Tagebuch meiner Schwalben

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Kadi

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Heeey,
eigentlich mag ich Wehnachten ja nicht so, aber man kann sich vor Familie und Tradition ja doch nicht retten!! :D

Also ich habe ein Geschenk für das Tierforum, vielmehr für euch. Wie einige ja sicher schon wissen, habe ich im Sommer 5 Schwalben halbwegs aufgezogen, am Ende leider nur 4...
Nunja, ich habe ein Tagebuch geschrieben und ich hoffe, der ine oder andere hat Langeweile oder kann es bis zur Bescherrung nicht erwarten und liest es sich durch, um sich die Zeit zu vertreiben^^
Also dann halte ich euch nicht länger auf, der Text ist im Original, wie es im Buch steht!


Das Tagebuch über meine Schwalben

Dieses Tagebuch erzählt von drei aufregenden Wochen mit Katrin und ihren 5 Schwalbenküken,
die nach einem tragischen Unfall zu Waisen wurden.

Viel Spaß beim lesen!






Mein Dank
geht an Cosili aus dem Tierforum, die mir mit Rat und Tat zur Seite stand, ebenso danke ich auch meiner Familie,
meinen Freunden und allen Anderen die etwas zur Aufzucht der Schwalben beigetragen haben.



28.06.08

Liebes Tagebuch,
es begann alles damit, dass meine Cousine Andrea aus dem Kuhstall hier im Dorf ein Schwalbennest "ausgeplündert" hat!!! Sie hatte sich eine Mistgabel genommen und das Nest von der Decke geholt, was sie nicht ahnte, dass Nest war noch bewohnt. Vier junge Schwalbenküken blickten sie ängstlich an, eins konnte sich vor dem Sturz retten und saß oben auf einem Gerüstbalken. Andrea war geschockt, was sollte sie jetzt tun? Die Küken ihrem Schicksal überlassen? Nein, das konnte sie nicht!... sie nahm die Küken und setzte sie in ihre Pullovertasche. Gleich darauf schwang sie sich aufs Fahrrad und fuhr los, doch wohin? Sie wusste: Zuhause würde sie keine Hilfe bekommen, also fuhr sie zu mir. Ich ahnte natürlich noch nichts und saß wie meistens am PC. Erst als Mama ins Zimmer reinkam mit einer mehr oder weniger verwirrten Miene, erfuhr ich was Andrea getan hatte. Alle vier Schwälbchen lagen reglos auf einem ausgebreiteten Handtuch. Eine rote Wärmelampe beschien ihr klammes zerzaustes Gefieder. Ich wusch mir die Hände gründlich und sah mir die Vogelbabys etwas genauer an. Sie hatten schon die Augen auf und ihre Daunen entwickelten sich langsam zu schwarzglänzenden Gefieder. Nachdem Andrea auch mir nach und nach erzählt hatte, was sie wiedermal angestellt hatte, überlegte ich was mit den fünften Schwalbe wohl passieren sollte, die saß schließlich noch au dem Gerüstbalken. Das Geschwisterchen dort sterben zu lassen würde ich mir nie verzeihen, also radelte ich geschwind zum Stall, während meine Mutter, meine Schwester und Andrea sich um die Schwalben kümmerten. Ich brauchte nicht lange suchen bis ich in einer der Ställe ein verächtliches Piepsen vernahm, mitten in der Stallgasse lag das kaputte Nest und das Küken war in der Zwischenzeit runtergeplumst und stolperte hilflos an den neugierigen Kühen vorbei. Ich setzte das Küken vorsichtig ins Nest und nahm das Nest auf den Arm. Doch wo sollte ich jetzt damit hin? Ich kam unmöglich an die Stelle hin wo das Nest seinen Platz gehabt hatte. Seufzend entschloss ich mich auch diesen Zwerg mitzunehmen. War es die richtige Entscheidung? Mein Gefühl stimmte mir jedenfalls zu und so begannen drei anstrengende, jedoch für mich unvergessliche Wochen als Schwalbenmutter. Ich kramte einen alten Vogelbrutkasten von meinen Wellensittichen aus und polsterte ihn mit Heu aus, dann setzte ich die fünf Schwalbenküken hinein und befestigte die Rotlichtlampe über dem Nest, natürlich so hoch, das sie nicht verbrüten an der Wärme. Währenddessen erkundigte ich mich im Tierforum nach der Aufzucht, bald bot sich Hilfe an und ich konnte mit meiner Arbeit richtig loslegen. Zuerst mal musste ich ein Notfall-Futter zusammenstellen. Zwei gekochte Eier, davon das Eigelb mit einem Honig-Wasser-Gemisch verrührt und dann zu den Schwalben. Welch ein Kampf! ich war nahe am Verzweifeln, die Schwalben wollten das Futter nicht annehmen. Ich wollte sie natürlich nicht verletzen doch man musste es mit sanfter Gewalt probieren und den Schnabel öffnen - doch Vergebens sie lehnten das Futter strikt ab. Ich gab es schließlich auf mit dem Füttern, bereitete zwei Wärmekissen vor und legte sie um den Brutkasten, damit dieser nicht auskühlte während der Nacht, weil ich die Rotlichtlampe nicht anbehalten konnte. Ich hatte den Brutkasten in meinem Zimmer und bekam die Nacht kaum ein Auge zu, immerzu stand ich auf und schaute nach ob es ihnen "gut" ging.


29.06.08

Liebes Tagebuch,
nach dieser ziehmlich kurzen Nacht war ich einfach nur glücklich das die kleinen Piepser es überstanden hatten, zum Glück war Wochenende, so konnte ich mich den Schwalben voll und ganz witmen. Es war grade mal 5 Uhr morgens als ich die Treppe hinunter ging um erneut das Eigelb-Wasser-Honig Gemisch zuzubereiten. Opa passte das zwar garnicht und er meckerte rum, doch das wa mir egal. Ich hatte keine Zeit zu diskutieren, die Schwalben waren am Verhungern!! Mir fiel wahrlich ein Stein vom Herzen als ich mit einer sauberen Spritze das Futter in die Mäuler der Vögelchen beförderte. Anfangs nahm ich sie in die Hand und musste ihrem Sträuben gegen die blöde Spritze ein Ende machen. Bald waren alle satt und zufrieden. Sie lagen dicht aneinander gekuschelt in ihrem Nest und ich machte die Wärmelampe wieder für sie an, denn im Schwalbennest mussten es immer zwischen 25 und 38 Grad sein, damit die Schwälbchen nicht froren.




Im Laufe des Morgens rief ich beim Tierpark Eekholt an, da Opa immer noch nicht damit einverstanden war, das ich die Schwalben selbst großzog. Der Leiter des Tierparks war am Apparat und erklärte mir, dass sie leider keine Wildvögel mehr aufnehmen, ich sie stattdessen lieber in ein anderes Schwalbennest irgendwo hineinsetzen sollte. Natürlich pro Nest immer nur eine von meinen Schwalben und er sagte, das würde den Schwalbeneltern garnicht auffallen. Ich nahm seinen Rat an und überlegte wo es denn viele Schwalbennester gab, zu dem Kuhstall würde ich unmöglich zurückgehen, denn die Bäuerin kam mir ziehmlich unsympathisch entgegen und sagte mir ich solle mich mit den "dämlichen" Vögeln vom Acker machen. Mir kam meine Freundin in den Sinn, sie wohnt einige Dörfer weiter, jedoch auf einem Bauernhof und ich habe in ihrem Kuhstall schon öfters Schwalben rumsausen sehen. Bevor ich bei ihr anrief, war jedoch schon wieder Fütterungszeit, alle halbe Stunde waren die Piepser am quäken nach Futter.


Man muss die Spritze weit in den Rachen hinein schieben,
damit sich das Küken nicht verschlucken kann


Die Fütterung verlief relativ schnell und ich schnappte mir gleich das Telefon und klingelte bei meiner Freundin durch. Ihre Mutter hörte mir zwar interessiert zu als ich von den Schwalben erzählte, schlug meine Idee die Schwalben in fremde Nester zu setzen jedoch ab. Sie erzählte, dass sie den selben Versuch vor ein paar Jahren ebenfalls mit einer jungen Schwalbe probiert hatte, die Vogeleltern das Waisenkind jedoch immer lieblos aus dem Nest geschubst hatten. Also hatte sich der Plan auch in Luft aufgelöst, was in mir einerseits Traurigkeit andererseits auch Freude auslöste, denn wie oft im Leben hatte man die Chance Vogelmutter zu werden? Der Tag verging ziehmlich schnell mit den Schwalben, ich bin am
Nachmittag mit meiner Schwester auf eine Koppel gegangen und habe dort Grashüpfer gefangen. Dazu haben wir uns ein Gefäß mit Deckel mitgenommen, damit uns die flinken Springer nicht so schnell wieder entwischen. Anfangs taten sie mir ganz schön Leid, doch wie heißt es doch im Leben? Fressen und gefressen werden...



30.06.08
Liebes Tagebuch,
Ich wurde, da ich jetzt wichtige Mutterpflichten zu erfüllen habe, von der Schule ersteinmal befreit, doch nur für heute und morgen. Für die darauffolgenden Tage muss ich mir noch etwas einfallen lassen. Immerhin haben Opa und Oma, die ja anfangs total gegen meine Schwalben waren, sich jetzt auch von den drolligen Piepsern verzaubern lassen und somit stehen die Chancen gut, das sie meine Mutterpflichten vomittags übernehmen, während ich die Schulbank drücken muss. Die Schwalben sind übrigens wohlauf und haben ein ganz schön lautes Schreiorgan wenn es um Futterbetteln geht. Sie brauchen nur mein leises Pfeifen hören wenn ich mit Futter komme und sind sofort hellwach und schlingbereit.


Man siehts ihm an, es hat geschmeckt

01.07.08
Liebes Tagebuch,
Gestern wurde noch Eigelbbrei gefüttert, heute beginne ich mit den Grashüpfern. Damit die sich jedoch nicht in unserer Wohnung vermehren habe ich sie am Vortag noch in kochendheißem Wasser verbrüht und eingefroren. Das klingt brutal, doch es ist ein schneller und schmerzloser Tod. Nun mussten sie wieder aufgetaut werden, dazu habe ich noch mal Wasser gekocht, jedoch nicht ganz so heiß, es sollen ja nicht gleich alle Nährstoffe verloren gehen und als sie lauwarm waren bin ich zu meinen Schwalbenkindern mit dem Futter.Woran ich erst zu spät gedacht habe ist, dass die Schwalbeneltern die Grashüpfer vorverdauen und somit die Nahrung in mundgerechten Stücken ist. Ich würde die jetzt ganz bestimmt nicht vorkauen!!!! *wüüürg* Also musste ich mir was anderes einfallen lassen... Ich ließ die Grashüpfer einige Zeit in Wasser aufweichen und damit die Happen nicht so groß waren riss ich den Grashüpfern die Beine raus. Also denk bloß nicht dass Schwalbenmutter sein ein Traumjob ist, es ist nämlich nicht nur anstrengend 18 Stunden für die Schwalben dazusein, nein, man muss sich auch mit solchen aneckelnden Dingen auseinandersetzen.



02.07.08
Liebes Tagebuch,
Heute war wieder Schule angesagt, doch irgendwie freute ich mich sogar ein bisschen darüber, denn das hieß mal wieder etwas Abstand von den anstrengenden Pflichten die man als Schwalbenersatzmutter hat. Ich hatte Glück, dass Oma sich bereit erklärte den ganzen Mogen für die Waisenkinder da zu sein. Ich sagte ihr auch, es würde langen wenn sie nur alle Stunde füttern würde und abundzu die Temperatur im Nest kontrollieren. Außerdem sind die Schwalben auch fleißig im Kötteln produzieren, deshalb galt auch ab und zu mal das vollgeköttelte Heu auszuwechseln und frisches hinein zu tun. Alles war gut, ich konnte beruhigt in die Schule gehen, doch ich war im Unterricht alles andere als konzentriert, immer wieder sah ich auf die Uhr und hoffte das Oma nicht vergaß die Schwalben zu füttern. Als ich Heim kam, stellte sich glücklicherweise heraus das alle Sorgen umsonst waren und die Schwalben wohlauf. Nun wurde der Alltag noch stressiger, neben Schwalben versorgen musste ich noch meine Hausaufgaben erledigen und die Grashüpfer gingen mir auch aus. Ich musste dringend Verstärkung holen. Da bot sich meine gute Freundin Lisa sofort an und nachdem ich alle Hausaufgaben erledigt hatte und die Schwalben nochmal ihre Mahlzeit bekommen hatten, machten wir uns auf den Weg zur Wiese, wie immer bewaffnet mit verschlussdichten Gefäßen. Es war ein sonniger und recht warmer Sommertag und bei diesen Wetterverhältnissen sind Grashüpfer sehr agil, wie wir feststellen mussten, denn wir fingen nicht sehr viele. Sie waren einfach zu flink, doch für den Rest des Tages und den Morgen darauf würden sie wohl langen.



05.07.08
Liebes Tagebuch,
endlich wieder Wochenende! Die letzten Tage verliefen wie gehabt, denn meine Oma hat sich auch weiterhin vormittags gut um die Schwälbchen gekümmert. Stündliches Füttern, Nestsäuberungen und Temperaturkontrollen. Doch die Schwalben waren längst nicht mehr so schmächtig und müde wie in den ersten Tagen. Sie hüpfen auf den Brutkastenrand und schimpfen mit mir wenn ich nicht pünktlich mit dem Futter komme. Doch da die kleinen Insektenvernichter schnell heranwachsen, müssen auch mehr Grashüpfer angeschafft werden. Wir nutzen jede freie Stunde um auf der Wiese Grashüpfer zu fangen oder Fliegen zu klatschen. Dank meiner Mutter und meiner Schwester die Lisa und mir tatkräftig zur Hand gingen, hatten wir an einem Tag Reserve für mindestens den ganzen darauffolgenden Tag gefangen. Die Arbeit lohnt sich sogar! Aus den Küken werden langsam Teenager, übermütig schlagen sie mit den Flügeln. Ich bin jetzt schon stolz auf die Kleinen, doch es liegen sicher noch einige Tage vor uns.


06.07.08
Liebes Tagebuch,
heute sollten unsere Schwalben in ein neues Heim umziehen. Da sie schon manchmal in meinem Zimmer kleine Flugversuche unternommen haben und ich nicht möchte das sie sich irgendwo verletzen, habe ich mich nach einem großen Karton umgesehen und welch Zufall, meine Tante hatte einen Karton von ihrem riesigen Flachbildschirmfernseher rumstehen, den sie mir dann schenkte, damit war nicht nur mir geholfen, sondern auch ihr, sie war froh mehr Platz im Keller zu haben. Ich fand ein feinmaschiges Fliegengitter im Haus, welches ich mit blauem Paketklebeband am Karton befestigte. Ich ließ ca 1/4 an den Kartonseiten frei, um den Karton später wieder problemlos öffnen zu können. An dem Fliegengitter der offenen Kartonseite befestigte ich ein Gewicht - einen Holzpfahl - damit sich das Gehege leichter öffnen lässt, aber das Fliegengitter nicht ungewollt aufgeht.



Ein Karton mit Fliegengitter überzogen bietet den
jungen Schwalben Raum, um ihre Flügel zu trainieren




11.07.08


Liebes Tagebuch,
in der letzten Woche war wiedermal viel los bei unseren Schwalben. Leider muss man sich auch mit dem Schicksal dieser schwierigen Aufzucht auseinandersetzen und so kommt es vor, dass bei 5 Jungtieren eines, meist das Jüngste, zu schwach ist um im Kampf des Überlebens mit seinen Geschwistern mitzuhalten. Mit diesen Worten verabschiede ich mich von meinem jüngsten Pflegling, der trotz besonderer Päppelei seine Nahrung verweigerte und leider gestern verstarb. Ich hoffe, mir keine zu großen Vorwürfe machen zu müssen, aus dem Grunde, dass die Schwalbe wohl wegen des Sturzes aus dem Nest schon an inneren Verletzungen litt. Es ist nicht einfach der Hoffnungslosigkeit meiner Familie stand zu halten, dass die Schwälbchen durchkommen und wir sie hoffentlich problemlos in die Freiheit entlassen dürfen. Komplikationen durch mangelnde Heimchen-Zufuhr im Zoogeschäft und anderen privaten Dingen, die unter den Umständen verschoben werden müssen, sind noch zusätzlich. Die ehemals schmächtigen Vogelbabies sind nun fast flügge und verlangen täglich mehr Futter. Ich kann meiner Familie und meinen Freunden für die Hilfe, die sie mir beim Grillenfangen leisten, nur dankbar sein. Es ist ein enormer Zeitaufwand und geht auf Dauer auch auf die Substanz des eigenen Wohlbefindens. Das dort Verzweiflung auftritt kann ich meiner Familie nicht nachtragen.
Wie steht es doch nun um die übrigen 4 Pfleglinge? Im Karton, welchen wir in der Garage unseres Gartens unterbrachten, hüpfen Grillen um ihr Leben bangend umher, doch die Schwalbenkinder, für welche wir die Lebendnahrung bereit "stellten", schenken ihren vermeintlichen Flüchtlingen keine Aufmerksamkeit. Sie hocken lieber auf dem Rand ihres Nistkastens und quäken was das Zeug hält. Wo bleibt denn unser Futter? scheinen sie zu schimpfen und wollen sich mit dem hüpfenden Getier noch nicht recht anfreunden. Das macht mir wiederum Sorge, denn als Mensch kann ich ihnen schließlich nicht klar machen, sich selbst das Futter zu fangen. Also musste ich doch wieder mit dem fertigen Grillenfutter anrücken und Mäuler stopfen.


 
Zuletzt bearbeitet:
24.12.2008
#1
A

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Guest

Ich kann dir empfehlen, mal einen Blick in den Ratgeber von Heidi zu werfen. Vielleicht hilft dir das ja weiter.
Kadi

Kadi

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13.07.08
Liebes Tagebuch,
heute war ein sehr aufregender Tag. Nein, eigentlich ist ja jeder Tag mit unseren Pflegekindern aufregend, doch der heutige war eben ein ganz besonders aufregender. Heute, gegen Mittag, flogen die beiden ältesten Schwalben aus, als ich sie grade füttern wollte. Sie hatten wohl die Alt-Schwalben am Himmel kreisen sehen und fanden sofort Anschluss. Ich wusste nicht ob ich lachen oder weinen sollte, also stand ich einfach da, mit meiner Schüssel und den Grillen darin und sah meinen Schwalben nach, die bald nur noch kleine schwarze Punkte am blauen Himmel waren. Schweigend ging ich zu meinen anderen Grillen-Vernichtern, die schon hungrig krähten. Ich stopfte die Mäuler der Schwalben und ging nochmal in den Garten in der Hoffnung meine Ausreißer wieder zu sehen, doch da war kein Ruf nach Mama, der Himmel war leer von Schwalben. Am Abend, noch vor der Dämmerung, ging ich ein letztes Mal raus um meine Pflegchen zu füttern und da waren sie, die anderen Schwalben. Die Alten flogen weiter oben am Himmel und meine beiden Schwälbchen drehten Abschiedsrunden über unserem Garten. Ich rief ihnen zu und verabschiedete mich von ihnen und wenn ich es nicht erlebt hätte, würde ich es für ein Märchen halten, doch sie kamen runter zu mir zwitscherten mir liebe Worte entgegen und so unerwartet wie sie gekommen waren, verschwanden sie wieder. Diesmal konnte ich die Abschiedstränen nicht zurück halten und blieb noch einige Zeit draußen, starrte in den dunkelwerdenden Himmel bis ich zum Essen gerufen wurde.

14.07.08
Liebes Tagebuch,
das Wetter schlug heute gewaltig um und es sollte wohl Regen geben, mir wurde etwas mulmig als ich an meine Schwalben dachte, die irgendwo draußen im Freien saßen, ohne Schutz und ohne Überdachung. Ich konnte nur hoffen das ihr Gefieder wetterfest war und jedem Regen stand halten würde. Um bei meinen beiden Nachzüglern, die noch im Karton hockten, nicht die selbe Sorge bereuen zu müssen, testete ich ihr Gefieder heute aus. Ich nahm eine Sprühflasche, füllte diese mit Wasser und ließ die Schwalben unter meiner Sprühflasche duschen. Das gefiel ihnen nicht so sehr, doch sie blieben sitzen ohne weiteren Protest. Auf einem regenbeständigen Gefieder perlt das Wasser ab und das war auch der Fall bei meinen Schwalben. Sie konnten also nun bei jedem Wetter raus und ich ließ den Karton somit offen. Der Ältere der beiden Küken hüpfte auf meine Hand und bettelte um Futter, es wurde Zeit neue Grillen zu fangen, ehe die dunklen Wolken alles niederließen. Ich fütterte die Quäker und machte mich fertig zum Grillenfangen. Ich hatte wiedermal Glück und mein Onkel ging mir zur Hand bei dieser lästigen Arbeit. Schnell hatten wir für den Abend und den nächsten Morgen Futterreserven zusammen. Denn bei diesen frischeren Temperaturen wie heute sind die Grillen schläfrig und lassen sich fast ohne Wiederstreben fangen.

15.07.08
Liebes Tagebuch,
langsam merke ich das auch die Jüngere der beiden Schwalben, die wir spontan Fleckchen genannt haben, endlich ihre Flügel mal zu Gebrauch nimmt. Bisher hat sie keinerlei Anstalten gemacht zu fliegen. Heute war es wieder sonniger und ich habe den Nistkasten mit den Schwalben auf unser Garagendach im Garten gestellt. Durch die Sonnenstrahlen wurden die Schwalben gleich viel lebhafter. Während die Ältere, der wir den Namen Pünktchen gegeben haben, schon eifrig umhersauste und wilde Saltos in der Luft vorführte, hockte Fleckchen noch im Nest und starrte mich mit schwarzen Knopfaugen an. Fleckchens Schnabel sieht nicht mehr so kindlich aus, auch sie hat sich gut entwickelt, sie müsste bald soweit sein und auch endlich den Himmel mit Gezwitscher erfüllen. Fast unerwartet geschah es dann am Nachmittag. Fleckchen hüpfte aus dem Nest und tippelte auf dem Dach der Garage umher. Eine fremde Schwalbe kreiste am Himmel und rief nach Fleckchen. Während Pünktchen eine Pause auf dem Rand des Kartons machte, erhob Fleckchen sich plötzlich hinauf zum Himmel, wo die alte Schwalbe sie begrüßend umflatterte. Ohne irgendein Aufwiedersehen verschwand Fleckchen dann. Ich hatte jedoch im Gefühl das sie wiederkam, da sie, meiner Meinung nach, noch nicht ganz soweit war, schon zu verschwinden. Ich sollte Recht behalten, nachdem ich Pünktchen gefüttert hatte, hörte ich ein Zwitschern von draußen. Fleckchen kam im Sturzflug auf mich hinab, bremste ab, machte scharf über dem Boden einen Bogen nach oben und sauste Richtung Wald, der gleich hinter unserem Garten begann. Ich hatte gehofft, sie würde nicht nochmal wegfliegen, doch nun hatte ich Fleckchen aus den Augen verloren. Auch von der älteren Schwalbe war nichts zu sehen. Ich hörte ein Piepsen in den Bäumen, das war Fleckchen! Während ich in die Bäume schielte, um zwischen Geäst und Laub die Schwalbe zu entdecken, gesellte sich Pünktchen zu mir. Er setzte sich auf den Zaunpfahl und piepste zu seinem Geschwisterchen. In mir brummte ein unwohles Gefühl. Würde Fleckchen von selbst wieder herunterfliegen? Plötzlich tat sie wieder so hilflos und schutzsuchend. Fleckchen rief nach der anderen Schwalbe, doch die ließ sich nicht mehr blicken. Irgendwann, ich weiß nicht wie lang ich da im Gras hockte und wartete, wagte Fleckchen dann doch einen Flug und flog zielgerade in die Garage. Mir viel ein Stein vom Herzen vor Erleichterung und ich beendete den aufregenden Tag mit der letzten Fütterung. Nun hoffte ich vielmehr Fleckchen würde sich Zeit lassen, bis der richtige Augenblick ihrer Abreise kommen würde, damit ihr so ein weiteres gefährliches Abenteuer erspart bleibe.

16.07.08
Liebes Tagebuch,
manchmal geht es schneller als man denkt. Die fremde Schwalbe, ich behaupte einfach mal, dass es die von gestern ist, kam wieder herangeflogen. Ich beobachtete alles vom meinem Fenster aus. Fleckchen flog auf den Ruf der Älteren aus der Garage, sauste über unser Haus hinweg und drehte elegant einige Runden am Himmel, sodass ich kaum glauben konnte, dass sie gestern noch so unreif wirkte. Ich war mir aber sicher, dass es Fleckchen war, auch wenn ich sie nicht aus der Nähe sah. Es machte mich glücklich zu sehen wie Fleckchen ihre Freiheit genoss und das ich sie vielleicht jetzt zum letzten Mal sah schluckte ich hinunter. Für Abschiedsworte war es nun zu spät, denn wenig später verschwand Fleckchen dann wirklich mit der Älteren und sie schlossen sich anderen Schwalben an, die in der Ferne zu erkennen waren. Wahrscheinlich wartete der Schwarm schon sehnsüchtig auf Fleckchen und nahm sie in ihre Gruppe auf.



17.07.08


Liebes Tagebuch,
nun waren meine Mutterpflichten fast erfüllt, nur ein Quäker hockte noch im Karton und wollte einfach keinen Anschluss an seine Artgenossen suchen. Ich pfiff ein paar Mal und bekam eine Antwort aus der Garage wie ich es gewohnt war, Pünktchen war leider ziehmlich anhäglich geworden. Wenn ich nicht gerade mit dem Hund im Garten war und er mich um Aufmerksamkeit anbetteln konnte, hockte er vor der Terassentür auf dem Geländer und starrte in die Wohnstube. Er wusste schon genau von wo das Futter geliefert wurde. Eigentlich gefiel es mir das er so zahm war, wer hatte bitte eine zahme Schwalbe? Doch ich durfte seine Anhänglichkeit nicht fördern, das war mir bewusst. Ich ließ ihn 2 Stunden ohne Futter und hoffte er würde endlich Anschluss bei Schwalben suchen, denn es flogen genug am Himmel umher, die von seinem Gequäke angelockt wurden. Als er trotzdem nicht aufhörte zu betteln, gab ich ihm seine letzte Mahlzeit. Er sollte sie genießen, denn ich wusste das er flügge war, er wollte nur nicht weg. Am frühen Abend, ich war gerade auf dem Weg nach draußen, um nach Pünktchen zu sehen, als ich den Augenblick der Augenblicke erlebte. Pünktchen warf neugierig einen Blick zu den anderen Schwalben, die ihn mit zirpenden Lauten lockten. Endlich, er setzte zum Flug an und die anderen flogen ihm bereits entgegen, als auch er endlich den Weg in die Freiheit nahm. Ich lief hinaus und blickte in den warmen Abendhimmel. Fast waren sie aufgelöst in der endlosen Weite des Himmels, als sich ein schwarzer Punkt aus der Gruppe löste und auf mich zukam. Ich wollte Pünktchen ausweichen, er sollte endlich dahin wo er hingehörte und das war nicht bei mir. Doch er zwitscherte so lieb zu mir das ich ihn auf meine Hand ließ. Er sah mich an, es waren Momente wie ich sie nie zuvor erlebt habe. Einfach unbeschreiblich. Ich wusste, was er sagen wollte, auch wenn ich ihn nicht verstand. Seine treuen Augen wandten sich von mir ab, er blickte empor und stieg in die Lüfte, er winkte dem Wind und der Freiheit entgegen und kreiste mit seinen neuen Freunden glücklich seine letzten Runden über unseren Garten. Dann wurde es Zeit für die Schwalben sich einen Schlafplatz zu suchen und sie zogen davon.

Viel Glück auf eurer Reise in den Süden, niemals werde ich euch vergessen!


Und nun

FROHE WEIHNACHTEN!
 
~Vivian~

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süsse geschichte das war bestimt auwendig und anstrengend
 
Kadi

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danke :)
anstrengend, aber toll!!
 
I

Isländer1997

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habe auch ein schwalbennest im pferdestall und sie sind nun schon so groß das sie zu viert nicht mehr ins nest passen. habe nun schon zweimal ein kleines am boden gefunden das wahrscheinlih aus dem nest gefallen ist. habe es wieder reingesetzt doch nun habe ich angst das es nochmal rausfällt und sich vielleicht verletzt!! ich weiß nicht ob ich es mit der hand aufziehen soll oder immer wieder reinsetzten und was würde die schwalbenmutter dazu sagen???!!! bitte um antwort!!! DRINGEND!!!
 
Kadi

Kadi

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@Isländer
Sowas ist meistens der Fall wenn das Küken zu schwach ist, dann wird dieses von den Geschwistern aus dem Nest geworfen, so traurig es klingt... versuche es nochmal, setze es ins Nest und beobachte es, wenn du siehst, das die Geschwister es wieder rausschmeißen, hat es keine Chance mehr, außer du nimmst es und päppelst es. ;)

Achja die Schwalbenmutter würde wahrscheinlich nichts dazu sagen, die sind froh wenn sie einen Mäuler weniger zu füttern haben. So wie es klingt, sind die ja schon bald flügge?! Dann kannst du ja sonst auch versuchen das Küken in ein anderes Nest zu setzen.. wo vll nur zwei sitzen oder so..
 
häschen-86

häschen-86

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Vielen Dank das du uns an diesem tollen Erlebnis hast teilhaben lassen. :D
Ich habe die Geschichte gerade verschlungen und richtig mitgefiebert.

Du hast eine sehr schöne Ausdrucksweise.
 
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Tagebuch meiner Schwalben

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