Die Geschichte von einem Butterkuchen

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Es war einmal ein Butterkuchen. Der wollte wachsen bis zum Mond.
Doch als er wirklich wuchs und wuchs, sehnte er sich nach der alten Zeit. Er dachte an all die kleinen Ameisen, die fröhlich auf ihm krabbelten. Nun sah er sie nicht mehr, weil er viel zu groß geworden war. Er konnte nicht mehr erkennen, was da unten vor sich ging. Unten - seine alte Heimat. Dort, wo er sein Leben in einer Rührschüssel begann. Wo ihm im wollig warmen Ofen Form gegeben wurde und dann staunten sie alle und rochen an ihm. Wie toll er aussehen würde... Er hörte es noch immer in seiner Erinnerung.
Er sollte ein Geschenk werden. Ein Geschenk für die 12jährige Tochter, die er am frühen Abend kurz sah. Da stand sie direkt vor ihm und schaute mit großen Augen in sein Versteck. Sie wollte grade ihre zarten Finger zu ihm führen als sie sich vor einem Geräusch erschreckte.
Und da kam schon diese Nacht in der er seinen 'Wunsch' äußerte...
Die Kekse und der Pfannkuchen neben ihm hatten ihm schreckliche Geschichten erzählt. Sie warnten ihn vor den Menschen und sprachen von Mordversuchen und Gefangenschaften. ...dabei empfand der kleine Butterkuchen all die Menschen die er bisher sah als so toll und einfühlsam.
Mit wie viel Mühe die Mutter, die auch seine Mutter für ihn darstellte ihn zusammenrührte und dann die kleinen Schmetterlingsschokoladenstücke auf ihm platzierte... Dann die Zusprüche von den anderen Menschen. Wie wunderhübsch er aussehe und was für ein Meisterwerk er wäre.

Er hatte übertrieben gehandelt mit seinem Wunsch, dachte er als er nun schon lange über den Wolken war.
Er fühlte sich schäbig, dass er den Worten eines halben Pfannkuchens so viel Wert beigemessen hatte. Sicherlich war er nur neidisch und hat die Kekse angestachelt.
Aber nun war es zu spät und er wuchs noch immer in die Höhe. Der große Mond über ihn. Mit einem Male sah er gar nicht mehr so freundlich aus. Und er täuschte sich nicht, denn die Stimme des Mondes erklang mit einem lauten Widerhall! "Verschwinde! Du wirst mich in meiner Umlaufbahn verschieben! Du wirst meinen Rhythmus durcheinander bringen. Ich bin der Mond. Ich bewege die Zeit."
Aber der Kuchen wusste nicht, wie er aufhören konnte zu wachsen. So sehr er es sich wünschte, desto schneller schoss er in die Höhe. Selbst die Sternschnuppen konnten ihm nicht helfen und ergriffen die Flucht.
Der Mond fing an zu drohen, dass er seine Freundin die Sonne holen würde, die ihm bestehen würde.
Der große Mond war gar nicht mehr so groß bemerkte der Kuchen für sich und schwieg.
Er richtete seinen Blick so gut es ging nach unten, wo er aber nichts anderes als Butterkuchen entdecken konnte.
Mit einem Schlag stoppte er zu wachsen.
Der Mond hatte die Augen geschlossen und sah sich schon im Chaos versinken. ...Doch der Kuchen stoppte genau 8,5 cm vor ihm.
"Und nun? Was hast du vor?" fragte der Mond etwas erleichtert aber noch immer erschrocken.
Der Kuchen wusste keine Antwort. Er wusste nicht, was er hier oben beim Mond sollte. Er wollte zu dem kleinen Mädchen runter. Er wollte sich wieder so schön wie er war wie ein Meisterwerk präsentieren. Aber das Mädchen war nirgends zu sehen.

Die Sonne war inzwischen schon beträchtlich näher gekommen und beschwerte sich beim Butterkuchen, dass dieser ihr die Sicht zur Erde nähme. Die Sonne sah keine Erde mehr unter all dem Butterkuchen.
Er sollte verschwinden sagte sie und drohte mit ihrer Hitze.

So geschah es dann auch... Der Kuchen blieb wieder Sonne und Mond gegenüber stumm. Er spürte die schmerzhafte Wärme und hörte das Gelächter von den Sternen.
Er fühlte sich als wäre er wieder in der Rührschüssel und alles andere als ein Meisterwerk.

Licht! Mit einem Schlag sprühte helles Licht auf ihn und er sah tatsächlich seine Mutter. Seine Erschafferin vor sich. Der Kuchen freute sich so sehr, wie er sich noch nie gefreut hatte. Er wollte am liebsten durch die Gegend springen und war für einige Sekunden so glücklich, wie noch nie ein Butterkuchen zuvor gewesen ist.
Dann sah er in die enttäuschten Augen seiner 'Mutter'. Er sah ihren hilflosen Blick und fühlte sich schrecklich. Er fühlte selbst, dass ihm die Sonne wirklich ziemlich zugesetzt hatte.
Nun war er nicht mehr schön. Nun war er kein Meisterwerk mehr. Nun würde er den Geburtstag des Kindes verderben und alle wären enttäuscht von ihm.

Und dann geschah etwas sehr schlimmes. Seine 'Mutter' nahm in von seinem schönen großen Bett und er rutschte unsanft ins Dunkle. Spürte, wie er noch weniger 'meisterhaft' war. Dann war es dunkel bis eine ihm bekannte Stimme erklang. Der alte halbe Pfannkuchen:
"Siehst du - ich sagte dir doch die Menschen sind böse."
~§~
 
20.01.2010
#1
A

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Guest

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F

firtina

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Hallo DyingDream,
Deine Geschichte passt irgendwie zu dein Nick name.Schön und Hintergründig.Danke, das du sie
geschrieben hast.
 
freake

freake

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Das ist ja eine traurige Geschichte! Aber ich mag sie, du kannst großartig schreiben!
 
'Ännchen'

'Ännchen'

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wunderschön...
der arme Kuchen,konnte doch sowieso sein Schicksal nicht verändern...
 
DyingDream

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Danke für eure netten Worte. :)

--
Ja, Ännchen - verändern konnte der Kuchen sein Schicksal nicht. Aber wer kann das schon wirklich?
~§~
 
Kaddüü

Kaddüü

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traurige Geschichte, aber sehr schön geschrieben
 
Morastbiene

Morastbiene

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Kann mich den anderen nur anschließen, du schreibst wirklich toll. :001:

Wenn man will, kann man viel in die Geschichte interpretieren, finde ich.
Der Kuchen konnte sein Schicksal nicht ändern, aber wäre die Mutter achtsamer gewesen, hätte alles gut ausgehen können.
Vielleicht bekommen wir es nicht immer mit, aber so mancher Mensch könnte der Kuchen sein. Wir sollten uns daher vielleicht bewusster darüber werden, wie wir mit manchen Dingen, Menschen oder anderen Lebewesen umgehen, denn wer weiß, was wir sonst achtlos zerstören.

Mein lieber Mann, jetzt habe ich aber einen Flug zum Mond und wieder zurück angetreten. :mrgreen:
 
DyingDream

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Danke auch euch beiden! :)

Ja - je häufiger ich die Geschichte 'lese', desto mehr kann ich hineininterpretieren und desto mehr fange ich an all die kleinen Verbindungen zu entdecken...
~§~
 
Thema:

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