Grundlagen der Haltung von Kaninchen

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202354Ein Kaninchen: klein, süß, flauschiges Fell mit Knopfaugen und einer Wackelnase dran. Na, so viel wird das kleine Ding ja nicht brauchen.» Das ist leider immer noch eine weit verbreitete Meinung. Doch trotzdem reicht es nicht, einfach einen Käfig, Futter und Wasser hinzustellen. Kaninchenhaltung ist mit weit mehr Aufwand und Kosten verbunden, als es vielleicht auf den ersten Blick scheint. Daher sollte ein Kauf gut überlegt sein.

Ist ein Kaninchen für mich geeignet?
Bevor man sich Kaninchen anschafft, muss man sich darüber klar werden: Auch wenn es nicht den Anschein hat, aber Kaninchen sind recht anspruchsvolle Tiere, die nicht immer leicht zu halten sind.

Ganz wichtig ist hierbei auch, dass Kaninchen keine Kinderspielzeug, sondern Beobachtungstiere sind! Kaninchen wollen weder herumgetragen, noch dauernd angefasst werden. Einige mögen es zwar gestreichelt zu werden, doch sollte man dabei darauf achten, dass die Tiere von alleine zu einem kommen und jederzeit die Möglichkeit haben wieder zu gehen, wenn sie genug haben. Kaninchen haben Krallen und können damit auch ganz schön kratzen, wenn ihnen etwas nicht passt. Auch wenn Kaninchen nicht zu den Nagetieren, sondern zu den Hasenartigen zählen, könnten sie gut als solche durchgehen, denn beknabbert wird – je nach Charakter – schon eine Menge. So nagen Kaninchen auch beispielsweise an Tapete, Möbeln und Kabeln.

Kaninchen können bis zu 10 Jahren und auch älter werden. Kann und will man sich solange diese Tiere halten und hat man auch genug Zeit? Ist jemand da, der während des Urlaubs auf die Tiere aufpasst? Habe ich die Möglichkeit, jederzeit mit meinem Tier zum Tierarzt zu fahren und bin ich bereit dieses mit Medikamenten zu versorgen, auch öfter am Tag, alle paar Stunden, auch Nachts?
Dies ist bei Kaninchen keine Seltenheit.

Klein = platzsparend?
Trotz der meist geringen Körpergröße brauchen Kaninchen vergleichsweise viel Platz. Sie wollen hoppeln, Haken schlagen, buddeln. In einem handelsüblichen Käfig ist dies nicht möglich.

Man rechnet mindestens 2 m² Grundfläche pro Zwergkaninchen mit zusätzlichem, mehrstündigem Freilauf oder auch 3 m² Grundfläche pro Tier ohne zusätzlichen Freilauf. Dies sind Mindestmaße, es gilt wie so oft: je größer desto besser. Zu beachten ist noch, dass Etagen NICHT dazu gerechnet werden, es gilt die reine Bodenfläche, die den Tieren 24 Stunden am Tag zugänglich ist. So ist ein 1 m²-Käfig mit vier Etagen für zwei Zwergkaninchen zu klein, auch wenn man rechnerisch auf die 4 m² kommt. Beobachtet man die Tiere auf einem Quadratmeter Platz, so fällt schnell auf, warum es zu klein ist: Die Kaninchen haben nicht genug Platz, um auch einmal einen Sprint einzulegen. Da helfen keine Etagen.
Hält man größere Kaninchen, Beispielweise Neuseeländer oder Deutsche Riesen, sollte der Platz entsprechend größer sein (mind.4-5qm pro Tier mit Freilauf).

Viele Leute werden sich jetzt bestimmt fragen, warum solch kleine Tiere so viel Platz brauchen. Hierzu ein Beispiel: Eine inhaftierte Person im Gefängnis hat in seiner Zelle eine Toilette, ein Bett und wahrscheinlich noch einen Tisch. Jetzt vergleichen wir das mit einem handelsüblichen Kaninchenkäfig. Darin ist Platz für eine Toilette, eine Schlafmöglichkeit und bestenfalls noch eine kleine Etage. Mehr nicht. Mit was haben es Kaninchen verdient, wie Sträflinge leben zu müssen?

Auch das Argument «Meine Tiere haben den ganzen Tag Auslauf, sie müssen nur nachts in den Käfig» gilt hier nicht. Kaninchen sind zu sehr unterschiedlichen Zeiten aktiv und können ihre Aktivitätszeiten nicht an die Zeiten anpassen, in denen sie Auslauf bekommen. Wenn sie Rangstreitigkeiten haben oder springen und Haken schlagen wollen, können sie damit nicht erst warten, bis der Halter sie am nächsten Morgen herauslässt.

Oder aber: «Ich habe kleine Zwergkaninchen, die brauchen nicht so viel Platz.» Auch diese Aussage ist schlicht und einfach falsch. Zwergkaninchen haben genauso einen großen Bewegungsdrang wie alle anderen Kaninchen auch. Lilliputaner sperrt man ja auch nicht in ein 5 m²-Zimmer, nur weil sie kleiner sind als normalwüchsige Menschen.
Es ist doch auch wesentlich schöner, wenn man sieht, wie die Tiere in einem großen Gehege alle ihre Verhaltensweisen ausleben können. Viel schöner, als ein Kaninchen in einem Gitterkäfig dahin fristen zu sehen.
Zudem streiten Kaninchen sich Käfig meist permanent, da kein Platz zum ausweichen vorhanden ist. Dauerstress für die Tiere und den Halter ist da schon fast garantiert.

Wie also sollte man seine Kaninchen halten?
Es gibt drei verschiedene Möglichkeiten, wie ein artgerechtes Kaninchengehege aussehen kann:
  • Eigenbau
    Mit etwas handwerklichem Geschick lassen sich schon recht leicht schöne und ausreichend große Gehege für die Tiere bauen.20191222_160337.jpg
  • Auslaufgitter vor den Käfig
    Man kann auch ganz einfach ein handelsübliches Auslaufgitter (aus mehreren Elementen) an den Käfig stellen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass sie Tiere entweder nicht auf den Käfig springen können oder die Gitterstäbe gut abgedeckt sind, sonst kann es zu schweren Verletzungen kommen. Idealerweise nutzt man auch nur die Bodenschale des Käfigs.20200208_213616.jpg
  • Käfigfreie Haltung
    Da Kaninchen normalerweise recht leicht stubenrein werden oder es oft schon von sich aus sind, kann man sie auch frei in einem Zimmer oder auch der ganzen Wohnung halten. Natürlich sollte dafür alles kaninchensicher sein (alle Gefahrenquellen wie z. B. Kabel, giftige Pflanzen beseitigen etc.). Als Toilette kann ein Katzenklo oder eine Käfigschale (am besten ohne das Gitter oben drauf) dienen.20200208_213549.jpg
Wenn es so viel Platz braucht, dann doch lieber nur eins?
Nein! Auch wenn zwei Kaninchen rein rechnerisch doppelt Platz brauchen als ein einzelnes, sollten Kaninchen nie alleine gehalten werden, da es sehr gesellige und soziale Tiere sind. Leider glauben viele Leute noch immer, dass es dann in Ordnung wäre sie einzeln zu halten, wenn man sich viel Zeit für sein Kaninchen nimmt. Auch meinen viele Halter von Einzelkaninchen, sie reichen ihrem Tier völlig als Partner und/oder es würde sich mit anderen Kaninchen gar nicht verstehen. Auch einige Büchern behaupten dies leider noch. Das ist falsch! Kaninchen suchen sich natürlich eine Ersatzbezugsperson, da ja sonst kein anderer da ist, aber glücklich ist ein Kaninchen in Einzelhaltung definitiv nicht.

In freier Wildbahn leben Kaninchen zusammen in großen Gruppen, sind also Rudeltiere. Und so benötigen sie auch bei uns mindestens einen Artgenossen als Partner, nicht nur zum Spielen, sondern auch für ihre Hygiene. Sie putzen sich gegenseitig an schwer erreichbaren Stellen wie Augen und Ohren. Ganz zu schweigen von der Sicherheit, die die Anwesenheit von Artgenossen mit sich bringt, weil das Tier nicht mehr allein die Umgebung auf Gefahren kontrollieren muss, und den täglichen Kuscheleinheiten, die sie sich gegenseitig geben. Ein Mensch kann das alles, auch wenn er sich noch so sehr kümmert, nicht ersetzen.

Oft erlebt man auch, dass einzeln gehaltene Kaninchen unter Dauerstress stehen und verhaltensauffällig werden. Sie sind aggressiv, ängstlich oder mutieren zu Minihunden, die nur noch an ihrem Besitzer kleben, um nicht völlig zu vereinsamen.

Mein Kaninchen mag keine Artgenossen
Dieses Argument hört man immer wieder. Ein Kaninchen, dass keine Artgenossen mag, ist jedoch ähnlich wahrscheinlich wie ein sechser in Lotto. Meist scheitert es eher an äußeren Faktoren.

Hier einige Beispiele, warum Kaninchen unverträglich erscheinen können:
  • Falsch durchgeführte Vergesellschaftung
    Jedes Tier verteidigt natürlich sein Revier vor Eindringlingen. Kaninchen sollten daher auf neutralem Boden vergesellschaftet werden. Wichtig sind auch Versteckmöglichkeiten (mit 2 Aus‐/Eingängen) und Futter zum Ablenken.
  • Zu früh abgebrochene Vergesellschaftung
    Oft kommt es zu Rangeleien, Fell fliegt und es wird viel gerammelt. Das alles dient jedoch nur der Klärung der Rangordnung und sieht schlimmer aus, als es tatsächlich ist. Da muss man als Besitzer einfach mal tapfer sein. Trennen sollte man nur, wenn es zu blutigen Verletzungen kommt.
  • Falsch gewählte Partnertiere
    Bei zwei Weibchen gibt es oft heftige Zickereien, ebenso bei zwei unkastrierten Rammlern. Wichtig sind hier viel Platz zum Ausweichen und das Kastrieren der Männchen.
    Auch zwischen Jungtieren und älteren Tieren können Probleme auftreten – einfach aufgrund der unterschiedlichen Temperamente. Ein junges Kaninchen kann einem älteren leicht durch seine Quirligkeit auf die Nerven gehen.
    Am unproblematischsten ist die Haltung eines Weibchens mit einem kastriertes Männchen, die sich beide etwa im gleichen Alter befinden.
  • Zuwenig Platz
    Nicht nur bei uns Menschen führt Enge zu Aggressionen, auch bei Tieren sind diese Effekte zu beobachten. Gerne wird diese Aggression dann am Partnertier entladen.
  • Antipathie
    Auch bei Kaninchen gibt es seltene Fälle, wo zwei Tiere einfach nicht harmonieren, weil schlicht die Chemie zwischen den Kaninchen nicht stimmt. Mit anderen Partnertieren harmonieren diese Tiere dann aber nach einer richtigen Vergesellschaftung in artgerechter Haltung perfekt. Daher nicht aufgeben!
  • Erkrankungen Manchmal sind einzelne Tiere aber auch aufgrund von Erkrankungen augenscheinlich nicht vergesellschaftbar. Werden diese gesund gepflegt, klappt es dann aber oftmals doch. Bei Weibchen liegt oft ein Problem mit der Gebärmutter zugrunde, die dringend behandelt werden muss (kastration).

Meerschweinchen als Partnertiere?
Auch Meerschweinchen sind KEINE geeigneten Partnertiere für Kaninchen. Fälle, wo die Tiere sich scheinbar gut vertragen, zählen eher zu «gemeinsam einsam» als zu wahre Freund‐ und Partnerschaft – auch wenn unser menschlicher Egoismus uns da manchmal ein anderes Bild vorgaukelt. Kaninchen und Meerschweinchen sprechen eine ganz andere Körpersprache und haben verschiedene soziale Bedürfnisse. Während Meerschweinchen untereinander meist nur kuscheln, wenn sie ängstlich und unsicher sind, sind Kaninchen eher kleine «Schmusejunkies».

Oft gibt es zwischen Kaninchen und Meerschweinchen Missverständnisse, die sogar zu Aggressionen führen können. Klar ist, dass bei den Größenverhältnissen das Meerschweinchen unterlegen ist. Auch ist es wehrlos, wenn das Kaninchen seinem Vermehrungstrieb folgt bzw. die Rangordnung klären will und das kleine Meerschweinchen rammelt. Leider enden solche Konstellationen häufig mit üblen Verletzungen oder sogar dem Tod des Meerschweinchens.

Wer mit wem?
Bevor man sich Kaninchen ins Haus holt, sollte man sich auch Gedanken darüber machen, welche Gruppenkonstellation man möchte.
  • Die Haltung von zwei Weibchen ist meist eher problematisch und geht nur selten gut. Wichtig wäre hier, dass ihnen ggf. nicht nur die Mindestmaße zur Verfügung stehen, damit sie sich auch aus dem Weg gehen können. Meist ist die Gruppe nicht so harmonisch wie ein gemischtes Paar.
  • Die Haltung von zwei Rammlern geht normalerweise nur bis zur Geschlechtsreife gut. Danach gibt es blutige Kämpfe. Vorbeugen kann man, indem man die beiden frühkastrieren lässt (sprich eine Kastration vor Erreichen der Geschlechtsreife mit 8-12 Wochen). Bei späteren Kastrationen kann es sein, dass sie auch weiterhin unverträglich bleiben.
  • Die beste Konstellation ist die gemischte Paarhaltung: ein Weibchen zusammen mit einem kastrierten (!) Böckchen. Dabei gibt es nur in den seltensten Fällen Probleme und es sind sehr harmonische Gruppen.
Falls man nun aber schon zwei Weibchen hat und es Zoff gibt, ist es am sinnvollsten noch einen kastrierten Rammler dazu zu holen. Dieser bringt meist Ruhe in die Gruppe. Das ist auch die beste Aufteilung für eine 3‐er Gruppe, denn bei zwei Rammlern und einem Weibchen würden die Männchen sich sonst schnell um das Weibchen streiten. Jedoch ist es bei den Kaninchen wie bei den Menschen: Nicht jeder mag jeden. Teilweise muss man schon etwas suchen, bis man den passenden Partner für sein Tier gefunden hat. Aber nicht aufgeben: Irgendwann findet man ihn dann schon.

Woher hole ich Kaninchen am besten?
Es gibt genug Möglichkeiten an Kaninchen zu kommen.
Hier mal die vier gängigsten:

Zoohandlung
Tiere im Zoofachhandel zu holen ist meist nicht zu empfehlen. So gut wie immer wird bei der Zucht für die Zoohandlungen nicht auf die Genetik der Tiere geachtet. Die zum Verkauf angebotenen Kaninchen stammen auch immer wieder aus Inzucht oder von Kaninchen ab, die einfach nicht miteinander verpaart werden sollten. Dadurch können sie Erbkrankheiten in sich tragen, Zahnfehlstellungen haben etc.

Nicht selten sind Kaninchen aus dem Zooladen beim Kauf auch viel zu jung, sind krank und/oder trächtig. Viele Zoohandlungsangestellte kennen sich mit Kaninchen nicht aus und können die Geschlechter auch nicht richtig erkennen und so bekommt man als zukünftiger Kaninchenhalter dann schnell das Falsche in die Hand gedrückt. Die schlechten Bedingungen, unter denen die meisten Zoohandlungstiere vermehrt werden, sollte man nicht unterstützen. Oft geht es da nur um den Profit und nicht um das Wohl des Tieres, sodass die Tiere in viel zu kleinen Ställen mit ungeeignetem Futter so lang vermehrt werden, bis die Mütter vor Erschöpfung keine Jungen mehr bekommen oder auch direkt versterben.

Kleinanzeigen
Einen Großteil der Kleinanzeigen auf einschlägigen Portalen machen junge Kaninchen aus mehr oder weniger gewollten Würfen aus. Von «Ich wollte einmal Babys haben» Haltern, so genannten Hobbyzüchtern und auch von Menschen, die nicht glaubten, dass Männlein und Weiblein zusammen kleine Kaninchen gibt, findet man alles. Daher ist bei Kleinanzeigen besonders gründlich darauf zu achten, woher man seine Tiere holt und wer sie einem verkauft. Von Hobby‐ und Kinderzimmerzuchten ist abzuraten. Meist wird sich hier gar nicht über die Genetik informiert und es wird einfach irgendwer mit irgendwem verpaart. Dadurch können die Tiere (Erb-)Krankheiten in sich tragen. Solche unüberdachten Vermehrungen sollte man nicht unterstützen. Denn sobald Abnehmer da sind, wird weiter gemacht.

Ab und zu stößt man auch auf Anzeigen von Menschen, die ihre Tiere durch unglückliche Geschehnisse weggeben müssen oder bei denen es wirklich zu ungewollten Würfen kam, die sich nicht wiederholen werden. Häufig bewahrt man mit der Aufnahme dort angebotener Tiere diese vor dem Umweg über das Tierheim. Dennoch sollte man genau prüfen und nachfragen, wie die Tiere gehalten wurden, welche Krankheiten sie bisher hatten, welche Impfungen sie bekamen, wie die bisherige Ernährung aussah etc.

Züchter
Hier gibt es (wie eigentlich überall) auch schwarze Schafe. Deshalb sollte man sich einen Züchter sorgfältig aussuchen. Wichtig ist, dass die Tiere – auch die Mütter – artgerecht gehalten werden. Sprich in ausreichend großen Gehegen, mit artgerechtem Futter und natürlich Artgenossen als Partnertiere. Ein Züchter, dem das Wohl der Tiere an erster Stelle steht, wird sich nach dem neuen Zuhause seiner Jungtiere erkundigen und steht auch nach dem Kauf mit Rat und Tat zur Seite. Auch verkauft er keine Tiere in Einzelhaltung und schaut, dass das Tier, die er verkauft, auch zu den bereits vorhandenen Tieren passt.

Tierheim/Notstation
Angesichts der unzähligen Kaninchen, die im Tierschutz auf ein neues Zuhause waren, ist ein Tierheim bzw. eine Notstation für Kaninchen die beste Anlaufstelle, wenn man sich Kaninchen holen will. Die Tiere werden tierärztlich versorgt, sind gesund (oder der Halter wird bei chronsichen Erkrankungen auf diese hingewiesen), geimpft und die Männchen sind normalerweise auch schon kastriert. In der Regel können die Pfleger dem neuen Halter auch schon etwas über den Charakter der Tiere sagen und bereits bestehende Pärchen oder Gruppen aufnehmen.

Falls man ein verwaistes Kaninchen zuhause hat und für dieses ein Partnertier sucht, können Tierheime/Notstationen oftmals bei der Partnersuche weiterhelfen, weil sie ihre Schützlinge auch von ihren Charakteren sehr genau kennen. Tierschutzorganisationen stehen einem auch nach der Adoption noch mit Tipps und Ratschlägen zur Seite und helfen, wenn es irgendwo Probleme gibt.

Können meine Kaninchen auch mal Babies bekommen?
Nein! Man sollte NIE einfach Kaninchen verpaaren. Durch unüberlegte Verpaarungen von Kaninchen, deren Vorfahren (Eltern, Großeltern etc.) nicht bekannt sind, kann vieles passieren.

Erbkrankheiten und Folgen falscher Verpaarungen
Häufig unterschätzt, aber mit schweren Folgen sind Erbkrankheiten, die Elterntiere unbemerkt in sich tragen können und bei den Jungtieren dann in Erscheinung treten. Dazu gehören:

Zahnfehlstellungen
Es gibt schlimme und weniger schlimme Zahnfehlstellungen, wobei beides nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist, beide in jedem Fall die Nahrungsaufnahme behindern und so auch Auswirkungen auf die Gesundheit des Tieres haben. Auswirkungen von Zahnfehlstellungen können Beispielsweise Entzündete Wangen und verletzungen an der Zunge aufgrund von Spitzen an den Backenzähnen sein, die dem Kaninchen Schmerzen zuführen; abmagern des Tieres durch nicht richtig fressen können, wiederkehrende Bauchprobleme (Blähbauch, Durchfall), Zahnwurzeln, die tief in den Kiefer wachsen und für schmerzhafte Augenentzündungen und schlecht heilende Kieferabszesse verantwortlich sind.

Das ist nicht nur für das Tier sehr unangenehm, sondern bedeutet auch für den Halter unzählige Tierarztbesuche, um die Zähne regelmäßig wieder in Ordnung bringen zu lassen. Und das wird auch teuer: Wenn man mal annimmt, dass man z. B. alle zwei Wochen zur Schneidezahnkürzung für etwa 5–10 Euro zum Tierarzt muss, addiert sich das ganz schnell. Am Jahresende ist man da bei 260 bis 520 Euro – allein für das Zähnekürzen.

Kümmerlinge
Die häufigste Erbkrankheit. In diesem Fall überleben die Babys nicht mal den 3. Lebenstag.

Spreizer
Das sind Kaninchen, die einen Fehler im Hüftgelenk haben und so die Hinterbeine abspreizen. Diese Tiere können nicht hoppeln, sondern nur kriechen und das wird sich auch nie ändern.

Andere Missbildungen
Es kann schnell vorkommen, dass die Babys missgebildet sind. Verkrüppelte, falsch angewachsene oder gar nicht vorhandene Gliedmaßen, zu kleiner Kopf (der dann zur Fehlstellung der Zähne, Kieferbrüche, Durchbrüche der Zähne etc. führt), unterentwickelte Körperteile oder Organe… Das waren nur ein paar Beispiele, was alles passieren könnte. Bei den Verpaarungen ist auf viel zu achten und die Folgen können sehr schwerwiegend sein.

Gefahren für das Weibchen
Durch die Aufzucht von Jungtieren kann es beim Weibchen zum Beispiel zu einer schmerzhaften Gesäugeentzündung bekommen, die in jedem Fall behandelt werden muss. Die Entzündung kann Fieber hervorrufen. Außerdem können krankmachende Bakterien in das Gesäuge und von dort aus in die Blutbahn kommen und zu einer Blutvergiftung führen. Ebenso können die Babys im Geburtskanal stecken bleiben (z. B. weil sie zu groß sind oder das Weibchen zu jung oder alt ist), dann ersticken nicht nur die Kleinen, sondern auch die Mutter ist in Lebensgefahr.

Besonders junge und unerfahrene Weibchen wissen oft nicht recht, was zu tun ist, und kümmern sich nicht um den Wurf oder geben nicht genügend Milch. Das kann unentdeckt zum Tod der Jungtiere führen oder im besseren Fall zur Handaufzucht, die allerdings auch keine Garantie dafür ist, dass es die kleinen schaffen.

Weitere Argumente dagegen
Ein weiteres wichtiges Argument ist, dass es so schon genug Kaninchenleid gibt und man nicht noch weiter produzieren muss! Ein Kaninchen kann locker 10 Babys bekommen. Wohin mit dem ganzen Nachwuchs? Die Tierheime und Notstationen sind voll mit Kaninchen und überall kommen immer mehr dazu. JEDES Kaninchenbaby nimmt einem dieser Tierheimkaninchen einen Platz weg und trägt zur Überfüllung der Tierheime bei.Man sollte sich lieber dort neue Tiere holen, anstatt dass die nachproduzierten Babys den Kaninchen dort Plätze wegnehmen. Oft gibt es in Tierheimen auch noch ganz junge Kaninchen. Es gilt der Leitspruch: Wer sein Tier liebt vermehrt es nicht!

Platz und Partner ist da, aber was braucht es sonst noch?
Bei der Einrichtung des Geheges sollte man sich an den natürlichen Bedürfnissen von Kaninchen orientieren. Das heißt: Viele Versteckmöglichkeiten und ausreichend Platz zum Sprinten. Kaninchen wollen aber auch Beschäftigung. Immer nur in einem Haus im sonst leeren Gehege zu sitzen, ist langweilig. Es gibt ganz verschiedene Möglichkeiten, das Gehege für Kaninchen interessanter zu gestalten. Etagen, Tunnel und Co. machen den Kaninchen viel Spaß.

Gerne angenommen werden beispielsweise:
  • Buddelkisten
    mit Sand oder ungedünter (!) Erde gefüllte Kisten zum Buddeln
  • Etagen
    Etagen eignen sich sehr gut als Unterschlupf. Man kann einfach kleine Tische benutzen oder baut sie selbst, indem man 4 Füßchen unter ein Brett schraubt und es mit ungiftigem Lack (DIN EN 71.3) lackiert.
  • Hängematten
    z. B. aus alten Kissenbezügen
  • Häuser
    In Zoohandlungen werden viele Häuschen für Kaninchen angeboten. Die meisten davon sind allerdings viel zu klein. Ein Haus sollte mindestens so groß sein, dass sich zwei Kaninchen darin ausstrecken können. Das entspricht ungefähr 40 cm Länge, 30 cm Breite und 30 cm Höhe. Solche Häuser lassen sich mit ein paar Pappelsperrholzbrettern aus dem Baumarkt sehr gut selbst bauen. Jedes Kaninchen sollte ein eigenes Haus haben. Die Häuser sollten mindestens zwei Eingänge haben, damit es zu keiner Sackgasse wird, falls es mal Zoff gibt. Gut geeignet sind Öffnungen ab einem Durchmesser von 12 cm. Wer handwerklich nicht so geschickt ist, wird im Internet fündig.
  • Heuraufen: Kaninchen müssen ständig frisches Heu zur Verfügung haben, deshalb sind Heuraufen eine gute Möglichkeit. Die normalen Gitterraufen aus dem Zoohandel eignen sich allerdings nicht; die Tiere können darin mit dem Kopf und den Pfötchen hängen bleiben. Auch Heuraufen kann man selbst machen. z. B. kann man Löcher in einen Ytongstein bohren, Zweige hineinstecken und das dann mit Heu befüllen. Am einfachsten und für die meisten Tiere am angenehmsten ist es, das Heu lose als kleiner Berg in einer eingestreuten Käfigschale anzubieten.
  • Katzenkratzbäume
    Darauf können die Kaninchen klettern oder sich in den Höhlen zurückziehen. Sie sollten aber nur maximal 1 Meter hoch sein, falls doch mal ein Kaninchen runter fällt.
  • Kork
    Kork ist ein ideales Naturmaterial. Er kann bedenkenlos angenagt werden und sieht natürlich aus. Es gibt Korkhöhlen, Korkrampen usw.
    Die meisten Kaninchen nehmen Versteckmöglichkeiten aus Kork sehr gerne an.
  • Kuschelkissen
  • Kuschelröhren
  • unbedruckte Pappkartons
  • Pflanzringe aus Stein zum Durchrennen und Drüberhüpfen
Am besten stellt man nicht immer alle Beschäftigungsmöglichkeiten auf einmal rein, sondern wechselt immer wieder ab, damit es nicht langweilig wird.

Und was gibt’s zu futtern?
Natürlich haben auch kleine Kaninchen mächtig Hunger und Durst. Was Kaninchen fressen dürfen und was nicht und welches Getränk man am besten gibt, ist im Artikel zur Ernährung von Kaninchen nachzulesen.

Wann muss ich mit meinen Kaninchen zum Tierarzt?
Grundsätzlich sollte man 2‐mal jährlich zum Tierarzt, um seine Kaninchen gegen RHD, RHD2 (Filavac) und 1-mal Jährig gegen Myxomatose (Nobivac) impfen zu lassen. Preise für eine Doppelimpfung liegen je nach Region zwischen ca. 60 und 100Euro mit Voruntersuchungen pro Tier.
Inzwischen gibt es aber auch alle drei als einen Impfstoff (Nobivac+).

Wenn das Tier sich auffällig benimmt, wenn es Krankheitssymptome zeigt (apathisch sein, nicht oder nur wenig fressen, bei Matschkot, Durchfall, Augen tränen, hervor stehenden Augen, ständiges Niesen, Nasen ausfluss, Atemgeräusche, schmerzen) oder wenn es abnimmt (dazu sollte man seine Kaninchen 1‐mal wöchentlich immer um die gleiche Zeit wiegen, damit man rechtzeitig Krankheiten erkennt), sollte man nicht lange warten. Bei vielen Krankheiten muss man schnell handeln, besonders das nicht fressen ist ein Notfall und erfordert einen sofortigen Tierarztbesuch!

Noch bevor man sich Kaninchen anschafft, sollte man sich einen Tierarzt raussuchen. Leider wissen die meisten Tierärzte nur wenig über Kaninchen. Im Tierforum wurde eine Tierarztliste angelegt. Die Adresse und Telefonnummer eines geeigneten Tierarztes sollte man sich aufschreiben und immer griffbereit haben. Ebenso Adresse und Telefonnummer von einem Nottierarzt und einer Tierklinik in der Nähe.

Vorsorge
Einmal die Woche sollte man einen Kaninchen‐TÜV durchführen, damit man auch hier schon Veränderungen rechtzeitig erkennt. Hierzu gehören:
  • Abtasten des ganzen Kaninchens
  • Gewichtskontrolle
  • Kontrolle der Augen
  • Kontrolle der Anogenitalbereich
    Ein mit Kot verklebter After deutet auf Durchfall hin, Urinflecken auf eine Erkrankung der Blase oder der Nieren.
  • Kontrolle der Krallen
  • Kontrolle der Ohren
  • Kontrolle der Schneidezähne
  • Untersuchung von Fell und Haut
    Parasiten und Wunden können so entdeckt werden.
Außerdem sollte man täglich drauf achten, ob alle gesund und munter sind, ob sie gut futtern, ob sie sich normal verhalten.

Und wie viel kostet der Spaß?
Man sollte sich vor der Anschaffung bewusst sein, dass Kaninchen auch ganz schön was kosten können. Das tägliche Frischfutter schlägt in die Kasse, besonders im Winter die Gemüsefütterung kann bei 40-60 Euro monatlich liegen, ebenfalls das Heu, das Einstreu, kleine Extras (Spielmöglichkeiten etc.), das regelmäßige Impfen. Auch Tierarztbesuche werden schnell recht teuer. Deshalb sollte man sich am besten eine Notfallspardose aufstellen, in die man monatlich etwas einzahlt.
 
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