Hallo
Mein Thema

Vor ungefähr einem Jahr habe ich begonnen, Erfahrungsberichte zur Gemeinschaftshaltung der Phodopus Zwerghamster zu sammeln. Inzwischen sind ca. 80 Erfahrungsberichte eingegangen. Die Erfahrungsberichte sammle ich in verschiedenen deutschsprachigen Foren,
http://www.diebrain.de/zw-gruppenerfahrung.html hier ist eine Linkliste die leider nicht mehr ganz aktuell ist (da schicke ich Frau Wilde nachher gleich mal eine Mail). Bei Interesse kann ich dir die aktuellen Links auch per PN zuschicken. Außerdem gibt es dann noch eine Berichtesammlung in internationalen Foren, der englische Fragebogen ist von meinem abgeleitet, oft gibt es bei den Haltungsbedingungen aber andere Gegegebenheiten als bei uns. Auch da gibt es noch um die 30 Erfahrungsberichte.
Das Thema wird ja sehr kontrovers diskutiert, noch immer werden Fakten, Vermutungen und Halbwissen wild durcheinander geworfen.
Campbells sind laut Forschung monogame Tiere, das heißt, sie binden sich lebenslang an einen festen Partner und ziehen gemeinsam ihren Nachwuchs groß.
In der Heimtierhaltung gibt es jedoch kaum Erfahrungen mit gemischtgeschlechtlichen Paaren, beim Hobbyzüchter werden die Paare regelmäßig auseinandergerissen, bei den Hobbyhaltern werden gleichgeschlechtliche Geschwister oder Eltern mit ihren Jungtieren vergesellschaftet. Die Natur hat es nicht vorgesehen dass Brüder eine Lebensgemeinschaft eingehen oder die Tochter bei der Mutter bleibt.
Es ist ganz natürlich, wenn Brüder mit Geschlechtsreife zu Konkurrenten werden und die Eltern ihre Kinder nach einiger Zeit aus dem Nest vertreiben.
Ich schätze, die Haltung von einem Paar (nicht verwandt) aus kastriertem Männchen und einem Weibchen würde wohl dem natürlichen Sozialverhalten am meisten entgegen kommen, wenn man gleichzeitig Nachwuchs vermeiden möchte. Allerding wäre das Neuland, da müssen erst noch Erfahrungen gesammelt werden, es gibt keine Berichte auf die man zurückgreifen kann.
Nun zu den Gegebenheiten:
Wenn Campbells soziale Tiere sind, dann sind sie das nicht nur in beengten Platzverhältnissen sondern auch in einem großen Gehege wenn sie die Möglichkeit haben sich aus dem Weg zu gehen.
Ich diskutiere gerne über das Sozialverhalten weil es für mich ein wichtiger Punkt im Thema "artgerechte Haltung" spielt. Zur artgerechten Haltung gehört für mich aber auch ein großes, abwechslungsreiches Gehege. Deswegen halte ich gar nichts davon, wenn Hamstergruppe in kleinen Gehegen "zwangsvergesellschaftet" werden, nur damit man die Gruppenhaltung durchziehen kann.
Woher das Tier holen?
Seit das Thema Gruppenhaltung aktueller wird steht man regelmäßig vor dem Problem- woher mein Hamster? Und immer wieder der gleiche Ratschlag: Beim Züchter der auf Sozialverträglichkeit züchtet (meist wird in dem Zusammenhang auch die Zucht auf "Diabetesfreit" lobenswert erwähnt).
Ich finde diesen Trend sehr bedauerlich.
Ich halte nämlich nichts davon, Tiere zu vermehren deren Ansprüche man in Heimtierhaltung nicht mal annährend gerecht werden kann weil man sie gar nicht kennt, außerdem leiden Campbells unter dem hohen Risiko im Lauf ihres Lebens an Diabetes zu erkranken.
Zucht mit vernünftigen Ergebnissen erfordert eine hohe Anzahl an Tieren, das kann kein Hobbyzüchter leisten. Ein sehr interessanter Artikel zum Thema Zucht
http://www.rodent-info.net/inzucht.htm Es gibt keinerlei Statistiken dass Tiere vom Hobbyzüchter sozialverträglicher und gesünder sind als Campbells aus anderer Quelle.
Woher denn sonst?
Weitere Quellen für Hamster sind die Hamsterhilfen.
Jedoch ist nur die Hamsterhilfe Nord dem Thema Gruppenhaltung gegenüber aufgeschlossen. Wie ihr darauf kommt, dass die meisten Versuche "in die Hose" gingen möchte ich mal hinterfragen, die Hamsterhilfe Nord schildert da andere Erfahrungen.
Die Hamsterhilfe Nord kann keine Garantie darauf geben, dass die von ihr vermittelten Gruppen stabil bleiben, das wird jedem Interessenten klar gemacht. Allerding möchte die Hamsterhilfe Nord harmonierenden Gruppen zumindest die Chance geben, zusammen zu bleiben, sie teilt nicht prinzipiell alle Gruppen sofort in Einzeltiere auf wie das die anderen Hamsterhilfen handhaben. Auch gibt es dort die Möglichkeit, Campbells die in einer Pflegestelle aufwuchsen als Geschwisterpaar zu übernehmen.
Weitere Möglichkeit:
Die Tierheime:
Dort wird die Hamstervermittlung sehr unterschiedlich gehandhabt, immer wieder findet man aber auch in Tierheimen Hamstergruppen zur Vermittlung.
Der Kleinanziegenmarkt:
Dort sind unzählige Zwerghamster zu finden. Verschiedene Arten, aus unterschiedlicher Herkunft und aus ganz unterschiedlichen Gründen abzugeben. Man muß sich schon ein bisschen auskennen um da noch den Überblick zu behalten und muß die Angebote kritisch hinterfragen.
Aber auch dort sind echte Notfellchen zu finden. Teilweise werden die sogar verschenkt. Einerseits kann man unbeabsichtigten Nachwuchs finden, andererseits bereits bestehende (Geschwister-)Paare die oft auch mit (ungeeignetem) Zubehör und Käfig abgegeben werden.
Oft wird geraten, ein Anfänger sollte sich erst mal ein Einzeltier holen. Finde ich Quatsch. Bei Ratten, Rennmäusen und Mäusen wird doch auch nicht geraten, erst mal Einzeltiere zu halten bevor es an die Gruppe geht.
Vor der Anschaffung jedes Tieres muß man sich gründlich informieren.
Besonders wenn es um so ein heikles Thema wie Zwerghamstergruppen geht und es so schwer ist, überhaupt gut Infos zu finden. Da hilft nur, ganz viele verschiedene Quellen zu lesen und kritisch zu hinterfragen.
Ein weiterer Punkt sind die finanziellen und räumlichen Voraussetzungen: Ich denke nicht, dass man bei einer Gruppe von vier Campbells auch gleichzeitig drei voll eingerichtete Ersatzgehe zur Hand haben muß. Allerdings muß man die Möglichkeit haben, die vier im Streitfall sofort trennen und dann auch schnellstmöglich vier artgerechte Behausungen stellen zu können. Die kosten viel Geld und benötigen viel Platz. Ein Jugendlicher der seine Hamster im Kinderzimmer hält dürfte mit so etwas schon überfordert sein.