Wale in Gefangenschaft haben auch keinen wissenschaftlichen Nutzen, da das Sozialverhalten in keiner Weise mit dem der wild lebenden Artgenossen zu vergleichen ist.
Dies ist schon bei Wölfen usw. usf. hinlänglich bekannt.
An dieser Stelle sei gerne auch nochmal auf die Doku Blackfish hingewiesen.
Allein die Anpassung der Beckengrößen an Maßstäbe, die für so große Tiere reell und ansatzweise artgerecht sind...joa.
Sind mMn nicht zu verwirklichen.
Dazu, dass Schwertwale mit Robben usw. usf. gleich zu setzen sind:
Sehe ich ähnlich.
Es gibt sicherlich Arten, die entsprechend zur Arterhaltung zwingend notwendigerweise irgendwie in geschützten Habitaten usw. nachgezogen werden müssen, aber mit Sicherheit nicht grundsätzlich alle und vor allen Dingen werden viele "Arterhaltungs-Tiere" gar nicht ausgewildert bzw. tragen nichts zum Erhalt wilder Populationen bei.
1. Wenn man nur kurz Google Scholar bemüht findet man dutzende Paper zu wissenschaftlichen Arbeiten über Cetaceen, die alle in Delfinarien (teilweise auch bei SeaWorld, im Loro Parque oder in Duisburg) durchgeführt wurden. Aktuell findet zudem im Loro Parque an den dort lebenden Orcas die Erprobung einer neuen nichtinvasiven Markierungsmethode für Wale statt. Diese soll bald in der Wildnis an Buckelwalen Verwendung finden.
Ebenso gibt es Einschätzungen von Biologen, die sich auch im Freiland intensiv mit Delfinen beschäftigt haben, dass sich das Verhalten von Walen in menschlicher Haltung im Wesentlichen nicht von dem ihrer wildlebenden Artgenossen unterscheidet. (Dass im Übrigen Zoowölfe (es geht hierbei vor allem um die europäische Unterart) anderes Verhalten zeigen als wildlebende, liegt vor allem daran, dass sie häufig in Gruppen gehalten werden (alte Haltungsform) und nicht in Familienverbänden mit einem Elternpaar und dem Nachwuchs aus dem letzten und aktuellen Jahr)
2. Die "Dokumentation" Blackfish enthält leider viele Falschinformationen und viel Vermenschlichung. Sie baut mehr auf emotionale Reaktionen des Publikums denn auf stichhaltige Argumente (da wird anthropomorphisierend vom friedliebenden, moralischen Orca gesprochen, den es aber nicht gibt (oder haben die Transients Bedenken, wenn sie in Grauwalkalb ertränken und danach nur dessen Zunge fressen?)).
3. Zum Thema Habitatgröße: es ist die uralte Frage bei der Haltung von Tieren - wie groß muss ein Habitat sein, damit sich die Tiere wohl fühlen? Dazu muss man wissen, warum Wildtiere derart große Reviere etc. haben. Die Antwort darauf ist simpel: Futter. Ein sibrischer Tiger benötigt in der Natur ein Revier von bis zu 400 km2 Größe, da die Taiga kein nahrungsreicher Ort ist. Für 10 Begaltiger braucht es teilweise "nur" 100km2 (Dschungel und Feuchtsteppe sind Gebiete mit deutlich mehr Biomasse). Die Tendenz ist also erkennbar: je weniger Aufwand zur Nahrungssuche benötigt wird desto kleiner kann das Revier sein. Im Zoo nun muss ein Tier nicht auf Nahrungssuche gehen - im Übrigen muss auch ein Pferd nicht dem frischen Gras hinterherziehen, wie seine wilde Verwandtschaft es in der Mongolei tun würde - daher kann sein Revier um ein Vielfaches kleiner sein als in der Natur. Das Problem, das dadurch entsteht, ist Langeweile und führte früher zu den berühmtberüchtigten Stereotypien, die man noch heute bei einigen "alten Hasen" beobachten kann. In modernen Zoos werden Tiere beschäftigt. Sie müssen sich ihr Futter erarbeiten, erhalten verschiedene Reize und profitieren von Vergesellschaftungen mit anderen Arten.
Und genau da sind Wale eben nicht von anderen Tieren, also nicht vom Tiger, vom Seelöwen oder vom Wellensittich zu unterscheiden. Man kann plakativ sagen: Wenn die Schweizer bereit wären, den Genfer See abzutreten und mit Salzwasser zu füllen, so könnte man vermutlich sogar Blauwale halten.
4. Zum Thema Zucht und Auswilderung von Zootieren. Zoos haben mehrere Grundaufgaben: Arten- und Naturschutz, Forschung, Bildung und Erholung (ja, auch das gehört dazu). Zum Thema Forschung habe ich oben ja bereits etwas geschrieben. Kommen wir also zum Natur- und Artenschutz. Offensichtlich bemühen sich Zoos um die Erhaltung vieler bedrohter Arten (hier seien etwa Wisent, Löwenäffchen, Bartgeier, Schmutzgeier (aktuell sind wieder Tiere aus Deutschland auf dem Weg zurück nach Kroatien), Säbelantilope, Przewalskipferd (vor einigen Wochen gingen wieder Tiere aus Leipzig und Tschechien in die Mongolei), Krokodilhöckerechse, Kanadakranich, Kalifornienkondor, Socorrotaube und Baumhummer (eine Gespenstschrecke) genannt). Einige dieser Arten können inzwischen wieder in die Wildbahn rückgeführt werden. Bei anderen Arten kann dies noch nicht passieren, da entweder die Habitate nicht mehr für sie geeignet sind oder die Gefahr der Wilderei zu groß ist. Ich erkläre das mal am Beispiel des Baumhummers: der Baumhummer oder Lord Howe Island Stabschrecke lebte nur auf ein paar kleinen Inseln bei Australien. Irgendwann kamen Fischer auf die Insel und brachten mit ihren Schiffen Ratten mit. Diese rotteten nach und nach alle Baumhummer aus bis die Art schließlich als ausgestorben galt. Es begab sich aber, dass man 2001 glücklicherweise tote Tiere fand und genauer suchte. Man fand tatsächlich zwei Dutzend Tiere auf einem Teebaum. Einige Tiere wurden mitgenommen und aus diesen entstand eine ex-situ Population in Menschenobhut, genauer gesagt im Zoo von Melbourne. Inzwischen sind einige Tiere wieder auf ihre Insel zurückgekehrt (allerdings in einem geschützen Bereich wegen der Ratten). Anfang 2017 soll mit der Ausrottung der Ratten begonnen werden, damit die Insekten wieder ihre Heimat in Beschlag nehmen können.
Soviel also zu Nachzuchtprojekten.
Nun ist es so, dass in Zoos auch Arten gehalten werden, die (noch) nicht gefährdet sind. Viele dieser Arten sind sogenannte Schirmarten. Auch wenn sie nicht bedroht sind, so sind es viele andere Arten (und die sind leider meist weniger attraktiv, weil Insekt, Amphib oder Reptil) aus ihrem angestammten Lebensraum. Kann der Zoo nun also über die Schirmart Schutzprojekte initiieren, so hilft er nicht nur der Schirmart sondern dem gesamten Ökosystem. Also bespielsweise: rette den Resident-Orca - rette den Lachs - rette darüber den Bär, der ebenso Lachs frisst - rette den Raben, der später die Lachsreste frisst usw. Ein Beispiel aus einem deutschen Zoo wäre beispielsweise das Naturschutzprojekt des Kölner Zoos in Vietnam, in dem vor Ort Forschung und Naturschutz im Regenwald betrieben wird - Schirmart ist hier die Krokodilhöckerechse.