Eindrücke vom JVA

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Imbahamster

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Wir waren heute mit unserer Schulklasse 11 im JVA.
Am anfang wurden unsere Pässe kontrolliert, dann nochmal mit diesen Piepsern.
Als wir nach der nächsten Kontrolle in einem Zwischentor standen, wurde den meisten schon mulmig. Wir wurden von 2 Herren begleitet.

Eine Hohe Metonmauer. Einen Meter weiter eine Riesige Mauer aus Metall. Oben an beiden Mauern Stacheldraht. Mehrfach.
Im nächsten Gebäude: wieder Kontrollen.
Danach wurde uns gezeigt, wie der Knastalltag aussieht, und wie groß eine Zelle ist.
Wir haben die Besuchsräume gesehen, und die Kirche, in dem das Treffen mit einem Gefangenen stattfinden sollte.
Die JVA in der
Stadt ist für Sträflinge mit 5 Jahren und aufwärts vorgesehen. Also schon einen Grund beängstigt zu sein.
Einige von uns sprachen Verwünschungen gegen Mörder aus, andere ihre Angst vor dem Bevorstehenden.

Dann der Schock:
Der kleinere, Schlanke Mann stellt sich uns plötzlich als Inhaftierter vor. Unruhig wechseln viele von der ersten in die letzte Reihe. Er erzählt uns von dem Alltag in der JVA, vom zusammenleben bis zum Kantinenessen und dem Tagesablauf. Wieder wichen einige zurück, als der Mann uns gesteht, das er Lebenslänglich wegen eines Tötungsdeliktes sitzt. Beantwortet uns geduldig alle Fragen, wie es dazu kam, wie er sich gefühlt hat und ob er es bereut. Es war eine Ausnahmesituation, die ich hier nicht genauer schildern möchte. Ein Streit im privatem Umfeld, wo er dann aus Angst um sein eigenes Leben und auch aus Wut, geschossen hat.
Er erzählt von Reue, und der Gerechtfertigtheit seiner Strafe. Wie ich es aus der ersten Reihe beobachtet habe, waren seine Worte ernst gemeint. Er sagte dass er es sich nie verzeihen kann, jemandem das Leben zu nehmen. Das Opfer von seiner Familie fortzureissen.

Der Gefangene hat aber noch seine Mutter und seinen Sohn, die beide zu ihm halten, was ich bewundernswert finde. Dadurch gewinnt er viel Kraft, um das zu verarbeiten, was er getan hat.
Ich sehe den Mann nicht als Mörder, der verurteilt worden ist. Ich sehe ihn als Mensch, der etwas schrecklich bereut und uns den Eindruck geben wollte: "Macht so etwas nicht! Es verfolgt euch euer ganzes Leben!"
Ich hab ihm am Ende die Hand geschüttelt und viel Glück gewünscht. Denn in meinen Augen ist er trotz seiner Tat ein guter Mensch, der nie geglaubt hätte, auf einen Menschen zu schiessen.


Was meint ihr dazu?
 
27.09.2012
#1
A

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Guest

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Schattenseele

Schattenseele

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Du hast tolle Worte gefunden muss ich sagen. In einigen erkenne ich mich wieder. Wir haben damals keine JVA besucht sondern ein Haus für Aidskranke und HIV Positive Menschen . Die Eindrücke die ich dort sammeln konnte haben mich auch geprägt. Viele haben es nicht verstanden als auch ich einer Aidspatientin die Hand gegeben habe. Aber für diese Menschen ist das ganz wichtig als Mensch wahrgenommen zu werden. Nicht als Patient oder als Straftäter. Denn das wissen sie selbst und müssen jeden Tag damit leben und damit kämpfen. Ich finde es gut wie du dich verhalten hast. Das sitzen in der 1.Reihe und auch das geben der Hand.
Und ich denke das so ein Besuch einem auch eine Menge mitgibt, was man sacken lassen sollte.
Ich denke der Tag heute hat bei vielen was bewegt und ausgelöst. Ich Wünsche dir das du deinen Blick für Menschen nie verlierst, denn der ist ganz wichtig für unsere Gesellschaft die andere viel zu schnell abwertet und in Schubladen steckt.

Liebe Grüße,
Schatti
 
Imbahamster

Imbahamster

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Genau das meine ich ja auch. Es sind immernoch Menschen, egal was sie verbrochen haben und wie krank sie sind. Leider gibt es das auch im Alltag zu genüge, das Menschen verachtet werden, obwohl sie bedingt etwas dafür können. Um beim Beispiel des Gefangenen zu bleiben. Jeder Mensch würde in einer Situation auch mal töten. Nur kommt sie meistens zum Glück nie zu stande. Wenn man wirklich um sein Leben fürchtet ist man zu allem fähig.
Oder auch das Fette Kind aus dem Bus, über das alle lachen. Ich bin da die einzigste die denkt, dass das Kind auch eine Krankheit haben könnte. Die meisten lachen weiter und ich bin oft schon auf Granit gestossen, als ich meine Sichtweise erklärt habe. Ich habe einen heiden Respekt vor den Menschen, die täglich mit solchen Erniedrigungen zu tun haben. Es gehört auch viel Mut dazu, vor 20 Leuten zu sprechen und zu sagen, warum man denn im Knast sitzt.
Außerdem finde ich seine Reue, wie ich geschrieben habe, ehrlich. So etwas kann man nicht vormachen. Die Augen verraten ja oft viel und den Blick kann man kaum verändern, wenn es einen so stark betrifft..
 
Knopfstern

Knopfstern

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Es sind immernoch Menschen, egal was sie verbrochen haben und wie krank sie sind.
Dazu hab ich jetzt mal eine Frage. :)

Wie würdest du mit einem Mörder wie z.b.dem aus utoya umgehen?
Wo sind da die grenzen gesetzt?

Wer sagt, das diese Person krank ist?
Wo zieht man da die grenze?
Ist man direkt schon Krank, wenn man einen Menschen umgebracht hat, weil einem die "Birne" durch geknallt ist aus Angst?

Versteh mich bitte nicht falsch, ich finde das toll.
Mir kommen nur grade diese Fragen auf. ;)
 
Imbahamster

Imbahamster

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Solche Leute sind - auch wenn sie es bewusst getan haben - auch Menschen meiner Meinung nach. Sicherlich hat er es mit vollem Bewusstsein getan und ist gefährlich , nach wie vor. Wenn man es in vollem Bewusstsein, ohne irgendeine persönliche, direkte Situation tötet, ist es für mich kein gesunder, sozialer Menschenverstand mehr. Er hatte ja die Beweggründe, das es keine multikulturelle Gesellschaft geben solle. Das finde ich Menschenverachtend.

Grenzen setzen ist schwer, ich würde als juristische Laie je nach Situation entscheiden. Es ist etwas anderes, ob man einen Mord monatelang plant, oder es aus Angst um sein eigenes Leben tut. Und dann gibt es immernoch Gründe, wieso Menschen so etwas planen. Ich finde das der Typ aus Utoya sicher verwahrt werden sollte. Ich glaube kaum, das seine Einstellung bezüglich der Gesellschaft ändern wird. Aber erst wenn er diese Einstellung geändert und wirklich akzeptiert hat und man sich 110%tig sicher sein kann, würde ich ihn herauslassen.
Das Gefängnis ist in einer Hinsicht ein Schutz für den Gefangenen vor der Gesellschaft, sie würde ihn zur Schau stellen. Sein Leben dort ist mit der Tat zerstört. Gleichzeitig bietet das Gefängnis auch Schutz für die Gesellschaft, weil sich so eine Tat wiederholen könnte. Es gibt viele Formen von psychischen Krankheiten, die Menschen haben. Ich selber bin auch psychisch krank, wegen meiner Vergangenheit. Der Gefangene von heute wurde es wegen seiner Tat. Davor war er ein normaler Mensch, ohne jeglichen Strafdelikt. Aber wie gesagt, in jedem Menschen schlummert eine Mörderische Seite. Könnte man in gewisser weise doch auch als Selbsterhaltungstrieb bezeichnen, oder?
 
K

Kiwi

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ein echt toller text!
ich finde es auch wichtig, dass man alle Menschen mit Würde behandelt. Denn immerhin ist es ja auch das, was wir von allen anderen erwarten.

Dennoch finde ich es richtig, dass ein Mensch, der einen anderen Menschen vorsätzlich getötet hat, der Gesellschaft entzogen wird. Natürlich sind diese Leute aber noch immer mit Respekt zu behandeln.

Vor einem Menschen, der Seine Tat nicht bereut wäre mein Respekt in der Hinsicht aber wahrscheinlich wesentlich weniger ._____.
 
Imbahamster

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Wir haben heute nochmal in einer Doppelstunde drüber geredet. Die Meisten waren entsetzt, das der Gefangene beinahe vor uns geweint hat und ihm Tränen in die Augen gekommen sind. Er sagt ja selbst, das er die Strafe verdient hat. Wir schreiben (wenn wir wollen) ihm noch einen Brief als Dankeschön und spenden dem Gefängnis einen neuen Weihnachtskranz. Mal sehen ob ich meinen Brief hier reinstelle. Aber ich freue mich auch dem Mann in seiner langen Zeit eine kleine Freude machen zu können. Normal behandelt zu werden. Er hat uns ja gesagt, das ihm der menschliche Kontakt wirklich fehlt. Ich finde es einfach unbeschreiblich, wieviel Reue in seinem Blick lag. Wieviele Gefühle voller Schmerz er hatte, als er uns alle Fragen beantwortet hat. Freiwillig.
 
Luzia

Luzia

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Jeder der ein verbrechen wie der von Utoya begeht gehört ins Gefängnis, aber ich sage das wenn ein Mensch die grenze überschreitet und jemanden Tötet, also diese Hemmschwelle durchbricht, dann stimmt etwas nicht. Und auch soziopathen wie dieser Mörder der das leid seiner Opfer und deren Angehörigen ausschalten kann und seine Ziele dafür in den Vordergrund stellt, haben einen knall, und es gibt einen Grund, warum sie so sind. Erziehung abhärtung, desensibilisierung oder was auch immer dazu geführt hat, oft sind die leute da nicht schuld. der Selbstschutz spinnt und man fühlt sich bedroht, hatte nie Kontrolle und muss darum andere Kontrollieren macht haben welche ins extreme abdriftet so das man macht über leben braucht, was auch immer schief ging, ich denke das die se leute bedingt das gewollt hatten was sie getan haben, das sie im innern gut sind und das irgendwas nicht stimmt psychisch das sie so was getan haben sonst würden sie das nicht. darum finde ich die todesstrafe so daneben. Diese Leute gehören eingesperrt aber auch betreut, denn wenn man sie nur einsperrt dan hilft man ihnen nie zu verstehen was falsch an ihrer tat war und sie werden keine reue zeigen und nur so hat man die chance jemandem ein zweites leben zu schenken oder zumindest züchtet man in strafanstallten nicht noch schlimmere verbrecher heran. aber der staat will da ja kein geld reinstecken, aber das ist ein anderes thema. ich finde deine einstellung super imbahamster.
 
Imbahamster

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genau so meine ich das Luzia. Du sprichst mir da aus der Seele
 
Luzia

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Danke. schön jemanden zu finden der Gleich denkt.
 
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