Deejay (23 Jahre), wenn die Kraft einen verlässt

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Machtnix

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Deejay! 17 Jahre warst du meine Stütze, mein Erfolg, lehrtest mich in ein Pferd hineinhören zu können, denn du ertrugst alles, was ich dir antat (Turniere, die du nicht mochtest und die wir dann auch nicht mehr bestritten, Abspritzen - an das du dich gewöhnt hast, wenn ich in dich hineinhörte und es dir erleichterte- ja ich habe gelernt dich zu lesen, denn du warst ein besonderes, bedinnungslos liebendes Pferd, das bei besonderer Behandlung ein glückliches Pferd war). Du hast gelitten bis zur Krampfkolik, hast dich durch mich beruhigen lassen, hast mich nie in ernsthafte Gefahr bringen wollen (außer am Tag nach deinem Kauf -erinnerst du dich, dass du mich fast in den Rollstuhl gebracht hast?).

Dein Ende kann am Besten in einem Lied beschrieben werden:

Fühlst du nicht diesen Schmerz in mir
Oh siehst du nicht ich kann nicht mehr- hilf mir
Oh schau mich an,ich bemüh' mich sehr
Was muss noch gescheh'n,dass du mich erhörst

Ich danke dir dafür,dass du mich beschüzt
Danke dir für all den Segen,den du mir gibst
Ohne dich wär mein Leben nicht so,wie es ist
Du gibst mir die Kraft zu sein,wie du es bist
Oh ich brauche dich


Selbst Engel weinen-Engel leiden
Engel fühln sich mal alleine
Sie verzweifel wie jeder andere
Fallen tief und haben Feinde
Engel weinen - Engel leiden
Engel fühln sich mal alleine
Sie verzweifeln wie jeder andere
Fallen tief und haben Feinde

Fühlst du nicht diesen Schmerz in mir
Oh siehst du nicht ,ich kann nicht mehr- hilf mir
Oh schau mich an,ich bemüh' mich sehr
Was muss noch gescheh'n,dass du mich erhörst

Ich schaue auf zu den Sternenmillionen
Wo viele von uns Engeln wohnen
So viele Tränen,die mich quälen
Wer rettet mich und all die Seelen
Die Zeit vergeht- die Kraft die schwindet
Wo ist das Licht-das uns verbindet
In deinen Augen- möcht ich lesen,was uns beide trennt

Refrain: Selbst Engel weinen.....

Ich öffne dir mein Herz
Denn du befreist mich von Leid und Schmerz
Ich lass dich hinein
Denn du nimmst mir die Sorgen und wäschst sie rein
Nur du kennst meine Geschichte
Ebnest mir den Weg nachdem ich mich richte
Gibst meinem Leben einen Sinn
Und lässt mich sein,so wie ich's bin
So führe mich aus dieser Dunkelheit
Zeige mir den Weg,der mich befreit
Ich will doch nur ein zeichen von dir
Befrei' mich von all diesen Ketten hier
Die Zeit vergeht- die Kraft die schwindet
Wo ist das Licht- das uns verbindet
In deinen Augen- möcht ich lesen,was uns beide trennt


Als deine Kraft schwand und deine Wehwehchen immer stärker wurden, bekamst du einen schönen Platz in der Herde. Dort blühtest du auf, so sehr, dass ich dich noch 2x ritt, es dann aber ließ, da du sofort wieder deine alte Leistung bringen wolltest und mit früherer Kraft alles geben wolltest, was früher so leicht für dich war. Du warst ein lustiger Rentner und hattest auf der Wiese eine neue Liebe gefunden (Viktoria). Und dann noch das Moppelchen, die dich bis zum Schluss liebte und dich nie allein ließ, die du allerdings immer nur dann in deine Nähe ließest, wenn deine große Liebe Viktoria mal wieder unausgeglichen war.

Jetzt zum Schluss kam durch eine kleine Verletzung ein Einschuss und eine beginnende Blutvergiftung dazu. Durch Boxenruhe und 4x tägliche Behandlung war diese jedoch nach kurzer Zeit überwunden. Viktoria teilte deine Boxenruhe, wurde zwar immer unausstehlicher aber wollte auch nicht raus - obwohl sie doch trächtig ist. Dann kam der Spaziergang, der unser beider Leben veränderte. Du kamst 5 m weit, dann bist du gestolpert und konntest dich nicht mehr bewegen. Es wurde ein
schwerer Meniskusschaden diagnostiziert.
Kortison und Hyaluronsäure wurden in dein Knie gespritzt, du bekamst starke Schmerzmittel und konntest dennoch das Bein nicht aufsetzen. Matthias, Bernd, Sabine, Björn (sowie es ihm möglich war) und ich waren alle 3 Stunden bei dir, denn du durftest dich nicht legen.
Dann wurde die Kamera in deiner Box installiert und wir konnten dich via Internet rund um die Uhr beobachten. Trotzdem war Matthias 3x täglich bei dir, Sabine und Bernd kamen 2x täglich vorbei und ich leider seltener, da meine Anfahrt über 60km beträgt. 2x täglich bekamst du Schmerzmittel und vorsorglich 1x täglich ein Herz-Kreislaufmittel. Du wurdest eingedeckt und warm gehalten. Ich habe fast täglich eine Lymphdrainage gemacht.
Es ging dir immer besser und wir waren glücklich, als du dein krankes Bein endlich belastetest, denn das andere Bein ist ja von der alten Sehnengeschichte durchtrittig und war sicher müde. Du bist total eingefallen und der Muskelschwund war extrem. Trotz besonderer Einstreu (Heu satt, Stroh vorne und Späne hinten, damit dein Fuss sich nicht so hoch heben muss), dem besten Futter, fielst du hinten total zusammen. Der TA bekam fast täglich Raport, bis er dich selber per Internet überwachte (er war jeden Tag mind. 2 Std. eingeloggt).
Am Samstag dem 03.Januar dann ging es dir so gut, dass du dich gelegt hast um dich auszuruhen. Alle Aufstellversuche schlugen fehl. Selbst als wir dich mit einem Traktor hochzogen, hast du den Kopf hängen lassen und dich wieder fallen lassen. Nach 10 Stunden und mehreren Schlafphasen dann, hast du dich endlich mit einem Flaschenzug hinstellen lassen. du bist sofort zum Heu gelaufen und hast gefressen, obwohl du in den 10 Stunden auch gefressen, getrunken und Darmtätigkeit hattest. Viktoria und Moppelchen griffen bei jedem deiner Aufstellversuche an und wollten helfen. Du warst tapfer.
Gestern dann am 6. Januar hast du endlich dein krankes Bein nicht nur wieder belastet, sondern auch zum Laufen in deiner großen Laufbox eingeknickt. wir waren so glücklich.
Heute morgen um 7:09 Uhr hast du dich hingelegt. Nach kurzer Zeit wolltest du aufstehen und es gelang nicht. Moppelchen und Viktoria tobten und wollten dich immer wieder animieren. Um 9:00 Uhr waren wir alle da. du bekamst Schmerzmittel, Herz-Kreislaufmittel und Traubenzucker als deine Beine zitterten. Alle Aufstellversuche misslangen.
Wir hielten dich warm und du hast nochmal tief und fest geschlafen um Kraft zu tanken. Danach jedoch hast du alles verweigert (warum nur?). Kein Wasser, kein Futter, kein noch so gutes Leckerchen. Mit dem Kopf auf meinen Knien hast du jeden Aufstellversuch verwiegert. Die beiden Stuten wandten sich ab - was sie vorher noch nie getan hatten - sie wussten, dass du nicht mehr kannst oder willst. Wir ließen dich schlafen und versuchten es dann nochmals dich aufzustellen aber du hattest aufgegeben.
Der TA kam um 12 Uhr. Er sagte uns, was du mir schon lange mitteilen wolltest. Dein Bein wurde zwar langsam immer besser, aber deine Muskulatur konnte nicht mehr. Du hättest dich in immer kürzeren Abständen immer wieder legen müssen. Deine Kraft war am Ende und du wolltest nicht mehr kämpfen. Nicht für dich, nicht für deine Stute -deren Fohlen du jetzt nie mehr sehen wirst- nicht für Irgendjemanden, denn wir waren alle da (nur Björn und Sabine mussten arbeiten). Du hast das Strohbett unter deinem Hals und Kopf immer wieder beiseite geschoben und den Hals runterhängen lassen. Einmal hast du mich dabei angestöhnt um mir mitzuteilen, dass du nicht mehr kannst.
Um 12:35 Uhr hat dir der TA eine Vollnarkose gegeben, ich habe deinen Kopf gehalten und dich in den Schlaf gestreichelt. Träum schön mein Deejay, du solltest aus diesem Traum nicht mehr erwachen.
Als das T61 gespritzt wurde machtest du deinen letzten tiefen Atemzug mit dem das Leben aus deinem Körper entwich.
Keine Angst mein Schatz, ich habe dich noch weitergestreichelt, selbst als dein Herz aufhörte zu schlagen, denn vielleicht hat deine Seele noch auf deinen Körper herabgeblickt.
Bevor wir dich aus der Box holten, haben wir die anderen Pferde rausgebracht. Vikoria - die immer als erste rausdrängt - wollte ihre Box nicht verlassen. Sie griff Matthias an als dieser sie rausführen wollte. Erst nach mehreren Minuten verließ sie (die Cheffin) ihre Box. Mopelchen ging zu dir, stupste dich an und verabschiedete sich von dir, bevor sie dich verließ und den Anderen folgte. Daddeldu stupste deinen Hintern an und ging raus. Der Rest der Herde ging nicht zu dir - sie sind ja noch so jung und du bist friedlich eingeschlafen, außerdem warst du ja immer mit Viktoria oder Moppelchen drinnen, wenn sie rauskamen - sei ihnen nicht böse.
Wir haben dich übrigens nicht an den Hinterbeinen aus der Box gezogen, sonder dich vorsichtig in einem Netz zusammengebunden, damit auch dein Kopf nicht runterhängt. Du liegst jetzt in der Kälte unter einer Plane. Gute Nacht mein Schatz, dein Körper ist zwar mittlerweile gefrohren, aber deine Seele hat ihn verlassen (das habe ich gehört).
Ich bin glücklich dich erlösen zu können, was so machem Menschen verwehrt ist. Meine Tränen sind nur Selbstmittleid, denn du hast entschieden, dass deine Kraft und dein Wille nicht ausreichen und du lieber die Welt verlassen willst und über die Regenbogenbrücke gehen möchtest um die große Wiese zu erreichen, wo keine Schmerzen, keine Boxen und kein Leid dich erwarten.
Der Herr hat alle Geschöpfe geschaffen, er wird sich um alle seine Geschöpfe kümmern. Diese Kerze brennt für dich - leb wohl mein geliebter Schimmel. Wir vermissen dich so sehr und du uns hoffentlich nicht - nie wieder. Irgendwann einmal werden wir uns wiedersehen. Gemeinsam mit Aces Docs High, den beiden kleinen namenlosen Dingern (2 Totgeburten) und Anuschka und den vielen, vielen anderen, die dann schon deine Freunde sind.
 
07.01.2009
#1
A

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Guest

Hast du schon mal einen Blick in Pferde verstehen geworfen? Mit Achtung und Respekt Vertrauen zu deinem Pferd herzustellen, kann dir vielleicht helfen.
**Katha**

**Katha**

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Dein Geschriebenes hat mich sehr sehr berührt:(. Fühl dich gedrückt.
Ich weiß wie es ist ein Pferd zu verlieren, mein Isi-Wallach ist mit 6 Jahren viel zu früh von mir gegangen:(.

Komm gut über die Regenbogenbrücke Deejay und grüß Glamur von mir:(

Traurige Grüße
Katha
 
antigone4100

antigone4100

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Hi
Mir sind die Tränen gekommen.
Es tut mir total leid. fühl dich gedrückt.

Antigone
 
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