuell.
Ein Teil der Persönlichkeit ist genetisch bedingt, ein anderer Teil wird durch die Umwelt geprägt,
Erlebnisse, Erziehung , Sozialisierung.
Natürlich haben dabei auch hormonelle Einflüsse einen wesentlichen Einfluß auf das Verhalten von jedem Wesen. :!:

Ob und wie einzelne Hunde durch Erziehung auch gegen ihre Triebe von ihren Haltern unter Kontrolle gehalten werden können,
ist darum bestimmt auch sehr unterschiedlich und von den verschiedenen Faktoren, wie Hunderasse, Erziehung, oder Triebstärke abhängig
und kann natürlich bei unterschiedlichen Tieren auch sehr unterschiedlich sein. :eusa_think:

Bei einem Hodenhochstand sollte, wenn dieser dauerhaft nicht herauskommt operiert werden,
da dieser im warmen Bauchraum sonst absterben kann, es besteht auch eine höheres Krankheitsrisiko, Hodenkrebs.
Ich denke, wer ein Krebsrisiko ausschließen möchte, aber die Folgen einer Kastration vermeiden möchte,
sollte dann nur den betroffenen Hoden entfernen lassen. :eusa_think:

Auch für die Hundeerziehung kann es keine pauschalen Formeln geben,
wichtig ist eine gründliche Konditionierung der wesentlichen Kommandos
und die Führungsqualität des Hundeführers.:)

Wichtig ist ein regelmäßiges Training und eine gute Bindung, zwischen Hund-Hundehalter.
Gemeinsame Erlebnisse, bei Unternehmungen oder sportlichen Betätigungen, können hier helfen. :eusa_shhh:

In Hundevereinen und Hundeschuhen, gibt es die Gelegenheit, mit Gleichgesinnten,
unter Aufsicht und großem Spaß, aus seinen Hund, einem Traumhund zu machen. :p

Jeder, der mit der Erziehung seines Hundes Schwierigkeiten hat,
sollte ruhig Hilfe in einem Hundeverein suchen.:idea:

Fritz.
 
B

Benny2017

Guest
Hallo! Ich habe mich extra wegen des Themas hier angemeldet, und ich bin wegen des Themas vorhin aus dem dogforum gekickt worden. (Ich dachte, dass ich es dort hauptsächlich mit Damen zu tun hätte, die zuerst für die Emanzipation der Frau und dann des Hundes kämpfen. :) ) Nein, es scheint dort eine Lobby pro Kastration (schon beim Welpen!) und gegen "Gewalt" an Tieren bei der Erziehung zu geben, was widersinnig ist. "Tierhilfen" mit Verbindung zum Ausland können nur kastrierte Hunde liefern.

Zum Thema:
Kastration senkt natürlich den Testosteronspiegel, was die Muskulatur schwächt, was über Sehnen und Gelenke, Wirbelsäule, Hüfte usw. geht. Kastration hat also viele Risiken - von der fachgerechten Ausführung, Nachbehandlung und Verhaltensempfehlungen ganz zu schweigen. Ich habe damit schlimme Erfahrungen gemacht.

Vielleicht kann man den hochstehenden Hoden durch Hormongaben noch an den richtigen Platz bringen. Vielleicht lässt sich erst mal der aktuelle Testosteronwert bestimmen. Beim Menschen kostet das etwa 30 Euro.

Wenn Ihr das möchtet, kann ich meine Erfahrungen genauer darlegen.
 
Keisuke

Keisuke

22.08.2013
698
6
Heyho

Hatte zur Folge, dass er wie ein Irrer, dass er nur noch mehr und intensiver da hin wollte wo er nicht hin sollte und wir uns gegenseitig total gestresst haben.
Okay, dann täuscht mich mein Gefühl also nicht.
Wenn ich ihn während eines Gassigangs oft rufe, dann achtet er mehr auf mich - schon mal gut.
Wenn ich's aber übertreibe, kam es mir auch immer so vor, dass ich ihn überfordere. Es wirkte, als würde in seinem Kopf panisch herumschwirren: "Ich will schnüffeln, aber dann verpasse ich ein Leckerli, aber ich will schnüffeln, aber Frauchen bewegt sich, gibt die mir ein Leckerli??"
Also hin und hergerissen zwischen seinem verlangen zu schnüffeln und zu markieren und der "Angst" ein Leckerli zu verpassen.
:?
Ich achte aber auch darauf, dass er oft Zeit zum einfach rumschnüffeln, auf und abpendeln und markieren hat.

Nein, Anker-Signale kenne ich leider nicht.

Wichtig ist ein regelmäßiges Training und eine gute Bindung, zwischen Hund-Hundehalter.
Gemeinsame Erlebnisse, bei Unternehmungen oder sportlichen Betätigungen, können hier helfen. :eusa_shhh:
Ja, dieses magische Wort "Bindung".
Am Anfang dachte ich, dieser Hund wird sich niemals "an mich binden". Er ist einfach sehr selbstständig, würde auch allein problemlos Gassi gehen und lebte ja auch die erste Zeit seines Lebens wohl allein.
Es war und ist schwer für mich, mich für ihn interessant zu machen. Aber wir arbeiten daran und inzwischen freut er sich sogar, wenn ich ihn morgens begrüße (nicht so sehr wie wenn mein Freund ihn begrüßt, aber sei's drum...)
Und dass ich als Hundehalter noch einiges lernen muss, ist mir klar.
Wenn etwas falsch läuft, er z.B. nicht hört, dann überlege ich immer ganz genau, was da falsch lief. Meistens komm ich zur Erkentniss, dass ich wieder was falsch gemacht hab :roll::lol:

Hallo! Ich habe mich extra wegen des Themas hier angemeldet, und ich bin wegen des Themas vorhin aus dem dogforum gekickt worden.
Joa, das Forum kenne ich auch. Lese da ganz gern, aber Fragen stelle ich lieber hier, da ich das Gefühl habe hier mehr richtige Experten zu haben :uups::lol:
Willkommen übrigens ^^

"Tierhilfen" mit Verbindung zum Ausland können nur kastrierte Hunde liefern.
Das ist falsch. Unser Hund kommt aus Rumänien und ist unkastriert - Kompassqualle hat eine Hündin aus dem Ausland, die ebenfalls unkastriert ist.
Natürlich ist bei vielen Tierhilfen und Tierschützern die Kastration immer noch als non-plus-ultra; aber ich denke nicht bei allen. Bevor ich einen Hund hatte, war ich auch Pro-Kastra - weil es bei Katzen einfach notwendig ist und ich nicht darüber informiert war, dass bei Hunden auch viele Nachteile entstehen.
Natürlich kannst du gern deine Erfahrung mit uns teilen ;)

Danke euch :)

LG
 
B

Benny2017

Guest
Katzen sind relativ leicht, Katzen müssen auf ihr Klo, zum Fressnapf und auf einen bequemen Liegeplatz... Meinen Hund musste ich 3 Mal am Tag 2 Treppen tragen. Er wog 30 kg. Wir hatten - ich habe - die gleichen Gelenkbeschwerden und kaputte Wirbelsäule, Spondylose. Ich muss Krafttraining machen, damit ich keinen Rollator brauche. Damit ich das KT machen kann, bekomme ich vom Arzt Testosteron-Gel, weil die eigene Produktion ab 30 nachlässt und bei mir bei sehr viel Sport ab 55 immer kleine Muskelfasern rissen.

Beim Hund wurde die Spondylose mit etwa 5 Jahren festgestellt. Für die Kontrolle der Hoden beim Hund war meine Frau zuständig. ;) Naja, wenn man sich auf Frauen verlässt... Als der Hund 10 war, hatte ich ihn beneidet, was der noch zwischen den Beinen hat... :) Mit 11 sah ich, der läuft richtig breitbeinig und habe hin gefasst - Mann, eine ganze Männerhand voll! In der Praxis bin ich an eine Tierärztin gekommen: "Morgen kommt das ab." Nach der OP hat sie mir eine große und eine kleine "Kartoffel" gezeigt - hätte sie nur die kleinere drin gelassen... Am Tag nach der OP dachte ich, ich hätte Alzheimer: Der Sack war noch größer! Prall voll Blut. Die Tierärztin: "Wie gut, dass mir mein Chef gezeigt hat, dass man eine innere und eine äußere Naht machen muss..." Das war alles. Irgend jemand fragte mich dann, ob die das alte Blut denn nicht mit einer Spitze abziehen will. Ich hatte mich auf die Ärztin verlassen. Die hatte kein Wort von Muskulatur, Gewicht, Spondylose, 2 Treppen usw. gesagt.

Der Dreck im Sack hat sich dann wohl im ganzen Hinterleib verteilt. Ein paar Monate später hatte der Hund dann übelste Analdrüsenentzündungen, die der Chef der Praxis mühsamst kurierieren musste. Die Entzündungen haben dann wohl auch auf die Gelenke ausgestrahlt. Der Hund lief immer schlechter. Durch den Testosteronmangel ging wohl auch die Muskulatur zurück, was man aber unter dem dicken Fell nicht sah. Am Ende habe ich ihn dann im Bollerwagen um den Block gezogen. Weil der Hund manchmal leise quiekte, verlor meine Frau die Nerven: "Das Tier leidet! Du bist egoistisch!" Ich habe zeitweise viel extremere Schmerzen. Will sie mich auch einschläfern lassen? Beim Orthopäden hing ein Schild im Wartezimmer: "Ab 40 muss der Mensch lernen, mit Schmerzen zu leben." Ein Mann kann solche Bagatellen wegstecken. ;)

http://www.t-online.de/tv/webclips/...nd-wird-mit-einfachsten-mitteln-geholfen.html
 

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