Ich bin der Diener meiner Katzen

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Keisuke

Keisuke

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"Smm...smmm..", ungnädig klingelt der Wecker.
Ich wache auf, schalte ihn aus, mache das Licht an.
"Guten Morgen", sage ich leise.
Sie öffnet kurz die Augen, zuckt mit den Ohren und legt den Kopf wieder nieder.
Umständlich und vorsichtig - ich möchte sie ja nicht stören! - krabbel ich aus dem Bett.
Wie jede Nacht musste sie natürlich auf zwei Kopfkissen trohnend ungefähr einen Drittel des Bettes einnehmend nächtigen, meine Dame.
Wie schafft sie es mit ihren 4 Kilos eigentlich jede Nacht, mich in die hinterste Ecke des Bettes, zusammengerollt und schief gelegt, zu verdrängen?

Leise schlüpfe ich aus dem Zimmer. Schon im Flur höre ich von draußen ein Geschrei.
"Mau! Mau!" - Lass ich rein, lass mich rein!, brüllt er. Sofort flitze ich die Treppe hinab und öffne die Terassentür.
"Guten Morgen", grüße ich freundlich.
"Mau", antwortet er knapp, läuft dabei an mir vorbei um die Nase schnell im Napf zu versenken.
Nichts drin. Der Blick, den er mir zuwirft, ist eiskalt.
"Später", vertröste ich ihn und flitze wieder die Treppe hinauf, um im Badezimmer zu verschwinden.

Kaum bin ich unter der Dusche, höre ich von draußen: "Mau! Mau!".
Ich seufze.
Raus aus der Dusche, Handtuch
um, Tür auf, Kater rein, Tür wieder zu.
Schnurrstraks trippelt er zu seinem Wassernapf. Auch leer.
Höflich setzt er sich daneben, will er mir doch eine zweite Chance geben, meinen Job zu erledigen.
Er schaut mich an, wieder dieser Blick, schaut in den Napf, dann wieder zu mir.
"Ja, ich hab's verstanden", murre ich, nehme den Napf, fülle ihn mit Wasser und stelle ihn ab.
Kurz schnuppert er an dem Nass, schaut mich dann wieder enttäuscht an - doch kein Futter! - und dreht sich um.
Ohne Kommentar schlüpfe ich erneut in die Dusche.

Nach kurzer Zeit von draußen ein neues "Mau!".
Ich bin fertig, verlasse die Dusche und sehe den Kater wieder vor der Tür sitzen. Er möchte raus.
Tür auf, Kater raus, Tür wieder zu.
Ich mache mich fertig und gehe zurück ins Schlafzimmer.
"Frühstück", sage ich zu der Dame, die sich nun langsam erhebt, gähnt und vom Bett hüpft.
Mit erhobenem Schwanz trippelt sie, lauter als der Kater, die Treppe hinunter.

Ich folge. Beide sitzen nun auf ihrem Kratzbaum. Der Kater unten, die Dame über ihm.
Beide sehen mich mit dem gleichen Blick an: 'Mach hinne. Wir warten.'
Ein Blick auf die Uhr, ich bin mal wieder spät dran, aber es nützt ja nichts.

Ich nehme die Dose Futter, öffne sie und fülle beide Näpfe voll.
Beide stürtzen sich auf einen Napf, kurzes Gebrumme, Unmut kommt auf, dann setzt sich der Kater an einen anderen Napf.
Die Dame beginnt zu speisen.
Der Kater hingegen nimmt einen Bissen, schaut mich vorwurfsvoll an, dann das Futter, wieder mich und erhebt sich. Er macht einen Buckel, einen letzten Blick zu mir, dann dreht er sich um und verschwindet im Wohnzimmer.
Morgen würde ich eine neue Chance bekommen, das richtige Futter zu nehmen.

Schnell schlinge ich mein Frühstück herunter, einen Kaffe, etwas Müsli, mehr Zeit ist leider nicht.
Plötzlich fällt mir ein, dass ich eine Flasche Wasser im Keller vergessen habe. Schnell die Treppe runter, Stress, Stress und - Stopp.
Die Dame muss auf die Toilette. Mit einer Vorderpfote im Kistchen schaut sie mich peinlich berührt an. Dann nimmt sie die Pfote heraus, setzt sich hin, schaut in die Toilette. Dreckig.
Seufzend nehme ich einen Beutel, fische den Dreck heraus, fülle neues Streu herein und sage mit einer einladenen Geste: "Bitte schön."
Die Dame erhebt sich, beide Vorderpfoten vorsichtig hinein und - schaut mich an.
"Entschuldige", sage ich schnell, drehe mich um und laufe die Treppe hinauf. Sie mag es nicht, beobachtet zu werden.

Ein Blick auf die Uhr verrät, dass ich mal wieder zu spät komme. Schnell packe ich meine Tasche. Von unten hört man ein Scharren im Streu, die Dame geht ihrem Geschäft nach.
Gerade als ich zur Haustür hinaus will, höre ich ein "Mau! Mau!".
Der Kater sitzt am anderen Ende des Hauses, mal wieder auf der falschen Seite der Tür.
Seufzend sprinte ich los und öffne das bodentiefe Fenster.
Doch statt freudig heraus zu laufen, streckt der Kater nur vorsichtig seinen Kopf heraus und schnuppert.
"Bitte", flehe ich leise. "Geh doch. Rein oder raus? Bitte...!"
Der Kater erbarmt sich meiner, schlüpft hinaus und ich schließe die Tür.

Als ich zurück zur Haustür eile, stolpere ich fast über die Dame, die leise, in geduckter Haltung aus dem Keller geschlichen kommt.
"Tschüss", sage ich im vorbeigehen, stapfe aus der Tür, ziehe sie hinter mir zu und fahre los.

Erst, als ich bei meiner Arbeit ankomme, mal wieder zu spät, merke ich, dass ich mein Wasser vergessen hatte.
Morgen habe ich noch eine Chance.
 
08.07.2015
#1
A

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Guest

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seven

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Absolut genial geschrieben! Ich hatte mehrere Déjà-Vus :003:
 
Ina4482

Ina4482

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Einfach schön, genauso ist es einfach :043:.
 
Keisuke

Keisuke

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Ich danke euch sehr und freue mich, wenn ihr etwas schmunzeln könnt :)
 
Patricia

Patricia

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Super geschrieben und eine Geschichte aus dem wahren Leben! :lol:
Davon kommt mir sehr, seeehr viel bekannt vor!
 
LottiKarotti00

LottiKarotti00

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Einfach eines der besten Blogeinträge hier:D Einfach genial:) Super geschrieben
 
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