Der Afrikanische Weißbauchigel ist durchaus als Heimtier geeignet, allerdings sollte man vor seiner Anschaffung wichtige Punkte bedenken und sich genau überlegen, ob man den Anforderungen die so ein Igelchen an seinen Halter stellt, auch gerecht werden kann.
Deutschsprachige Literatur ist unterdes auch erhältlich, Ratgeber sowie Berichte und Beiträge in einschlägigen Kleinsäugermagazinen, ein kleines Kapitel über die Igel findet sich auch im Buch "Exotische Kleinsäuger".
Weiterführend gibt es einige Bücher in englischer Sprache, die man sich durchaus auch beschaffen kann - wobei ich anmerken muß, daß die "amerikanische Haltung" weit von der Haltung wie sie hier üblich ist, abweicht und das nicht im positiven Sinne. Zu kleine Käfige, eintöniges Futter und winzige Laufräder sind nicht die Ratschläge, die man aus der amerikanischen Literatur übernehmen sollte.
Viele Igelhalter Homepages sorgen ebenfalls dafür, das die Information zu den Tieren der Öffentlichkeit zugänglich ist. Also heißt es erst einmal lesen und überlegen, ob man in der Lage ist, den Weißbauchigel naturnah und artgerecht zu versorgen.
Die Igelchen brauchen viel Auslauf, demzufolge sind die in den Zoohandlungen angebotenen Terrarien keinesfalls geeignet. Aber im Laufe der Zeit hat sich aufgrund wachsender Terraristikinteressenten auch die Möglichkeit geschaffen, schöne und taugliche Terrarien für die Weißbauchigelhaltung im Internet zu erwerben.
In der Länge mag so ein Terrarium mindestens 1,20 Meter aufweisen, größer ist natürlich besser. In der Tiefe sollte es mindestens 50cm, größer natürlich wieder besser, betragen. In der Höhe sind keine Grenzen gesetzt, man kann auf mehreren Etagen bauen und diese durch Treppen verbinden. Die Igel klettern gerne, allerdings gehen sie keine Leitern hoch und klettern auch nicht auf kleinen Baumstämmen herum, man sollte also schon so bauen, das die oberen Etagen erreicht werden können, was am besten über eine Art Holztreppe realisierbar ist.
Kurz gefaßt, je größer ein Terrarium ist, umso wohler fühlt sich sein Bewohner. Man kann problemlos aus Holz mit Glasschiebetüren bauen, auf richtige Belüftung ist dabei zu achten und Zugluft zu vermeiden.
Keinesfalls darf Lack auf Lösungsmittelbasis oder Klebstoff verwendet werden, die Ausdünstungen sind noch Monate nach dem Bau hochgiftig und werden auf Dauer durch die Wärme freigesetzt. Vergiftungen und der Tod wären die Folge.
Die Igelchen brauchen aufgrund ihrer Herkunft jede Menge Wärme, eine Heizlampe oder wahlweise Heizmatte ist also Pflicht, wobei ich auf die Heizlampe schwöre, weil sie das ganze Terrarium aufheizt und bei weitem nicht so gefährlich ist, wie eine Heizmatte die zerkratzt oder angefressen wird.
Die Igel lieben eine Temperatur zwischen 22 - 28°C unter Tags, darunter sollte sie nicht liegen. Eine Nachtabsenkdung auf 18°-20° ist wünschenswert.
Wenn Nachwuchs ansteht, sollte man ganz besonders auf die Wärmeregulierung achten. Unbedingt rate ich davon ab, eine normale Glühbirne zu verwenden - es muß eine Heizlampe ohne Licht oder ein Rotlichstrahler sein. Finger weg von UV Lampen, diese könnten für schlimme Verbrennungen am Tier sorgen und sind für nachtaktive Säugetiere alles Andere als gesundheitsfördernd.
Die Igel sind nachtaktiv und wenn man ihnen normales Licht ins Terrarium gibt, verstört es sie extrem weil sie mit dieser hellen Beleuchtung gleich gar nichts anfangen können. Schwarzlichtlampen und andere UV Strahler sind gänzlich zu vermeiden, dadurch können bei hellhäutigen Tieren und Albinos bösartige Verbrennungen (ähnlich Sonnenbrand beim Menschen) auftreten.
Entgegen vielen Meinungen können die Tiere durchaus sehr zahm werden, viele Igel fressen aus der Hand und unterscheiden durchaus ihren Pfleger und fremde Menschen. Es muß jeder für sich entscheiden, wie zahm er seine Tiere haben möchte. Jedenfalls sollte man sich intensiv mit den Tieren beschäftigen, ein Igelchen welches sich selbst überlassen wird, wird nicht lange gesund bleiben und kann durchaus unangenehme Verhaltensweisen an den Tag legen. Der soziale Kontakt und der Spieltrieb sollte unbedingt gefördert und befriedigt werden. Igel sind keine Kuscheltiere, aber das sollte jedem klar sein bevor er sich einen stachligen Hausgenossen zulegt.
Der Igel wird abends gefüttert, was er bekommen sollte und was nicht steht in der Rubrik Ernährung.
Die Meinungen teilen sich, wenn es darum geht ob man afrikanische Weissbauchigel in der Gemeinschaft halten sollte oder nicht. Also ich selbst halte meine Igel in Gemeinschaft, Einzelhaltung ist nicht das was ich mir für meine Tiere vorstelle. Allerdings kann man es nicht verallgemeinern - es gibt durchaus einzelne Igel, die keine Gesellschaft dulden und allein gehalten werden sollten.
Am besten gelingt eine Vergesellschaftung von Weibchen, aber auch Männchen Gruppen können problemlos funktionieren wenn man den Tieren ausreichend Unterschlupfmöglichkeiten, sowie ein großes Terrarium zur Verfügung stellt. Ob Verträglichkeit oder nicht, hängt sehr oft von der Größe der Behausung und der Struktur des Terrariums ab. In einem gut strukturierten Terrarium sind die Tiere so beschäftigt und ausgeglichen, daß Beißerein größtenteils ausbleiben.
Mit Beißerein meine ich nicht die normale Rangordnung, die es unter allen Tieren gleichermaßen gibt, sondern ernstzunehmende Aggressionen.
Keinesfalls sollte man Männchen und Weibchen zusammen halten, die Weibchen würden dauer unter Stress stehen und wären dauerträchtig. Zum Wohle der Tiere ist nur gleichgeschlechtige Vergesellschaftung, ausgenommen zur Paarung, angeraten. Wer es gegen Anraten doch mit einem Pärchen probiert, wird nicht lange Freude daran haben - es ist unnatürlich Igel in monogamer Partnerschaft zu halten, in der Natur treffen sie sich rein zur Paarung aber leben nicht als Paar zusammen. Das Weibchen wird so gestreßt, das es alsbald abmagern würde und die Jungen die es bekommt, fallen entweder ihr selbst oder aber dem Männchen als Futter zum Opfer. Ist das der Sinn der Heimtierhaltung? Ich glaube es nicht und kann es nicht oft genug betonen, keinesfalls Männchen und Weibchen in einem Terrarium zu halten.
Ich persönlich finde die Einzelhaltung nicht vorteilhaft, meine Igel spielen zusammen und dadurch kommt keine Langeweile auf. Wenn man sich aber intensiv mit seinem Igel beschäftigt, dann kann man ihn auch als Einzeltier halten. Aber es ist eben schöner, 2 oder mehrere Igel zu haben - dementsprechend groß muß natürlich das Terrarium sein.
Die Einstreu sollte aus Hobelspänen und Stroh bestehen, von Heu raten wir ab weil die Igelchen mit ihren Beinen drin hängen bleiben können und das zu schlimmen Verletzungen inform Abschnürung führen kann.
Die Igel sind durchaus lernfähig auf eine Kleinsäugertoilette zu gehen, welche man mit Holzpellets, Sand oder Strohpellets füllt und es in eine Terrariumecke stellt. Von Katzenstreu ist anhand Erfahrungswerten abzuraten, weil diese bei Aufnahme zu schlimmen Verätzungen des Magen-Darm Traktes mit Todesfolge führen würde.
Die Toilette ist jeden Tag zu reinigen, weil ein verschmutztes Klo Krankheiten fördert und die Igelchen auf ein schmutziges Klo auch nicht gehen mögen, dann lieber daneben machen und da kann es durchaus schonmal passieren, das der Futternapf herhalten muß.
Wasser - und Futternapf sind täglich zu reinigen. Ob man eine Nippeltränke oder lieber eine Großsittichtränke nimmt, sollte man mit seinem Igel austesten. Meine eigene Erfahrung ist, das viele Igel mit der normalen Nippeltränke nichts anfangen können und auch nach mehreren "Erklärungen" und "Vorführungen" immer noch nicht daraus trinken, in dem Fall empfehle ich eine Wasserschale (die sie nicht umwerfen können, am besten aus glasiertem Ton) oder eben eine Großsittichtränke zum befestigen an der Terrariumwand.
Von Zeit zu Zeit und bei Verdacht auf Wurmbefall, sollten die Igel entwurmt werden. Näheres hierzu im Kapitel Krankheiten und Vorsorge.
Ich möchte darauf verweisen weil sich wohl der Irrtum eingeschlichen hat, Igel würden Impfungen bekommen - es gibt keine Impfungen für Igel und wenn ein Tierarzt dies behauptet, dann möchte er Geld verdienen, aber einen anderen Grund hat es nicht. Also bitte nicht verrückt machen lassen.
Es gibt nicht viele Tierärzte, die Ahnung vom Afrikanischen Weissbauchigel haben - da heißt es suchen und den richtigen finden, denn auch ein Igelchen muß irgendwann in seinem Leben einmal zum Arzt. Eine Liste gängiger und igelerfahrener Tierärzte sind in unserem Forum zu finden.
Igel haben keine festen Paarungszeiten und sind das ganze Jahr aufnahmebereit, wobei wir im Sommer eine Art Ruhephase bemerken, die aber nicht bei allen Tieren auftritt. Zwischen den Geburten sollte eine ausreichende Ruhepause für das Weibchen liegen, es in Monaten festzumachen lasse ich außen vor, ausschlaggebend ist der Allgemeinzustand des Muttertieres und wie sehr es sie anstengt, Jungtiere aufziehen. Dies variiert von Tier zu Tier und somit möchte ich mir nicht anmaßen, einen Zeitraum festzulegen.
Wenn eine Igelin Junge kriegt, sollte sie nicht gestört werden und es sollten keine anderen Igel mit im Terrarium sein, sonst wird es durchaus passieren das sie ihre Jungen auffrißt.
Quelle:
http://www.afrikanische-weissbauchigel.de/UntitledFrameset-107.htm