Kimbas Geschichte

Diskutiere Kimbas Geschichte im Tagebücher Forum im Bereich User Ecke; Hallo ihr lieben Foris, ich werde mich nun trauen und euch die Geschichte von Kimba erzählen. Ich weiß nicht, was ich mir davon verspreche, aber...
Brini-smiley

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Hallo ihr lieben Foris,
ich werde mich nun trauen und euch die Geschichte von Kimba erzählen. Ich weiß nicht, was ich mir davon verspreche, aber inzwischen habe ich das Bedürfnis, hier wieder aktiver zu werden und euch zu erzählen, warum ich vor nun fast einem Jahr hier auf einmal "weg" war. Ich hoffe, dass ich auf nicht allzu große Kritik stoße und ihr euch überhaupt noch an mich und den Hund, von dem ich rede, erinnert.

Kimba kam im Alter von 12 Wochen zu meinen Großeltern, neben denen ich mit meiner Familie gelebt habe. Es gab davor schon 2 Hunde auf dem Hof, die leider eingeschläfert werden mussten, weil sie alt und krank waren. Meine Oma wollte unbedingt wieder einen Hund halten, und es musste wieder unbedingt ein Schäferhund sein, zwar reinrassig aber ohne Papiere.
Heute weiß ich, das genau da unser erster Fehler lag. Aber ich war 14 und hatte von Hunden nicht wirklich viel Ahnung. Leider.
Naja und so kam es, dass ich für meine Großeltern im Internet recherchierte. Schnell hatten wir auch jemanden gefunden, bei ihm angerufen. Er hat uns Bilder gesendet, die uns auch auf Anhieb gefielen. Vor allem meiner Oma.
Wir hielten Kontakt zu dem Mann, und da meine Großeltern auch unbedingt wieder einen Rüden wollten, uns es nur noch einen in dem Wurf gab, hatte es sich mit der "Wahl" recht schnell erledigt.
Eines Abends rief der Mann und an, er wäre in einer halben Stunde mit dem Welpen da.
Und so kam Kimba auf unseren Hof.
Es war, wie gesagt, der Hund meiner Großeltern, doch ich wollte, dass es auch mein Hund ist. Ich durfte ihn jedoch nicht mit rein nehmen, den nach Meinung meiner Großeltern hatten Hunde in der Wohnung nichts verloren, außerdem war es ihr Hund, und wir wohnten nicht im selben Haushalt. Ich wusste, dass es nicht richtig ist, aber ich konnte es nicht ändern.

Ich hatte miterlebt, wie unerzogen der letzte Hund gewesen war und war schonmal bei einem
Tag der offenen Tür in der Hundeschule gewesen. Ich habe meine Großeltern genötigt, mit mir die Welpenschule zu besuchen, bzw. sie mir zu bezahlen. Hat mich auch gar nicht so viel Überredungskunst gekostet. Ich fing also in der Welpenstunde an, und schnell stellte sich heraus, dass Kimba recht unsicher anderen Hunden gegenüber war. Dann musste ich für 4 Wochen in Kur, und als ich wieder kam, hörte ich, dass es mit meiner Oma und der Welpenschule wohl nicht so toll gelaufen war...
Es kam die Junghund-Zeit, ich besuchte weiterhin die Hundeschule, inzwischen sogar bis zu 3 mal die Woche. Ich ging jeden Tag für mindestens eine Stunde runter zu Kimba, denn ich durfte ihn nach wie vor nicht mit hoch zu mir nehmen, und er lief auch keine Treppen.
Wir arbeiteten an seinem Sozialverhalten gegenüber anderen Hunden, wo er sich recht aggressiv zeigte. Wir hatten auch einige Erfolge zusammen, und eine Zeit lang lief es richtig gut.
Das beste Erlebnis hatte ich mit ihm, als wir beim Tierarzt waren, und ich ihn mit zwei anderen Hunden im Wartezimmer ablegen konnte.
Leider lief es nicht immer glatt, wir hatten so unsere Schwierigkeiten. Für meine Großeltern war nicht klar, dass es mehr als "Spiel und Spaß" war, was ich da erarbeitete. Sie haben mir nicht einmal beim Training zugeschaut.
Kimba hat mich ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr ernst genommen, ich war halt erst 15 Jahre alt und vollkommen unerfahren. Jedoch hatte ich ihn besser unter Kontrolle als meine Großeltern.
Unsere Beziehung war super, und wenn keine Ablenkung da war, hörte er eigentlich recht zuverlässig. Leider wurde es mit den anderen Hunden immer schlimmer, ich musste während Spaziergängen ins Gebüsch steigen um genügend Abstand zu haben und mich sehr fest hinstellen, um ihn halten zu können. Ich habe zusätzliche Stunden bei meiner Trainerin genommen und sehr viel Zeit in Kimba investiert. Ich hab wirklich geglaubt wir könnten es schaffen.

Im Frühjahr 2010 verstarb meine Großmutter an Krebs, die Zeit davor und danach ging es mir sehr schlecht und dementsprechend waren auch die Trainingserfolge. Die gesamte Situation bei uns zuhause war vom Winter 2009/10 bis ca Juni 2010 ziemlich angespannt.
Ich besuchte weiter die Hundeschule, inzwischen bis zu 4 mal die Woche, "opferte" meine ganze Freizeit Kimba. Ich hätte wirklich alles für ihn getan. Ich habe mir sehr lange eingeredet es wäre mein Hund, ich wollte nicht wahr haben, dass es niemals mein Hund sein würde.

Ich fing an, ihn zu longieren. Es machte uns beiden riesig Spaß, wir hatten dort zum ersten mal wieder richtige Erfolge. Nach ca 6 Malen lief er ohne Leine, es hat ihm wirklich sehr viel Spaß gemacht.
Leider kam genau hier, auf dem Hundeplatz, meinem 2. Zuhause, das Erlebnis, das für mich alles verändert hat. Es war im August 2010, zwei Wochen vor der Jubiläumsdeier, wo wir eigentlich auch bei der Longier-Darbietung dabei sein wollten.

Ich hatte Kimba wie immer aus der Box geholt, war mit ihm auf den Platz gegangen und hatte ihn dort abgelegt. Warum meine Trainerin nicht da war, weiß ich leider nicht mehr, auf jeden Fall haben wir auf sie gewartet. Eine andere Trainerin ging in ca 2m Entfernung an uns vorbei, Kimba kannte sie sehr gut und die beiden waren immer gut klar gekommen.
Nun jedoch sprang er auf, fing an zu bellen und ging nach vorne. Ich habe ihn sofort gemaßregelt und konnte ihn auch wieder ablegen. Er war doppelt gesichert, mit Leine an Halsband und Geschirr.
Zwei Minuten später kam dann die Trainerin, auf die wir warteten. Auch sie kannte Kimba, auch die beiden kamen super miteinander klar, er verband sie ja mit dem Longieren.

Sie kam auf uns zu, von der Seite, Kimba hat sie auch gesehen und blieb vorerst liegen. Als sie jedoch recht nah bei uns war sprang er wie schon zuvor auf und ging nach vorn auf sie los. Ich wollte ihn zurück ziehen, doch in diesem Moment riss das Halsband und er erwischte ihre Hand. Zum Glück hatte ich ihn noch am Geschirr, es blieb bei einer relativ kleinen Verletzung.

Ich war so fertig, ich habe tagelang nur noch geweint. Ich habe es einfach nicht verstanden, warum er so reagiert hatte. Ich weiß es bis heute nicht.

Wir, also ich und 3 oder 4 Trainer redeten mit meinem Opa, um das Training und auch die Haltung radikal zu ändern.
Er hat rein gar nichts eingesehen.
Und so hörte ich auf, zu trainieren, ich hätte es nicht verantworten können, wenn noch mehr passiert wäre. Und ich war total verunsichert.

Es kam auch noch ein sehr bekannter Trainer zu unserem Jubiläum, er hat sich Kimba angschaut und ihn getestet. Er sagte, der Hund habe noch 2-3 Jahre zu leben, wenn nichts geändert werden würde, denn dann wäre Kimba wohl wegen eines Beißvorfalls eingeschläfert.
Opa hat nichts davon verstanden oder verstehen wollen. Er hat nichts geändert und er wird auch nie etwas ändern.

Kimba lebte von nun an nur noch auf dem Hof, ich ging nicht mehr spazieren, ich hatte einfach zu viel Angst, dass nochmal etwas passiert. Auch sonst kümmerte sich keiner.
Als Kimba, der natürlich die Welt nicht mehr verstand, mich dann an die Wand stellte, war es bei mir endgültig vorbei.
Ich hatte plötzlich Angst vor dem Hund, mit dem ich auf dem Boden gelegen, mit dem ich so viel geschafft hatte, jedenfalls eine Zeit lang.

Ein halbes Jahr später sind wir weggezogen.
Kimba lebt immernoch auf den Hof bei meinem Opa. Keiner kann den Hof mehr betreten, ohne Angst zu haben, von Kimba attakiert zu werden.
Mein Opa bestreitet alles, was negatives von Kimba gesagt wird. Er behauptet, Kimba wäre ruhiger geworden.

Mir tut Kimba unendlich Leid, aber ich habe wirklich getan was ich konnte, mich haben nur nicht die Leute unterstützt, von denen ich Unterstützung gebraucht hätte.
Hätte man mir das vor 1,5 Jahren gesagt, hätte ich denjenigen für blöd erklärt.
Ich hätte niemals gedacht, dass es mal so weit kommen würde...

LG Brini
 
15.07.2011
#1
A

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Guest

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Para

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Arme Brini,
das damals etwas geschehen war hatte ich mir schon gedacht - das es soo schlimm war habe ich mir aber nicht vorstellen können.
Als Jugendliche kann man dir keinen Vorwurf machen. Der einzige, der sich Vorwürfe machen müsste, wäre dein Großvater. Ich fürchte nur, dass es bei ihm schon so eine Art Altersstarrsinn ist, weshalb er an der Haltung von Kimba nichts ändern möchte.

Ich weiss, das klingt doof. Aber warte, bis du dein Abi hinter dir hast und eine Ausbildung. Wenn dann die Sehnsucht nach einem eigenen Hund weiterhin so groß ist - wirst du den richtigen Kameraden finden.
 
Brini-smiley

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Danke Para,
inzwischen habe ich es auch geschafft, mir nicht mehr selbst die Schuld zu geben. Ich habe halt mein bestes getan, und ich habe ja auch "Teilerfolge" gehabt. Aber es war leider nicht genug, er hat mich irgendwann einfach nicht mehr ernst genommen.
 
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