Hallo Mary,
schön, dass du hier auch öffentlich zugibst, dass du noch Probleme mit den Paraden hast. Viele geben dem Pferd die Schuld.
Wenn ich den Thread richtig verstanden habe, ist der Hilfszügel also nicht für die Ausbildung des Pferdes da, sondern für deine Ausbildung.
Das Martingal darf nicht so eng verschnallt werden, dass der Zügel zwischen Pferdemaul und Reiterhand unterbrochen ist. Wird er so kurz verschnallt, dass damit der Kopf des Pferdes heruntergedrückt wird, wird die Gebisshilfe enorm verfälscht und verstärkt. An vernünftiges Reiten ist da nicht zu denken. Ein Martingal soll das Kopfschlagen verhindern.
Ein Ausbinder zwingt den Pferdekopf in eine starre Position. Seitliche Biegung ist fast unmöglich. Will der Reiter das Pferd seitlich biegen, muss er gegen den Zug des äußeren Ausbinders am inneren Zügel ziehen. Eine Führung des Pferdes an den äußeren Hilfen ist somit unmöglich und kann nicht erlert werden.
Ein Ausbinder ist für absolute Reitanfänger, die am Gleichtgewicht arbeiten ideal.
Dauerhaft angewendet führt der Ausbinder beim Pferd zu Verspannungen in der Halsmuskulatur (so wie auch der Dreieckszügel), selbst bei noch so langer Verschnallung, da diese nur Dehnung zulässt aber noch immer seitliche Stabilität bildet.
Sämtliche Hilfszügel, die eine seitliche Stabilität bilden, haben dieses Manko für den Reiter und seine Ausbildung.
Den richtigen Hilfszügel für die eigene reiterliche Ausbildung zu finden, ist nicht ganz leicht. Dem Pferd den Kopf runterzuzwingen ist der falsche Ansatz, sobald der Reiter in der Lage ist, seine Gliedmaßen zu koordinieren.
Das Pferd soll immerhin mit dem Rücken tragen. Ein aufgewölbter Rücken führt immer zum Fallenlassen des Halses (so man nicht in relativer Aufrichtung als Versammlung reitet, aber das würde dieses Post sprengen).
Du musst für dich entscheiden, wie weit du schon im Gleichgewicht sitzt und wie weit das Zusammenspiel deiner Hilfen ist. Wenn du noch seitliche Stabilität benötigst, kannst du als fortgeschrittener Anfänger einen Dreieckszügel in Wienerzügelverschnallung verwenden und diesen entsprechend lang verschnallen.
So kannst du üben, dass das Pferd über den Rücken den Hals fallen lässt.
Hebt das Pferd sich nur noch ab und zu heraus, ist ein Martingal gut.
Hebt das Pferd sich permanent heraus und du hast Probleme das Pferd zu stellen und zu biegen um durch Biegung und aktives Untertrenten der HH die Entspannung des Halses herbeizuführen, würde ich einen Hilfszügel empfehlen, der keine seitliche Stabilität bietet, damit du wirklich am äußeren Zügel reiten und über Schenkel und Paraden biegen kannst. Hierfür eignen sich Gogue, Chambon und Stoßzügel (nur bei doppelt gebrochenem Gebiss, evtl. doppelter Stoßzügel oder Stoßzügel am Reithalfter statt am Gebiss befestigt).
Die Verschnallung ist so zu wählen, dass du wirklich arbeiten musst. Sonst ersetzt der Hilfszügel deine richtigen Hilfen und du lernst nichts. Ein guter Hilfszügel ist so verschnallt, dass der Reiter jammert :mrgreen: (tja ich bin böse), es aber mit viel Mühe dann doch klappt. Gleichzeitig muss man bei der Verschnallung darauf achten, dass das Pferd während der Trainingszeit mehr die richtige Muskulatur trainiert als die falsche.
Wenn das Pferd erst nach 45 Min. den Hals fallen lässt, hat es 45 Min. die falsche Muskulatur trainiert und nur die restlichen 5-20 Min. die richtige. Damit verschlechtert sich das Pferd mit der Zeit und muss mit viel Energie korrigiert werden.
Vielleicht hast du ja durchgehalten und bis hierhin gelesen.
Herzlichen Glückwunsch :clap:
Vielleicht haben dir ja meine Ausführungen ein wenig geholfen.
https://www.tierforum.de/members/u34864-midnightblue.html