Junghund fängt Bellen an

Diskutiere Junghund fängt Bellen an im Hunde Verhalten und Erziehung Forum im Bereich Hunde Forum; Hallo zusammen! Ich brauche nochmal euren Rat was meinen kleinen Balu angeht. In letzter Zeit fängt er leider total das Bellen an und lässt sich...
B

Balulu

Dabei seit
09.01.2021
Beiträge
13
Reaktionen
0
Hallo zusammen!
Ich brauche nochmal euren Rat was meinen kleinen Balu angeht.
In letzter Zeit fängt er leider total das Bellen an und lässt sich teilweise gar nicht mehr beruhigen.
Ich habe schon viel recherchiert und denke, dass es bei ihm eindeutig Angst und Unsicherheit ist. Wenn es draußen klappert oder auch im Haus dann bellt er und lässt sich auch kaum ablenken. Wenn Leute ins Haus kommen die er nur wenig kennt bellt er diese auch an. Ganz schlimm ist es aber draußen: er läuft von unserem Grundstück runter auf Spaziergänger zu nur um diese dann anzubellen und zeitgleich zu verfolgen. Da hört er auch absolut null.
Das er anschlägt wenn etwas ist oder er sich mitteilen
möchte ist voll in Ordnung, jedoch habe ich Angst, dass das Bellen zur Gewohnheit werden könnte.
Wenn drin Besuch kommt gebe ich den Besuch immer ein Leckerli damit der Balu begrüßt und er merkt "Oh das ist ja gar nichts schlimmes, da bekomme ich sogar was tolles!" Ist das denn der richtige Weg um ihm das Bellen bei Besuch abzugewöhnen?
Wenn es Geräusche gibt und wir drinnen sind und er anschlägt versuche ich ihn oft abzulenken aber ich muss auch zugeben dass ich es immer wieder mit Nein und Aus probiere, da habe ich jedoch in einigen Foren gelesen dass das den Hund bestärken würde. Wie kann ich mich in solchen Situation verhalten, dass er nur einmal anschlägt und dann aufhört oder gar nicht mehr bei jeder Kleinigkeit bellt?
und mein größtes Problem ist draußen beim Spaziergang bzw wenn wir auf unserem Hof sind: sobald jemand kommt, ob Mensch oder Hund, läuft Balu hin und bellt auch immer, wobei es manchmal auch nur Laute sind und kein richtiges bellen. ich möchte jedoch nicht dass er jedem Tier oder jede Mensch hinterherläuft und vor allem dass er ständig andere anbellt, ob es beim Spaziergang ist oder auf dem eigenen Grundstück. die Menschen dürfen ihm auch nicht nah kommen ich bitte sie dann selbst dass sie bitte Abstand halten und ihn den Schritt machen lassen weil er sehr ängstlich ist, damit er nicht noch mehr Angst bekommt oder verunsichert ist Ich habe überlegt ihn auch draußen mit Leckerlis abzulenken sobald Spaziergänger oder andere Hunde kommen, dass er merkt "oh bei meinem Frauchen ist es ja viel spannender und da passiert ja gar nichts wenn jemand kommt" aber leider kenne ich mich null aus und weiß nicht was der beste Weg ist ihm das kläffen abzugewöhnen bevor es richtig anfängt...
Es wäre sehr lieb wenn ihr eure Erfahrungen und Tipps mit mir teilen könnt und ich so von Anfang an damit beginnen kann, ihm die Situation leichter zu machen so dass er gar nicht erst bellen braucht. Beziehungsweise wie kann ich es unterbinden wenn er anfängt zu bellen?

Vielen Dank schonmal für eure Antworten!
Liebe Grüße
Frauchen und Balu
 
16.02.2021
#1
A

Anzeige

Guest

Hast du schon mal die Tipps vom Hundeflüsterer gelesen? Eventuell hilft dir das ja bei deinem Problem!?
Nienor

Nienor

Dabei seit
04.11.2008
Beiträge
37.714
Reaktionen
227
Hey

Du hast da verschiedene Baustellen und so wie es klingt, steht dein Hund dauerhaft unter Strom, weil er ständig aufpassen muss, dass ihm niemand Fremdes zu nahe kommt.
Da müsstest du auf jeden Fall anfangen, das allgemeine Stresslevel zu senken, eh dein Hund überhaupt in der Lage ist, umzulernen.
Dann würde ich folgende Ansätze probieren
Anschlagen bei Geräuschen: Klassische Konditionierung. Sobald du ein Geräusch hörst, passiert was Tolles. Meinem Hund lasse ich immer ein paar Kekse neben mir auf dem Boden fallen. Mittlerweile kommt er zu mir, sobald er was hört. Gelegendlich wufft er, wenns ganz gruselig ist, versteckt er sich vor mir unterm Tisch, aber er kommt nicht mehr ins Dauerbellen.
Besuch im Haus: Der Hund bekommt eine sichere Hunde-Ecke, in der nur tolle Dinge passieren. Fremde Menschen nähern sich der Hunde-Ecke nicht. Je nachdem gibt es dem Hund auch Sicherheit, wenn er mit einem Kindergitter vom Besuch getrennt ist - eine räumliche Barriere kann wirklich Wunder wirken. Jedes Mal wenn Besuch kommt, bekommt er was Tolles in der Hunde-Ecke, einen Kauartikel, einen Kong zum Ausschlecken. Wenn er dann entspannen kann, kann man die Barriere auch wieder öffnen und er entscheidet allein, ob er in den Raum mit dem Besuch will oder nicht.
Wenn die Fremden ihm Leckerchen geben sollen, bringt ihn das nur in einen Konflikt. Zum einen will er Abstand, zum anderen aber auch das Leckerli. Das hilft zwar bei einigen Hunden, aber nicht bei denen, bei denen der Konflikt zu gross ist. Über die Verbindung Besuch kommt = was Tolles passiert in meiner Hunde-Ecke, in der ich auch sicher bin, kann man die Angst auch über klassische Konditionierung "umprogrammieren".
Situation auf dem Hof: In jedem Fall Leine dran! Und dann ruhiges Verhalten belohnen, wenn Leute am Hof vorbei gehen. Wenn ihr mit Leuten rechnet, die auf den Hof kommen, bleibt er zunächst drin. Wenn Leute unerwartet zu euch kommen, dann belohne ihn in ausreichender Distanz zu den Leuten und bring ihn dann aus der Situation (z.B. rein), bevor es ihm zu viel wird. Der Abstand kann sich nach und nach verkleinern, aber bevor er drinnen nicht entspannt mit Besuch umgehen kann, würde ich das draussen noch nicht angehen. Denn drinnen hat er seinen bombensicheren Rückzugsort, draussen nicht. Es sei denn, er kann rein und raus wie er will und nutzt die Strategie, ins Haus zu gehen und sich in seine Hunde-Ecke zurückzuziehen, auch wenn er draussen ist.

Und bitte: keine Symptom-Bekämpfung (Er soll nicht bellen!), sondern Ursachen angehen - und das sind nahezu immer die Emotionen dahinter und fehlende Strategien (was soll er denn stattdessen tun?).
 
B

Balulu

Dabei seit
09.01.2021
Beiträge
13
Reaktionen
0
Hey

Du hast da verschiedene Baustellen und so wie es klingt, steht dein Hund dauerhaft unter Strom, weil er ständig aufpassen muss, dass ihm niemand Fremdes zu nahe kommt.
Da müsstest du auf jeden Fall anfangen, das allgemeine Stresslevel zu senken, eh dein Hund überhaupt in der Lage ist, umzulernen.
Dann würde ich folgende Ansätze probieren
Anschlagen bei Geräuschen: Klassische Konditionierung. Sobald du ein Geräusch hörst, passiert was Tolles. Meinem Hund lasse ich immer ein paar Kekse neben mir auf dem Boden fallen. Mittlerweile kommt er zu mir, sobald er was hört. Gelegendlich wufft er, wenns ganz gruselig ist, versteckt er sich vor mir unterm Tisch, aber er kommt nicht mehr ins Dauerbellen.
Besuch im Haus: Der Hund bekommt eine sichere Hunde-Ecke, in der nur tolle Dinge passieren. Fremde Menschen nähern sich der Hunde-Ecke nicht. Je nachdem gibt es dem Hund auch Sicherheit, wenn er mit einem Kindergitter vom Besuch getrennt ist - eine räumliche Barriere kann wirklich Wunder wirken. Jedes Mal wenn Besuch kommt, bekommt er was Tolles in der Hunde-Ecke, einen Kauartikel, einen Kong zum Ausschlecken. Wenn er dann entspannen kann, kann man die Barriere auch wieder öffnen und er entscheidet allein, ob er in den Raum mit dem Besuch will oder nicht.
Wenn die Fremden ihm Leckerchen geben sollen, bringt ihn das nur in einen Konflikt. Zum einen will er Abstand, zum anderen aber auch das Leckerli. Das hilft zwar bei einigen Hunden, aber nicht bei denen, bei denen der Konflikt zu gross ist. Über die Verbindung Besuch kommt = was Tolles passiert in meiner Hunde-Ecke, in der ich auch sicher bin, kann man die Angst auch über klassische Konditionierung "umprogrammieren".
Situation auf dem Hof: In jedem Fall Leine dran! Und dann ruhiges Verhalten belohnen, wenn Leute am Hof vorbei gehen. Wenn ihr mit Leuten rechnet, die auf den Hof kommen, bleibt er zunächst drin. Wenn Leute unerwartet zu euch kommen, dann belohne ihn in ausreichender Distanz zu den Leuten und bring ihn dann aus der Situation (z.B. rein), bevor es ihm zu viel wird. Der Abstand kann sich nach und nach verkleinern, aber bevor er drinnen nicht entspannt mit Besuch umgehen kann, würde ich das draussen noch nicht angehen. Denn drinnen hat er seinen bombensicheren Rückzugsort, draussen nicht. Es sei denn, er kann rein und raus wie er will und nutzt die Strategie, ins Haus zu gehen und sich in seine Hunde-Ecke zurückzuziehen, auch wenn er draussen ist.

Und bitte: keine Symptom-Bekämpfung (Er soll nicht bellen!), sondern Ursachen angehen - und das sind nahezu immer die Emotionen dahinter und fehlende Strategien (was soll er denn stattdessen tun?).

Vielen Dank für die Antwort!
Beim Besuch ist er aber immer so neugierig da bleibt er leider nicht in seiner Hundeecke, aber dann werde ich da weiter ansetzen.
Und draußen Leine dran und so kurz nehmen, dass er lernt ich kann hier gar nicht weg und ihn dann belohnen wenn er ruhig ist und nicht an der Leine zieht?
 
Nienor

Nienor

Dabei seit
04.11.2008
Beiträge
37.714
Reaktionen
227
Eine Hundedecke ist keine bombensichere Hunde-Ecke, höchstens Teil davon. Schau, wo sich dein Hund gern aufhält (viele liegen gern erhöht oder geschützt in Höhlen) und biete solche Plätze in der Hunde ecke an. Und schau, was er gern macht. Er darf sich da sehr gern alleine mit Dingen beschäftigen, Futter auspacken, auf etwas rumkauen .. Er soll da seine Bedürfnisse befriedigen können.
Klar ist er neugierig, wenn er recht verfressen ist und sie Leckerchen haben. Und auch ängstliche Hunde zeigen Interesse, teilweise aber nur, um den "Feind" im Auge zu behalten und abzuchecken. Wenn er dabei bellt, dann ist es nicht angenehm für ihn, daher zeig ihm vorher, dass er in seiner Ecke sicher ist, er dort alles hat, was er braucht und sich dort auch zurückziehen kann, wenn es ihm zu viel ist. Wenn das tief in seinem Kopf verankert ist, kann er den Ort auch aufsuchen, wenn es ihm zu viel wird, anstatt dass er bellt.
Aber bitte: Keine Bleib-Übungen in der Hundeecke. Er muss sie positiv verknüpfen, nicht zur Zwang. Mach es ihm dort so schön, dass er von selbst bleiben will.

Die Leine ist dazu da, dass er nicht mehr hinter Leuten hinterherrennen kann. Kurz nehmen musst du ihn dazu nicht, lass ihm ruhig Bewegungsspielraum. Kurze Leinen machen nur Druck und das braucht ein unsicherer Hund in solchen Situationen ganz und gar nicht. Wenn du mit genug Distanz zum Auslöser trainierst, kommt dein Hund auch mit einer 3-Meter Leine nicht nah an die Leute ran. Er wird dann auch nicht an der Leine ziehen, sondern zuerst schauen und das belohnst du und gehst mit ihm dann aus der Situation. Wenn er nach vorn geht, war der Abstand zu gering.
 
Hexogen10

Hexogen10

Dabei seit
12.03.2012
Beiträge
534
Reaktionen
50
Für Besuch fällt mir noch die "Sitzdose" ein. Einfach mal suchen in der großen Suchmaschine. Direkt der erste Link ;)
Wie alt ist er genau? Es könnte sein, dass er gerade in der Spookyphase drin steckt und ALLES gruselig ist, er gelernt hat, dass er mit bellen Distanz schafft (Distanz schafft Sicherheit, kennen wir selbst, wenn wir etwas komisch finden und wir bringen mehr Raum zwischen dieses Etwas und uns, fühlen wir uns besser). Umso wichtiger ist es, da jetzt alles zu verschönern und ihm den Stress zu nehmen, den er offenbar gerade aufgrund seiner Entwicklungsphase hat.

Dann: Bellen ist ein selbstbelohnendes Verhalten. Bellt er z.B. draußen Passanten an, nachdem er von eurem Grundstück runter ist, verfolgt sie ggf sogar und die laufen dann weiter, lernt er "mein Bellen vertreibt die Eindringlinge" und wird es häufiger zeigen. Deswegen ist Bellen am Gartenzaun oder stehenbleiben mit einem bellenden Hund an der Leine auch so schwer zu trainieren. Gehen die anderen weiter/vorbei und mein Hund bellt, lernt er bellen = die anderen verkriechen sich aus meinem Wohlfühlbereich.
Für draußen würde ich ihm die Möglichkeit bieten, etwas zu zeigen, was er total gerne macht oder ihm etwas anzubieten, was er gerne macht. Im Tierheim war es für viele Hunde Wurst im hohen Gras suchen, der andere hat aus meiner Hand Katzennassfutter geschleckt usw. Andere Menschen und Tiere positiv belegen und dadurch erreichen, dass er sie zumindest als neutral behandelt. Er muss gar nicht hinterher jeden Menschen oder anderen Hund toll finden, aber er soll sie auch nicht doof finden. Blickkontakt abwenden, sodass er weder den Menschen/Hund anstarren kann aber auch nicht angestarrt werden kann. Wenn er mit dem Rücken zu dem Menschen/Hund was in der Wiese sucht, an einer Futtertube nuckelt oder was auch immer, deeskaliert er von sich aus und solange die anderen Hunde nicht plötzlich in ihn hineinlaufen, sondern mit etwas Abstand vorbei gehen, wird er lernen "die anderen gehen vorbei und es passiert nichts. Ich brauche nicht mehr zu bellen, die gehen auch so weg."
Dafür sollte er lernen, dich anzusehen, sich dabei mit dem ganzen Körper zu dir zu drehen und ggf. auch wieder etwas vom Mensch/Hund, der ihm da unheimlich ist, wegzugehen, sodass du dich auch als Puffer dazwischen stellen könntest.
Wichtig bei dem ganzen Training ist jedoch: du musst erkennen, ab wann ihm das zu nah ist. Das können schon ganz kleine Signale sein, die er zeigt, die du aber wahrnehmen und ernst nehmen musst. Die Körperhaltung, züngelt er, die Ohren sagen auch sehr viel aus, ob er sich noch wohlfühlt oder nicht usw. Denn nur wenn er sich wohlfühlt, kann er auch gut lernen. Wenn ich dir ein Messer an den Hals halte, könntest du wohl nicht sehr effektiv eine neue Fremdsprache erlernen ;) Es gibt Hunde, die können andere Hunde auf 3m nicht leiden und andere, da reicht ein Punkt am Horizont, damit sie Stress bekommen und sich in die Leine legen.
Bevor er unerwünschtes Verhalten zeigt, gibt es immer die Möglichkeit etwas zu verstärken, was du an Verhalten haben willst und noch ausbauen kannst.
 
Thema:

Junghund fängt Bellen an