Auch auf die Gefahr hin, gelyncht zu werden :mrgreen: :
Ich habe für meine Ratten das Futter selbst gemischt. Mir war zumindest zu dem Zeitpunkt, als ich damit anfing, kein Fertigfutter bekannt, dass ich von seiner Zusammensetzung auch nur als gut bezeichnet hätte. Ich finde auch Rattima nicht besonders prickelnd.
Meiner Meinung nach ist die Auswahl an verschiedenen Zutaten in diesen Fertigfuttern zu gering und die Qualität nicht unbedingt überzeugend. Ratten selektieren, d.h. sie wählen sich aus einem Angebot bestimmte Teile heraus. Gerade wenn mehrere Ratten gehalten werden (dem sollte ja so sein) und das Futter nur beschränkt angeboten wird (viele Ratten werden durch solches Futter übergewichtig) kommt es schnell dazu, dass den Ratten nicht genug Auswahl bleibt, um sich das nötige zu selektieren. Wohl kaum eine Ratte wird das Futter genau so fressen, dass es zu dem auf der Packung stehendem Verhältnis kommt. Ausschließlich mit solch einem Fertigfutter zu Füttern halte ich daher für bedenklich.
Pellets lehne ich ab, weil ich sie von ihrer Strukturierung und ihrem Nährstoffgehalt generell für ungeeignet halte. Zwar gibt es Untersuchungen zum Thema Nährstoffbedarf von Ratten, allerdings halte ich die Ergebnisse, die anhand von Pelletfutter (o.ä.) und Laborratten gewonnen werden, für eine vernünftig gehaltene Liebhaberratte für völlig ungeeignet. Zumal es nicht nur Stoffe gibt, die der Körper zur Lebenserhaltung braucht, sondern auch solche, die für Gesundheit und Robustheit eine entscheidende Rolle spielen.
Der Nährstoffbedarf kann variieren, ebenso wie die Verfügbarkeit von Nährstoffen in einem Futtermittel. Dazu kommt, dass Nährstoffe ihre biologische Wirkung im Körper immer im Zusammenspiel und in Abhängigkeit von anderen Nährstoffen entfalten.
Je starrer das Nährstoffangebot und je geringer die Auswahl für die Ratten, desto höher das Risiko einer Unter- oder Überversorgung.
Das Mischen von Futter fand ich nie sonderlich kompliziert. Ein paar Dinge gilt es zu beachten und der Halter sollte in der Lage sein, seine Tiere zu beobachten und falls nötig entsprechend zu reagieren.
Generell zeigen Ratten wie viele andere Tiere auch die Fähigkeit, Nahrung zu selektieren. Sie sind in der Lage, aus einer großen angebotenen Vielfalt von Nahrung entsprechend ihren ernährungsphysiologischen Bedürfnissen geeignetes Futter auszuwählen und so die Aufnahme giftiger Futtermittel zu meiden. Auch können sie das Futter entsprechend ihres Nährstoffbedarfes auswählen.
Teilweise ist diese Fähigkeit angeboren, größtenteils jedoch erlernt. Zu diesem Verhalten sind nicht nur Wanderratten in der Lage, sondern auch Farbratten. Sie werden in der Wissenschaft Aufgrund dieses Verhaltens für entsprechende Versuche eingesetzt.
Einige Voraussetzungen müssen jedoch gegeben sein, damit ein solches Verhalten gezeigt werden kann.
- Die Ratten müssen entsprechend artgemäß gehalten werden. Ansonsten ist es möglich, dass z.B. aus Stress, Frust oder Langeweile mehr gefressen wird, als notwendig ist.
- Verarbeitete Futtermittel schränken die Selektionsfähigkeit der Ratten ein. Insbesondere wenn Aromastoffe zugesetzt werden, kann dies die Tiere stark beeinträchtigen. Daher empfehle ich, möglichst natürlich belassene Saaten zu verwenden
- Auch stark hochgezüchtete Sorten wie Weizen sollte nicht gefüttert werden, da es unter anderem im Verdacht steht, sich negativ auf Darm und auch Hirn auszuwirken. Es ist häufig Auslöser für Allergien. Da es genug Alternativen gibt, sollte m.E. kein Weizen im Rattenfutter enthalten sein.
- Der Halter muss seine Tiere beobachten, ob und wie sie selektieren. Gegebenenfalls muss reagiert und entsprechend vorselektiert (z.B. Einschränkung bestimmter Futtermittel) werden
- Selektion muss erlernt werden, eine Umstellung sollte daher langsam erfolgen. Entsprechendes vorselektieren durch den Halter kann zu Beginn notwendig sein
- Krankheit wie Schnupfen oder Stoffwechselstörungen können zum Problem werden. Bei Tieren mit entsprechenden Problemen kann eine Vorselektion notwendig sein
- Auch wenn Ratten dieses Verhalten zeigen, sollte man ihnen deswegen nicht jeden Mist anbieten. Dieses Verhalten funktioniert nicht bei jedem möglichen Futtermittel, wie oben erwähnt. Auch manche Gifte können aufgrund ihrer Wirkung zum Problem werden!
Um zu wissen, was Ratten alles fressen, kann es hilfreich sein sich an ihrer wilden Verwandten zu orientieren. Besonders viel habe ich bisher leider nicht dazu gefunden. Außer dass K.Becker 1950 Untersuchungen am Mageninhalt von viertausend Wanderratten angestellt hat. Das Ergebnis: 39% bestanden aus Körnerfutter und Sämereien. 34% aus Früchten, Gemüse und Gräsern und nur 10% aus Fleisch und Fisch.
Ablesen daraus lässt sich auf jeden Fall, dass Frischfutter in großer Vielfalt eine wichtige Rolle in der Ernährung spielt. Frischfutter sollte also ebenfalls in entsprechendem Angebot bzw. Vielfalt gefüttert werden. Ergänzend tierische Produkte.
Die Grundmischung sollte aus einer möglichst vielfältigen Auswahl an Saaten bestehen. Hierbei ist es empfehlenswert, sich nach den Vorlieben der Ratten zu richten, um nicht unnötig größere Mengen wegwerfen zu müssen.
Viele Kleinsaaten werden von den meisten Ratten nur in geringen Mengen gefressen, sind daher nur als Ergänzung sinnvoll.
Enthalten sein in dieser Mischung können sein:
- Buchweizen
- Chiahsamen
- Dinkel
- Gerste – mit Spelz oder als Ähre
- Hafer – Nackthafer oder als Ähre
- Hanfkörner
- Kamut
- Kardisaat
- Kürbiskerne
- Leinsaat
- Mais
- Mungobohnen
- Negersaat
- Paddyreis oder Vollkornreis
- Quinoah
- Sesam
- Sonnenblumenkerne
- (Marien)Distelsamen
Von vielen Ratten nur in sehr geringen Mengen gefressen:
- Amaranth
- Dari
- Hirse
- Kanariensaat/Glanzsaat
- Milo
- Mohn
- Nachtkerzensamen
- Perilla
- Rübsen
- Salatsamen
- Senfsaat
- Ungebeizte Grassaat
Zur Ernährung gibt es natürlich viele unterschiedliche Ansichten. Ich habe mit dieser Form der Ernährung sehr gute Erfahrungen gemacht, nicht nur bei Ratten. Jedes Tier ist natürliche ein Individuum, entsprechend muss der Halter auch damit umgehen.
Ich halte diese Ernährung nicht nur für eine gute Möglichkeit, die Tiere ausreichend mit notwendigen Nährstoffen und anderen Stoffen zu versorgen, sondern auch für eine Steigerung der Lebensqualität. Das Ziel einer Haltung sollte es sein, den Bedürfnissen des Tieres zu entsprechend und sein natürliches Verhalten zu fördern und zu fordern. Die Futterwahl ist ein sehr wichtiges Verhalten für ein Tier und daher ist es m.E. sinnvoll, dem Tier die Möglichkeit zu bieten, dieses Verhalten auszuleben. Futter sollte mehr sein als nur die Möglichkeit, etwas gegen den Hunger zu tun.