Der Unvergessene

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Kaddüü

Kaddüü

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Mir kommt es vor als ob es Jahrhunderte her ist, das ich Dich das letzte mal gesehen habe oder das ich jeden noch so kleinen Liebesbeweis von Dir erfahren durfte .Dabei ist es grade mal 3 Jahre her…
Ich erinnere mich wie alles anfing und muss lächeln, ich erinnere mich wie es enden musste und muss weinen.
Aber Du weist wie es mir geht, da bin ich mir sicher, genauso sicher wie ich weiss das Du, auch da wo Du jetzt bist, genauso an unsere Zeit denkst wie ich und über mich wachst wie Du es immer getan hast.


Eigentlich wollte ich ja keinen Hund, jedenfalls habe ich (bis dahin) darüber nie nachgedacht einen eigenen Hund zu haben oder haben zu dürfen. Schließlich hatten wir (haben immer noch) unsere Luna Zuhause.
Ich wollte doch eigentlich nur dieses Praktikum bei dem Gnadenhof machen. Als ich anfing sagte man mir „Pass bloß auf, das riesen Vieh ist mit Vorsicht zu genießen! Wenn dem was net passt dann beißt der“. Doch schon nach dem zweiten Tag hast Du an mir geklebt wie die Bienen am Honig. Ich habe mir nichts weiter dabei gedacht, habe mich nur gefreut das ich gut mit Dir konnte und war sogar ein bisschen stolz. Wenn ich nur gewusst hätte…
Die zwei Wochen vergingen schnell und ohne größere Pannen. Ich kam mit allen gut klar, ob Mensch oder Tier und habe es sogar geschafft einen deiner Kollegen an einen Freund zu vermitteln. Doch Du bist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Allerdings war mir ja klar was mich erwarten würde wenn ich zu Hause anfragen würde ob ich
Dich ( den bösen, Kampfhund) zu mir nehmen dürfte. Also habe ich das Thema für mich abgehakt. Doch Du hast das wohl anders gesehen…
An meinem letzten Tag ging ich also nochmal zu jedem Tier, um mich ausgiebig zu verabschieden. Du warst als letzter an der Reihe und musst wohl was geahnt haben, den du wolltest mich nicht mehr aus deinem Zwinger lassen. Du hast es nicht böse gemeint als du Dich knurrend vor die Tür gestellt hast, wolltest mir nur zeigen das ich nicht ohne Dich zu gehen habe. Nachdem ein Pfleger mich dann doch befreien konnte wollte ich eigentlich los. Als ich grade meinen Roller anlassen wollte hörte ich es nur laut scheppern und krachen, dann ein schmerzerfülltes Jaulen. Ich ließ alles stehen und liegen und rannte los, in welche Richtung war mir sofort klar. Als ich vor deinem Zwinger, oder besser gesagt vor dem was davon noch übrig war zum stehen kam, bot sich ein Bild des Schreckens. Die komplette Zwingertür war zerlegt und lag am Boden, Du winselnd mittendrin und Blutverschmiert. Was für ein Schock!!! Was dann kam war klar, zwei Frauen, zwei Ecken und schon saßen wir mit Dir im Auto auf dem Weg zum Tierarzt. Dort angekommen, war alles halb so wild, Du hattest nur eine Kralle ausgerissen und ein paar Kratzer vom Holz. Gottseidank!!!
Wieder beim Gnadenhof angekommen, kam es zur mittlerweile unvermeidbaren Diskusion. Alle redeten auf mich ein, ich habs am Ende genauso gesehen und (halb)fertig war das Ding. Ich bin also nach Hause gefahren, hab mit meiner Familie alles durch diskutiert, was wie mir klar war nicht gut für uns ausgehen würde. Also stand an diesem Tag gleich der zweite Endschluß fest. Ein paar Telefonate und Umzugskartons später, stand ich mit meinem ganzen Krempel bei meinem Bruder vor der Tür und nur noch ein Ziel vor Augen. Also schnell alles in mein Zimmer geräumt und ausgepackt, dann mit meinem Bruder zurück zum Gnadenhof.
Du lagst auf Decken im Büro vom Chef und sahst mitgenommen und traurig aus. Als Du mich gesehen hast war das schlagartig vorbei, Du hast mit dem Schwanz gewedelt und bist hin und hergerannt und warst vor lauter Freude nicht mehr zu bremsen. Dann ging unser neues Leben los, ab mit Dir ins Auto und zu meinem Bruder in die Bude, die ja jetzt auch mein neues Zuhause war…


Wir hatten gute und schlechte Zeiten zusammen, Du weißt was ich meine, Du warst nicht einfach, vor allem mit manchen anderen Hunden und Männer mochtest du auch nicht besonders. Immer hattest Du das Gefühl mich beschützen zu müssen.

Dann kam der schwere Tag für mich, ich trat mein Jahrespraktikum 500km entfernt an und durfte dich nicht mitnehmen, weil es dort zuviel Hunde gab mit denen Du Dich nicht verstanden hättest. Also ließ ich Dich schweren Herzens bei meinem Bruder zurück, auch wenn ich mir sicher war das dass der beste Platz für Dich war wenn Du nicht bei mir sein konntest. Ich bin immer wann ich konnte und Urlaub bekam zu Dir gefahren und Du hast es mir nicht übel genommen das ich Dich immer wieder zurücklassen musste.
Als ich das Praktikum beendet hatte habe ich mich so sehr auf Dich gefreut und hab mir geschworen Dich nie wieder allein zu lassen. Am ersten Abend wieder Zuhause, sind wir alle schön zusammen Gassi gegangen, mein Bruder und seine Hündin, Sfeffen und dein alter Kumpel vom Gnadenhof und wir beide. Es war so ein schöner Abend, ihr habt euch schön ausgetobt und wir waren alle gut drauf. Ich konnte Dich diesen Abend noch nicht mit nach Hause nehmen, weil unser neues Zuhause noch nicht ganz fertig war, wollte Dich aber am nächsten Tag dann wieder endgültig zu mir holen.
Am nächsten Morgen dann der Schock… Mein Bruder rief mich an und bat mich schnell zu kommen. Ich hatte so eine Vorahnung, so wie damals als Du Deinen Zwinger zerlegt hast um hinterher zu kommen. Ich fuhr sofort los. Als ich ankam war ich schon den Tränen nahe, ich konnte mir denken was los war, hoffte aber das Gegenteil. Doch Du lagst friedlich in Deinem Hundebett, genauso wie ich Dich den Abend vorher verlassen habe.

Ich bin froh das Du so friedlich eingeschlafen bist und das Du auf mich gewartet hast. Ich bereue es, Dich für ein Jahr allein gelassen zu haben und bin gleichzeitig so unendlich dankbar für unsere 6 gemeinsamen Jahre (2001- 2007) und dafür das ich Dich noch einmal so sehen durfte wie ich Dich für immer in Erinnerung behalten werde.
Nichts und niemand wird jemals Deinen Platz in meinem Herzen einnehmen und kein anderer Hund wird Dich jemals ersetzen können.

Du fehlst mir immernoch wahnsinnig, und ich danke Dir für alles !!!

 
21.01.2010
#1
A

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Guest

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Verena87

Verena87

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Eine sehr schöne und traurige Geschichte!
 
Tierliebe

Tierliebe

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Tut mir leid für dich.
Ich hab "meinen kleinen Bruder" (naja er war zwar älter als ich aber egal), ein Coton de Tuléar, auch schon gehen lassen müssen.
Er mochte zwar keine Kinder aber mich hat er als kleinkind immer beschützt und niemanden (auser meinen Eltern) an mich herangelassen.

lG TIerliebe
 
Debbi

Debbi

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Och Mensch, deine Gschichte ist echt schön. Abschied nehmen ist immer so schwer :(
 
Kaddüü

Kaddüü

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Debbi du sagst es :(
 
Flixilotte

Flixilotte

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Ich glaube fest daran, dass niemand wirklich stirbt, der einen Platz im Herzen behält. Das geliebte Wesen ist nicht mehr da wo es war. Es wird überall sein wo Du bist.
 
Kaddüü

Kaddüü

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Mein Opa hat immer gesagt:

Unsere Toten sind nicht abwesend
sondern nur unsichtbar.
Sie schauen mit ihren Augen voller Licht
in unsere Augen voller Tränen.
 
M

Majana

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Voll Traurig aber auch schön,ich hab echt voll geheult:lol:!!
 
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