Farbratten zähmen

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202529Artgerecht gehaltene Ratten sind sehr in der Regel sehr Menschen bezogen. Hier einige Tipps und Tricks, damit Ratten lernen, Vertrauen zu ihren Menschen aufzubauen und zahm werden.

Vorbemerkungen zum Zähmen von Ratten
Ratten gelten als sehr Menschen bezogene Tiere. Deshalb gehen viele Halter mit einer großen Erwartungshaltung an die Rattenanschaffung heran und sind schnell enttäuscht, wenn sich die Tiere nicht sofort ausgiebig streicheln lassen. Jedoch wird häufig vergessen, dass auch Ratten Charaktertiere sind, die individuell Kontakt zum Menschen suchen und es kann auch vorkommen, dass es Tiere gibt, die den Menschen komplett meiden.

Die aller wenigsten Ratten sind schmusig und lassen sich gern bekuscheln. Gerade Jungtiere haben häufig «Hummeln im Hintern» und haben daher anderes zu tun, als ruhig da zu hocken und sich anfassen zu lassen. Eine Ratte, die sich ohne Protest greifen und heben lässt, ist eigentlich schon sehr zahm. Denn sie hat ihre natürliche Angst, von einem potentiellen Raubtier gegriffen zu werden, überwunden. Aber auch die Fütterung aus der Hand ist eine Stufe von Zahmheit, die man auch als solche würdigen sollte. Genauso auch das Beklettert werden im Auslauf.

Es gibt zwei Dinge, die beim «Zähmen» absolut wichtig sind:

Erstens: Als Halter passt man sich dem Tier an und nicht umgekehrt. Der Halter steht in der Pflicht, seine Ansprüche herabzusenken, wenn das Tier einfach wenig Kontakt haben möchte.

Zweitens: Um «zahm» zu werden, muss das Tier Vertrauen zum Menschen aufbauen und dies braucht seitens des Menschen Geduld.

Viele Ratten genießen Streicheleinheiten erst im Alter – wenn überhaupt. (Bild: Nienor) Und weil es um Vertrauen geht, hat Zwang bei der Zähmung von Ratten absolut nichts zu suchen. Methoden, die über eine Schocktherapie wirken sollen, bringen zwar meist früher oder später den gewünschten Effekt, setzen die Tiere aber so enorm unter Stress, dass sie abzulehnen sind. Jedes Tier sollte selbst entscheiden dürfen, wie viel Kontakt es zum Menschen hat und diesen selbst suchen. Der Halter ist nur dafür verantwortlich, dass die Tiere diese Kontaktaufnahmen mit etwas Positivem verbinden können.

Die richtige Umgebung und Haltung der Ratten hat großen Einfluss auf den Zahmwerdungsprozess. Sind die Tiere durch falsche Haltung, zu viel Lärm oder andere Dinge gestresst, so kann sich dies negativ auf den Vertrauensaufbau auswirken. Zusätzlich ist es wichtig, dass die Tiere ausreichend Bewegung und Beschäftigung haben, denn ausgelastete Tiere werden schneller zahm. Das Zähmungstraining sollte zu den Aktivitätszeiten der Tiere stattfinden. Weckt man sie deshalb extra, stresst man die Tiere nur unnötig. Gut gehaltene Tiere sind neugieriger, aufnahme‐ und lernfähiger.

Tiergerechte Methoden, um Ratten zu zähmen
Gut geeignet oder zumindest für die Ratte nicht schädlich sind die folgenden Methoden:

Ratten an die Anwesenheit des Menschen und dessen Stimme gewöhnen
Um die Tiere an seine Anwesenheit und Stimme zu gewöhnen, setzt man sich in die Nähe des Geheges und redet mit den Tieren oder liest ihnen etwas vor. Wenn sie trotz der Anwesenheit und der Geräusche weiter ihrer Geschäfte im Gehege nachgehen, hat man das Ziel erreicht.

Ratten an den eigenen Geruch gewöhnen
Um die Tiere an den Geruch ihres Halters zu gewöhnen, legt man ein altes getragenes Kleidungsstücks ins Gehege. Ratten nutzen dies in aller Regel als Nistmaterial. Wichtig ist, dass es ein altes Kleidungsstück ist, dass man es als Schweizer Käse zurück bekommen wird. Sitzt man neben dem Gehege und spricht mit den Tieren, gewöhnen sie sich ebenfalls an den menschlichen Geruch. Allerdings ist dieser nicht so omnipräsent, wie wenn man ihnen ein Kleidungsstück anbietet. Allerdings wird dieses auch nicht ewig nach Mensch riechen, sondern sehr bald von Ratten mit ihrem Geruch versehen sein.

Ratten im Gehege Futter aus der Hand anbieten
Wenn die Tiere in Anwesenheit des Menschen ruhig reagieren, kann man beginnen, sie mit etwas Leckerem in die Nähe der Hand zu locken. Feste Futterbrocken sind am Anfang gut geeignet, da die Tiere sie, wenn sie sie mutig gepackt haben, schnell ins sichere Versteck bringen können. Trauen sie sich erst einmal heran, kann man ihnen auch Pasten oder Joghurt vom Fingern oder Handrücken anbieten. Sind die Tiere übermütig und schnappen, sollte man sie erst vom Löffel daran gewöhnen, wie man richtig schleckt. Sobald sie in den Löffel beißen, wird dieser weggezogen. Schlecken sie brav, können sie alles aufschlecken. Man kann das theoretisch auch mit der Hand so trainieren, jedoch können Ratten kräftig zu beißen, wenn sie Finger und Futter verwechseln oder versuchen, das Futter wegzuschleppen.

Das Schlecken von Paste, Brei oder Jogurt vom Finger zeigt den Tieren,  dass es gut ist, sich in der Nähe des Menschen aufzuhalten. (Bild: Nienor)Der Vorteil von Pasten und Joghurt ist, dass sie in der Nähe der Hand bleiben müssen, während sie schlecken. Wenn sie das schon einige Male getan haben, so kann man beginnen, sie während des Schleckens leicht mit der Fingerspitze zu streichen. Man kann auch anfangen, den Klecks so zu positionieren, dass sie auf die Hand steigen müssen, um ihn aufzuschlecken. Wenn die Tiere so auf die Hand steigen, kann man diese leicht heben und wieder senken. Alles immer schön langsam und in kleinen Schritten, damit die Ratten lernen kann, dass ihr nichts dabei passiert.

Im Auslauf Kontakt zu den Ratten aufnehmen
Der Auslauf gehört zur artgerechten Rattenhaltung und dies von Anfang an. Auch nicht zahme Tiere sollten Auslauf erhalten. Im Idealfall findet der Auslauf in einem umzäunten Gebiet um ihr Gehege statt, sodass die Ratten selbst entscheiden können, wann sie rein und wann sie raus wollen. Näheres dazu ist im Infotext zum Auslauf nachzulesen. Grundsätzlich sind Ratten im Auslauf neugieriger und suchen eher Kontakt zum Menschen als im Käfig. Hier kann man wie im Gehege mit den Futterübungen fortfahren.

Zusätzlich kann man sich ruhig in den Auslauf setzen oder legen und sich als Kletterbaum erkunden lassen. Wenn die Ratten zutraulicher werden, kann man auch langsam anfangen, sich ruhig zu bewegen und das immer weiter steigern.

Ratten richtig greifen
Wichtig im Umgang mit Ratten ist auch, dass der Mensch das Tier greifen kann. Jedoch ist dies nicht für jedes Tier sofort angenehm, sodass man mit diesen Tieren besser die Taximethode (Haus mit Boden oder Röhre, in das/die die Ratte freiwillig geht, um transportiert zu werden) als Transportmöglichkeit trainieren sollte.

Ratten schaufelt man am Besten mit beiden Händen auf, wenn man sie Umplatzieren möchte. (Bild: Nienor)Wenn sich die Tiere ruhig verhalten, wenn der Mensch sich im Gehege und /oder im Auslauf bewegt, so kann man langsam damit beginnen, das Greifen zu üben. Ein korrektes Aufheben einer Ratte wird mit zwei Händen ausgeführt, man schaufelt sie quasi auf die eigenen Handflächen, in dem man diese unter dem Tier zusammen führt. Das Tier liegt dann quasi auf den Handflächen (siehe Bild).

Zum Üben beginnt man mit der Annäherung der Hände. Wenn das Tier ängstlich reagiert, zunächst nur mit einer Hand und steigert dann immer mehr, bis die Ratte kurz auf beiden Händen sitzt. Dann kann man langsam versuchen, die Hände zu heben, sodass man das Tier später so transportieren kann. Und das Belohnen bitte nicht vergessen. Jeder Schritt sollte beim Training belohnt werden.

Bei scheueren Tieren lohnt es sich, ein Leben lang nach jedem Heben und Umplatzieren ein Leckerchen zu geben. Sie entwickeln dann eine Erwartungshaltung und warten nach dem Absetzen geduldig auf die Belohnung, anstatt ängstlich davon zu rennen und sich zu verstecken. So wird generell auch das Heben und Transportieren für sie positiv belegt. Es hat sich als sehr sinnvoll heraus gestellt, gerade mit ängstlichen Tieren das Heben und Halten am Anfang täglich und auch später noch regelmäßig zu üben. Sie bauen so sehr gut Vertrauen zum Menschen auf. Manche schaffen es sogar, ihre Scheuheit gegenüber dem Pfleger nahezu vollends abzulegen. Das sieht bei fremden Personen dann natürlich meist anders aus und sie zeigen ihren eigentliche Scheu wieder.

Wie geht’s weiter?
Lässt sich die Ratte greifen, so folgt ab nun nur noch die Kür. Und die wird die Ratten von ganz allein ausführen – oder eben nicht. Die meisten Ratten werden aber von allein ab dieser Stufe nach und nach zahmer und im Alter sogar schmusiger. Man sollte dazu dem Tier einfach immer wieder die Möglichkeit bieten, zu einem zu kommen, sich anfassen oder gar streicheln zu lassen. Auch sollte man ihm immer wieder Futter aus der Hand anbieten und sich im Auslauf mit diversen Spielen mit den Tieren beschäftigen. Dann wird man sehen, wie sie sich weiter entwickeln. Jeder Halter wird von ganz allein seinen persönlichen Weg im Umgang mit den Tieren finden – und umgekehrt. Wichtig ist – es sei nun nochmal erwähnt – dass man sich dem Tier nicht aufdrängt und es selbst wählen lässt, wie viel Kontakt es möchte.
 
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