Wen die Muse küsst

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Mike1024

Mike1024

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Wen die Muse küsst

Die moderne Mikroelektronik beschert uns immer neue Wunder.
Wo sich vorher noch gigantische Kunststoffscheiben auf riesigen Plattentellern drehten, gibt es heute das unsichtbare Zauberwort mp3.
Und dem Einfallsreichtum überbezahlter Marketingstrategen ist es auch zu verdanken, dass wir die Genüsse früherer Zeiten in diesem mikrominiaturisiertem Format geniessen dürfen.
Sie haben nur nicht mit fellbesetzten Plattenjägern gerechnet.
*
Ich höre gern Musik.
Zu den Klängen von Pink Floyd und Abba kann man herrlich entspannen.
Leider war es aber nicht möglich, meine Plattensammlung, die im Laufe der Jahre immens angewachsen war, weiterhin anzuhören.
Die vom Plattenspieler produzierten Genüsse erinnerten immer mehr an ein quietschendes Scheunentor.
Was soll’s ich stelle sowieso seit längerem langsam auf die modernere Compact Disk um.
Ausserdem gibt es fast keine neuen Platten in Vinyl mehr.
Allerdings ergibt sich nach einiger Zeit ein organisatorisches Problem.
Einige Platten der Sammlung sind nicht auf CD erhältlich.
Nach intensiver Meditation finde ich einen gangbaren Ausweg.
Der besteht in der Anschaffung eines mp3-fähigen Plattenspielers.
Dieses ultimate Hitech-Gerät soll, unbestätigten Meldungen zufolge, tatsächlich in der Lage sein, die geliebten Oldies auf den heimischen Personal Computer zu übertragen.
Ich beschloss also, in Elektronikmarkt meines Vertrauens ein solches Gerät zu erwerben.
Zuhause angekommen ging’s erst mal an auspacken.
Nun ergab sich ein weiteres Problem: Wohin mit dem technischen Monstrum?
Aber was soll’s, es ist ja nur so lange, bis die Platten überspielt sind.
Also kommt’s auf den Wohnzimmertisch und wird verkabelt.
Die beigelegte Anleitung brauche ich nicht, die ist sowieso auf Kishuaheli oder einer anderen mir nicht geläufigen Sprache.
Dann kommt die Stunde der Wahrheit.
Vorsichtig den wertvollen Tonträger auflegen.
Miezka schaut derweil dem Treiben interessiert zu.
Alles ist eingestellt, es kann losgehen.
Sanft durchwogen die zarten Klänge einer amerikanischen Rockband meine Räumlichkeiten.
Miezka hat alles beschnuppert und sich dann dezent in ihre Katzenhöhle zurückgezogen, von wo aus sie das Treiben beobachten kann.
Nun ist es ja so, dass die moderne Computertechnologie mit einer Geschwindigkeit arbeitet, welche diejenige eines Michael Schuhmachers bei weitem übertrifft.
Nur die urtümlichen Monsterplattenspieler bremsen mit ihrer Steinzeittechnik den modernen Kabelsalat auf brutalste Weise aus.
Will heissen, die Sache wird einige Zeit dauern.
Also habe ich Muse, mir ein Buch vorzunehmen.
Ich mach mir’s also gemütlich und vertiefe mich in Stanislav Lem’s literarische Ergüsse.
Wie ich gerade an der Stelle bin, an der jener berüchtigte Planet namens Matrizius Löcherlich verhaftet werden soll, gerät die Bassdrum des Musikstückes aus dem Takt.
Neu gekauft und schon ein Garantiefall!
Die gehören verklagt!
Aber die dissonanten Töne haben eine andere Ursache.
Miezka, angelockt vom Geschehen auf dem Tisch, inspiziert die rotierende Scheibe intensiv.
Da die keine Anstalten macht, ihre Karussellfahrten zu beenden, wird eben nachgeholfen.
So ein Pfotendruck bewirkt schon eine gewisse Abbremsung des Geschehens.
Nur nimmt erstaunlicherweise die Maschine ihre Umdrehungen wieder auf, wenn die Pfote entfernt ist.
Also noch mal.
Und noch mal.
Gelobt sei Dosi, er hat ein neues Spielzeug angeschafft.
Dosi ist aber not amused über diese eigenwillige Musikinterpretation.
Miezka wird sanft hochgehoben, bekommt einige Streicheleinheiten und wird zu Katzenkörbchen getragen.
Miau!
Ich vertiefe mich wieder in „Die Waschmaschinentragödie“.
Gerade wird darüber debattiert, ob man einen Planeten verhaften kann, als wieder etwas unrhythmisches aus den Boxen tönt.
Miezka drückt wieder ihr musikalisches Missfallen aus.
Kurzzeitig läuft der Plattenteller auch mal ein Stück rückwärts.
Dieses; scratchen genannte Verfahren, ist in einschlägigen Musikerkreisen sehr beliebt.
Wahrscheinlich steht Miezka mehr auf Techno, Hipp-Hop oder so.
Nur sind wertvolle Sammlerplatten dazu wenig geeignet.
Der Plattenspieler kommt also in einen stabilen, verschlossenen Karton, wo er weiter gleichmässig vor sich hinrotiert.
Miezka jedenfalls sitzt vor dem Karton und denkt sich eine neue Strategie für den nächsten Musikgenuss aus.
Ein richtiges Supertalent.
Sie stellt womöglich Überlegungen über eine Karriere in der Musikerszene an.
Soll sie, ich werde sowieso demnächst mit ihr bei Dieter Bohlen vorstellig werden.
 
19.01.2009
#1
A

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Abbey

Abbey

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Ich liebe deine Geschichten! :D

Habe jetzt alle gelesen und finde sie absolut witzig, spannend und super erzählt! Ich kugel mich immer vor Lachen! :mrgreen:

Bitte erzähl weiter von Miezka dem Supertalent! :clap:
 
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