Aylan - Das Bild der Flüchtlingstragödie

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Elkecita

Elkecita

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Ein kleiner Junge liegt tot am Strand. Roter Pulli, blaue Hose, ein kleines Etwas, er scheint zu schlafen.

3 Jahre jung. Ein Kind, das spielen möchte, grosse Pläne hat, schmusen will mit seinen Eltern. Sein Leben endet grausam in den Wellen des Mittelmeers.

Wie sehr geht uns so etwas zu Herzen, aber es ist nur ein kleiner Pixel in dem immens grossen Bild der Flüchtlingstragödie, die sich vor unseren Augen abspielt. Jeden Abend sehen wir traurigen, erschöpften Antlitzen entgegen, die uns aus den Bildern der Tagesschau ansehen. Hören von gekenterten
Booten im Mittelmeer und Hunderten von ertrunkenen Menschen.

Und wir stumpfen ab. Es geht auch nicht anders, man kann nicht jeden Tag mit Tausenden von Menschen und ihren Schicksalen mitleiden. Aber manchmal sollten wir doch innehalten und an diese Schicksale denken, an Familien, die bis vor wenigen Monaten vielleicht noch ein ganz normales Leben führten, mit Heim, Arbeit, Auto und Fernseher. Und denen der Krieg nun alles genommen hat, nicht nur materielle Dinge sondern auch geliebte Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn, und die das wenige, das ihnen noch geblieben ist - das nackte Leben und das ihrer Kinder, Geschwister, Eltern - zu retten versuchen, Zuflucht in Ländern suchen, die nicht von Krieg, Terror und Schrecken heimgesucht sind und wo sie sich eine Zukunft für ihre Kinder erhoffen. Sie suchen Zuflucht vor einem Krieg, den WIR entfesselt haben. Ja: WIR, die gesamte westliche Welt.

Zäune werden errichtet, mit schneidenden Zacken, die die Haut aufreissen. Sie werden verhöhnt, in Gettos gezwungen, ausgewiesen, abgewiesen ... und versuchen es doch immer wieder. Warum? Weil ihnen sonst nichts bleibt. Keine Hoffnung, keine Zukunft, kein Leben.

Ich weiss auch keine Lösung. Bin ratlos wie wir alle. Aber ich kann die Hasstiraden vieler auf diese armen Menschen nicht verstehen. Wir leben grösstenteils im Überfluss - sie haben nichts. Aber noch nicht einmal mit dem kostenlosen Mitgefühl unsererseits können sie rechnen.

Aylan ist nie an sein Ziel gekommen. Nach Kanada wollte er mit seiner Mutter, zu den Verwandten. Ein kleiner Junge liegt tot am Strand. Er ist das Bild unserer Ohnmacht. Das Bild, welches uns vor Augen führt, das VIELES im Argen liegt in unserer ungleichen Welt.
 
03.09.2015
#1
A

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Guest

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Foss

Foss

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Wunderschön geschrieben, Elke! Und du hast so recht.
 
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Elkecita

Elkecita

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Es gibt Dinge, die müssen einfach mal gesagt werden. Die liegen einem auf der Zunge, die quälen einem in Gedanken, die möchte man rausschreien.

Ich denke oft, alle diejenigen, die so verhasst schreiben, reden, sich manifestieren, alle diejenigen, die so überhaupt kein Verständnis für dieses Drama aufbringen ...... können sie sich denn nicht vorstellen, einmal selbst in so eine Situation zu kommen???? Es geht einfacher und schneller als man oft denkt. Und dann wird man selbst zum Aussätzigen. Diese Angst vor allem Fremden, woher kommt das bloss?

Und das in einem Land, wie dem unsrigen. Deutschland. Noch immer liegen die Wunden des 2. Weltkrieges unverheilt da, und schon beginnen wir, Parolen unseres damaligen "Führers" zu wiederholen. LERNEN WIR DENN NIE AUS DER VERGANGENHEIT?????? Es ist so entsetzlich. Es macht Angst.

Und dass Menschen, wie zB Till Schweiger, angegriffen werden, nur weil sie sich für diese Menschen einsetzen???? Wieviel Hass muss in Menschenköpfen stecken, um so etwas zu begreifen????
 
T

Tapa

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DANKE

Ich habe manchmal mit Flüchtlingen persönlich zu tun und kenne einige Einzelschicksale, die sü fürchterlich sind, dass sie mich sprach- und hilflos machen. Und ich verspüre blanke Ohnmacht angesichts von manchen Hasstiraden, die mich schlucken lassen und mich die Frage stellen lassen WO UM HIMMELS WILLEN LEBE ICH?

Und dann bin dankbar für Leute, die in ihrem kleinen, persönlichen Rahmen, Gutes tun.

Die Sportgruppe, die Flüchtlinge in der nahegelegenen Unterkunft einlädt, doch mall mitzumachen.
Die Krankenschwester, die ihre Kollegen und Bekannten antreibt und Kleidung sammelt.
Dem Menschen, gebürtig aus einer in die Medien geratenen Kleinstadt, der sich schämt, aus dieser Stadt zu stammen ...und sich gerade deshalb sehr engagiert und persönlich einsetzt und Hilfe organisiert.
Das Sprachgenie, das sich uneigennützig und sofort als Übersetzer anbietet.
Der Pfarrer, der den jungen, dem ins seiner Unterkunft die Decke auf den Kopf fällt, zu Abwechslung und einer sinnvollen Tätigkeit - und Kontakt zu Einheimischen verhilft.
Elkecita, die diesen Blog geschrieben hat.


Um mal mit einer alten Coca-Cola-Reklame zu sprechen:
Auf jede Mauer auf dieser Welt kommen 200.000 "Willkommen"-Fußmatten.

Mir ist gerade zum heulen zumute. Trotzdem: Es gibt viel Gutes auf dieser Welt. Und dafür möchte ich allen einmal Danke sagen.
 
Elkecita

Elkecita

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Ich fühle mich mitschuld weil ich aktiv noch nichts getan habe. Aber ja, wir überlegen uns, unsere leerstehende Haushälfte Einer Flüchtlingsfamilie zur Verfügung zu stellen. Werden sehen, ob wir,das,realisieren können
 
Midoriyuki

Midoriyuki

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Grundsätzlich bin ich da voll bei euch, aber das Bild ist auch in Bezug darauf mehr als bedenklich, dass es so frei von der Leber weg verbreitet wird.

Das ist verdammt nochmal ein totes Kind.
Ein Kind, das Eltern hat, die bestimmt eine Menge wollen, aber eben nicht ihr Kind auf jedem sozialen Netzwerk als Beispiel für die Grausamkeiten der aktuellen Zustände.

Darauf aufmerksam machen, aufklären, bitte, alles, aber Bilder von toten Kindern sind mit Sicherheit das letzte Mittel um das zu erreichen.

Hätte man ein solches Bild von einem toten Kind per Facebook verbreitet, das beispielsweise in Deutschland bei einem Autounfall gestorben wäre- was wäre dann wohl los gewesen?
Aber weil es ein Kriegsopfer ist, ist das in Ordnung?

Es zeigt eben nicht nur wie furchtbar der Krieg ist, sondern gerade dieses Bild zeigt auch wie roh und abgestumpft wir mittlerweile sind, dass es in Ordnung ist Bilder von toten Kindern zu verbreiten.

Damit meine ich jetzt übrigens nicht dich Elke, sondern das regt mich ganz allgemein fürchterlich auf.
Dein Text trifft es ziemlich;)
 
Elkecita

Elkecita

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Mido, ganz Deiner Meinung. Das war auch mit ein Grund dafür, dass ich von diesem Bild in den Nachrichten und dem ganzen Trara drumherum so geschockt war.
Ich hab nicht die geringst Ahnung, und wenn ich mich auch noch so bemühe beim Nachdenken, welchen Ausweg das ganze haben könnte, welche Hilfe man geben kann, welche Lösungsansätze gefunden werden könnten.
Der Krieg in Syrien ist so verfahren. Angefangen hat es, weil El Assad angeblich - na ja, und auch tatsächlich - ein menschenverachtender Diktator ist. Angeblich wollte man dem syrischen Volk etwas Gutes tun, indem man den Dikataro attackiert. Man bewaffnete dann seine Gegner. Nun stellt es sicher heraus, dass man damit die ISIS bewaffnete, die nunmehr die "Feinde aller Welt " sind. Welcher Seite hilft man denn nun?

Parallelen zum Irak-Krieg sind übrigens nicht zufällig.

Wir "schlauen Westlichen" meinen immer, dass alle Welt die gleiche Auffassung von "Demokratie" und "Menschenrechten" hat. Wir dringen in Länder ein und wollen ihnen "Demokratie" und "Frieden" bringen. Was wir dann oft zurücklassen ist heidenloses Durcheinander, verschiedenste Volks- und Religionsgruppen kloppen sich dann auf einmal gegenseitig sinnlos die Köppe ein -> siehe Irak. Wir sagen "Demokratie" und meinen, das jeweilige Volk, das oft seit Generationen (oder nie) demkoratische Wahlen erlebt hat, weiss sofort, sich wie eine westliche Demokratie zu benehmen. Wir rechnen dabei weder mit den Besonderheiten der "Religion", "Kultur", "Ideologie" und "Charakter" der jeweiligen Völker und meinen, alle denken, reagieren, handeln und fühlen so wie wir. Irrsinnig eigentlich. Wir kommen und wollen "helfen", und was wir damit tun ist meist vergleichbar mit dem berühmten Elefant im Porzellanladen.

Die Konsquenzen sind dann Millionen von Menschen auf der Flucht - und unsere Hilflosigkeit. Die grössten Leidtragenden: die Kinder. Aber auch die Frauen, die tausendfach vergewaltigt werden, zu Gebärmaschinen verwandelt werden, als Nutten und Sklavinnen verkauft werden .....

Das ganze ist so dermassen verfahren. Nein, ich habe keine Lösungsansätze parat. Die Globalisierung hat unser Leben nicht erleichtert. Ich möchte nicht in der Haut von Spitzenpolitikern stecken. Das einzige, was ich tun kann ist, im Kleinen helfen, wenn sich mir die Gelegenheit bietet. Mein Haus anbieten, Kleider/Essen spenden ..... Tropfen auf dem heissen Stein.
 
N

Nadja1

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Es ist ein Drama, Katastrophe, mit Worten nicht zu beschreiben,
was Menschen mit Menschen machen.
An Greul nicht mehr zu überbieten.
Habe vorhin "Game of Thrones" gesehen und dabei fiel mir der
1. und 2.Weltkrieg wieder ein und dass der Mensch eigentlich
das Morden, Rauben und Krieg nie aufgegeben hat.

Ein bekannter Journalist und Publizist hat einmal, anläßlich eines
Interviews, gesagt: "Der Mensch ist von Natur aus schlecht, sonst
hätte er die Spitze der Evolution nicht erreicht." Und daran ist verdammt
alles wahr.
 
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