Ratten und die frische Luft

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Nienor

Nienor

04.11.2008
17.435
6
Ratten und die frische Luft


Aus gegebenem Anlass werde ich mal die wichtigsten Punkte zum Thema „Ratten mit nach draussen nehmen“ zusammenfassen.


Atemwegserkrankungen und Parasiten


Grundsaetzlich sind Ratten sehr empfindliche Tiere, die schon bei einem kleinen Windzug eine Atemwegserkrankung bekommen koennen. Diese ist auch nicht schnell gegessen, sondern muss mit Antibiotikum behandelt werden, da sich eine Lungenentzuendung leicht aus einem kleinen Schnupfen entwickeln kann, an der die Ratte unbehandelt sterben kann. Darauf ist schon bei reiner Heimtierhaltung zu achten.
Nimmt man die Ratte mit nach draussen, ist sie dem Klima und den Winden ausgesetzt. Zusaetzlich kommt sie mit viel mehr Pathogenen in Kontakt als in der Wohnung. Ratten koennen sich beim Menschen anstecken. Wie sicher kann man sich sein, dass man auf einem Spaziergang draussen keinem Menschen mit Schnupfen begegnet ? Zudem haben Ratten kein Winterfell und sind somit Kaelte nahezu schutzlos ausgesetzt – da wuerde sich auch jeder Mensch eine Erkaeltung holen.
Von Hund und Katze weiss man, dass sie sich draussen Floehe, Zecken und sogar Milben holen koennen. Oft wird bei ihnen „vorbeugend“ mit Spot ons gearbeitet, sodass sich der Befall in Grenzen haelt. Ratten behandelt man nicht vorbeugend. Wenn eine Ratte von Parasiten befallen ist, muss das ganze Rudel behandelt und der Kaefig gruendlich desinfiziert werden – und das mehrmals. Das ist purer Stress fuer die Tiere. Warum soll man die Tiere der Gefahr eines Parasitenbefalls aussetzen und dann sie behandeln muessen, wenn es nicht sein muss ? Natuerlich kann man sich zB auch ueber Heu etc. Parasiten einschleppen, aber das kann man vorher einige
Tage einfrieren (wenn man es ueberhaupt verwenden moechte). Die Ratte, die von draussen potentiell Parasiten mit nach Hause bringt, kann man nicht vorsorglich mal einfrieren, das Rudel nicht zu gefaehrden.


Fressfeinde und andere Menschen

Hinter der Haustuer warten jede Menge Feinde auf eine Ratte. Hunde, Katzen, Raubvoegel, andere Ratten. Man kann eine Ratte nicht vor allen beschuetzen. Wenn sich eine Ratte, warum auch immer erschrickt, oder man wird angeraempelt und die Ratte fluechtet oder faellt runter, ist sie allen Feinden der Aussenwelt nahezu schutzlos ausgesetzt. Eine veraengstigte Ratte in einer ihr vollkommen unbekannten Umgebung versucht sich zu verstecken, und hoert schon gar nicht auf den Besitzer. Wenn sie so durch Gegend irrt, ist ein Einfangen meist unmoeglich und sie ist fuer Hunde und die anderen Raeuber sehr interessant. Auch wenn sie sich irgendwo verkriecht und auf andere Ratten trifft, ist das keinesfalls ein Glueckstreffer: Ratten dulden keine Eindringlinge in ihrem Revier, die Ratte wird verbissen und eventuell getoetet, wenn sie nicht fluechtet. Auf der Flucht kann die Ratte ebenfalls Opfer des Strassenverkehrs werden, wie jedes andere Tier auch.
Auch wenn man denkt, meine Ratte haut nicht ab, schon das Abbild eines Raubfeindes kann die Ratte so in Panik versetzen, dass sie einfach nur fluechtet. Und brav auf der Schulter sitzende Ratten sind nicht sicher: Ich habe von einem Fall gehoert, da sassen Rattenbesitzer auf einer Bank und wurden vom eigenen Hund angefallen, der die Ratten toetete. Sowas muss doch wirklich nicht sein.
In vielen Umgebungen sind Ratten sogar so sehr verpoent, dass die Polizei gerufen wird, wenn man sie mitbringt, ich denke da an Lebensmittellaeden. Ausserdem gibt es genug „Rattenhasser“ da draussen, die den Tieren ernsthaften Schaden zufuegen koennen. Auch ein zufaelliger Anrempler in einer Menschenmenge kann zu ernsthaften Verletzungen bei der Ratte fuehren.


Abwechslung vs. natuerliches Verhalten

Ratten sind sehr revierbezogene Tiere. In ihrem Revier und nur dort fuehlen sie sich sicher. In fremder Umgebung stehen sie unter Stress und versuchen sich zu verstecken. Obwohl Ratten sehr neugierig sind und ihre Umgebung gern erkunden, sind sie auch sehr neophob, fuer ein Tier recht weit unten in der Nahrungskette keine schlechte Eigenschaft. Ratten haben Angst vor neuen Dingen. In ihrem angetrauten Revier werden neue Dinge oft schnell und neugierig betrachtet, denn dort fuehlen sie sich sicher. Draussen werden sie von „Abwechslung“ geradezu bombardiert : neue Gerauche, neue Gerueche, eine neue Umgebung. Dort haben sie kein sicheres Revier, in das sie sich zurueckziehen koennen und von dem aus sie alles erkunden koennen, es ist einfach purer Stress fuers Tier. Und Stress macht Tiere krankheitsanfaellig oder laesst sich in Panik fluechten, wenn nur ein Reiz zuviel auf sie einstroemt.
Wilde Ratten leben auch nicht draussen auf Wiesen und Feldern. Die Wanderratte, von der unsere farbigen Hausgenossen abstammen, lebt auch geschuetzt in Haeusern und der Kanalisation, was ihr den schlechten Ruf eingebracht hat. Keine Ratte wuerde ihr Nest auf freier Wiese oder gar im Schnee bauen, sondern zB in einen Mauerspalt, da es dort sicher vor Frost und Feinden ist. Und schon gar nicht wuerde sich eine Ratte laenger als noetig unter freiem Himmel aufhalten, da dort Fressfeinde lauern.
Zudem, was soll das fuer eine Abwechslung sein ? Ratten sehen sehr schlecht und erkennen Gegenstaende nur auf wenige Dezimeter richtig. Zudem ist das Sonnenlicht viel zu hell fuer die empfindlichen Augen und man stoert den Biorhythmus der Tiere, was ein weiterer Stressfaktor ist. Auch Nachts ist es nicht viel besser, helle Neonreklame blendet die Tiere ebenfalls und es ist meist kaelter und man als Mensch kann Gefahren schlechter wahrnehmen als die Ratte, die dann unerfahrtet fluechten kann und ueber alle Berge verschwindet.


Leinen bergen mehr Gefahr als Nutzen

Auch Leinen bieten keinen Schutz, denn sobald die Ratte draussen ist, ist Raeuberdruck da. Und auch die Leine hindert sie nicht am Runterspringen, wo sie potentiell greifbar fuer zB Hunde ist, sondern man kann sie lediglich aufhalten, wegzulaufen. Aber ein Geschirr kann man Ratten schlecht anpassen, oft sind sie zu locker, dass die Ratten sie abstreifen koennen, oder zu eng, dass die Tiere Panik bekommen oder gar die Atmung eingeschraenkt ist. Zusaetzlich besteht die Gefahr, dass sich die Ratte dank Leine erdrosselt. Und die Gefahr, die von Parasiten, Krankheiten und Menschen ausgeht, kann eine Leine schon lange nicht mindern.


Kurz : Es lauern eigentlich nur Gefahren und Stress hinter der Haustuer fuer unsere Ratten, daher ist es als Tierquaelerei einzustufen, die Tiere mit nach draussen zu nehmen. Aus Tierschutzgruenden ist somit jedes unnoetige Verlassen der Wohnung mit Ratten zu unterlassen. Ausnahmen bilden Tierarztbesuche oder ein Umzug. In solchen Faellen muss die Ratte gut verpackt – warm und luftzugsicher – in einer genuegend groessen und ausreichend ausgestatteten Tranportbox –Handtuecher, evtl Waermekissen, Gurke zum Knabbern und zur Wasseraufnahme – transportiert werden.

 
06.05.2009
#1
A

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Guest

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snoopybunny

snoopybunny

16.05.2008
537
0
:clap::clap::clap:
Das hast Du super gemacht!
:clap::clap::clap:
LG Alex
 
Rattifatz

Rattifatz

07.08.2009
43
0
Ratten brauchen zwar frische Luft,
trotzdem sollte man sie nicht mit nach draußen nehmen!!!!
 
xsofiixx

xsofiixx

07.09.2009
1.414
0
Aber wie machen das dann "streunende ratten"? haben die etwa ein besseres imunsystem ?
 
Clarissa

Clarissa

21.05.2008
1.333
0
Streunende Farbratten werden meist sehr krank gefunden,Wildratten sind daran gewöhnt draussen zu leben.
 
LucyuEasy1988

LucyuEasy1988

13.07.2009
75
0
sehr gut gemacht :clap::clap::clap:
kann man aber die ratten auf den balkon ab und zu mal hinstellen 8ich wohne im 4.OG)
 
Nienor

Nienor

04.11.2008
17.435
6
Balkon ist auch draussen, da kann Wind wehen und die Suessen bekommen einen Zug und werden krank .. Zudem scheint die Sonne und direktes Sonnenlicht ist auch nicht gut fuer die Suessen, vor allem nicht fuer Erdbeeraeuglein .. Ratten gehoeren IN die Wohnung, nicht in den Garten, auf den Balkon oder auf die Strasse und nur zum Tierarztbesuch oder Umzug in einer gesicherten Transportbox nach draussen ..
 
Chipi

Chipi

26.10.2006
11.025
0
Vor allem hätten die Ratten auch keinen Spaß daran - sie schlafen tagsüber, da wäre es für sie nur störend, herumgetragen zu werden. Bau ihnen einen interessanten Auslauf in der Wohnung, damit haben deine Ratten viel mehr Spaß, und du riskierst nicht, daß sie krank werden.
 
E

Emiko

25.05.2010
46
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Hallo,
ich bin ein absoluter Gegner davon, dass man seine Haustiere, die eigentlich in den Käfig und in den sicheren Auslauf gehören mit nach draußen nimmt.

Eine kleine Geschichte zur Verdeutlichung, das ist tatsächlich in der Woche vor den Pfingstferien passiert:


ich möchte euch erzählen, was damals bei uns im Lehrerzimmer los war.

Die zunächst lustige Vorgeschichte:

Ich kam Montag ins Lehrerzimmer und ein paar Lehrerinnen standen hysterisch kreischend auf den Tischen und Stühlen! Ich dachte zu erst an einen Bombenalarm oder so.... aber nein .... wir hatten Besuch von einer kleinen süßen Maus :D

Ich hab gesagt, "Ooh mein Gott stellt euch nicht so an! Ich fang die Maus! Das ist ja gräßlich, wie erwachsene Leute sich anstellen! Ist ja schließlich nur eine Maus und keine Spinne ;)"

Ein paar beherzte Kollegen und Kolleginnen und ich haben also versucht, die Maus zu fangen: mit Plastikboxen, Jacken ... aber leider ohne Erfolg. Irgendwann kam die Schulleiterin ins Lehrerzimmer die wohl dachte: "Jetzt sind sie alle reif für die Klapse" Lehrer auf den Tischen, unter den Tischen, Tische und Stühle verrückend, kreischend... lachend, schimpfend.... !: Irgendwann kroch die Schulleiterin selbst auf dem Boden herum, und half, die Maus einzufangen.

Was mich von Anfang an stutzig machte:
Die Maus hatte riesige Füße und ist gesprungen wie ein Känguru. Machen das unsere normalen Mäuse? Es war keine normale Feld- oder Spitzmaus, ich weiß, wie die aussehen! Diese hier war aber dunkelgrau/braun. Ich hatte den Verdacht, dass es eine Wüstenspringmaus ist, die vielleicht irgendein Kind mitgebracht und verloren oder ausgesetzt hat!

Leider ist die Maus hinter unserem 5 m langen Schrank verschwunden. Ich habe meinen Kollegen gesagt, wer die Maus umbringt kriegt Ärger mit mir! Man hat mir versprochen, sie lebend zu fangen. Ich war mir sicher: Es IST eine Wüstenspringmaus, und wenn wir sie fangen, will ich sie ins Tierheim bringen.

Das leider nicht lustige Ende der Geschichte:
Ein Lehrer berichtete, die Maus sei raus in den Innenhof gerannt. Einige Schüler standen im Innenhof und bauten neue Parksitzbänke. Plötzlich schrie alles auf, einer sah etwas huschen und ein Schüler trat völlig unbeabsichtigt auf die Maus! Die Maus war auf der Stelle tot. Vielleicht auch besser so, denn im Lehrerzimmer wäre sie irgendwann elend verhungert.

Einen Tag später stand ein heulendes Mädchen vorm Lehrerzimmer und machte uns Vorwürfe, wir hätten ihre Maus umgebracht! :eusa_doh:

Sie hat ihre Maus ganz alleine umgebracht, weil sie sie in die Schule mitgebracht hat! So sieht's nämlich aus!

-> Mäuse, Ratten usw. haben draußen und in der Schule nichts verloren! Sie gehören in den Käfig und falls nötig in einen sicheren Auslauf in der Wohnung. Es sind Lebewesen, die ihre Ruhe brauchen und nicht wie Spielzeug durch die Gegend geschleppt werden wollen.

Lieben Gruß,
Emiko
 
Hamster_Lover

Hamster_Lover

18.11.2009
895
0
Tja es giebt halt blöde Leute! Ist doch wirklich wahr! Ein Mädchen auf unserer Schule hatt ihre Ratte auch im Zug verloren! Sowas finde ich schrecklich!
 
Piraja

Piraja

23.10.2009
2.361
0
Das ist echt unverantwortlich.. :?

In unserer Nachbarschaft lebte damals (vor einigen Jahren) ein Mann,
der mit seinen beiden Ratten in der Jackentasche spazieren
gegangen ist.
Eines Tages berichtete er, dass er die eine Ratte dabei verloren
hatte, da sie aus Schreck vor einem Hund panisch aus der Tasche gesprungen sei...

Ein gesicherter und abwechslungsreicher Auslauf ist neben einem großen Käfig alles,
was eine Ratte braucht. Eine Ratte, die als Haustier gehalten wird, sollte auch
ein Haustier bleiben!
 
Sangria

Sangria

27.05.2010
2
0
Oo

Jetz, da ich das hier lese, bekomme ich ein zeimlich schlechtes Gewissen..:?..

Ich habe meine ratte des oefteren mit in die Schule genommen und auch sehr oft mit nach draußen, wenn ich mal kurz einkaufen gegangen bin oder sowas...
Haette nie gedacht, dass das so schlimm ist...:?

Aber ich werd das jetz lassen... x___x
Will ja nich, dass mein kleiner Liebling meinetwegen krank wird oder ich sie verliere!! :eusa_doh:

Ich danke euch seeeeehr fuer diesen Beitrag!!!!
 
E

Emiko

25.05.2010
46
0
Oh wie schön, dass jemand nicht ganz lern- und kritikresistent ist! Manchmal tut man Dinge, ganz ohne böse Absichten. Schön, dass du das in Zukunft unterlassen willst! Damit tust du deinen Ratten einen sehr großen Gefallen!
 
Sangria

Sangria

27.05.2010
2
0
Ich will ja nich, dass meinem geliebten Tierchen irgendwas passiert!

Ich mach mir ja schon sorgen, dass sie unterm Bett fuer immer verschwindet, wenn ich sie im Zimmer rumlaufen lasse... xD
 
L

luline

26.06.2011
14
0
schöner beitrag:D
ich würde auf das hören..meine kusine hat ihre ratte auch dadurch verloren..sie hat sie heimlich mitgenomen ohne das meine tante oder ich etwas von dem gemerkt hhätten.
jedenfalls ..tja...als ichs gemerkt war war es schon zu spät.
wir waren auf dem spielplatz und suchten noch eine halbe stunde gabens dan vergebens auf.
Leider hat sie nichts daraus gelernt und machts noch immer...

lg.luline
 
P

PollyundDaisy

13.12.2011
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0
Zu dem Thema habe ich eine Frage an euch. Meine Ratten werden nicht Grundlos mit nach draußen genommen, dennoch lässt es sich nicht vermeiden meine Ratten alle zwei bis drei Monate (in diesen Zeitabständen fahre ich nach Hause) zu transportieren. Wir leben in einer WG und wenn es nicht anders geht und keiner meiner Mitbewohner da ist muss ich eben die Rattenmädchen mitnehmen. Ich versuche sie so angenehm wie möglich zu transportieren, nur nachts und in einer gut verpackten Transportbox. Bei meinen Eltern haben sie einen großen Rattenkäfig mit ihnen bekannten Dingen. Ihr Kuscheltuch, welches sie zum Schlafen in der Hängematte haben fährt auch immer mit. Sollte ich noch etwas beachten? Ich möchte wie jeder andere Halter auch, dass es meinen Ratten gut geht und es an Nichts fehlt.
Haltet ihr das für vertretbar?

LG die Mama von Polly und Daisy
 
Nienor

Nienor

04.11.2008
17.435
6
Huhu,

alle 2-3 Monate ist zwar recht haeufig, aber wenn sie gut verpackt sind und sich schnell eingewoehnen (eventuell geht es bei anderen Tieren spaeter nicht mehr, die weit stressanfaelliger sind, damit musst du rechnen), ist das vertretbar, wenn es laenger als nur 2-3 Tage ist und sonst niemand nach ihnen schauen kann.
Es sollte aber immer zuerst versucht werden, eine Betreuung vor Ort zu finden, denn es ist jedesmal Stress, wenn die Tiere ihr Revier tauschen.
 
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