- Niederlanden verbieten Degus, zieht Deutschland nach? Beitrag #1
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phyllotis
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Hi,
es ist mittlerweile einige Monate her, seit die Nachricht wie eine Bombe reinplatzte und niederländische Deguhalter eiskalt erwischte. Die Haltung der Degus soll mit Inkraftsetzung einer Postivliste, welche die Degus nicht aufführt, verboten werden. Zwar sollen bisherige Tiere noch weiter gehalten werden dürfen, sofern sie gechipt werden, doch die Anschaffung von Neutieren und die Vermehrung ist ab sofort verboten.
Die Folgen für die Deguhaltung sind zur Zeit noch nicht im Detail absehbar, auch scheint es nach wie vor so zu sein, dass die Liste noch nicht von Regierung und Parlament abgesegnet wurde, doch das ist nur eine Frage der Zeit, bis auch diese Formalitäten erledigt sind. Viel wichtiger ist die Frage, wie es überhaupt soweit kommen konnte. Die Antwort ist nicht so einfach, sie hat aber mit einem neuen Tiergesetz zu tun, das verabschiedet wurde und im Januar 2013 in Kraft trat. Dieses sieht vor, dass Listen für Tierarten augearbeitet werden, die in Zukunft gehalten werden und dass Tiere, die nicht auf dieser Liste stehen, in Zukunft verboten seien. Jede Art wird dabei geprüft, ob sie geeignet ist oder nicht, bei neuen Arten kann ein Antrag zur Prüfung gestellt werden. Die Abklärungen der Tierarten wurden von der Universität Wageningen erstellt und der Regierung in Form eines umfangreichen Dokuments mit Empfehlungen in Form einer umfangreichen Kriterienliste überreicht. Bereits dort wurde der Degu von keinem der 8 Experten als zur Haltung geeignet eingestuft, was offenbar wesentlich zum Verbot beitrug. Wieso das passieren konnte, ist mir noch nicht ersichtlich, da ich die Details nicht kenne, es stimmt aber nachdenklich, da die Haltungspraxis eigentlich so gar nicht zu diesem Entscheid passen will.
Die Entwicklung in den Niederlanden ist keineswegs ein Einzelfall, in Belgien gibt es schon so eine Liste, welche jedoch den Degu erlaubt und auch in Deutschland gibt es auf Ebene der Länder Gesetze, welche bisher versuchten gewisse Tiere zu verbieten. Manche davon sind sehr kurios und fragwürdig, so die Gesetzgebung in Hessen, andere sind teilweise besser. Die Entwicklung ist also schon seit längerem in der Luft und wird vor allem von extremen Tierrechtlern vorangetrieben, bislang mit wenig Erfolg, was die Beachtung bei den Parteien angeht, da insbesondere die CDU bisher nicht auf Anträge und Forderungen einging. Seit einiger Zeit ist auf Seiten der links-grünen Parteien Unterstützung zu vernehmen und die Parteien haben sich Tierhaltungsverbote und strenge Reglementierungen von den extremen Tieraktivisten inspiriert, ins Parteiprogramm aufnehmen lassen. Mit dem Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD sind daher diese Forderungen wieder auf dem Tisch, obwohl die CDU die meisten Stimmen holte.
Was mir weiterhin unlogisch erscheint, dass gerade von linksgrüner Seite so stark auf Verbote und starke Einschränkungen gepocht wird, war doch die SPD in den Nachkriegsjahren die Stimme des kleinen Manns und des Volks und hätte damals wohl kaum die Absicht gehabt, die Ausübung von Hobbies unnötig zu erschweren, sofern sie nicht mit schwerwiegenden Nachteilen für die Gesellschaft daherkommt, im Gegenteil. Damals galten Hobbies als wichtig, da sie sinnvolle Aktivitäten bieten und gerade bei der Tierhaltung wird immer wieder auf den Nutzen hingewiesen, dass Kinder, die den Umgang mit Tieren lernen, damit auch lernen Verantwortung zu übernehmen und für andere Geschöpfe zu sorgen und nicht nur für sich zu denken... alles eigentlich sehr soziale Eigenschaften, die doch nur fördernswert sein sollten. Doch es passt natürlich auch zu unserer Zeit, in der Abzocke von grossen Vorbildern in Politik und Wirtschaft und den Banken uns vorgelebt werden, dass dies alles nichts mehr gilt. Auch beim Tierschutz zeichnet sich leider das traurige Bild ab, dass extreme Forderungen von Tierrechtlern weite Akzeptanz gefunden haben und die Stimmung zunehmend vergiften, was konstruktive Arbeit zugunsten der Tiere immer mehr verhindert. Leider ist längst nicht überall Tierschutz drin, wo Tierschutz drauf steht, was insbesondere auch für populistische Organisationen wie Peta und Co. gilt, die es zwar verstehen die Gesellschaft zu schocken, aber für die Tiere letztlich weit weniger erreichen als so manche im Stillen arbeitende, kleine Nothilfestelle.
Die Formulierung im Koalitionsvertrag welche unter dem harmlosen Titel "Naturschutz und biologische Vielfalt" daher kommt tönt zwar harmlos, sie wird aber - und das wird die zukünftige Entwicklung zeigen - folgenschwere Einflüsse auf die Tierhaltung haben:
"Wir verbessern den Wildtierschutz und gehen gegen Wilderei sowie den illegalen Wildtierhandel und deren Produkte vor; Handel mit und private Haltung von exotischen und Wildtieren regeln wir bundeseinheitlich. Import von Wildfängen soll grundsätzlich verboten und gewerbliche Tierbörsen für exotische Tiere untersagt werden."
Quelle: Koalitionsvertrag S. 119 http://www.tagesschau.de/inland/koalitionsvertrag136.pdf
Wie diese Regelung aussieht, da denken zur Zeit viele Tierhalter noch, dass es nur ein paar wenige Tierarten, insbesondere Riesenschlangen, Krokodile und andere wenig sympathische Tiere treffen dürfte und dass sie das nichts angehen werde. Doch die Realität zeigt leider ein anderes Bild: das Deguhaltungsverbot in den Niederlanden ist wohl das beste Beispiel, wie schädlich ein Nichtstun sein kann, wenn Tierhalter sich nicht wehren. Klar, man könnte vielleicht auch Glück haben, wie in Belgien (andere Tierhalter hatten aber auch dort weniger Glück). Aber sollte man sich auf das Glück verlassen, während die Politik über die Zukunft der Tierhaltung entscheidet? Tatsache ist nun mal, dass die SPD mit ihrem Programm und damit auch mit ihren Forderungen die Tierhaltung stark einzuschränken (was wahrscheinlich über Verbote und wenige erlaubte Arten funktionieren dürfte wie in den Niederlanden) nicht gewählt wurde und trotzdem versucht sie es nun über die Hintertür des Koalitionsvertrag ihre Forderungen dem Wähler und uns Tierhalter aufzubrummen. Da tut Aufklärung Not, unter den Tierhalter, denn viele wähnen sich nach wie vor in falscher Sicherheit, aber auch dass der Kontakt zur Politik, soziale Medien usw. genutzt werden, um unseren Positionen eine Stimme zu verleihen. Es darf nicht sein, dass den Wählern Verschlechterungen bei den Haltungsbedingungen von Tieren und bei der Aufklärung und Unterstützung über artgerechte Haltung als "Tierschutz" verkauft wird. Auch wenn wir jetzt noch nicht mit Sicherheit wissen, ob die SPD ein solch extremes Tierhaltungsverbot durchsetzen kann, so ist es doch sehr blauäugig, erst mal abwarten zu wollen, bis wir dann vor vollendete Tatsachen gestellt werden, denn im Nachhinein sich zu wehren ist gewiss deutlich mühsamer, wenn überhaupt sich dann in nützlicher Frist noch was ändern lassen sollte.
Informationen zu einem möglichen Haltungsverbot in Deutschland:
http://www.exotische-kleinsäuger.de/80.html
http://ratfrett.wordpress.com/category/haltungsverbot/
Links zum Tiergesetz und dem Haltungsverbot in den Niederlanden:
Elsevier.nl - Niederlanden verabschieden schwarze Liste mit zukünftig verbotenen Tierarten (in Niederländisch)
Brief an die zweite Kammer: Positivliste (in Niederländisch)
Tierhaltungslisten auf Deutsch
LG Phyll
es ist mittlerweile einige Monate her, seit die Nachricht wie eine Bombe reinplatzte und niederländische Deguhalter eiskalt erwischte. Die Haltung der Degus soll mit Inkraftsetzung einer Postivliste, welche die Degus nicht aufführt, verboten werden. Zwar sollen bisherige Tiere noch weiter gehalten werden dürfen, sofern sie gechipt werden, doch die Anschaffung von Neutieren und die Vermehrung ist ab sofort verboten.
Die Folgen für die Deguhaltung sind zur Zeit noch nicht im Detail absehbar, auch scheint es nach wie vor so zu sein, dass die Liste noch nicht von Regierung und Parlament abgesegnet wurde, doch das ist nur eine Frage der Zeit, bis auch diese Formalitäten erledigt sind. Viel wichtiger ist die Frage, wie es überhaupt soweit kommen konnte. Die Antwort ist nicht so einfach, sie hat aber mit einem neuen Tiergesetz zu tun, das verabschiedet wurde und im Januar 2013 in Kraft trat. Dieses sieht vor, dass Listen für Tierarten augearbeitet werden, die in Zukunft gehalten werden und dass Tiere, die nicht auf dieser Liste stehen, in Zukunft verboten seien. Jede Art wird dabei geprüft, ob sie geeignet ist oder nicht, bei neuen Arten kann ein Antrag zur Prüfung gestellt werden. Die Abklärungen der Tierarten wurden von der Universität Wageningen erstellt und der Regierung in Form eines umfangreichen Dokuments mit Empfehlungen in Form einer umfangreichen Kriterienliste überreicht. Bereits dort wurde der Degu von keinem der 8 Experten als zur Haltung geeignet eingestuft, was offenbar wesentlich zum Verbot beitrug. Wieso das passieren konnte, ist mir noch nicht ersichtlich, da ich die Details nicht kenne, es stimmt aber nachdenklich, da die Haltungspraxis eigentlich so gar nicht zu diesem Entscheid passen will.
Die Entwicklung in den Niederlanden ist keineswegs ein Einzelfall, in Belgien gibt es schon so eine Liste, welche jedoch den Degu erlaubt und auch in Deutschland gibt es auf Ebene der Länder Gesetze, welche bisher versuchten gewisse Tiere zu verbieten. Manche davon sind sehr kurios und fragwürdig, so die Gesetzgebung in Hessen, andere sind teilweise besser. Die Entwicklung ist also schon seit längerem in der Luft und wird vor allem von extremen Tierrechtlern vorangetrieben, bislang mit wenig Erfolg, was die Beachtung bei den Parteien angeht, da insbesondere die CDU bisher nicht auf Anträge und Forderungen einging. Seit einiger Zeit ist auf Seiten der links-grünen Parteien Unterstützung zu vernehmen und die Parteien haben sich Tierhaltungsverbote und strenge Reglementierungen von den extremen Tieraktivisten inspiriert, ins Parteiprogramm aufnehmen lassen. Mit dem Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD sind daher diese Forderungen wieder auf dem Tisch, obwohl die CDU die meisten Stimmen holte.
Was mir weiterhin unlogisch erscheint, dass gerade von linksgrüner Seite so stark auf Verbote und starke Einschränkungen gepocht wird, war doch die SPD in den Nachkriegsjahren die Stimme des kleinen Manns und des Volks und hätte damals wohl kaum die Absicht gehabt, die Ausübung von Hobbies unnötig zu erschweren, sofern sie nicht mit schwerwiegenden Nachteilen für die Gesellschaft daherkommt, im Gegenteil. Damals galten Hobbies als wichtig, da sie sinnvolle Aktivitäten bieten und gerade bei der Tierhaltung wird immer wieder auf den Nutzen hingewiesen, dass Kinder, die den Umgang mit Tieren lernen, damit auch lernen Verantwortung zu übernehmen und für andere Geschöpfe zu sorgen und nicht nur für sich zu denken... alles eigentlich sehr soziale Eigenschaften, die doch nur fördernswert sein sollten. Doch es passt natürlich auch zu unserer Zeit, in der Abzocke von grossen Vorbildern in Politik und Wirtschaft und den Banken uns vorgelebt werden, dass dies alles nichts mehr gilt. Auch beim Tierschutz zeichnet sich leider das traurige Bild ab, dass extreme Forderungen von Tierrechtlern weite Akzeptanz gefunden haben und die Stimmung zunehmend vergiften, was konstruktive Arbeit zugunsten der Tiere immer mehr verhindert. Leider ist längst nicht überall Tierschutz drin, wo Tierschutz drauf steht, was insbesondere auch für populistische Organisationen wie Peta und Co. gilt, die es zwar verstehen die Gesellschaft zu schocken, aber für die Tiere letztlich weit weniger erreichen als so manche im Stillen arbeitende, kleine Nothilfestelle.
Die Formulierung im Koalitionsvertrag welche unter dem harmlosen Titel "Naturschutz und biologische Vielfalt" daher kommt tönt zwar harmlos, sie wird aber - und das wird die zukünftige Entwicklung zeigen - folgenschwere Einflüsse auf die Tierhaltung haben:
"Wir verbessern den Wildtierschutz und gehen gegen Wilderei sowie den illegalen Wildtierhandel und deren Produkte vor; Handel mit und private Haltung von exotischen und Wildtieren regeln wir bundeseinheitlich. Import von Wildfängen soll grundsätzlich verboten und gewerbliche Tierbörsen für exotische Tiere untersagt werden."
Quelle: Koalitionsvertrag S. 119 http://www.tagesschau.de/inland/koalitionsvertrag136.pdf
Wie diese Regelung aussieht, da denken zur Zeit viele Tierhalter noch, dass es nur ein paar wenige Tierarten, insbesondere Riesenschlangen, Krokodile und andere wenig sympathische Tiere treffen dürfte und dass sie das nichts angehen werde. Doch die Realität zeigt leider ein anderes Bild: das Deguhaltungsverbot in den Niederlanden ist wohl das beste Beispiel, wie schädlich ein Nichtstun sein kann, wenn Tierhalter sich nicht wehren. Klar, man könnte vielleicht auch Glück haben, wie in Belgien (andere Tierhalter hatten aber auch dort weniger Glück). Aber sollte man sich auf das Glück verlassen, während die Politik über die Zukunft der Tierhaltung entscheidet? Tatsache ist nun mal, dass die SPD mit ihrem Programm und damit auch mit ihren Forderungen die Tierhaltung stark einzuschränken (was wahrscheinlich über Verbote und wenige erlaubte Arten funktionieren dürfte wie in den Niederlanden) nicht gewählt wurde und trotzdem versucht sie es nun über die Hintertür des Koalitionsvertrag ihre Forderungen dem Wähler und uns Tierhalter aufzubrummen. Da tut Aufklärung Not, unter den Tierhalter, denn viele wähnen sich nach wie vor in falscher Sicherheit, aber auch dass der Kontakt zur Politik, soziale Medien usw. genutzt werden, um unseren Positionen eine Stimme zu verleihen. Es darf nicht sein, dass den Wählern Verschlechterungen bei den Haltungsbedingungen von Tieren und bei der Aufklärung und Unterstützung über artgerechte Haltung als "Tierschutz" verkauft wird. Auch wenn wir jetzt noch nicht mit Sicherheit wissen, ob die SPD ein solch extremes Tierhaltungsverbot durchsetzen kann, so ist es doch sehr blauäugig, erst mal abwarten zu wollen, bis wir dann vor vollendete Tatsachen gestellt werden, denn im Nachhinein sich zu wehren ist gewiss deutlich mühsamer, wenn überhaupt sich dann in nützlicher Frist noch was ändern lassen sollte.
Informationen zu einem möglichen Haltungsverbot in Deutschland:
http://www.exotische-kleinsäuger.de/80.html
http://ratfrett.wordpress.com/category/haltungsverbot/
Links zum Tiergesetz und dem Haltungsverbot in den Niederlanden:
Elsevier.nl - Niederlanden verabschieden schwarze Liste mit zukünftig verbotenen Tierarten (in Niederländisch)
Brief an die zweite Kammer: Positivliste (in Niederländisch)
Tierhaltungslisten auf Deutsch
LG Phyll
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