- Kavan - Ein Hundeleben, eine wahre Geschichte Beitrag #1
Lunai
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Man hat mir gesagt, es wäre schön, wenn ich eine Geschichte mit Happy End schreiben würde. Ich wäre diejenige, die am lautesten über ein solches jubeln würde. Aber leider hat nicht jede dieser Geschichten ein gutes Ende. Eigentlich sind es nur die wenigsten.
Als ich nach Griechenland gezogen bin, wusste ich schnell, was mich an diesem Land am meisten störte: die ganzen Straßenhunde und – katzen, die ich an jeder Ecke in ihrem ganzen Elend betrachten konnte. Ich musste auch schnell von der Idee abkommen, jedem der Wesen helfen zu wollen, denn schon nach drei Jahren war unser kleiner Hof mit genug Tieren besetzt. Mittlerweile wohne ich in Deutschland und dort ist es leichter, alles zu ertragen, weil man es nicht mehr täglich auf den Straßen sieht. Ich möchte nicht sagen, dass ich es verdränge, aber es ist nicht so präsent.
Vor zwei Jahren verbrachte ich drei Monate bei meinen Eltern in Griechenland, um meinen Führerschein zu machen. Der angeleinte Nachbarshund fiel mir das erste Mal auf – vielleicht war er wirklich noch nicht lange da, oder aber er war all die Jahre gut versteckt. Einmal genauer betrachtet und schon hatte er mein Herz erobert.
Er war ein wenig dreckig, aber trotzdem konnte man sofort erkennen, was für ein liebes Wesen ich da vor mir hatte, das ganz vorbehaltlos jeden Menschen sofort mit Liebe überschüttete und das, obwohl er selber sicher nie soviel Zuneigung am eigenen Körper gespürt hatte. Dünn war er und das Wasser, das in seinem Kettenradius stand, war schmutzig und heiß, da es in der brennenden Sommersonne stand. Der Hund selber hatte nur eine Möglichkeit, sich vor der Sonne zu schützen: ein kleines Loch in der Wand, das in ein Lager führte. Meine Mutter erzählte mir, dass die Nachbarn nicht viel da waren und wirklich war die nächsten Tage niemand zu sehen. Ich ergriff also die Initiative und wollte den Hund (ich nannte ihn Kavan, was Krähe bedeutet) erstmal von der Leine lösen, um ihn zu waschen und mit ihm spazieren zu gehen. Dafür musste ich erst eine große Drahtschere holen, um die Kette, die durch dicken, festen Draht an dem Halsband befestigt war, vom diesem lösen zu können. Es war ganz offensichtlich, dass es nie geplant war, Kavan jemals von der Leine zu lassen.
Die nächste Zeit muss für den kleinen, fröhlichen Hund der Himmel gewesen sein. Er durfte auf unserer Terrasse frei laufen, lernte ein paar Kommandos, bekam reichlich zu fressen, durfte sauberes Wasser trinken und das allerwichtigste! … er hatte endlich jemanden, der Zeit mit ihm verbrachte.
Wisst ihr, ich hatte damals nicht viel Geld und meine Zukunft war nicht wirklich geregelt. Ich hatte keine Wohnung für mich und unter anderen Umständen hätte ich niemals auch nur den Gedanken gehabt... Aber ich wollte Kavan nicht bei diesen Menschen lassen, ich wollte ihn mit nach Deutschland nehmen. Also versuchte ich mit den Nachbarn zu sprechen und ihnen Kavan abzukaufen. Ich erinnere mich noch heute ganz genau an die Worte:
„Ach Mädchen... Nein, die Kinder lieben ihn doch so sehr.“
Zwei Jahre später, vor 4 Tagen, kam ich wieder hier an. Mein erster Gang führte mich zu Kavan. Ich war es gewohnt, dass er mir entgegen gesprungen kam, wie er es die Besuche zwischendurch auch immer getan hatte. Aber ich hörte nur seine Kette rascheln, als ich mich ihm näherte, doch war ich schon fast bei ihm, als ich ihn sah.
„Leishmaniose.“, dachte ich nur und konnte nur mit den Tränen kämpfen. Noch vor einem halben Jahr, hatte er wie immer ausgesehen. Gerade in diesem Moment, als ich den armen, kleinen Kavan betrachtete und nach Fassung rang, kam der Nachbar an. „Es ist noch nicht lange so... Ich weiß nicht, was es ist... Ich habe ihn mit Öl gewaschen, aber es hat nichts geholfen.“ Diesen Moment konnte ich nicht sprechen. Mir fehlten die Worte. Tierarzt? Sicher nicht einen Gedanken daran verschwendet! War er peinlich berührt, schämte er sich wenigstens für die Verantwortungslosigkeit? Niemals, da GAB es nichts, für das man sich schämen konnte!
Ich wollte Kavan aufgeben und mir denken, dass ich nichts tun konnte. Es war nicht einmal mein Hund, es lag nicht in meiner Verantwortung. Aber nach einer schlaflosen Nacht musste ich mir eingestehen, dass das unmöglich einzusehen war. Am nächsten Tag fragte ich die Nachbarn, ob ich mit Kavan spazieren gehen könne und sie stimmten freundlich zu. Ich lief mit Kavan direkt zum einzigen Tierarzt des Dorfes. „Waren Sie nicht die mit dem Cocker Spaniel, der Leishmaniose hatte?“ Nach einem kleinen Schnellbluttest war es klar. Kavan hat Leishmaniose (und ist wohl doch schon ca 8-10 Jahre alt). Es war klar, dass ich nun auch schnell die Medikamente kaufen musste. Und jetzt?
Folgende Situation: Kavan, der Hund, der an der Kette meines Nachbarn gehalten wird und nicht mir gehört, braucht mindestens 2 Jahre lebenswichtige Medikamente. In 5 Wochen muss er erneut zum Tierarzt, ich bin nur noch 9 Tage in Griechenland. Mein Vater ist ebenfalls ein waschechter Grieche mit jeder Art von Einstellung gegenüber Hunden, die dazu gehört... Ich werde versuchen, dem Nachbarn klar zu machen, wie wichtig die Medikamente sind. Sie sind sogar ziemlich günstig. Jetzt hilft es zu hoffen, dass in diesem Menschen nur ein Funken Verantwortungsbewusstsein steckt.
Liebe Leser... Ich wünschte, ich hätte ein Happy End für euch. Aber für Kavan wird es keines geben. Denn selbst, wenn er die Medikamente bekommt, wird er sein Leben an einer Kette verbracht haben, fast gänzlich ohne Begleitung, ohne Liebe und Zuneigung, ohne regelmäßige Fütterung, ohne tierärztliche Versorgung. So geht es nicht nur Kavan, so geht es jedem zweiten Hund in Griechenland. Es mangelt an Aufklärung, denn ich bin mir sicher, dass viele Griechen es einfach nicht besser wissen. Aber für Aufklärung muss es Menschen im besagten Land geben, die Informationen an die Leute bringen. Davon gibt es zu wenig und diese wenigen sind überfordert und Mittellos. Denn gleichzeitig sind sie es, die Hunde von der Strasse holen, kastrieren, aufpäppeln und ua nach Deutschland vermitteln.
Die Tierschützer in Griechenland brauchen unsere finanzielle Unterstützung, um mehr Hunde von der Straße holen zu können oder ihnen wenigstens ein besseres Leben ermöglichen zu können. Sie brauchen Geld für Kastrationen, die dafür sorgen, dass weniger Hunde auf den Straßen geboren werden. Sie brauchen uns, um mehr Hunde nach Deutschland vermitteln zu können. Sie brauchen Menschen, die griechischen Hunden ein zu Hause geben möchten. Helft mit, ein paar Hunden ein Happy End zu schenken.
Als ich nach Griechenland gezogen bin, wusste ich schnell, was mich an diesem Land am meisten störte: die ganzen Straßenhunde und – katzen, die ich an jeder Ecke in ihrem ganzen Elend betrachten konnte. Ich musste auch schnell von der Idee abkommen, jedem der Wesen helfen zu wollen, denn schon nach drei Jahren war unser kleiner Hof mit genug Tieren besetzt. Mittlerweile wohne ich in Deutschland und dort ist es leichter, alles zu ertragen, weil man es nicht mehr täglich auf den Straßen sieht. Ich möchte nicht sagen, dass ich es verdränge, aber es ist nicht so präsent.
Vor zwei Jahren verbrachte ich drei Monate bei meinen Eltern in Griechenland, um meinen Führerschein zu machen. Der angeleinte Nachbarshund fiel mir das erste Mal auf – vielleicht war er wirklich noch nicht lange da, oder aber er war all die Jahre gut versteckt. Einmal genauer betrachtet und schon hatte er mein Herz erobert.
Er war ein wenig dreckig, aber trotzdem konnte man sofort erkennen, was für ein liebes Wesen ich da vor mir hatte, das ganz vorbehaltlos jeden Menschen sofort mit Liebe überschüttete und das, obwohl er selber sicher nie soviel Zuneigung am eigenen Körper gespürt hatte. Dünn war er und das Wasser, das in seinem Kettenradius stand, war schmutzig und heiß, da es in der brennenden Sommersonne stand. Der Hund selber hatte nur eine Möglichkeit, sich vor der Sonne zu schützen: ein kleines Loch in der Wand, das in ein Lager führte. Meine Mutter erzählte mir, dass die Nachbarn nicht viel da waren und wirklich war die nächsten Tage niemand zu sehen. Ich ergriff also die Initiative und wollte den Hund (ich nannte ihn Kavan, was Krähe bedeutet) erstmal von der Leine lösen, um ihn zu waschen und mit ihm spazieren zu gehen. Dafür musste ich erst eine große Drahtschere holen, um die Kette, die durch dicken, festen Draht an dem Halsband befestigt war, vom diesem lösen zu können. Es war ganz offensichtlich, dass es nie geplant war, Kavan jemals von der Leine zu lassen.
Die nächste Zeit muss für den kleinen, fröhlichen Hund der Himmel gewesen sein. Er durfte auf unserer Terrasse frei laufen, lernte ein paar Kommandos, bekam reichlich zu fressen, durfte sauberes Wasser trinken und das allerwichtigste! … er hatte endlich jemanden, der Zeit mit ihm verbrachte.
Wisst ihr, ich hatte damals nicht viel Geld und meine Zukunft war nicht wirklich geregelt. Ich hatte keine Wohnung für mich und unter anderen Umständen hätte ich niemals auch nur den Gedanken gehabt... Aber ich wollte Kavan nicht bei diesen Menschen lassen, ich wollte ihn mit nach Deutschland nehmen. Also versuchte ich mit den Nachbarn zu sprechen und ihnen Kavan abzukaufen. Ich erinnere mich noch heute ganz genau an die Worte:
„Ach Mädchen... Nein, die Kinder lieben ihn doch so sehr.“
Zwei Jahre später, vor 4 Tagen, kam ich wieder hier an. Mein erster Gang führte mich zu Kavan. Ich war es gewohnt, dass er mir entgegen gesprungen kam, wie er es die Besuche zwischendurch auch immer getan hatte. Aber ich hörte nur seine Kette rascheln, als ich mich ihm näherte, doch war ich schon fast bei ihm, als ich ihn sah.
„Leishmaniose.“, dachte ich nur und konnte nur mit den Tränen kämpfen. Noch vor einem halben Jahr, hatte er wie immer ausgesehen. Gerade in diesem Moment, als ich den armen, kleinen Kavan betrachtete und nach Fassung rang, kam der Nachbar an. „Es ist noch nicht lange so... Ich weiß nicht, was es ist... Ich habe ihn mit Öl gewaschen, aber es hat nichts geholfen.“ Diesen Moment konnte ich nicht sprechen. Mir fehlten die Worte. Tierarzt? Sicher nicht einen Gedanken daran verschwendet! War er peinlich berührt, schämte er sich wenigstens für die Verantwortungslosigkeit? Niemals, da GAB es nichts, für das man sich schämen konnte!
Ich wollte Kavan aufgeben und mir denken, dass ich nichts tun konnte. Es war nicht einmal mein Hund, es lag nicht in meiner Verantwortung. Aber nach einer schlaflosen Nacht musste ich mir eingestehen, dass das unmöglich einzusehen war. Am nächsten Tag fragte ich die Nachbarn, ob ich mit Kavan spazieren gehen könne und sie stimmten freundlich zu. Ich lief mit Kavan direkt zum einzigen Tierarzt des Dorfes. „Waren Sie nicht die mit dem Cocker Spaniel, der Leishmaniose hatte?“ Nach einem kleinen Schnellbluttest war es klar. Kavan hat Leishmaniose (und ist wohl doch schon ca 8-10 Jahre alt). Es war klar, dass ich nun auch schnell die Medikamente kaufen musste. Und jetzt?
Folgende Situation: Kavan, der Hund, der an der Kette meines Nachbarn gehalten wird und nicht mir gehört, braucht mindestens 2 Jahre lebenswichtige Medikamente. In 5 Wochen muss er erneut zum Tierarzt, ich bin nur noch 9 Tage in Griechenland. Mein Vater ist ebenfalls ein waschechter Grieche mit jeder Art von Einstellung gegenüber Hunden, die dazu gehört... Ich werde versuchen, dem Nachbarn klar zu machen, wie wichtig die Medikamente sind. Sie sind sogar ziemlich günstig. Jetzt hilft es zu hoffen, dass in diesem Menschen nur ein Funken Verantwortungsbewusstsein steckt.
Liebe Leser... Ich wünschte, ich hätte ein Happy End für euch. Aber für Kavan wird es keines geben. Denn selbst, wenn er die Medikamente bekommt, wird er sein Leben an einer Kette verbracht haben, fast gänzlich ohne Begleitung, ohne Liebe und Zuneigung, ohne regelmäßige Fütterung, ohne tierärztliche Versorgung. So geht es nicht nur Kavan, so geht es jedem zweiten Hund in Griechenland. Es mangelt an Aufklärung, denn ich bin mir sicher, dass viele Griechen es einfach nicht besser wissen. Aber für Aufklärung muss es Menschen im besagten Land geben, die Informationen an die Leute bringen. Davon gibt es zu wenig und diese wenigen sind überfordert und Mittellos. Denn gleichzeitig sind sie es, die Hunde von der Strasse holen, kastrieren, aufpäppeln und ua nach Deutschland vermitteln.
Die Tierschützer in Griechenland brauchen unsere finanzielle Unterstützung, um mehr Hunde von der Straße holen zu können oder ihnen wenigstens ein besseres Leben ermöglichen zu können. Sie brauchen Geld für Kastrationen, die dafür sorgen, dass weniger Hunde auf den Straßen geboren werden. Sie brauchen uns, um mehr Hunde nach Deutschland vermitteln zu können. Sie brauchen Menschen, die griechischen Hunden ein zu Hause geben möchten. Helft mit, ein paar Hunden ein Happy End zu schenken.
