ErinnerungenV

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Nilo

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Am Abend lege ich mich auf mein Bett. Die Erinnerungen an den heutigen Tag kommen in mir hoch. Der Junge. Noah. Meine Gedankenstränge führen immer wieder zu ihm. Ich drehe mich auf die Seite und starre an die Wand gegenüber. Und denke an Noah. Seufzend stehe ich auf, fege einige Hosen und Pullover vom Schreibtischstuhl und setze mich an meinen Schreibtisch vor den Computer. Ich gebe vor lauter Langeweile den Namen Noah ein und suche nach der Bedeutung. Arabisch bedeutet er Ruhebringer. Das passt nicht. Seine Augen sind voller wirrer Gedanken und Verzweiflung. Ich suche weiter. Noah ist biblisch. Arche Noah. Haha. Aber er bedeutet auch Trost. Ob jemand, der so verzweifelt ist, jemand anderen trösten kann? Das ist wohl auch nichts. Ich schließe die Augen und fahre mit der Maus über die Seitenzahlen im unteren Bereich der
Internetseite. Langsam zähle ich bis drei und lasse die Maus los. Babynamen. Leicht grinsend klicke ich die erste Seite an. Rosane Wirbel mit kleinen Fotos mit Babys darauf verzieren den Rand der Internetseite. Ich bin bei „Mädchen“ angekommen, schnell klicke ich auf „Jungen“ und suche unter dem Buchstaben „N“ nach dem Namen Noah. „Noa, Noa-Jörg, was für ein Name... Noah!“ Da ist er. Ich runzle meine Stirn und lese angestrengt den kleinen Text durch. Da! Ich habe etwas gefunden: „Noah stellt den Vermittler zwischen den Menschen und Gott dar. Er steht für den Regenbogen.“ Jüdisch. Das gefällt mir. Regenbogen. Die Regenbogenbrücke ist das Tor zu Gottes Reich. Das hat Oma immer gesagt. Aber Oma sitzt in einem Altersheim. Oder einer Residenz, wenn man es schönreden möchte. Da sitzt sie seit...
Oma ist zusammengebrochen. Steve hat einen Krankenwagen gerufen. Leon und ich sitzen weinend in der Kirche. Erst Mama, dann das. Niemand kann uns sagen, was passiert ist. Die Beerdigung läuft aus dem Ruder, wird um einen Tag verschoben. Ich sage an diesem Tag nichts mehr. Abends sitzen wir alle drei nebeneinander auf dem Sofa vor dem warmen Kamin und starren traurig in die Flammen. Dann fängt Leon an zu weinen. Und wir können uns nicht mehr halten und weinen auch. Steve, Leon und ich. Die Trauer legt sich um uns wie ein dunkles Tuch. Steve hält uns im Arm und unsere Tränen halten wir nicht mehr auf. Jetzt nicht mehr. Ich schmiege mich an Steve und Leon, Steve streichelt sanft meinen Arm. Leon schluchzt. Ich lehne meinen Kopf gegen Steves bebende Brust. Irgendwann fängt Steve an zu singen. Er singt ein trauriges Lied. Ganz leise. Voller Tränen werden wir von seinem Gesang und dem warmen Licht des Kamins langsam in den Schlaf gewogen.
Ich schrecke auf. Wieder diese Erinnerung. Ich möchte mich nicht erinnern. Ich vermisse meine Familie. Meine richtige Familie. Hier ist es kalt. Blau und weiß. Zuhause habe ich ein oranges Zimmer gehabt. Ich lehne mich zurück und schaue an die Decke. Kreischend springe ich auf. Über mir sitzt eine dicke, fette, schwarze Spinne. Nachdem ich mich beruhigt habe, stehe ich immer noch leicht zitternd an der Wand und starre dieses Wesen an. Was Wissenschaftler an so einem Ding schön finden? Ich merke, dass ich müde bin und lege mich ins Bett. Die Tränen kommen hoch. Ich glaube, ich kann heute nicht mehr viel erreichen. Denke nach. Noah. Die Augen von Noah. Diese Augen... Mama. Steve, Leon. Ich schließe meine Augen.
 
05.03.2012
#1
A

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Guest

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Nilo

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Kapitel 3
Ich wache auf. Die Sonne scheint durch die schneeweißen Gardinen hindurch. Ich habe wieder einmal schlecht geschlafen. Eine weitere Nacht voller Erinnerungen. Ich drehe mich auf die andere Seite. An der Decke sitzt die Spinne. Ich persönlich hasse ja Spinnen. Auch, wenn Mama immer gesagt hat, man solle alles Leben würdigen und als ein kleines Wunder ansehen. Ich nehme mir heute mal vor, alles positiv zu sehen. Ein Tipp vom Hohlstein. Oh. Hohlstein. Noah. Na ja. Jetzt muss ich einfach mal einen Tag nett zu allen sein. Oha. „Hallo, Spinne!“ Ich muss unbedingt einen Namen für das Ding finden, denn allein schon bei dem Wort „Spinne“ dreht sich mir mein Magen fast um. Ich könnte die Spinne ja Noah nennen. Dann hätte ich auch einen Noah. Vorausgesetzt, die Spinne ist männlich. Obwohl - Können diese... „Tiere“ überhaupt ein Geschlecht haben? Egal. Ich will bei diesem Namen allerdings nicht in Erinnerung an diese … Spinne schwelgen müssen. Außerdem wäre das eine große, riesige Beleidigung für den Jungen Noah. Noah geht jedenfalls nicht. Einen Namen, der ähnlich klingt vielleicht. Noel. Das ist gut. „Ich taufe dich im Namen Noel.“, rufe ich der Spinne zu und spritze ein paar Wassertropfen aus einer Flasche an die Decke. Irgendwie bin ich ja dumm. Aber egal. Dann hätte ich das schon einmal geschafft. Jetzt kommt das Schlimmste: Ich will heute alles positiv sehen. Dann muss ich wohl oder übel auch Marianne positiv sehen. Also ziehe ich mir ihr zuliebe eine, wenn auch schwarz-weiß karierte, Bluse und eine neue Jeans an, knalle die Tür heute ausnahmsweise mal nicht zu und hüpfe summend die Treppe hinunter. Die anderen sind wohl noch nicht wach. Mein Summen entwickelt sich zu einem Singen. Und ich muss sagen, diese Töne, die da aus meinem Hals kommen und ihn zum leichten Vibrieren bringen, erfüllen irgendetwas. Sie befreien. Ich durchquere das Wohnzimmer. Weiß, wie so ziemlich alles hier. Aber weiß ist ja schließlich die Farbe des Friedens. Ich öffne die Terrassentür und trete hinaus. Laut trällere ich irgendein schon längst vergessen geglaubtes Lied in die Natur hinaus. Sehe den Vögeln zu, wie sie sich aus dem Baum erheben und weg fliegen. Dann marschiere ich laut singend in die Küche. Allerdings schlafen Torben, Marianne und Nils nicht, wie gedacht. Sie sitzen am Frühstückstisch und starren mich ein wenig verblüfft an. Pech für sie. Mit dem Singen höre ich allerdings auf. Ich setze mich an den Tisch und lächle alle an. Teile ihnen ein glückliches: „Guten Morgen!“ mit. Dann nehme ich mir ein Brötchen und schmiere etwas von Mariannes ekelhafter Marmelade darauf. Torben blickt mich über den Zeitungs- und Brillenrand hinweg skeptisch an. Ich versuche mir den aufsteigenden Würgereiz wegen Mariannes Marmelade nicht anmerken zu lassen und lächle fröhlich. „Lecker, Marianne!“ Okay, eigentlich wollte ich nur positiv sehen, dass es Marianne überhaupt gibt, aber ein bisschen übertreiben geht ja auch. Nils lässt seinen Löffel in sein Müsli sinken und starrt mich an. Uups. Vielleicht doch etwas zu viel übertrieben. Ich schaue auf die Uhr. „Schon so spät!!“ Torben folgt meinem Blick. „So ein Mist! Kommst du, Linn? Ich bringe dich zur Schule!“ Ich nicke, stehe auf und drücke Marianne einen Kuss auf die parfümierte Wange. Sie guckt leicht verdattert aber irgendwie auch erleichtert. Im Auto bemerke ich Torbens leicht verständnislosen Seitenblick. Mir doch egal. Ich komme sogar rechtzeitig zur Schule, suche mir den Klassenraum und trete ein.
 
K

Karlchen:)

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Boah... Du kannst echt oberhammersuper schreiben...:clap: Hoffentlich gibts ein Happyend!!!:eusa_pray:
 
Nilo

Nilo

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Dankeschön :) Das Ende hab ich noch nicht geschrieben... Das mahce ich aber weiterhin fleißig :024:
Und wer weiß, vielleicht gibts ja auch ein Happyend!? :102: :D
 
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