Schuldgefühle

  • Autor des Themas Simonemone
  • Erstellungsdatum
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Simonemone

18.01.2019
3
Liebes Forum,
ich muss es mir einfach einmal von der Seele schreiben. Im Juli habe ich mein liebstes Hundekind gehen lassen müssen. Sie war fast 16, mein Sonnenschein und ich fühle heute, es war richtig. Nun gehe ich das ganze Jahr durch ohne sie... die ersten Weihnachten, das
neue Jahr und heute der erste Schnee und es zerreißt mich fast jeden Tag ohne sie zu sein. Ich versuche mein Herz zu öffnen, das zu leben was sie mir gezeigt hat... sie war so tapfer und die letzten zwei Monate habe ich sie jeden Tag mit dem Bollerwagen durch den Park gefahren. Soviel Liebe hat sie mir geschenkt und ich war es ihr schuldig, sie nicht einen Tag länger leiden zu lassen. Was mich aber immer wieder so belastet sind diese Schuldgefühle, dass ich manchmal auch ungeduldig mit ihr war. Ich war ganz alleine mit der Situation, hilflos, ja und manchmal kam es, dass ich sie etwas grober angefasst habe, weil sie manchmal auch ein kleiner Dickkopf war. Ich kann mir das nicht verzeihen! Und ich kann es nun nicht wieder gut machen. Es quält mich sehr... kennt jemand das?

Alles Liebe Simone
 
18.01.2019
#1
A

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Guest

Ich kann dir empfehlen, mal einen Blick in den Ratgeber von Heike zu werfen.
Puffelchen73

Puffelchen73

09.11.2018
91
Hallo Simone,

am 15.03.18 musste ich mich von Frodo, meinem kleinen Rauhhaardackel verabschieden.
Sein Tod kam für mich recht plötzlich. Nach 3 Tagen Krankheit, in denen es immer schlimmer wurde, mußte ich ihn nach 14,5 Jahren gehen lassen. Er hatte einen Schlaganfall.

Während seiner letzten Augenblicke auf Erden habe ich ihn auch um Verzeihung gebeten für jedesmal wo ich ihm nicht gerecht geworden bin.

Mittlerweile denke ich mir aber, diese Augenblicke waren für ihn (und auch für mich) nicht relevant, sondern im Vordergrund stand letztendlich nur die Liebe, die wir füreinander empfunden haben.

Bei einem Waldspaziergang haben wir uns mal aus den Augen verloren und ich konnte ihn nicht mehr finden und er mich auch nicht. Bin langsam nach Hause gegangen und als er nicht dort war, habe ich einen Nachbarn in Alarm versetzt und ihn gebeten mich zurück zum Wald zu fahren. Gerade als er den Wagen aus der Garage fuhr, kam Frodo am Ende der Straße im vollen Dackelgalopp angerannt. So habe ich meinen Dackel niemals vorher und auch nicht mehr danach rennen sehen. Er warf sich förmlich in meine Arme, zitterte am ganzen Körper und kniff mich zur Strafe wegen unerlaubten Entfernens leicht ins Ohrläppchen.

An diese Begebenheit muss ich immer denken. Frodo hätte nicht so reagiert, wenn er mich nicht trotz meiner vielen Fehler von ganzem Herzen geliebt hätte!

Ich bin sicher, auch du hast Ähnliches mit deiner kleinen Fellnase erlebt. Erinnere dich an diese schönen Begebenheiten!
Ich bin sicher, für deinen Hund spielte deine zeitweilige Ungeduld überhaupt keine Rolle. Er hat gespürt das er geliebt wird und das du alles für ihn getan hast und er will jenseits der Regenbogenbrücke sicher nicht das du Schuldgefühle hast!

Ich wünsche dir noch ganz viel Kraft.

Puffelchen73
 
S

Schweinemama

17.05.2013
1.008
Es ist immer schwer für ein Tier zu denken. Bei meiner wird es auch irgendwann so weit seit. Heute ist sie 14, Diabeteskrank seit 3 Jahren, eigentlich "dürfte" sie gar nicht mehr leben, wenn ich mich nicht durchgerungen hätte, mich mit Diabetes und Insulin zu befassen, mein Tierarzt mir trotz sehr gutem Allgemeinswissens eine noch bessere Tierinternistin zur seite gestellt hätte. Ob sie sich gerne täglich 2x spritzen lässt, ich glaube nicht. Und trotzdem ist sie, so denke ich für jeden Tag dankbar. Es ist mittlerweile normalität, dass sie sogar ihre Spritze verlangt (sie macht darauf aufmerksam - spätestens 20 Minuten nach dem Essen, wenn ich mal zeittechnisch nicht genau bin), sie hat wohl irgendwie begriffen, dass das nun einfach dazu gehört.

Ob man mal was böses gemacht hat, oder auch mal laut wurde. Menschen haben ihre Fehler und sie agieren auch mit ihren eigenen Interessen. Dass Tiere sterben, obwohl man sie gerne noch ein klein wenig bei sich gehabt hätte. Es ist menschlich und man leidet wohl fast genauso wie das Tier, wenn es merkt, dass die Kräfte schwinden.

Eure Tiere die über die Regenbogenbrücke gelaufen sind wären, denke ich unheimlich traurig, wüssten sie, daß ihr euch ihretwegen martert. Sie sind nun drüben, dort wo es keine Schmerzen gibt und die schönen Erinnerungen immer wieder aufleben.
 
S

Simonemone

18.01.2019
3
Liebe Puffelchen,
ich danke dir sehr für deine lieben Worte, die mir Kraft geben. Deine Geschichte mit deinem Frodo im Wald rührt mein Herz und ich sehe es vor mir, wie er sich in deine Arme stürzt. Es sind diese Momente. Ich lag so oft mit Julchen Arm in Pfote auf der Wiese im letzten Jahr, ihr Köpfchen in meinem Schoß und ich werde niemals den Blick vergessen, einen Abend vorher... voller Liebe, der mir sagte, es wird Zeit.

Dennoch ist dieser Schmerz ist für mich kaum tragbar. Ich wache auf, ein herrlicher Tag voller Sonnenschein und ich vermisse meine Jule unendlich. Was gebe ich darum, jetzt mit ihr durch den Park zu schlendern. Es tut so weh, dass ich die schönen Erinnerungen nicht zulassen kann, weil es mich zerreißt. Vieles was früher so wichtig erschien ist heute einfach unwichtig. Das ist wohl das, was man als Mensch im Verlust lernt. Ich weiß momentan einfach nicht, wie ich sie mir im Herzen liebevoll bewahren soll, wenn es immer noch so schrecklich weh tut, sie nicht mehr in meiner Nähe zu haben. Ich sehe ihr Gesicht vor mir, ich spüre sie so nah bei mir und ich wünschte, ich könnte das irgendwie genießen in dem Glauben, dass wir uns irgendwann wiedersehen... aber das gelingt mir einfach nicht. Ich vermisse sie! Und ich habe keine Lösung damit umzugehen zu lernen, weil ich das Gefühl habe, es wird immer schlimmer, anstatt besser...


Ich danke dir. Von Herzen Simone
 
S

Simonemone

18.01.2019
3
Liebe Schweinemama

auch dir ganz lieben Dank. Ja, ich weiß, dass mein Hundemädchen möchte, dass ich glücklich bin und traurig ist mich so zu sehen, aber ich habe derzeit keine Lösung mit dem ungeheuerlichen Schmerz umzugehen. Hätte ich doch nur die Sicherheit, dass wir uns irgendwann wiedersehen...

Alles Liebe für dich und deiner Kleinen! Genieße jeden Moment.
Simone
 
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Schweinemama

17.05.2013
1.008
Eine Überlegung wäre möglicherweise eine Art Gesprächstherapie zu machen um davon los zu kommen. Schuldgefühle sind etwas schreckliches, und es gibt diese "Endlosschleife", dass man aus der Trauer nicht mehr herauskommt, und kaum hat man gemeint, es geht wieder besser, fängt das gleiche nochmals von vorne an.

Darüber sprechen und auch lernen dass die Vergangenheit nicht mehr zu ändern ist. Nach vorne Schauen (Tierschutzorgansiation unterstützen, möglicherweise selbst Tierpate werden, auch in der Gewissheit, dass man so einen Hund - kein zweites mal finden wird).

Ich wünsche dir alles liebe und ja - ich geniesse jeden Tag mit meiner kleinen. Sie hat mir in ihrem Leben soviel gegeben, das ich nun zurückgeben darf, weil sie alt und krank ist. Manche haben jedoch nicht die Möglichkeit etwas "Zurückzugeben"; weil die Zeit nicht existiert hat.

Erinnere mich noch an meine alte Tierärztin (weit über 80) hatte ein eigenes Tierheim und darüber hinaus, hat sie die Tiere aufgenommen die wirklich schwerstens chronisch krank waren und diese als Haustiere bei sich aufgenommen. Sie hat als Tierarzt kaum was verdient, hat jeden Obdachlosen den Hund abgenommen, wenn sie gesehen hat, das er Hilfe benötigte und hat auch diese Tiere fast kostenlos behandelt. Sie war ein alter Haudegen, ähnlich wie Miss Marple, sie hat im alter von 80 Jahren noch 20 jährige stark Muskulöse Männer nieder gemacht, wenn sie mit Tieren kamen, die ihrer Meinung nach schon mindestens vor 3 Tagen bei ihr hätten auftreffen müssen. Ein behinderter Dackel (Sauerstoffmangel während der Geburt wahrscheinlich) war ihr Iieblingshund, und als es nach über 12 Jahren mit ihm zu ende ging, kam auch von ihr der Entschluß ihn erlösen zu wollen oder zu müssen. Er ist ihr, während sie die Medikamente zum Einschläfern holen gegangen ist davongeschlichen. Er war bereits über der Regenbogenbrücke, als sie heulend zurückkam, weil sie wusste, dass es ihre verdammte Pflicht ist. Sie hat das jahrelang nicht überwunden, und auch ich als hundebesitzerin musste sie in den Arm nehmen und trösten, wenn ihr dies Begebenheit wieder in den Sinn gekommen ist, weil sie bemerkt hat, das sie selbst als Tierärztin zu lange gewartet hat und das Tier leiden musste, und just den Moment wo er hinübergelaufen ist - versäumt hat und für ihren Dackel nicht da war.

Der Hund lag ein Jahrzehnt bei ihr in der Praxis, sie hat ihn geschimpft, sie hat geflucht, und teilweise sogar die Ordination anderer Tiere abbrechen müssen, das Tier hatte nämlich auch noch Krampfanfälle und kaum einstellbare Epilepsie (und das vor 30 Jahren). Und dann marschiert der Dackel ohne zu warten - über die Regenbogenbrücke.
 
Zuletzt bearbeitet:
Puffelchen73

Puffelchen73

09.11.2018
91
Liebe Simone,

Schweinemamas Idee mit einer Gesprächstherapie ist durchaus sinnvoll. Um ehrlich zu sein, nehme ich, seit Frodos Tod, auch die Hilfe einer Therapeutin in Anspruch, da ich alleine mit dem Verlust nicht fertig werde.

Es mag sich für viele blöd anhören, aber er war mein Kind, mein Ein und Alles. Wir brauchten uns nur anschauen und wußten, was der andere denkt (klingt doof, war aber so). Dafür könnte ich etliche Beispiele anbringen.
Bevor ich zur Therapeutin ging, hat es mir auch geholfen mit guten Freunden über Frodo zu sprechen. Wir haben uns manche Anekdote in Erinnerung gerufen und ich konnte da auch wieder über seine Drolligkeiten lachen. Das ging aber nicht mit allen Freunden und Bekannten so.

Als ich immer öfter anfing in aller Öffentlichkeit zu weinen, wenn ich einen Hund sah oder jemand mich nach Frodo fragte, wußte ich, das ich Hilfe brauche. Bin dann zum Hausarzt und er hat mich an die Therapeutin verwiesen.

Trotzdem ging es mir immer noch schlecht, so dass mich die Therapeutin während einer Sitzung vor die Wahl stellte: entweder Antidepressiva oder "was mit Fell".

Ich gestehe, das ich direkt nach dem Gespräch in eine Zoohandlung gegangen bin und zwei Farbmäuse adoptiert habe.
Einen Hund kann ich (vorerst) nicht mehr bei mir aufnehmen. Dazu bin ich (noch) nicht bereit.

Mittlerweile tummeln sich bei mir fünf Farbmaus-Mädchen und seither geht es mir deutlich besser! Es macht mir viel Freude sie zu beobachten und sie sind alle handzahm.
Dadurch, dass sie weder Hund noch Katze sind, komme ich auch nicht in Verlegenheit sie mit Frodo zu vergleichen. Ich bin nicht mehr allein, habe aber nicht das Gefühl Frodo einfach ersetzt zu haben.

Er hat immer seinen Platz in meinem Herzen und ich glaube fest daran, dass wir uns jenseits der Regenbogenbrücke wiedersehen!

Noch ein kleiner sehr privater Zusatz (ich bitte um Verzeihung, wenn dies nicht hierher gehört, habe aber den Eindruck es "mal loswerden zu müssen"): Wenn der Schmerz über Frodos Verlust unerträglich wurde, hatte ich mehr als einmal den Gedanken unser Wiedersehen zu beschleunigen. Was mich abhielt war der Gedanke, dass ihn das sehr traurig machen würde und die Angst davor das meine Hölle so beschaffen ist, ihn zwar bei der Regenbogenbrücke zu sehen, ihn aber nie erreichen zu dürfen!

So, bevor jetzt die Jungs mit den weißen Jacken kommen höre ich lieber auf. ;)

Viele Grüße und viel Kraft

Puffelchen73