Ich finde Patricias Grundgedanken gut, denn er beinhaltet die Unterscheidung in domestizierte und nicht-domestizierte Tiere. Domestikation bedeutet, gerade was das Verhalten anbelangt, nämlich durchaus auch genetische Veränderungen (die "Zahmheitsgene" wurden ja bei Ratten schon relativ genau lokalisiert). Auch wenn man z.B. wilde Ratten und Farbratten durchaus anhand ihrer Bedürfnisse hinsichtlich Ernährung und Habitat vergleichen kann, so zeigen sie doch auch signifikante Unterschiede: Farbratten suchen den Kontakt zu Menschen, Wildratten - selbst Handaufzuchten - bleiben dagegen i.d.R. ihr Leben lang scheu.
Ganz ähnlich verhält es sich aller Wahrscheinlichkeit nach mit anderen Tieren, bei denen sich in gewisser Hinsicht - das können Kleinigkeiten sein, aber es sind eben entscheidende Kleinigkeiten - die domestizierten von den Wildformen unterscheiden.
Domestizierte Tiere kann man, davon bin ich überzeugt, durchaus artgerecht halten, wenn man sich ausreichend mit den Bedürfnissen der Tiere vertraut macht. Es wäre, um den Gedanken "rückwärts" zu denken, auch alles andere als artgerecht, diese Tiere auszusetzen, denn sie kämen ohne eine gewisse Unterstützung durch den Menschen mit Sicherheit "wild" nicht (mehr) so gut zurecht, wie ihre wilden Artverwandten.
Ich habe immer Zweifel, ob man Tiere, die aus der Wildnis gefangen werden, tatsächlich artgerecht halten kann, wobei es auch dabei immer auf's Tier und seine Bedürfnisse ankommt. Ein Tier, in dessen Natur es z.B. liegt, ein mehrere Quadratkilometer großes Revier zu haben, ist sicher weniger geeignet als eins, das auch in der Wildnis keinen übermäßig großen Aktionsradius hat bzw. haben muß. Bei letzterem kann man auch in Liebhaberhaltung sicher eine artgerechte Haltungsform darstellen, während das bei ersterem kaum möglich sein dürfte.