Der Wuschel-Puschel-Welpe oder Wie man Hunde (nicht) erzieht

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  • Der Wuschel-Puschel-Welpe oder Wie man Hunde (nicht) erzieht Beitrag #1
Lilly Leindy

Lilly Leindy

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Und hier, pünktlich zur Weihnachtszeit, eine neue Tiergeschichte für euch, die zeigt, wie eine Nichterziehung sich auf den Hund auswirkt. Leider wird es nämlich auch in diesem Jahr wieder viele lebendige Tiere unter dem Weihnachtsbaum geben. Trotz allem: Euch und euren Tieren ein wunderschönes, besinnliches Weihnachtsfest! Eure Lilly
P.S.: Vielleicht druckt ihr euch das einfach aus, die Story ist nämlich relativ lang.:angel:
Und hier die Geschichte:

Der Wuschel-Puschel-Welpe
oder
Wie man Hunde (nicht) erzieht

Der Wuschel-Puschel-Welpe war niedlich, wie Welpen nun einmal so sind. Seine Geschwister waren auch niedlich, aber das wusste der Wuschel-Puschel-Welpe nicht. Er wusste nicht einmal, dass er ein unglaublich weiches, weißbraunes Fell und süße, dicke Pfötchen hatte, die Kinderaugen zum Leuchten und Erwachsenenlippen zum Lächeln brachten. Und er wusste nicht, dass sein Vater etwas war, was man einen Herdenschutzhund nennt. Aber das war ihm, ehrlich gesagt, auch egal. Er dachte nicht darüber nach, ob die Menschen ihn so mochten, wie er war. Er dachte nicht darüber nach, ob er niedlich war, oder weich, oder süß. Eigentlich dachte er den ganzen Tag nur an das Eine: ans Schlafen. Und wenn er genug geschlafen hatte, dachte er ans Milchschlabbern. Wenn er genug Milch geschlabbert hatte, schlief er wieder. So lief das eine ganze Zeit lang, bis der Wuschel-Puschel-Welpe das Sehen und das Hören entdeckte. Und irgendwann, da wurde ihm die Wurfkiste einfach zu langweilig. Er wollte mehr von der Welt sehen (zumindest mehr von diesem Raum J), den Horizont erreichen und dann…dann wollte er wieder schlafen und Milch schlabbern.
Als der Raum ausgiebig erkundet war, wollte der Wuschel-Puschel-Welpe noch mehr erleben. Er wollte wissen, was sich hinter der Tür befand. Die Tür, durch die die Menschen immer wieder verschwanden und sagten: „Nein, Wuschel-Puschel, du bleibst hier!“ Manchmal durfte auch die Mutter vom Wuschel-Puschel-Welpen durch die Türe gehen. Und wenn sie wiederkam, dann roch sie nach aufregenden Sachen, nach der weiten, großen, wunderbaren Welt, die da draußen nur auf sie alle zu warten schien. Die anderen Welpen fanden den Geruch nicht so aufregend. Sie drängelten und rangelten um die beste Zitze und die köstliche Milch. Der Wuschel-Puschel-Welpe aber atmete das ein, was so toll nach Abenteuer roch und nahm sich dabei ganz fest vor, dies alles einmal selbst zu erleben.
Bald kamen oft mehrere Menschen in den Raum. Sie putzen sich die Schuhe auf einer Matte ab und verfielen dann in eine Sprache, die man benutzt, wenn man mit einem Baby redet. Der Wuschel-Puschel-Welpe verstand zwar die Worte nicht, doch er war sich sicher, dass sie nur Gutes bedeuten würden. Und schon bald war er immer der Erste, der den Besuch begrüßte. Am Tollsten war es, wenn Kinder dabei waren. Mit Kindern konnte der Wuschel-Puschel-Welpe nämlich großartig herumtollen und man konnte mit ihnen rangeln und kämpfen und spielen, noch viel, viel besser als mit den Geschwistern. Der vertraute Geruch der Mutter wurde schwächer und uninteressanter und der Geruch der Menschen spannender und aufregender. Sie rochen so sehr nach Abenteuer, dass der Wuschel-Puschel-Welpe ganz an ihnen hochklettern musste, um alles riechen zu können.
Eines Tages kamen wieder Menschen, die nach Abenteuer und Spannung, nach Aufregung und Freude rochen. Sie waren schon oft da gewesen, daran erinnerte der Wuschel-Puschel-Welpe sich. Und waren es nicht die, die ihm immer heimlich die tollsten Leckerlis zugesteckt hatten? Die, mit denen man am besten rangeln und am schönsten kuscheln konnte? „Wie nur“, dachte der Wuschel-Puschel-Welpe. „Wie nur kann ich ihnen meine Freude zeigen?“ So lief er auf sie zu, knabberte zärtlich am Hosenbein des ganz großen Menschen, hüpfte im Kreis und versuchte wahrhaft zu tanzen. Er imitierte das Bellen seiner Mutter (das aus seinem Mund eher wie ein schrilles Kläffen klang), jaulte wie ein Wolf (zumindest stellte er sich vor, dass ein Wolf so jaulen würde) und machte dann vor lauter Aufregung eine Pfütze.
Aber irgendwas, das spürte der Wuschel-Puschel-Welpe, war dieses Mal anders. Eine ganz winzige Stimmungsschwankung, die die Menschen um ihn herum veränderte. Beinahe so, als würden sie ihn dieses Mal mitnehmen wollen. Der Wuschel-Puschel-Welpe rang mit sich selbst. War es nicht doch sicherer und wärmer, bei der Mutter? Vielleicht war er für das ganz, ganz große Abenteuer noch ein ganz, ganz winziges Bisschen zu klein.
Die Mensch, der nicht ganz so groß war wie der Größte, und nicht ganz so klein wie die beiden Kleinsten, sprach beruhigend auf ihn ein und hob ihn hoch. Da wusste der Wuschel-Puschel-Welpe plötzlich, dass sein großes Abenteuer in eben diesem Moment begonnen hatte. Die Kinder hüpften um ihre Mutter herum und stritten sich darum, wer das neue Haustier auf den Arm nehmen dürfte. Das kleine Herz vom Wuschel-Puschel-Welpen schlug ganz schnell, aber ganz leise. Vorsichtig lugte er auf den Boden hinab. Verdutzt und aufgeregt blickten seine Geschwister zurück. „Jawohl!“, dachte der Wuschel-Puschel-Welpe und versuchte angestrengt, das Gesicht eines erfahrenen Weltreisenden zu machen. „Jawohl, ich bin der erste, der nach draußen darf, in die große, weite Welt!“
Aber bald schon musste der Wuschel-Puschel-Welpe erkennen, dass die große, weite Welt gar nicht so groß war, wie er gedacht hatte. Zumindest durfte er nicht so viel davon sehen, dass es ihm genügt hätte. Dem Wuschel-Puschel-Welpen war eigentlich nichts genug. Hatte er gerade ein neues Abenteuer erlebt, war er schon auf der ungeduldigen Suche nach dem nächsten.
Zweimal am Tag durfte der Wuschel-Puschel-Welpe im Park auf der großen Spielwiese mit vielen anderen Hunden herumbalgen. Große und kleine, lang- und kurzhaarige, dicke und dünne, alte und junge Hunde. Schon längst hatte er den kleinen Raum vergessen, in dem er seine ersten Lebenswochen verbracht hatte. Hier draußen wartete schließlich stets ein neues Abenteuer. Aber immer dann, wenn das Spiel gerade am Schönsten war oder wenn das Gras am Aufregendsten roch, wurde der Wuschel-Puschel-Welpe gerufen und angeleint. Dann ging es zurück nach Hause. Es dauerte gar nicht lange, bis der Wuschel-Puschel-Welpe den Zusammenhang begriffen hatte. Immer, wenn er gehorchte, wurde er dadurch bestraft, dass das Spiel beendet wurde. Das wollte ihm ganz und gar nicht gefallen. Also beschloss er, das Rufen seiner Besitzer zu ignorieren und einfach weiterzuspielen. Er tat, als würde er ihr Locken und Schimpfen, ihr Drängen und Mit-Leckerlis-Bestechen einfach nicht hören. Wenn sie dann über die Wiese gelaufen kamen und ihn einzufangen versuchten, begann überhaupt erst das tollste Spiel. Dann sauste der Wuschel-Puschel-Welpe in immer größer werdenden Kreisen um seine Menschen herum und tobte so lange, bis er müde wurde.
Abends lag der Wuschel-Puschel-Welpe auf seinem großen Lieblingssessel und träumte von saftigen Knochen, von weiten Wiesen und von vielen, vielen anderen Hunden. Dann war er zufrieden mit sich und der Welt. Eines Tages jedoch wollte sich eines der Kinder zu dem weichen Wuschel-Puschel-Welpen setzen. Das fand er jedoch gar nicht so gut. Schließlich war dies sein Sessel und den hatte ihm bisher noch niemand streitig gemacht. Vorsichtig ließ er ein leises Knurren hören. „Geh weg.“, versuchte er zu sagen. „Das ist mein Platz.“ Das Kind wich zurück. Am nächsten Tag knurrte der Wuschel-Puschel-Welpe etwas lauter. Er meinte es ja nicht böse. Schon bald genügte ein ganz kleines Grollen und man machte einen großen Bogen um ihn.
An der Leine laufen war ein Thema, das dem Wuschel-Puschel-Welpen besonders gut gefiel. Es machte herrlichen Spaß, Herrchen oder Frauchen hinter sich herzuziehen. Einige Male versuchten sie doch tatsächlich, ihm das Ziehen auszureden, aber sie gaben so schnell auf, dass er einfach voller Freude weitermachte. Er wusste ja nicht, dass es falsch war, was er tat. Er wusste nur, dass man es ihm nicht mehr verbot.
Wenn sie beim Spazierengehen auf andere Hunde trafen, wollte der Wuschel-Puschel-Welpe natürlich mit ihnen spielen. Und weil er ja nicht auf seine Besitzer hörte, ließen sie ihn nicht von der Leine. Das gefiel dem Wuschel-Puschel-Welpen überhaupt nicht und bald schon gelang es ihm in Sekundenschnelle, seinen Kopf aus dem Halsband zu ziehen. Dann lief er auf die anderen Hunde zu und biss sie spielerisch in die Pfoten. Das Rufen seiner Besitzer hörte er nicht einmal mehr. Es bedeutete ja sowieso nur, dass er zurück an die Leine müsste und das schöne Spiel beendet wäre. Also riss der Wuschel-Puschel-Welpe sich so oft los, bis er an einen Hund geriet, der keine Artgenossen leiden mochte. Der Kleine wusste gar nicht, wie ihm geschah. Hatte er etwa irgendwas falsch gemacht? „Seltsam!“, dachte er, als der Tierarzt seine Wunde mit zwei Klammern versah. „Wirklich seltsam. Was habe ich denn falsch gemacht?“
 
  • Der Wuschel-Puschel-Welpe oder Wie man Hunde (nicht) erzieht

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  • Der Wuschel-Puschel-Welpe oder Wie man Hunde (nicht) erzieht Beitrag #2
Und hier Teil 2, weil die Geschichte für einen Thread zu viele Zeichen hatte:

So kam es, dass der Wuschel-Puschel-Welpe ein ganz enges Halsband bekam und an fremden Hunden zügig vorbeigeführt wurde. Aber immer, wenn er nun einen größeren Artgenossen sah, erinnerte er sich an die letzte Begegnung, die für ihn nicht allzu glimpflich ausgegangen war. Also begann er, große Hunde sicherheitshalber aus der Entfernung mit einem lauten Bellen zu warnen. Seine Leute wurden dann immer ganz aufgeregt und ihre Stimmen wurden immer lauter und energischer. Der Puschel-Wuschel-Welpe verstand nicht die Worte, die sie riefen. Wohl aber verstand er, dass sie ganz schrecklich aufgeregt waren. Und wenn schon die großen, starken Menschen unruhig waren, was sollte da ein kleiner Hund sagen? Je aufgeregter und lauter also die Menschen wurden, umso aufgeregter und lauter wurde auch der kleine Hund. Und so kam es, dass er nachher ganz traurig war, weil er niemanden mehr zum Spielen hatte.
Im Haus gab es oft die köstlichsten Sachen. Leider Gottes waren sie nicht für den Wuschel-Puschel-Welpen bestimmt, aber der Geruch kitzelte angenehm in seiner Nase. Also setzte er sich neben den Tisch und machte große, traurige Augen. Dass er gerade gefressen hatte, war ihm recht egal, denn was war schon das olle, trockene Hundefutter gegen ein ordentliches Stück Schweinebraten? Manchmal hatte der kleine Hund Glück und eine Scheibe Fleischwurst oder andere leckere Sachen wurden ihm zugesteckt. „Toll!“, dachte der Wuschel-Puschel-Welpe dann und wedelte. „Wieso soll ich aus dem kleinen Futternapf essen, wenn ich auch den großen haben kann?!“ Eines Tages dann saß er wieder auf seinem Platz und seine kleine, schwarze Nase reckte sich vor Aufregung in die Luft. Doch dieses Mal bot man ihm nichts an. Wahrscheinlich hatten sie seinen hungrigen Blick übersehen. Mit einem kurzen Bellen machte er auf sich aufmerksam und als dann eines der kleineren Menschen zusammenzuckte, fiel doch tatsächlich wieder etwas für ihn ab. Von diesem Tag an gab es für die Familie keine ruhige Mahlzeit mehr. Und schon bald wusste der Wuschel-Puschel-Welpe, dass es da oben noch mehr gab als kleine Stücke und Scheiben. Also beschloss er kurzerhand, einfach einmal selbst nachzusehen. Und, ach, wie war die Auswahl groß! Eine ganze Wurst, nur für ihn allein! Dass die Menschen ganz böse wurden und hinter ihm herliefen verstand er nicht. Schließlich hatte er doch bisher immer von dem großen, runden Futternapf essen dürfen. Zufrieden lief er in den Garten und fraß seine Beute. Die Menschen waren dann schon bald wieder gut, was den kleinen Hund sehr beruhigte.
Da gab es noch eine Sache, die der Wuschel-Puschel-Welpe gar nicht mochte. Der ganz große Mensch und der etwas größere der beiden kleinen Menschen gingen morgens immer ganz früh aus dem Haus. Das wusste der kleine Hund ja auch schon. Aber in letzter Zeit, da gingen der ganz kleine Mensch und auch sein geliebtes Frauchen ebenfalls fort. Dann streichelten sie den Wuschel-Puschel-Welpen vorher und trösteten ihn. Er verstand nicht, was sie sagten, aber es musste etwas ganz Schlimmes sein, wenn sie sich so sehr von ihm verabschiedeten und so einen Aufruhr machten. Dann war der Wuschel-Puschel-Welpe immer ganz aufgeregt und bellte und jaulte, bis ihm das Alles zu langweilig wurde. Und Langweile, die mochte er noch viel, viel weniger als das Zurückgelassenwerden. Er lief ganz traurig durch das Haus und sammelte ein paar Dinge, die ihm gefielen: ein Kissen, eine Mütze, eine Schlafpuppe und einen Handschuh. Er trug sie in sein Körbchen und kaute nachdenklich darauf herum. Manchmal reichte ihm das, aber meistens lief er schließlich in die Küche und warf den wohlriechenden Eimer um, in dem sich immer die tollsten Essenreste befanden. Manche davon fraß er gleich, andere trug er herum und ließ sie an sämtlichen Stellen des Hauses liegen, um sie später zu essen. Dann sahen der Flur und das Wohnzimmer immer richtig schön bunt aus. Und alles roch ganz toll. Der Wuschel-Puschel-Welpe legte sich in sein Körbchen, kaute noch ein bisschen auf seinen Schätzen herum und schlief dann. Aber wenn seine Leute nach Hause kamen, zügelte er seine Freude und versteckte sich lieber unter dem Tisch. Er wusste nicht wieso, aber sie waren dann immer so schrecklich wütend. Der Wuschel-Puschel-Welpe verband den Ärger der Menschen nicht mit dem Ausräumen des Mülleimers. Das war doch schon sooo lange her. Er konnte sich einfach nicht erklären, wieso sie alle so schrecklich böse auf ihn waren. Das machte ihn dann wieder ganz traurig. Und weil er so viel Kummer hatte, suchte er, wenn er alleine war, jeden Tag mehr Sachen zusammen, die er zerkaute und deren Geruch er einatmete. Er schnüffelte aber nichts mehr von Liebe.
Nur noch ganz selten gingen die Menschen dann mit dem Wuschel-Puschel-Welpen spazieren. Aber wenn sie gingen, dann war es nicht mehr der Weg über die Wiese und durch den Wald. Es war nicht mehr der Weg, der nach Abenteuern roch. Hier lag nur ein Gestank von Asphalt und Frauenparfum in der Luft, und überall waren Geschäfte, an denen sie anhalten mussten. Weil dieser neue Weg so schrecklich langweilig war, versuchte der Wuschel-Puschel-Welpe zumindest, die ganzen Leute anzuspringen, die ihnen ständig entgegenkamen. Die meisten von ihnen freuten sich dann. Sie jauchzten und jubelten und sprachen in der Babysprache und ganz, ganz selten fühlte der Wuschel-Puschel-Welpe sich dabei wieder so wie früher. Er verstand aber nie, wieso sein Frauchen mit ihm böse war, wenn er die Menschen ansprang. Sie freuten sich doch so! Das brachte den kleinen Hund ganz durcheinander. Er wollte doch nicht, dass sein über alles geliebtes Frauchen ihn nicht mehr mochte. Also sprang er die Menschen nicht mehr an, die sich über ihn freuten. Er tat, als wären sie nicht da und wenn sie ihn anfassten, knurrte er, um seinem Frauchen zu zeigen, dass er nur sie lieb hatte. Aber das war ihr auch nicht recht.
Der Wuschel-Puschel-Welpe war schon bald gar nicht mehr klein und leider fand ihn auch niemand mehr süß. Die Kinder, die ihn damals so gerne gehabt hatten, schoben ihn nur noch fort, wenn er Zuneigung wollte. Das machte ihn sehr traurig. Sie ließen ihn auch immer länger allein, was ihn noch trauriger machte. Eigentlich war er fast nur noch traurig. Das Abenteuer, von dem er so geträumt hatte, war keines gewesen. Wie wünschte er sich doch zu seiner Mutter und zu seinen Geschwistern zurück. Noch ganz schwach erinnerte er sich an den Geruch der Erde, die unter ihren Pfoten geklebt hatte, wenn sie im Garten gewesen war.
Als der Wuschel-Puschel-Welpe noch ganz klein und flauschig und weich gewesen war, hatte er im Bett schlafen dürfen. Aber jetzt, ganz plötzlich, erlaubte man es ihm nicht mehr. Das verstand er nicht. Wie sollte er auch? Also saß er vor der Schlafzimmertüre von Herrchen und Frauchen und kratzte zuerst ganz leise. Dann bellte er und winselte, um ihnen mitzuteilen, dass sie ihn vergessen hatte.
Der Wuschel-Puschel-Welpe hatte inzwischen gelernt, seine Familie zu beschützen. Er wusste zwar nicht, dass sein Vater ein Herdenschutzhund gewesen war (und er wusste nicht, was ein Herdenschutzhund überhaupt war), aber er sah es als seine Pflicht an, auf die Menschen seines Rudels aufzupassen. Eines Tages hatte der kleinste der Menschen Besuch. Sie spielten und tollten miteinander herum, wie er selbst es mit seinen Geschwistern getan hatte. Aufmerksam setzte der Wuschel-Puschel-Welpe sich daneben. Schließlich musste er das Jungtier, das zu ihm gehörte, im Notfall beschützen. Die Kinder kämpften mit kleinen Holzschwertern gegeneinander. Der Hund jedoch verstand nicht, dass es nur ein Spiel war. Das einzige, was er verstand, war, dass ein Mitglied seines Rudels ganz offensichtlich in Gefahr schwebte. Nie hätte er doch einem Kind mit Absicht wehgetan, niemals! Er wollte nur schlichten und seinen Menschen beschützen, indem er den Fremden, der nicht zu seinem Rudel gehörte, entschlossen am Arm packte und ihn einmal kurz schüttelte. Er wusste ja nicht, dass seine kleinen, spitzen Milchzähne ausgegangen und scharfen, großen Zähnen gewichen waren. Er wusste nur, dass wieder alle aufgeregt und traurig und wütend auf ihn waren.
Der Wuschel-Puschel-Welpe wusste inzwischen, dass man immer wütend auf ihn war, ganz egal, was er tat. Er stahl vom Tisch, wenn das Essen verlockend duftete. Er zog an der Leine und verbellte Eindringlinge in seinem Revier. Er zerstörte Dinge und räumte den Mülleimer aus, wenn er alleine war. Niemand hatte ihm doch erklärt, was falsch und was richtig war.
Und dann kam der schlimmsten Tag im Leben vom Wuschel-Puschel-Welpen. Seine Menschen, die er doch so geliebt hatte, trotz all ihren Fehlern, rochen nach Abschied und nach Traurigkeit. Aber sie rochen auch nach Erleichterung. Der Ort, zu dem sie fuhren, war fremd und kalt. Andere Hunde bellten und winselten vor Einsamkeit. Hunde wie er. Hunde, die nicht wussten, was sie Falsches getan hatten.
„Komisch!“, dachte der Wuschel-Puschel-Welpe, als das Gitter vor seiner Nase verschlossen wurde. „Dabei habe ich doch immer nur das getan, was sie wollten…“
 
  • Der Wuschel-Puschel-Welpe oder Wie man Hunde (nicht) erzieht Beitrag #3
Hallo Lilly
Das hast du aber toll in Worte gefaßt.
Ich wünsche möglichst vielen Welpen das ihre Familien verstehen, was in der Geschichte falsch gelaufen ist.
 
  • Der Wuschel-Puschel-Welpe oder Wie man Hunde (nicht) erzieht Beitrag #4
Danke.:uups: Ja, wäre schön, wenn sich solche Ach-es-ist-Weihnachten-dann-holen-wir-uns-doch-einen-Hund-Menschen mal Gedanken darüber machen würden, dass dabei auch Arbeit, Erziehung und Matschpfoten auf sie zukommen.
 
  • Der Wuschel-Puschel-Welpe oder Wie man Hunde (nicht) erzieht Beitrag #5
...beim lesen standen mir grad die Tränen in den Augen...
SOLANGE MENSCHEN DENKEN DASS TIERE NICHT FÜHLEN,MÜSSEN TIERE FÜHLEN DASS MENSCHEN NICHT DENKEN....
Arme WuschelPuschels dieser Welt..leider gibt es zu viele davon..Menschen, macht die Augen auf-ENDLICH!!!
 
  • Der Wuschel-Puschel-Welpe oder Wie man Hunde (nicht) erzieht Beitrag #6
Hab die Geschichte erst jetzt gesehen..
Kommt mir seltsam bekannt vor, allerdings kamen Kinder in der Geschichte nicht vor und der Hund landete auch nicht hinter Gittern, sondern verreckte (entschuldigung, aber es ist so) an den Fehlern seiner Halter.
Halter,
- die es lustig fanden, wenn er andere Menschen vor Freude ansprang.
- die ihm nie beibrachten, was NEIN bedeutet, weil es ja eine Einschränkung des Hundes bedeutet hätte und das mag man dem lieben, süßen Tier ja nicht antun.
- die ihn mit Küchenabfällen, Fleischresten und scharfen Bratensaucen fütterten, weil er bettelte.
- die ihm abends Schokolade und anderes süßes Leckerlie gaben, weil er es doch so gern mochte.
- die den Hund nicht zu ausgedehnten Spaziergängen anregten, als er dicker wurde (nein, der Arme muss nicht laufen, wenn er nicht will)
- die, wenn man sie fragte, warum der Körper des Hundes so massig sei, es zunächst auf die Rasse schoben (Berner-Sennen-Mix).
- die später, wenn man fragte, warum der Hund so fett sei, es mit einer Kortisonbehandlung gegen die Milben begründeten.
- die fürchterlich weinten, als der Hund mit ca. 11 Jahren eingeschläfert werden musste, weil seine Hinterläufe ihm nicht mehr gehorchten....

Manche Menschen können tödlich sein. Sie merken es nur nicht. :cry:
 
  • Der Wuschel-Puschel-Welpe oder Wie man Hunde (nicht) erzieht Beitrag #7
Das ist eine sehr traurige Geschichte...

Ich habe auch einen kleinen Welpen und werde mich noch intensiver mit Ihm beschäftigen!!!!!!
Ich will bestimmt nicht das er sich so fühlt!!!!!
 
  • Der Wuschel-Puschel-Welpe oder Wie man Hunde (nicht) erzieht Beitrag #8
Die Geschichte ist schrecklich traurig, weil ich weiß, dass es vielen Hunden so ergeht. Als wenn ein Hund eine Maschine wäre, oder als wenn "ein Hund auch nur ein Mensch wär" der das alles so versteht wie wir. Leider ist dem nicht so, weswegen soviel falsch gemacht wird. :(
 
  • Der Wuschel-Puschel-Welpe oder Wie man Hunde (nicht) erzieht Beitrag #9
oja... nicht nur Hunden.. auch anderen Tieren ergeht es täglich so. Am Anfang... niedlich.. später nervig und mißverstanden!
Ich habe mal im Tierheim gearbeitet (Praktikum).. ich weiß , welche liebe mißverstandene Seelen dort wohnen. Und wenn ich könnte... ich würde am liebsten Allen helfen!
 
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Der Wuschel-Puschel-Welpe oder Wie man Hunde (nicht) erzieht

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