- Tierschutz – ist es wirklich so schwer? Beitrag #1
Tompina
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[FONT="]Ich liebe Tiere. Meine eignen natürlich ganz besonders, aber auch die anderen. Die, die sonst keiner liebt. Die, die zu mir kommen, weil sie nicht mehr gewollt sind. Weil sie noch nie gewollt waren. Sie kommen zu mir. Bleiben eine Weile. Werden gepäppelt, gehegt und gepflegt. Und ich liebe sie egal ob sie ein Hamster oder ein Hund sind. Egal ob groß oder klein. Ob jung oder alt. Ich liebe sie, weil sie wundervolle kleine Individuen sind. Jeder von ihnen. Und weil sie es alle verdienen geliebt zu werden. Deshalb ist es auch irgendwann Zeit sie gehen zu lassen. Menschen zu suchen, die ihnen ein Zuhause geben wollen. Ein echtes Zuhause. Eines, wo sie geschätzt und respektiert werden. Wo es ihnen an nichts fehlt. Egal ob sie ein Hamster sind oder ein Hund. Egal ob groß oder klein. Ob jung oder alt. Und das ist das schwerste am Tierschutz.[/FONT]
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90% der Interessenten, die sich melden kann man vergessen. Leider. Man versucht zu erklären, Verständnis zu schaffen, Möglichkeiten aufzuzeigen wie etwas verbessert werden kann. Wie auch ein bisher nicht so gutes Zuhause zu einem guten Zuhause werden kann. Oft scheitert man schon nach wenigen Sätzen. „Wir machen das schon immer so.“ und „Unsere Tiere sind bisher immer alt geworden.“ sind dabei die schlagkräftigen Gegenargumente, die jeglichen Versuchen den Leuten die Mängel ihrer Haltung, ihrer Einstellung aufzuzeigen die Basis rauben.[/FONT]
[FONT="]Da ist die Frau mit den zwei Hunden, den Frettchen und dem einzelnen Meerschweinchen. Die Frettchen haben ein eigenes Zimmer, die Hunde freien Zugang zum Garten, sowie Spaßprogramm in der Hundeschule. Man kümmert sich auch um die Nachbarskatzen, hat sie kastrieren lassen auf eigene Kosten und entwurmt sie regelmäßig. Aber ein großes Gehege für das Meerschweinchen ist nicht drin. Der Standardgitterkäfig muss reichen. Auch für zwei Tiere. Stolz erzählt sie mir auch noch wie die Kinder das arme Tier jeden Abend zum Fernsehen mit auf das Sofa schleppen. „Ich bin tierlieb und ich mache alles für meine Tiere. Aber meine Kinder brauchen auch noch Platz. Ich kann ihnen doch nicht das Zimmer zubauen.“ – ist das ein Argument gegen ein großes Gehege? „Das Meerschweinchen liegt immer ganz brav da und macht sogar die Augen zu. Ich kenne mich aus, ich sehe, dass es ihm gefällt.“ – ist das ein Argument für das Betatschen und Zwangsbestreicheln eines Fluchttieres? In meinen Augen nein. Ich rate zur Abgabe des Meerschweinchens. In bessere Hände, wo es Platz hat und Gruppenanschluss und keine Kinder, die das arme Tier jeden Tag herumtragen. Die Frau wird pampig. Sie sei Tierschützerin, habe das arme kleine Ding gerettet und dieses kleine Ding solle nun froh sein, wenn sie sich seiner annehme, da müsse man doch nicht über den Platz streiten. Und schon gar nicht um ihre Art mit Tieren umzugehen. Ich solle ihr gefälligst eines meiner Notschweinchen vermitteln, sonst bleibt das Meerschweinchen eben alleine. Die Kinder kümmern sich ja gut. Was soll man denn da noch sagen?
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[FONT="]Da ist der Mann mit den 40 Kaninchen in Einzelbuchten. Stolzer Züchter, der eine Tiere auf Gittern hält und all monatlich auf irgendwelche Schauen schleppt. In meinen Augen ein Tierquäler. Einer, dem nicht das einzelne Lebewesen wichtig ist, sondern seine Zuchtbücher. Seine Schauerfolge und die Richterbeurteilungen. Dieser Mann will ein Kaninchen von mir. Für seine Frau. Ich frage ihn warum. Er hat doch schon genug. Ja nein, er will eins zum Anfassen. Seine seien ja keine Schmusetiere. Ich verkneife mir den Hinweis, dass kein Kaninchen ein Schmusetier ist und dass ich wäre ich ein Kaninchen in Einzelhaft auf Gitter schon drei Mal keine Lust auf Schmusen hätte. Ich frage nach der Unterbringung. Einzelbox neben den anderen. Ich schlucke einen weiteren Kommentar herunter. Will mich nicht aufregen. Ich sage ihm höflich, dass ich mir nicht vorstellen kann eines meiner Notfellchen in seine Hände zu vermitteln. Er ist ehrlich erstaunt. Dann wird er böse. Schreit mich an. Dann gehe er halt auf den Kleintiermarkt und hole da eins, wenn ich mich so dämlich anstelle. Ich lege auf.
[/FONT]
[FONT="]Da ist die Familie mit Hund und zwei Katzen. Großes Haus, Katzenfreigehege im Anschluss an den Wintergarten. Sie wollen ein Meerschweinchen und ein Kaninchen von mir. Zusammen. Ich fange an zu erklären. Die Unterschiede zwischen den Tierarten, die verschiedenen Bedürfnisse. Ich sage, sie sollen sich doch erst mal für eine Tierart entscheiden und sich dann ein Pärchen Kaninchen oder eben eine Gruppe Meerschweinchen anschaffen. Nein. Ein Kind will ein Kaninchen und eines ein Meerschweinchen. Für mehrere Tiere beider Arten sei aber kein Platz. Schon gar nicht für zwei getrennte Gehege. Ich lasse mir das Haus beschreiben. Gebe Tipps wo und wie man ein katzen- und hundesicheres Gehege unterbringen könnte. Verweise darauf, dass der Mann des Hauses ja handwerklich geschickt sein muss, wenn er ein Katzenfreigehege selbst gebaut hat. Ich stoße auf massive Gegenwehr. Ich solle mich nicht so haben. Im Fernsehen seien die Tiere ja auch immer alleine. Und in den Büchern steht auch immer, dass Kaninchen und Meerschweinchen optimale Partner sind. Ich begreife, dass man mir bei meinen Erklärungen über die Tierarten gar nicht richtig zugehört hat. Ich versuche es erneut mit Tipps und Erklärungen. Ich scheitere. Daran, dass man ja dann doch lieber zum Zooladen an der Ecke gehen wolle. Da bekomme man was man wolle ohne besserwisserische Kommentare. Und daran, dass auch hier ein himmelweiter Unterschied in der Wertigkeit der Tierarten zu bestehen scheint. Für Hunde und Katzen ist man bereit alles zu tun. Mit dem Kleingetier will man sich erst gar nicht richtig befassen. Hauptsache die Kinder haben ein neues Spielzeug.
[/FONT]
[FONT="]Und das sind nur drei Beispielfälle von so unendlich vielen, erschreckenden Gesprächen.
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[FONT="]Oft frage ich mich, sind meine Ansprüche vielleicht wirklich zu hoch? Aber dann melden sich Interessenten, die genau das bieten, was ich suche und ich weiß wieder, dass es richtig ist zu warten. Zu warten auf die richtigen Leute. Auf die in der Unterzahl. In der Unterzahl gegen all die ignoranten und egoistischen Leute da draußen. Leute, die es nicht mal böse meinen. Leute, die einfach in Euros denken. Kleintiere sind billig. Und sterben schnell. Da lohnt sich der Aufwand kaum. Selbst Leute, die sich wirklich an anderen Fronten für Tiere einsetzen, scheitern dann an diesem Punkt. An der scheinbar vorhandenen Schwelle zwischen Hund, Katze, Pferd und dem Rest.
[/FONT]
[FONT="]Aber warum eigentlich? Was macht uns Menschen zu so verbohrten Geschöpfen? Warum gibt es da draußen so viele die sich Tierschützer oder Tierliebhaber nennen und dann doch nicht bereit sind auch die Kleinen zu schützen und zu lieben? Warum ist jemand bereit für eine Hochglanzedelstahl-Hundebox fürs Auto 1.500€ zu bezahlen, aber der Hamster muss elendig an einer Pilzerkrankung eingehen weil 50€ Behandlungskosten sich nicht lohnen? Warum jammert man mir die Ohren voll wie schrecklich doch die Massentierhaltung ist, dass man ja nur noch Biofleisch kauft und selbst da nicht weiß was man bekommt und hat aber im eigenen Wohnzimmer ein winziges Aquarium mit Farbmäusen, die sich fröhlich und wahllos vermehren um dann beim Zooladen um die Ecke verkauft zu werden? Warum fährt man mit seinem Pferd quer durch Deutschland von Spezialist zu Spezialist und lässt alleine mehrere tausend Euro Fahrgeld auf der Straße, ist aber nicht in der Lage die sich streitenden Kaninchenböcke kastrieren zu lassen um sie vielleicht endlich aus der erzwungenen Einzelhaft zu befreien, weil der Tierarzt ja vollkommen verrückt ist und auch noch Geld für die Kastration will?[/FONT]
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Sind 90% aller Menschen schizophren? Oder wie soll ich mir das erklären?[/FONT]
[FONT="]Es heißt doch TIERschutz. Und auch ein Hamster ist ein Tier, oder nicht? Auch Meerschweinchen und Kaninchen haben Bedürfnisse. Und Rechte. Rechte auf ein artgerechtes Leben. Auf Respekt. Auf Liebe. Liebe, die nicht bei Geld aufhört. Liebe, die nicht abhängig ist von Platz und Geduld. Liebe, die echt und allumfassend ist. Liebe, die manche Menschen anscheinend nur für Lebewesen aufbringen können, die es ihnen „danken“. Hunde sind in der Regel treue Begleiter, Katzen kommen ab und an zum Schmusen und ein Pferd ist zumindest in den meisten Fällen reitbar - nutzbar. Aber was hat ein Meerschweinchen schon zu bieten? Und wie undankbar ist erst ein scheues Kaninchen? Und der doofe Hamster, der sich nur in der Nacht zeigt? Wer sich selbst keine Mühe gibt, hat auch keine Mühe verdient – oder wie sonst soll ich diese Einstellung verstehen? Ist das überhaupt eine Einstellung?
[/FONT]
[FONT="]Man kommt zu erschreckenden Erkenntnissen, wenn man Tierschutz betreibt. Wenn man es ernst meint. Wenn man sich für einen Hamster ebenso stark macht wie für einen Hund. Zu erschreckenden Erkenntnissen über Menschen. Menschen wie man selbst. Menschen, die ohne böse Absichten oder perverse Hintergedanken zu Tierquälern werden. Weil sie faul sind. Zu faul um etwas zu ändern. Weil sie egoistisch sind. So egoistisch, dass ihre Bedürfnisse und Wünsche an erster Stelle kommen. Weil sie gleichgültig sind. Gleichgültig gegenüber Unrecht im eigenen Haus. Gleichgültig weil es die eigene Lebensqualität nicht beeinträchtigt. Gleichgültig weil es viel zu mühsam wäre sich mit den eigenen Fehlern zu beschäftigen.
[/FONT]
[FONT="]Ich bin weiß Gott nicht perfekt. Niemand ist das. Aber man kann an sich arbeiten. Man kann sich bemühen. Man kann Verantwortung übernehmen. Für sich. Und für andere. Man muss nicht die ganze Welt retten, aber man kann zumindest die eigene kleine Welt so gut wie möglich machen.
[/FONT]
[FONT="]„Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist, es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.“ [/FONT][FONT="](Songtext von den Ärtzten)[/FONT]
[FONT="]Und so schwer ist es nicht. Wer nicht bereit ist auf Platz, Zeit und Geld zu verzichten – okay, akzeptiert. Das ist der freie Wille jedes Einzelnen. Aber dann soll man auch bitte nicht anderen diesen Willen aufzwingen. Vor allem nicht jenen, die sich nicht wehren können. Jene, die uns Menschen schutzlos und hilflos ausgeliefert sind. Weil sie abhängig sind. Von uns und dem was wir ihnen geben. Wer nicht verzichten will, muss das nicht. Aber derjenige soll dann bitte so fair sein und keine hilflosen Lebewesen in den eigenen egoistischen Lebensstil mit einbeziehen.
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[FONT="]Ist das zu viel verlangt? Ist das wirklich so unmöglich und absurd? Je länger ich im Tierschutz bin, desto mehr komme ich zu der erschreckenden Antwort: JA. Es scheint zu viel verlangt. Und ja es scheint wirklich für viele Menschen unmöglich und absurd.
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[FONT="]Trotzdem werde ich weitermachen. Werde gegen Wände reden und gegen Windmühlen kämpfen und werde mir immer und immer wieder die gleichen verzweifelten Fragen stellen, weil ich weiß, dass es sich lohnt. Weil ich jeden Tag so viele wundervolle Geschöpfe um mich habe, die mir zeigen, dass es richtig ist zu kämpfen. Nicht nur für sie, sondern auch für die anderen. Und Gott sei Dank bin ich nicht alleine. Denn neben den vielen, unerfreulichen Begegnungen gab es auch viele sehr schöne Begegnungen. Mit Menschen, die wie ich denken. Die sich die gleichen Fragen stellen und die gleichen Zweifel haben. Menschen in meiner Umgebung, Menschen hier im Forum. Menschen, die den gleichen Kampf kämpfen wie ich. Jeden Tag. Jahr ein, Jahr aus. Menschen, denen ich an dieser Stelle DANKE sagen möchte! Weil es den oft so aussichtslosen Kampf einfacher macht, wenn man ihn nicht alleine kämpft und weil es hilft zu sehen, dass man nicht verrückt oder weltfremd ist mit seinen Einstellungen.[/FONT]
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Tierschutz ist schwer – aber wenn wir zusammenhalten, geht das![/FONT]
[FONT="]„Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern.“ [/FONT][FONT="](afrikanisches Sprichwort)[/FONT][FONT="][/FONT]
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90% der Interessenten, die sich melden kann man vergessen. Leider. Man versucht zu erklären, Verständnis zu schaffen, Möglichkeiten aufzuzeigen wie etwas verbessert werden kann. Wie auch ein bisher nicht so gutes Zuhause zu einem guten Zuhause werden kann. Oft scheitert man schon nach wenigen Sätzen. „Wir machen das schon immer so.“ und „Unsere Tiere sind bisher immer alt geworden.“ sind dabei die schlagkräftigen Gegenargumente, die jeglichen Versuchen den Leuten die Mängel ihrer Haltung, ihrer Einstellung aufzuzeigen die Basis rauben.[/FONT]
[FONT="]Da ist die Frau mit den zwei Hunden, den Frettchen und dem einzelnen Meerschweinchen. Die Frettchen haben ein eigenes Zimmer, die Hunde freien Zugang zum Garten, sowie Spaßprogramm in der Hundeschule. Man kümmert sich auch um die Nachbarskatzen, hat sie kastrieren lassen auf eigene Kosten und entwurmt sie regelmäßig. Aber ein großes Gehege für das Meerschweinchen ist nicht drin. Der Standardgitterkäfig muss reichen. Auch für zwei Tiere. Stolz erzählt sie mir auch noch wie die Kinder das arme Tier jeden Abend zum Fernsehen mit auf das Sofa schleppen. „Ich bin tierlieb und ich mache alles für meine Tiere. Aber meine Kinder brauchen auch noch Platz. Ich kann ihnen doch nicht das Zimmer zubauen.“ – ist das ein Argument gegen ein großes Gehege? „Das Meerschweinchen liegt immer ganz brav da und macht sogar die Augen zu. Ich kenne mich aus, ich sehe, dass es ihm gefällt.“ – ist das ein Argument für das Betatschen und Zwangsbestreicheln eines Fluchttieres? In meinen Augen nein. Ich rate zur Abgabe des Meerschweinchens. In bessere Hände, wo es Platz hat und Gruppenanschluss und keine Kinder, die das arme Tier jeden Tag herumtragen. Die Frau wird pampig. Sie sei Tierschützerin, habe das arme kleine Ding gerettet und dieses kleine Ding solle nun froh sein, wenn sie sich seiner annehme, da müsse man doch nicht über den Platz streiten. Und schon gar nicht um ihre Art mit Tieren umzugehen. Ich solle ihr gefälligst eines meiner Notschweinchen vermitteln, sonst bleibt das Meerschweinchen eben alleine. Die Kinder kümmern sich ja gut. Was soll man denn da noch sagen?
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[FONT="]Da ist der Mann mit den 40 Kaninchen in Einzelbuchten. Stolzer Züchter, der eine Tiere auf Gittern hält und all monatlich auf irgendwelche Schauen schleppt. In meinen Augen ein Tierquäler. Einer, dem nicht das einzelne Lebewesen wichtig ist, sondern seine Zuchtbücher. Seine Schauerfolge und die Richterbeurteilungen. Dieser Mann will ein Kaninchen von mir. Für seine Frau. Ich frage ihn warum. Er hat doch schon genug. Ja nein, er will eins zum Anfassen. Seine seien ja keine Schmusetiere. Ich verkneife mir den Hinweis, dass kein Kaninchen ein Schmusetier ist und dass ich wäre ich ein Kaninchen in Einzelhaft auf Gitter schon drei Mal keine Lust auf Schmusen hätte. Ich frage nach der Unterbringung. Einzelbox neben den anderen. Ich schlucke einen weiteren Kommentar herunter. Will mich nicht aufregen. Ich sage ihm höflich, dass ich mir nicht vorstellen kann eines meiner Notfellchen in seine Hände zu vermitteln. Er ist ehrlich erstaunt. Dann wird er böse. Schreit mich an. Dann gehe er halt auf den Kleintiermarkt und hole da eins, wenn ich mich so dämlich anstelle. Ich lege auf.
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[FONT="]Da ist die Familie mit Hund und zwei Katzen. Großes Haus, Katzenfreigehege im Anschluss an den Wintergarten. Sie wollen ein Meerschweinchen und ein Kaninchen von mir. Zusammen. Ich fange an zu erklären. Die Unterschiede zwischen den Tierarten, die verschiedenen Bedürfnisse. Ich sage, sie sollen sich doch erst mal für eine Tierart entscheiden und sich dann ein Pärchen Kaninchen oder eben eine Gruppe Meerschweinchen anschaffen. Nein. Ein Kind will ein Kaninchen und eines ein Meerschweinchen. Für mehrere Tiere beider Arten sei aber kein Platz. Schon gar nicht für zwei getrennte Gehege. Ich lasse mir das Haus beschreiben. Gebe Tipps wo und wie man ein katzen- und hundesicheres Gehege unterbringen könnte. Verweise darauf, dass der Mann des Hauses ja handwerklich geschickt sein muss, wenn er ein Katzenfreigehege selbst gebaut hat. Ich stoße auf massive Gegenwehr. Ich solle mich nicht so haben. Im Fernsehen seien die Tiere ja auch immer alleine. Und in den Büchern steht auch immer, dass Kaninchen und Meerschweinchen optimale Partner sind. Ich begreife, dass man mir bei meinen Erklärungen über die Tierarten gar nicht richtig zugehört hat. Ich versuche es erneut mit Tipps und Erklärungen. Ich scheitere. Daran, dass man ja dann doch lieber zum Zooladen an der Ecke gehen wolle. Da bekomme man was man wolle ohne besserwisserische Kommentare. Und daran, dass auch hier ein himmelweiter Unterschied in der Wertigkeit der Tierarten zu bestehen scheint. Für Hunde und Katzen ist man bereit alles zu tun. Mit dem Kleingetier will man sich erst gar nicht richtig befassen. Hauptsache die Kinder haben ein neues Spielzeug.
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[FONT="]Und das sind nur drei Beispielfälle von so unendlich vielen, erschreckenden Gesprächen.
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[FONT="]Oft frage ich mich, sind meine Ansprüche vielleicht wirklich zu hoch? Aber dann melden sich Interessenten, die genau das bieten, was ich suche und ich weiß wieder, dass es richtig ist zu warten. Zu warten auf die richtigen Leute. Auf die in der Unterzahl. In der Unterzahl gegen all die ignoranten und egoistischen Leute da draußen. Leute, die es nicht mal böse meinen. Leute, die einfach in Euros denken. Kleintiere sind billig. Und sterben schnell. Da lohnt sich der Aufwand kaum. Selbst Leute, die sich wirklich an anderen Fronten für Tiere einsetzen, scheitern dann an diesem Punkt. An der scheinbar vorhandenen Schwelle zwischen Hund, Katze, Pferd und dem Rest.
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[FONT="]Aber warum eigentlich? Was macht uns Menschen zu so verbohrten Geschöpfen? Warum gibt es da draußen so viele die sich Tierschützer oder Tierliebhaber nennen und dann doch nicht bereit sind auch die Kleinen zu schützen und zu lieben? Warum ist jemand bereit für eine Hochglanzedelstahl-Hundebox fürs Auto 1.500€ zu bezahlen, aber der Hamster muss elendig an einer Pilzerkrankung eingehen weil 50€ Behandlungskosten sich nicht lohnen? Warum jammert man mir die Ohren voll wie schrecklich doch die Massentierhaltung ist, dass man ja nur noch Biofleisch kauft und selbst da nicht weiß was man bekommt und hat aber im eigenen Wohnzimmer ein winziges Aquarium mit Farbmäusen, die sich fröhlich und wahllos vermehren um dann beim Zooladen um die Ecke verkauft zu werden? Warum fährt man mit seinem Pferd quer durch Deutschland von Spezialist zu Spezialist und lässt alleine mehrere tausend Euro Fahrgeld auf der Straße, ist aber nicht in der Lage die sich streitenden Kaninchenböcke kastrieren zu lassen um sie vielleicht endlich aus der erzwungenen Einzelhaft zu befreien, weil der Tierarzt ja vollkommen verrückt ist und auch noch Geld für die Kastration will?[/FONT]
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Sind 90% aller Menschen schizophren? Oder wie soll ich mir das erklären?[/FONT]
[FONT="]Es heißt doch TIERschutz. Und auch ein Hamster ist ein Tier, oder nicht? Auch Meerschweinchen und Kaninchen haben Bedürfnisse. Und Rechte. Rechte auf ein artgerechtes Leben. Auf Respekt. Auf Liebe. Liebe, die nicht bei Geld aufhört. Liebe, die nicht abhängig ist von Platz und Geduld. Liebe, die echt und allumfassend ist. Liebe, die manche Menschen anscheinend nur für Lebewesen aufbringen können, die es ihnen „danken“. Hunde sind in der Regel treue Begleiter, Katzen kommen ab und an zum Schmusen und ein Pferd ist zumindest in den meisten Fällen reitbar - nutzbar. Aber was hat ein Meerschweinchen schon zu bieten? Und wie undankbar ist erst ein scheues Kaninchen? Und der doofe Hamster, der sich nur in der Nacht zeigt? Wer sich selbst keine Mühe gibt, hat auch keine Mühe verdient – oder wie sonst soll ich diese Einstellung verstehen? Ist das überhaupt eine Einstellung?
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[FONT="]Man kommt zu erschreckenden Erkenntnissen, wenn man Tierschutz betreibt. Wenn man es ernst meint. Wenn man sich für einen Hamster ebenso stark macht wie für einen Hund. Zu erschreckenden Erkenntnissen über Menschen. Menschen wie man selbst. Menschen, die ohne böse Absichten oder perverse Hintergedanken zu Tierquälern werden. Weil sie faul sind. Zu faul um etwas zu ändern. Weil sie egoistisch sind. So egoistisch, dass ihre Bedürfnisse und Wünsche an erster Stelle kommen. Weil sie gleichgültig sind. Gleichgültig gegenüber Unrecht im eigenen Haus. Gleichgültig weil es die eigene Lebensqualität nicht beeinträchtigt. Gleichgültig weil es viel zu mühsam wäre sich mit den eigenen Fehlern zu beschäftigen.
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[FONT="]Ich bin weiß Gott nicht perfekt. Niemand ist das. Aber man kann an sich arbeiten. Man kann sich bemühen. Man kann Verantwortung übernehmen. Für sich. Und für andere. Man muss nicht die ganze Welt retten, aber man kann zumindest die eigene kleine Welt so gut wie möglich machen.
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[FONT="]„Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist, es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.“ [/FONT][FONT="](Songtext von den Ärtzten)[/FONT]
[FONT="]Und so schwer ist es nicht. Wer nicht bereit ist auf Platz, Zeit und Geld zu verzichten – okay, akzeptiert. Das ist der freie Wille jedes Einzelnen. Aber dann soll man auch bitte nicht anderen diesen Willen aufzwingen. Vor allem nicht jenen, die sich nicht wehren können. Jene, die uns Menschen schutzlos und hilflos ausgeliefert sind. Weil sie abhängig sind. Von uns und dem was wir ihnen geben. Wer nicht verzichten will, muss das nicht. Aber derjenige soll dann bitte so fair sein und keine hilflosen Lebewesen in den eigenen egoistischen Lebensstil mit einbeziehen.
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[FONT="]Ist das zu viel verlangt? Ist das wirklich so unmöglich und absurd? Je länger ich im Tierschutz bin, desto mehr komme ich zu der erschreckenden Antwort: JA. Es scheint zu viel verlangt. Und ja es scheint wirklich für viele Menschen unmöglich und absurd.
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[FONT="]Trotzdem werde ich weitermachen. Werde gegen Wände reden und gegen Windmühlen kämpfen und werde mir immer und immer wieder die gleichen verzweifelten Fragen stellen, weil ich weiß, dass es sich lohnt. Weil ich jeden Tag so viele wundervolle Geschöpfe um mich habe, die mir zeigen, dass es richtig ist zu kämpfen. Nicht nur für sie, sondern auch für die anderen. Und Gott sei Dank bin ich nicht alleine. Denn neben den vielen, unerfreulichen Begegnungen gab es auch viele sehr schöne Begegnungen. Mit Menschen, die wie ich denken. Die sich die gleichen Fragen stellen und die gleichen Zweifel haben. Menschen in meiner Umgebung, Menschen hier im Forum. Menschen, die den gleichen Kampf kämpfen wie ich. Jeden Tag. Jahr ein, Jahr aus. Menschen, denen ich an dieser Stelle DANKE sagen möchte! Weil es den oft so aussichtslosen Kampf einfacher macht, wenn man ihn nicht alleine kämpft und weil es hilft zu sehen, dass man nicht verrückt oder weltfremd ist mit seinen Einstellungen.[/FONT]
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Tierschutz ist schwer – aber wenn wir zusammenhalten, geht das![/FONT]
[FONT="]„Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern.“ [/FONT][FONT="](afrikanisches Sprichwort)[/FONT][FONT="][/FONT]