Überlegungen vor der Anschaffung von Vögeln

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203126Ein Vogel soll einziehen. Aber passt die Vogelhaltung wirklich zu den Lebensumständen und sind Vögel die richtigen Tiere? Und wenn ja, welche Art?

Könnte sich jemand (Familienmitglied, Nachbar) durch den Vogellärm gestört fühlen?
Ganz still ist kein Vogel. Besonders Papageienvögel – dazu gehören auch Sittiche! – können ziemlich laut werden. Großpapageien auch so laut, dass es Ärger mit den Nachbarn geben kann. Aber auch leisere Arten wie Prachtfinken oder Kanarienvögel singen und zwitschern in einer Lautstärke, die lärmempfindliche Menschen schon als störend empfinden können.

Vor der Anschaffung sollte man sich die gewünschte Art unbedingt «live» anhören und sich fragen, ob man bereit ist diesen «Lärm» auch in den eigenen vier Wänden zu tolerieren.

Gibt es im Haushalt jemand mit einer Federstaub‐Allergie?
Neben der eigentlichen Feder(staub)-Allergie kann auch eine Hausstaubmilben‐Allergie durch Vogelhaltung in der Wohnung verschlimmert werden. Nicht, weil diese Milben auf den Vögeln leben, sondern weil freifliegende Vögel den Hausstaub noch zusätzlich aufwirbeln. Im Zweifelsfall sollte man vor der Anschaffung einen Allergietest machen lassen.

Wie viel Dreck machen Vögel?
Vögel werden nicht stubenrein und lassen ihren Kot dort fallen, wo sie gerade sitzen. Allerdings haben sie beim Freiflug meistens ihre Lieblingsplätze, an denen sie sich hauptsächlich aufhalten. Der meiste Dreck fällt an diesen Stellen an, den Boden darunter kann man dann entsprechend z. B. mit Zeitungspapier abdecken. Eine Garantie, dass nicht trotzdem mal ein Kothäufchen außerhalb dieser Stammplätze landet, gibt es allerdings nicht.

Die Kotkonsistenz ist je nach Vogelart und arttypischer Ernährung sehr unterschiedlich. Wellensittiche und andere kleine Körnerfresser haben in der Regel kleine, fast geruchslose Kothäufchen, die schnell trocknen, praktisch keine Flecken hinterlassen, und sich dann mit dem Staubsauger entfernen lassen. Grössere Arten produzieren größere «Häufchen», die dann auch schneller Flecken hinterlassen. Weichfresser wie Beos oder Loris haben sehr dünnflüssigen Kot, den sie auch noch herumspritzen. Sie sind deshalb für die Haltung im Haus mit Freiflug kaum geeignet.

Wird der Vogelkäfig regelmässig gereinigt, riecht man ihn im Haus praktisch nicht. Ausgenommen sind hier wieder die Weichfresser: Da kommt man mit dem Putzen kaum nach.

Vögel produzieren Gefiederstaub. Wie viel, hängt von der Art ab: Arten mit Puderdunen (beispielsweise Kakadus, Nymphensittiche, und Graupapageien) stauben mehr als Arten ohne oder mit weniger dieser speziellen Daunen (beispielsweise Wellensittiche, Kanarienvögel, Agaporniden, Amazonen etc.). Gefiederstaub kann man zum Teil mit einem Ionisator binden.

Gibt es «Anfängervögel»?
Unter den Ziervögeln gibt es anspruchsvollere Arten und solche mit geringeren Ansprüchen. Aber selbst die «Allerweltsarten» wie Wellensittiche oder Kanarienvögel sind nicht so anspruchslos und unkompliziert, wie sie oft dargestellt werden. Zur artgerechten Haltung gehören bei jeder Art in jedem Fall die Unterbringung in genügend großen Käfigen oder besser Volieren, täglicher Freiflug, eine abwechslungsreiche Ernährung und Gruppen‐ oder mindestens Paarhaltung.

Es gibt allerdings Arten, die ein durchschnittlicher Privathalter schon allein wegen ihrer Größe kaum artgerecht unterbringen kann oder die so komplizierte Nahrungsansprüche oder Verhaltensweisen aufweisen, dass sie wirklich nur in Hände von Haltern mit langjähriger Erfahrung gehören. Dazu gehören unter anderem große Kakadus, Tukane, Aras sowie praktisch alle Weichfresserarten.

Wie viel Platz benötigen Vögel?
Vögel müssen fliegen. Täglich mehrere Stunden Freiflug in einem vogelsicher eingerichteten Zimmer oder die Haltung in großen Flugvolieren, sind die einzigen möglichen Varianten, die Tiere artgerecht zu halten.

Eine Liste der empfohlenen Mindestmaße für die Käfighaltung mit Freiflug von einigen Ziervögeln befindet sind im Artikel «Geeignete Vogelkäfige».

Benötigen Vögel Artgenossen?
Alle Arten, die häufig in Gefangenschaft gehalten werden, sind entweder ausgesprochene Schwarmvögel oder leben in Freiheit zumindest paarweise oder in lockeren Gruppen. Von Einzelhaltung ist deswegen in den allermeisten Fällen abzuraten. Einzeln gehaltene Schwarmvögel entwickeln oft Verhaltensstörungen wie Federrupfen, Dauerschreien, Aggressivität oder Bewegungsstereotypien.

Am besten sind in jedem Fall echte Pärchen. Nachwuchs lässt sich normalerweise leicht vermeiden, indem man – je nach Art – keine Nistmöglichkeit anbietet oder die Eier durch Plastikeier austauscht.

Vögel brauchen mindestens einen Artgenossen um sich. (Bild: Nienor)Kann man verschiedene Arten zusammen halten?
Auf die Gemischthaltung verschiedener Arten sollte man verzichten. Die verschiedenen Arten haben in aller Regel unterschiedliche Ernährungsansprüche. Das optimale Futter der einen Art führt nicht selten bei anderen Arten zu ernsthaften Gesundheitsschäden. Darüberhinaus kann es durch körperliche Über‐ bzw. Unterlegenheit zu ernsthaften Verletzungen bis hin zu Todesfällen kommen.

Werden Vögel zahm?
Vögel sind allgemein keine «Kuscheltiere». Mit viel Geduld kann man sie zwar meistens zähmen, indem man ihnen immer wieder Leckerbissen von der Hand anbietet, aber die meisten Vögel mögen es absolut nicht, in die Hand genommen oder gestreichelt zu werden.

Prachtfinken oder Kanarienvögel sind schwer zu zähmen. Das Höchste an Zutraulichkeit, was man bei ihnen erreichen kann, ist, dass sie auf die Hand kommen. Sie sind lieber unter sich und ignorieren den Menschen mehr oder weniger.

Papageienvögel können dagegen recht zahm werden, lassen sich dann häufig kraulen und sitzen gerne auf der Hand. Allerdings lässt sich das auch nur mit viel Geduld erreichen. Jeder Vogel ist ein Individuum: Es gibt auch Vögel, die zeitlebens scheu bleiben. Zahmheit sollte nie der ausschlaggebende Grund für die Anschaffung eines Vogels sein. Handaufzuchten, die von Anfang an zutraulicher sind, sind aus verschiedenen Gründen abzulehnen.
Es stimmt auch nicht, dass nur Einzelvögel zahm werden.

Wie lange muss ich mich täglich mindestens mit den Vögeln beschäftigen?
Für Fütterung, Käfig‐Säuberungn und Gesundheitskontrolle alleine sollte man etwa eine halbe Stunde täglich einplanen.
Vögel, die in abwechslungsreicher Umgebung mit Artgenossen leben – was Voraussetzung für eine artgerechte Haltung ist – brauchen sonst eigentlich keine Beschäftigung durch Menschen. Wenn man allerdings zahme Vögel möchte, kommt man nicht herum, sich täglich intensiv mit ihnen zu beschäftigen. Gerade Großpapageien fordern die Zuwendung regelrecht ein, wenn sie erstmal daran gewöhnt sind.

Wenn das Zimmer nicht 100% vogelsicher ist – was schwierig zu erreichen ist – sollte während des Freiflugs jemand anwesend sein. Und Freiflug brauchen die Vögel täglich mindestens 5 Stunden. Aber auch hier gilt: je länger, desto besser.


Kosten
Laufende Haltungskosten
Die Futterkosten, sind je nach Art, nicht besonders hoch, wenn man von Nahrungsspezialisten wie Loris oder Weichfressern absieht. Allerdings sind Vögel Futterverschwender: Die Hälfte der Portion landet auf dem Boden. Das sollte aber nicht davon abhalten, hochwertiges Futter zu kaufen.

Anschaffungskosten
Die Anschaffungskosten sind stark artabhängig. Wellensittiche, Kanarienvögel, Nymphensittiche, Kleinpapageien und häufige Prachtfinken sind relativ günstig (10–100 € pro Vogel). Großpapageien oder Beos, sowie seltenere Arten kosten dagegen mehrere 100 € und weit darüber. Dazu kommt natürlich noch die Voliere und das Zubehör. Der Preis für einen geeigneten Käfig überschreitet nicht selten den Anschaffungspreis um einiges.

Tierarztkosten
Die meisten Vögel brauchen keine regelmäßigen Impfungen. Einzig bei Außenhaltung, Gemischthaltung oder in Sonderfällen kann eine Impfung z. B. gegen Kanarienpocken oder Paramyxovirose sinnvoll sein.

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können sinnvoll sein, sind aber nicht unbedingt nötig. Eine Ausnahme bilden Neuzugängen in eine bestehende Vogelgruppe. Dies um sicherzugehen, dass man mit dem Neukauf keine Krankheitserreger einschleppt.

Allerdings kann es teuer werden, wenn ein Vogel mal erkrankt: Die wenigsten Tierärzte kennen sich mit Ziervögeln aus und vogelkundige Tierärzte sind häufig (nicht immer) relativ teuer und oft auch nicht gerade «um die Ecke», sodass auch entsprechend Fahrtkosten eingeplant werden müssen.

Sind Vögel für Kinder geeignet?
Vögel sind eher Tiere zum Beobachten als zum Anfassen. Sehr kleine Kinder werden kaum Freude an der Vogelbeobachtung haben. Außerdem können sie zahme Vögel ungewollt verletzen, wenn sie sie grob anfassen. Andersherum können sie auch besonders von Papageien gebissen werden.

Größere Kinder können sich schon um Vögel als Haustiere kümmern, wenn sie Interesse daran haben. Allerdings ist das Kinderzimmer als Vogelzimmer nicht sehr geeignet, da Vögel Lärm machen, der beim Schlafen oder beim Lernen für die Schule stören kann. Zusätzlich ist die erhöhte Staubbelastung, besonders bei Arten mit Puderdunen, auf Dauer im Schlafraum ungesund.

Kann ich wirklich ein Vogelleben lang die Verantwortung übernehmen?
Wellensittiche und Kanarienvögel können bis zu 15 Jahre alt werden. Leider sinkt die Lebenserwartung bei Wellensittichen in der letzten Zeit dramatisch. Die wenigsten Wellensittiche werden noch älter als sechs bis sieben Jahre. Prachtfinken werden etwa fünf bis acht Jahre, Agaporniden und Grassittiche 10 bis 15 Jahre, Beos 15 bis 20.

Großpapageien können bei guter Pflege sehr alt werden, über 50 Jahre, wobei die durchschnittliche Lebenserwartung von Großpapageien in Gefangenschaft leider, oft wegen «Zivilisationskrankheiten» wie Aspergillose, mit ca. 20 Jahren deutlich niedriger ist.

Was passiert mit den Tieren, wenn ich im Urlaub bin?
Vögel kann man schon allein wegen des benötigten Freiflug nicht über Tage allein lassen. Jemand, der einmal täglich zum Füttern kommt, reicht bei Käfighaltung mit Freiflug ebenfalls nicht. Die Vögel würden nicht verstehen, warum sie plötzlich keinen Freiflug mehr bekommen. Freiflug ohne Aufsichtwäre allerdings in dem meisten Fällen zu riskant.

In den Urlaub mitnehmen ist normalerweise nicht möglich, da so eine Reise für die Vögel einen enormen Stress bedeutet und ein artgerechter Käfig auch nicht leicht zu transportieren ist. Ganz zu schweigen von vogelsicheren Ferienunterkünften und der entgegengebrachten Toleranz deren Besitzer.

Vögel sind daher keine geeigneten Haustiere für Menschen, die häufig verreisen. Es sei denn, man kann die Vögel einem verantwortungsvollen «Vogelsitter» in der Nähe überlassen.

Wo bekomme ich Vögel her?
Grundsätzlich ist es gerade bei den häufig gehaltenen Arten wie Wellensittichen oder Kanarienvögeln zu empfehlen, in Auffangstationen oder im Tierheimnachzufragen. Oft gibt es dort Vögel auf der Suche nach einem neuen Zuhause. In Kleinanzeigen oder Vermittlungsforen werden auch oft Vögel angeboten. Wird man dort nicht fündig, ist ein seriöser Züchter die bessere Alternative zum Zoogeschäft. Ein guter Züchter kann Ratschläge bezüglich der richtigen Haltung geben und man kann kontrollieren, ob der Vogel aus einer verantwortungsvollen Zucht stammt, was bei Zoofachgeschäften leider nicht der Fall ist.

Was muss ich beim Kauf beachten?
Es werden, gerade bei Großpapageien, in der letzten Zeit immer häufiger Handaufzuchten angeboten. Das sind Vögel, die aus dem Nest genommen wurden und von Hand weiter aufgezogen werden. Damit bekommt man zwar sehr zahme Vögel, allerdings haben Handaufzuchten oft ein gestörtes Sozialverhalten (besonders, wenn sie keine Möglichkeit zum Kontakt mit auch älteren Artgenossen hatten), zeigen ab Eintreten der Geschlechtsreife oft ein aggressives Verhalten ihrem Pfleger gegenüber und entwickeln nicht selten andere Verhaltensstörungen. Deshalb sind Naturbruten, also von den Vogeleltern aufgezogene Jungvögel, die bessere Alternative. Diese können genauso zahm werden, wenn man sich genügend mit ihnen beschäftigt, und sind vom Verhalten her wesentlich unkomplizierter.

Bevor man den Neukauf mit den vorhandenen Vögeln vergesellschaftet, sollte man, egal woher der Vogel stammt, eine Quarantänezeit von mindestens zwei, besser vier Wochen einhalten. Auch ist es empfehlenswert den Neuzugang einem vogelkundigen Tierarzt zwecks Ankaufsuntersuchung vorzustellen. Leider werden gerade in Zooläden oft Tiere verkauft, die ansteckende Krankheiten in sich tragen, was man ihnen nicht unbedingt gleich ansieht. Mit einer Kotuntersuchung und einem Kropfabstrich, eventuell bei Papageienvögeln auch ein zusätzlicher Test auf bestimmte Viruserkrankungen (PBFD, Polyoma) anhand einer Feder und/oder Blutprobe, kann man die meisten dieser Erkrankungen erkennen.
 

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