Lyrisch Kreativ!

Diskutiere Lyrisch Kreativ! im Tagebücher Forum im Bereich User Ecke; Huhu liebe Forumfanatiker:mrgreen: Da ich in den Ferien wie so oft nichts zu tun habe, kommt hin und wieder meine mehr oder weniger kreative...
Piraja

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Huhu liebe Forumfanatiker:mrgreen:

Da ich in den Ferien wie so oft nichts zu tun habe,
kommt hin und wieder meine mehr oder weniger
kreative Ader zum Vorschein,
was das Schreiben
allerlei betrifft.
Einige kleine "Werke" wollte ich euch gerne Vorstellen
und bin für Kritik, Tipps, aber auch natürlich über
Lobe & Co. ;)

Da ich im Moment nicht die Disziplin und Motivation zu
einer längeren Geschichte, vielleicht sogar einem Buch habe,
schreibe ich derzeit einfach kleine Textauszüge.



Auszug aus meinem angefangenen buch, Papillon.
(Inhalt des Buches ist mein Kampf gegen Magersucht, Bulimie und SVV)

Glücklich legte ich mich auf das Bett, Jamiro saß neben
mir und fing sogleich an, eine wundervolle Melodie zu zaubern, indem seine Finger
leicht und schnell über das Griffbrett seiner Gitarre schwebten. Mit einem Lächeln auf
den Lippen schloss ich die Augen und lauschte den leisen Tönen, die eine ungehörte
Melodie waren.
Wie Schmetterlinge flogen sie zart durch meine Gedanken. Streiften Erinnerungen
und ließen sich auf Gefühlen nieder. Eigentlich wie ein einziger Schmetterling.
Klein. Erhaben. Graziös. Und für die Welt und ihren Schmerz unantastbar.
Tausende von Farben schillerten in seinen Hauchfeinen Flügeln.
Rot. Blau. Violett. Gelb. Schwarz.
Jedes Mal, wenn er eine andere Erinnerung berührte, veränderte sich die Färbung.
Nichts würde ich lieber tun, als ihn einmal anzurühren. Seine Schwingen zu streichen
um zu erfahren ob sie ebenso dünn sind wie sie aussehen.
Seine zarten Fühler auf meiner Haut spüren. Doch ich wusste, es wäre sein Ende.
Selbst der feinste Kontakt, würde ihn hinunter ziehen.
Würde den magischen Glanz, der ihm das Fliegen ermöglicht, zerfetzen
und den unschuldigen Schmetterling zu Boden fallen lassen.
Wie einen stürzenden Engel. Also hielt ich mich zurück.
Ließ meine Augen geschlossen und meine Hände auf meinem Bauch liegen,
der sich rhythmisch hebte und senkte. Ich atmte. Ich lebte und der Schmetterling zog
weiter seine Runden. Quer durch Erinnerungen. Durch gute und schlechte.
Schmerzhafte und Erfreuliche. Viele Menschen waren da, doch lebten nicht.
Sie standen auf um später wieder schlafen zu gehen. Das, was sie als ihr Leben bezeichneten,
war sinnlos. Denn sie hatten in ihrer gesamten Lebzeit nicht gelernt richtig zu leben.
Zu lieben. Menschen meinten ich hätte das, was Gott mir gab, verschwendet.
Dabei hatten sie geträumt, von Erfolg und Glück, während ich gelebt hatte.
Wirklich gelebt habe. Und trotz all der Fehler, die ich getan hatte und tun werde, bereute ich nichts.
Denn ich besitze nur ein Leben. Nur eine Chance. Und tausende von Erinnerungen,
die meine Persönlichkeit geschaffen haben und formen werden. Solange, bis ich am Ende bin.
Bis die Farben verblassen und der Schmetterling sich die
intensivste aller Erinnerungen aussucht und niederlässt.
Und ich weiß, sie wird schön und schrecklich sein. Traurig und fröhlich.
Leidenschaftlich und kalt. Denn in den letzten Augenblicken meines erfüllten Lebens wollte
ich Gefühle spüren. Alle gleichzeitig. Ob durcheinander oder nicht.
Ich werde sie genießen. Denn dann werde ich die schönste Zeit noch einmal durchleben.
Und Minuten werden mir wie Jahre vorkommen.
Aber dann wird mein letzter Atemzug ausgehaucht und es ist vorbei.
Und ich werde stolz sein. Auf alles was ich erreicht und getan hatte.
Denn das werden Dinge sein, die die Leute, die ich liebte an mich erinnern werden.
Doch bis dahin werde ich leben und lieben und nach vorne sehen.
Mein Bauch hebte und senkte sich, meine Augen öffneten sich und wie ein
Seidenfaden im Wind gleitete der Schmetterling weiter.
Lautlos stellte Jamiro seine Gitarre beiseite und berührte mich sanft an meinem Arm.
Ich spürte seinen warmen Atem. Es war so schön, so wunderschön, ihn bei sich zu haben.
Vorsichtig nahm er mein Gesicht in beide Hände, als wäre es das Gesicht einer Porzellanpuppe.
Zärtlich spürte ich seine warmen Lippen auf meinen ruhen.
Tausend Schmetterlinge tanzten in meinem Bauch umher.
Es war, als wollten sie ausbrechen...


Träume können fliegen

Gespannte Konzentration im Raum,
das Kratzen von Füllern auf Papier, eine Stille wie eine dichte Decke,
die Köpfe gesenkt, die Augen auf den Blättern, blind für alles um sie herum.
Niemand bemerkt etwas.
Ein Zittern geht durch den graugrünen Schiefer der Tafel, sie schlägt
unsichtbare Wellen, die aus ihr herausfließen und auf den Boden gleiten.
Das Holz wellt sich, quillt auf als wäre es nass, Pfützen bilden sich um die
Füße der Schüler, ihre Stühle sinken ganz langsam ein.
Niemand bemerkt etwas.
Die Wände beben, Putz rieselt von der Decke, weißer Staub, Risse ziehen
sich durch den Stein, schwarze Spalten, die immer breiter werden,
Dunkelheit strömt aus ihnen hervor. Niemand bemerkt etwas.
Das Pult löst sich auf, die Ecken der Tische wie angeknabbert von einem
unsichtbaren Tier, die Bücher und Ranzen zerfallen, die Fenster splittern,
Glas regnet in den Raum, glitzernde Reflexe werfend.
Und noch immer schreiben die Schüler konzentriert weiter, ganz in ihre Aufgabe versunken.
Sie schreiben auch noch, als ihre Tische im Boden versinken, ihre Blätter zerbröseln,
ja sogar ihre Kleidung sich auflöst. Sie schreiben, bis sich ihre Stifte verflüssigen
und tiefblaue Tinte ihre verschwindenden Hände färbt, bis ihre Haare ausfallen,
bis ihr Körper beginnt von den Füßen aufwärts in rasendem Tempo zu verwesen.
Sie zerfallen zu feinem Staub und haben es nicht einmal gespürt, betäubt und gefangen
zwischen den Buchstaben der Fragen und Antworten auf ihren Blättern.
Mit ihnen fällt das ganze Gebäude zusammen, und das einzige, was bleibt,
ist Staub, glitzernd in der Sonne, als der aufkommende Wind ihn davon weht.


******************************************************************

Das war's erstmal, ich denke zu viel Text motiviert euch auch nicht gerade,
zu lesen. ;)
Mehr kommt dann, wenn es mehr gibt. :mrgreen:

Grüße
Laura
 
31.07.2011
#1
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Guest

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Schattenseele

Schattenseele

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Hallo liebe Laura!
Da ich von denselben Problemen betroffen bin, das schon viele Jahre, haben mich deine Texte sehr berührt.
Ich wünsche dir von Herzen die Kraft, die du für diesen Kampf brauchst.
Ich freue mich auf weitere Texte von dir.
Viele liebe Grüße,
Schatten.
 
Piraja

Piraja

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Hallo Schattenseele. :)

Danke für deinen lieben Kommentar,
danke für deinen Zuspruch an Mut bzgl. mir,
und dem Kampf gegen die Krankheit.

Ich hoffe die Texte haben dir gefallen. :)
Mein Schreibstil ist noch nicht ganz ausgereift, finde ich,
abe ich versuche dazuzulernen.

Ich wünsche dir alles Gute! :-*
Laura
 
Billie.Joe

Billie.Joe

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Wow.
Der erste Text ist echt wunderschön.
Ich bewundere dich sehr wie du mit deiner Krankheit umgehst.
LG
 
Mellchen97

Mellchen97

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laura ;)
deine texte finde ich sehr berührend und überhaupt wundervoll ♥

ich find toll wie du schreibst, mach weiter so...ich freu mich auf weitere texte :)
ganz liebe grüße :)
 
Piraja

Piraja

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Guten morgen. :)

Gestern war ich wieder einmal mehr oder weniger kreativ,
es ist nur ein ganz kurzer Text,
bzw. vielmehr wieder ein Textausschnitt von meinem "Buch"
Papillon, an dem ich fleißig am schreiben bin.
Seht selbst, ich hoffe es gefällt euch. ;)

Grüße
Laura

PS: Viielen Dank für das Lob ihr drei. :-*

_______________________________________________________________________________________________

Todesschrei

Ein Reifenquietschen. Ein Schrei. Ein lauter Knall.
Fassungslos weinend rannte ich, ungläubig dessen, was gerade geschehen war, zu Miro.
Da lag er, regungslos auf dem Asphalt.
Ich schrie einen Passanten an, er solle einen Krankenwagen rufen.
Ich kniete neben seinem Kopf nieder, direkt in seinem Blut.
Vorsichtig legte ich meine Hand auf sein Herz. Es schlug noch, aber sehr schwach.
Er atmete schwer. Es schien, als wolle er versuchen mir etwas zu sagen,
aber ich verstand ihn nicht. Seine Stimme versagte und brach.
Verzweifelt versuchte ich immer wieder, ihn bei Bewusstsein zu halten.
Immer wieder flüsterte ich ihm zu, wie sehr ich ihn liebte.
„Nicht. Bitte, nicht“, wimmerte ich, während ich zusehen musste, wie seine
Kräfte schwanden. Wehmütig sah er mich an.
Seine Augen hatten jeglichen Ausdruck und Glanz verloren.
Vorsichtig streichelte ich ihm mit meiner Hand durch sein zerzaustes Haar.
Aus seinem Kopf strömte Blut. Panisch sah ich auf.
Wo zum Teufel blieb der Krankenwagen?!
Die Passanten blickten zu uns herüber. Die ganze Zeit schon. Doch niemand half mir.
Langsam schloss Miro deine Augen....


Wie es weitergeht, verrate ich erst einmal nicht.
Ganz genau weiß ich es selber noch nicht.
Aber wartet ab. ;)
Ich hoffe, der Text gefällt euch, auch wenn euch nicht
gerade das Glück entgegenspringt.
 
Piraja

Piraja

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Da ich in den Ferien nichts zu tun habe, schreitet mein Buch langsam,
aber kontinuierlich voran. ;)

Das Buch basiert zum größten Teil auf eigener Erfahrung,
allerdings packe ich noch eine Liebesgeschichte hinein,
die den Lesern Hoffnung geben soll.;) :mrgreen:

Derzeit habe ich das 14.Kapitel begonnen, um so weiter die
Geschichte fortschreitet, um so mehr Spaß macht es, an ihr zu
feilen.
Weiter kann ich allerdings erst schreiben, wenn ich in die
WG eingezogen bin. ;)
 
Schattenseele

Schattenseele

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Hey du!
Das klingt ja wieder alles spannend :)
In was für eine WG ziehst du denn? (Und wo?)
Ich würde das Buch dann gerne ganz lesen wenn es fertig ist!! :)
Ich freu mich auf mehr !!

LG
 
Turtle28

Turtle28

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hey, echt super texte! respekt, spitze :mrgreen::D
 
A

Amalia

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Du schreibst wirklich gut, das liest sich alles so schön. Ich freue mich auf weitere Texte von dir.

Liebe Grüße
 
A

Amalia

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Du schreibst wirklich gut, das liest sich alles so schön. Ich freue mich auf weitere Texte von dir.

Liebe Grüße
 
Piraja

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Huhu liebe Tierfreunde. ;)

Erst einmal tausend Dank für die überraschend positiven Kommentare.:uups:
So ein Buch macht ganz schön viel Arbeit, zu Ende bringen kann ich es
noch nicht, da es teilweise ja auf eigene Erfahrung beruht. ;)

In was für eine WG ziehst du denn? (Und wo?)
Ich ziehe nach Köln, in das "Robert Perthel Haus".
 
Piraja

Piraja

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Wie versprochen, kommt nun eine weitere Szene aus Kapitel 16,
die ich gerade noch einmal ein klein wenig korrigiert habe, ich hoffe
es gefällt euch.
Wenn ihr Tipps habt - nur her damit. ;)


Er schien den Schmerz in meinem Blick nicht zu bemerken.
Unruhig sah ich mich um und entdeckte endlich die Toiletten.
„Ich bin gleich wieder da.“ sagte ich heiser.
Als ich aufstand und Richtung Toiletten wankte, sah er nicht einmal auf.
Er nickte nur abwesend und senkte den Blick dann wieder auf einen Fleck
auf der Tischplatte. Ich stürzte in eine der Kabinen und ließ mich auf den Klodeckel fallen.
Den Kopf in die Hände gestützt starrte ich auf den gefliesten Boden und versuchte die
Tränen zurück zu halten. Der Schmerz breitete sich langsam wieder in meinem Körper
aus und drohte mir den Atem zu nehmen, doch ich kämpfte dagegen an.
Ich war fest entschlossen mich nicht von ihm übermannen zu lassen, ich musste einen klaren Kopf behalten.
Ich hatte einen dicken Kloß im Hals und schluckte krampfhaft.
Es ging mir nicht gut. Ich fühlte mich schrecklich. Es tat so unglaublich weh!

Ich kniff die Augen zusammen und atmete tief durch.
Es konnte doch nicht so schwer sein sich zu beherrschen. Andere Menschen schafften es doch auch!
Aber es war so schwer sich aus dieser Situation heraus zu kämpfen!
Verzweifelt schlug ich meinen Kopf gegen die Wand der Toilettenkabine um irgendwie zu mir zu kommen.
Ein weiteres Wimmern fand seinen Weg in die Freiheit, ich klang wie ein verwundetes Tier.
Immer wieder schlug ich meinen Kopf gegen die Tür und weinte immer heftiger.
Viellicht lag es an dem realen Schmerz, der mir wieder einen klaren Kopf brachte,
vielleicht auch nicht. Langsam beruhigte ich mich und wurde still. Ich fühlte mich leer
und ausgebrannt aber auch unglaublich gefasst.
Mechanisch stand ich auf und trat ans Waschbecken.
Wenn ich vorher gedacht hätte, ich wirkte wie ein Zombie,
es war kein Vergleich zu meinem jetzigen Aussehen.
Ich sah zwar nicht fertig aus, doch in meinen Augen lag keine einzige Gefühlsregung.
Sie wirkten kalt und tot. Mein Gesicht war vollkommen ausdruckslos.
 
C

CrazyCat

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Wirklich super geschrieben und man will unbedingt wissen, wie es weitergeht *unschuldig blinzelt* :)
 
Piraja

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Vielen Dank, CrazyCat. ;)
 
Viviana.

Viviana.

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Wow Laura, deine Texte sind echt toll, sie fesseln einen richtig!

Freue mich auf die Fortsetzung :)

:-*
 
MyThelamb

MyThelamb

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Deine Texte sind wirklich gut, sie geben einem wieder Motivation zu schreiben (habe auch vor einiger Zeit kleinere Geschichten geschrieben, die aber nie fertig wurden...).
Lg Therese
 
Piraja

Piraja

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Hallo liebe User und meine-Texte-leser. ;)

Entschuldigt mich bitte, dass ich im Moment nicht
schreibe, mir geht es leider sehr schlecht,
aber ich denke ich habe noch etwas Kleines für euch,
was ich posten kann.

Da ich sehr melancholisch gestimmt sind, ist leider auch der folgende
Text so geworden, leider auch das ganze Buch - jedoch spiegelt es
meine Gedanken wieder, und mein Leben. :(

Ich hab euch lieb, ihr seid das beste Forum der Welt.

Laura
__________________________________________________________________________________
Prolog

Manuels Blick wanderte von dem dunklen Horizont zu dem kleinen Kind, das ganz verloren vor ihm stand.
Zärtlich nahm er ihre winzige Hand und sagte zu ihr: „Wir müssen gehen.
Dort hinten kommt eine ganz böse Wetterfront.“ Molly nickte und gemeinsam begannen sie,
den langen Deich entlang nach Hause zu laufen. Ein unangenehm kalter
Wind strich um Manuels Körper, schien ihm etwas zuzuflüstern und er bekam eine Gänsehaut.
Seine Schwester sah auch so aus, als würde sie es unheimlich finden, wie sich der strahlend
blaue Himmel so urplötzlich verdunkelt hatte. Auch sie fror ganz offensichtlich und er ging schneller.
Molly stolperte hinterher, denn sie musste in seine großen Fußstapfen mindestens zweimal hineintreten.
Schließlich nahm Manuel sie auf den Arm und fing an, zu rennen.
Inzwischen beugte sich die dunkle Front schon bedrohlich über die beiden Geschwister.
Das kleine Mädchen in seinen Armen zitterte heftig, ob vor Kälte oder Angst,
das wusste Manuel nicht. Die smaragdgrünen Augen schauten ihn panisch an.
Ihre Finger krallten sich in sein Hemd. Es war sehr windig geworden,
das Meer bäumte sich auf und trug weiße Schaumkronen auf den wilden Wellen.
Das Wasser war schwarz, spiegelte den Himmel wider. Keuchend rannte Manuel weiter,
die Arme fest um seine kleine Schwester geklammert. Der Schweiß rann ihm nun den Rücken hinunter,
denn sie war schwer. Sein Herz stolperte, und es kam ihm vor, als würde es so schnell schlagen wie Flügel eines Kolibris.
Lange würde er das nicht mehr aushalten, trotz der Adrenalinstöße, die durch sein Blut gepumpt wurden.
Seine Beine schmerzten jetzt schon gefährlich, das Verlangen wuchs, stehen zu bleiben.
Aber er wollte sich auf keinen Fall dieser Wetterfront entgegenstellen.
Er hatte gelernt, was sie anrichten konnten. Und wie man sie erkannte.
Da überschlugen sich seine Füße und er strauchelte. Sein Brustkorb hob und senkte sich ruckartig,
die Lunge konnte nicht schnell genug neue Luft einsaugen. Sein Hals war ganz trocken.
Plötzlich übermannte ihn eine Müdigkeit, die überwältigend war. Er wollte nur die Augen schließen und schlafen.
Er vergaß, wo sie waren und dass sie in Gefahr schwebten. Nebel ließ seine Sicht verschwimmen.
So, als wollte ihn jemand an etwas hindern... „Manu!“, die schrille, hysterische Stimme seiner Schwester
riss ihn zurück in die Realität, „Lauf weiter!“. Doch obwohl er nichts lieber wollte, konnte er sich nicht bewegen.
Da fing es an zu regnen. Doch – sie wurden nicht nass! Fassungslos beobachtete er dieses Geschehen und brachte
kein Wort heraus. Seine Kraft ließ immens nach und er musste Molly absetzen. Dann schauten sie sich an.
Just in dem Moment, als sich ihre Blicke trafen, spürte Manuel einen ungeheuren Schmerz in seinem Kopf und er sackte zu Boden.

***​

Mollys Augen weiteten sich. Ungläubig sah sie den schwarzen Blitz in ihren Bruder einschlagen.
Sein Gesicht war schmerzverzerrt, er heulte auf und fiel wie ein Stein auf den Rücken. Krämpfe schüttelten seinen Körper,
der unnatürlich verdreht dalag. Die Millionen Regentropfen schienen von einem Schutzschild um ihn herum abzuprallen.
Molly konnte sich nicht bewegen. Sie flüsterte nur ein gebrochenes „Manu!“ Und sah weiter dem Grauen zu.
Plötzlich aber hörte die scheinbar unendliche Bewegung auf. Ihr Bruder lag still auf dem nassen Asphalt und löste sich auf.
Er löste sich auf! Es war zu viel für sie, sie sank auf den Boden um wimmerte leise.
Und der Regen begann langsam aber stetig, ihre bisher trockene Kleidung vollkommen zu durchnässen.
 
Piraja

Piraja

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Ich hoffe, es hat euch gefallen! ;):lol:
Um Kritik wäre ich sehr dankbar.

Lg
Piraja
 
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