Erstmal: Herzlichen Glückwunsch zur glücklichen Herren-VG! Das ist ungefähr so viel Wert, wie ein 6er im Lotto und ich versuch mal aufzudröseln, warum es geklappt hat.
Du hast sehr clever mit einem Trenngitter angefangen. So konnten sich die beiden Herren ganz unproblematisch erschnuppern ohne das ein Tier in das Revier des anderen eindringt.
Die Phase in der TB kann man als "Zwangsvergesellschaftung" bezeichnen. Die Tiere haben dort einfach keine Wahl. Hätten sie sich jedoch schon vorher nicht riechen können (im Sinne von nicht leiden können) oder wären sie in Kraft und Durchsetzungsvermögen einander so ähnlich, dass keine klare Rangordnung zustande kommt, hätte es Tote gegeben.
Dein Aq hat vermutlich eine Grundfläche von 80x50 oder kleiner? Auch das ist ein wichtiger Aspekt. Je mehr Platz die Tiere haben, um so größer ist der Drang jedes Böckchens ein eigenes Revier zu besitzen und ein Harem zu gründen.
Wie schauts in der Natur aus? Junge Böckchen verlassen das elterliche Nest um eine eigene Familie zu gründen. Einige ziehen allein los, andere arangieren sich zunächst mit Brüdern. Selbst in einer Kleingruppe lebt es sich sicherer, als allein. Aber spätestens, wenn die Tiere im besten Mannesalter sind, lösen sich diese Verbindungen, weil die Kerlchen dann kräftig genug sind um beispielsweise einen Altbock aus einer Familie zu vertreiben und das neue Oberhaupt zu werden oder eine eigene Familie mit einzelnen Weibchen zu gründen und zu halten.
Das ganze hat bei dir also geklappt, weil die Tiere recht jung sind, sich wohl etwas mochten, eine klare Rangordnung ausmachen konnten, die bisher noch nicht in Frage gestellt wurde und weil sie aufgrund der Gegebenheiten kaum eine Wahl haben sich aus dem Weg zu gehen. Das schwächere Tier ordnet sich lieber unter, als sich umbringen zu lassen.
Nun hat sich das Haremsystem bei den Mausels nicht umsonst und nicht ohne Folge als evolutionsstabil herausgestellt. Durch das Verhalten der Mäusemänner, wird Inzucht vermieden. Junge Böckchen gründen eigene Familien, statt die Mutter zu beglücken. Ein anderer Aspekt: die Lebenszeit einer Maus ist sehr sehr kurz. Noch kürzer ist die Zeitspanne der "vollen Manneskraft". Die Männchen können es sich nicht leisten, in dem bisschen Zeit fremden Nachwuchs zu beschützen. Deswegen werden andere Männchen gnadenlos vertrieben oder unterdrückt geduldet (die geduldeten dürfen nicht an die Mädels ran, warten aber auf ihren großen Tag um die Macht zu übernehmen und ihrerseits den Konkurenten zu vertreiben).
Die Folge ist, dass das aggressive Verhalten Bock gegen Bock unausweichlich in jeder männlichen Maus vorhanden ist. Wer dieses Verhalten nicht in ausreichendem Maße gezeigt hat, konnte sich nicht fortpflanzen (oder bekam fremden Nachwuchs unter gejubelt) und dementsprechend die verantwortlichen Gene nicht vererben.
Was bedeutet das alles für deine Böckchenhaltung? Momentan verstehen sich deine Tiere aufgrund von Jugend, Symphatie, "nicht-allein-sein-wollen" und "nicht-weg-können". Allein durch das älter werden, aber genauso auch durch Krankheiten, können und werden sich früher oder später die Machtverhältnisse im Käfig ändern. Der eine wittert seine Chance, der andere will seine Position nicht aufgeben. In dieser Situation wird sich keiner mehr um des lieben Friedens Willen unterordnen. Dann wird plötzlich ein Tier schwer verwundet oder tot sein.
Auch in dem (utopischen) Fall, dass die Kraftverhältnisse gleich bleiben, wird dem rangniederen Bock ein Leben in Unterdrückung zugemutet. Das ist enormer Stress und dieser verkürzt die Lebenszeit.
Spätestens wenn es Krach gibt und du die beiden trennst (was ein glücklicher Fall wäre, wenn du es rechtzeitig mitbekommst und richtig handelst) oder wenn ein Tier verstirbt (ob nun wegen Streit oder Krankheit) hast du ein Problem. Denn dann hast du einen oder zwei alte Einzelböcke, die mit anderen erwachsenen Böcken nicht mehr vergesellschaftbar sind und für eine Kastra zu alt.
Du hast jetzt die einmalige Chance, die beiden kastrieren zu lassen und ihnen damit ein schönes Mäuseleben in einer stabilen Gruppe zu garantieren.
lg Okapi