- 2 Jahre Funkstille von Tante Shiva.. Hier ist der Grund dafür Beitrag #1
Shivara
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2 Jahre war ich nicht mehr hier. 2 Jahre in denen mir sehr, sehr viel wiederfahren ist und eigentlich finde ich da gar keinen so rechten Beginn.
Ich weiß gar nicht mehr wo das angefangen hat, dass ich mich so zurück gezogen habe.
Der Hauptgrund war eigentlich der Tod meines Großvaters.
Dieser Mann war nicht einfach nur mein Opa. Ich habe meinen Vater nie kennen gelernt. Hat mich auch ehrlich gesagt nie interessiert, denn ich hatte meinen Opa. Dieser Mann war für mich eine Art Vaterersatz. Er war nicht von dieser typisch herzlichen Sorte, so a la ich hab dich lieb oder sowas. Mein Opa war ein typisch ruppiger Norddeutscher. Schroffe, aber sehr liebenswerte Art, gab sein letztes Hemd für uns als Familie. Gerade ich war etwas sehr besonderes für ihn. Ich war nicht einfach nur seine Enkeltochter. Ich war sein ein und alles. Ich habe immer mal wieder übergangsweise bei ihm gewohnt. Wir haben damals noch Super Mario auf der NES gespielt. Ja, der ganz alte, graue Konsolenkasten. Mein Opa war ein Meister in diesem Spiel. Zu seinem 74. Geburtstag habe ich ihm wieder eine geschenkt, er hatte sich wahnsinnig darüber gefreut und immer wenn ich bei ihm zu Besuch war, saßen wir stundenlang vor der Kiste und haben wieder gespielt, obwohl ich da bereits 22 war. Mir war das total egal. Ich habe diesen Mann vergöttert. Wann immer ich nicht weiter wusste, Opa war für mich da. Nicht mit Worten, sondern mit Taten. Wenn ich in die Disco gefahren bin, bestand er darauf, dass ich das Auto, welches ich ihm geschenkt habe, mitnehme. (Sein Auto ging damals kaputt, mein Wagen war nicht angemeldet und stand eh nur rum, warum es dann nicht einfach meinem Opa geben der dringend ein Auto brauchte? Hatte ja schließlich auch für mich sehr viel getan. Das war für mich eine Selbstverständlichkeit)
Jeden morgen wenn er aufstand, kam er ins Wohnzimmer, deckte mich wieder zu, strich mir über den Kopf und ging erst dann zur Arbeit. Ein Ritual, was ich sehnlichst vermisse.
In der Zeit in der er im sterben lag waren 2 Freunde sehr viel für mich da. Vany und Nick. Wir blieben beide bei Vany, die beiden wechselten sich ab mit wach bleiben für mich, falls der Anruf kam, damit ich schlafen konnte, denn ich weigerte mich zu schlafen. Aber um Auto fahren zu können muss man ja bekanntlich schlafen.
Letztendlich.. Hat der Krebs dann doch gesiegt. Die Beerdigung war eigentlich sogar recht schön. Es tat weh, ja. Aber es war okay.
Ich glaube das schlimmste für mich war ihm sagen zu müssen, dass er gehen darf. Dass ich ihm am Sterbebett schwören musste niemals aufzugeben, noch einmal zu hören, dass er unendlich stolz auf mich und meinen Kampfgeist sei bei all den Dingen die mir wiederfahren sind. Dass er immer auf mich achtgeben wird... Ach Opa, du fehlst so sehr..
Nach seinem Tod war ich nicht mehr dieselbe. Die Phasen der Trauer waren bei mir total verschoben. Statt traurig zu sein und weinen zu können, war ich wütend. Nick ließ mich einen Abend für 2 Stunden allein, ich habe die ganze Wohnung in Schutt und Asche gelegt.. da war so viel Wut, unendliche Wut! All die Dinge, die ich nun nicht mehr mit ihm teilen konnte, all die Erfolge, die er nun nicht mehr miterleben kann, zmd nicht auf physische Art.. es war die Hölle.
Dann folgte die emotionale Stille.
Ich fühlte nichts mehr. Ich war zwar anwesend, aber nie richtig da. Meine Freunde machten sich mehr und mehr Sorgen um mich, aber was sollten sie schon tun?
Meine Familie hat nicht verstanden wie viel mir dieser Mann bedeutet hat... War ja "nur" der Opa. "Wir haben unseren Vater verloren, das ist nochmal um einiges schlimmer!" Das habe ich so nicht empfunden und ich fand die Aussage nicht nur gemein, sondern sehr unfair. Doch es war schon immer so. Ich war die Stärkste von uns. Während meine Mutter und meine Tanten trauerten, war ich da um zu trösten. Meine Oma hatte meinen Stiefopa, so what..
Ich kam auch irgendwie alleine klar. Dachte ich zumindest.
Dezember 2013..
Im Februar 2014 dann bekam ich das Okay für meine Ausbildung zur Assistentin in Fremdsprachen. Yay, geile Sache!
Wäre ich nur nicht immer noch so taub gewesen.
Das Jahr verging, ich begann die Ausbildung, doch es kamen immer nur noch mehr Probleme auf mich zu.
Schimmel im Schlafzimmer, um den sich nicht gekümmert wurde. Der kam aus dem Kamin im Keller, war also nicht meine Schuld.
Ein Nachbar, der mir jeden morgen um 5 mit einem Hammer vor die Türe geschlagen hat. Die Polizei hat natürlich nichts weiter getan als die Anzeige aufzunehmen und das wars. Wozu auch ermitteln. Sagen wir einer 24jährigen, zierlichen Frau lieber, sie solle doch einmal die Türe aufmachen wenn dieser Mensch hämmert. Bin ich denn das Wahnsinns? *kopfschüttel*
Es wurde alles zu viel. Mehr und mehr taute ich auf und immer mehr Emotionen und Schmerz prasselten auf mich ein.
Ich hielt stand, zunächst.
Doch irgendwann kann man einfach nicht mehr.
So endete das Ganze mit einem Nervenzusammenbruch im November 2014, einer abgebrochenen Ausbildung und einer offiziell obdachlosen Shivara, denn die Wohnung musste ich wegen Gesundheitsgefährdung schleunigst verlassen.
Mittlerweile haben sich die Dinge gebessert. Ich bin in Therapie, die läuft eigentlich recht gut.
Betreutes Wohnen von der Diakonie, auch nichts verkehrtes, im Gegenteil. Mein Betreuer ist ein richtig toller und tierlieber Mensch.
Ich habe eine wunderschöne neue Wohnung. Ich bin meinem Freund begegnet, ein wunderbarer Mann der sehr viel Verständnis für mich aufbringt, für mich da ist und trotzdem seinen Weg geht. Ende des Jahres werden wir zusammen ziehen. Vor ihm hatte ich nie das Bedürfnis mit einem Mann zusammen zu ziehen. Aber er ist etwas besonderes. Es ist etwas anderes, neues. Es ist nicht dieses typische rosarote Verliebtsein.. Das hier ist etwas tieferes, emotionaleres. Ich bin dankbar dafür.
Alles in allem.. Ich bin wieder da, auch langsam wieder ich selbst, auch wenn es noch ein weiter Weg ist, bis ich wieder arbeiten darf. Ich glaube das ist es, was mich am meisten nervt zur Zeit. Dass ich möchte, aber einfach nicht darf.
Geduld ist eine Tugend, die ich noch nie besaß. Nun werde ich mich darin üben müssen.
Die Kurzfassung zu dem, was passiert ist. Dazwischen gab es noch mehr Dinge, aber die alle noch abzutippen würde Stunden dauern.
Ich bin wieder da. Nicht ganz die, die ich war, aber irgendwo immer noch ich. Ich habe meinen Weg gefunden. Es geht voran. Wenn auch langsam, aber es geht vorran. Das ist alles was zählt.
Ich weiß gar nicht mehr wo das angefangen hat, dass ich mich so zurück gezogen habe.
Der Hauptgrund war eigentlich der Tod meines Großvaters.
Dieser Mann war nicht einfach nur mein Opa. Ich habe meinen Vater nie kennen gelernt. Hat mich auch ehrlich gesagt nie interessiert, denn ich hatte meinen Opa. Dieser Mann war für mich eine Art Vaterersatz. Er war nicht von dieser typisch herzlichen Sorte, so a la ich hab dich lieb oder sowas. Mein Opa war ein typisch ruppiger Norddeutscher. Schroffe, aber sehr liebenswerte Art, gab sein letztes Hemd für uns als Familie. Gerade ich war etwas sehr besonderes für ihn. Ich war nicht einfach nur seine Enkeltochter. Ich war sein ein und alles. Ich habe immer mal wieder übergangsweise bei ihm gewohnt. Wir haben damals noch Super Mario auf der NES gespielt. Ja, der ganz alte, graue Konsolenkasten. Mein Opa war ein Meister in diesem Spiel. Zu seinem 74. Geburtstag habe ich ihm wieder eine geschenkt, er hatte sich wahnsinnig darüber gefreut und immer wenn ich bei ihm zu Besuch war, saßen wir stundenlang vor der Kiste und haben wieder gespielt, obwohl ich da bereits 22 war. Mir war das total egal. Ich habe diesen Mann vergöttert. Wann immer ich nicht weiter wusste, Opa war für mich da. Nicht mit Worten, sondern mit Taten. Wenn ich in die Disco gefahren bin, bestand er darauf, dass ich das Auto, welches ich ihm geschenkt habe, mitnehme. (Sein Auto ging damals kaputt, mein Wagen war nicht angemeldet und stand eh nur rum, warum es dann nicht einfach meinem Opa geben der dringend ein Auto brauchte? Hatte ja schließlich auch für mich sehr viel getan. Das war für mich eine Selbstverständlichkeit)
Jeden morgen wenn er aufstand, kam er ins Wohnzimmer, deckte mich wieder zu, strich mir über den Kopf und ging erst dann zur Arbeit. Ein Ritual, was ich sehnlichst vermisse.
In der Zeit in der er im sterben lag waren 2 Freunde sehr viel für mich da. Vany und Nick. Wir blieben beide bei Vany, die beiden wechselten sich ab mit wach bleiben für mich, falls der Anruf kam, damit ich schlafen konnte, denn ich weigerte mich zu schlafen. Aber um Auto fahren zu können muss man ja bekanntlich schlafen.
Letztendlich.. Hat der Krebs dann doch gesiegt. Die Beerdigung war eigentlich sogar recht schön. Es tat weh, ja. Aber es war okay.
Ich glaube das schlimmste für mich war ihm sagen zu müssen, dass er gehen darf. Dass ich ihm am Sterbebett schwören musste niemals aufzugeben, noch einmal zu hören, dass er unendlich stolz auf mich und meinen Kampfgeist sei bei all den Dingen die mir wiederfahren sind. Dass er immer auf mich achtgeben wird... Ach Opa, du fehlst so sehr..
Nach seinem Tod war ich nicht mehr dieselbe. Die Phasen der Trauer waren bei mir total verschoben. Statt traurig zu sein und weinen zu können, war ich wütend. Nick ließ mich einen Abend für 2 Stunden allein, ich habe die ganze Wohnung in Schutt und Asche gelegt.. da war so viel Wut, unendliche Wut! All die Dinge, die ich nun nicht mehr mit ihm teilen konnte, all die Erfolge, die er nun nicht mehr miterleben kann, zmd nicht auf physische Art.. es war die Hölle.
Dann folgte die emotionale Stille.
Ich fühlte nichts mehr. Ich war zwar anwesend, aber nie richtig da. Meine Freunde machten sich mehr und mehr Sorgen um mich, aber was sollten sie schon tun?
Meine Familie hat nicht verstanden wie viel mir dieser Mann bedeutet hat... War ja "nur" der Opa. "Wir haben unseren Vater verloren, das ist nochmal um einiges schlimmer!" Das habe ich so nicht empfunden und ich fand die Aussage nicht nur gemein, sondern sehr unfair. Doch es war schon immer so. Ich war die Stärkste von uns. Während meine Mutter und meine Tanten trauerten, war ich da um zu trösten. Meine Oma hatte meinen Stiefopa, so what..
Ich kam auch irgendwie alleine klar. Dachte ich zumindest.
Dezember 2013..
Im Februar 2014 dann bekam ich das Okay für meine Ausbildung zur Assistentin in Fremdsprachen. Yay, geile Sache!
Wäre ich nur nicht immer noch so taub gewesen.
Das Jahr verging, ich begann die Ausbildung, doch es kamen immer nur noch mehr Probleme auf mich zu.
Schimmel im Schlafzimmer, um den sich nicht gekümmert wurde. Der kam aus dem Kamin im Keller, war also nicht meine Schuld.
Ein Nachbar, der mir jeden morgen um 5 mit einem Hammer vor die Türe geschlagen hat. Die Polizei hat natürlich nichts weiter getan als die Anzeige aufzunehmen und das wars. Wozu auch ermitteln. Sagen wir einer 24jährigen, zierlichen Frau lieber, sie solle doch einmal die Türe aufmachen wenn dieser Mensch hämmert. Bin ich denn das Wahnsinns? *kopfschüttel*
Es wurde alles zu viel. Mehr und mehr taute ich auf und immer mehr Emotionen und Schmerz prasselten auf mich ein.
Ich hielt stand, zunächst.
Doch irgendwann kann man einfach nicht mehr.
So endete das Ganze mit einem Nervenzusammenbruch im November 2014, einer abgebrochenen Ausbildung und einer offiziell obdachlosen Shivara, denn die Wohnung musste ich wegen Gesundheitsgefährdung schleunigst verlassen.
Mittlerweile haben sich die Dinge gebessert. Ich bin in Therapie, die läuft eigentlich recht gut.
Betreutes Wohnen von der Diakonie, auch nichts verkehrtes, im Gegenteil. Mein Betreuer ist ein richtig toller und tierlieber Mensch.
Ich habe eine wunderschöne neue Wohnung. Ich bin meinem Freund begegnet, ein wunderbarer Mann der sehr viel Verständnis für mich aufbringt, für mich da ist und trotzdem seinen Weg geht. Ende des Jahres werden wir zusammen ziehen. Vor ihm hatte ich nie das Bedürfnis mit einem Mann zusammen zu ziehen. Aber er ist etwas besonderes. Es ist etwas anderes, neues. Es ist nicht dieses typische rosarote Verliebtsein.. Das hier ist etwas tieferes, emotionaleres. Ich bin dankbar dafür.
Alles in allem.. Ich bin wieder da, auch langsam wieder ich selbst, auch wenn es noch ein weiter Weg ist, bis ich wieder arbeiten darf. Ich glaube das ist es, was mich am meisten nervt zur Zeit. Dass ich möchte, aber einfach nicht darf.
Geduld ist eine Tugend, die ich noch nie besaß. Nun werde ich mich darin üben müssen.
Die Kurzfassung zu dem, was passiert ist. Dazwischen gab es noch mehr Dinge, aber die alle noch abzutippen würde Stunden dauern.
Ich bin wieder da. Nicht ganz die, die ich war, aber irgendwo immer noch ich. Ich habe meinen Weg gefunden. Es geht voran. Wenn auch langsam, aber es geht vorran. Das ist alles was zählt.