Tierarztbesuch und Freiheitsverwehrung - Tipps?

Counterpart

Counterpart

21.12.2016
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Hallo ihr Lieben,

unser Kater hatte vor Kurzem eine ziemlich böse Wunde am linken, hinteren Oberschenkel die vom Notdienst genäht wurde. Zum Tierarzt mussten wir die folgende Zeit ziemlich häufig, alleine schon wegen der Nachkontrolle, weil die Naht durchs Springen wieder aufging, Weitergabe der Antibiose etc. Zum Glück haben wir durch die ganze Geschichte eine gefühlt sehr gute, kompetente Tierärztin in der Nähe gefunden.

Erstmal zum Charakter des Katzers:
Unser Kater ist sehr ängstlich. Das fängt mit jeglicher Art von Mensch an, außer seinen zwei Mitbewohnern und geht über fremde Geräusche, Gerüche, Tiere etc. Im Grunde also alles was ihm nicht schon bekannt oder zu unangenehm ist. Türklingeln und Saugen geht gar nicht. Der Geschirrspüler wie auch die Umluftfunktion des Herdes machen ihm Angst. Bei Mikrowelle und Wasserkocher verlässt er schnell die Küche. Da er immer
raus aus der Wohnung kann, wann er möchte, ist das auch nie ein Problem. Je nachdem worum es sich handelt ist er auch bald wieder zurück um nachzusehen ob die wieder Luft rein ist (besonders im Winter :p). An so Tagen wie Silvester, gehe ich mit ihm an den Ort den er sich in der Wohnung aussucht (meist Schlafzimmer) und baue ihm eine Höhle in der er sich verkriechen kann um ihn kraulend zu beruhigen. Trifft er mich außerhalb der Wohnung, muss ich erst viel mit ihm reden und auf Abstand bleiben, bis er erkennt, dass ich es bin. Dann geht er aber mit mir Spazieren, was ich total super finde.

Als zweiten sehr markanten Charakter-Punkt: Unser Kater liebt seine Freiheit über Alles. Das geht so weit, dass er direkt Panik bekommt, wenn man die Katzenklappe zu macht. Er versucht die Tür dann mit sämtlichen Methoden zu öffnen, drückte die Klappe auch schon mit aller Kraft auf (soviel zum Schließmechanismus..). Auch nach längerem, erschöpfendem und vergeblichen Versuch raus zu kommen, macht er vielleicht 20 Minuten Pause um von Neuem zu beginnen. Ob Tag oder Nacht ist dabei total egal sobald er weiß, dass die Klappe zu ist.

Erst als es zu der Thematik kam, dass es durchaus vorkommen kann dass wir unserem Kater mal die Freiheit zugunsten seiner Gesundheit versagen müssen (um besser heilen zu können z.B.), wurde mir sehr deutlich klar, dass wir ein echtes Problem haben.
Vielleicht hat jemand von euch ähnliche Katzen und kann mir ein paar Tipps geben.
Vielleicht auch wie ich eine Katze dauerhaft "austrickse" wenn es darum geht zum Arzt zu gehen. Alleine dieses reinlegen finde ich schon so schlimm. Ihn z.B. mit etwas das er mag anzulocken um ihn dann einzufangen, das ist einfach nur gemein und bricht mir schon ein Stück das Herz. :cry: Manchmal ging es von der Situation her leider nicht anders (Tier war auf dem Balkon und Ärztin hatte Zeit), zumindest fiel mir zu dem Zeitpunkt nichts anderes ein. Ihn stundenlang Einzusperren ist die absolute Qual für ihn, also versuchten wir es immer zeitlich so abzupassen dass ein Arztbesuch mit seiner momentanen Wohnungs-Routine zusammenpasst. Das Vertrauen was wir solange aufgebaut haben und immer wieder aufbauen müssen, bekommt so einen Knacks und ich hoffe sehr darauf, dass es vielleicht Herangehensweisen gibt, wie man das Ganze behutsamer angehen könnte.

Ich möchte einfach gewappnet und vorbereitet sein. Für eure Ratschläge und Tipps wäre ich sehr dankbar!

Liebe Grüße,
Counterpart
 
Zuletzt bearbeitet:
S

Simpat

Moderator
06.03.2010
7.217
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Ist verständlich dass er es als Qual empfindet, aber dass ist aus manchen Tieren kaum rauszubringen. Was du machen könntest, ist meiner Meinung nach, ihn an die Situation etwas mehr zu gewöhnen.

Eine neue Transportbox, die also noch nicht "negativ belegt" ist, an einem von ihm bevorzugten Platz aufstellen und immer offen lassen, Decke oder Kissen reinlegen und ihm als Schlafhöhle anbieten, auch immer wieder Leckerchen darin verstecken.

Dann könntest probieren mit ihm zu clickern, fördert die Mensch-Tier-Bindung sehr und dann auch die Box ins Clickertraining mit einbinden.

Wenn dass gut läuft, dann würde ich probieren ihn an geschlossene Räume und auch mal an die geschlossene Box zu gewöhnen, damit er nicht den Eindruck hat, oh, wenn es verschlossen ist passiert was ganz Schlimmes, geht es zum Tierarzt oder ähnliches. Nein, du schliesst die Katzenklappe und auch mal die Tür der Transportbox immer wieder mal ganz kurz (wenige Minuten) und wenn er es gut aushält gibt es Leckerchen, dann versuchst es die Tür bzw. die Klappe länger zu schließen. Die Katzenklappe natürlich nicht dann schließen, wenn er raus will, sondern wenn er daheim ist und sich hinlegt oder frisst, wenn er wieder rauswill machst du sie natürlich gleich wieder auf. So würde ich es probieren.

Meine Katzen leben in reiner Wohnungshaltung, da ich inzwischen mitten in der Stadt wohne. Aber als ich noch bei meinen Eltern lebte, war mein erster Kater auch ein zugelaufener Streuner und der hatte anfangs auch Panik, wenn man die Terassentür hinter ihm geschlossen hat, den musste man auch erst langsam daran gewöhnen, dass die Tür auch mal zu ist. Im Winter will man die ja nicht stundenlang offen lassen. Also haben wir sie anfangs immer offen gelassen und dann auch mal zugemacht, während er in der Küche gefressen hat, wenn er dann zurück ins Wohnzimmer kam und wieder raus wollte, haben wir sie natürlich gleich wieder aufgemacht, aber mit der Zeit hat er uns vertraut, dass wir ihn nicht einsperren wollen.
 
Ma'at

Ma'at

20.12.2018
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Mir scheint, als würdest Du das Mädel auf meinem Profilbild beschreiben. Zum Glück ist Ma'at keine Wohnungskatze. Ich kann Dein Problem nachvollziehen. Als sie mir zulief, war sie verletzt. Ich bin heute noch ein sehr Vertrauter Bezug. Da ich sozusagen als ihr Dosenöffner funktioniere, für Gespräche bei Gartenarbeiten tauge und auch den Sinn für kleine Streicheleinheiten in Form von Massagen erfülle, weicht sie mir kaum von der Seite. Allerdings behandele ich sie auch weiter wie eine Wildkatze ... Bei Würmern gibt es eben eine List oder Salbe..., wenn sie das versetzte KaFu bekommt. Mitmenschen muss sie nicht schnurrend empfangen. Es genügt, wenn sie das auf meinem Schoß tut. 😆 Bei wirklichen Problemen wäre ich sicher auf einen Arztbesuch für die kleine Fee angewiesen. Doch ich glaube, es ist angemessen, wenn man einem "vornehmen Besucher"(Katze) nicht die Freiheit raubt. Wenn die Miez freiwillig die Transportboxen als Ausflugmöglichkeit sieht, hat sie das wahrscheinlich schonmal erlebt oder findet das nicht weiter schlimm. Dennoch werden die vielen Gerüche und Eindrücke bei einem Tierarzt einschneidend sein.... Die Idee mit dem Balkon war da doch ganz recht... Nungut Counterpart... Ich wünsch Dir einfach weiter so viel Einfühlungsvermögen. Deine Miez ist zwar zurückhaltend, doch sie weiß Freiheit nicht umsonst zu schätzen... 👍😉
 

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