ErinnerungenVI

Diskutiere ErinnerungenVI im Tagebücher Forum im Bereich User Ecke; Ich komme sogar rechtzeitig zur Schule, suche mir den Klassenraum und trete ein. Einige blicken auf, der Rest bleibt in kleinen Gruppen stehen...
Nilo

Nilo

Registriert seit
15.01.2009
Beiträge
497
Reaktionen
2
Ich komme sogar rechtzeitig zur Schule, suche mir den Klassenraum und trete ein. Einige blicken auf, der Rest bleibt in kleinen Gruppen stehen. Das Mädchen von vorgestern kommt mir entgegen. „Hey Linn!“, sagt sie strahlend und deutet auf meinen Platz. „Falls du das wieder vergessen hast!“ Sie lächelt mich an. „Hallo... Juliane!“ Ich packe meinen Collegeblock aus der Tasche aus. „Sag ruhig nur Julia, der ganze Name ist so lang.“ Ich nicke. Es klingelt und eine Lehrerin kommt herein. „Wir haben jetzt Erdkunde.“, erklärt mir Julia. Ich schaue sie an und nicke. Nach einer Doppelstunde langweiliger Theorie über Erdbeben bin ich richtig müde. In der kleinen Pause spricht mich Julia an. „Also, ich bin 15, wie alt bist du?“ „16.“ Sie nickt. „Ich werde in drei Wochen auch 16. Ich werde vielleicht eine kleine Feier machen.“ Ich tue begeistert. Sie merkt mir aber irgendetwas an. „Bist du eher ein Partytyp oder was?“ Entgeistert schaue ich ihr in die Augen. „Mmh, ne, da wo ich herkomme, da haben wir unsere Geburtstage im Wald mit Lagerfeuer gefeiert.“ Ich lächle. Julia
strahlt mich an. „Das ist ja klasse! Hier ist sonst oft nur Alkohol angesagt, deshalb...“ Sie erhebt sich. Ich blicke auf. Herr Weiland steht in der Mitte und wartet auf die Begrüßung. Nach der etwas langweiligen Stunde gehe ich zu Herrn Weiland und gebe ihm die Entschuldigung für den vergangenen Tag ab. Er blickt vom Klassenbuch auf und lächelt mich freundlich an: „Geht es dir denn wieder besser? War denn etwas Ernstes?“ Ich schüttle nur meinen Kopf und antworte verärgert: „Sie wissen doch sowieso schon alles, weshalb fragen Sie denn noch? Meine Tante hat gestern eine Stunde mit Ihnen telefoniert, Sie brauchen gar nicht so zu tun, als würden Sie keine Ahnung haben!“ Das Lächeln ist aus seinem Gesicht gewichen als er sich aufrichtet: „Linn, ich glaube du weißt selber, dass wir es alle gut mit dir meinen. Du solltest wirklich all die Menschen einmal ansehen. Schau sie dir an! Sie kümmern sich um dich, du merkst das nur nicht.“ Mir schießen die Tränen in meine Augen, ich kann das einfach nicht hören. „Sie alle machen das nur, weil das alle von ihnen erwarten.“ Dann drehe ich mich um und renne hinaus. Raus, raus, weg. Vom Schulgelände weg. In den Park. Tränen laufen über mein Gesicht, wie kleine Rinnsale. Ich setze mich auf eine Parkbank, ziehe die Knie an und schaue trübselig auf den kleinen See hinaus. Als sich eine kleine, schmächtige Person neben mich setzt, blicke ich auf und sehe direkt in das Gesicht von Juliane. Sie ist mir gefolgt. „Hey“, sagt sie leise, „Ich habe gehört, was der Weiland zu dir gesagt hat. Weißt du, ich mag ihn nicht sonderlich gerne. Aber mach dir bitte nichts aus seinem Verhalten. So ist er öfter.“ Sie reicht mir ein Taschentuch, das ich annehme. Ich schnäuze geräuschvoll hinein und lächle Julia an. „Danke,“ flüstere ich. „Hey, kein Ding. Wenn du Hilfe brauchst...“ Sie schaut auf die Uhr. „Oh je, schon so spät!“ Sie springt auf. „Komm, ich zeig dir mein zuhause!“ „Schule?“ Sie lacht und wirft ihren geflochtenen Zopf in den Nacken. „Wenn wir uns jetzt auf den Weg machen, kommen wir sowieso viel zu spät. Zur letzten Stunde, Linn. Wir können also auch direkt gehen. Komm!“ Sie streckt mir ihre Hand hin und zieht mich von der Bank hoch. „Du brauchst dringend Anschluss ans Leben!“ Auf dem Weg durch den Park schaue ich Julia immer wieder leicht verwundert von der Seite an. Sie wirkt eher unauffällig, mit ihrem blaugeblümten, knielangen Kleid mit der dünnen Jacke darüber. Deshalb habe ich ihr eine solche Aktion wohl auch nicht zugetraut.
Es nieselt und ich ziehe mir meine Jacke enger um die karierte Bluse. Auf einmal rennt Juliane los. Sie ruft mir laut zu: „Da kommt der Bus! Beeil dich!“ Ich renne hinter ihr her, meine Tasche klappert laut und ich sehe ihr Kleid wild im Wind flattern, ihr Zopf hüpft auf und ab. Dann sind wir an der Bushaltestelle, wir bekommen den Bus noch und lassen uns keuchend auf einen Sitz fallen. Sie lacht laut. „Das war witzig.“ Ich nicke und lächle. „Was ist das für ne Linie?“ Julia schaut mich an: „Der Bus fährt aus der Stadt raus, wir wohnen am Stadtrand, also direkt am Waldrand.“
 
06.03.2012
#1
A

Anzeige

Guest

Kennst du schon die Warehouse Deals? Amazon bietet hier zurückgesandte und geprüfte Ware deutlich billiger an.
Dort gibt´s das auch speziell nur mit interessanten Dingen aus dem Haustierbedarf. Was haltet ihr davon?
K

Karlchen:)

Registriert seit
03.03.2012
Beiträge
28
Reaktionen
0
Voll guuuuuut.... ;) Wenn du das veröffentlichst, bin ich die erste, die das kauft!!!:D
 
Nilo

Nilo

Registriert seit
15.01.2009
Beiträge
497
Reaktionen
2
Haha, danke :) Naja, man muss den "Stil" sag ich mal schon mögen, sonst gefällts einem nicht :D

Hier ein weiterer Teil, ich hab mir überlegt, dass ich immer zwei Teile in einen Blog reinschreibe, damit ich nicht zu viele mache.

Nach zehn Minuten Fußweg an einer kleinen Straße entlang, kommen wir an. Da, wo Juliane wohnt, stehen mehrere Bäume. Als wir die kleine, mit Unkraut übersäte Einfahrt entlanggehen, lichten sich die Bäume plötzlich und geben ein kleines Fachwerkhaus mit blauen Fensterläden frei. Juliane lebt am gleichen See, wie ich, nur auf der anderen Seite. Denn Mariannes Seite liegt noch in der Stadt selber. Julia hüpft den Weg bis zur Haustür hoch und kramt in ihrer Tasche nach dem Hausschlüssel. Ich schaue mich um. Es ist fast so, wie früher. Nur, dass wir ein anderes Haus hatten. Mir gefallen die wilden Beete, wo wohl jemand erfolglos versucht hat, die Pflanzen zu zähmen. Nach erfolgreicher Suche schließt Juliane die Tür auf und deutet kichernd hinein. „Mein Palast, madame! Nach Ihnen.“ Ich muss lächeln und gehe vor. „Die Eingangshalle!“ , kommentiert Julia. Die Eingangshalle entpuppt sich als ein enger Flur, vollgestopft mit Schuhen und Jacken in allen Größen und Farben. Juliane grinst und geht vor, sie öffnet eine schmale Tür und wir stehen in einem niedrigen, aber dennoch großen, gemütlichen Raum. „Unser Wohnzimmer. Mit Küche und Esszimmer.“ Mir gefällt dieses ebenfalls voll gestellte Zimmer. „Hast du Geschwister?“ Ich deute auf einen Babystuhl. „Ja. Eine kleine Schwester und einen großen Bruder.“ Julia geht zu einem mit Holz verkleideten Kühlschrank und ruft hinter der Tür hervor: „Tiefkühlpizza?“ Ich bejahe die Frage. „Setz ich doch da hinten auf das Sofa!“ Bevor ich mich setze, schiebe ich ein paar Kuscheltiere, Spielzeug, ein Malbuch und angekaute Buntstifte vom Sofa. Vom Wohnzimmer aus kann man auf den See blicken. Julia setzt sich neben mich und schaut ebenfalls hinaus. Lange sagen wir nichts, sitzen einfach nur da, schauen auf den See hinaus und lauschen dem Rauschen des Herdes. Ein plötzliches Klingeln durchschneidet die Stille, Julia holt uns unsere Pizza und wir gehen nach draußen, setzen uns auf die Terrasse, vor den hochgewachsenen Rasen, voller Unkraut und Blumen. Löwenzahn, Mohn und Gänseblümchen. Ich bin müde. Die Pizza ist auch etwas angebrannt, aber ich habe Hunger und da ist mir das egal. Früher war unsere Pizza auch oft angebrannt. Wir haben auf die Pizzen immer alles drauf getan, was wir gerade da hatten. So haben wir neben Ananas, Ketschup, Käse und Oliven auch Erdbeermarmelade, Frischkäse, Gurkenscheiben und Banane gegessen. Aber erst, als Mama gestorben war. Denn Mama hat das nicht so gerne gesehen. Es hat Spaß gemacht. Geschmeckt hat es allerdings sehr selten.Ich glaube, Steve hat das gemacht, um uns aufzumuntern. Mit lauter Kindermusik und vollen Tellern haben wir mit Steve „Die Reise nach Jerusalem“ gespielt. Steve hat immer verloren. „Julia?“ Eine männliche Stimme lässt mich zusammenzucken. „Wir haben noch Pizza da. Im Ofen.“, antwortet Julia der Stimme. Ich drehe mich um. Und da steht Noah, in Jeans, die Hände in den Taschen und in einem grauen Kapuzenpullover. Und er sieht mich mit seinen brauen Augen an. Er blinzelt leicht und sagt „Hallo.“ Dann geht er ins Haus. Und ich bleibe mit einem verwirrten Gefühl zurück. „Das war mein Bruder.“ Julia sieht mich von der Seite an. „Ist etwas?“ Ich schüttle nur den Kopf. „Nein... Es ist nur... Ich... kenne deinen Bruder schon.. Also... So ein bisschen, also ich... ich kenne ihn nicht...“ Julia lächelt lieb. „Also hast du ihn mal gesehn?“ Ich nicke. „Beim Hohlstein.“ Julia zieht scharf
Luft ein. Ich stehe auf und drehe mich von ihr weg. Tränen rinnen meine Wangen herab. Frag doch, denke ich. Frag doch, warum ich zum Hohlstein gehe. Julia legt mir ihre Hand auf meine Schulter. „Hey, ist okay. Ist okay, ja? Alles ist gut.“ Und sie nimmt mich in den Arm. Sie zieht mich wieder auf den Boden, wir sitzen da und schauen wieder auf den See hinaus. Und ich fange an, zu erzählen. Zu erzählen, was mit Mama passiert ist.
 
Chrissii89

Chrissii89

Registriert seit
07.05.2011
Beiträge
1.012
Reaktionen
0
Meeeeehhrr :mrgreen:
 
K

Karlchen:)

Registriert seit
03.03.2012
Beiträge
28
Reaktionen
0
Schreib ruhig, wenn ich nerve, aber ich muss halt immer und überall meinen Senf dazugeben...;)
Will auch gern so schreiben können!:mrgreen:
 
Nilo

Nilo

Registriert seit
15.01.2009
Beiträge
497
Reaktionen
2
keine sorge, hier nervt keiner ;)
 
Thema:

ErinnerungenVI