- Der Wuschel-Puschel-Welpe oder Wie man Hunde (nicht) erzieht Beitrag #1
Lilly Leindy
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Und hier, pünktlich zur Weihnachtszeit, eine neue Tiergeschichte für euch, die zeigt, wie eine Nichterziehung sich auf den Hund auswirkt. Leider wird es nämlich auch in diesem Jahr wieder viele lebendige Tiere unter dem Weihnachtsbaum geben. Trotz allem: Euch und euren Tieren ein wunderschönes, besinnliches Weihnachtsfest! Eure Lilly
P.S.: Vielleicht druckt ihr euch das einfach aus, die Story ist nämlich relativ lang.:angel:
Und hier die Geschichte:
Der Wuschel-Puschel-Welpe
oder
Wie man Hunde (nicht) erzieht
Der Wuschel-Puschel-Welpe war niedlich, wie Welpen nun einmal so sind. Seine Geschwister waren auch niedlich, aber das wusste der Wuschel-Puschel-Welpe nicht. Er wusste nicht einmal, dass er ein unglaublich weiches, weißbraunes Fell und süße, dicke Pfötchen hatte, die Kinderaugen zum Leuchten und Erwachsenenlippen zum Lächeln brachten. Und er wusste nicht, dass sein Vater etwas war, was man einen Herdenschutzhund nennt. Aber das war ihm, ehrlich gesagt, auch egal. Er dachte nicht darüber nach, ob die Menschen ihn so mochten, wie er war. Er dachte nicht darüber nach, ob er niedlich war, oder weich, oder süß. Eigentlich dachte er den ganzen Tag nur an das Eine: ans Schlafen. Und wenn er genug geschlafen hatte, dachte er ans Milchschlabbern. Wenn er genug Milch geschlabbert hatte, schlief er wieder. So lief das eine ganze Zeit lang, bis der Wuschel-Puschel-Welpe das Sehen und das Hören entdeckte. Und irgendwann, da wurde ihm die Wurfkiste einfach zu langweilig. Er wollte mehr von der Welt sehen (zumindest mehr von diesem Raum J), den Horizont erreichen und dann…dann wollte er wieder schlafen und Milch schlabbern.
Als der Raum ausgiebig erkundet war, wollte der Wuschel-Puschel-Welpe noch mehr erleben. Er wollte wissen, was sich hinter der Tür befand. Die Tür, durch die die Menschen immer wieder verschwanden und sagten: „Nein, Wuschel-Puschel, du bleibst hier!“ Manchmal durfte auch die Mutter vom Wuschel-Puschel-Welpen durch die Türe gehen. Und wenn sie wiederkam, dann roch sie nach aufregenden Sachen, nach der weiten, großen, wunderbaren Welt, die da draußen nur auf sie alle zu warten schien. Die anderen Welpen fanden den Geruch nicht so aufregend. Sie drängelten und rangelten um die beste Zitze und die köstliche Milch. Der Wuschel-Puschel-Welpe aber atmete das ein, was so toll nach Abenteuer roch und nahm sich dabei ganz fest vor, dies alles einmal selbst zu erleben.
Bald kamen oft mehrere Menschen in den Raum. Sie putzen sich die Schuhe auf einer Matte ab und verfielen dann in eine Sprache, die man benutzt, wenn man mit einem Baby redet. Der Wuschel-Puschel-Welpe verstand zwar die Worte nicht, doch er war sich sicher, dass sie nur Gutes bedeuten würden. Und schon bald war er immer der Erste, der den Besuch begrüßte. Am Tollsten war es, wenn Kinder dabei waren. Mit Kindern konnte der Wuschel-Puschel-Welpe nämlich großartig herumtollen und man konnte mit ihnen rangeln und kämpfen und spielen, noch viel, viel besser als mit den Geschwistern. Der vertraute Geruch der Mutter wurde schwächer und uninteressanter und der Geruch der Menschen spannender und aufregender. Sie rochen so sehr nach Abenteuer, dass der Wuschel-Puschel-Welpe ganz an ihnen hochklettern musste, um alles riechen zu können.
Eines Tages kamen wieder Menschen, die nach Abenteuer und Spannung, nach Aufregung und Freude rochen. Sie waren schon oft da gewesen, daran erinnerte der Wuschel-Puschel-Welpe sich. Und waren es nicht die, die ihm immer heimlich die tollsten Leckerlis zugesteckt hatten? Die, mit denen man am besten rangeln und am schönsten kuscheln konnte? „Wie nur“, dachte der Wuschel-Puschel-Welpe. „Wie nur kann ich ihnen meine Freude zeigen?“ So lief er auf sie zu, knabberte zärtlich am Hosenbein des ganz großen Menschen, hüpfte im Kreis und versuchte wahrhaft zu tanzen. Er imitierte das Bellen seiner Mutter (das aus seinem Mund eher wie ein schrilles Kläffen klang), jaulte wie ein Wolf (zumindest stellte er sich vor, dass ein Wolf so jaulen würde) und machte dann vor lauter Aufregung eine Pfütze.
Aber irgendwas, das spürte der Wuschel-Puschel-Welpe, war dieses Mal anders. Eine ganz winzige Stimmungsschwankung, die die Menschen um ihn herum veränderte. Beinahe so, als würden sie ihn dieses Mal mitnehmen wollen. Der Wuschel-Puschel-Welpe rang mit sich selbst. War es nicht doch sicherer und wärmer, bei der Mutter? Vielleicht war er für das ganz, ganz große Abenteuer noch ein ganz, ganz winziges Bisschen zu klein.
Die Mensch, der nicht ganz so groß war wie der Größte, und nicht ganz so klein wie die beiden Kleinsten, sprach beruhigend auf ihn ein und hob ihn hoch. Da wusste der Wuschel-Puschel-Welpe plötzlich, dass sein großes Abenteuer in eben diesem Moment begonnen hatte. Die Kinder hüpften um ihre Mutter herum und stritten sich darum, wer das neue Haustier auf den Arm nehmen dürfte. Das kleine Herz vom Wuschel-Puschel-Welpen schlug ganz schnell, aber ganz leise. Vorsichtig lugte er auf den Boden hinab. Verdutzt und aufgeregt blickten seine Geschwister zurück. „Jawohl!“, dachte der Wuschel-Puschel-Welpe und versuchte angestrengt, das Gesicht eines erfahrenen Weltreisenden zu machen. „Jawohl, ich bin der erste, der nach draußen darf, in die große, weite Welt!“
Aber bald schon musste der Wuschel-Puschel-Welpe erkennen, dass die große, weite Welt gar nicht so groß war, wie er gedacht hatte. Zumindest durfte er nicht so viel davon sehen, dass es ihm genügt hätte. Dem Wuschel-Puschel-Welpen war eigentlich nichts genug. Hatte er gerade ein neues Abenteuer erlebt, war er schon auf der ungeduldigen Suche nach dem nächsten.
Zweimal am Tag durfte der Wuschel-Puschel-Welpe im Park auf der großen Spielwiese mit vielen anderen Hunden herumbalgen. Große und kleine, lang- und kurzhaarige, dicke und dünne, alte und junge Hunde. Schon längst hatte er den kleinen Raum vergessen, in dem er seine ersten Lebenswochen verbracht hatte. Hier draußen wartete schließlich stets ein neues Abenteuer. Aber immer dann, wenn das Spiel gerade am Schönsten war oder wenn das Gras am Aufregendsten roch, wurde der Wuschel-Puschel-Welpe gerufen und angeleint. Dann ging es zurück nach Hause. Es dauerte gar nicht lange, bis der Wuschel-Puschel-Welpe den Zusammenhang begriffen hatte. Immer, wenn er gehorchte, wurde er dadurch bestraft, dass das Spiel beendet wurde. Das wollte ihm ganz und gar nicht gefallen. Also beschloss er, das Rufen seiner Besitzer zu ignorieren und einfach weiterzuspielen. Er tat, als würde er ihr Locken und Schimpfen, ihr Drängen und Mit-Leckerlis-Bestechen einfach nicht hören. Wenn sie dann über die Wiese gelaufen kamen und ihn einzufangen versuchten, begann überhaupt erst das tollste Spiel. Dann sauste der Wuschel-Puschel-Welpe in immer größer werdenden Kreisen um seine Menschen herum und tobte so lange, bis er müde wurde.
Abends lag der Wuschel-Puschel-Welpe auf seinem großen Lieblingssessel und träumte von saftigen Knochen, von weiten Wiesen und von vielen, vielen anderen Hunden. Dann war er zufrieden mit sich und der Welt. Eines Tages jedoch wollte sich eines der Kinder zu dem weichen Wuschel-Puschel-Welpen setzen. Das fand er jedoch gar nicht so gut. Schließlich war dies sein Sessel und den hatte ihm bisher noch niemand streitig gemacht. Vorsichtig ließ er ein leises Knurren hören. „Geh weg.“, versuchte er zu sagen. „Das ist mein Platz.“ Das Kind wich zurück. Am nächsten Tag knurrte der Wuschel-Puschel-Welpe etwas lauter. Er meinte es ja nicht böse. Schon bald genügte ein ganz kleines Grollen und man machte einen großen Bogen um ihn.
An der Leine laufen war ein Thema, das dem Wuschel-Puschel-Welpen besonders gut gefiel. Es machte herrlichen Spaß, Herrchen oder Frauchen hinter sich herzuziehen. Einige Male versuchten sie doch tatsächlich, ihm das Ziehen auszureden, aber sie gaben so schnell auf, dass er einfach voller Freude weitermachte. Er wusste ja nicht, dass es falsch war, was er tat. Er wusste nur, dass man es ihm nicht mehr verbot.
Wenn sie beim Spazierengehen auf andere Hunde trafen, wollte der Wuschel-Puschel-Welpe natürlich mit ihnen spielen. Und weil er ja nicht auf seine Besitzer hörte, ließen sie ihn nicht von der Leine. Das gefiel dem Wuschel-Puschel-Welpen überhaupt nicht und bald schon gelang es ihm in Sekundenschnelle, seinen Kopf aus dem Halsband zu ziehen. Dann lief er auf die anderen Hunde zu und biss sie spielerisch in die Pfoten. Das Rufen seiner Besitzer hörte er nicht einmal mehr. Es bedeutete ja sowieso nur, dass er zurück an die Leine müsste und das schöne Spiel beendet wäre. Also riss der Wuschel-Puschel-Welpe sich so oft los, bis er an einen Hund geriet, der keine Artgenossen leiden mochte. Der Kleine wusste gar nicht, wie ihm geschah. Hatte er etwa irgendwas falsch gemacht? „Seltsam!“, dachte er, als der Tierarzt seine Wunde mit zwei Klammern versah. „Wirklich seltsam. Was habe ich denn falsch gemacht?“
P.S.: Vielleicht druckt ihr euch das einfach aus, die Story ist nämlich relativ lang.:angel:
Und hier die Geschichte:
Der Wuschel-Puschel-Welpe
oder
Wie man Hunde (nicht) erzieht
Der Wuschel-Puschel-Welpe war niedlich, wie Welpen nun einmal so sind. Seine Geschwister waren auch niedlich, aber das wusste der Wuschel-Puschel-Welpe nicht. Er wusste nicht einmal, dass er ein unglaublich weiches, weißbraunes Fell und süße, dicke Pfötchen hatte, die Kinderaugen zum Leuchten und Erwachsenenlippen zum Lächeln brachten. Und er wusste nicht, dass sein Vater etwas war, was man einen Herdenschutzhund nennt. Aber das war ihm, ehrlich gesagt, auch egal. Er dachte nicht darüber nach, ob die Menschen ihn so mochten, wie er war. Er dachte nicht darüber nach, ob er niedlich war, oder weich, oder süß. Eigentlich dachte er den ganzen Tag nur an das Eine: ans Schlafen. Und wenn er genug geschlafen hatte, dachte er ans Milchschlabbern. Wenn er genug Milch geschlabbert hatte, schlief er wieder. So lief das eine ganze Zeit lang, bis der Wuschel-Puschel-Welpe das Sehen und das Hören entdeckte. Und irgendwann, da wurde ihm die Wurfkiste einfach zu langweilig. Er wollte mehr von der Welt sehen (zumindest mehr von diesem Raum J), den Horizont erreichen und dann…dann wollte er wieder schlafen und Milch schlabbern.
Als der Raum ausgiebig erkundet war, wollte der Wuschel-Puschel-Welpe noch mehr erleben. Er wollte wissen, was sich hinter der Tür befand. Die Tür, durch die die Menschen immer wieder verschwanden und sagten: „Nein, Wuschel-Puschel, du bleibst hier!“ Manchmal durfte auch die Mutter vom Wuschel-Puschel-Welpen durch die Türe gehen. Und wenn sie wiederkam, dann roch sie nach aufregenden Sachen, nach der weiten, großen, wunderbaren Welt, die da draußen nur auf sie alle zu warten schien. Die anderen Welpen fanden den Geruch nicht so aufregend. Sie drängelten und rangelten um die beste Zitze und die köstliche Milch. Der Wuschel-Puschel-Welpe aber atmete das ein, was so toll nach Abenteuer roch und nahm sich dabei ganz fest vor, dies alles einmal selbst zu erleben.
Bald kamen oft mehrere Menschen in den Raum. Sie putzen sich die Schuhe auf einer Matte ab und verfielen dann in eine Sprache, die man benutzt, wenn man mit einem Baby redet. Der Wuschel-Puschel-Welpe verstand zwar die Worte nicht, doch er war sich sicher, dass sie nur Gutes bedeuten würden. Und schon bald war er immer der Erste, der den Besuch begrüßte. Am Tollsten war es, wenn Kinder dabei waren. Mit Kindern konnte der Wuschel-Puschel-Welpe nämlich großartig herumtollen und man konnte mit ihnen rangeln und kämpfen und spielen, noch viel, viel besser als mit den Geschwistern. Der vertraute Geruch der Mutter wurde schwächer und uninteressanter und der Geruch der Menschen spannender und aufregender. Sie rochen so sehr nach Abenteuer, dass der Wuschel-Puschel-Welpe ganz an ihnen hochklettern musste, um alles riechen zu können.
Eines Tages kamen wieder Menschen, die nach Abenteuer und Spannung, nach Aufregung und Freude rochen. Sie waren schon oft da gewesen, daran erinnerte der Wuschel-Puschel-Welpe sich. Und waren es nicht die, die ihm immer heimlich die tollsten Leckerlis zugesteckt hatten? Die, mit denen man am besten rangeln und am schönsten kuscheln konnte? „Wie nur“, dachte der Wuschel-Puschel-Welpe. „Wie nur kann ich ihnen meine Freude zeigen?“ So lief er auf sie zu, knabberte zärtlich am Hosenbein des ganz großen Menschen, hüpfte im Kreis und versuchte wahrhaft zu tanzen. Er imitierte das Bellen seiner Mutter (das aus seinem Mund eher wie ein schrilles Kläffen klang), jaulte wie ein Wolf (zumindest stellte er sich vor, dass ein Wolf so jaulen würde) und machte dann vor lauter Aufregung eine Pfütze.
Aber irgendwas, das spürte der Wuschel-Puschel-Welpe, war dieses Mal anders. Eine ganz winzige Stimmungsschwankung, die die Menschen um ihn herum veränderte. Beinahe so, als würden sie ihn dieses Mal mitnehmen wollen. Der Wuschel-Puschel-Welpe rang mit sich selbst. War es nicht doch sicherer und wärmer, bei der Mutter? Vielleicht war er für das ganz, ganz große Abenteuer noch ein ganz, ganz winziges Bisschen zu klein.
Die Mensch, der nicht ganz so groß war wie der Größte, und nicht ganz so klein wie die beiden Kleinsten, sprach beruhigend auf ihn ein und hob ihn hoch. Da wusste der Wuschel-Puschel-Welpe plötzlich, dass sein großes Abenteuer in eben diesem Moment begonnen hatte. Die Kinder hüpften um ihre Mutter herum und stritten sich darum, wer das neue Haustier auf den Arm nehmen dürfte. Das kleine Herz vom Wuschel-Puschel-Welpen schlug ganz schnell, aber ganz leise. Vorsichtig lugte er auf den Boden hinab. Verdutzt und aufgeregt blickten seine Geschwister zurück. „Jawohl!“, dachte der Wuschel-Puschel-Welpe und versuchte angestrengt, das Gesicht eines erfahrenen Weltreisenden zu machen. „Jawohl, ich bin der erste, der nach draußen darf, in die große, weite Welt!“
Aber bald schon musste der Wuschel-Puschel-Welpe erkennen, dass die große, weite Welt gar nicht so groß war, wie er gedacht hatte. Zumindest durfte er nicht so viel davon sehen, dass es ihm genügt hätte. Dem Wuschel-Puschel-Welpen war eigentlich nichts genug. Hatte er gerade ein neues Abenteuer erlebt, war er schon auf der ungeduldigen Suche nach dem nächsten.
Zweimal am Tag durfte der Wuschel-Puschel-Welpe im Park auf der großen Spielwiese mit vielen anderen Hunden herumbalgen. Große und kleine, lang- und kurzhaarige, dicke und dünne, alte und junge Hunde. Schon längst hatte er den kleinen Raum vergessen, in dem er seine ersten Lebenswochen verbracht hatte. Hier draußen wartete schließlich stets ein neues Abenteuer. Aber immer dann, wenn das Spiel gerade am Schönsten war oder wenn das Gras am Aufregendsten roch, wurde der Wuschel-Puschel-Welpe gerufen und angeleint. Dann ging es zurück nach Hause. Es dauerte gar nicht lange, bis der Wuschel-Puschel-Welpe den Zusammenhang begriffen hatte. Immer, wenn er gehorchte, wurde er dadurch bestraft, dass das Spiel beendet wurde. Das wollte ihm ganz und gar nicht gefallen. Also beschloss er, das Rufen seiner Besitzer zu ignorieren und einfach weiterzuspielen. Er tat, als würde er ihr Locken und Schimpfen, ihr Drängen und Mit-Leckerlis-Bestechen einfach nicht hören. Wenn sie dann über die Wiese gelaufen kamen und ihn einzufangen versuchten, begann überhaupt erst das tollste Spiel. Dann sauste der Wuschel-Puschel-Welpe in immer größer werdenden Kreisen um seine Menschen herum und tobte so lange, bis er müde wurde.
Abends lag der Wuschel-Puschel-Welpe auf seinem großen Lieblingssessel und träumte von saftigen Knochen, von weiten Wiesen und von vielen, vielen anderen Hunden. Dann war er zufrieden mit sich und der Welt. Eines Tages jedoch wollte sich eines der Kinder zu dem weichen Wuschel-Puschel-Welpen setzen. Das fand er jedoch gar nicht so gut. Schließlich war dies sein Sessel und den hatte ihm bisher noch niemand streitig gemacht. Vorsichtig ließ er ein leises Knurren hören. „Geh weg.“, versuchte er zu sagen. „Das ist mein Platz.“ Das Kind wich zurück. Am nächsten Tag knurrte der Wuschel-Puschel-Welpe etwas lauter. Er meinte es ja nicht böse. Schon bald genügte ein ganz kleines Grollen und man machte einen großen Bogen um ihn.
An der Leine laufen war ein Thema, das dem Wuschel-Puschel-Welpen besonders gut gefiel. Es machte herrlichen Spaß, Herrchen oder Frauchen hinter sich herzuziehen. Einige Male versuchten sie doch tatsächlich, ihm das Ziehen auszureden, aber sie gaben so schnell auf, dass er einfach voller Freude weitermachte. Er wusste ja nicht, dass es falsch war, was er tat. Er wusste nur, dass man es ihm nicht mehr verbot.
Wenn sie beim Spazierengehen auf andere Hunde trafen, wollte der Wuschel-Puschel-Welpe natürlich mit ihnen spielen. Und weil er ja nicht auf seine Besitzer hörte, ließen sie ihn nicht von der Leine. Das gefiel dem Wuschel-Puschel-Welpen überhaupt nicht und bald schon gelang es ihm in Sekundenschnelle, seinen Kopf aus dem Halsband zu ziehen. Dann lief er auf die anderen Hunde zu und biss sie spielerisch in die Pfoten. Das Rufen seiner Besitzer hörte er nicht einmal mehr. Es bedeutete ja sowieso nur, dass er zurück an die Leine müsste und das schöne Spiel beendet wäre. Also riss der Wuschel-Puschel-Welpe sich so oft los, bis er an einen Hund geriet, der keine Artgenossen leiden mochte. Der Kleine wusste gar nicht, wie ihm geschah. Hatte er etwa irgendwas falsch gemacht? „Seltsam!“, dachte er, als der Tierarzt seine Wunde mit zwei Klammern versah. „Wirklich seltsam. Was habe ich denn falsch gemacht?“